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Full text of "Oesterreichische National-Encyklopädie, oder, Alphabetische Darlegung der wissenswürdigsten Eigenthümlichkeiten des österreichischen Kaiserthumes : in Rücksicht auf Natur, Leben und Institutionen ... (Vorzüglich der neuern und neuesten Zeit.)"

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Eyorı? 





Oeſterreichiſche 


National - Encyktopädie, 


oder 





alphabetiſche Darlegung 


der 


uiffenswärbigfien Eigenthü mlichteiten 


des 
öerreidifäen Katferthumes, 
in Rüdfide 


. auf Ratur, Lebenund Inftitutionen, Induftrieund Commerz, 
Öffentliche und Privat-Anftalten, Bildung und Wiffenfchaft, 
Literatur und Kunft, Geographie und Statiſtik, Gefchichte, 
Genealogie und Biographie, fo wie auf alle Hauptgegen, 

ftände feiner Civiliſations⸗Verhältniſſe. 


(Dorzüglidy der neuern und neueften Zeit.) 
Im .Geifte der Unbefangenpeit bearbeitet.- 
In ſeh Bänden) 
Vierter Band. 
(N dis Sedria.) 


(Auf Koſten der enden Herausgeber.) 





Wien, 1886. 
In Commiſſion der Friedr. Bed’fhen Univerfitäts: Buchhandlung. 


>K 











Snhaltöverzeichniß des Vierten Bandes. 





Neufadtfer Kreis 48, 






















Neutitfcein 
N: Neutra Ag. * 
NRachma cung öffentlicher Neu efpanfchaft 49. 
Greditsvaplere 3. Keflet, Daniet 36. Neumaldegg, |. unter Dorns 
Naded 3. Behmit 37. bad. 
Nädasd, Dorf 3. Neticher, Satsar 37. Niederafoel 50. 
Nidasd,. die Örafen 3. | Neus Arad 3%, Niederlande, die vormapls 
Nadelburg 9 Neubauer, Alons 38. Öfterreichifcben 50. 
Nadierarbeiten 10. Neubauer, 5.R. 38, Miederöfterreih , T. Öfters 
Nagn-Bänga 11. Neu: Bidfhom 38. ‚reich unter der Enns. 
Naay-Enned ıı. Neuded, 39. NiedersWalifee 5 
Nagnıgaf 11. Neudorf, medersſtete. Dorf|Niemecztn; Dan, 51. 
Naav-Lucstaer Canal 11. |” 39. |Nicpoiommice 5a. 
Nagn-Sialonta 11, Neudorf, Dorf in der Mitis\Nitetai, St. 52. 
S;öhbs 11. tärgränge 39. burg 52. 
to Ile Neudorf, ungar. Kronfleden, |Nımburg 52. 
12, *f. Ialo, Nigpel, Franz Zav, Jol. 
bit 1 Neufelden _39 Fidelis 52. 
Napagedt 12, Neugart, Trudpert 39, |Rigniow 55. 
Narenta 12, Neugebäude Au, Roate 55. 
Naflaberg 12. NeusÖradisca Ai. Neuendorf 85, 
Nafitbal_ ı2. Neugrieden Ai. Noricum 55. 
Mationalbanf, FM priv.|Neunäufet Ar. Nerifoe Aipen, f. Alpen. 
öfter. 13. Neubaus 41. Normal; Shuten, f. Deuts 
Rational: Mufeum zu PeRH|NeuHold, Job. Nep. Ar. de Schulen. 

20, Neufomm, Ziegm. Zi.  |Normas Tage 56. 
mNarfhehrade 23. _ Neustengbakı IM Noffecsty. Siard Franz 56, 
Ratter, Job. Iof. 23; Neustifa, |. Böbmifd-gifa, |NoRip, Die Orafen 57. 
Natterer, Job. Neumann, Franz 4m. Nofit, Franz Ant. Grat 57. 


Naturatien-Gabinet der Ger| Neumann, Joh. Pbil. 43,|Nofip, Morky Graf 58, 
feufhaft des vatertänd.| Neumann dv. Meihenthat,|Moufeul, Rofatia 58. 


Mufeums in Prag 25. | Marianne 43. |Moverre, Sean Georges 59. 
Naturalien» Gabinet, & f. ‚|Neumarft 4 |Mopi 59. , 

in Wien 26. Reumarktt 44. Novi, Schlacht bey 59. 
NaturforfhersBerfanmlung| Neu-dara 45. . Novigrad 60. 

in. Wien 29 


Neupauer, Franz Kay. Edler |Nowar, Joh. Eran; 60, 

. v. 4. Nowoowersfy, Ion. 61. 

della Martefana| Neunauer, Jof. Edterv, 45.|Rugent, Laval Öraf v. 61. ' 
Neuräutter, Augufin 45. |Rusiau 62, 








iglio grande 3. Nureufb 45. Nufdorf 62. 
NRavıglio von Vereguarde|Meu-Sander 46. Nußpamıner, Mid. 62 
31. Neufan 46. Nodey, das Gefhteht 6. 
Navialo von Paderno 32. |Neufdioh 46. Noir Baror 64. 
Maviglio von Pavia I2. | Meunedt am See 46, Noir » Eaupäza. 64. 
Negedfy, Utah. 32. Neufiedierfee 47. Rommwegen, Briede au, f 
Negedio, Job. 3a. Neufoht 47. unter Friedensfchlüffe. 
——n— Joh. Eberhard ur: ungar. Bergfie- Nyulas 6j. 
2. ten dr. 
Meidt, Joh, 33. Neufadt, Rebenbürg. Dorf 8 
Meipperg," die Orafen 33. | 48. x 


Neipperg, Albert Adam Graf ob der Mettau 48. |Obbrovayo 65. 

v. 33. » Wiener, f. Wier|D:Becfe 65. 

Weiffe_ 34. ner-Neufladi Dbdah 65. 
ihr. Stadt 48, 


WU, Frenb. ©. Nellenigra | Neuftadtl, Oberalbenfer Seſpanſchah. 
an der Waag 
Neußadel, ilyr, Stadt 48.1 Ivanicait. 

















GE 


zerunäden: Grany Maria| Reufk Here Weißenkurger Bes 





u Inhaut. 
Ober-Baafens f. Baaen, |Dmotnica Opufiner Regiments 
Spenden, 1 Bene. — Ge a 
burger Ger ——— Gerd. 75, |DOiberivorf 102 . 

a 76% Dibomce 112, 
Diesto 112. 












Olmüp 112. 
Dlmüger Kreis 114. 
Dtompifse —— su Die 


tyen an 
Ongers, Job, 11f. 
Onod 1. 
—————— — 79.|DOpotfhno niq. 
Der sten DOppa ni 
—— Oppel, Branz 14. 
—— * inte Open einer, Dupid Ben 
am 115%. 
—6 anılauna 15, 


Dberößersen, f Öfterrei, 9 Opus, f. Rort Opus. 
d der Vensurger @fpanfaafest, Oranten, Wilh. Georg Briedr. 
bier, If. Ba. Yrinz von 116. 


hifabritation umd Handel aan Sauce; Frenh. v. 



















6. 

ter. Graf. 116, 
I 9 'arnabas 116, 
fer, Adam 85. |Ortät 217. 
— ———— 86.|Orlau 117% 


Dbert 69. - 
Oberfiduragraf in Böhnten —— — Drosdaga 117, 





* —8 Drfera 117, 
Dberfhofmarfhallgerit 70. onen ob der Enns, Seo:|Orhini, Gaͤctano 117. 
Hperftlieutenant 70. sapbie und Starifit 89.|Orth 117. 


Der x Turefef und Unter ofkmıs unter der Enns ,|Orttes: Spige 117% 
» Zurefef 71. Beographie und Statimit|DOrtsarrihte 117. 
Ders Bellah yrr Dtgvin 122 











Dbers Waltersdorf Fr. E:] —— Erbvereini⸗ Dflawa, 123. 
: Hflowan 123, 

— —— armen Dfoinit 1234 

Behifcheift Dopo 173. 


Staats 
—** — Baar Fi Ofab 123, 
u = ungar. —— — Kunf und Arie | Ofiawerfee 123. 


Dffsunsri v. za: If. 

oflcenönen der in Sraf_ 123. 
jenua, Deutfbland und| , 103, 
Schwel, aufgenommer Öfterreicifärer Beobachter | Ofrau- 1 
1 Dur», Battrteg, Peter Cart 













oi 

furt und 
—— Antepen 72 
der nieders 


Httatrin » 
Öerreicifdes Kaiferthum,|Dttenterger, Joſ. 128, 
1, Sesarapbie un Statt |Ottenfeit, Tier. Die Kits 
Seldichte des Kaifer-| ter v. 128. 
Httenfels@fhmwind, Trany 
Ber gen Witerfein, Pl Ben Brent 130. 
tipp Cart Oraf 104. 




























Spinat, 105. Srnaneı 13. 
rt 86 — Intedanır Regimentd Ber 
und Göry, dann des Wier] ne enter + Zeitung, 31. 
. ner Oberfammeramtes, 1.| vereinigte 110, ., König von Döhr 
Ürariat: Dot — ee 10, 
Domeficat: Öbtigarlı me Zönter-änfitnt u I Grumat, Bör 
Obligationen von "Satiyien SF ermats ‚on Bobmen 132. 
o eier6» Übertett In Eisit-|Ottotar L, Markt Bere von 
Hhiigationen, Wiener Eradt| Dienfe vın. Stenermart 1 
Bancıı 72. Dfner, Terd. run 9 1L., Herjog von 
Obravenitfa, Dofttpei 73.| Ofterdingen, Heinr. v. 111. tenermart 134 
‚Obrigberg Dalio 12. Dyora 134. 
DObromin 7b. Daulin ım,. R 


Inbale - IH 


. ®. kr v3. Zaiezda, Ad. ve St. ſteyermaͤrk. Dorf 
rent. ı 

Vaal 134. Patriotifher Runftfreunde ‚| Peter, St. tyrol. Dorf 193, 

Paar, die Zurſten und Gra⸗Geſellſchaft, in Prag 167. | Peteröderf, ſ. Bertholdsdorf. 
134. Patriotiſch⸗8tonomiſche Ge⸗Peterswalde 193. 

Dar, Son. Carl Zürfty. 135. felfhaft im Königreichel Peterwardein 193. 

decaſſi. Job. Brenh.u. 135. Böhmen, zu Prag 164. Peterwardeiner Regimentss 

Yadua, Delegation 136. Patſch 165. Bezirk 193. 













Yadua, Stadt 136. Patvärie 165. Der. Bernbard 19%. 
Paao 138. Paul, Gt. 165. Petrinia 195. 
Daträcy 138. VDaulich, Franz v. 165. Petronel 195. 
Palacky, Franz 139. Paulinus a 8. Bartholo-|Pettau 196. 
Palatın 139. maeo ı66. Petter, Ant. 106. 
Parffy v. Erdöd, die Fürſten Paulucci. Phil. Marchefe 167. | Petter, Franz 197. 
und Grafen no Pavia, Delegation 168. |Pebet, Joſ. v. 198. 
Yarffy v. Erdöd, Ferd. Graf Pavia, Stadt 168. Peurbach, Georg v. 198. 
141. Payer, Wenz. 169. Peutenſtein en 
vpuuf v. Erdöd, Joh. Graf Palmaneum 169. Pez, Bernh. 


Parmany de Panasz, Pet. Vez, Hieron. 3 
169. Pezzl, I9b. 199 
Pechatſcher, Franz ı70. Pfaff vom —X ſ. Wi⸗ 
Pechlarn, ſ. Sroß-Pediarn]| gand. | 


BE v.@rdöd, Nic. Sraf, 
Der Ältere 143. 
Pälffn von Erdöd. Nic, Graf, 


der Jüngere 14%. und Klein: Pechlarn. Pfafflätten 200. 
Patıtihherfee " 144. - [|dedau 171. Pfures Yominiftratoren 200. _- 
Talfovicd, Georg . Peᷣczel 171; Pfaundter v. Sternfeld, Aug. 


Ant. 201. 
Peer, Ritter v. VCactbal, Pfaundler, Joh. Caſp. 201. 
Joſ. Joh. 171. Pfeiffer, Carl Hermann 201. 
Pehem, Joſ. Joh. Nep. 172.|Pfeiffer, Joh. 202. 
Peithner, Ritter v. Lichten⸗Pferdezucht 202. 
fels, Joh. Thadd. 173. Pfinung, Melch. 208. 
Petit, Joſ. 173. Pfleger, Ritter v. Wertenau, 
Pelaaoſa maggiore 174. Ant. 208. 
Pelikan, Zob. Nep. 174. |Pflegaerichte, ſ. unter Orts⸗ 
Pereadni , Carl Glemensd| gerichte. 
75. Pflua, Hanuſſ (Hans), auf 
Yelger, dranı Mart. 195. Rabenflein ıc. 209 
ve und Handel damit Philharmoniſche Seh. üfsafe 
u Laidach, f. unter Muſik⸗ 
Der ons-Inpitute, f. Civit⸗ Bereine. 
Penfionss und Berfors | Pbıliop I., der Schöne, Erys 


Paladio, Andr. 145. 

Palm: Bundetfingen, die Für: 
fen ı45 

Palma, art Iranı 146. . 

Dalma nuova 146. 

Datota ı 

Pal ſa, Job. uf 

Panclova 

Pantray, St. 147. 

Vannaſch, Ant. dir. 

Pannonien 147, 

Bannn. of. 148. 

Yayv. Szathmar, Ric. 149. 

Yaya 150. 

Pavierfabritation und Hans 
-dei 150. 


Pappenheim, Sottfe. Heinre.| gungs:Inftitute, berzog von Öfterreich, Rös 
v0. 152. Penzing 177. nig von @aflilien 210. 
Parabiago 153. Dermuoidsdort f Bertholdss | Philipp derStreitbare, Pfalzs 

Darsd ı53, orf. graf am Rhein aıı. 


von Phorus 212. 
—* ie Grafen 177. Phyſikaliſch⸗ aſtronomiſches 
Deren, op. Ant. Graf v.| Cabinet in Wien 212. 
177% Pianoforte: Berfertigung und 
Perger, Siegm. Gerd. v. 179.| Handel 213, 


Paradeis 153, 
Paris, Marie Thereſe v. 
1 . 


Yardubig 155. 
Parenzo 155. 


Parhamer, Ign. 155, Pergine 179. Piariften 214. 
Parıentos, f. Gomez. Perin v. Seadenfein, os | Piave 214. 

Parini, Siufeppe 156. fepbine 179. Piaszsi, Siufeppe 25. 
Variz, Papai 157. — [Perinet, Joachim ı8ı, Picardıten, f. Adamiten. 
Pärtany 157. Perninger ı8ı. Piccolomini, Joh. Nord. 


Pernſtein, Bergſchloß 182. Fürſt 215. 
Pernſtein, Wratiſslaw v. 182. | Piccolomini, Octavio Fürſt 
Perſenbeug 183. 216. 
Peldiere 183. Pichler, Ant. 218. 
Peſſina v. Czechorod, Ia.183. | Pichler, Caroline 219. 
Peſſina v. Czechorod, Thom. | Pichler, Joh. Pet. 221. 
Joh. 184. Pichler, Joſ. v. 221. 
Verb 185. Pierwipfi, Mich. aar. 
Peſther, Pılfer und Solther | Piefling 222. 
Sefpanfzaft , vereinigte | Pictola 222. 
Piegnigg, f. Ermin. 
perfeuhen Im öſterr. Rais | Pılat, Fgf. Unt. Edlerv. 222. 
ferftdate und befonders in | Pilgram, Stadt a23. 
Wien 189. Yilgram, Ant, Baumäadet) 
Pster,Rönigvonlingarn 192.| 223. 


Partial s Obligationen, f. 
Staats⸗Lotto⸗Anlehen. 
Varitſch, Paul 157. 
Varzizeck, Al. Binc. 158. 
Pasqualati’s, Joſ. Zrenb. v., 
Pflanzen : Sultur » Unfalt 


159. 
Yadauich, Joh. 160. 
Paſſacowitzer Friede, T. Fries 
densſchlüſſe. 
Vaſſeye 161. 
Vaſſtni, Joh. 161. 
VBaſſy⸗ Ant. 163. _ 
Pally, Ebhriſtoph v. 162. 
deſta, Siuditta 163, 


Inbate 


un en |Prleinig, Bine, ” 
ıngen. drimas von Ungarn” ayı, 
Yoligens und Car (Peinuiffer, Atons 292. 
Meile, tee obere Primiffer, Gaffian 298, | 
ilöne 225 ae ale im Met Sortfr,. 293, 
Pindemonte, Graf Oippolot Be Dept: 309. 
un + [Peifterer, Arab. Tod, 244. eure Iidaft  patriotis 
eimeanıiage ‚Sufimt | fer Kunffreunde zur der 
—— LE — Leht· ——— der. bildenden 
in 
Peine Sapieut in — — 


—* 
—— ad hr — f. Gerichto⸗ 


fel 
Pontonier- Bataillon 252. 
kr ur Siegm. 


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220. — 


m ’ ——— Sr)? 
» Iol. Bonav. 

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—— 


alone Dart Ra 256, ort 33, 
Manina 330 Perycuay reiten und da — n J 


e adr. 
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Bine aan. ser Sefpanfehaft 259, Bun 316 = 
Baer Ah Melde 242, | Poh-dorbusattung, (. ©e|hrsrsmenten, Parnatdeiiten. 
Rechnungs Direc⸗ | Droningen 316. 
torıumt. Pegsiniet * Congregati 


— Saata buch hal⸗ 
* * — V ——— 
Bu, Hemer 235. |orwfen 25 een 
20 


Portindeunn oring jifgek 317, 
Portendorf Berner Sa, Einen 


in. 365. [wu 3 
1» Georg ms 236. Beim, darn von Boͤh ⸗ 
Fa de. "ed ——— 
—8 
3 Kreis isemneer eis 318, 
Prawner, Peter Drgefit 318, 
‚prafarenwablen 20y Prieworsr 318, 
Pryibram 318, 
ty, Ant, er 


280. 

vater in Wien 380, 9 

Iratobevera, Ritter v. Wies⸗ 

born, Carl Jof. 284. 
"seorg@epiim, Amor, 


Dran, Beorg af Pudleın 321, 
— 30 Yuell, Phitipv Nerius 321. 


teda⸗ —8 Puaany, f- Vatabinya. 
rebaufer, jottfr. 287. | Yullna 322. 
" ———— 288. Vürfain en 
reran ularamı 
a Euch Drerauer Arco. a0, Duramalt, wie @rafen, 344. 
jofıtifche Berfallung und) Presnig 288. Buffieger, Math. 325. 
Birmaltun: ” Prefinurg 289 ‚Pußterthal und am Eifaf , 
—J— e 
* — Se. ⏑——— 
Porter v. Beil: Eör, veb. 
— ſchwe⸗ ——e— Valent. 290.| Lad, 325. 
#6 1. Gefesbud über Ber-| Prid linerfee 290. Porn 327. 





Inhalt. 


Ran. 348. 

Ranaricnt 348. 

Ranftl, 5 Fa 
Räanf 339. 

Rannersdorf 

Rapotenftein 8 

Raps 349. 

Rafpach 349. 
Ratakowskys, Franz, Gemaäl⸗ 















Q. 


Qitadal, Mart. Ferd. 337. 
Quadrio, Franz Kap. 3 
Nuarin, Joſ. Freyh.v. 3 
Quarneriſche Inſeln 328. 
Aꝝ egneriſcher Meesdufen 


Quechſilber 328. 


Quieto 329. deſammlung in Wien 349. 
Kath, Joh, Edler v. 350. 
R Rath, Matth. Edler v. 350. 
Ratiborzitz 351. 
Raab, Fluß 329. RXatta 351. 


er ungar, Pönigt, Frey⸗ 
Raab, "oberöhere, Dorf 330. 
Rai, Franz Ant. Ritter v. 


7 
Raab, Ign. 331. 
Raaber Geſpanſchaft 332. 
Raaſe 332. 
Radatta, Rud. Graf 232. 
Rabenftein 333. 
Racagni, 301. 333. 
Raccolta degli Auti del Go- 
verno etc., f. unter es 
fegfammiungen. 
Rıcı, Samuel 333. 
Räacsäeierto 334. 
Racjtese 334. 
Rıdaug 334. 
Kuday, Bed:on Graf 33]. 
Kaday, Paul 334, 
Kader, Matth. 535. 
Radtersburg 335. 
Radmär 335, 
Radmannsdorf 335. 
Radnitz 335. 
Radnotb 335. 
Radſtadt 335. 
Radfkädters Tauern 336. 
Raduſſich 335, 
Radvany 336. 
Raffelsperger, Tran; 335. 
Ragelsdorf 337. 
Nayendorf 337. 
Rızufı, Kreis 337. 
Rıqufa, Stadt 338, 
Kahl, Cart 338. 
Raibel 33g. 
Raicih, Joſ. 339. 
Reimann, Joh. Nep. Edler 
v. 
Naınund, Ferd. 310. 
Rainer (Joſ. Ich. Mic. 
Zranı Hteron.), Erzber. 
s09 von Äfterreich 342. 
Rainold, Carl Eduard 312. 
Ralf, Joh. 343. 
Ray 34 44 
Raiec; 34%. 
Raınie, of. 214 
Rakscıy, die Fürften 335. 
Rarocn, Franz Leop. Fürſt 


—** 347. 
Raroniger Kreis 337. 
Ramcfer, Peter 397. 
Rımfau 347. 


Rattay 351. 
Rattenberg 351. 
Raub 352. 

Raub, Adrian 352. 


Raudnitz 353. 
Rausnig 353. 


v. 5 3. 
Rautenſtrauch, Joh. 353. 
Raygern 354. 

Re, Graf Phil. 354. 


Inſtitut. 


zu Trieſt 355. 
Rebell, Joſ. 355. 
Rechberger, Georg 356. 
Rechnitz 356. 


rectorium. 
Recoaro 356. 
Recrutirung 357. 
Redelmayer, Jo 


ſten. 
Redern, Melchior v. 361. 
Regécz 361. 


2. 
Regierung 362. 
Regiments:Auditore 362. 
Reicha, Ant. 363. 
Reichard, Cart 263. 


Reichenbach, Carl 364. 
Reichenberg 305. 
Reicyenberger, Andreas 366. 
Reichersberg 366. 
Reihraming 366. 
Reichsbaronate 366. 
Reirftadt, Stadt 367. 


dran; (Iof. Cart). 
narifher Reichetag. 


Reif, f. Riva, 
Krifling 368. 


Ratſchky, Joſ. Franz v. 351. 


Rauchmüller, Mathias 352. 





Rauteftrauc, Branı Steph. 


Realſchule, ſ. Polytechniſches 
Real⸗ und nautiſche Schule 


Rechnungs⸗Directorium-ſ. 
General⸗Rechnungs⸗Di⸗ 


Redemptoriſten, ſ. Congre⸗ 
aation der Redempſori⸗ 


Regeleberger, Joh. Chriſtoph 


361 
Regenbburg Schlacht bey 


Reichenau, boͤhm. Städtchen 


363. 
Reichenau,niederöfterr. Dorf 
v3. 








V 


Reifnitz 368. 

Rei, Joh. Ant, Friedr. 369. 

Rein 370. 

Reinhold, Carl Leonb. 370. 

Reinhold, Heime, 371. 

Reintein, Iac. v. 372, 

Reifenmartt 373. 

Reiffer, Franz Mich. 373. 

Reifiblen , f. Graphit. 

Reißmarkt, f. Reußmarkt. 

Keligionsfond Po 

Remontirung, Geſtuße, 
militäriſche. 

Rendler, Zof. 374. 

Renier, Step. Andr. 374. 

Kenner, Ant. 375. 

Renner, Siegm. Zreyb. ©. 


7 
Renner-Holbein, Marie 375. 
Reps 376 
Repſer as 376. 

Reſch, Joſ. 376. 

Rettich, Julie 37 

Kettungsanftalten ’ Sceins 
todte * Wien 377. 

Retz 

Heer, "at Briedr. Freyh. 


Keuß, ran Ambros 374. 

Reufmarft 380. 

Reufimartter Stuhl 380, 

Reute 380. 

Revay, Nicol. 380, 

Reviczko v. Revisnye, Adam 
Graf 381. 

Reviczky v. Revisnne, Carl 
Emerich Alerius ®raf 382, 

Renberger, Ant. Carl 382. 

Reyer und Schlik, Groß⸗ 
handlunghaus 382. 

Réz⸗Baͤnya 383, 

Rhätiſche Alpen, ſ. Alpen, 


Ribay, Georg 383. 
Richlowzky, Joh. 383. 
Richter, Franz Xav. 384. 
Richter, Joſ. 384. 
Ridier, Joh. Wilh. 385. 
Ried 386. 

Riedeck 386. 

Riedel, Friedr. Juſtus 386. 
Rieder, Ambros 387. 
Rieder, Wilh. Auguſt 398, 
Riegersburg 38. 
Rıager, Iof. Ünt. Ritter 


390 
* "Paul of. Ritter 


Ki: r Fran Igı. 

Rieſch, Iof. Franz Graf 391. 
Ni:fengebirge 391. 
KRıman. Job. 392. 

| Rintolin, Ernft Cart 392. 
RX ich dadt, Herzog von, f. Kiſano 393. 

KRisbeck, Safyar 399. 
Reichstag, ungarifher, ſ. Uns Nıfitorf 393, 

Ritter, Carl 303. 
—2 Ih. Atter v, 





Rare den, * 
Köster, Job. Zac. fot, 
don. 


och. Kitter 
Rıhei 


| R 
Degen, Ai, Breyb. | Roy: 


—— 





‚ Ihe 405. 

Kobemann und Schwelgerd, 

—— Fa 
———— 
Koller, Ant, 
Romano AR. 
in er » un « Envipfe, 
(Chemiters), 1. t. 
— (uns ausfat. pri 





ai, ZündrequifitenzHanpte 
fabeır 
Konsberg A0g 


Rönya 409. 
Roofe, Betto 409« 
— 





Rofas, 

Rosbiersto, Ant. v. f12. 

Refcomann zu Hörbürg, Safı 
fian Ant. v. 42. 





PR Stadt 413. 
—— Fürften und Oras 
„3. 





Eng —A 


Zoe 
— — 45. 
Mae ‚Sheod. Ant. Tau 
—* 
Relaunch, ine. Edler v. 


» Antonio 47. 
ER a * —— Bart 


Konmint, Garlo de 
Roffis Sion, Bern. * as. 


Inbalt 


8 der Brüder v., 
ie Metallwaaren + Bas 


Man. 
— 











——— 
—— 
Rottendammer, Joh. je 


. Aanntanı, sh fen 


ann, Heint., ran; 





—3 HT. 
[Rubricter und Eunir « Anfatt 
von E. ©. Jasperin Wien 


430. 
R-dnan de Rudndund Divets 
Ayfatu, er. Adr. 


röm. deutſcher 
. , röm,sdeutfcher 
Raifer 


Rudeiph 1, Hergog von 
iterreich_ 430. 

Rusoiph IV., Berzoa_ von 
Merreich, Graf von Tyrol 


440. 
Fuvorph (30%. Iof, Kai 
PA 


it. 
Auvoipb IL., Herzog von 
Schwaben Ai, 
— der Tobtere, Fürſt 
Anbatt 
ia. 
its 








Koi 
[Rudorph I 








au 2. 
Rudelpbinifhe Tafeln 
— — av. 


au, —— Nep. del. 445. 
5. 
Auminca — Gais 
Rum, Georg Carl Borrom. 
Prantereöbenuuaer Ergeu⸗ 
— got, N, 


Kuppreat, 200. 8 

Ruß, Dob. Rep. 450. 
4 

Ruttenft 


Kupredt, St. * 
— 
Romancı B 





Runp 452, 
Ku Carl 452, 
Rußbeim, Cart 








Alchomer reis 456. 





©. 
16, 


Er 


Saafenhein 
Sacıte 458, 
Sacile und eh Fredda, 
Stat ben 458. 
Sadeter, Yand 
If. 


159+ 
—— 8 
© 


Sadler, 





Sdiniaeneis,_psit, ud. 
Graf und Reicefrenn. v. 





Satm. das Serhteht 
Satın »Reiff. efheid + Rrauts 
beim, Hugo rang Alte 


araf 467. 
— — Niclas Graf 


— 470. 
Fatb 470. 
| Sale er — von un ⸗ 


un "3os. mid. Joſ. 


Fluß, f.unter Cliff. 
Satona, Dorf 472. 
Salvator, @t. Ira. 
Satvator- Medaille 472. 
Balvore 472. 
Sat ira 
Satah 475. 
Satiburga 47% 
Sawburasz Rreis, 479. 
Satjburgifce Gmigration 
der Droteftanten" ABo. 
Salytammergut, oberöferr. 


80. 
Satztammtergut, ſteyeriſches 


1. 

Sambah, gaſpar 481. 

Sambor 482 

Samborer Kreis 482. 

Samuel Ada, König von 
Ungarn 483. 










— 
nor ABl. 


Sanoker Kreis 484. 

Sanfego 484. 

Santer, Jac. Phil. 484. 

Bapbir, Moriz Gottlieb 485. 

Sappeurs⸗Corps 487. 

©arca 487. 

Sardagna v. Hohenftein, das 
Geſchlecht 488. - 

©arengrad 48g. 

Saͤrkany 489. 

©Saronno 489. 

Gärofer Geſpanſchaft 

©är0$ s Nagy s Yatal 490. 

Gartori, Franz 490. 

Sartori, Sof. v. 491. 

Gartſchan, Jac. 491. 


Sarviar Ag. 
Saͤrviz 492. 
©a 


Min 9 
Sator⸗Akoha⸗Uihely 492. 
Sauer, die Grafen 492.. 
Saurau, die Grafen 492. 
Saurau, Fran, Graf v. 494. 
Sava 495. 


Save . 
Earbufj, f. Zywiec, 
Scardona 495. 


Schaben 496. 
Saäter, Maternur 496. 
Schärding 4y7. 
Ocärfenberg, 


97: 
Schaͤßburg 497. 
ander Laub 498. 
Schaffarie, Paul Zof. 498 
Schafgotſche, Ant. Sottpard 
©raf v. 499. 
Schafaotſche Franz Ernſt 
Graf v. 500, 
Schafwolle und Handel das 
mıt 500. 
GSchafwoll ſpinnerey undHan- 
del mit Schafwollgeſpinn⸗ 


en 504. 
Schaller, Jaroslaus 506. 
Ehaller, Job. 506. 
Schams, Zranı 507. 
Eharfenega 507. 
Schatzkammer, t. k., in der 
Hofburg zu Wien 507. 
Saauberger , Joh. Georg 
10. 
Schauenſtein 510. 
Schauer, Aloys 511. 
Schauff, Joh. Nep. S11. 
Sichaumberg Sıı. 
Echaumburq und Compag⸗ 
nie. Buchhandlung inWien 
11. 
Schedel, Fraͤnz 5ı2. 
Schedius, Joh. Ludwig v. 


512. 
Sache. Ritter v. Leons 
harashof , Joh. Evang. 


513. 

GSceiger, Iof. 514. 
Schellenberg 515. 
Edeletau 515. 
Schellgaden 515. 


die Herren 


Inhalt. 


Sqeis, Joh. Bapt. 515. 
Scbematismus inclyti Regnil Schmid, Franz 555. 


Hungariae 519 


Schemerl, Ritter v. Leytens 


bach, Joſ. 519. 
Schemnitz Sig. 
Schenk von Zaerwit, die 
Herren 520. 
Schenk, Cart 521. 
Schenk, Joh. 522. 
Scheppl, Joh. Nep. 524. 
Scherding, ſ. Schärding. 


Scherer, Joh. Andr. Ritter | & 


v. 52%. 

Scherffer, Carl 525. 

Schernowitz 525. 

Scherſchnick, Leop. Joh. 525. 

Scheu, Fidelis 527. 

Scheuchen ſtuel, Carlv. 528. 

Sand, Franz Chrikoph 
0 . 


Shiavont, Natale 530. 
Eder, Zuftus 531. 
Sziebler, Sebaſt. Wilibald 


lo 

Schiffmeiſter, die bürgt., in 

Wien 533. 
Schitaneder, Cart 534. 
Schikaneder, Emanuel 534. 
Schildberg 536. 
Schilde, Anna > 
ea Matthäus Chriſtian 


7. 
Schilling, Friedr. 537. 
Schimeck, Maximil. 538. 


(Schimmer, Carl Auguſt 538. 


Schink, Joh. Friedr. 539. 
Schio 53% 
Schittlersbera, Auguſtin 
Veit v. 539. 
Schlackenwerth 540. 
Schladming 541. 
Schlägel 541. 
Sochlaggenwald 541. 
Schlaining 541. 
Schlan 541. 
Schlarvanitz 541. 
Salehta, rang Freyh. v. 
ı 


Sclebta, Job. 542. 
Schlegel, Friedr. v. 543. 
Edleal am Rofiberg 544, 
Schleifer, Leop. Mich, 
Schleſien (Öfterreichifer) , 
Herzogthum. I. Geſchichte 


545. 
Ewiehen (Öfterreiifchs) , 
Herzogtbum. 11. ie 


pbie und Statiſtik 8. 
Schlick, das Geſchlecht 550. 
Schlick, Joh. Conr. 550. 
Schltierbach 550. 
Ecrteißnigg, Joh. Freyh. v. 


O. 
Schloſihof 551. 
Exhlorterbed, Wilhz. Zriedr. 
1 


ESwludenau 552. 
Schmeizel, Mart. 552. 
Schmeiltl, Wolfg. 552. 


⸗ 


VII. 


Schmid, Ant. Edler v. 552. 


Schmid, Stephan 555. 
Schmidl, Adolph 556. 
Schmidl, Joh. 556. 
GSchmidies, M., Witwe und 
Fan. Klang’s Bud: und 
ZintiquachandiunginDien 


7. 
Schmidt, Branı 557. 
Schmidt, Heine. v. 557. 
Schmidt, Joh. Adam 55 
hmidt, Mart. Joh. , Te 
Kremfers Schmidt. 
Schmidt, Mar. For. 561. 
Schmidt, Mid. Ign. 560, 
Schmidt, Wen. 562. 
Schmitt, Joh. Ant. 562. 
Schmitt, Wiih. Joſ. 563. 
Schmoͤlnitz 564. 

Schmutz, Carı 564. 
Bamuser, Iac. Matthäus 


Oanabel, Georg Norbert 
Schneeberg, in Illyrien 567. 


Schneeberg, in Niederoͤſter⸗ 
reich 56 


— in Tyros 568. 


Schneeberg, böhm. Dorf 


Schneider, Ant. 569. 
Schneider, Carl Agnel 
Schneider, Job. Aloys 570, 
Schneller, Joſ. 571. 
Schneller, Julius Bran 
Borgias 571. 
Schnorr v.Caroisfeld, Ludw. 
Ferd. 573 
Schockel 574. 
Schömberg, f. Schönberg. 
Saönau 574. 
Schönbad 2: 
Schönberg 574: 
Emonberger, Franz Kan. 


75. 

Saönbern, die Grafen 575. 

Schönborn , Sophie Bräs 
finn.v. 596. 

Schönborn s Buchheim, des 
®rafen Zranz Phil. v., 
Semäldefammiung und 
Bıblıothek in Wien 576. 

Gaönbrunn 577. 

Schönbühel 577. 

Schonfeid, Stadt 597. 

Schönfeld auf Trnowa, Die 
Ritter 577. 

Schönfeld, dan. Ritter 9% 
f. den vorhergehenden Ars 
tikel und Ausſtellungs⸗ 
Bureau. 

Schoͤnfeld's, Joh. Ferd. Rit⸗ 
ter v. technologiſches Mur 
feum 579. 

Schoͤngrabern 580, 

Schönleben, Joh. Ludw. 58e, 

Schoͤnlinde 581. 

Schoͤnſtein 881. 


SGäönwirtae , Sry. A. 




















fi 
tm — 
— dran Zap. 


—— 
— —— Be Job. ER 
nu, Han — er 


Sole 606 Leop. | Shim 
pbanzigh » ana 607. 









—2— Job. Ant. 629. 
Sereta: Sfotnomety v. Züs 
worsieg, Carl Wi. 
Schwaldepler, Joh. 610. |Schad, Binc. En 632. 
— Sog. Geors —— 




















‚596. 
In iger winatienberg, dab dr 
rien, fol ——— Arald, 638, 


aut © erg, Cart Bür| Shstacıt, Wiih 
—— 9— 1 in lb. 660. 


— Anlnten on, W 
Shrsur, Bi. Bros. ».| ein Kntero, Sal auge 
— —— 














Pr 
Drudverbefferungen 
Hiefert,„, i leſe 6 Ben 14. D 825. 
en & — —— —* —— Karte 2, Revan. 
27 > = refay. 
25 — m en 
= ZI Run ahrpereihneidd 
= * Re . 


Oeſterreichiſche 


National⸗Enchklopaͤdie. 


Dierter Band. 


Deferr. Nat, Encofl. 388. IV. \ 








N. 


Nachmachung öffentlicher Creditspapiere, iſt nach oͤſterr. 
Geſetzen ein Verbrechen, welches 1) derjenige begeht, der oͤffentliche, als 
Münze geltende, Ereditspapiere (Einlöfungsfcheine, Anticipationsſcheine, 
Banknoten [f. d. alle]) mitdazu vorbereiteten Werkzeugen nachmacht, oder 
dabey Hülfeleiftet. Diefed Verbrechen, wenn ein ſoiches Ereditöpapier wirke 
lich verfertigt wurde, wird mit dem Tode des Thäters beftraft, welche Strafe 
auch den Mitſchuldigen trifft, fo wie den Theilnehmer, welcher, im Einvers 
ftändniffe mit den Erfteren, derley Falſificate ausgibt. Der bloße Vers _ 
ſuch diefer N. 8. C. wird mit fhwerem Kerker von 10-20 Yohren und bey 
befonderer Gefährlichkeit mitlebenslangem fhweren Kerker beftraft. — Wer⸗ 
den 2) öffentliche Schulbverfchreibungen in obiger Art nachgemacht, fo iſt 
der Verbrecher, jeber Mitfhuldige und jeder Theilnehmer, welder der⸗ 
ley Ereditspapiere im Einverftändniife mit dem Nachmacher oder einem 
Mitfhuldigen ausgegeben hat, mit Iebenslangem ſchweren Kerker zu 
beftrafen. Auf den Verſuch diefes Verbrechens ift die Strafe mit ſchwe⸗ 
rem Kerker von 5—10, bey befonderer Gefährlichkeit von 10—20 Jah 
ten geſetzt. — Weröffentliche echte Creditspapiere ineine höhere Summe 
abändert, oder dazu Huͤlfe leiſtet, fallt in die Strafe ſchweren Kerkers von 
10—20 Jahren; der Verſuch zieht eine Strafe von 5—10 Jahren 
ſchweren Kerkers nach fih. Den Theilnehmer, weldyer ſolche Falſificate, 
einverſtändlich mit dem Thäter, ausgibt, trifft ſchwere Kerkerſtrafe von 
5—10 Jahren. 

Nachod, böhm. Städtchen im Königgräger Kreiſe, mit 266 Häus 
fern und 2,250 Einwohnern, am Mettaufluffe unweit bem ſchleſ. Gebirge 
gelegen. Auf einem Hügel über der Stadt ift ein herrfchaftl. Schloß, 
worin man ein an feltenen Urkunden xeiches Archiv und unter andern 
viele merkwürdige Briefe über den dreyfiigfährigen Krieg findet. Auch gebt 
es zu N. viele Leinwand: Manufacturen. | 

Nadasd, ungar. großes Dorfim Baranyer Komitat, unter bem 
Gebirge Metheto. Hier hat der Biſchof von Fünfkirchen ein praͤch⸗ 
tiged Sommerluftfchloß mit einem fhönen Park und einem Thiergarten, 
der 2 Stunden im Umfange bat. 

Nadasd (Nadasdy), die Grafen. Durch Reichthum, bobe 
Wuürden und Menge der Vaſallen ausgezeichnet, blühten die N. in ſehr 

alten Zeiten in der vorderſten Reihedes hohen ungar. Adels. Unter ihrer Agy⸗ 
de fammelten fi mande gute Köpfe, die in Schriften und Schulen, 
aus dem Auslande mitgebradhte Kenntniffe verbreiteten, und in dem 
Schutz, fo wie in der wirkſamen Unterſtützung ihrer mächtigen Sinner » 
Mittel des Lebens und Wirkens fanden. Dex erite divlewao JENA IR 
\ 


4 Yadasd, die Grafen. 


erweiſende Stammhert ber N., deſſen Lebensperiode in die Zeiten des 
nad) der Zartarenverheerung neu auflebenden Reiches fällt, nannte 
ſich einen Grafen von Cfupon. Nachdem er aber Nädasd erworben 
batte, gefiel ihm bie Benennung Prodarits vonM. beſſer, und als fpür 
ter ſich die ungar. Befigungen mehrten , fiel; ber croatiſche Nahme ganz 
weg und nur unter dem letztern erwarben feine Enkel Berühmtheit. — 
3 Söhne erblühten diefem unbenannten Ahn, wenigitens erreichten nur 
diefe das Mannesalter: Caurenz, defien Enkel Peter, von tem 
etö genannt, ber Gründer des während 3 Jahrhunderten durch 
e Helden berühmt gewordenen Gefehlechtes Per von Gerfe 
ward. Andronicus, ber unbeerbt ftarb, und Andreas, der ſich 
forhwährend von M. nannte und mehrere Söhne zeugte. Won biefem 
Hauptitamnfe trennte ſich aber gegen 1348 ein elklflindigerAineig Une 
‚ter der Benennung Darabos von N., der 1042 etloſch, bie grofien 
Seflbungen auf die Töchter vererbend. — Im Übergange von den Züng- 
Tingsjabren jum reiferen Mannesalter fanden Andreas’s beyde Soͤhne, 
Labislaus und Dionys, jenes gräueloolle Decennium, bas auf den 
Hintritt des feßten Arpaden folgte, und Ungarn aus einem Erblönigreih 
in ein Wahlreich verwandelte. Alles nahm mun Partey. Die Mächtigen 
ſuchten die Verwirrung zu ihrem Vortpeil zu benüten; den Schwäche 
‚ven trieb die Noth, fih an ben gewaltigen Nachbar anzuſchließen, mochte 
feine Gefinnung feyn, welche immer. — Wenzel von Böhmen hatte 
einen beträchtlichen Theil der Nation für ih und felbft die heilige Krone 
bereits auf dem Haunte getragen, ais Carl von Anjou, durch den 
Papft Eröftig unterftlikt, gegen ihn auftrat. Der Kampf zwiſchen beys 
den begann fogleib. Mattbäus von Trencfin und Heinrid von 
Süffingen nebft feinem Sohne Jwan traten als Verfechter des Boh- 
men, ber Palatin O mo beus und die Beiftlicfeit als Verthei · 
diger bes Aniou auf, Zu den le&tern hielten ſich auch die Brüder La⸗ 
bislaus und Dionns don M. Durd die Mißgefbide Carl's, 
welche ihn felbft zu fliehen zwangen, wurben bie N. fammt ihren anti 
lien ber blutigen Rache ihrer Gegner preißgegeben, fo bafi nur durch einen 
befonderen Zufall ein Feines Tochterchen von ladisTaus durch die Amme 
‚gerettet, dem allgemeinen Verderben entging. Erloſchen wäre nun das 
eble Geſchlecht, wenn niet ein dritter Bruder, Andreas, übrig ger 
blieben wäre. Eine Urkunde von 1390 für feinen Sohn Thomas ausar- 
fertigt, nennt ihn nach alter Weife, bie nur Taufnahmen kannte. — leid: ⸗ 
deitig mit jenem Thoma, lebte Salomon von®., allen Verhältnifien 
nach yu vermuthen deifen Bruber und ber beyden Königinnen Elifaberb 
und Darin treuer Diener gegen die unruhigen Neicheberren, bie Carl 
den Kleinen von Neoyelherbeygerufen und auf den Thron gefekt hatten. 
Carl's Ermordung, der Röniginn gewaltfame Entführung, auf welche 
Einferkerung und Elifabeth'8 Tod folgte; endlich feine eigene Gefan⸗ 
genfetung auf Siklos hatten Ciegmund zu ernftem Machdenken 
aufgefordert, durch welche Mittel er fich und den Seinen bie Herrſcheft 
in Ungarn erhalten Eönne. So entftand 1408 der Dradenorten (f. d.), 
deſſen Statuten fich Über den Zweck der Verbintung feiner Mitglieder zu 
ine uns Truß Har ausfprachen. — Michael von®., Salomons 





. Lradasd, die Grafen. 5 


Sohn, der 3 Sefler » Stämme Graf, wird unter bie Hahl der erften 
Aufgenommenen genannt und fein Siegel hängt zur Bekräftigung- des 
Beytrittes der Pergamentrolle an. Die Sefellfhaft, in der fein Nahıtte 
prangt, und die Würde, die ihm angefügt ift, fpriht dafür, dag Mi— 
chael zu den Vordermannern feiner Zeit gehört babe. Durch ihn lernte 
auch Siebenbürgen die N. kennen undesward für fie zum zweyten Vater: 
land, das ihnen Ehre, Anfehen und Reichthum fpendere, aber dagegen 
Öfter denn einmahl duch fie verherrlicht ward. Die reiche Benedictiney: 
abiey Sr. Adrianvon Szala wählte Ladis laus von N. zu ihrem 
Schirmvogt gegen die Beeinträchtigungen der nachbarlichen Ritter. — 
Kran, von M. diente feinem König mit, jener freudigen Begeiſterung, 
die Wort und That des erhabenen Herrfchers jedem ber Seinen mitzuthei⸗ 
len wußte. Un der Spike eined Fähnleins geharnifibter Reiter, das ihn 
als Hauptmann folgte, ftrite N. gegen Böhmen, Ofterreiher und Tür: 
Een. Bon Urfula Töſrök ward ihm 1498 ein Sohn geboren, der des 
Haufes Glanz auf das Höchſte brachte und beſtimmt war, den entfchie: 
denften, Einfluß in des Vaterlandes Angelegenheiten geltend zu machen. 
Nach feinem Bruder, den Srömpigkettsruf zum Benedictinerabt erhoben 
batte, benannte Franz den aus fpäter Ehe ihm gebornen Sohn Th o- 
mas, und wandte alle Liebe dem vielverfprechenden Sprößling zu. Diefe 
äußerte fi vorzüglich durd eine forgfültige Erziehung, deren Grund 
ju Grüß gelegt, die Vollendung aber zu Bologna und Rom ers 
reiht ward. Von bort (1521) zurücgefehrt, nabm ihn König Lud— 
wig II. unter feine Geheimſchreiber auf und ſchickte ihn (1526) auf den 
Reichſstag nah Speyer, um Kaifer Carl V. zur Hülfe gegen die 
Türken aufsufordern. Auf der Heimreife erreichte die Nachricht von dem 
Merderben ben Mohäcs fein Ohr und beftimmte die Richtung feines 
Borteilend gegen Comorn, wo die verwitwete Königinn fih aufhielt. 
In ihrem Gefolge fam er nah Preßburg und ward von den bort ver: 
fammelten Reichsherren auserfehen, dem öfterr. Erzherzoge Ferdinand 
die Wahl zum König von Ungarn anzufünden. Als diefer hierauf das 
Reich in Beſitz zu nehmen Eam, bildete N. mit 300 Reitern die Vorhuth 
bes Eönigl. Heeres, bradte Raab und Gran zum Gehorfam und ers 
bielt den Oberbefehl in Ofen. Muthig vertheitigte er die Feſtung wider 
ben furditbaren Soliman (1529), bis Verräther, durch Gold vers 
biender, ihn gefangen den Türken auslieferten und dem Seinde die Thore 
öffneten. An Zäpolya ließ der Osmanenbeherrſcher den gefeilelten N. 
üsergeben, damit er ald König ben Treubrud feines Unterthans beftrafe. 
Ein hartes Los würde ihm gefallen feyn , hätte nicht die Vorbitte 
Gritti's alles über ZApolya vermocht und ibm anftändige Haft er: 
wirkt. Aus diefer befreyte ihn nur der mit Ferdinand's Bewilligung 
gemachte libertritt in des Gegenkönigs Dienfte, der ihn zum Befedlsha⸗ 
ber von Erlau madte, mit dem Schloffe Hufzt fammt den Sal;- 
werfen in der Marmaros befhenkte und zu diefen Gnadenbezeigungen 
noch die Würde eines Eöniglihen Schatzmeiſters hinzufügte. Schon das 
nächte Jahr (1530) gab N. Gelegenheit, feinen Ruhm zu mehren. 
apolya wurde mit Gritti von einem flarfen Heere unter Nogen— 
dorf’s' Anführung zu Ofen bedränge und bereits in dir rohe Trde: 


6 . Nadaod, die Grafen. 


genheit gebracht, als N, fo eben mit ber Belagerung von Sziget h be- 
ginnend, Nachricht davon erhielt. Durd ein kühnes Wagftüc gelang 
es ihm, mit 300 Mann in die Zeitung zu gelangen, beren Vertheidis 
gung alſogleich muthiger geführt ward, und die Belagerer, nad mehr 
teren abgefchlagenen Stürmen, von der Vergeblichkeit ihrer Anftrengungen 
überzeugte, Die tapfere Verteidigung feiner Perfon und Hauptſtadt 
lehnte Zäpolya mit dem Landſtriche Bagaras in Siebenbürgen und 
* Befugniß, den Titel eines Erbheren von Fagaras zu führen, der 
ter von ben Öfterr. Merefchern beftätigt, fortwährend von feinen Nach 

- kommen geführt wird, Aber je höher N. in der Gunſt des Königs flieg, 
böher wuchs Gritti’s Unmuth, der endlic in offenen Zwift und 
Beindfhaft ausbrad, Da aber dem Starken nicht bepzufommen war, 
ee der liſtige Italiener fogar Banditen dülfe um ſich des 
gefürchteten Gegners zu entledigen. Nur zufatig entging N. den Dol ⸗ 
hen der Meucelmörder. Allein diefe Niederrrächtigkeit beftimmte ihn, 
‚einen König zu verlaffen, ber ſich bereits aller Gewalt fo entwunden 
batte, daß er felbft feihe treueften Diener zu ſchützen nicht vermochte. 
Bereitwillig nahm Ferdinand den rückehrenden N. auf und entfchäs 
bigte idn für die Verlufte, die fein Übertritt mad) fi 309, In allen 
wichtigen Angelegenheiten des Krieges oder Friedens berief nunmehr das 
Vertrauen Ferdinands den geprüften Helden und Staatsmann zur 
Thaͤtigkeit, bie nur wenige Jahre unterbrochen ruhte. Aber auch diefe 
waren dem Lande nicht verloren, denn an der von ihm errichteten Schuie 
zu Neu-Szigeth Iehrten Männer von ausgezeichneter Gelehrfams 
keit, meift auf deutſchen Liniverfitäten gebildet, und aus ber dortigen 
Buchdruckerey verbreiteten fi mannigfaltige Kenntniffe. Zu neuer Wirk 
ſamkeit forderten ihn die Ernennung zum Ban der Nebenreihe (1538) 
und die Verhandlungen mit 3äpolya’s Witwe wegen Siebenbürgens 

. Abtretung auf. Endlich zurückgekehrt, wollte er, von allen Geſchaͤften 
entfernt, feine Tage in philofophifcher Ruhe hinbringen, da rief ihn das 
Vertrauen feiner Mitbiirger (1554) auf die hoͤchſte Stufe des Anfehens, 
durch die Wahl zum Palatin, 8 Jahre hindurch leiſtete er auf diefer ho» 
ben Stelle alles, was König und Vaterland erwarten mochten, ja viel 
mehr, denn im Felde verſuchte jich der Held mit Glück mehr als einmahl 
egen die Türken, bey Gelegenheiten, deren Gefahr er leicht andern 
Bitte üiberlaffen können. Endlich erlag er (2. Juny 1562) nad fo gläns 


nber Laufbahn bem allgemeinen Lofe der Sterblichkeit. So ae, 


fein Auftreten, eben fo rühmlich war fein Abſchied von der Lebe: ne, 
den er mit ber größten Nefignation vollbrachte. Führer, Freund und 
zwepter Vater war N. feinem viel jüngeren Halbbtuber Jacob, 
ber unter ſolcher Anleitung zu großen Hoffnungen berechtigte. Als tapfe 
rer Krieger begann er fie zum Theil bereits zu erfüllen, als die Parze 
vorſchneũ feinen Lebensfaden zerfhnitt. Im Divan, wo über den Feld⸗ 
zug in Ungarn (1556) berathſchlagt ward, hatte der hochmüthige Eur 
nuch Ali fih gerühmt, nur mir den Streitkolben werde er die Ungarn 
auf die Köpfe Hopfen, des Schwertes bebürfe er nicht. Ihm ward daher 
eine Armee anvertraut, mit der Szig eth genommen werden follte. 
ie der greife Palatin M. dieß vernahm, eilte er mit Miclas Iris 





Nadasd, die Grafen. j 7 


nyi, ber 10 Sabre fpäter an eben diefem Orte unfterbliche Lorbeern zu 
erringen beſtimmt war, zum Entfabe des tapferen Mark Horväth. 
Bey Babocſa kam es zur Schlacht. Ali erlitt von dem verachteten 
Ungarn eine Hauptniederkage und rettete mit genauer Noth das Leben. 
Aber auh Jacob N., Johann Czobor und über 300 tapfere Kries 
ger dedten die Wahlftatt und verbitterten dem Palatin die Freude des 
Sieges. — Kaum 9 Zahre alt, war Kranz N. bey dem Tode feines 
Vaters. — Gegen diefe nimmer rubenden Feinde verfuchte fich deflen 
Fräftiger Arm in manchem Gefecht, in das ihn Abficht oder Zufall gezos 
gen. Glücklich hätte er feyn können, wäre fein hoher Beift nie über jene 
Graͤnzen geſchritten, die ein fehrmohlwollendes Gefihid weit genug um 
ihn beſchrieb. Was feine Väter ihm hinterließen, war fo viel, daß es ihn 
zum veichften Privatmanne des Landes machte, deſſen nie anders, als. mit 
dem Beynahmen „der ungarifhe E rd fu 8* Erwähnung geſchah. Bey der 
Beſitznahme des Schloffes Portendorffanden fih 4Millionen Guldenan 
gemünztem Gelde und Koftbarkeiten. Für die Reize der Wiſſenſchaften em⸗ 
pfänglich, verdankte er ihnen manden froben Genuß, der feinen Zeit: und 
Standesgenoffen unbekannt, fie um eine der reinften Qebensfreuden Ars 
mer madıte. Die von ihm unterzeichnete Vorrede, mit welcher er fein 
Mausoleum Regum etc. Hungariae c. 44 icon. Nürnd. 1661 den 
Neichöftänden widmet, ift, wie das ganze Werk, voll Kraft, Gedie⸗ 
genheit und Feuer für des Vaterlandes Verherrlichung, voll echter Does 
fie, die ſich ſelbſt noch in der beygefügten Verdeutſchung der Verfe nicht 
erkennen läßt und feine Nachweiſungen über die einzelnen Gegenflände 
der Sefeßfammlungen (gebrudt zu Pottendorf 1658) beweifen einen 
höheren Überblick des Bedürfniſſes feiner Zeit. Lange Bewerbung um 
Niclas Eſzterhazy's ſchöne Tochter Juliane Erönte glüdlicher 
Erfolg, und die Würde des oberften Kronrichters, dem nur mehr eine . 
— die des Palatind — vortritt, Eonnte aud einen, nicht alltäglichen 
Ehrgeiz zufrieden ftellen. Umgeben von allem dem, was des Menfchen 
Leden Werth gibt, beneidet von Zaufenden und kaum mehr Wünfchen zus 
gänglih, traf ihm doch des Unglücks zerfehmetternder Schlag defto furcht⸗ 
barer, je böher er darüber erhaben fhien. Der Theilnahme an der Ver⸗ 
ſchwörung Beffelenyis, Frangipani's und Zrinyisüberwiefen, 
wurde M. auf feinem Schloß Pottendorf von kaiſerl. Truppen übers 
fallen, und 1671 in einem Saal des Wiener Stadthaufes enthauptet, 
des Leichnam aber, in das 2 Jahre früher von ibm erbaute Erbbegräb: 
niß zu Lockenhaus gebracht und an der Seite der vorausgegangenen 
Sattinn beftattet. (An dem marmornen Doppelfarg Öffnet man eine 
Patte und gelangt zu dem Leichname, der in ein weites Leichentuch, 
mit fchweren goldenen Spitzen befest, eingebüllt, ganz unverfehrt da 
liegt. Die Kleidung ift bie auf einige Andpfe und Schnüre, die Halb⸗ 
fliefeln und die Armfchienen zur Befefligung an dem furchtbaren Stuhl, 
verwefen, der Körper aber weiß und bie Haut elaftifh. Kopf: und Barte 
haar hat fi erhalten, und ein Theil ded am Kopfe baftenden Halſes 
würde auch den Unwilfendften belehren, ein gemwaltfamer &treich habe 
das Haupt von dem Rumpfe getrennt.) Die zahlreichen Schlöffer und 
Beſitzungen bed Enthaupteten zog die Krane ein und verkägentte Ar ya 


Nadasd, die Grafen. 


Ge Dienfe, uf ee 
fo fehmerztich ihnen t 
lichen Stande und erreichte ald Biſchof von Cfanad einen ehrenvollen 
lab unter ben Prälaten des Landes. Den Mühen der Staatsverwal⸗ 
mete Thomas feine Kräfte, und gelangte auf diefem Wege 
zur Ob stelle von Sümegb, fpäter aber als Kronpürher zu 
dem näcften Rang an die großen-Würdenträger, unser denen feit dem 
berrficpen Palatin ftet der Nahme N. ſich befand und bis auf unfere 
‚Zeit befindet. Damit aber das Vaterland auch unter feinen Wertheidir 
‚gern den Sprößling eines Gefplechtes nicht milfe, das feinen Beinden 
oft furchtbar geworden, umgürtete ſich Sranz mit dem Schwert, das 
fein tapferer Arm tühmlich zu führen derſtand. Treu blieb er ihm, aber 
au) treu diente es dem Helden und führte ihm durch manche Faͤhrlichleit 
bindurdh Bis auf den Generalspoften, zur würdigen Belohnung 
langjähriger Dienfte, Bey der Armee Maria Therefien’s erhielt 
Bram; Graf von N. (geb. 1708), diefes Helden Sohn, eine 
Befehlspabersftelle. Unter Khevenpüller drang er in Bayeın 
ein, hatte Theil an allen Ereigniffen, die den Churfürften zwangen , 
fein Sand zu verlaffen und bewährte ſich als tapferer Soldat fo fehr, daß 
im folgenden Jahre (1744) ihm der Wortrab des von Earl von Lothrin» 
‚gen befehligten Heeres anvertraut ward. An der Spitze desfelben bewert ⸗ 
kelligte er den äußerft beſchwerlichen Übergang des Rheins, im Angeſicht 
"Eotlignys und Sedendorfs,.fälug le und eroberte Lauterburg, 
Hagenau und Elſaß-Zabern, nachdem mehrere Heinere Heer⸗ 
baufen und ſelbſt Marſchall Har court ihm hatten das Feld überlaſſen 
nüjfen. Dieſe glücklichen Ereigniſſe verbreiteten den Ruhm des beiden: 
natdigen N. und feiner wackeren Truppen durch ganz Europa, das Frank⸗ 
reiche geübte Heere mit Staunen bloßen Infurrectionstruppen weichen ſah. 
Der Einfall des Königs von Preußen in Böhmen machte eine ſchnelie 
Zruppenfendung dahin nothwendig, und N. mußte, feine Vortheile aufs 
a ſich dahin begeben. In der Schlacht bey Traurenau (80. 
ept, 1745) gelang ihm der erſte Angriff auf das preußiſche Lager fo 
gut, daß er bie Kriegscaffe und fogar des Königs Zelt erbrutete. Aber 
eine Unordnung dey Machruckenden gab dem Beinde Zeit, fi feſtzuſetzen 
ind die Angreifenden ‚um Nüczuge zu norhigen. Nach dem Frieden zu 
Dresden wirde N. nad Italien gerufen, erfohs (17. März 1746) 
einen bedeutenden Sieg fiber die Spanier an ber Adda und euoberre 
Piacenza, obwohl es von 7,000 Mann vertbeidigt war. Nach der 
Solar von Rotto Freddo, am der auch M. ehrenvollen Antheil 
bazte, zur Verfolgung des gefolagenen Don Ppilipp abgefender, 
Kain er beynahe zugleich mir ipm bey Genua an, und befekte Stadt 
und Repudlik im Nahmen feiner Monarchinn. Nachdem der Krieg noch 
eine Weile mir abwechſelndem Gluͤcke geführt worden, gab’endlic der 





Nadelburg. 9 


Achener Friede (23. Det. 1748) dem über die öfterr. Erbſchaft bewegten 
Europa die erwünfhte Ruhe und führte die Helden ſämmtlich an den 
heimathlihen Herd. N., zum General ber Cavallerie vorgerücdt, hatte 
bereits ſich zu vortheilhaft ausgezeichnet, ald daß man ihn bey Ausbruch 
des ſiebenjährigen Krieges (1756) nicht in Thätigkeit geſetzt hätte. Hier 
war es, wo ſich der Held die Unſterblichkeit errang. Er und Serbel—⸗ 
loni entfohieden die fang ſchwankende Siegeswage für Oſterreich bey 
Collin, wo 20,000 Preußen todt, verwundet oder gefangen blieben. 
Er fhlug in geregelter Schlacht den General Winterfeld bey Holz 
berg, eroberte, nad 16tägiger Belagerung, die beynahe für unein» 
nebmbar gehaltene Feſtung Schweidnig, und nachdem er unter 
Breslaus Mauern die Generale Kleift und Schönaich getödter 
and den Marfhall Prinzvon Bevern gefangen hatte, felbft diefe Haupt 
ftadt Schlefiend. — Indeilen war dem König von Preußen dag Glück gegen 
die Sranzofen günftiger gewefen und nachdem er fie bey Roßbach auf 
das Haupt gefchlagen hatte, eilte er feinem beynahe ganz verlorenen 
Schleſien zu Hülfe. ‚Der Herzog von Lothringen, burch die bisheris 
gen unglaubliden Erfolge ermurbigt, wollte dem König entgegenges 
ben , wohingegen MN. rietb, den Angriff des Seindes in dem feiten 
Lager bey Leuthen abzuwarten. Die Feldherren geriethen hart an ein: 
ander; allein der Letztere mußte gehorchen und fo ward dann die Schlacht 
geliefert, die dem Herzog 200 Kanonen, 60 Bahnen, 6,000 Zodte und 
Verwundete, nebft 20,000 Gefangenen und- 4 ausgezeichnete Generale 
koftere. Obgleich der beflagenswerthe Erfolg N.'s richtigen militärifchen 
Blick beitärigr hatte, fand die Kaiferinn doch für gut, ſowohl ihn, als 
den Herzog von der Armee abzurufen. Allein um ihm und ber Welt einen 
Beweis der Würdiguug feiner Dienfte zu geben, ernannte fie ihn zum 
Ban der Niebenreihe und zum Feldmarſchall. Won allen geachtet und 
hochverehrt, ſtarb N., feines Geſchlechtes zwegter Stifter, mit 75 Jah⸗ 
ren (1783), ſtets eine Zierde ber Nation und unter ihren Feldherren 
mit Ruhm zu nennen. — Nicht minder wichtig als des Marfchalls 
Wirkſamkeit im Felde, war die feines Bruders Leopold im Gabinet, 
als Kanzler von Ungarn, in Zeiten, die Umfiht, Kraft und eine heil 
fame, aber nicht unzweckmaßig anzumwendende Energie erforderten. — 
In feinen Enkeln, Michael Grafen von N. (geb. den 6. Sept. 1775), _ 
Staats⸗ und Eonferenzminifter, Oberitlämmerer des Königreihes Un: 
garn, Großkreuz des Eönigl. ungar. St. Stephan-Ordens ıc., und 
Sranz de Paula Grafen von N. (geb. den 3. Mär; 1785), Bi: 
fhof von Waitzen, erkennt ber Staat Münner von Einfidht und hohen 
Verdienſten. 

Nadelburg, niederoͤſterr. Herrſchaft, aus 50 ſeparirten Häufern be: 
ſtehend, im V. U. W. W. nächſt Wiener⸗Neuſtadt mit eigener Lo— 
calſchule, doch nach Lichtenwörth eingepfarrt. Die hieſigen Einwohner, 
ungefähr 400 an der Zahl, find größtentbeild Fabriksarbeiter der ſoge⸗ 
nannten Nadelburg, einer dem Wiener Großhändler Ant. Hainiſch 
gehörigen Fabrik, welche alle Gattungen von Meiling, dann Mefling: 
mwauren und 20-30 Mill. Mäh⸗ und Stridnadeln (Nadeln von aen 


Madlerarbeiten 


erdenklichen Sorten) erzeugt, und bey 500 Menſchen befcpäftigt. An ihrer 
Stelle and vor Aeiten Ye Feſte ihtenwörth. | F 

Nadlerarbeiten aller Art werden im Inlande jetzt in vorzüglicher 
Guͤte gemacht, befonders in Carlsbad, Wien u, ſ. w. Die Nadlers 
zunft zu Carfsbad ift die erfte im Inlande, und zeichnet fi ſchon feit 
vielen Jasren durch ihre fhönen und guten Naͤh ⸗ und Stecknadeln ıc. aus. 
Auch die Fabrilen in Prag und zu Preßnig liefern viele und gute 
Nadeln. In Wien werden vorzüglich gute Stridnadeln, und auch Sted- 
nabeln verfertigt. Seit Werbeferung der Ohrmaſchine und Einführung 
‚einer feinern Politur, hat ſich die Nabelfabrikation dafelbft fehr gehoben, 
und die Wiener Stecknadeln insbefondere find eben fo ſchoͤn, wie die aus 
Deutſchland, und ſchoͤner ald die englifhen. Näh- und Stricknadeln wer- 
den auch inNeunkirhen,imStelzhof bey Wiener-Neuftadt; in 
der großen Nadelfabrik zu Nadelburg und an andern Orten von vorzügli» 
her Güte, aber aud) in der Nadelfabrik des Joh. "Stöhr zu Schön. 
berg in Mäpren verfertigt. So wie ebemahls Chriftoph Wilbelmi 
in Wien, fo zeichnet ſich jetzt daſelbſt Carl Gilbert durd Ketten, 
Bedern und andere Galanterie- Madlerarbeiten aus. In Waidhofen 
an der Jps, in Seitenftätten und in Afch bach find ebenfalls Nadler, 
welche auch alle Gattungen von Fiſchangeln in fo großer Menge verferti» 
‚gen, daß man das jährliche Product der 7 Meifter in Waidhofen auf 
8 bis 9 Millionen Angeln berechnet, und viele Millionen Vorräthe dort 
aufgehäuft liegen. — Oſterreich od der Enns hat Nadler zu Vöck— 


Labrud, Schärding, Ried, Erepftadt, Greinburg, 


Schwerdtberg, Urfahr und Linz. — Tyrol bat eine Rähnadel: 
fabrit zu Fügen im Zillerthafe, und eine Haarnadelfabrif zu Riva. 
— Steyermark und Ill yrien erzeugen nur gemeinere Gegenftände, 
eben fo Ungarn; in Siebenbürgen werden gar keine Nadeln ge 
macht. Teoben erzeugt aud) Fiſchangein. — Der Handel mit Nadlerwans 
ven erftveckt fi Über die ganze Monarchie, und befonders haben Carls— 
bab und Wien nebft der Madelburger Fabrik einen fehr bedeutenden 
Abfag, der ih des Jahres auf viele Millionen Nadeln beläuft. Nähe" 
und Ötednadeln gehen nad Ungarn, Polen, Steyermark, Illyrien, 
Stalien 2c.; auch viele Stecknadeln mit größeren Köpfen nach der Türkey. 
Die Fifhangeln von Waidhofen zc. geben größtentheils nach Italien, 
von wo fie nach allen Meltgegenden verfipickt werden, fogar aus Mecca 
find in Waidhofen fhon Beitellungen gemacht worden. — Die Kunfte 
‚arbeiten der Nadler beſtehen aus verſchiedenen Galanterie » Waaren, j. B. 
Leibbinden, Uprketten, Armbändern (Bracelets), Ketten, u. f. w. Bey 
einigen dieſer Arbeiten wird der Eiſen- oder Mefiingdrabt fiber einem 
diefern Draht fpiralformig gewunden, und diefer dann der Ränge nad) 
wie eine Schraube eingedreht. Das Ganze fieht wie ein Geflecht aus. 
Die eingewundenen fpiralförmigen Drähte find in horizontaler Lage mit 
einander verbunden, und bilden fo bie Breite des Bandes. Der Radler 
Ehritoph Wilhelmi in Wien erhielt den 15. Juny 1824 ein zwey⸗ 
jahriges Privilegium auf die Verbefferung, eine neue Gattung von 
Ridicules, Brieftafhen, Damenbinden und Armbändern bloß aus Stahl 
und Meſſingdraht aus freyer Hand zu verfertigen; und ber Nadler 





Nagy⸗Banya. — Nameſzto. I1 


Cart Gilbert in Wien den 14. Apr. 1826 ein Sjährig. Privilegium 
auf die Erfindung einer Mafchine zur Verfertigung von Leibbinden, Uhr: 
Betten, Armbandern u. a. Gegenftänden aus Drabt, wodurch bedeutende 
Erfparung an Zeit und Koften, und dabey noch insbefondere mittelft einen 
an diefer Mafchine angebrachten Schraubenftellung, volllommene Gleich⸗ 
mãßigkeit der Arbeit, felbft bey verfchiedener Stärke der hierzu verwendeten 

Drähte, bewirkt wird. Ä 

Nagy⸗Banya, ungar. koͤnigl. Frey⸗ und Bergftadt im Szath⸗ 

märer Comitat, in einem von Gebirgen umgebenen reizenden Shale, 
n der Stadt, welche 371 Häufer und 5,000 Einw. zähle, ift eine 
F und Bergamts: Oberinfpection, eine Münze für alle öfterr. Gold⸗ 
und Silbermänzen , ein Diftrictuale Berggeriht, ein Eathol. Gymna⸗ 
flum, eine Normalfchule und eine Mädchenfchufe. Es find hier ziemlich reiche 
Gold⸗, Silber» und Bleybergwerke und mehrere Schmelzhütten. Schon 
im Mittelalter, um das Jahr 1347 wurde bier zur Beförderung bes 
Bergbaues eine deutſche Eolonie angel:gt; noch um das Jahr 1526 war 
der Sehalt im Eentner von 79 bis 112 Loth Gold; wenn er auch jeßt. 
geringer ift, fo ift ber Bergbau doch immer noch ergiebig genug. Die 
bemerbenswerthefte unter den hiefigen Gruben ift die Kreuzberger Golds 
grube, die mehrere gold s und filberreihe Kuren hat. — Die Stadt 
treibt Handel mit Früchten und Kaftanien. Von bem nahen hohen Berge 
Rofaly bat man eine herrliche Ausficht. 

Nagy⸗Enyed (Straßburg, Kaidftade), fiebenbürg. Marktfle⸗ 
den im untern Weißenburger Comitat des Landes der Ungarn, an der todten 
Marod, und an dem Platze, wo unter den Römern Singidava geſtan⸗ 
den haben fol, Bluͤhend und ftark beſucht ift das vom Fürften Gabriel 
Bethlen geftiftete reformirte Collegium, welches eine anſehnliche Bis 
bfiothef, eine Münzenfammlung, ein Naturaliencabinet und verſchiedene 
phyſikaliſche und mathematifche Inftenmente befigt. Bemerkenswerth ıfl - 
auch die Wafferleitung, durch melde von dem & Stunden von bier ents 
fernten Gel: Enyed in gebrannten shönernen Röhren das reinfte QAuells 
wafler nah N.⸗E. geleitet wird. 

Nagy⸗Cak, ungar. Dorf im Sumegher Comitat, mit ben 
Ruinen eines alten Bergfchloffes. 

Ylagy » Eucsfaer Canal im Beregher Eomitate Ungarns , 
entſtand durch Franz Grafen von Schönborn, um den Verheerun- 
gen des Fluſſes Latorcza'ein Ziel zu fegen. Er wurbe 1824, nad) fieben: 
jähriger Arbeit, vollendet und eine Strede von 10,000 Quadratjoch 
Landes dadurch urbar gemacht. 

Nagy⸗Szalonta, ungar, großer Marktfleden im Bihärer Co⸗ 
mitat und der größte Ort derfelben, an der ſchwarzen Körös mit 8,115 
Einwohnern, meift reformirter Religion; bat auch eine fehöne reformirte 


e. Ä 
Yiagy« G36llös, ungar. Marktfleden und Hauptort bes Ugocſer 
Comitates, mit 2,060 Einwohnern, dem Comitatshaufe und einigem 
Weinbau. 
Llamefzto,, ungar. Marltfleden an der weißen Arva im Kraoer 
Eomitat, bat eine Bathol. Kirche, Poftitation und 1,668 Einwehner . 
die id größtentpeild mit Geldbau und dem Leinwandhandel heiyiiuigen. 


Namieſt. — maßthat. 
EN) ———— 
‚einer graft. H 


En Tel worin ſich b bedeutende herrſchafti. 
und Cafimir: Fabrik befindet, — g ftentbeils die in ben geäfl, 
ae: ie — —— in a 
DT ai R 
Baal ee Namieſter. He 
a) Babril. Miteigenthümer find di 
—X N 
', einer der‘ 6 Flecken des unga i i 
——— Der Dre iſt fehr wohl gebaut , war jedoch 
weiten bedeutender ald gegenwärtig. In der Naͤhe bes 
en en ſich Über den ganzen weſtlichen Theil 
9412,00 
— im er Kreiſe, 
Einwohnerund ein 1764 me sangelegtes ſchoͤnes Schloß mit ‚einem 
jarten auf einer Felfenandöhe, eine weite, Gegend verherrli id. 
bier vorlommende Diineralquelle wird. wenig. benußt. 
Narenta, dalmat. Küftenfluß, entfpringt in der tücfifhen Beg⸗ 
lerbegſchaft Bosna, nimmt die Fluüſſe Noriu, Rama, Trebifat ıc. auf, 
ae ey Eort Opus ins adris- 
Naſſaberg, böhm. Marktflecken und Hauptort ber — — 
"gen fünf: Awerfpergifgen Deufdaft, fat ein Chloh „ Mufelin 
‚manufactur, Weberey und Spinnerey. $ 
Naßthal/ romantiſches Thal in der Nähe des Schneeberges in 
Niederd + vorzüglich durch den 227 Klafter_ langen fogenannten 
— tchſchlag berühmt, weicher durch den thärigen Schwemmunternehmer 
ee (he du) zu dem Zwecke mit großer, Mühe und Koften ‘ 
* ve wurde, — [aus a Neuwalde, einem ungeheuern 
6,255 ann Aa 80 — — vielen — de 
lichkeit wegen gang uı ist blieb, ‚zur Wiener Schwenm: 
Hu bningen Nachdem Eye ſchon verſucht hatte, durch 
pin ſinnreich erfundenen Holzaufzug den Wald wenigftens in ehvas 
‚ii machen, kam er aufden Gedanken, ob es nicht möglich fey 
den —— Urfprung der Mürz hart am Gſchaidgebirge dem biefifei- 
tigen Urfptung des Preinbaches in Verbindung zu bringeit, und fo für 
Schwemme eine neue Wafferftrafe zugewinnen. Die Ausführung: birfe: 
Planes konnte nur mittel einer Durchgrabung des ganzen Berges geſche— 
ve Nachdem nun uebmer die fewierige Unterfuhung überdie Hohen: · 
nn der bepderfeitigen Quellen duch bie einfachite Art, mittelit 
Meffung mit einem von ibm ſelbſt angefertigten Grabbogen zu 
tande gebracht hatte, und von der höhern Lage ber Mürz übergei 
war, Befimmee ex felbit wieder die Lage, Richtung und das: Maß eines 
durh ben Berg zu fotagennen Stollens, um durch felben eine Waſſer⸗ 





Nationalbank, P. F. priv. öfters. 38 


tiefe aus dem Meuwalde in das Preinthal leiten zu Eönnen. con 
1811 begann er die Ausführung diefes Planes, wurde aber durch meh— 
rere Verluſte gezwungen, auszuſetzen, eben fo 1813, wo bie ganze 
Schwarzaſchwemme dur Regengüſſe verbeert wurde. 1815 hinderteihn 
abermahls die damahlige drückende Hungerenoth. Endlih ging Huebs 
mer 1822 aufs Neue an die Ausführung; faft 5 volle Jahre, vom 
Auguft 1822 bie May 1827, arbeiteten 6 Bergleute Tag und Nacht im 
Berge und eben fo vicle Taglöhner beym Ausräumen. Mehr ald 4,000 
Prund Pulver wurden verbraudt, um durch die vorhandenen Felſen den 
Weg zu bahnen. Auf höchſt einfache und merkwürdige Art wuſite fich der Un⸗ 
ternehmer zu helfen, als bey 80 Alafter Länge im Stollen Stickluft (foges 
nanntes böfes Wetter) einfiel. Obne zu Eoftfpieligen Ventilatoren zu greir 
fen, benüßte er das Waſſer, welches im Stollen fo häufig fickerte , daß 
ed wie ein Eleinee Bach herausfloß. Am Ausgang bradte er ein Mühls 
rad an, welches diefed Waffer treiben mufite, und ließ durch dasfelbe 
einen großen Blafebalg in Bewegung feßen , welcher burd gelegte 
Brunnröhren den Arbeitern immer frifehe Luft zublafen , und die 
ſchlechte hinaustreiben mußte. Ald endlich nad Sjahriger angeftrengter 
Arbeit der Durchbruch erfolgte, ſchritt der Unternehmer fogleich zur 
Schmwemme-Einrihtung. Eine Quelle der ftillen Mürz, die zur Linken des 
Gſchaides unweit des Durchfchlages entfpringt, wurde aufgefangen und 
durch einen geräumigen Canal, in welden noch einige andere Mäffers 
chen geleitet wurden, auf das Gſchaid, und in einer Wafferriefe durch 
den Stollen geführt. Nun Eonnten die rings gelegenen Höhen abs 
geitockt werden, und, burd einen fchneereihen Winter, begünftigt, wur⸗ 
den ſchon im erften Jahre gegen 9,000 Klafter Holz nah Wien ges 
fhwemmt. Um aber aud das Herbeyſchaffen des Holzes aus andern 
Wäldern zu erleichtern, wurde die flärkfte Quelle, welde 50 Klafter- 
tiefer liegt, benütt. Ein binlänglich breiter und tiefer Waffercanal 
wurde unterhalb bes Durchſchlages in den Neuwald hineingeführt, und 
mit eigens gebauten Schiffen belegt, welche 8—12 Klafter faffen und 
durch Pferde gezogen werden; 2 dur Waffer getriebene Aufzüge brin: 
gen das Holz aus biefen Schiffen in den obern Canal und fomit ohne 
weitere Hülfe, als mittelft 3 beym Ein » und Ausladen beſchäftigterKnechte 
zum Schwemmen. Diefer Schifffahrtdcanal wurde in der Folge durd die 
ganze Länge des Neumwaldes, wozu jede aufitofiende Quelle benügt wur: 
de. fortgeführt. Won diefer Zeit an liefert der ſonſt ganz unbenügt ge 
bliebene Neumald für alle Eünftige Zeiten jährlich 5,000 Klafter nad) 
forſtmäßiger Berechnung, wonad der Holzſchlag erft in 120 Sabren 
beendigt feyn wird, in welcher Zeit an dem Anfangspuncte am Gſchaid 
wieder ein neuer ſchlagbarer Wald ftehen wird , und die Arbeit von 
Neuem beginnen kann. Ober bem Einaang in den Stollen ,. den man 
neben der Wailerriefe ganz durchgehen kann, enthält eine ſchwarze Tafel 
die Worte: „1822 im Auguft angefangen. E3 werde Licht.“ Am Ausgan- 
ge enthält eine Marmorplatte die Worte: „Durch Beharrlichkeit und Ein- 
fiht und mit Gottes Hülfe am 8. März 1827 beendigt.“ 
Nationalbank, F.E. priv. öfterr., entftand urſprünglich tur 
das Finanzpatent vom ]. Jung 1816, jedoch durch freyge Ahyerinotme. 


*s Nationalbank/ B. B. priv. oͤſterr. 
wieder juriidubegiehen; jedoch findet kein Erſatz der in vorhinein an die 
ne Ferm Binfen Statt. Vorſchuſſe auf Pfünder werden nur 
in runden, durch die Zahl 100 vollftändig theilbaren Summen geleiffet. 
hr ‚fer Betrag iſt bey Verpfändung von Gold» und Gilbermater 
iafe: 4000 Gulden; — 10h Gulden und 
ey dung von jatspapieren : ulden Eonv, Münze. 
Dan enter und auf Gold- und Silber Rene 
bis auf den Betrag von 5 Percent unter dem vollen Werthe ihres feinen 
—— Vorſchüſſe geieiſtet. Bey Verpfändung von inlandiſchen 
töpapieren wird deren Werth nad ihrem jeweiligen, in Conven- 
tions « Münze beftebenden börfenmäßigen Mittelcurfe abgefhägt und bie 
—— lorſchüſſe find auf & des auf gedachte Weiſe erhobenen Wer— 
— u —— Wenn durch zufällige Ereigniſſe der börfenmäßige 
4 in den Händen ber Bankals Pfand erliegenben Staatspapiere 
bis auf 3 Viertheile des bey ihrer Hinterlegung erhobenen Mittelpreifes 
berabfinken follte; fo hat deren Deponent, ohne eine diepfällige Auffore 
derung zu erwarten, bis 11 Ahr Morgens bes folgenden Tages dur 
‚Hinterlegung irgend einer für die Bank vorfehriftmäßigen Hypothek den 
feliher beitandenen Werth des Pfandes zu ergänzen, widrigens die Bank 
berechtigt iſt, die übernommenen Ctaatsvapiere auf der öffentlichen 
Börfe zu veräußern und nur den, ‚nad voller Bededung ihrer eigenen 
Rechte und Anfprüche erübrigten Uberihuß für Rechnung des Schuld: 
ners, zu feiner Verfügung, unverzinslih aufzubewahren. Sollte der 
Betrag nicht binreihen," die Forderung der Bank zu bedecken, fo bleibt 
ihr ber Regreß gegen den Schuldner vorbehalten. Ebenſo ift die Bank 
berechtigt, ohne irgend eine Rückſprache mit ber Partep und ohne ger 
richtliches Einfhreiten die Veräußerung des Pfandes zu ihrer Schadlos 
haltung einzuleiten, wenn bey der Verfalls zeit die Rückzahlung des Dar- 
lehens nicht geleiftet wird, Aus diefer Berechtigung flieht.aber nicht auch 
die Verpflihtung, die Veräufierung vorzunehmen, fondern die Beftim- 
mung bierüber, fo wie die Wahl des Zeitpunctes bleibt der Bankdirection 
überlaffen. Die Verkaufsprovifion der Bank wird mit 4 vom 100 herech⸗ 
net. Füur die zu verpfändenden, Staatspapiere, welche auf beftinmm, 
te Nahmen lauten , haben die Eigenthlimer nad erhaltener Ban 
bewilligung des entſorechenden Vorſchuſſes in beftimmter Friſt bey de 
betreffenden Ämtern die Umfcreibung auf den N, „Leib und. 
Devofitenamt der priv, Öfterr. N.“ zu erwirken. Für d taatspapiere, 
2. Liquidatuten ſich in Wien, befinden, iſt die längfte Frift zur 
jerdringung auf 8 Tage nad dem Datum des Beſcheides feilgefegt. | 
Bey Staatspapieren, deren Ciquidaturen ſich in den. Provinzen be | 
den, ift die Verzugsfrit vom Tage des Beſcheides bis zur Einlage des | 
Pfondes auf 2 Monathe geftatter. Bey allen übrigen bewilligten Dar- · 
Teben ift die Verzugsfriſt auf 4 Tage vom Datum bes Beſcheides ber 
ſcheankt. Wer in den beftimmten Friſten zur ghme des ihm bewi 
ten Darlehens nicht das Nötbige einleitet, bat feiner Verfaͤu 
Birnen wenn die Bewilligung für erloſchen — 
erlangerung eines Pfandſcheines muß 8 Tage vor de 
Fhriftlich angefücht werden, —Die Depofiten-Anftalt der 
D Goldmünzen, welche vom Werkehr i 





Nationalbank, F. E. priv. öfterr. 17 


2) Silbermunzen, die vom Verkehre nicht ausgefchloffen, dann Gold⸗ 
und Silberbarren, 3) Geräthe aller Art aus edlen Metallen, 4) Bank: 
noten, 5) in= und ausländiihe Staatspapiere aller Art, 6) öfterr. 
Bank: Actien und Partial : Obligationen von Privaten, auf liberbringer 
lautend, 7) fonftige Gelburkunden von Privaten, endlich 8) Private 
Urkunden und Documente, welche nicht auf Geld lauten. Für alle diefe 
Gegenſtände find folgende Gattungen von Gebühren feſtgeſetzt und zwar : 
a) Was die Übernahms⸗ und Erfolglaffungsgebühren betrifft, fo nimmt die 
N., ohne alle Rückſicht auf ben Werth des Gegenftandes, von allen 
Depofiten, welche unter 50 Pfund wiegen, 1 Gulden Bank: Valuta, 
von jenen, die 50 bis 100 Pfund wiegen, 2 Gulden Banf-Raluta, 
und endlid von allen noch fchwereren Eollis von 50 zu 50 Pfunden des 
Gewichts um 1 Gulden Bank-Baluta mehr ab. Zur mehreren Be: 
ſtimmtheit sit hierüber feftgefeßt, daß bis inclusive 8,000 Ducaten, — 
höchſtens 100 Stüd 5 p&tige Metall - Obligationen, — höchſtens 500 
Std vom Anlehen 1820 , — bödftens 200 Stück vom Anlehen 
1821, — hödftens 100 Stüd von den übrigen Metall oder W. W.: 
Dbligationen , — höchſtens 100 Stück üfterr. Banks Actien, oder höch⸗ 
ſtens 100 Stück Partial: Obligationen von Privaten, für einen eins 
fahen Collo, zu 1 Gulden Übernahmss und 1 Gulden Erfolglaf: 
fungsgebühr anzufeben find. Die Aufbewahrungsgebühren werden vers 
fhieden , nach der Verfchiedenheit der zu depofitirenden Gegenftände, 
abgefordert: 1) Won Goldmünzen, welche vom Verkehre nicht ausge: 
Ihloffen find, beträgt die ganziährige Aufbewahrungsgebühr 1 Gulden, 
die halbjährige 30 Kreuzer, ber.vierteljährige 15 Kreuzer Bank: Baluta 
von jedem 1,000 Gulden des Abſchätzungswerthes. Für Fürzere Friſten 
bezahlt man von jedem 1,000 Gulden des Abſchätzungswerthes für 15 
Zage 3, für 30 Tage 6, für 45 Tage 8, für 60 Tage 10, und für 
75 Zage 13 Kreuzer Bank: Waluta; 2) von Silbermünzen, welde 
vom Verkehre nicht ausgefchloilen find, dann von Gold» und Silber- 
waaren, macht die ganzjährige Aufbewahrungsgebühr 2 Gulden, die 
balbjahrige 1 Gulden, die vierteljäbrige 30 Kreuzer Bank - Valuta 
von jedem 1,000 Gulden des Abfhäkungswerthes aus. Bey Fürzeren 
Friſten bezahle mian von jedem I,000 Gulden des Abfhäßungswerthes, 
für 15 Zage 6, für 30 Tage 12, für 45 Tage 16, für 60 Tage 20, 
und für 75 Zage 26 Kreuzer Bank: Baluta ; 3) bey allen Gattungen 
von ©eräthen aus edlen Metallen ift, wenn der hinterlegte Werth we⸗ 
niger ald 50,000 Gulden Bank Valuta beträgt, die ganzjährige Auf: 
bewahrungsgebühr 30, die halbjährige 20, die vierteljäbrige 15 Kreu⸗ 
ger Bank: Baluta von 100 Gulden des Abfhägungswerthed. Für Eür- 
zere Sriften bezahlt man von 100 Gulden ber unter 50,000 Gulden 
ausfallenden Abfhäkung für 15 Zage 4, für 30 Tage 8, für 45 Tage 
10, für 60 Zage 12, für 75 Zage 14 Kreuzer Bank: Valuta. Be: 
trägt die Akhägung:#0,000 Gulden Banks Baluta, oder eine höhere 
Summe, fo werben. für 1 Jahr 20, für 4 Jahr 15, und für 4 Jahr 
12 Kreuzer; hingegen bey kürzeren Sriften, für 15 Zage 3, für 30 
Tage 6, für45 Tage 8, für 60 Tage 10, und für 75 Tage 11 Streu 
zer Bank» Baluta von 100 Gulden bes Abfhätungswerthet enkiägut 
Orkerr. Rat. Encotli. 38, IV. 2 — 


18 Nationalbank, k. k. priv. oͤſterr. 


4) von Banknoten wird eine Aufbewahrungsgebühr von 30 Kreuzer 
Bank: Baluta für 1 Jahr, von 15 Kreuzer für ein halbes Jahr, von 
‚8 Kreuger für & Jahr, und bey kürzeren Sriften von 2 Kreuger für 
15 Tage, von 3 Kreuzer für 30 Tage, von 4 Kreuzer für 45 Tage, 
von 5 Kreuzer für 60 Tage und von 6 Kreuzer für 75 Tage von jer 
dem hinterlegten 1,000 Gulden bezahlt; 5) bey allen Gattungen von 
in⸗ und ausländifhen Staatspapieren, bey deren erfteren bie Aufbe- 
wahrungsgebühr nach bem jeweiligen börfemäßigen Eurfe, bey den 
Tebteren aber nad) ihrem Mennmwerthe- berechnet wirb, iſt folgender 
Maßſlab aufgeftellt worden: Betragen die hinterlegten Staatspapiere 
weniger ald 200,000 Gulden Bank» Baluta, fo wird die ganziährige 
Aufdewahrungsgebühr mit 30 Kreuzer, die halbjährige nit 15 Kreuzer 
und bie vierteljährige mit 1O Kreuzer Bank: Waluta von jedem 1,000 
Gulden des Schäßungswerthes berechnet. Betragen bie hinterlegten 
Staarspapiere mehr als 200,000 Gulden, fo entfällt die ganzıährige 
Aufbewahrungsgebühr mit 15 Kreuzer, die halbjährige mir 10 Kreuzer 
und die vierteljährige mit 5 Kreuzer für jedes hinterlegte 1,000 Gul 
2 Bey kürzeren Friſten bezaplt man von jedem hinterlegten 1,000 
ulden 


im erſten Grade im zweyten Grade 
für 15 Tage : Kreuzer . Kreuzer 
” 


” * ” 
» — 
— a Az 
6) die öfterr. Bank» Actien, welche jeder Zeit nad ihrem börfemäfiigen 
Werthe, und Partial» Obligationen von Privaten auf Überbringer lau- 
tend, welde nad ihrem Nennwerthe confiderirt werden, bejablen die + 
ganz gleichen Aufbewahtungsgebühren, wie die in- und ausländifcen 
Staatspapiere. 7) Bey Hinterlegung der fonftigen Geldurkunden von 
Privaten, welde nad ihrem Mennwertfe angenommen werden, tritt 
folgender Maßſtab von Gebühren ein: Bis ju dem Betrage von 200,000 
Gulden wird 1 Gulden von 1,000 Gulden, von 200,000 bis 400,000 
Gulden wird 40 Kreuzer, von 400,000 bis 600,000 Gulden wird 
30 Kreuzer, von 600,000 bis-800,000 Gulden 20 Kreuger, von 
800,000 bis 1 Million Gulden und darüber 15 Kreuzer Bank: Valuta 
von jedem 1,000 Gulden bey der Einlage des Depojicums abgenommen. 
Bey der Auslöfung wird jedod immer die Hälfte der obigen Gebühr, 
ganz nad demfelben gradativen Mafftabe, entrichtet. Die Zeit der Auf- 
bewahrung macht in diefen Gebühren keinen Unterſchied, und die Ges 
bühr ift mir ein für alle Mahl zu bezahlen; 8) bey Privat-Urkunden und 
Documenten , welche keinen eigenslihen und allgemeinen Geldwerth 
haben, als Teftamente, Ehecontracte, Geſellſchaftsverträge, Schen- 
Eungsurkunden von Todeswegen, Stiftungsurtunden, Bamilienftamms 
tafeln, Kauf und Mietheontracte zc., wird ein für alle Mahl ohne 
Ruckſicht auf die Dauer der Hinterlegung, eine Aufbewahrungsgevühr 
von 10 Gulden Bank» Valuta feſtgefetzt und hierbey bemerkt, daß fich 
Die Depofitencaffe, ohne jedoch die Urkunde lefen zu dürfen, bey ihrer ; 





Llationalbanß, ‘Pe. P. priv. oͤſterr. 19 


Hinterlegung überzeugen müffe, daß ed nur Schriften und Eeine eigent« 
liden Seldurkunden find. Die Prolongationsgebühr tritt nach den vors 
ftebenden Beftimmangen, nur bey den Depofiten der 1., 2., 3., 4., 
5. und 6. Gattung ein und wird bey allen Prolongationen genau nach 
den obigen. Gebührenmaßftäben bemeiien. Mit den zu binterlegenden 
Gegenftänden find doppelte Eonfignationen , wovon man die For⸗ 
mulare in der Bank erhält, zu überreihen. Der Deponent von 
Gold⸗ und Silberwaaten hat der Bank vor Allem die entfpredende Bol» 
lete des Münzamtes einzubändigen. Die hinterlegten Gegenitände koͤn⸗ 
nen jederzeit behoben werden, doch wird von den im vorbinein zu entrichs 
tenden Aufbewahrungsgebühren Fein Erfaß geleiftet. Es wird über hinters 
legte Segenftände an Niemand eine Auskunft ertheilt, und nur mit Wifs 
fen und Einwilligung des Eigenthümers Eann ein Verboth auf felbe gelegt 
werden. Bey Sterbs und Concursfällen, wovon die N. durch gericht 
liche Intimation unterrichtet wurde, halt fie die bey ihr hinterlegten Ge⸗ 
genftände für Rechnung der Erben oder der Concursmaſſe in Verwahrung. 
Die N. haftet für die forgfältige Aufbewahrung der bey ihr hinterlegten 
Gegenftände und für Veruntreuung und Entwendung, nicht aber für 
jene Zufalle, die nad den allgemeinen gefeglihen Beftimmungen auds 
fyließend den Eigenthümer betreffen. — Zur Erleichterung tes Geldver⸗ 
kehrs zwiſchen der Hauptſtadt und den Provinzen bat die N. Verwechs⸗ 
lungss und Anweifungsanftalten in Brünn, Prag, Lemberg, 
Grätz, Zrieft, Linz, Innsbrud, Ofen, Hetmannftade 
und Zemespvär errichtet. Bey diefen Provinzial: Berwechslungscaffen 
werden: a) Banfnoten aller Gathegorien in conventionsmäßige Silber: 
münze, b) conventionsmäßige Silbermünze aller Art in Banknoten, 
endlich c) größere Banknoten in Eleinere, oder umgekehrt verwecfelt. 
Die Bankcaſſen in den Provinzen, in welchen ein gefeßlicher Umlauf 
der Wiener- Währung befteht, beforgen aud) die Einlöfung derfelben zu 
250 Percent gegen Bank» Baluta und die Verwechslung der verſchiebe⸗ 
nen Sorten der noch circulirenden abgenusten und befchädigten Einlö- 
ſung⸗ und Antleipationsfcheine. Zugleich ift zur Erleichterung des Der: . 
kehrs die Einleitung getroffen, daß gegen Einlagen, welde den Betrag 
von 100 Gulden Conv. Münze erreichen oder liberiteigen, bey der Wies 
ner Gentralcaife der Bank, Anweifungen auf die gedachten Provinzial: 
Verwechslungscaſſen, und bey diefen, Anweifungen auf die erftere erho⸗ 
ben.werden können. Die Anweifungen werden nad Verlangen auf Sicht 
oder auf beftimmte Verfalldtermine ausgeftellt, immer aber erft nach dem 
Eintreiren der Aoifobriefe berichtige. Für ihre Ausftellung wird gegen» 
wärtig folgende verhältnißmäßige Gebühr abgenommen: 

Kür Brünn, Grätz und Lin; -— Percentoder 6 Kreuzer für 100 Gulden.« 
»n Dfen und Prag 7% ’ 


7 y — — 2) 
„ Innsbrud . 2 nn Bu nn m 
„Yembırg . . .» rn» BB» nn 
„ Hermannttadt . J DO on 
„ Trieit von Wien . in „412 ,„ „nn. 
m Wien nad Trieft . in» ll na nn 
n Xemedvär . 4 „ „ 15 9 y% . » 


4 


20 Teational:Mufeum zu Peftb. - 4 





) Bür das Bureau, Protocol und Erpedit. b) Für die 
. C) Für die Escomptecajfe. d) Für das Anweifungsge 
fchäft. Allein in Folge der am 15. Juny 1835 bey dem k. k. oberften 
Hofpoftamte eingetretenen früheren Auf: und Abgabe der Briefe und im 
Gemäßpeit der von der k. k. niederfterr. Candesregierung erlaffenen Ber 
kanntmachung, wegen Veränderung der Stunden der E. FE. öffentlis 
ben Börfe (II—1 Uhr) vom 15. desf. M. an; hat die Bankbirection 
die Amtsſtunden ihrer fimmtlichen Branchen, vom 15. Juny 1835 an« 
gefangen, von I Uhr Vormittags dis 3 Uhr Nachmittags, mit Auss 
naßfne ber Sonn: und. Feyertage, feſtzuſetzen befunden. Sonach wers 
den dermahlen die Propofitionen im Darlehen und Escomptegefchäfte 
— bis 1 Uhr Mittags angenommen und des Tages darauf in der Mer 
gel, die entfprechenden Beträge erfolgt. ° Ferner wird auch die Ausſtel - 
fung von Anweifungen auf die Bank» Provinz» Cajfen, von 9 Uhr Bor- 
mittags bis 3 Uhr Nachmittags vorgenommen. — Das Bankgebäude 
in Wien iſt in der Herrengajle Nr. 34, folid und gefhmadvollin den 
Jahren 1821—22 erbaut. Die Banknoten werden in der, der E£. priv. 
öfterr. N. eigenthümlichen Dructerey erzeugt, welde ihrer zweckmaͤßi⸗ 
gen, den beiten engliſchen Muftern nachgebildeten, Einrihtung wer 
‚gen befonders ehrehvolle Erwähnung verdient. Sie beſchäftigt mehrere 
Preifen, hat zugleich eine eigene Schriftgießerey, meiſt fehr ausgezeich- 
nete Öraveurs und ſteht unter unmittelbarer Aufficht der Bankdirection. 
National⸗Muſeum zu Peftb. Der Stifter diefer denkwürdi⸗ 
gen Anftalt des in der Cultur fo mächtig emporftrebenden Ungarns ift 
der Graf Franz Syehenpi (f. d.), der 1802 eine in ihrer Art eine 
ige Bücher⸗, Manuferipten-, Diplomen:, Charten-, Wapens, Porträtse, 
Münzen: und Waffen: Sammlung feinem Vaterlande zum Geſchenke 
onferte. Die Schenkungsurkunde fteßt im Tud. Gyüjt. 1832. IV. 101. 
(Aber die Einrichtung und Reihhalzigkeit des Mufeums, f. Vaterl; Blät- 
ter 1815 ©&. 566, 578, dann 1818 S. 233.) — Der Bond des Mu: 
ſeums betrug mir Erde 1825 239,549 Guld. (Acta diet, 1826, ©. 355.) 
— Diefes Mufeum iſt das allererite des Kaifertpums. (Die Weimarer 


- Gelehrten wünfgen in Bertuc’s Curiofitäten [4. B. S. 5. 1815], daß 


die bey dem ungar. M.-M. jum Grunde liegende Idee auch in Deutfc- 


lands Hauptitädten befolgt werden möchte.) — Am Eingange links tritt 


man in das Münz » und Antiken »Cabinet. Zwey Reihen von 20 geſchmack 
vollen Schränken, in Form doppelter Schreibepulte, in der Mitte des 
Saales aufgeftellt, fallen zuerft auf. Jeder diefer Schraͤnke ift aus einer 
andern inländifchen Kolzgattung verfertigr, Cie enthalten unter Glas— 
tafeln einen maͤchtigen Reichthum bloß ungar. und fiebenbürg., meiftens 
‚gelbener und filberner Münzen in chronologiſcher Ordnung, ans den erften 


Hational:Mufeum su Deftb. 2 


Zelgen des Reiches bis auf die Gegenwart. Griechifche, römifche und an- 
dere Münzen bes Altertbums in zabllofer Menge werden in andern Be: 
hältniſſen verwahrt, wovon das Silbers Öepräge allein 12,000 Stücke 
aͤhlt. An den Seitenwänden dieſes Saales prafentiren fih eine Menge 
— mancherley werthvollen Inhalts, worunter das Behältniß 
geſchliffener Steine den größten Reichthum verſchließt, wenn man ihn 
im Geldwerthe berechnen wollte. Weiter zeigt ſich eine Sammlung merk⸗ 
würdiger Stücke, wovon viele ſchon durch ihren ehemahligen Beſitzer in: 
tereſſiren, z. B. der vergoldete Pokal Martin Luther's, aus melden 
er mit feiner Gattinn Cathbarinav. Bora trank, ein Kelch aus Ma: 
thias Corvinus's Zeiten u. dgl. m. Zunächft dem lebten Senfter ſteht 
jener franzöfifche Adler, der vor wenig Jahren noch in Paris die große 
Triumph » Pforte zierte, Die ganze Rückwand der Wölbung dedt ein 
KRüftungen: und Waffen⸗-Vorrath, deſſen Beftandtheileentweber durch hohes 
Alter, oder durch jene großen Männer, die ſich ihrer bedienten, merkwür: 
dig find. So viel die Zwifchenräume unter ben Senftern in diefem Saale 
eftatten, iſt eine eigene zahlreiche Bücherfammlung aufgeftellt, deren 
Epeite meiſtens aus Pracht: Auflagen der Numismatik, der Alterthume⸗ 
kunde und ber damit verbundenen Wiflenfchaften befteben. In der Mitte 
fteht eine in Augsburg verfertigte aſtronomiſche Uhr, aus dem Jahre 
1566. Auch die den Fenftern entgegenftehenden abgetheilten Mauerwänbe 
entbalten in abgefeßten Slasichränten viele Producte des Kunftfleißes, 
worunter Mofaik» Arbeiten, täufchende Stickereyen, vorzüglich aber eine 
Eopie des Grabmahles der Prinzefinn Margaretha, deilen Original 
auf der Margaretha » Infel geftanden haben foll, ſehenswerth find. Die 
&ammlung römifher, in Ungarn gefundener Altertbümer, Werkzeuge, 
Gefüge, Glaͤſer, Waffen und Infiegel find wegen ihrer großen Anzahl, 
in mehreren Behältniſſen aufgeitellt, worin ein Heiner Hercules, den der 
patriotifhe Geber um einen großen Preis Eaufte, dann ein, in einem römi 
(hen Sarcophag gefundenes, mit einer waflerhellen unverdorbenen Flüſſig. 
Eeit gefüllte Bauchglas mit Handgriff, die Aufmerkfamkeit jedes Kunft: 
freundes- umfo mehr rege machen, als die benannte Flüſſigkeit in einem 
Zeitraume von wenigftens taufend Jahren, felbft bey dem jetzt oftmahli⸗ 
gen Offnen und Zeigen, noch immer dem Verderben nicht unterliegt. — 
Unter den vorhandenen Kupferſtichen und Gemälden verdient befonbere 
Aufmerkfamkeit eine Anfiht der beyden Städte Ofen und Pefth. Es iſt 
das gelungenfte Werk diefer Art nach ber gegenwärtigen Tage der beyden 
Hauptſtaäͤdte. Won da führt der Weg in das Naturalien : Cabinet. Die 
Mineralien « Summhlung, welde größtentbeils inländifhe Mineralien 
und Foflilien enthält, iſt fehr anſehnlich. Vorzüglich lobenswerth ift ber 
Gedanke, Epecial: Sammlungen aller Foſſilien einzelner Gefpanfcheften 
zu finden, die einen eben fo Eurzen als inftractiven uͤberblick gewähren. 
Hier find bie Schäße der ungar. Bergwerke aufgeftellt, und diethen den 
Mineralogen Gelegenheit zu tagelangen Betrachtungen. Gold und 
Silber, wie auch andere Metalle, in gediegenem und orydirtem Zuftande 
in Glasſchränken nach ben Metallen abgetheilt, gewähren dem Auge einen 
herrlichen Anblick, um fo mehr, als Stüde von befonderem Werthe bier 
ju finden find. Der größere Opal gibt dem im Wiener Rk. 1. Mimeralten: 


\ 


— 


22 Hational-Mufeum zu Peftd. 


Cabinete befindlichen, 24 Roth ſchweren, wenn au im Gewichte, doch an Au- 
Ferer Schönheit nicht viel nah, fo wieder Freund ber Naturgefchichte, vors 
Aglich der feltenen Naturerſcheinungen, den äußerft merkwürdigen Meteors 
ftein aus dem Särofer Eomitate von 138 PfundSchwere nicht ohne Bewun ⸗ 
derung betrachten wird. Doc) vor allen zieht die Sammlung der Eifenerze die 
Aufmerffamkeit jedes Kenners auf fi. Diefe bloß aus ungar. Eifenwerken, 
vorzüglich des GömörerComitats, zufammengeftellten Stüce findbefonders 
durd Gattungen des Braumeifenfteins als die Krone der feltenften Nature 
erfeinungen im Metallreiche zu betrachten, die vielleicht in keinem Car 
binete unter ben wunderfamften Naturgebilden fo vollzählig zu finden. 
In den daranftoßenden Gemächern liefert bie Denitgetosie vorzüglich ſel · 
tene Neiberarten, und von Schwimmvogeln und Fiſchen iſt ein Neid» 
thum einbeimifcher Arten zu feben, fo wie ein eigenes Cabinet das Int 
fectenreich in fich faßt. Mehrere Zimmer enthalten die in Ungarn entdeck⸗ 
ten einzelnen Uberbleibfel vierfüßiger und anderer Thiere aus der Urzeit, 


„deren einftige Erfepeinungen fi nur auf wahrſcheinliche Vermuthungen 


gründen, und eine untergegangene Worzeit andeuten, nicht u gedenken 
der Petrefacten, der Abdrüce von Fifhen, Pflanzen und Conhplien, bie 
nur in ben beißen Zonen heimiſch find. nn Verfolge der ih an einander 
treibenden Gemäcer ift in einem derfelben der Literarifhe Reichthum 
des verftorbenen ProfefforsKitaibel aufgeftellt, der in nahmhaften Mar 
nuferipten und in voluminöfen Fascikeln mit 13,000 getrodneten Pilan- 

‚en befteht, und als bleibendes Denkmal feines thätigen Wirkens von der 
—* angekauft wurde. Mit den ſchon früher vorhandenen Pflanzen · 
fammfungen kann man die Gefammtzahl auf 16,000 Eremplare anneb» 
men. Diefen jur Seite ftehen alle Holjgattungen Ungarns in Form einer 
Bücerfammfung, in eigenen Behättniflen, wo jedes Buch in feinem innern 
Raum — Blüthen und Samen vom naͤhmlichen Baume verſchließt. 
Zwey kleinere, mit Rofenholz fournirte Käͤſtchen enthalten ähnliche und 
fremde Holzarten nad Graben der Politur« Eigenfdaft. Auch findet man 
bier die meiften Arten Schwämme nah der Natur in Wachs gebildet, Lin« 
ter den techniſchen Sammlungen find zu erwähnen: Eine im Waſſer fich 
felöft verhärtende Erdmaffe, mehrere itäfienifche Stahlarbeiten, fo wie 
auch die Mufter ſaͤmmtlicher Erzeugniffe aus den vorzliglichften Feder: und 
Tuchfabriken Ungarns, dann aud die fhönen Erzeugniffe der Saſſiner 
Kartun Fabrik des Freyherrn v. Put hon. Es iſt zu wünfden, bafi von 
den noch abgängigen Manufacturen, Gewerben und Künften bald die 
Proben ihrer Ergeugnifle hier eingehen mögen, um die Grade und Bort- 
ſchritte des beimifchen Kunftfleifies darnach beurtheilen zu fönnen, Unter 
die vorzliglichften Stücke in diefer Abtheifung zählt man die aſtronomiſche 
Uhr, die der gefdickte Uhrmacher, Joſ. Raufhmann in Ofen, ver 
fertigt hat. Von neuen Bereiherungen verdient vorzüglich Erwähnung 
die vom Wechsler Ritter v. Neubauer aus Hamburg eingefendete 
Ägpprifhe Mumie, Aufmerkfamkeit verdienen aud die Kunftprobucte, 
Maſchinen und Modelle für Landwirtbſchaft und Brückenbauführung, 
weldye fehr lebrreich für Kunftarbeiter, Baupneifter und Ökonomen find. 
Die ansgegrabenen röm, und ungar, Alterthlimer, entweder in Stein 
gehauene Inſchriften oder Biguren in halb erhabener Arbeit wurden an 


Natſchehradez. — Natter. 23 


ben dußern Rückwaͤnden im Innern des Gebäudes auf eine anfdhauliche 
Art eingemauert. Der Barren beftebt meiftens aus düftern Laubgängen, 
an deren lichtern Stellen und breiten Wegen römifhe Dreilenzeiger, Sar⸗ 
copbage u. dgl. oft Überrafchend aufgeftellt find. Unter den röm. Alters 
thümern ift der in Alt-O fen ausgegrabene Opferaltar des Neptun mit 
, feinem ganzen Umfange, burch den Zahn der Zeit wenig verlegt, befonders 
merkwürdig. Der wichtigſte Theil des Muſeums ift die Bibliothek. An 
feltenen Kunſt⸗ und Prachtwerken, fo wie an alten Manufcripten und 
fonftigen Documenten aus den früheren Jahrhunderten des Neiches, ift 
die Bibliothek vollfommener ald manche andere des Auslandes; die merk⸗ 
würdigften darunter find: Die goldene Bulle Konig Bela’s IV., Miſſa⸗ 
lien aus dem 12., 13. uud 14. Jahrhundert, die Legende Stepban’s 1. 
vom Bifhof Hartwig von Frankfurt, mehrere türkifhe Firmans, 
Landtags» und andere merkwürdige Acten, welche die Zahl non 2,000 
Eremplaren weis überfteigen; Landcharten, Proſpecte, Wapen u, f. w. 
Unter den gedrucdten Werken zeichnen fih aus: Pfinzing’s Theuers 
dank, mit prädtig illuminirten Holzſchnitten, in Folio. Pracht⸗ Auflagen 
der griech, und röm. Claſſiker, dannvon Klop ſto ck's und Wieland’s Wer: 
Een. Die Bibliothek enthält alle gedruckten Werke, die über Ungarn handeln, 
oder von ungar. Schriftitellern verfaßt find, und eine Menge Manufcripte 
diefer Gattung. Übrigens beftehen eigene auf Koften des Grafen & zes 
heEenyi gedruckte Verzeichnife Über -die von ihm gewidmete National⸗ 
Bibliothek in Büchern und Manufcripten, und über die gleichfalls von 
ihm dargebrachten Münz« Sammlungen. Diefe Catalgge, und zwar der‘ 
Bücher, find nur bi6 1807, der Manufcrinte bis 1815, der Münzen bis 
1810 fortgeführt, und machen 14 Dctav» Bände. Die Stempel, Siegel 
und Alterchümer find befchrieben in der; Cimeliotheca Musei, nationalis 
hungarici, sive Catalogus historico-criticus antiquitatum raritatum 
et pretiosorum cum Bibliotheca antiquaria et numaria ejusd. in- 
stituti. Gedruct zu Ofen 1825, auf Koften Peters v. Kubinpi. 
— Die Fortfegung der Bücher: Cataloge it im Werk. Im lebten Zim- 
mer ſteht die Düfte des Kaifers und Könige Franz, aus Alabafter, von 
Prokop in Wien, mit der in Marmor gegrabenen Inſchrift: Fran- 
ciscus II. Musis Hungariae Palatio Tutela Favore Donatis In Ani- 
mis Hungarorum Aeternus. Anno MDCCCIII. Über diefer Büfte 
ift das mit Kunft und Fleiß auf Glas gemalte Bild der unvergeßlichen 
Maria Thereſia. Die Benugung der Bücher und Manuſcripte iſt 
unbefchränkt für Jedermann in den feftgefegten Stunden und Tagen, nur 
nach Haufe wird Eein Buch mitgegeben. Mit Ausnahme der Sonn: und 
Feyertage find an jedem Tage von 9 — 12 Uhr früh, und von 3 — 6 
Nachmittags Lefeftunden. Zur Befihtigung der Antiquitäten» Kammer 
und des Münz-Cabinets ift jeder Donnerftag und Freytag, fo wie der 
Mittwoch und Samſtag für das Naturaliens Cabinet beftimmt und zwar 
in den benannten Stunden. 
Natſchehradez, böhm. Städtchen im Kaurzimer Kreife, mit 
1,300 Einwohnern, liegt nabe am dicht bewachſenen Berge Blanil. 
Natter, Job. Jof., Commandeur des Ritters Ordens der Kreuzer 
berren vom rethen Sterne, war Confiftorialrath und Pfarreran der St. 





24 narıeren 


Cartskirhe zu Wien. M.iftgeboren am 9, May 1767 zu Prag, wo 
‚er auch feine Studien begonnen und vollendet hatte. Er trat 1792 in 
den Ritter⸗ Orden ber Kreugberren mit dem rothen Sterne, wurde 1793 
Prediger und Vicar an der St. Carlsfirhe in Wien, 1795 aber am 
der Stiftskirche feines Ordens in Prag, wo er 1798 den Ruf als Er: 
sieher des jungen Fürften Ferdinand von Kinsky erhielt, fo wie 
1803 das Commandeurkreuz feines Ordens. 1807 Eam er als Agent des: 
felden nah Wien, wurde dann 1811 von Kaifer Franz zum Coms 
mondeuran der Earlskirche in Wien ernannt und 1812 von dem fuͤrſter zbi⸗ 
ſchoͤflichen Confiftorium als Pfarrer an diefer Kirche canoniſch angeftellt. 


. Noch im nähmlichen Jahre übertrug ihm der Kaifer Eramz das Amt 


eines Referenten bey der k. k. Woplthätigkeits: Kofcommiffion, und 1814 
beehrte ihn der Wiener Fürft » Erzbifhof mit der Würde eines Conſi-⸗ 
ſtorialrathes, in welcher Eigenſchaft er bis 1823 wirkte. Gedruckt ers 
ſchienen von N.: Liber die Freundſchaft (anonym), Leipzig 1796. — 
Predigten über chriſtliche Lebensweisheit, fir alle Sonn- und Fefttage, 
3 Bände, Prag 1796; 2. Aufl, eb. 1811; 3, Aufl, 2. Bde. Mainz 
1833, — Predigten über die Lebensgeſchichte Jeſu, Prag 1798; 3. 
Aufl. eb. 1811. — Katholiſches Gebethbuch im Geifte der Religion 
Sefu, eb. 1800; 7. Aufl. eb. 1829. — Predigten bey verſchiedenen 
Veranlaſſungen verfaßt und vorgetragen, eb. 1802. — Populäres 
practifches Religionshandbuch für Katholiken, es. 13110 — Die Wege 
er Vorſehung in den Srbictfalen des jüdiſchen Volkes, eb. 1811. — 
‚ber die Kunft bey den Übeln und Widerwärtigfeiten des Lebens feine 
Ruhe zu behaupten, eb, 1811. — Predigten Über Tod, Grab, Auf: 
erſtehung und MWieberfehen, eb. 1817. — Katholiſches Andachtsbuch 
für die Gebifdeten unter dem weiblichen Geſchlechte, eb. 1819. — Ka: 
thofifches vollſtändiges Religionslehrbuch, eb, 1819. — Unterriht in 
der katholiſchen Glaubenslehre, eb. 1820. x 
Ylatterer, Job., it den 9: Nov. 1787 zu arenburg in Nie 
beröfterreich geboren, ber Sohn eines Eaif. Balkenjägers, erhielt feine erſte 
Ausbildung bey den Piariſten in Wien. Schon in feiner früheften Jugend 
erwuchs in ihm ber Hang zur Maturgefchichte, der durch eine Samm: 
fung vaterländifcher Vögel, welche fein Porter angelegt, mächtige Nah: 
rung fand. 1794 wurde diefe Sammlung von Karfer Fran; angekauft, 
um auf ihrer Grundlage (1798) ein zoologiſches Mufeum zu gründen, 
und N.’3 Väter zum Auffeber derfelben ernannt. Der junge N. hatte 
baber Gelegenheit, feiner Bieblingsbefchäftigung ungeftört nachzuhaͤngen. 
An der Seite feines Waters wurde er zum Jäger gebildet und erlernte 
von ihm bie Kunft des Ausitopfens, in der er fpäterhin zum Meifter 
warb, Diefe Neigung, welche bald zur Leidenſchaft wurde, war die Ur: 
ſache, aus welcher er feine Studienlaufbahn unterbrah, um fi durch 
frege Studien jene Hülfskenntniffe zu verfchaffen, welde einem Zoolo: 
‚gen erforderlich find. Er verlegte fi daher vorzugsweife auf Sprachen 
und Zeichnen, weßhalb er die Eollegien in der Realafademie befuchte, 


- und börte nebftbey an ber Wiener Univerfität die Vorträge über Naturs 


mehrere Reifen, nad Ungarn, permark und dem Küftenlande, um 


geſchichte, Botanik, Chemie "em Hierauf unternahm er 


Llaturalien» Cab. d. Gefellfch. d. vater. Muf. ın Prag. 25 


für das kaiſerl. NaturaliensCabinet zu fammeln und Eehrte ſtets mit einer 
bedeutenden Ausbeute zurüd. 1809 ward ihm an demfelben eine Anftels 
lung zu Theil. Er machte nun abermahls eine Reife nad) Ungarn, be 
fuchte einen Theil von Croatien, ging fodann nad Mähren, bereifte 
fpaterhin Italien, wo er bis nach Calabrien kam und befuchte noch einis 
ge Mehle das Küftenland. 1815 wurde N. als Transportbegleiter der 
Naturs und Kunſtſchätze nah Paris berufen und benüßte dafelbft die 
kurze Zeit feines Aufenthaltes zum Studium in den reihen Öallerien des 
Mufeums. 1816 erhielt er die Stelle eines Aſſiſtenten am Eaiferl. zoolog. 
Mufeum und wurde 1817 zur naturforfhönden Expedition nah Braſi⸗ 
lien gewählt. Sm März diefes Jahres trat er feine Reife an. Ein erlit 
tener Seeſturm war die Urſache, daß er längere Zeit an der Küfte des 
nörblichen Staliend verweilen mußte. Hierauf befuchte er. die Südküſte 
von Spanien und bie Infel Madeira und langte im November in Rio 
de Saneiro an. Er befuchte zuerft den füdlihen Theil der Eapitanerie 
von Rio de Janeiro, ging von da 1818 in: den Diftrict von Ilha 
grande an der DOftlüfte, machte fobann eine Reife in den öftlichen 
Theil der Sapitanerie von San Paul, wo er bis 1820 verweilte, 
befuchte hierauf den füdlichen Theil diefer Provinz, bis zur Graͤnze von 
Rio grande de Sul undging von da nah Paranagua, wo er 
fi einſchiffte und 1821 nah Rio de Janeiro zurüdkehrte. Er durch⸗ 
reiſte nochmahls die Provinz von Rio be Janeiro und San Paul 
bis gegen das Ende 1822, und ging von da in die Provinz Matogroflo, 
wo er bis July 1829 verweilte. Won da trat er die große Reife über die 
Flüſſe Guaporé und Madeira in die Provinz, Rio negro an, vermweilte 
bis zum Juny 1830 in Villa Borba und ging von da an dem Amas 
zonenftrome und Rio negro aufwärts, bi8 an die Gränze der ehemah⸗ 
ligen ſpaniſchen Provinz Venezuela zum Fluſſe Caſiquiari, und von 
da auf den Flüſſen ‚ie, Icanna, Vaupé und Rio negro bis Barcel 
106, wo er fih im Auguft 1831 befand. Won diefer Reiſe rührt die uns 
gebeure Ausbeute her, welche gegenwärtig das Eaiferl. Mufeum ziert. 
In Anbetracht feiner vielen Entdeungen und großen Aufopferungen für 
die Naturwiſſenſchaft erhielt N. die Diplome von mehreren gelebrten Ge: 
felfhaften und die pbilofophifche Doctorwürde an der Univerfität Hei 
delberg. N. hat fih um das Eaiferl. zoolog. Mufeum, insbefondere 
aber um die Eingeweidewürmer: Sammlung desfelben, die er gemeins 
fbaftlih mit Bremfer fhuf, Hroße Verdienſte erworben. Vergl. 
Brafilifhe Erpedition und Brafilifhes Mufeum. 
LlaturaliensCabinet der Befellfchaft des vaterländifchen 
Mufeums in Prag, zerfällt in die mineralogiſche und zoologifche Ab⸗ 
theilung. Das Mineralien-Gabinet enthält: Die orpktognoftifhe (6050 
Exemplare), geognoftifhe (700) und paleontographifhe Sammlung 
(1250), alfo im Banzen 8000 Exemplare, welche in Glasſchraͤnken längs 
der Wand aufbewahrt werden; darunter befinden fich fehr reiche Gold« 
flufen aus Peru, worin das gediegene Gold in Klümpchen und eine 
Stufe, in der es Erpftallifirt vorkommt; ausgezeichnete Silberſtufen, 
Goldfand aus böhmifhen Flüffen, ein fechsedig Eryftallifirter Smaragd in 
der Quarzmutter aus Amerika, opalifirender Marmor u. (. w. Da 


- . 


BJ Dlaruralien» Cabinet, k. P., in Wien. 


entogifße Cabinet beläuft ſich, obſchon erft feit Kurzem gegrfindet, be- 
reits über 2000 Eremplare, worunter fi) manche fehenswerthe ©elten- 
heiten befinden. 

Yaturalien: Cabinet, P: F., in Wien, oder eigentlich zoo⸗ 
logiſch⸗ botaniſches Cabinet, welches nebſt der Mineralienfammlung die 
E&E£ vereinigten M.⸗C.e bildet, wurde von Kaifer Franz I. 1700 ger 
fifter. Es war urfprünglich mit dem phyfikatifch » aftronomifhen Eabis 
nete vereiniget , wurde 1802 unter eine gemeinſchaftliche Direction 
mit dem Mineralien-Eabinete geftellt und 1806 durch Earl v.Schreis 
bers (f. d.) na dem Mufter des Parifer Mufeums neu organifirt und 
Bus ftreng wiſſenſchaftlichen Anftalt erhoben. Bis 1811 wurde diefe 

alt als Privateigentfum des Kaiſers, feitdem aber ald Staatseigens 
thum betrachtet. Es befindet ſich im rechten Flügel des Hofbibliothelage ⸗ 
bäudes und befteht aus mehreren Abtheilungen, welche fo mit einander 
in Verbindung gebracht find, daß man die hier aufgeftellten großen und 
reihen Sammlungen aus dem Thier: und Pflanzenreiche in ſyſtematiſcher 
Ordnung überfehen Eann. Die 1. Abtheilung befteht aus 3 Zimmern und 
einem Vorgemache und enthält die Affen und affenartigen Säugethiere, 
darunter, nebſt den befannteren, fehr viele feltene Arten, fo z. B. der 
eigentlide Orang⸗ Utang, der Schimpanfe, der langarmige Affe, der 
on, mehrere große Paviane und befonders viele Arten amerikanis 
ſcher Affen x.; dann die Beutelthiere, ferner die Wieſel, Bären, 
Dachſe u. f. w.; endlich die hunde- und katzenartigen Raubthiere, in des 
ven, Zahl fi ein fehr ſchöner Königstiger, ein amerikanifcer Tiger, 
ein. prachtvoller afrikaniſcher Loowe befinden, dann die merfwirdigften 
HunderRagen, die Schakale, die verſchiedenfarbigen Polarfüchfe, die 
‚geftreifte Hyäne ac. Die 2, Abtheilung, aus 2 Säten beftehend, enthält 
die Nagetbiere, worunter Rängurubs von jedem Alter und Gefchlechte, 
Springhafen, Stachelſchweine, Biber ıc., ferner die zahnloſen Thiere, 
fo z. B. Ameifenfreffer, Schuppen⸗, Gürtel: und Faulthiere, das höchſt 
merkwürdige Schnabelthier und 2 Arten von dem fehr wenig befannten 
Stadelfpnabelthier; dann die vielhufigen Thiere, als: Elephant, Rhie 
nozeros, Tapir und das grofie Nilpferd in fehr fhönen Exemplaren; 
unter den Shweinen befindet ſich das feltene einhufige und ein merkwürdi⸗ 
‚ges, fehr großes Maſtſchwein aus Böhmen; endlich die zwephufigen Thiere, 
die Kamehle, Lama's, Bifamthiere, Hirfharten, worunter mehrere 
Rennthiere, dasElennthier, der gefleckteindifche und ber mericanifcheSirfch, 
dann 2 Exemplare ber Giraffe, worunter eines unftreitig das ſchönſte 
und größte diefer Thiere, mas je nad Europa gebracht wurde. Bein 
Skelett befindet ſich im Univerfitäts-Mufeum. Das zweyte ift jenes, das 
vor einigen Jahren zu Schönbrunn lebte, Liber diefem Saale im 
1.Stodiwerke desfelden Gebäudes ift ein ähnlicher, in welchem die übrigen 
zweyhufigen Thiere, die reihe Sammlung der Antilopen, die Ochfen, Zier 
gen und Schafe aufgeftellt find, merkwürdig find bier die Pafan» und 
KudusAntilope, das Gnou, 2 fhöne Büffel und der höchſt feitene 
Aueritier, mebrere ausgezeichnere Eremplare des wilden Steinbockes aus 
dem Driente, der eutropäifche Steinbock, die fprifhe Ziege und mehrere 
Warten der wilden Schafe. Hier find feit einiger Zeit des befchränkten 


Ylaturalien»Labinet, P. P., In Wien. 7 


Raumes wegen die fledermausartigen Säugethiere aufgeftellt, worunter 
fid) die Galeopitheken und großen Vampyre vorzüglih auszeichnen. In 
einem ähnlichen Saale im 3. Stockwerke befindet fih der Schluß der 
Säugethiere und zwar die einhufigen Thiere, Pferbe, Zebra’s, endlich bie 
Seeſaͤugethiere, 3. B. das Wallroß, verfchiedene Gattungen von Seehun⸗ 
den, worunter alle feltenen grönländifchen,, die wallfifchartigen Thiere, 
die wichtigften Beftandtheile des gemeinen Wallfiſches, endlich die Zähne 
vom Narwal oder See: Einhorn und 2 Köpfe desfelben, von denen dev 
männliche Schädel mit langen Vorderzähnen verfehen ift. Die in ihrer 
Art einzige Vögelfammlung fült 4 äroße Zimmer in ununterbrochener 
Reihe. Das 1. derfelben umfaßt die Raubvögel: Geyer, Adler, 
Balken und Eulen; unter Erfteren 2 fhöne Exemplare von dem Greifs 
geyer (Condor) aus Südamerika. Das 2. Zimmer enthält die Singvö⸗ 
gel in naturhiftorifher Bedeutung; deren Zweige bie eigentlichen : Ging» 
vögel, die Raben, die ſpecht- und papageyartigen Wögel bilden, unter 
welchen die vielen Arten vor Eolibris, Papageyen, Paradiesvögel, 
Pfefferfreſſer 2c. befonders merkwürdig find. Das 3. Zimmer ift der 
Sammelplatz von bühnerartigen und Sumpfodgeln. Hier befinden fich 
die Strauße, Caſuare, Trappen, Tauben und Hühner, dann die 
verfchiedenen Arten von Faſanen, worunter ber feltene und prächtige 
Augenfafen. Unter dem Sumpf: und Waffergeflügel zeichnen ſich befonders 
aus: Diele fhöne Eremplare vom Flamingo, von Löffelgänfen und Sä⸗ 

beifhnäblern, die merkwürdigen und feltenen Wehrs, und Irompetenvor 
gel, Kahn⸗ und Sceidenfhnäbel, die prächtigen purpurrotben Bradıs 
vögel, der Pfauenreiher und endlich die verfchiedenen Ibisarten. Das 
4. Zimmer enthält die eigentliden Waller: oder Schwimmvögel, und 
jwar: Die pelifanartigen, die Fregatten, die fonderbaren Schlangen» 
vögel, die Tropiks und Sturmvögel, Moven und Seefchwalben, ferner 
bie zahlreihen Arten von Schwänen, Gänfen und Enten, endlich die 
Pinguine oder Fettgänſe. Im 2. Stockwerke des Hauntgebäudes ift eine 
Abtheilung von 4 Zimmern, welche die reichhaltigen Claffen der Amphi⸗ 
bien, Fiſche und Infecten enthalten. Im 1. Zimmer werden die Dou⸗ 
bletten von Infecten aufbewahrt. Das 2. Zimmer enthält die höchſt um: 
faffende Sammlung der Infecten, fo 3. B. der Käfer, Schmetterlinge 
und ungeflügelter Infecten. Im 3. Zimmer befindet fi) die ungemein 
reichhaltige Amphibienfammlung und zwar der größte Theil der eidech⸗ 
fen» , ſchlangen⸗ und frofchartigen Thiere in Glasgefaͤßen in Weingeift, 
die Äbrigen aber und die Schildfröten ausgeftonft. Befonders merkwürdig 
find in diefer Sammlung die große Rieſenſchildkröte, viele Arten von 
Krobodilen bis 11 Fuß Länge, die Chamäleone und fchlangenäbnlichen 
Eidechfen, die Rieſen⸗, Klapper- und Brillenfhlangen, der Riefenfalas 
mander, die Sirenen ıc. In der Mitte besfelben Zimmers befinden fich 
noch 2 Schränke, welcde zur Aufnahme der übrigen Inſecten⸗Ordnun⸗ 
gen, als die Halbflügler, Florfliegen, Wefpen sc. beſtimmt find. Dad 
4. Zimmer enbli enthält die Sammlungen von Fifhen, vorzüglich 
reich an Seefifchen des mittelländifchen Meeres und der Südſee. Obfchon 
diefe Abtbeilung den übrigen Sammlungen diefed Mufeums an Ausdebs 
nung und Reihhaltigkeit bedeutend nachfteht und fo zu fangen , art vom 


Du Naturalien· Cabinet, P. k., in Wien. 


‚Werben begriffen iſt, fo übertrifft ſie doch die meiften Sammlungen her 
‚übrigen Mufeen. Der gröfite Theil derfeiben ift ganz und mit befonde- 
rer Sorgfaltund Genauigkeit in Hinſicht der Erhaltung oder Eriekung 
der natikrlichen Farbe und Zeichnung ausgeftopft und, gleich den Säuge- 
thieren und Vögeln, auf Staffeleyen hinter, Glaswänden ‚aufgeftellt , 
mehrere derfelben find jedod, ‚gleich den Amphibien in -Glasgefüßen mir 
Weingeift aufbewahrt, Im IStocke iſt eine ähnliche Abtheilung von 4 
Simmern, bier ift die äuferft merbwürdige und reihhaltige Sammlung 
von Mollusken oder Weichthieren und andern Seethieren der unterften 
Claſſe in 600 Glaseplindern in Weingeift aufgeftellt. Im 3. Zimmer 
iſt die äußerſt merkwürdige und prächtige Conchplienfammlung. Deren 
Pracht- und Schauftüce find, in ſchöne Bilder gereiht, in 4 großen 
Glasſchraͤnken gfgeſtellt, in 8 unter denfelben befindlichen Glaspulten 
find aus der Zahl der —— fo viele Gattungen eingelegt, daß da: 
burch eine foltematifche Überſicht des Ganzen gewonnen wird. Die eigent . 
liche wiſſenſchaftliche Sammlung ift in den unterhalb diefer Pulte be: 
findlichen ‚Schränken in 66 großen Schubladen fpftematifh geordnet. 
Die Sammlung von Eruftaceen (Krebfen und Krabben) begreift eine bes 
deutende et von Arten in vielfachen Eremplaren, die theils getrod- 
net, theils in Weingeift aufbewahrt, und mit den Conchylien gemein: - 
ſchaftlich im einem Zimmer in 4 Olaskäften aufgeftellt find. Im-4. im: 
mer endlich iſt die Sammlung ‚von Eingeweidewirmern in ungefäbr 
1,600 Heinen Glaschlindern an fuftleeren Glaskügelchen aufgehängt und 
in Weingeift verwahrt. Die foftematifd georbnere Santmlung befindet 
fich in den Unterfaßkaften in 1800 mit eingeriebenen: Glasſtöpfeln verfe- 
benen Ötäfern ; in demfelben Zimmer befinden fi auch die Zoophpten, - 
Strahlthiere, Seeſterne, Pflanzenthiere, fteinartigen Polypen, Co- 
rallen ze), wovon fich befonders Letztere durch viele Eoftbare und pracht- 
volle Schauſtücke auszeichnen. Den Schluß diefes wahrhaft kaiſetlichen 
' Mufeums macht die botanifde Sammlung in einer Abtheilung von 4 
Bimmern, welche ein äußert reichhaltiges Herbarium von gerrodineten 
+ Pflanzen aus allen Theilen der Welt enthalten, dann auch eine fehr 
toftbare Sammlung nad der Natur getreu in Wachs nachgebildeter 
Pflanzen, bie ſich nicht wohl im natürlichen Zuftande aufdewahren lafe 
fen, endiich auch eben fo von Früchten und Schwämmen, fo wie aud « 
mehrere Probeftücke von, aus Alabaiter und Gyps nachgeformten, Früch⸗ 
ten und ‚Obftforten. Moch befindet ſich in diefem Gebäude eine ausge: 
——————— Bibliothek für alle einzelnen Foͤcher, welche mit 
er Büſte des Kaijerd Franz aus chrrariſchem Marmor, von Zauner, 
geſchmückt iſt. Das N.+E. gehört gegenwärtig zu den reichſten und be⸗ 
rühmteften Sammlungen in Europa, und ift der DVereinigungspunet 
ausgezeichneter Gelehrten, welche ihre Thätigkeit, die ſich fhon früher 
in vielen einzelnen Werken und Abbandlungen ausfprad,“feit 1835 
auch durch die Herausgabe einer periodiſchen Zeitichrift: „Annalen des 
Wiener Mufeums der Naturgeſchichte,“ beurkunden, Außer den Neben: 
*  fammlungen von Sfeleten, anatomifhen Präparaten, Neftern, Eyern, 
- Raupen u. fu w. enthält diefe Sammlung an Säugethieren 500, an 
Wögeln 2,300, an Amphibien 600, an Fiſchen 600, an Molluss 





Naturforſcher⸗ Derfammlung in Wien. 29 


fen. 4000, an Eruftaceen 500, an Arachniden und Sinfecten über 
26,000, an Entozoen 800, an Zoophyten 500 und an Pflanzen über 
25,000 Arten. Die naturhiftorifche Bibliothek zähle 4,000 Werke in uns 
gefäbr 9,000 Bänden. Der öffentliche Zutritt zu diefem Cabinete ift auf 
den Donnerftag jeder Woche Vormittags von I— 12 Uhr und wenn einFeyer⸗ 
tag einfallen follte, auf den vorausgebenden Mittwoch feſtgeſetzt. Für Stu⸗ 
dirende. iſt es während der Sommermonathe auch Nachmittags von 
3—6 Uhr geöffnet. Um indeffen einen ben Genuß der Anwefenden ver 
Eümmernden allzugroßen Judrang zu nermeiden und die Zahl der Beſu⸗ 
chenden einigermaßen reguliren zu können, befteht die Einrichtung, daß 
der Zutritt, einzeln oder in Geſellſchaft, nur.gegen Abgabe einer Kar⸗ 
te, die man früher vom Portier erhält, geftattet wird. Wiſſenſchafts⸗ 
freunden und Sachverſtändigen, befonders Schriftftellern und Gelehrten aus - 
einem oder dem anderen naturbiftorifchen Sache werden die Sammlungen 
an jedem Tage geöffnet und fie haben fi defhalb nur an den unmittele 
baren Verweſer berfelben zu wenden und mit ihm über Tageszeit und 
Stunden übereinzukommen. | . 

Ylaturforfcher: Derfammlung inWien. Diefe fand im Sep⸗ 
tember 1832 Statt, nachdem fie 1831 (für welches Jahr fie projectirt 
war) , der ausgebrocenen Cholera wegen unterblieb. Nicht nur aus 
den öfterreichifchen und deutfchen Provinzen, fondern aus allen Ländern 
Europa’s, ja ſelbſt aus andern Welttheilen ftrömten Wereintglieder 
berbey, um, nach dem vorgefeßten Zwecke diefer Verfammlungen, 
theils ficy näher Eennen zu lernen, und dadurch einen rafchern wiffens 
ſchaftlichen Verkehr berzuftellen, theild Ideen auszutauſchen, und 
gemachte Entdeckungen zu fihern. Die Gefammtzahl ber anmwefen 
den Gelehrten war über 460, darunter aus dem öfterr. Kaiferftaate 
333, unter diefen aus Wien 226, aus Ungarn. 33, aus Bohr 
men 15, aus Mäbren 9, aus der Lombardie 10, von den Auswärtis 
gen aus den übrigen europäifhen Staaten 82, unter welchen aus Preus 
Gen 26, aus Bayern 10, aus Hannover 5, aus Sachſen 5, aus 
Großbritannien 6, aus Frankreich 3, aus Rufland 2, aus Spanien 2 
waren. 1 Mitglied war aus der Zürfey, 1 vom Gap der guten Hoffe 
nung, Lvon Baltimore und lvon Monte» Video. In wiſſenſchaftli⸗ 
her Eintheilung zählte die phyſikaliſch-chemiſche Section 105, die mis 
nerafogifche 50, die bolaniſche 52, die zoologiſche 64, die mebdicinifch- 
hirurgifhe 243 Mitglieder. Die Zahl der aufgenommenen Zuhörer 
betrug bis zum 17. Sept. 339. Zum Prüfidenten war. in der le: 
ten Verfammlung (zu Hamburg 1830) der Profeilor der Chemie 
und Botanik Jo ſ. Franz Freyh. v. Jacquin in Wien, zum zweys 
ten Sefchäftsführer der Director der Wiener Sternwarte, Profeſſor 
J. J. Litt row, erwählt worden. Die erfte Sikung fand den 18. Sept. 
im großen Saale der Univerfitat Statt. Die in, derfelben gehaltenen 
Vorträge behandelten folgende Gegenftände: I. über den Schlag und 
Schall des Herzens, vom Hofrath Burdad aus Königsberg, wel 
he Abhandlung bald darauf im Drucke erfien. II. Uber die Spuren 
der Cholera in den Büchern des alten Bundes, vom Profeilor Wa w: 
ruch in Wien. Erfdien ebenfalls gedructt. III. ver vie Wärme 


30 Naturforſcher Derfammlung in Wien. 


Erzeugung in lebenden Pflanzen, vom Profeſſor Oöppert aus Bres- 
lau. Den 22. Sept. wurde die zwepte, ben 26. Sept. die dritte und 
fette allgemeine Verfammlung in obenerwähntem Locale abgehalten, 
wobey jederzeit wichtige Verhandlungen gehalten wurden. Zwiſchen den 
allgemeinen Werfammlungen fanden ununterbrochen die interejfanteften 
Befprehungen Statt, fo wie zwey Sitzungen der mediciniſch⸗ dirurgiz 
ſchen Section bloß zu Berathungen über die Cholera beftimmt waren. 
In der Testen allgemeinen Sitzung hielt Littrom eine Abſchiedsrede, 
worauf von Doctor Ebeling aus Damburgeine Dankrede als Ber 
antwortung berjelben gefprodpen wurde. Außerdem richteten die auswärs 
tigen Mitglieder eine Zuſchrift an die beyden Gefdäftsführer, worin fie 
den Dank der Geſellſchaft für die wahrhaft Eaiferlihe Aufnahme aus» 
ſprachen. Wirklich war aber auch Alles gefhehen, was den Fremden 
ihren Aufenthalt in ber Kaiferftadt angenehm machen konnte. — Die 
kaiferl, Bibliothek und das Mineralien - Cabiner ftanden den Mitglie- 
dern der Geſellſchaft täglich offen, das zoologifche und botanifche Cabir 
net. das brafilifhe Mufeum, die Gemäldegallerie im Belvedere waren 
ausſchließend für fiean 3 Wocentagen geöffnet. Täglich ftanden Wa- 
‚gen bereit, fie nad dem Augarten zur Mittagstafel gegen beilimmte 
Preife zu fahren. Den 22. Sept; wurde die ſammtliche eigentliche Mit 
glieder = Verfammlung von dem Fürften von Metternich zu einer 
Abendverfommlung in dem Gebäude der Haus:, Hof: und Gtaatskanzs 
led geladen, bey welcher fih auch die Minifter nebft den Mitgliedern des 
dipfomatifchen Corps eihfanden. Den 23. fuhren fämmtliche Mitglieder 
in 39 Eaiferl, Eilwagen nah Baden, wofelbft fie der Magiftrat auf 
das prachtvollſte bewirthete. Bey diefer Gelegenheit wurden fie zugleich 
dem Erzherzog Earl inber Weilburg, fo wie dem Erzherzog Ans 
ton in deſſen Palafte vorgeſtellt, und auf das zuvorfommendfte 
aufgenommen, Den 25. ward der Geſellſchaft die Auszeichnung zu Theil, 
zu einer auf Befehl des Kaifers im Luſtſchloſſe Carenburg veranitalter 
ten Tafel geladen zu werden, wohin fie ſich auf mehr als 70 Eil- und 
Poftwagen, bie von dem oberften Hofpoftverwalter, Hofrarh v. Otrens 
feld felbft geleitet wurden, begaben. In Carenburg ftanden gegen 
50 Hofwagen in Bereitſchaft und fuhren bis zur Stunde der Mittagsr 
tafel die Gefellfchaft in dem großen Parke herum. Das Ritterſchloß und 
bie ſammtlichen Luftgebäude waren geöffnet, die Eaiferl. Gondeln flagg⸗ 
ten, Feldmuſik errönte und eine Abtheilung Pontoniere ftand mit 
kaiſerl. Booten auf den Teichen und Canälen in Bereitfchaft. Das Mits 
tagsmahl wurde an drey Tafeln unter einem eigens zu diefem Zwecke er⸗ 
richteten fehönen Zelte im Freyen eingenommen. Graf Wurmbrandy 
Dberfthofmeifter der Kaiferinn, führte im Auftrage des Kaifers deu 
Boris, Furſt v. Metternich und mehrere Minifter und hohe Staates ” 
beamte wohnten dem Mahle bey. Den 27. gab ihnen der oberfte Kanze 
fer und Präfident der Studienhoftommiſſion, Graf v. Mittromstp 
ein glänendes Mittagsmahl, bey welcher Gelegenheit jedes Mitglied 
ein Eremplar der Denkmünze erhielt, welche der Wiener Magiftrat zum 
Andenken hatte prägen laffen. Diefe Münze, in der Größader Eaifers 
lipen Zwenguldenftüde, wurde von dem > Eaiferl, Rammermedaillenr 





Llauders. — Navi lio von Bereguardo. 31 


Boͤhm gravirt und im Münzamte geprägt Sie enthält auf der 
einen ©eite die Schußgdttinn Wien’s mit der Mauerkrone, in der rech⸗ 
ten Hand eine Kornähre haltend, die linke auf einen Schild, das Wapen 
Wiens, geftügt. Ihr wird von dem neben ihr ftebenden Donaugotte 
ein Kranz aufgefebt. Rings um diefes Bild fteht: Vindobona physio- 
logis, und unten: Mense Septembri MDCCCXXXII. Die Kehr⸗ 
ſeite enthält in einem Kranz aus ben. verfchiedenen Gattungen ber von 
Dr. Pohl in Brafilien gefundenen Francisceen das Wort : zarpsıy 
' (Sruß). Den 28. Sept. wurden die Mitglieder bed Vereines von dem 
Bürften vı Metternich noch zur Abendtafel geladen, und mit eben 
fo viel Aufwand als gaftlicher Liberalität zum Abfchiede bewirthet. Am 
29. enblih unternahm die geognoftifche Abtheilung einen Ausflug in die 
Umgegend Wien’s, und wurde zu Nußdorf und Heiligenftadt 
von ausgezeichnetenFreunden der Wiſſenſchaft auf das gaftfreundlichfte aufs 
genommen. Somit waren die Verrihtungen diefer merkwürdigen, feit 
deren Beginne zehnten, Berfammiung gefchloilen. 

Llauders, tyrol. Dorf im Kreife Oberinnthal, mit vielen Sen⸗ 
fens und Nagelfchmieden. Es liegt body und ein Amphitheater von Bers 
gen, gebildet durch die Bündtner und Schleinfer Gebirge, begränzt hier 
den Geſichtskreis von allen Seiten. Nebſt der Schmiedearbeit betreiben ' 
die hiefigen Einwohner, über 1,000, eine bebeutende Viehzucht. 

Naviglio della Martefana , in der Lombardie, geht bey 
Trezzo von der Adda ab und zwar in der Richtung von Oſien nad 
Weiten nahe an den Comunen von Conceſa, Baprio, Bropello, Ins 
zago, Öorgonzola, Cernusco, Grescenzago und Öorla, und 
vereinigt fih in Marland mit dem Naviglio grande und der Olona. 

Naviglio grande (Canal von Lafteletto), in der Lombars 
bie, von König Philipp ILL. von Spanien angelegt, trennt fi in 
ber Gemeinde Tornavento aus dem Ticino, läuft, indem er zur 
Linken die Ortfhaften Nofate und Turbigo läßt, mit diefem faſt 
in gleidher Richtung bis Boffalore, wendet fi) hier gegen Often und 
fließt bey Robecco vorbey nah Caſteletto di Abbiaregraffo, 
wo er mit einem rechts auslaufenden Arme den Canal von Bereguars 
do bilder. Hierauf feßt er feinen Lauf gegen Dften fort, über Gags» 
giano, Trezzano und Eorfico biß unter die Mauern von Mais 
land, wo er fid links mit dem Olona und dem Canal Martefana 
vereinigt und rechtd bey der fogenannten Brücde von Zrofeo den Canal 
von Pavia bildet. Bon bier geht er bis zur Brüde am Ticinerthor 
und bildet hier den ftehenden Canal, deſſen Wailer vorzüglich zur Bes 
wällerung und zum Zreiben einiger Mühlen benußt wird. 

Naviglio von Bereguardo, in der Lombarbie, ift vom Nas 
viglio grande bey Gaftelerto di Abbiaregraffo abgeleitet. Zuerft 
lauft er, mit der Richtung von Dften gegen Weften bis Abbiategrafs 
fo, dann wendet er fih gegen Süden, itreift an dem Orte Cafale, 
den er zur Linken läßt, vorüber, und gelangt nah Bereguardo, 
wo er endet. In diefem Orte ift auch die überfuhr von ungefähr einer 
Miglie Weges für den Transport der Waaren von diefem Naviglie ın 
ten Fluß Ticino. Ä 


32. Naviglio von Paderno. — Meidhardt. 


Naviglio von Paderho, in der Lombardie, ift von der Abba in 
der Comune von Paderno bey dem fogenannten Saſſo di S. Michele 
abgeleitet, und läuft ungefähr 2 geographifhe Meilen immer auf der 
a reihe, welche neben dem Fiuſſe ſich hinzieht, und ergießt fi) 
oberhalb Porto in die Adda. 

Yaviglio von Papdia, ift außerhalb des Ticinerthores von 
Mailand bey der Brücke Trofeo vom Maviglio grande abgeleitet. 
Seine Conftruction wurde in Älterer Zeit angefangen, unter der voris 
gen Regierung. Italiens wieder fortgefeßt , zum Theile hergeftellt, 
und durd Kaifer Franz T. zu Ende gebracht. Er läuft in der Richtung 
von Norden nad Süden bis zu feiner Mündung in den Ticino unter 
den Mauern Pavia’d. Die Verbindung des Canals mit dem Ticino 
iſt bereits eröffnet. 

Yregedly, Adalb., Pfarrer zu Welis im Berauner'Kreife Boͤh ⸗ 
mens, geb. 1772 in Zebrak, einem böhm. Städten, ſtudirte zu Prag, 
wurde 1795 Priefter, war dann 4 Jahre Eaplan in Prag, eben fo 
lange Pfarrer in Platſchitz, und wurde endlich 1803 auf feine der— 
mahlige Pfarre befördert. Während feines Aufentbaltes in Platfhig 
ſtudirte er befonders die böhm. Literatur. eine Schriften, die er von 
1805—7 böhmifch herausgab, fimd: Das legte Gericht, ein Gedicht; — 
Sonn» und Befttagspredigten, 4 Bde. — Ladislaw und feine Kinder, 
eine Kinderſchrift. — 3 Heldengedichte, ein epifher Noman, und 2 Theile 
vermiſchter Gedichte in döhm. Sprache liegen im Manuſcripte brudfers 
tig. — Nebſt dieſen lieferte er auch mehrere Beytraͤge zu der boͤhm. 
Zeitſchrift, die fein Bruder, Profeſſor N. berausgab. i 

Yregedly, Job., £ &. Rath, Doctor der Rechte und Landesadvocat, 
Profeifor der boͤhm. Sprache und Literatur an ber Univerfität zu Prag, 
ütben 25. Apr. 1776 zu Zebrak im Berauner Kreife Böhmens geboren, 
Nach zurlickgelegten Sumanioren in Prag, concurrirte er 1801 um die 
Lehrkanzel der böhm. Sprache und Literatur, dajelbft, die ihm auch zu Theil 
wurde, Außer mehreren gelungenen boͤhm. Überfegungen, * B.Homers 
Iliade, Geßners Daphnis, Florian’s. Numa Pompilius ıc. gab er 
eine treffliche böhm. Grammatik für Deutſche⸗ wovon mehrere Auflagen zu 
Prag erfhienen find, nah MeidingersLebrart heraus, Er ſtarb 1834, 

ridbardr, Joh. Eberhard, Cardinal, geb, den 8. Dec. 1607 
auf dem Schloſſe Fal ken ſte in in Ofterreich ob der Enns, rat 1631 
in den Jefwitenorden, lehrte hierauf Philoſophie und canonifhes Recht 
zu Gräg, und wurde dann an dem Wiener Hofe Beichtvater der Erzher⸗ 
zoginn Maria Ann a und des nachmahligen Kaiſers Leopold J. Als diefe 
Pringefinn fih mit dem König Philipp IV. von Spanien vermählte, 
begleitete er fie dahin, und hatte nah Philipps Tode (1665) als Ges 
neralinguifitor den größten Einfluß auf die ©taatsangelegenpeiten. 
Weit nichts ohne ihm gefhah, fo erwachte der ſpaniſche ©tolz; es bildete 
ſch eine Berfpwörung , an deren Spige der natürlie Sohn Philipps 
Don Juan d’Auftria ftand, und fo murde der Carbinal 1669 
aus Spanien fortgeſchickt. Er ftarb zu Rom 1681. Man bat von ihm 
einige Schriften, die unbefleckte Empfängniß der Jungfrau Maria ber 





Heidl. — Tleipperg, Albert Adam, Graf v. | 3 


Lieidi, Joh., Kupferfteher und Kupferflichhändter in Wien, 
geb. zu Oräg am 20. März; 1776, bat fih dur Fleiß hervorgethan. 
Unter feinen vielen Stücken in der fogenannten Miniaturmanier (mei: 
fiens Porträte) find am gelungenften zu nennen bie Porträte von Aus 
dbolph v. Habsburg, Erzh. Carl, Suwarow, Salieri, Che 
rubini, Sof. v. Hoͤrl ec. N. farb den 31. Auguft 1832 zu Peſth, 
wo er mit feinem Rupferflihhandel regelmäßig bie Märkte zu beſuchen 
pflegte. 

Lleipperg, bie Grafen. Ein aus einem uralten ſchwaͤbiſchen Ritter: 
gefchlecht, deffen in Urkunden 1080 (beym achten Turnier zu Augsburg, 
gehalten von Hermann Herzog zu Schwaben und Alemanien) gedadıt 
wird, von dem Stammfchloß und Gut Neipperg (Neiperg, Nybs 
berg,Neidberg, Nitperg), im ebemahligen Craichgau in Schwa⸗ 
ben gelegen, entfproffenes gräflihes Haus, feit dem Jahre 1766 mit Sitz 
und Stimme bey dem reichsftändifch  fhwäbifchen Srafens Collegium betheis 
figt. Die Beſitzungen desfelben beftehen in dem reihsunmittelbaren 
jur reichsftändifchen Matrikel befteuerten Gut Babenhbaufen, dann 
den veichöritterfchaftlichen Gütern, dem Städten Schwaigern und 
den Dörfern Neipperg, Klingenberg und Maſſenbachhauſen, 
welche 1806 unter Bönigl. würtembergifhe, und den Ortfchaften Adels» 
bofen und Gemmingen (leßteres mit bem Freyherrn v. Gemmin- 
gen gemeinfhaftlih), welche unter großherzogl. badenfche Landeshoheit 
fielen. Schon in frübern Zeiten hatten fi Zweige der Samilie in andere 
Länder, als Krain und Steyermark, verbreitet. Als 1276 am 19. Sept. 
der Adel Kaͤrnthens und Steyermarks einen Bund ſchloß, in weldem er 
fi für den König’ Rudolphv. Habsburg erklärte, und für ihn Gut 
und Leben zu opfern fhwur, war die Urkunde unter Andern von Otto 
v. Liechtenſtein, Bottfhall v. Neidperg xc. ꝛc. unterzeich⸗ 
net. In dee Schweiz hatten fie Burgen und Belißungen, wie z. B. 
1548—1586 im Canton St. Gallen die Burg Nydberg gegründet, 
Die Häupter der ſchwäbiſchen Linie widmeten fih im 17. Jahrhundert 
dem Dienfte bed öfter. Kaiferhaufes in den höhern Civil: und Militär: 
fielen mit Stiftung eines Familien» Fideicommiß » Vermögens inner. 
balb diefes Staates, daher bie Familie zugleich die niederöfterr. LanRanv- 
(daft, wie Sig und Stimme in der erften Kammer der k. würtemberg. 
Landftände, das Indigenat von Ungarn, wie bad heivetifche erworben 


bat. | 

Neipperg, Albert Adam, Graf v., & k. öfter. General: Belb 
marſchall⸗Lieutenant, Ehrens Cavalier der ErzherzoginnMariekouife, - 
Herzoginn von Parma, 2. Inhaber des Hufaren-Megimentes Erzherzog 
Ferdinand, Befiner mehrerer Orden, war geboren den 8. April 1775, 
ans dem altberühmten Gefchlechte der ſchwaͤbiſchen Ritterſchaft ſtammend. 
Er trat mit dem Ausbruche des franzöf, Nevolutionskrieges fehr früh in 
öfterr. Kriegsdienfte, wurde bald in den Generalſtab verfeßt, und gemann 
Ab duch fein liebenswürdiges, entſchloſſenes, und wo es galt, Eühnes 
Vetragen, bald die Achtung und Liebe feiner Vorgefegten. Während der 
Schredenszeit gerieth N. in feindliche Gefangenfhaft, wurke Kar Kinen 
Emigranten gehalten, und blßte buch wüthenne Mibdandlung n’inee 

Drßert. Ratı Qucuni. Bb. IV, ° 


om Mmeiffe Melt 


ein. Demungeachtet diente ‚er nach feiner Befreyung wieber mit: ausge 
eichneter Verwendung in den Niederlanden und am in. Später wirkte 
h. bey den verſchiedenen Verfuchen zum Entſatze Mantua’s trefflich 
mit, fo wie er 1797 Vieles zur Befrepung Tyrols beptrug. Er drang in 
dev Folge bis Weroma, ſchloß den franzöf. General in die dortige Citas 
belle ein, und entfchied dem Ausbruch Der Anfurreetion des venetianifpen 
Feſtlandes. 1799 zeichnete fi N. bey Caffano und Novi, bey ber 
Wegnahme von Eafale und der Gebirgshöhe glänzend aus, fo wie auch 
in dem Feldzug von 1800, und wurde in biefem Kriege Befehlshaber des 
‚7. Hufarenvegimentes. 1809 fand N. beym Armeecorps bes Erjherzogs 
Ferdinand v. Efte, 1811 wurde er Gefandter in Schweden, 1813 
nahm er rilhinlichen Tpeil an den glorreihen Ariegsereigniffen, und ihm 
» wurde bie Auszeichnung, als uͤberbringer der Siegesnachricht vom der 
Schlacht bey Leipzig, feyerlich in Wien einzuziehen. Aufs Neue zeiche 
nete ſich N. in dem Feldzuge in Frankreich aus, und wurde nad Been— 
bigung besfelben im Herbfte 1814 al$ Oberftpofmeifter ber Erzhetze ginn 
Marie Louiſe angeftellt, welchen ehrenvollen Poften er bis zu feinent 
Tode bekleidete, der den 22, April 1829 nach langer fhmerzhafter Kranke 
beit erfolgte. . 
Neiſſe, Bürftenthum und Standesherrſchaft des Biſchofs von Bres⸗ 
Lau, zum Theil in Ofterreichifch- Schleſien, Troppauer Kreiſes. Der dieß⸗ 
feitige Theil macht ein Gebieth von 6 Meil. Länge und 4: Meil. Breite 
aus, worauf in 6 Städten, 1 Markte und 93 Dörfern 50,000 Einw. 
gesähtt werden, ift gebirgig und fruchtbar an Holz, Flachs x, Die Bewoh⸗ 
ner betreiben Leinmweberey, Raſch- und Zeugmanufacturen, und verfere 
tigen Holzwaaren. 
Nell, Freyherr v. Wellenburg= Damenader, Stanz 
Maria, E& k. Hofrath bey der allgemeinen Hoftammer, geboren zu 
. Brünn den 17. Juny 1795, ſtammt aus einer zu Coblenz einheis 
mifchen reichsadeligen Familie. Chriftian v. N. war bereits zu Ende 
des 17. Iphrhunderts nach Böhmen eingewandert, unddeilen Sohne Jo h. 
Peterwurde vom Kaifer Carl VI. 1722 das Incolat in Böhmen, 
Müpren und Schleſien verliehen. Joh. Pet, ſtarb als Oberhofpoftvere 
walk zu Prag, und hatte die in dem Homan’fchen Atlas enthaltene 
öftcharte von Deutſchland verfaßt. Franz Ant. Nitter v. N., fein 
hin, ftarb zu Wien 1783 als Hofrath der £E oberften Juſtizſteile, 
wo deſſen Sohn Naphalel Freyb. v. N., geboren zu Prag am 21. 
März 1760, welder gleichfalls im Juſtizfache und zwar in Brünn 
als Appellationsrarh und zulegt als Candregtspräfidentin Arain, dann 
Dicepräfibent der Anpellationsgerihte zu Klagenfurc und Prag mit 
Auszeichnung gedient hatte und 1821 vom Kaifer Franz in den öflerr. 
Freyherrenſtand erhoben wurde, fid) gegenwärtig im Ruͤheſtande befin- 
det, Franz M. Freyb. v. N., Sohn des Vorigen, erhielt ſeine Bil- 
dung in der Thereſianiſchen Ritterafademie, aus welcher er im Septem⸗ 
ber 1816 in den Staatsdienſt trat und feine erfte Anftellung bey dem 
Klagenfurter Kreisamte als Practikant erhielt. 1817 murde er in gleicher 
Eigenſchaft zu der damahls beitandenen Commerz-Hofcommiflion berufen, 
wofelöft er 1819 zum Hofconcipiften befördert wurde. 1823 zum Staats- 





) 


Nmeli. 85 


rathsofficialen und 1828 zum Hofſecretaͤt bey der k. k. allgemeinen Hof⸗ 
. Sammer ernannt, wurde er 1835 zum wirklichen Hofrathe bey diefer Hof⸗ 
ftelle befördert. Von Jugend aut den Naturwiflenfhaften geſchicht⸗ 
lichen und antiquarifchen Studien zugewendet, bat N. durd eine Reihe 
von Jahren an den Beftrebungen der öſterr. Literatur thätigen Antheil 
genommen. Seit 1815 war er Mitarbeiter an Hormayr’s Archive, in 
welchem er mande antiquarifche Forſchungen niederlegte. Unter diefen 
ift feine Abhandlung über die Bätylien der Alten (Jahrgang 1816) mit — 
Auszeihnung im Auslande genannt und feine Anfiht, daß die Ancilien - 
Rom's urfprünglich einem Meteorfteine ihr gebeiligtes Anfehen verdank⸗ 
ten, beufällig aufgerommen worden. Eigenthuͤmlich ift feine Anficht über 
den Dienft der Kabiren, nach welcher die 7 Sterne des großen Bären 
und der Pelarftern als die Lenker der phönizifhen Schifffahrt darin ihre 
Verehrung gefunden haben ſollen. Eine intereffante Reihe von Abhand⸗ 
lungen hierüber befindet fih in genannter Zeitfchrift 1819 und 1820. Diefe 
Abhandlungen fchloffen mit Andeutungen über die heiligen Sieben und 
die geheimen Lehren des Templerordens, welde lebteren N. in einer 
Schrift „Baphomet“ Wien 1820, gegen die heueften Anfhuldigungen 
in Schuß nahm. Die Wiener Jahrbücher der Literatur (Jahrg. 1823 
Bd. 21. S. 62) äußern hierüber Folgendes: „Wenn glei an literari⸗ 
(hen Fehden nicht Alles erwünſcht und von Gewinn iſt, fo glauben wir 
doch, daß durch die vorliegende manche wichtige Frage mehrfach beleuch- 
tet und die fernere Forfchung, welche das Mysterium Baphometis un 
ftreitig fruchtbringend entwidelte, ihrem Reſultate näher gebracht worden 
ik.“ Im Auslande haben ſich fo gewichtige Stimmen für die Schutzrede 
N.'s für den Tiemplerotden erhoben und feine Anfihten über die den 
gnoſtiſchen Secten zugefchriebenen Bildwerke der Baukunſt hat insbeſon⸗ 
dere der competente Stieglitz in ſeinem Werke über altdeutſche Bau⸗ 
kunſt gebilligt. 1817 machte N. in den vaterlaͤndiſchen Blaͤttern eine 
Nachricht über die von ihm entdeckte heilſame Wirkung der Daͤmpfe der 
bis zur Glühhitze erwärmten holzeſſigſauren Soda in Lungenkrankhei⸗ 
ten zuerſt bekannt und es iſt von ibm eine Abhandlung über die ſämmtli⸗ 
hen Producte der trodenen Deftillation des Holzes und ihre technifche 
Derwendung, in welchem Segenitande er mit Profeffor Jasnlidger, 
am Iherefianum in Wien, Jahre lang Verſuche verfolgte, noch zu er- 
warten. Der Hefperus enthielt 1817 von ihm einen längeren humoriſti⸗ 
ſchen Auffaß gegen die Kinderballete, welcher als ein verdienftlicher Bor: 
läufer des bald darauf erfolgten Verbothes diefer Schauſpiele zu betrach⸗ 
ten iſt. 1821 erfchien in Wien von N. die Zragddie Heroftratos, 
welche ein Bild der verderblichen Tendenz, alles Aufbauen für erfchöpft, 
und das Zerftören für den legten Ausweg der ſich abgenützt wähnenden 
Thatkraft zu halten, aufftellen follte. An dem Wiener Eonverfationss 
blatte und an der Ceres nahm er gleichfalls thätigen Antheil. Die in 
beyden periodifchen Schriften enthaltenen Bruchftücke eines humoriſtiſchen 
Verkes: „Das gelehrte Beblam,“ deffen Herausgabe noch bevorſteht, 
wurde auch im Auslande, insbefondere von dem firengen Kritifer Ad o Ly& 
Müllner (im Literaturblatte des Morgenblatted, Jahes. KEr&y Sir. 
50) ſehr bepfäßig aufgenommen ; defigleihen feine Neuen, 2 au. 


36 5 NDemetb.— Meffer 


Wien 1823—25, dievon ber Hekate, welche fih nah Mällners 
eigenem Ausdrucke im Lobe nicht zu übernehmen pflegte, fehr gün ⸗ 
fig‘ beurtheilt worben ſind. In vielen andern Zeitblättern befinden ſich 
Gedichte und verfehiebenartige Kiterarifche Auffäge N.’s zerftreut, von 
welchen aufer dem erwähnten gelehrten Bedlam noch die Herausgabe 
der in früherer Zeit verfaßten Trauerfpiele: Antinous, Nembrod u. a.m. 
zu erwarten ftebt, wenn ihm anders feine dienſtliche Stellung einige 
Muße zur Rückkehr zu literariſchen Arbeiten vergönnen ſollte. ? 
Nnemeth, Ladislaus v., Rector des evangel. Gymnaſſums zu 
Raab in Ungarn, zu Jobahaza im Odenburger Eomitat 1770 ge 
boren, ſchrieb in ungar. Sprache eine Stariftif der europäifchen Reiche, 
1. Thl. Preßburg 1795, wovon die Fortfegung ungedruct blieb. Auch 
überfeßte er des Grafen Dominik Teleky’s Reifen dur Ungarn und 
einige angränzende Länder aus dem Ungarifhen ind Deutfhe, Perth 
1806, und nahmthätigen Antheil an den Annalen der öfterr. Literatur, 
Er ſtarb den 15. May 1806, f 

Neograd, ungar, Marktflecken in der Geſpanſchaft gleiches Nahe 
mens und ehemahls deren. Hauptort. Der Ort hat 1,353 Einw., ein 
Dotationsgut des Bifdofs von Waiten und eine Papiermühle. Auf 
einem fpiten Berge oberhalb dem Orte find die Trümmer eines alten 
feften Schloffes zu feben. 

Yleograder Gefpanfhaft in Oberungarn, begreift in ihrem 
Umfange 7727, geograph. Q. M., mit einer Volkszabi von 163,360 
Andividuen. Der nördliche Theil diefer Geſpanſchaft ift durchgehends ger 
birgig und waldig, gegen Süden und Oſten jedod mit Ebenen unters 
mengt. Die Einwohner find Ungarn, Slowaten und Deutfhe. Ihre 
Hauptbefchäftigung iſt der Betrieb der Landwirthſchaft, welche fih über 
die meiften Zweige ausbehnt, da ihr der Boden und das Clima ziemlich 
günftig finde Vorderrſchende Religion iſt bie römifch  Eatholifhe, objhon es 
bier auch viele Lutheriſche, dann Meformirte, auch mehrere Juden, 
unirte und nit unirte Griechen gibt. Die Geſpanſchaft wird in 4 Ber 
zirfe (Proceffe) eingetheilt und'zähle 10 Märkte, 247. Dörfer und 89 
Präbien ; Hauptort iſt der anfehnliche Markt Balaffa- Gyarmatb, 

ſepomuk, böhm. Städtchen im Klattauer Kreife „ liegt am 
Fluͤßchen Uslawa und zählt 1,450 Einw., ift der Geburtsort des heil, 
Zohann von Nepomuk, (f. d.). An der Stelle des Hauſes, weldes 
feinen Altern gehört hatte, ſteht mun die ihm geweihte Kirche, worin 
auf bem Hochaltar defen Abbildung und im Schiffe der Kirche ein Denf- 
mahl mit feiner ganz aus Silber gearbeiteten Statue fihtbar ift. Am 16. 
May, als feinem Feyertage, wird diefe Kirche von Taufenden befucht. 
* Lreffel, Daniel, beyder Rechte Doctor, Eaiferl. Rath und Hof⸗ 


Bibliothekar, war um 1630 zu Aurich in Oftfriesland geboren, Sohn 
Martin Ns eines guten Tateinifhen Dichters. Nach Vollendung fei- 
ner Studien, melden er zutüneburg und Roſtock oblag, erhielt 
ex an letzterm Orte ben Dertorgrad. 1667 kam er als Legationsfecrerär 
noch Wien, trat dafeldft zum Eatholifhen Glaubensbekenntniſſe über 
und erhielt 3680. auf Empfehlung des-Faiferl. Oberfihofmeifters Grafen 
Ib. Mar: v. Famberg, nad dem Tode des gelehrten Lamber 





Neſzmil. — Yietfcher. _ 87 


cius die Stelle eines Hofbibliorhekard und in der Folge den E.Ratbe- 
titel. Er nahm fi mit vielem Eifer und großer Sachkenntniß des ihm 
anvertrauten Inſtitutes an, erfeßte die alten Bücherkäſten, welche frü: 
ber gleihfam ein Labyrinth gebildet und den Lefern alles Licht genom: 
men hatten, durch angemeflenere, und richtete die ganze Bibliothek neu 
und zweckmaͤßiger ein, Übrigens war er fehr unzuganglih, und hielt 
aus Biebe zur Bequemlichkeit die Hofbibliothek meiftend verſchloſſen, wo— 
durch er fi viele Öelehrte zu Feinden machte. Er starb im März; 1700. 
Im Drude find von ihm erfhienen: Prodromus historiae pacificato- 
riae, seu catalogus chronoleg. tractatuum in toto orbe terrarum 
ab anno 1400 ad annum 1685, Wien 1690. — Catalogus , seu re- 
censio specialis omnium codicum manuscript. graec.ynec non 


linguarum oriental. -Bibliothecae Caesar. Vindob. cum tab. aen., ' 


7 Thle. in 2 Bden., eb. 1690. — Breviarium et Supplementum 
Commentariorum Lambecianorum ere., ®ien und Nürnberg 1690. 
Letzteres Werk bearbeitete N. auf ausdrücklichen Befehl des Kaiſers Te o⸗ 
pold L., es iſt Auszug und Fortfegung der Cambeciu s'ſchen Commenta⸗ 
rien, fand jedoch viele Gegner. | 

Llefzmil, ungar, Dorf im Comorner Comitat, wo ein lieblicher 
Zifhmwein in großer Menge wählt. In der Nähe find Sandſteinbrüche. 
Zu N. farb am 27. Oct. 1439 Kaifer Albredt Il. 

Netſcher, Eafpar, berühmter Maler, war geboren zu Prag 
1636. Seine Altern waren kurz nach feiner Geburt, muthmaßlic ber 
Religion wegen gezwungen, fi in die Miederlande zu flüchten, wo 
N. ji der Arzneykunde widmen ſollte. Ein unwiderftehlicher Trieb aber 
führte ihn der bildenzen Kunft zu, er nahm Unterricht im Zeichnen, 
dann reifte er nah Deventer, und bildete fich dafelbft unter den be: 
rühmten Meiftern Terburg und Gerard Dom vollftändig aus. 
Um aud die italienifhen Schulen an der Quelle zu flubiren, unter: 
nahm N. eine Reife noch Italien, jedoch Eam er nur bi Bordbeaur, 
wo er eine Kaufmannstochter beyratbete, fih eine Zeitlang dafelbft 
aufdielt, dann wieder zurüd nah Holland ging und fih im Haag 
bäuslih niederliefi. Die Nothwendigkeit, eine zahlreiche Bamilie zu 
ernähren, beftimmte ihn, meiſtens Porträte und Converfationsftüde 
u malen, obfhon ihn fein Talent, wie aud feine Neigung zu 
bern Srgenftänden zog, und er Kraft genug fühlte, ſich über die 
niederländifhe Schule zu erheben. Doch fanden auch diefe Leiftungen 
fo ausgebreiteten Beyfall, daß er um 1680 von Gar! II. einen Ruf 
nah England erhielt, den er jedoch ausfhlug.. N. farb im Haag 
1684. Er gilt für einen der vorzüglichern niederländifhen Maler. In 
der getreuen Nachahmung der Hatur, befonders der Stoffe beſaß N. 
große Stärke, fein Farbenton ift vortrefflih, fein Pinfel von befonde: 
rer Friſche. Vorzüglich naturgetreu wußte er ben weißen Atlas und 
Bammt in den Gewändern und Drapperien feiner Gemälde darzuftellen, 
das Haarige der türkifchen Teppiche malte er mit täufchender Ahnlichkeit. 
Am meiften werben feine Kleinen Gabinetsftüde, in welchen er Grup: 
ren von wen:gen, höchſt anmutbig gezeichneten Figuren barkeit , ar: 


t 


ſchaͤtzt; beſonders liebte er es, dabey eine in weißen Atlas getleitere weit: 


38 TIeu: Arad. — Neu⸗Bidſcho w. 


liche Figur anzubringen. Selten malte er hiſtoriſche Gegenftände, und 

diefe geröpnid aus der römifchen Geſchichte. Die vorzüglichften feiner 

Gemälde find: Porträt eines vornehmen Mannes in koſtbarer, feidener 

Kleii mit Pelz, äi mit verfhiedenen Attributen, landſchaft⸗ 

Ticher und architekton; Umgebung: Auf Kupfer gemalt und in der faif. 

Gemäldegallerie in Wien befindlich, Eine Grau, ſich beym Spiegel pußend, 
welcher ein Süngling das Fruͤhſtuck bringt. Ein Mädchen und ein Knabe, 
erſtere einen Papagey fütternd, bepde in der Dresbener Gallerie bes 
findlich. Zwey Kinder Seifenblafen machend. Halbfigur eines Frauens 
zimmers, welche einem Papagey Butter reicht, Le Medecin de Villa- 
ge; Mort de Clöopatre; Le repos; Le petit physicien; Porträt 
Erifpins, ganze Figur; Jacob, Herzog von Monmouth zu Pferde, 
im Hintergrunde ein Reitergefecht; La parure naturelle; La Orédu- 
lits invisible; Porträt einer figenden Dame ald Venus mit einer Taube 
in den Händen; .ein fingendes Frauenzimmer, welchem eine Manns 
perfon auf der Laute accompagnirt; des Künftlers Kinder. Viele feiner 
Gemälde wurden von berühmten Künftlern, fo j. B. Wille, Gauch er, 
Audran, Edelind, Anfelin, Bafan, u.A.in Kupfer geftochen. N.’S 
2 Söhne, Conftantin und Theodor, waren ebenfalls verdienfts 
volle Maler, obſchon fie ihren Water bey weitem nicht erreichten, 

Yleu-Arad, ungar. anfehnlicher Marktfleden im Temefer Cor 
mitate am linken Ufer der Maros, mit 3,400 Einwohnern und einer, 
Eathol, Pfarre, Der Ort hat gute und wohlbeftellte Acerfelder, und 
einen bedeutenden Verkehr mit Bauholz, weldes größtentheild aus 
Siebenbürgen auf dem Marosfluffe hieher gebracht wird. Durd eine 
Srüde über denfelben fteht der Ort mit Alt-Arad in Verbindung." > 

Yreubauer, Aloys, taubftumm geboren 1795 zu Bosen. 
Sein Vater war in der Mufik ein Virtuoſe. N. kam nah Wien in 
das Taubftummen-Inftitut, wo er fid durch feine natürlichen Anlagen 
in der Zeichnung und Malerey fo vervolllommnete, daß er in einem 
Alter von 25 Jahren die trefflichften Porträte, auch fehr fhöne Lande 
Be malte. Er kam nah Stuttgart, wo er die Königinn malte, 

in Innsbruck malte erden Grafen von Chotek, damahligen Gour 
verneur von Tyrol. Seine Arbeiten find überaus feingebalten, die Draps 
perie und Decoration elegant und täufchend ausgeführt. Er hielt ſich 

‚ fpäter in Bogen auf. 

Yreubauer, $. R., ein vortreffliher Violiniſt und Compoſiteur 
von Horztn in Böhmen gebürtig, machte Kunftreifent; 1794 war er 
ju Hannover, wo er fi ſowohl in Privat - als Öffentlichen Akader 
mien und Concerten hervorthat, und, 1796 ſtarb. Won feinen gedruck- 
ten Werken find verfeiedene Symphonien, 3 Quarteiten, 3 Duets 
ten ıc. bekannt. 

Neu-Bidſchow, böhm. konigl. Teibgedingftadt im Bidſchower 
Kreife am Ezidlina: Bade mit 483 Häufern und 3,870 Eimwohnern, 
melche ſich theils von fäbtifhen Gewerben, theils von der Landwirth- 
ſchaft nähren. Die Stadt hat ihre eigene Gerichtsbarkeit und einträgli- 
he Güter an ihr unterthänigen Realitäten, Meisreyen, IBafangär 





Neudeck. — Neugart. 39 


ten ıc., bie ihr organifirter Magiftrat verwaltet, welchem auch die Erimi: 
nals Suflizpflege Übertragen ifl. 

Neudeck, böhm. Städtchen von 2,000 Einwohnern im Elboge: 
ner Kreife, in deflen Nähe ein Hochofen, 2 Stabs und Blechhämmer 
nebft einem Verzinnhauſe, 4 Drabtmühlen und eine Papiermüble bes - 
feben. Auch wird in ber Gegend die Spitzenkloͤppeley und Bandweberey 
betrieben. E 

Neudorf, niederoͤſterr. Pfarrdorf und Herrfchaft mit 109 Häufern, 
die erfte Poftitation von Wien an der nad Stalien führenden Haupts 
poſtſtraße. Die Zahl ber Einwohner beträgt über 1,000, die ſich größs 
tentheild mit Wein- und Ackerbau, dann auch mit Viehzucht befchäfs 
tigen. Der Ort befißt eine im fihönen ty! gebaute Rirke ‚ ein berr- 
fhaftlihes Schloß , ein Poſthaus und eines der größten und befuchte: 
ſten Bräubäufer in Niederöfterreich. 

Neudorf, Dorf im deutſch⸗banatiſchen Regimentsbezirkeber ungar. 
Milttärgränze am Ende des großen Sandfeldes, welches einen großen Theil 
diefes Diftrictes einnimmt, hat 1,300 Einw. und 3 griedhifche Kirchen. Da 
diefen Ort Eein fließendes Waller berührt, fo find bier 11 Pferdemüb- 
len errichtet, um den Einwohnern das nöthige Mehl zu liefern. In 
der Gegend trifft ınan jedoch verfchiedene Quellen, die aus Thonlagern 
bervorfommen. - 

Neudorf, ungar. Kronfleden, f. Iglo. 

NMeufelden, oberöfterr. Marktflecken im Muͤhlkreiſe, mit 534, 
Einwohnern, liegt auf einem hoben Berge an ber großen Mühl. Auf 
dem großen, 150 Schritt langen, Plage fteht die Kirche mit ſehenswer⸗ 
then Gemälden. Hier befindet fih aud ein reichdotirtes Spital. Die 
Einwohner nähren fih zum Theil von Spinnerey und Weben, zum Theil 
vom Leinwandhandel. | 

Neugart, Trudpert, wurde zu Billingen, einer ehemabls 
vorderöfterr. , jett größherzogl. badenfhen Stadt, am 23. Febr. 1742 
geboren. Nach geendigtem deutfhen Schulbeſuche in feiner Vaterftadt, 
betrat er die Gymnaſialſchulen dafeldft, welche die Benedictiner in ihrem 
in der Stadt gelegenen Klofter beforgten. Seine großen Talente und uns 
ermübdeter Fleiß halfen ihm auch diefe mit Ehren abfolviren, fo zwar, 
daß er feiner ſchöͤnen Zeugniife wegen in dem fürftlihen Benedictinerftifte 
St. Blafien auf dem Schwarzwalde willige Aufnahme fand. Er 
legte in diefem Stifte 1759 die feyerlichen Ordensgelübde ab, wibmete 
fi) dann den pbilofophifchen und theologifchen Studien, und erhielt 
1765 die Priefterweihe. Er verlegte fi) auch mit befonderem Eifer auf 
das Studium der biblifhen Sprachen und machte darin fo gute Forts. 
ſchritte, daß erifhon 1767 zur Lehrkangel der orientalifhen Sprachen 
und der Hermeneutik an der boben Schule zu Freyburg als öffentli- 
her Lehrer befördert wurde. Nach 4 Jahren rief ihn fein Fürſtabt Mar: 
tin Gerbert in das Stift zurüd und übertrug ihm das Lehramt der 
Theologie, das er bi 1779 verwaltete. Nach mehreren in der @eelforge 
jugebrachten Jahren wurde er abermahls in das Stift zurückberufen und 
zum Rural: und Stiftsdechant ernannte. Endlich wurde ernoch Adminiſtra⸗ 
tor der zum Stifte gehörigen Propftey Krozingen im Breisgau um 


40 Teugebäude 


wanderte 1807 mir feinem, Zürftabte nah dem Stifte St. Paul in 
. Kärnthen. — Das große und fofobenswürdigellnternehmen der geleht« 

ten Benedictiner feines Stiftes unter — und Leitung ihrer bes 
rühmten und gelehrten Fürſtäbte, Martin Gerbert und Moriz 
Nippele, eine Germania sacra ans Licht zu fördern, fand an diefem 
eben fo eifrigen als Ahr Manne das trefflichtte Werkzeug. Auf allen 
feinen Poften, auf die ihm, wie feine eben fo berühmten Mishrüder 
Uffermann und Eichhorn, feine Fürſtäbte neb immer aud 
defiwegen beförberten, daß er alle geſchichtlich me igen Originalurs 
kunden auffuche und getreu copire, bat er ihrem ſch fo ganz zu ent⸗ 
ſprechen fih bemühet, daß ſchon 1791 und 1795 dee unſchätbare Codex 
diplomaticeus Alemanniae et Burgundiae tran$juranae intra fines 
dioecesis Constantiensis zum Vorſchein am, welder 1,200 geſchicht⸗ 
liche Documente, die mit der Mitte des 7, Jahrhunderts anfangen und 
bis 1726 fortlaufen, in getreuen Abſchriften aufbewahrt, welche überall 
mit vortrefflichen Noten und am Ende des 2. Bandes mit einem eben fo 
vollftändigen als gut eingerichteten Inder verfeben find. Nebit diefem har 
er ſich durch die Geſchichte des Bisthums Bamberg und ben 1. Band ber 
Geſchichte des Bisthums Conftany (Schade, daß diefe Geſchichte nicht 
anch vollendet wurde) ein bleibendes Denkmahl in Deutſchland, beſon⸗ 
ders in Schwaben geſſiftet; denn dieſe vortrefflichen Arbeiten werden 
den Ruhm ihres Urhebers auch bey der ſpäteſten Nachwelt nicht ſchwin— 
den laffen. Was er für Schwaben war, fo lange er dort wirkte, das 
war er fpäter auch für Kärnthen. Den Beweis hiefür liefern folgende 
Schriften: Codex diplomaticus Alemanniae, 2 Bde., ©t. Biaſien 
1791-95. — Episcopatus Constantiensis, 1. Thi., eb. 1803. 
(Seht nftr bis 1110.) — Analecta Carinthiaca etJuvaviensia etc, 
1816. — Codex traditionum monasterii $, Pauli no: lustra- 
tus, 1818. — Specimen lexici topographico- genealogici interio- 
ris Austris Quaestio duplex de duobus Ulricis Marchionibus 
Istriae explicata, 1818. — Dissertatio de stemmate materno Prin- 
cipum Austriacor. — Historia Abbatiae S. Pauli in Carinthia, 
Gods etc. (Biegen im Manufeript). Trefflihe Bepträge hat N. in Ho r⸗ 
maprs Archiv geliefert. 

Neugebaͤude, ein burch feine fonderbare orientalifche Architectur 
ausgezeichnetes Gebäude außer der St. Marrer-Linie Wien’s, in der 
Mähe von Simmering. An feinem Plate ftand bey der erften türki- 
ſchen Belagerung Wien’s 1529 das Zeltdes Sultans So lim a n Il. Kai- 
fer Rudolvb II. ließ in der Folge ein Luſtſchloß an dieſer Stelle ganz 
nad) der Form des türkifchen Zeltes errichten, welches auch genau den⸗ 
felben Raum einnahm. Bey der zwepten türkiſchen Belagerung 1683 hatten 
die Beinde folhe Achtung vor diefem Orte, daß fie ihm dep der allges 
meinen Verheerung der ganzen Gegend umher verfhonten und bloß zu 
einem Magazine verwendeten. Zu den Zeiten Jofeph's I. war es ein 
Lieblingsfehloß des Hofes, welcher ſich hier oft zu beluftigen pflegte. In 
dem innern Raum bes Gebäudes befand ſich ein weitläufiger Garten, 
worin bie felteniten Thiere aufbewahrt wurden. Als 1704 die Anhänger 
des Fürften RaEocyy in Ofterreich einfielen, wurden von ihnen alle 











Neu⸗Gradisca. — Tleufomm. a 


. Xhiere umgebracht und fonflige große Verwuͤſtungen angerichtet; erflere 
wurden zwar bald wieder erfeßt, fie kamen jedoch ſaͤmmtlich 1752 in die 
neu errichtete Menagerie nah Schönbrunn. In der Folge wurde das 
ganze Gebäude zu einem großen Pulvermagazin und Laboratorium für 
die Artillerie beflimmt, welchem Zwecke es noch gegenwärtig gewid⸗ 
met ift. 

VNeu⸗Gradisca, Marktfleden in’ der flavonifchen Mifitärgränze, 
Hauptort des Gradiscaner Regiments und Sitz des Regimentsſtabes, mit 
1,600 Einw., einer Haupt: und Maͤdchenſchule. 

Tleugrichhen (Macedonier), eine vorzüglich in Ungarn an 
füßige Heine Voͤlkerſchaft, im Ganzen ungefähr aus 4,000 Seelen be: 
ſtehend; fie halten ſich gewöhnlich zum Behufe des Handlungsbetriebes, 
ihres ausfchließenden Gewerbszweiges, in Städten auf; ein Zweig ders 
felben, die Armenier, bilden eine Eleine Kirchengemeinde in Neuſatz und 
find aud in den Gefpanfhaften Ugocs, Beregh, Märmaros, Szath⸗ 
mär und Arad zerftreut. S. Griechen. | 

Lreubäufel, ungar. anfehnliher Marktflecken im Neutraer Co: 
mitate am Fluſſe Neutra, mit 6,700 Einw., 2 Pfarrkirchen, einem Fran⸗ 
ciscanerklofter und einer Eathol. Hauptfchule. Einft war bier eine mach⸗ 
tige Seitung, die 1592 von dem Graner Erzdifchofe angelegt wurde und 
gegen die Türken oft die wichtigften Dienfte leiftete, deren Werke jetzt 
aber ganz abgetragen jind. ©. Türkenkriege. Ä 

VNeuhaus, böhm. Stadt im Taborer Kreife, am Fluſſe Nezarka 
und dem Bache Baibar, mit 5,800 Einw. in 630 Käufern, einem 
Spmnaflum, einer Hauptfchule, einer der fhönften Kirchen Böhmen 
und einem großen, fehbenswürbigen Schloffe, welches durch das Mährchen 
der weißen Frau bekannte ift. 

Neuhold, Job. Nep. der Rechte Doctor, Hof: und Gerichtsab: 
vocat in Öteyermark, war ben 23. Jän. 1756 zu ®räß geboren, er: 
bielt den juridifhen Doctorgrad an der Univerfität zu Wien 1782. Er 
ſchrieb: Practiſche Einleitung zum allgemeinen in allen E. E. öfter. 
Erblanden, im Königreicye Ungarn und in den damit vereinigten Provinz, 
jen beftebenden Verfahren in Rechtsſachen, 2 Bde., Graͤtz 1783; 4.vers 
"beilerte Auflage, eb. 1807. 

Neukomm, Siegm., Componift, Sof. Haydn’d Schüler, 
war den 10. July 1788 zu Salzburg geboren. Schon in feinen Kindes⸗ 
jahren war Muſik feine Lieblingsneigung. Unter feinem erften Lehrer, dem 
Drganiftien Weifauer, machte N. fo bedeutende Fortſchritte, daß er 
biefen bald einholte und fhon 1793 als Univerfitätsorganift in Salz: 
burg angeftellt wurde; zugleich feßte er feine Studien und nun zwar 
unter der Leitung bes berüßmten Mihael Haydn auf das gründlichfte 
fort. Bald gab ihm diefer auch Unterricht in der Compofition und er ver⸗ 
trat öfters auf das glücklichfte deſſen Stelle als erfter Hoforganift. 1796 
erhielt N. eine Anftelung als Gorrevetitor ber Oper beym Hofthea⸗ 
ter in Salzburg, und dieſe Stelle erwedte in ihm ben Wunfd, 
fih ganz dem muſikaliſchen Fache zu widmen. 1798 ging N. zu feiner 
weiteren Ausbildung nad Wien, wo ihn Joſ. Haydn auf das freunk: 
fhaftlichfle aufnahm, ihm meiseren Unterricht ertheilte und ware \Kinen 


42 Neu⸗CLengbach. — Neumann, Franz. 


Sobn behandelte. Bis 1804 blieb N. deſſen Schüler, folgtedann einemRufe 
nah Petersburg ald Director der deutſchen Oper daſelbſt, nad) kurzer 
Zeu mußte keänkticher Umftände wegen, dieſe Stelle aufgeben. 
Er widmete fih nun bem Privatleben, befchäftigte ſich jedoch fortwährend mit 
muſikaliſchen Arbeiten, au führte er während feiner Anwefenheit in der 
Hauptitadt Nußlands mehrere Werke von feiner Compofition mit grofiem 
Bepfalleund Vortheile auf. 1807 wurde erzum Mitgliede der Akademie der 
Muſik zu Stockh ohm und 1808 zum Mitgliede der philharmoniſchen Ges 
felfhaftin Petersburg ernannt. Später ging N.nah Paris, woer 
die eigentliche dramatiſche Mufif ſtudirte, dann kam er als Hofcomponift 
Dom Pedro’s nah Rio Janeiro, 1824 ging er wieder nach Euros 
pa und wurde bey dem Fürften Tallepramd angeftellt, 1826 
bereifte er Italien. Gegenwärtig lebt. er in London. Unter feinen Com ⸗ 
pofitionen, welche ſich durch Gründlickeit und Gediegenheit auszeichnen, 
jedoch großentheils fehr dem veralteten Geſchmacke huldigen, find vors 
‚züglich bemerfenswerth: Große Phantafie für das ganze Orcheſter. (Sein 

+ Hauptiverk, woburd er eine ganz neue Gattung ſchuf und welches eben fo 
Eühn, als Eräftig und fiher ausgeführt ift.) — Ein Requiem; — Stabat 
mater; — eine Gantate: Der Oftermorgen, von Tiedge; — ein 
ſchoͤnes Quintett für Clarinette oder Hoboe; — eine gelungene declas 
matoriſche Mufi zu den Ehören in Schillers „Braut von Meſſina ;' 
— eine große Oper: Alerander; endlich mehrere Cantaten, Nfalmen, 
Arien, Lieder und verſchiedene Stüde für Pianoforte und Blasinftrus 
mente, Seiner erwähnten Phantafie ließ er noch 3, jedoch von mindes 
rem Werthe, folgen. 

Yieu:Lengbad), nieberöfter, Marktfieden im V. O. W. W. in 
einer äußerft romantifchen Gegend, mit einem fhönen Schloſſe und 
Ede Einf war hier das Stammſchloß der Len gbach, eines uralten 

ſterr. Geſchlechtes, deſſen urkundlich ſchon um 1120 gedacht wird; das 
neue Schloß wurde von dem leßten Befitser, dem Eunftliebenden Grafen 
Mori; v. Fries erbaut; gegenwärtig gebört ed ſammt der Herrſchaft 
dem Zürften Joh. Liehtenftein. Die Waldungen nebft dem Feld⸗ 
bau machen die einträglichiten Einkünfte derfelben aus. Hier iſt auch ein 
Erziehungsinktitut für Knaben. r 

Heu Life, f. Böhmifch- Liffe. R 

. Kreumann, Stanz, EE, Rath und Divector des Münz: und Anti- 
Ten:Eahinets zu Wien, Ritter des kaiſ. Öfterr. Leopold- Ordens und Mite 
glied mehrerer gelehrter Gefellfchaften, einer der vorzüglichften Numisma⸗ 
tiker, wurde 1744 zu Krems geboren. 1753 in das Alumnat der regus 
fieten Chorherren zum h. Auguftin in Wien verfegt, ward er nad 
vollendeten philoſophiſchen Studien 1765 ald Canonicus eingekleidet, 
und 1769 zum Priefter geweiht. Nah Aufhebung des Stiftes.trat er 1783 
als Divector des k. k. Cabinets der modernen Münzen in kaiſerl. Dien⸗ 
fe, und wurde 1798 nah Edhels Tode Director des k. k. Münze 
und Antiken⸗ Cabinets, In demfelden Jahre wurde er auch als Pro= 
feilor dev Ming» und Alterthumskunde an dev Wiener Univerfität ange 
ftellt, — N. blieb unter allen Berhältniffen des Lebens den Wiſſen⸗ 
Shaften, dem Studium der Griechen und Roͤmer und ihrer Monumente ' 


Ik 






Neumann, Joſ. Phil. — Neumann v. Meißentbal, Mar. 43 


treu; ihre würdevolle Größe, ihre edle Einfachheit wurben bald ber 
Ausdrud feines eigenen Charakters. Die Art, wie N, die Eoftbaren 
Sammlungen, aus denen das E, E. Män« und Antiken⸗Cabinet befteht, 
zu einem trefflich geordneten Ganzen verband, und zwar in bemlaufe we⸗ 
niger Jahre, mitten unter den Unruhen der Zeit, fihert ibm das dankbas 
re Andenten aller Kunftlenner. Das In⸗ und Ausland hat nur eine 
Stimme über das, was N, feiner Wilfenfhaft, was er der Numismatik 
war. Wenn Eckhel mit kühner Hand ihre Gränzen umfchrieb, fo war 
es N., der im Sunern ordnend waltete, und dad Band enger Ber» 
einigung um das ganze weite Gebieth der Alterthumskunde ſchlang. 
Er flarb am 7, April 1816 in einem Alter von 73 emfig und rühmlid) 
durchlebten Jahren, und die Wiffenfchaften, zumahl das Studium 
der Antiken, und der Dienit für diefen Theil der am Eaiferlihen Hofe . 
aufbewahrten Kunftfhäge haben einen empfindlihen Verluft durch feinen 
Hintritt erlitten. N. gab ein ſchaͤtzbares Werk: „Populorum et rer 
gum numi veteres incogniti.* 2 Bde. Wien 1779—84 heraus. 
Neumann, Job. Phil., Profefforder Phyſik und Bibliothekar am 
k. k. polgtechnifchen Inſtitute in Wien feit der Eröffnung desfelben, 
nachdem er früher in Krain und Steyermark an mehreren Lehranftalten bey 
verjchiedenen Lehrfaͤchern angeieli geweſen war. Eriftgeborenden 27. Dec. 
1774 gu Trebitſch in Mähren. Nad feinen in Iglau zurüdgelegten 
Gymnaſialſtudien vollendete er an der Wiener Univerfität ſowohl den phis 
Iofophifchen Lehrcurs, als auch den ber Rechtswiſſenſchaften. Eben als. er 
das Doctorat ber Rechte zu nehmen im Begriffe war, both fi ihm die 
Ausfiht dar, feinen früheren Neigungen zur Philologie und zu den Nas 
turwiſſenſchaften bey einem Lehramte zu folgen. Er ließ die Gelegenheit 
dazu nicht unbenützt, und ward zuerft am Gymnaſium zu Laibach Pros 
feſſor der Grammatikalclaſſen und zugleich ber griechifchen Sprache für die 
Humanitätsclaflen,, fpäter ebenfalls dort an der philofopbifhen Anſtalt 
Profeſſor der Phyſik, und bald darauf zugleich der griechiſchen Philologie 
mit Beybehaltung der Kanzel der griehifchen Sprache, Weiterhin warb 
er nad Grätz als Profeſſor der Phyſik bey der philofophifchen Facultät 
überfegt, und nah Errichtung des Joanneums lehrte er zugleih an 
diefer Anftalt die Aftronomie, 1816 übernahm er das Lehramt, welches ev 
gegenwärtig bekleidet. Außer einzelnen in verſchiedene Zeitfchriften eins 
gerückten Abhandlungen und mancherley theils in dad Fach der Philologie, 
theils in das der fhönen Literatur gehörigen Auffägen, die in verfchieder 
nen Sammlungen, Almanachen zc. erfhienen find, gab er folgende Werke 
heraus: Compendiaria physicae institutio, quam in usum tironum 
conscripsit hujusque scientiae statui recentissimo acommodavit etc. 
3 Bde, Graͤtz 1808—12. — Lehrbuch der Phyſik, 2 Bde, Wien, 
1818—20 ; neuefte Ausgabe 1830— 35. Eine Sammlung feiner Dichtun⸗ 
gen erſchien unter dem Titel: Ernft, Frohſinn und Scherz 2c. eb. 1830. 
Lieumann v. Meißentbal, Marianne, aud mit dem Schrifts 
ſtellernahmen Nina, Tochter des k. k. Negierungsrarhes v. Tiell, ift 
geboren den 20. Febr. 1768. Als Kind war fie fehr zart und ſchwächlich, 
ihr Geift war aber lebhaft, und fie zeigte ſchon in frühefter Kindheit die 
größte Wißbegierde. Ihre guten Anlagen wurden auf dab yweiwählae . 


4 — Neumarkt. — Meumarfti. . 


ausgebildet und gehoben. 1772 kam fie in ein Penfionsinftitut, wo fie 
befonders im Briefſtyl und im Zeichnen Fertigkeit erlangte. Nach 3 Jah- 
ren Eehrte fie in das väterliche Haus zurüc, und blieb dafelbit bis in ihr 
15. Jahr unter der Aufficht franzöf. Gouvernanten, die auferihrer Mutter: 
ſorache wenig gründliche Kenneniffe befaßen, wodurd ihr Weiterſchreiten 
in intellectueller Bildung einigermaßen gehemmt wurde, um fo mehr, 
als ihre Mutter, durch Widerwärtigkeiten und zunehmende Kränkfichfeit 
menſchenſcheu, düfter und mißtrauifch gemacht, fie zu einer Lebensweife 
anhalten wollte, die mit dem offenen Sinn und ber leidenſchaftlichen Liebe 
des Mädchens zu den fhönen Wiſſenſchaften im offenen Widerfpruche ftand, 
Gluͤcklicherweife erhielt ihr fhönes Talent durch die Aufmunterung zweyer 
Freundinnen, worunter Therefe v. Artner, neue Anregung. 1785 
vermäblte fie ih mit Emerid v. Egrovarp, einem Ungar, eben, 
als ihre Mutter beſchloſſen hatte, ſich mit ihr in die Stille eines Kloſters 
zurtückzuziehen, und vielleicht eben um diefer Urſache willen. Sie folgte 
ihrem Manne nad Ungarn auf ein Efeines ziemlich abgelegenes Landgut, 
und verfebte dafelbft 5 Jahre in ziemlich eintöniger Zurückgezogenpeit, 
Mittlerweile ſtarb ihr Vater, fie napm nun ihre Mutter zu fi, bepbe 
überzeugten ſich jedoch bald, daß Egrovary, deifen Wermögensumftände 
ſchon früher fehr zerrüttet waren, fid) neuerdings in eine untilgbäare Schul · 
benlaft verwidelt habe, Da feine Vermittlung möglich war, wählten: 
Mutter und Tochter 8* denburg zum Aufenthalte, wo Marianne 
böchft zurückgezogen und eingefehränkt lebte, Zu jener Zeit ſchrieb fie auch 
mehrere Gedichte, die vereint mit jenen von Therefe v. Artner im 
Drucke erſchienen. 1797 ftarb ihr Gatte, weldem 2 Jadre darauf auch 
ihre Mutter folgte. 1800 vermäßfte fie fih neuerdings in Wien mit dem 
damahligen k. E Rittmeifter Carl Neumann. Meifenthal, und 
wurde im einer ſehr zufriedenen Ehe reichlich für das in der früheren erlitte- 
ne Ungemach entfhädigt. Außer obenerwähnten Gedichten, welde unter 
dem Titel erfhienen: Feldblumen auf Ungarn’s Fluren gefanmelt, von 
Nina und Theone, Jena 1800, lieferte fie noch fehäßbare Beyträge 
in die Tafpenbücher Aglaja und Minerva, dann in Gerol d's Abendunter: 
haltungen (zum Beften der Hausarmen in Wien 1816),und in der Wier 
ner Zeitfchrift für Kunft, Literatur, Theater und Mode, 

Neumarkt, tyrol. Marktflecken, am linken Ufer der Etſch, im Bo: 
tzener Kreife mit 520 Einwohnern, einer Pfarre nebſt einem Eapuziner: 
Elofter und einem Poftenwechfel. Der Ort iit gepflaftert, und die Häufer 
find mit Caubengängen verfehen. Die Gegend umher iſt wegen ber häufigen 

+ Überfhwemmungen der Etſch febr fumpfig. Nahe bey demfelben ift das 
jest größtentheils verfallene Schloß Kaldif. 

- Vleumarfil, bedeutender und bevölkerter illhyr. Marktflecken im 
Laibacher Kreife des Herzogtbums Krain, am Fuße des Loibls, am Mor 
ſcheinzabache in einer Bergfeplucht. Hier herrſcht eine große Gewerbs⸗ und 
Handelsthaͤtigkeit, wodurd der Kunſtfleiß der Einwohner erſetzt, was der 
Boden bey einer andern Richtung der Thätigkeit feiner Bewohner ver— 
fügen würde, Im Orte wird vieles Kupfer- und Eiſengeſchirte aller Art 
perfertigt, ferner iſt hier eine Stahlfabrik, auch bereitet man Corbuans 
unb anberes Leder, und verfertigt voßhaarene Pferdedecken, die vorzüige 


Neu⸗Paka. — Neureuſch. 45 


lich nach Italien verſendet werden. In der Gegend ſind die Eiſenfabriken 
des Freyherrn v. Dietrich bemerkenswerth, die aus einem Eiſenhammer, 
einem Stahlhammer, einer Senſenſchmiede, mehreren Streck⸗, Zeug⸗ 
und Zainhämmern, und einer nad) engliſcher Art eingerichteten Feilen: 
fabrik beftehen. Endli wird auch die Leinweberey um N., fo wie längs 
der ganzen Gebirgskette, in größter Ausdehnung betrieben. 

Neu⸗Paka, böhm. Stadt im Bidſchower Kreife, mit 321 Häufern, 
1,700 Einw. und einem Sefunddrunnen. ’ 

Neupauer, Stanz Xav. Edler v., geboren zu Marburg in 
Steyermark den 20. Nov. 1753, war öffentl. Profeffor des Kirchenrechts 
und der Qandesgefeke an dem ehemahl. &. k. Lyceum zu Gräs. Er wurde 
fammt feinen Brüdern vom Kaifer Leopold Il. in den Adelftand erbo- 
ben. Die gedrudten Schriften dieſes freymüthigen, gelebrten Steyer⸗ 
mörkers, welche zu feiner Zeit im In» und Auslande fehr viel Auffeben 
machten, und vielen Widerfprüchen ausgefeßt waren, find folgende: Frage, 
ob der Kaifer das Recht habe, in feinen Erbläandern aus eigener Mache 
eine neue Diöcefen s Eintheilung vorzunehmen, ohne daß dieſe die Beſtaͤ⸗ 
tigung des romiſchen Hofes noͤthig habe? mit Ja beantwortet: Grätz 
1784. — Verſuch über die Frage: Ob ein katholiſcher Tandesfürft das 
Recht habe, gültig gefchlofferte und vollbrachte Ehen feiner katholiſchen 
Unterthanen in gewiſſen Umftänden auch in Anfehung des Bandes zu tren« 
nen? eb. 1785. — Gedanken über die Einfuhr fremder Babrikate. 1793. 
— Vorzüge der monardifchen vor den Übrigen Regierungsarten. Wien 
1793, "und mehrere andere. | 

Neupauer, Joſ., Edler v., E k. Rath, Hofkriegsadvocat und 

beeideter Notar, geweſener Decan der juridiſchen Facultaͤt zu Wien. 
Er war geboren am 21. Mär; 1756 zu Marburg in Steyermark, 
feine wiflenfbaftlihe Bildung erhielt er an den Schulen zu Marburg, 
Gräß und Wien, wo er 1784 die juridifhe Doctorwürde erlangte. 
1788 ward er Advocat, fpäter öffentlicher Notar, und mit feinen Brüdern 
in den erbländifchen Adelftand erhoben (1792). Er lebte ganz dem rühm⸗ 
lichen Berufe feined Standes; nur in ber eifrigen, den Geſetzen getreuen 
Vertheidigung; in verfländiger Vermittlung flreitiger Intereffen, wollte 
er feinem Fleiße allein Alles verdanken. Das allgemeine Vertrauen 
ebrte diefe -Gefinnungen , mehrere Glieder des regierenden Hauſes 
bedienten ſich feines Rechtsbeyſtandes, und der Kaifer Franz verlieh ihm 
1808 den Rathstitel tarfrey. Warm und thätig war feine Mitwirkung 
zu Öffentlichen oder wohlthätigen Anftalten, und nod auf dem Kranfen- 
lager empfing er die Beweife der Xheilnahme feiner Mitbürger. Er ftarb 
den 12. Mär; 1819. 
Meuraͤutter, Auguflin, gefhicter Kupferfteher in Prag, wo 
enfchon 1704 gearbeitet, ftarb daſelbſt am 31. Aug. 1749. Von feinen 
Kupferftihen find gegen 60 bekannt, darunter 28 die Statuen auf der 
Prager Brüde vorftellend. 

Neureuſch, mähr. Marktfleden im Sglauer Kreife, mit 860 Einw. 
und einem Prämonitratenferflifte. Diefes, 1211 erbaut, war nad) der 
urfprünglichen Stiftung durch Marquard v. Hradek ein Frauenklafter 
diefes Ordens; nach dem Ausfterben der Nonnen wurde 1b in ein Mann: 


- 


tm 


46 - Neu ⸗Sandec. — YleufiedI am Ser. 


Hofter verwanbelt, und 1641 zuerftvon 12 Chorherren bezogen. Det jewei- 
fige Abt ift zugleich mäpr. Candespräfat. Das Stift befizt eine Bibliothek 
und eine Gemäldefammlung. In neuerer Zeit hat es durch einen Brand 
fo gelitten, daß zu feiner Herftellung ein demfelben gehöriges anfehnliches 
Haus in Brünn verkauft werden mußte. Die Bibliothek wurde bey dies 
fem Brande dur einen befondern Zufall gerettet, in dem Augenblicke, 
wo fon die Thüre und der Fußboden zu Brennen anfingen, ftürgte die Laft 
des einen brennenden Kirchenthurmes auf den Theil des Ganges vor der 
"Bibliothek, löfte das Gemäuer der Dede dieſes Ganges durch die große 

Bewegung Auf, warf dem Schutt gerade auf das an der Bibliothek bes 
ginnende Feuer, und vertilgte ed. - 

Yıeu: Sander, galiz. Kreisftadt im Sandecer Kreife, am r. 
Ufer des mit dem Poprad bereits vereinigten Dunajec« Zluffes in einer 
Breiten fruchtbaren Ebene, von amppitheatralifch hinter einander auf 
genden Bergreihen begränzt, Sie hat 4,405 Einw., worunter 1551 
Juden. Hier ift auch ein Schloß, eine Decanatpfarre und der Verwaltungs- 
ſitz der Herrſchaft nebſt einigen Eameralämtern, das Kreisamtyein 1318 
errichtetes Gymnaſium und eine Kreishauptſchule. 1 

Neuſatz, ungar. Eönigl. Freyſtadt in ber Bäcs- Bodrogher Ge- 
ſpanſchaft, an einem Sumpfe, ber ſich hier langs dem linken Donauu 
ausbreitet, der Beftung Peterwarbein gerade gegenüber, von welcher 

' fie ih früherer Zeit gleihfam eine Vorſtadt war, die nach der Mehr; ah 

ihrer Einwohner die Raizenftadt hieß; 1748 wurde fie zur felöftftändigen 
koͤnigl. Freyſtadt erhoben. Sie zählt 2,925 Häufer, 20,250 Einwohner, 
1 Gymnaſium, mehrere Eathol. und griech. Pfarrkirchen und 1 armenifche 
Kirche. Hier ift aud der Sitz des griechiſch- nichtunirten Biſchofs von 
Bacs und eines Protopopen. Der Marktplas und die nächften Straßen 
find regelmäßig und hübſch gebaut, und die leztern beynahe durchgehende 
‚gepflaftert., An ber großen Donau, nahe den Puncten, wo fi die Drau, 
Theiß und Save mit dem Hauptſtrome vereinigen, hat die Stadt leichte 
Communication nad allen Richtungen, naͤchſtdem liegt fie an der Haupt: 
Tandftraße des ungar.,» wie überhaupt des europdifhen Handels mit der 
ZTürfep, und iſt durch diefe günftige Cage bereits eine reiche und blühende 
Handelsftabt geworden, welche noch immer in Aufnahme iſt. Der gefchäfe 
tige Handel unterhält hier das regte Leben. Mit jedem Schritte nach der 
Mitte hin wird das Getümmel immer größer, älle Erdgeſchoſſe find Ge: 
wölbe und Kaufläden, überall fiehen Käufer und Verkäufer. Auf dem 
Marktplatze feſſeln Stoffe und Waaren aller Art die Blicke, und eine 
ewig rege, geſchwätzige und neugierige Menſchenmenge ſchiebt ſich durch 
einander, oder verfammelt ſich in Hauptgruppen vor den Kauffäden. Hier 
findet han bie verfhiedenften Nationalträchten und Phyſiognomien, friede 
li wohnen hier Gemeinden von 7 Confeffionen neben einander, das 
deutſche Element tritt jedoch ſchon bedeutend zurüd, und das orientaliſche 
wird vorherrſchend. k 

Neuſchioß, bohm. Dorf im Beitmeriger Kreiſe, mit einem prägti: 
gen Schloffe an einem großen Teiche. ö j 

Neuſiedt am See, ungar. Marktflecken im Wiefelburger Cor 
mitar, am nötblihen Ufer des gleihnahmigen Sees, hat eine herrliche 

a 





Neuſiedlerſee. — Neuſtadt (ungar. Bergfleden). 47 


Lage, viel Wein» und Gartenbau, (befonders beliebt iſt der hiefige Spar⸗ 
gel,) und ſtarke Getreidemärkte, die auch aus Oſterreich befucht werden. 
Auch der Handel mit Seefifben, dann die Verführungder zu Kaifer: 
ſt ein druch gebrochenen und bearbeiteten Baufteine ift für die Bewohner 
des Ortes ziemlich einträglid. Ehedem war diefer Ort ein Leibgeding der 
ungar. Königinnen. Die ehemahlige Nefidenz, in welcher Agnes, die 
Witwe Königs Andreas III. um 1301 ihren Sig hatte, ift jedoch jetzt 
gan; verfallen. Der Ort bat eine Eatholifche Pfarre, eine ftattliche 
Kirche und ein königl. Filial⸗Dreyßigſtamt. | | 

NMeuſiedlerſee. Nach dem Plattenfee der größte See Ungarns und 
der öfterr. Monarchie überhaupt, zwifchen der Odenburger und Wiefel- 
burger Gefpanfhaft, nahe gegen die oͤſterr. Gränze. Er foll, wie man 
behaupten will, erft im 10. oder 11. Jahrhunderte durch ben verminder: 
ten, endlich ganz; gehemmten, Fall des Fluſſes Fertö entftanden, und in 
ihm follen 14 Ortſchaften mit allen umliegenden Gründen verfunten feyn. 
Gegenwärtig erhält er fein Wafler, außer einigen Quellen, größtentbeils 
durch den Bach Vulka aus den weſtlichen Bergen. Es ift falzig, von un⸗ 
angenehmem Gefhmade, und erregt Ekel und Erbrechen, doch wird es 
ohne Nachtbeil zum Baden gebraucht, und felbft das Vieh trinkt es. 
Der See ift bey 20,000 Klft. lang und 3 bis 6,000 Klft. breit, meiftens 
9 bis 13 Fuß tief, und hat einen Flaͤchenraum von beynahe 54 Quadrat: 
Meilen. Das Fallen und Steigen feines Waſſers ift auffallend, fo, daß 
es oft um mehr als 1,000 Schritt über feine Ufer hinaustritt, oder von 
denfelben zurückweicht. Er ift. ziemlich fifhraich. 

Neuſohl, ungar. kön. Freyſtadt im Sohlet Comitate, deflen 
Congregationsort es iſt, mit 478 Häufern und 5,220 Einw., in einem 
mit hoben Bergen umgebenen Thale am Zufammenfluffe der Biftricza 
mit der Gran, die fie von dem Berge Urpin fcheidet, mit einem Schloſſe, 
einem uralten weitläufigen Gebäude. In dem Thurme der gothifchen, in 
den Ringmauern des Schloſſes liegenden Pfarrkirche, hängt eine 100 
Gentner ſchwere Glocke. N. ift der Sig eined Biſchofes, ſammt deffen 
Seminar; eines Provinzial: Commijfariates, eines Bergkammer« und 
Berggerichted, hat ein Eathol. und ein luther. Oymnafium, Der Berg: 
bau auf Kupfer in dem fogenannten Sandberge hat viel von feiner Wich⸗ 
tigkeit verloren, fein Ergebniß wird größten Theild zur Erzeugung des 
Verggrün verwendet, daher nur an andern Orten, 3. B. in Herrn⸗ 
grund gewonnene Erze und Metalle in den hiefigen Schmelzöfen, Aus 
pferbämmern und anderen Werken verarbeitet werden. N. entftand 1222 
durch eine Anftedlung von Sachſen unter dem Könige Andreas dem 
Hierofelymitaner. In der Nähe ift eine große Gewehrfabrik, ein angenehs 
mer Spaziergang bey der Stadt ift ber Weg zum oberen Holzrechen an 
der Gran. g 

Neuſtadt, ungar. Eönigl. priv. Vergfleden, im Szathmaͤrer Eos 
mitate, mis 841, in einem Thale und auf Anhöhen zerftreuten Häufern, 
.6,260 Einw., reiben Gold» und Silberbergmwerken, einer Kupfer und 
Bleyfhmel;hütte für die ärarifchen und gewerkſchaftlichen Erzeugungen, 
einem Eifenhammer, einer Berggerichts-Subſtitution zc. Wiele ter üir- 
figen Einwohner befhäfrigen fi auch mit Erzeugung von Roptierwasten. 


—⸗ 


48 Nieuftadt, ſiebenb. Dorf. — Neuſtadtler Areie. 


Dieuftadt, —V Dorf im Kronftädter Diſtricte des Landes 
der Sachfen. € hat 2,146 Einwohner und eine von Ringmanern ume 
gebene futher. Kirche. Bey biefem Orte wird. viel Flachs gebaut, und 
eine Menge Zöpfergefäirre verfertigt, wozu man in der Nähe fehr feinen 
on gräbt, S . 
= Freuftadt ob der Mettau, böhm. Städthen im Königgräi 
Kreife, am Buße des Sattlergebirges in einer fehr angenehmen, fru 
baren und gefunden Gegend, mit 1,600 Einw. Die barmberzigen Brüs 
der haben bier ein Kfofter und Spital. } n 

Aeuftadt, Wiener-, f. Wiener: Yleuftadt. 

Neuſtadtl, Herrfhaft und kleine mähr. Stadt im Iglauer Kreife, 
Sie hat 1,820 Einwohner, 2 Eathol. Kirchen, 1 luth. Berhhaus. Zu 
der Herrſchaft N. gehören nicht, unbeträͤchtliche Eifenwerke mit Schmelze 
öfen und Sammerwerfen, 4; x 

Yeuftadtl an der Waag, ungar. anfehnlicher Markt im Neus 
traer Comitat, am rechten Ufer des Waagfluffes. Der Ort hat 5,300 
Einw., wovon beynabe die Hälfte Juden und einen fehr großen, ziemlich 
regelmäßigen Plag. Hier ift aud) eine reich dotirte Propftey, eine Earhol, 
Kauptfgule und ein Hauptdrephigftamt. Um N. waͤchſt guter rother 
Wein, der, wie ber Villänyer, burgunderähnlich ift. 7 

Yreuftadtl, illye.»landesfürtt. Stadt im Herzogthum Krain, 
Hauptort bes gleihnahmigen Kreifes und der Sitz des Kreisamtes, am 
linfen Ufer der Gurf, bie bier eine befrächtlihe Krümmung macht. Sie 
hat 1,251 Einw., 3 Kirchen, ein Gpmnafium, eine Hauptſchule und 
ein Branciscanerkfofter, deſſen Priefter in biefer die Lehrerſtellen verfes 
ben. Die Gegend ift angenehm, mit fruchtbaren Feldern, Wein: und . 
Obſtgaͤrten bedeckt. Der Piatz, worauf die Stadt gebaut, iſt et⸗ 
mas abhängig, in der Ferne wird er von böhern Bergen umfcloffen. 
Die Bauart ift ‚ziemlich regelmäßig, fo, daß alle Gaffen auf einem gror 
fen ne — Platz zufammenlaufen, der mit wohlgebauten Hau⸗ 
fern befeßt iſt. 

Keuſtadtler Areis, im Herzogthume Ktain bes Königreichs 
Illyrien, grängt in Nordweften an den Laibacher, in Welten an den 
Üoeiberger Are, in Nordoften an Steyermark, in Südoſten an Eroas 
tien und it 69% Q. M. groß, folglid etwas größer ald der Laibocher 
Kreis. Er wird in 17 Bezirke eingetheilt und zähle 7 Städte, 6 Märkte 
und 1,835 Dörfer mit 188,000 Einwohnern. Diefe find theild Wenden, 
theils Gotſcheer und bekennen ſich zur Eatholifchen Religion, mit Aus- 
mahme einer griechiſch- unirten Gemeinde, — Der Kreis bildet eine mit 
Gebirgen, Hligeln und- Heinen Ebenen angenehm abwechfelnde Land: 
daft, die gegen Laibad und Steyermark von der Save begränzt wird, 
welcher die übrigen Beinen Slüffey als die Negering, Gurk und Kulpa 
zuſtromen. Der Kreis erzeugt Weizen, Hirfe, Buchweizen, Mais, 
vielen Flachs, Wein und Kaftanien, hat eine ftarke Bienenzuct, vieles 
Wild, Geflügel, Eifen (in 4 Eifenhämmern und Gußwerken), Marmor und 
Steinkoplen. Die Indu ſtrie iſt nicht bedeutend und befteht vor züglich in Ger ⸗ 
bereyen, Lein und Wollweberey, Strohwaaren⸗, Papier: und Sieber 
verfertigung. Dieſer Kreis ſchließt die vormahlige windiſche Mark ein. 


Yieutitfchein. — Neutraer Geſpanſchaft. 49 


Neutitſchein, mähr. Stabt im Prerauer Kreife, on ber fübli 
hen Seite des fogenannten Kuhlaͤndchens, mit 630 Hdufern und 6,400 _ 
Einw., unter denen es viele Tuchmacher, Wollenzeugmweber und Färber 
gibt, mit einer Hauptſchule und einem 1804 errichteten Krankenhauſe. 
Nicht unwidtig ift der Tuchhandel der Stadt nach Ungarn und Wien. 
Sonft waren die hiefigen Schönfärbereyen von Bedeutung, gegenwärtig 
find fie es weniger. Loudon ift hier 1790 geftorben. 

Neutra (Tleitra, Nyitra), ungar. bifhöfl. Stabt und Haupt 
ort des gleichnahmigen Comitates, ein anfehnlicher und durch den Hans 
del ſehr nahrhafter Ort an der oberungar. Haupt: und GCommerzialftraße, 
mie einer bifchöfl. Refidenz, 2 Pfarren, 512 Häufern und 4,583 Einw., 
liegt zwifchen fruchtbaren mit ſchönen Eichenwäldern, Weingärten und 
Saatfeldern bededten Hügeln, in einem weiten, von der Neutra be 
wäfferten Wieſenthale; treibt viele Gewerbe und Handel. Die Stabt ifl 
auch der Sitz ber Gerichtstafel diefer Geſpanſchaft und hat ein Piariftens 
Collegium mit einer Bibliothek, ein Eathol. Symnaflum, ein Sranciscas 
nerElofter und eine Hauptfchule. Der fhönfte Theil der Stadt, die in 
die alte und neue, ober obere und untere zerfällt und von Innen ziemlich 
anreinlic) erfcheint, iſt die Feſtung oder das Schloß, welches ſich auf 
einem ifolirten Felſen erhebt und die bifchöfl. Reſidenz mit der alten und 
neuen Domkirche enthält. Exftere ift fowohl ihrer Bauart, als mehrerer 
Alterthümer wegen merkwürdig. Am Buße des Berges find die Käufer 
der Domberren und am Ufer bes gleihnahmigen Zlufles das ſchoͤne Comi⸗ 
tatshaus. In diefer Gegend gedeiht der Weinbau fehr wohl, befonders 
auf und um den naben Berg Cſobor, wo fi) das ebemahlige, fhon vom 
beil. Stephan gefliftete Benedictiners (fpäter Camaldulenſer⸗) Klofter 
befindet. Der Bifchof der hiefigen Diöcefe, Zof. v. Vurum, bat ein 
Stiftungs » Capital von 12,000 Gulden C. M. zu den edlen Zweden ges 
widmet, daß Behufs der Erridtung einer öffentlihen Mädchenfchule 
und einer Zeichnungsſchule in N., die Intereſſen jenes Capitals zu Jah⸗ 
resgebalten für die Ober⸗ und die Unterlebrerinn an ber Maͤdchenſchule 
su 300 und 200 Gulden C. M., und bes Lehrers an der Zeichnungßs 
fhule zu 100 Gulden C. M., verwendet werden follen. Diefe wohle 
thätige Anftalt wurde dann weiter mittelft 8,000 Gulden W. W. freywil⸗ 
liger Beyträge von Seite hiefiger Bürger und anderer Menfchenfreunde 
in den Stand gefegt, auch das dazu nöthige Gebäude anzulaufen und 
einzurichten ; und ben 4. Dct. 1835 erfolgte feyerlich die Eröffnung der 
Anftalt, der Mädchenſchule nähmlich, denn die Zeichnungsfchule, in 
welcher Handwerkslehrlingen an Sonn⸗ und Feyertagen Unterricht er: 
theilt wird, ift bereits fett Map d. 3. im Gange, Die Zahl ber in die 
vorermwähnte Schule eingeführten Mädchen war 150. 

Neutraer Befpanfchaft, eine der größten Gefpanfchaften Un⸗ 
garnd, fie begreift in ihrem Ilmfange 121,99 geograph. Q. M. und bat 
311,903 Einwohner. Die Zahl der Wohnpläge beläuft fih auf 487, 
worunter eine Bönigl. Freyſtadt (& Ealig), 29 Märkte (nebft der 
Stadt Neutra), 415 Dörfer und 32 Präadien find. Die Eatholifche 
Religion iſt Hier die vorberrfchende, doch befinden ſich auch viele Large: 

Oeherr. Rat. Encpfl. 88. IV & 


RZ 


0 Meuwaldegg —Niederlande 


raner und Juden in diefer Gefpanfdpaft. Der Boden derfelben iſt fehr 
fruchtbar und man findet hier zugleich mehrere landwirthſchaftliche Zwei⸗ 
ge, als Aderbau, Vieh ʒucht / Garten⸗, Obft: und Weinbau gleich 

fig und vortheilhaft betrieben. Auch der Gewerbfleiß ift hier fehr ausge: 
breitet, < i 

YIeuwaldegg, f. unter Dornbad). 

Yriederalpel, feyermärk. ziemlich fteiler, bewachſener Berg zwi⸗ 
fhenMürzfteg und Wegfheid im Brucker Kreife, an beifen Fuße ein 
‚großes Ciſenbergwerk beteleven wird. Der hiefige fpäthige Eifenftein pält 
40 Percent Eiſen, der Betrag ber jährlich gewonnenen Erze ift 24,000 
Etr.. Das Roheifen, welches im nahen Schmelzgebäude ausgeſchmolzen 
wird (4,500—5,000 Etr.), wird nad ©&t. Agyd in Niederöfterreich 
abgeführt und in den dortigen Werfen weiter verarbeitet. 

Niederlande, dievormabls öfterreichifchen. Urfprünglich be+ 
ftehend aus dem jegigen Königreiche Belgien, dem Großherzogthume Lu— 
remburg, Holland und den franzöf. Niederlanden gehörten fie zu dem 
reichen durgundiſchen Erbe, welches Kaifer Marimilian It durd feine 
Heyrath mit Marien, der einzigen Tochter des legten Herzogs von 
Burgund, Earl des Kühnen, an fein Haus brachte. Durch deifen 
Enkel, Earl V., kamen die N. an die Arone Spanien und biepen 
fortan die fpanifhen N. Durch die Religionsunterdrüdung und Verle⸗ 
Kung der Verfaflung unter deſſen Nadfolger Philipp II. aufgebracht, 
riffen fi die bekannten 7 Provinzen 1570 von dem Mutterlande los, 
die bis in die neuefte Zeit beftandene Republik der vereinigten N. bildend, 
Die übrigen N. wurden inzwiſchen der unfelige Zankapfel, um den ſich 
Spanien und Frankreich. 2Jahrhunderte hindurch ftritten. Im pyrendiſchen 
Frieden 1659 fah ſich Spanien genöthigt, an Frankreich ganz Artois, 
einige Pläge von Flandern, Kennegau, Namur und Luremburg abzu⸗ 
treten, welde Länder feitbem die frangöfifchen N. genannt wurden. 
1713 kamen die fpanifhen N. dur den Frieden von Utrecht, welcher 
den fpanifchen Erbfolgefrieg entigte , wieder an Oſterreich und hießen 
fortan die oͤſterr. N. — 1785 faßte Kaiſer Jofeph II. den kühnen Plan, 
die oͤſterr. M. (mit Ansnahme von Namur und Quremburg) gegen 
Bayern an den Churfürften Carl Theodor umputaufhen, wel— 
cher jedod dur die eiferſüchtige Gegenwirkung des Königs Brier 
dric IL. von Preußen mißlang (f. Sürftenbund). 1788 begannen, als 
Folge von Joſe ph's Reformen in Belgien, große Unruhen in den Nies 
derlanden. Zwar wurden die erfien Bewegungen unterdrüdt, allein 
fon 1790, als der Kaifer, fi auf die Truppenverftärkungen verlaffend, 
feine Pläne von Neuem durchzufegen ſuchte, brad der Aufruhr mit 
doppelter Keftigkeit aus, und warb allgemein. Ein Abenteurer, van 
der Noot, ftellte ſich an die Spitze des Volkes, und ward bald das 
Haupt der Empörer, die aud von auswärtigen Mächten unterfügt wur⸗ 
den. Der General ⸗ Gouverneur der N., Herzog Albrecht von Sachſen- 
Teſchen, mußte flüchten, bie öftere, Truppen wurden vertrieben? ein 
fouveräner Eongref, beftehend aus Abgeordneten aller Provinzen vers 
fammelte fi in Brüffel, umd erklärte die Unabhängigkeit der N. 
Mein bald entſtanden Uneinigkeiten unter den Aufrührern felbft, Ariftor 





Kliederöfterreih. — Niemeczeky. Sl 


kraten und Demokraten bildeten beſondere Parteyen und die unbeſon⸗ 
nenen Schritte der Letztern beraubten die Niederlaͤnder des Schutzes der 
Mächte, die fie bisher begünſtigt. So ward es Joſeph's Nachfolger, 
Leopold II. leihe, 1791 durch mweife und gemäßigte Mafregeln bie 
M. wieder zu unterwerfen. Im November 1792 beſetzten jedoch die 
Branzofen tie öſterr. M., welche auch nach den Siegen des Generals ® o⸗ 
naparte 1797 im Srieden zu Campo For mio an Frankreich abgetre⸗ 
ten wurden. Die weitere Geſchichte der N. gehoͤrt nicht hieher, da fie 
feit diefer Zeit nicht mehr öfterr. Beſitzthum wurden. 

Niederoͤſterreich, f. Befterreidy unter der Enns. 

‚LTieder = Wallfee , niederölterr. bedeutender Marktflecken mit 
einem fchönen Felſenſchloſſe an der Donau, deifen herrlicher minaretför- 
miger Thurn von weitem die Blicke auf ſich zieht, auf deſſen Zinnen 
man eine unvergleichlich ſchöne Ausſicht über das Mardland und bie 
ganze füdliche Alpenkette genießt. Am Fuße des Felſens brechen ſich 
fhäumend die Wellen der Donau, und erzeugen einen nicht unbedeu« 
tenden Schwall. Bey dem Orte ift ein trefflicher Steinbruch, der aus⸗ 
gezeichnete, faft in der ganzen Monardie bekannte und gefuchte Mühl: 
feine liefert. Neuerlih wurden bier beym Brechen berfelben alte 
- Mauern, dann Särge mit röm. Kaifermünzen entdect, und zur Aufbes 
wahrung nad Seitenſtetten gebradt. 

Niemeczky ‚ Dan.., der Philoſophie und der Arzneykunde Doc⸗ 
tor, der mebdicinifchen Facultät an ber Univerfität zu. Wien wirklides 
Mitglied und ausübender Arzt in Brünn, war den 13. Febr. 1762 zu 
Neuftade nid Saar in Mähren geboren. Er ftudirte von 1775 
an dem Gymnaſium zu 3 g lau die Humaniora, an der Univerfitär 
in Prag von 1780 ald Drgelfpieler bey den Dominicanern- auf der 
Kleinfeite die Philofopbie, woraus er den Doctorgrad erbielt, und: 
von 1783—85 als Goncertgeiger durch Privatfleiß alle Zweige der Mes" 
dicin, nachdem er, ohne den philoſophiſchen Cours zu unterbreden,, 
dur das ganze Jahr 1782 Cadet bey dem Franz Graf Kinsky—⸗ 
[den Linien⸗Infanterie Regiment in Prag gewefen. 1785 ging er nad 
Wien, wo er nebft der Naturkunde die practifche Arzneywiſſenſchaft 
zurücklegte. 1788 erhielt er die mebdicinifche Doctorwürde; 1790 erric: . 
tete er als practifcher Arzt in Wien eine Kräutercuranftalt für arme 
Leute. Seit 1810 präcticirte er in Brünn, wo dr aud) eine Kräuter: 
curanftalt etablirte, um feine mit Bewilligung der Landesftelle nad 
der vorgelegten Methode vorgenommenen glücklichen Werfuche fortzu: 
fegen, wie verſchiedene hartnädige Krankheiten mittelft der frifchen Kraus 
terfäfte bekämpft werden können: — Als Tonkünftier zeichnete ſich N. bes 
fonders auf der Violine und dem Pianoforte aus. Er flarb zu Brünn 
1820. — ®eine Schriften find: Pertractio de plantis parasiticis 
aliisque segeti obstantibus, nec non de insectis agros et hortos 
vastantıbus, mit Kupf. Srankfurt a. M. 1795. — Anleitung zur 
PMlanzencur nebft einer neuen Beurtheilung des Pflanzenreihs und 
deffen Einfluß auf die Luft, Wien 1799,2. Aufl. ed. 1800. — Necessa- 
ria ad vitae.normam naturae contemplatıio, 3 Bde. ed. K\ANI—U 


(erfpien zu gleicher Zeit deutſch). — Über die Enrftehung „ Sorten 


52 Niepolomice — Nippel. 


ung und Tilgung der Infecten und Würmer in ben Eingeweiden ber 
enfhen, Straßb. (Wien) 1807. h 

Yliepolomice, galiz. Marktflecken im Bochnier Kreife am ber 
Weichſel in fandiger Gegend. Der Ort hat ein ftäbtifhes Ausfeben, 
auch ift bier der Sitz der wichtigen £. k. Cameralherrſchaft gleichen Nah- 
mens und ein guoßes Schloß, ferner ift hier ein Zolls Infpectorat und 
eine Salzniederlage. 

Nikolai, St., ungar. Marktfleden und Hauptort des Liptauer 
Eomitats, in einer Ebene am rechten Ufer der Waag. Der Ort iſt gut 
gebaut, mit breiten Hauptſtraßen, einem großen quabratförmigen 

laße, doch nur 1,700 Einw., worunter 700 Reformirte und 800 

uden, die fih mit Aderbau, Branntweinbrennerey, Bierbrauerey, 
dann Schifffahrt und Handel befäftigen. Hier befindet fic eine fhöne, 
dem heil. Nicolaus geweihte Kirche und ein gefhmadvolles, 1780 
neu erbautes Comitathaus. Auch die Juden haben hier eine Synagoge. 

Nikolsburg, mähr. Stadt im Brünner Kreife, in einer fehr 
fruchtbaren Gegend an der öfter. Gränge, am Fuße der Polauerberge, 
Hauptort einer fürftl. Dietrichftein’fhen Herrſchaft. Won ferne zeigt 
fich die Stadt huͤbſch, im Innern aber ift fie unfreundlic und die Gafr 
fen find eng, Erumm, uneben und ſchlecht gepflaftert. Die Einwohner: 
zahl beträgt 7,950, worunter 3,200 Juden, die zahlreichſte Judenge- 
meinde Mäbrens. Die Eollegiatkicche zum heil. Wenzel und die Vor: 
ſtadtlirche St. Johann find anfehnlide Gebäude. Außerdem befigt N- 
ein Piariftencollegium mit theologifhen Hausſtudien dieſes Ordens, mit 
pbilofophiicher Lehranftalt, einem Gymnaſium, einem phyſikaliſchen 
Mufeum, ‚einer Hauptfchule und Bibliothek. Mitten in der Stadt 
erhebt fih auf hohem Felfengeund bas große, mit einem Thurme ges 
zierte fürſtl. Diet richſt ei nſche Schloß, weldes zu den anfehnlichften 
Palaſten Maͤhrens gehört und eine an 20,000 Bände ſtarke Majoratd- 
Bibliothek nebſt einem reihen Maturalien» Cabinet in ſich fließt. Die 
Bibliothek enthält: Bibliographiſche Schaͤtze; Slavica etc. ; insbefonders 
die Büderfammlung des Theod. Beza aus Genf, voll wichtiger 
Manuferipte zur Geſchichte der Neformation zc. Won diefem Schloſſe 
aus hat man eine ſchoͤne Ausficht mach Ofterreih und Möhren. In 
dem großen Felfenkeller des Schloffes wird das berühmte Weinfaß 
aufbewahrt, weldes 2,006 Eimer faſſen Eönnte, wenn es gefüllt 
würde. Im N. wurde den 31. December 1621 der Friede mit Bet h⸗ 
ten Gabor geſchloſſen. In einem Vorgebirge unweit der Stadt liegt 
die Turaldhöhle, eigentlich eine feltfam gewundene Felfenfpalte, weit 
in das Innere führend, wo man Wajfer raufchen hört. 

Kimburg, böhm. Stadt im Bunzlauer Kreife auf einer Infel 
der Elbe, mit 2,400 Einwohnern und Weinbau, 

Yippel, Franz Xav. Jof. Fidelis, it den 29. Jän. 1787 
zu Gmunden in Oberöfterreih geboren, wo fein Water Merwalter 
eined Waifen-Verforgungsbaufes war, mit dem eine deutſche Schulan- 
falt in Verbindung ftand. Er legte die Gymnaſial- und philoſophiſchen 
Studien an den Lehranftalten der Benedictiner in Kremsmünfter 

zurüc, Während feiner Studien gewann er eine befonbere Vorliebe für 





Mipper. 53 


Mathematik, für welche Willenfhaft er auch ein befonderes Talent ent» 
wicelte. Aus diefem Grunde faßte er auch den Entſchluß, fih dem Stu⸗ 
dium der Bergbaufunde zu widmen. Allein gegen bie Ausführung diefes 
Vorhabens erhoben ſich Hinderniffe. Theild dem Wunſche feiner Altern 
nachgebend, theild weil er ganz irrige Anfichten. von der Rechtswiflen: 
(haft hatte, die ibm als eine trodene, von jeder "Anwendung der Phi- 
lofophie entfernt gehaltene Kenntniß poſitiver Anordnungen gefchildert 
wurde, wählte er, nad feinem Austritte aus dem philoſophiſchen Lehr: 
curfe, den geiftlihen Stand und srat 1805 in das Benedictinerſtift zu 
Kremsmünfter ald Noviz ein. Unzufrieden mit feiner Lage, deren 
rund ihm damahls nicht deutlih war und den er ber Elöfterlichen Dis: 
ciplin zufchrieb, trat er vor Ausgang diefed Probejahres aus dem Stifte 
und zu Anfang des Schuljahres 1806—7 in das. bifhofl. Seminar zu 
Linz ein, welches damahls gerade durch den würdigen Bifhof Gall 
neu errichtet war. Als im 2. Jahrgang des theologifhen Eurfes feine Mut- 
ter flarb (fein Water war diefer kurze Zeit früher vorausgegangen), faßte 
er den Entfhluß, den .geiftlihen Stand zu verlafien und Mebdicin zu 
fiudiren. Allein wegen Mangel an Geldfräften und jeder andern Art Un: 
terftügung mußte -er auch dieſes Vorhaben aufgeben,‘ und nur durd) 
Verhaͤltniſſe dazu genöthigt, befchloß er fih dem juridifhen Studium 
zu widmen und verfügte fib von Gmunden nad Linz, um die 
damahls dort noch gehaltenen juridifhen Vorlefungen zu hören. Es gelang 
ihm bald als Erzieher in einem Privathaufe aufgenommen zu werden, 
allein nicht lange genoß er diefe Unterſtützung, denn der feindliche Ein- 
fa 1809 beraubte ihn derfelden. Won Geldmitteln entblößt, war er 
daher nothgedrungen , fih um einen Kanzlepdienft auf dem Lande 
umzufehen; er wurde von dem damahligen Verwalter der Herrfhaft St. 
Martin im Innviertel als Privatſchreiber und zugleich Lehrer deifen 
älteren Sohnes aufgenommen. Hier fand er die freundlichfte Behand: 
lung, und feine düftere Lage fing an ſich aufzuhellen. Dabey erwirkte 
er die Bewilligung , feine juridifhen Studien durch Privarfleiß fort: 
fegen zu dürfen, gegen dem jedoch, daf er fih in jedem Semeſter den öf⸗ 
fentlihen Prüfungen unterwerfen mußte. Bey diefem Privatſtudium 
war er ohne alle fremde Anleitung bloß auf ſich ſelbſt beſchraͤnkt und da 

ihm gleich bey feinem Eintritte in die Kanzley zu St. Martin, wo 

fi unter dem Kanzleyperfonale bein Individuum befand, das die juridis- 

fhen Studien zurüdgelegt hatte, und felbft der Oberbeamte nur geringe 

Kenntniffe im Juftizfache befaß, die Gefchäfte der. contentiofen Gerichte: 

barkeit übertragen wurden, fo war er fhon im erften Sahrgange feiner juris 

diſchen Studien genöthigt, fi dur das Stubium des röm. Rechtes (frey⸗ 

lich nicht aus Quellen, fondern Compendien), dann der Gerichtsordnung, die 

jur Ausübung diefer Gerichtöbarkeit nöthigen Kenntniffe zu verfcaffen. 

Obſchon er damahls für feine Zukunft Feine andere Ausficht hatte , als 

einftens bey irgend einer Privatherrſchaft auf dem Lande ald Verwalter an- 

geftellt zu werden ; obfchon er fih mit Grund Hoffnung maden Eonnte, 

den damahls fehr gut dotirten Oberbeamtendienft in St. Martin feiner 
Zei zu erhalten, und er feldft mit feiner damahligen Tage alle Urfache 

hatte zufrieden zu ſeyn, er auch in Dfterreich keine Ältern,, keine Sr» 


5 % nippert 


ſchwiſter und kein Vermögen, zurückgelaffen hatte, fo brängte ihn doch, 
nachdem das Innviertel von Sfterreich getrennt und der Krone Bayern 
übergeben wurde, ein inneres Gefühl nad feinem MWaterlande zurück; 
er verließ daher im Anfange 1813 St. Martin, und tras bey 
dem Linzer Magiftrate als Conceptspracticant ein. Allein, da er bier 
Feine Ausfiht auf Beförderung vor fih ſah und fein in St. Mar. 
tim erfvartes weniges Vermögen zur Neige ging, trat er im Anfange 
1814 wieder von da aus, nahm die Stelle seines Amtsſchreibers bey ber 
Domcapitulars Herrſchaft Baumgartenbergan, wurde dann noch 
dasſelbe Jahr zum Spndicus des landesfürſtl. Marktes Mauth haufen, 
dann, im Anfange 1816 zum Verwalter der Stadtgülten in Ling, und 
‚endlich im December 1818 zum Megifranseatbe dieferproninziafpupt- 
ſtadt ernannt. — Als 1821 die Geſchaͤfte der Juſtiz von dem Linzer 
Magiftrate getrennt und ein Stadt⸗ und Landrecht dafeldft errichtet wor⸗ 
ben, wurde er.auf fein-Anfuchen zum Rathsvrotocolliften diefes neuer» 
richteten Stadt · und Landrechtes ernannt, 1823 zum Secretaͤr, 1825 
um fteyerifhen Landrath in Gräg und 1832 zum mähr.<fchlefifchen 
ppellarionsrath in Brünn befördert. — Als Magiftratsrath in Lin z 
übernahm er über die von Seite der dortigen Landesregieri an 
ihn ergangene Aufforderung die von der damahls beftandenen k. E. Com» 
merz⸗ Hoftommiſſion veranftaltete Sammlung fimmtl.Gewerbsvorfäriften 
für die Provinz Öfterreich ob der Enns, und als Landratb in Gräß 
wurde er 1825 als proviforifcher Commijfär für die juridifchen Lehrfächer bes 
ſtimmt, 1832 zum Generaldirector der [ammtlihen Gpmnafien in Steyers 
mark ernannt, welches Amt er jedoch ganz kurze Zeit bekleidete, da 
bald darauf feine Beförderung zum maͤhr.ſchlef. Appellationsrath erfolgte. 
Auc wurde ihm 1827 nad) dem Tode bes damaligen Gräger Bürgermeis 
ſters die proviforifche Feitung des dortigen Magiftrates Übertragen, die 
er bis zum Eintritt des neuen Blirgermeifters (im Zänner 1830) ununs 
terbrochen bejorgte. eine fehriftitellerifhe Laufbahn eröffnete er gleich 
nach vollendeten juridiſchen Studien, durch einige Auffäge aus der Polis 
ehwiſſenſchaft, die er damahls in dem vom Hofraihe Dr. Harlin 
Erlen gen berausgegebenen allgemeinen Cameralcorrefpontenten eins 
rücen fieß und unter welden Einer: „Über Preffröybeit und Vuͤcher, 
cenfur,“ einiges Auffehen erregte und ehrende Anerkennung fand. 1814 
erſchien in den zu Wien berausgefommenen vaterländifhen Blättern 
eine kurze Vergleihung des öfter. neuen bürgerlichen Geſetzbuches mit 
dem frangöf. Civil: Eoder, aus feiner Feder, dann nebft einigen Abhand⸗ 
lungen in dem öfterr, Bürgerblatte, Auffäge ftreng juriſtiſchen Inhalts 
in Prarobevera's Materialien für Geſetzkunde und Rechtspflege in 
den öfters. Staaten, und in ber Zeitfeprift für öfter. Rechtsgelehrſam ⸗ 
keit und politifihe Geſetzkunde. Die von ihm bisher erſchienenen ſelbſt⸗ 
ſtandigen Werke und Abhandlungen find: Won der Auslegung und Anz 
wendung det Geſetze oder Verſuch eines Commentars über die $$. Hund 7 
des allgemeinen bürgerlichen Geſetzbuches, Ling 1822. — Handbud 
zur Erleichterung bey Anwendung des 2. Theiles des Strafgeſetzbuches 
zum Gebrauche fir jene Beamte, welche ſich mit der Gericröpflege über 
ſchwere Polizepübertretungen befäftigen, eb. 1824. — Dartellung 





Niznioôow. — Noricum. 55 


der Rechte dee Ehegatten in Beziehung auf ihr Vermögen, ed. 1824. 
— Darftellung der Rechte und Pflichten der Vormünder, Guratoren, 
Vormundſchafts⸗ und Guratelds Behörden, ed. 1825. — Handbuch 
zur Renntniß der Privatrechte ber Unterthanen des öſterr. Kaiferftaates 
und der Art und Weife, wie felbe bewahrt und durchgefeßt werden kön⸗ 
nen, eb. 1827. — Erläuterungen der gefeglichen Beftimmungen über 
den Pflihttheil und der Anrechnung in denfelben nad dem Öfterr, bürgers 
lichen Geſetzbuche, eb. 1828. Gegenwärtig befhäftigt er ſich in literas 
rifcher Beziehung mit der Herausgabe eined Commentars über bas allges 
meine bürgerliche Geſetzbuch unter dem Titel: Erläuterung des allgemeis 
nen bürgerl. Geſetzbuches für die gefammten deutfchen Länder der öfterr. 
Monardie mit befonderer Berückſichtigung des practifchen Bedürfniffes , 
Grätz, wovon der 1. Band 1830, und 1835 bereits die 1. Abtheilung 
des B. Bandes erfchienen iſt, owelche das Kundmachungspatent und die 
65. 1 bis einfhließig 1374 behandeln. Diefes ausgedehnte Werk ent: 
balt nebſt einer forgfältigen Berückſichtigung alles deſſen, was theils 
in geößeren Werken, theils in einzelnen Auffägen in Oſterreich zur Ers 
läuterung des bürgerlichen Geſetzbuches geleiftet worden iſt, auch fehr 
viele originelle Anfichten des Verfaffers, und feine Stellung als höherer 
practifher Geſchaͤftsmann hat ihm mannigfaltige Gelegenheit verfchafft, 
bisher noch nicht zur Sprache gebrachte, in daß Leben doch tief eingreis 
fende Rechtsfragen zu behandeln, und baher den vorgefegten Zwed, für 
das practifche Bedürfniß zu arbeiten, möglichſt zu befriedigen. 

Nizniow, galiz. beträcdhtliher Marktflecken am rechten Ufer des 
Dniefters im Stanis lawower Kreife, mit einem Herrſchaftsſitze, zu 
weichen ein Vorwerk am Drieiter, mehrere Mühlen und ein ziemlich 
weitläufiges Territorium gehören. In dem Orte felbft ift eine Eatholifche 
und griechifche Pfarre, dann eine Slintenfteinfabrik, wozu das Material 
vonden Hügeln von Mary ampol hieher gebracht wird, deren Abſatz jedoch 
ſehr abgenommen hat. Hier wohnen auch ſehr viele Juden. 

Noale, venetian. gewerbſamer Ort in der Delegation Padua 
am Marcenego, mit 2,530 Einw., einer Filzhutfabrik, 3 Leder⸗, 2 

Kutſchenfabriken und einer Salpeterfiederey. 

LIollendorf, böhm. Dorf von 72 Häufern im Teitmeriger Kreife, 
we am 16. Sept. 1813 ein Treffen vorfiel, in welchem Napoleon ges 
fhlagen wurde. Der preußifche General von Kleift führte davon den 
Namen Sraf von Nollendorf. 

Noricum, murde von den Römern ber Theil von Süddeutſchland 
jwifhen der Donau, der Save, dem Peifofee, dann Rhätien und 
Bindelicien genannt; er umfaßte alfo: Ober: und Niederöſterreich, 
Steyermark, Kärntben, einen Theil von Krain, Bayern, Tyrol, 
Salzburg, indeſſen waren die Grängen nicht zu allen Zeiten dieſelben. 
Die Hauptörter diefed Randitrihes waren: Lentia (Linz), Laurea- 
cum (Lord) und Juvavia (Salzburg). Die Bewohner desfelden waren 
eeltifhen Urjprunges. Anfangs wurde N. von eigenen Königen regiert, 
erit um die Zeit des Kaifers Claudius wurde ed römifche Provinz. 
Durch die Anfälle der Sueven und Alemannen, fo wie durch Artila’s 
Züge nach Sallien und Ztalien liit N. ungemein. Nach dem Falle Rom's 


56 NMorifhe Alpen. —WoffeczEy. 


wurde es zuerft durch die Vojer, dann durch die Avaren in Beſitz ge 
nommen und in ber Folge in verſchiedene Candftriche, wobey ſich 
der Nahme N. ganz aus der Geſchichte verlor und deifen Andenken nur 
durch die Bojer gegründeten Nordgau (Noricuspagus) er- 


wurde 

Noriſche Alpen, f. Alpen. — 
YIormal: Schulen, f. Deutſche Schulen. f 
Norma⸗ Tage, werden in den öfter. Staaten im Allgemeinen 
jene Tage genannt, an-welden zur Beyer irgend eines: Feſtes, oder zum 
Angedenten einer befondern merkwürdigen Begebenheit gewiſſe Verrichs 
tungen oder auch Vorftelungen, z. B. im Ipeaterzc., fufpendirt werben. 
Im weitern Sinne werben auch die Gerihtsferien dazu gerechnet. I. Die 
gewöhntichften (eigentlich lirchlichen) N »T., an weichen weder Theater 
noch Tanymufifen abgehalten werden dürfen, und welche man aud im ge⸗ 
meinen Leben gefperrte Tage zu nennen pflegt, basan-benfelben die Aus- 
ibung jedes-öffentlichen Gewerbes, ausgenommen der Bäcker, Gaftwirthe, 
und theilweife auch der fogenannten Griesler, verbothen ift. Diefe find: 
Die hohen Kirchenfefte, fo 4. B. Ofterfonntag, Pfingftfonntag, Weihe 
nactstag, Brohnleihnam (lietzterer jedoch bloß in der Stadt), * 
Verkündigung, Maria Geburt, Leopold (letzterer bloß in Nied. + Ofters 
reich, in andern Provinzen ebenfalls das Feſt des Candespatrones). Il: Jene 
Tage, an welden zwar die Aysübung aller bürgerl. Gewerbe geitattet, 
jedoch — —— wegen, alle oͤffentlichen Luſtbarkeiten und 
Vorſtellungen unterſagt find, u. z. die ganze Charwoche vom Palmſonn⸗ 
tage einſchließlich. Die 3 letzten Adventstage. III. Hofnormatage, z. B. 
die Sterbetage des jeweilig letztoerſtorbenen Kaiſers und deſſen Gemahlinn 
oder Witwe, dann der Mutter des regierenden Kaiſers. An dieſen Tagen 
bleiben jedoch nur die Hoftheater in Wien geſchloſſen, alle bürgerl. Ge— 
werde, fo wie auch die Vorſtadttheater, aber find offen. Die oſterr. Gerichts- 
N.=T. oder Ferien finden Statt: Alle Sonn und gebothenen Feyertage, 
von Weihnachten bis zum Drepkönigstage, vom Palmfonntage bis zu 
Oſtern, die drey Bittiage in der Kreuzwoche, und endlid vom Frohn- 
Teihnamstage bis zum folgenden Donnerftage. T 

- Froffeezey, Siard Franz; geſchickter Maler, war geboren zu 
Prag 1693. Sein Vater, ein mittelmäßiger Maler, hielt ihn während 
der Studien auch zur Malerfunft an, und in beyden bradte es N. fo 
weit, daß er aus der Philofophie den Magiftergrad erhalten, und in der 
Malerkunft, ſchon in jenen Jahren, Beträchtliches geleiftet hat. Hierauf 
trat er 1714 in den Prämonftratenfer-Orden des Stiftes Strahow, mo 
er 1715-die Orbensgelübde ablegte, und 1721 Priefter wurde, Er zeich- 
nete fi als Prediger aus, vergaß aber nie der Kunft, Um ſich in 
dieſem Fache noch bejfer auszubilden, Tas er die beften Schriftfteller über 
bie Theorie der Malerkunft, fammelte die beften Rupferftiche, und arbeitete 
nad) guten Meiftern. Er ftarb als Provifor des Stiftes Strahow am 
25. Jän, 1753, Folgende Werke find von ihm: In Fresco. Das Leben 
des heil, Johann von Nepomuf, in der Dedantey zu Sa a z. 
— Im Strahower Stifte die Belehrung des heil. Norbert. — 
Die Dede des äbtlihen Speiſeſaales in Strahom. — Die 


Noſtitz, die Grafen. — Noſtitz, Sranz Ant. Graf. 57 


Marienliche zu Sepekau. — Die Dede in der Urfulacapelle 
auf dem Strabomwm. — Meariabülfscapelle daſelbſt. — Ecce 
homo -GEapyelle dafelbft. — St. Entharinacapelle dafelbfi. — Die Dede 
de3 Capitels dafeldf. — Die alte Bibliothek des Stiftes Strabom. 
— Das Sommerrefectorium bafelbfl. — Die Refectorien in Pate 
und Zduchowitz. — Die St. Annacapelle zu Horomierzib. — 
Portal der Stiftskirche in Strahow. — In Ol. Sm Stifte 
Strahow: Der Patriarh Iſaak, ein großes Gemälde. — Abend- 
mahl Ehrifti, und Abendmahl des reihen Mannes, ebenfalls große 
Gemälde. — Das Hochaltarblatt in der ehemahligen Kloſterkirche - der 
Göleflinerinnen in der Neuftadt gu Prag. — Das Hodaltarblatt bey 
St. Apollinar dafeldfl. — Bein eigenes-Porträt (halbe Zigur) in 
der Strahower Bibliothek. oo 

Noſtitz, die Grafen, eine der anfehnlichſten gräfl. Familien Boͤh⸗ 
mens, bat ihre urfprüngliche Abflammung aus der Laufiß, wo fie auch 
begütert war. Sie theilte ſich vormahls in 3 Hauptlinien. 2 davon find 
erlofhen. Die.mittlere oder Tſokaniſche Hauptlinie blüht noch in 2 
Linien, welche 2 Söhne Johamnm's v. N.'gefliftet haben. Der ältere, 
Otto (geb. 1618, geft. 1664) , wurde inden:Srepherenftand (1631), 
und deſſen Sohn, Chriſtian Wenzel (geb. 1642, geft. 1712), 1675 
in den Grafenſtand erhoben. Letzterer gründete bie-Linie zu Rokitnitz, 
Jo hann's jüngerer Sohn aber, Joh. Hatttvig, ward fhon 1674 
in den Grafenftand erhoben. Sr kaufte 1673 von Churmainz einen Theil 
der Sraffhaft Rhinekin Franken, und gründete die Linie zu Rhinek. 
Von diefen beyden ift die fogenannte ſchleſiſche Linie ein Nebenflamm. 
Gegenwärtig haben die Grafen NR. in Böhmen beträdtliche Beſitzungen, 
getheilt in die 2 Linien Rokitnig und Rhinek. Erftere befigt Die Herr⸗ 
fhaften Rokit nitz, Plan und Gotſchau— Letztere hat ein Majoras 
in den böhmiſchen Herrſchaften Falkenau, Steinbach, Pergläs, 
Heinrichsgrün und Tſchochau, und iſt im Beſitze noch anderer 
Herrſchaften, Türnib, Prüdlitz, Tſchernoſek, Pruhonitz und 
Krzes litz. Aus dieſem Geſchlechte ſind mehrere um Böhmen und den 
Öfterr. Staat verdienſtvolle Männer, wie Franz Ant. und Moriz 
Graf N. (f. d.), hervorgetreten. Der gegenwärtige Majoratsbefiger iſt 
Erwin Graf N. v. Rhinek, geb. den 8. Sept. 1806. Koh. Nep. 
Graf N. v. Rhinek ift E k. geh. Rath, Feldmarfhalls Lieutenant, 
Commandeur des M.⸗Thereſien⸗ und Ritter des ruſſ. kaiſ. St. Annen⸗ 
Ordens 1. Claſſe, Inhaber des Chevaulegers⸗Regiments Nr. 7, geb. den 
24. März 1768. | 

rioftig, Stanz Ant., Graf, wurde am 17. May 1725 zu 
Mieſchitz in Böhmen geboren. Nach zurlichgelegten Humanitätsclaffen 
börte er die Philofophie theild zu Prag, theild zu Leipzig, die deutfche 
Biteratur und endlich die juridiichen Wilfenfchaften wieder an der Univerſi⸗ 
tät zu Prag. Als Majoratsherr beträchtliher Herrfchaften in Böhmen 
ward er von feinen Altern zu Eivils Dienften beflimmt, demungeachtet 
hatte er einen unüberwindlichen Hang zum Militär, und diente von 1743 
in dem Kriege gegen Spanien, Neapel und Modena ald Adjutant unter 
den Seldmarfchällen Zraun und Loblowig mit vieler Auszeichnung. 


> Mofig,. Morigy Graf, — Mouftu. 


Landreihtes, -des, König 
officiere mit wirkl. geh. Raths, und 1764 Beyſiher des Ein. 
Gudberniums. Ex vollſtreckte ben 5. Det, 1773 die Aufhebung der Jefuiten 
in den bepden Collegien im Profefpaufe zu Prag als hierzu ernannter ' 
‚Hofcommiffar. Rafttos in Verwaltung feiner häufigen Amtsgefhäfteivers 
nacpläfigte er die Pflichten gegen feine Unterthanen nicht, als ihr wahrer 
Vater wußte er ihnen auf eine Art nahmhafte Zuftüife zu verſchoffen, 
welche feine Großmuth gemwillermafen. verfplepern follte; er mollte fie 
unter dem Vorwande bereichern, daß fie ſich felbit ‚als die Urheber ihres * 
ıftigen Wohlſtandes betrachten Eonnten. Um dieſes wohlthaͤtige Bors 
haben unbemerkt auszuführen, wählte er das fhöne Mittel, durch wel» 
des die Circulation feines Überfluffes am Gelde auf feinen Herrſchaften 
yerläfiig befördert werden mußte; et fing nähmlich an, 1767 das alte 
Ju Mieſchitz abzutragen. Vorzüglich um den Armen Unterhalt 
jun jen unternahm et mehrere Bauten, Er ftellte in 8.Jahren 
an der Stelle des alten Schloſſes zu Miefdis.ein prächtigrs neues, mis 
‚einem: Aufwande don mehr als 200,000 Gulden ber. 1769 erbaute er 
. a9 einrichsgrünimThiergarten einniedliches Jagdf&lof. 1781 baute 
er. das große Nationafthearer zu. Prag; 1780 eine Kirche zu Fribus, 
und 1788 eine prächtige Kirche zu Cidefnig, nebft vielen Wirihſchafts⸗ 
gebäuden,. Seine Kenniniſſe, Rechtlichleit Ihätigkeit, verfafften ipm den 
Bepfall der Kaiferinn Maria, Therefia, der erhabenen Kennerinn 
des wahren Verdienfted,. in folhem Maße, daß ſie ihm fhon 1772 zum 
Eommandeur des St. Stephan-Drdens, dann 1774 zum oberiten Lebens⸗ 
zichter im Königreihe Böhmen ernannte, Jofeph I, beförderte ihn 
1781 zum .oberften-Candhofmeifter,; und 1782 zum Oberftburggrafen im 
Konigteiche Böhmen, und zum Präfidenten des koͤnigl. Landesguberniums, 
und beehrteiihn 1783 mit dem Großkreuz des St. Stephan · Ordens. Nach» 
dem er dem Staate durch 44 Jahre ruhmvol feine Dienfte geleiftet hatte, 
und Gebrechlickeiten feines berannahenden hohen Alters ihm Ruhe wüns 
ſchen machten, bath er um Loszählung vom öffentlichen Amte. Er-ftarb 
zu Mieſchitz den 29. Gent. 1794. s K 
“ Noftig, Moris, Graf, Ritter des goldenen Vließes, geb. Rath, 
Beldmarfhall, Inhaber eines Dragoner Regiments, Irabanten = Leih— 
garde- Hauptmann undHofkriegsraths » Präfident, war 1727 geboren. Er 
fing .1745 feine militäriſche Laufbahn unter dem Luch «fifhen Cüraffiers 
Negimente an, rückte ftufenweife bis zum Oberften vor, ward 1766 Ges 
neralmajor, 1771 Feldmarſchall⸗ Lieutenant, 1785 General der Cavalles 
vie, und am 12. Map 1796 Feldmarſchall und Hofkriegsranhs: Präfident. 
Er ſtarb den 19. Nov. 1796. 

Nouſeul, Rofalia, & E Hoffhaufpielerinn, vorzüglich berühmt 
in dem Bade der edlen Mütter, war geboren zu Grät 1750, Tochter 
des Schaufpielers Lefen re dafeldit. Schon in ıhrem früßeften Alter wide 
mete ſie fi mit vieler Vorliebe der barftellenden Kunſt, und vermählte 

k ſich um 1770 mit dem Schaufpieler N., dem ſie an das makfgräfl. badens 
| ſche Hoftheater zu Rast adt folgte, wo ſie zuerſt als Eugeniain dem 





Noverre. — Novi, Schlacht bey. 59 


durch Laudes Überfepten Goldon i'ſchen Luftfpiele: Die verlichten Zän: 
ter (gli innamorati) auftrat, und vielen Beyfall erwarb. Sie fpielte 
darauf in Münden, Berlin, Manbeim und Hannover mit 
gleicher Auszeichnung, und wurde endlid 1780 im Hoftheater zu Wien. 
engagirt, wo fie ſich bald durch ihr verftändiges Spiel die Gunſt des Pu⸗ 
blicums im hoben Grade erwarb. Vorzüglichen Beyfall hatte fie in den 
Mutterrollen der ernften, edlen und erhabenen Gattung. Sie ſtarb, all» 
gemein beklagt, den 24. Jän. 1808. - nl 

Noverre, Jean Georges, berühmter Tanzkünſtler, Schb- 
pfer des neuern Balletes, auch Schriftfteller über Zanzkunfty. war ges 
boren zu Paris den 27. Mürz 1727. Nachdem er fih in feinem Va⸗ 
terlande, vorzüglich unter der Leitung Dupres (gegen den Willen 
feines Vaters, der ihn zum Militär beftimmte), zum choreographifchen 
Künftler gebildet hatte, ging ex 1745 nah Berlin, wo er bie beſon⸗ 
dere Sunft Sriedrid II, genoß. Von 1749 an hielt ih M. abwech⸗ 
felnd zu Paris und. Cyon.auf, erfand mehrere Ballete,. und trat 
auch bereits mit den originelliten Anfichten als Schriftfteller guf. 177.0 
wurde er an den würtembergifhen Hof berufen, und wirkte. daſelbſt 
dich einige Jahre mitgroßer Auszeichnung, bis ihn die Kaifering Maria 
Therefia nah Wien berief+ wo er mehrere feiner beliebteſten Bal⸗ 
lets fchrieb , und itet6 mit vielem. Bepfalle anfgenanmten: murbe.. Bon 
bier reifte N. nah Mailand, und-gab daſelbſt bey Selegenheit ‚der 
Dermählung des Erzherzogs Ferdinandaglänzende Beweiſe feiner 
Kunft.Um 1780 erhielt er durch die Röniginn Marie Antornette die 
Stelle eines eriten Balletmeilters in Paris, er wurde jedoch fpäter 
durch die Revolution, bey welcher er den größten Theil feines Vermöͤ⸗ 
gens verlor, veranlaßt auszuwandern, und bielt fi einige Zeit in 
England auf. Während der franzof. Kaiferzeit kehrte N. wieder nad 
Frankreich zurück, uud flarb den 9. Nov. 1810 zu St. Germain en 
Laye. Im Drudewar vonihm erſchienen: Lettres sur Ja danse et sur 
les ballets, 2 Bde. Lyon 1760, Wien 1767; in einer deutfchen Übers 
ſetzung, Damburg und Leipzig 1768—69 , weiches Werk bamapls vie 
led Auffeben erregte, da N. zuerft darın lehrte, daß der Tanz ein 
Kunftwerk fey, welches Ausdrud und Charakter verlange. — Lettres sur 
les arts imitateurs en general et sur la danse en particuher, Pas 
ris 1807. Noch Eur; vor feinem Tode arbeitete er an einem Dictionnaire 
de la danse. &eine gefammelten Schriften (Letires sur la danse, 
les ballets et les arts etc.) erfhienenzuPetersburgind4 Bbn, 1803. 
Beine berübmteiten Schüler waren die vorzüglichen Choreographen: 
Gardel, Sallot und Veſtris. 

Novi, croatifher Marktfleden im Agramer Comitate, an ber 
Meereskülle, hart an der Eränze des Oguliner Regimentsbezirks, hat 
einen Eleinen Hafen, und 2,060 Einwohner. Hier has der Bifchof von 
Zengg feine gewöhnlihe Refidenz. Zur Zeit der Türkenkriege fpielte 
N. mebrmapls eine wichtige Rolle. 

Novi, Schlacht bey, den 15. Auguft 1799. Zur Entfceir 
dungsſchlacht bey N. (in Stalien) 1799 führten Sumarom die öſter⸗ 
teichiſch rujfijge Armee, Joub ert die franzöfifhe ald Dertelünerten. 


“ un I MoHigrad — Nowak, 


Unter N öfterr. Generale ray, Melas, Bet 
u Ott, € * er SFroli. ——— Rofen 
. sta, Dertetden, Bagrätion, radowid, Böriter 
"and Schiwe —— Eords- und Divifions + Commandanten. 
— — et, ©. —— 
5 emoin 

3 — —— —* —— Pr Gattin 


ie Verb „ mehr Fußvolk die Branzofen. Die Rufen ſtanden im 
— reicher unter Krah auf dent rechten, unter Melas 
ſahilinie Am 15: Auguſt mit Tagesan« 


Schauſpiel des Tages, und wurde 
ade dargen ae (eher Gutung nie de 
4 "auf-bem‘i en ſcten tellung nicht be— 
—— ungeachtet des muthigen Widerſtandes etwas zuruͤckge— 
ae — fiel der s franyönjär Ob erfeldherr, an Mo: 
ji t das Commando. Erſt nach ‘9 Uhr rückten die Ruſſen 
UN. heran, wurden aber ungeachtet der größten Tapfer- 
* — aus ee ‚zurückgewiefen. Auch Kray 
— — und bie franzöfiche 
—— era geworfen, mußte aber bey dem Zus 
— tes die errungen en Wortheile wieder aufge- 
"ben. Die Eſchofung und die Mittagsgluth nöthigte die Kämpfer 
"gi einer Palife, Ein Angriff auf N. mißlang den Rufen abs: 
mahls. Giucklicher Keays Truppen, die jetzt 11° Stunden 
im Feuer waten / ihrerſeits an, und behaupteten ſich auf den Höhen. 
"ME Tas machte unterdeffen auf dem linken Flügel mit einem Theil 
der Seinigen eine Bewegung auf der rechten Seite des Beindes, mit 
dem Yaitdern unterſtlitzte er die Ruſſen, mit denen®agrätion 
wieder vorruckte· Gegen Abend war die franzoſiſche Armee im vollen 
RÜg Det Kampf mit ihrem Nachtrab· dauerte bis in bie Nacht. 
"Sie verloren an Todten, Verwundeten und Gefangenen über 12,000 
Mann, 22 Gefhüse, 28 Munitionskarren und 4 Bahnen. Die Ge 
neräfe Grougy, Perignon, Ealli waren gefangen. Der Ver: 
luſt · der Verbündeten betrug bey 8,250 Todte, Werwundete und Ver: 
mißte · Es war die — Schlacht ſeit dem Beginn des Revolutions⸗ 
krieges Sie wäre weniger hartnaͤckig geworden, wenn in dem Plan 
derfelben mehr Zuſammenhang und Übereinftimmung gewefen wäre. 
Auch opferre Sumwarom durch die wüthenden Stürme feiner Rufen 
auf MR. ziveclos viele derſelben, da eine Umgehung ber Stellung ihn 
frßger Ep Teichter zum Sieg geführt haben würde. 
Novigrad, veroat, großes Eathol. Pfarrdorf mit 243 Käufern 
im St. Georger⸗ Regiments: Diftricte der Militärgränge an ber Kopteis 
niger St. Georger Straße und dem Flüßchen Komarnicza. Im Orte 
befindet fich auch ein hübſches Schloß. 
orwak / Job. Sranz, ein geborner Böhme, war ſeit 1750 
Eapellmeifter an det Domtirche zu St. Veitin Prag. Er legte nad 
der Zeit wegen feines hoben Alters diefe Stelle nieder , überließ fie 
einem Andern, und war mit einer geringen Penfion zufrieden. Er 





Nowodworsky. — Nugent, Laval Graf v. 61. 


ftarb den 7. Nov. 1771. Seine Compofitionen verrathen alle das echte 
Gepräge des Eontrapunctes, darunter eine Missa Requiem, die er 
1743 componirte. | J 

Nowodworsky, Joh., k. k. Profeſſor zu Prag, war den 
20. Dec. 1773 daſelbſt geboren. Die erſte Erziehung und wiſſenſchaftli⸗ 
che Bildung pflanzten ſich leicht in den talentvollen Knaben. Nachdem 
er in Prag die philoſophiſchen und mediciniſchen Studien beendigt, und 
den Doctorhut der Arzneykunde erhalten hatte, entſchied ſich ſeine Nei⸗ 
gung für das Studium der Botanik, worin er bald bedeutende Fort⸗ 
ſchritte machte. 1798— 1801 war er, Bezirksarzt der Entbindungs⸗ 
und Krankenbefuchsanftalt, auf welchem Poften er mit raftlofem Eifer. 
feinen Amtspflichten nachkam; fpäter wurde er Supplent der Adjuncs 
tenftelle am k. k. Naturalien⸗Cabinet und einige Mahle Supplent ber Na⸗ 
turgeſchichte an der Hochſchule Prag. 1807 erhielt er am dortigen 
akademiſchen Gymnaſium die Lehrkanzel der Mathematik, Naturge⸗ 
ſchichte und Naturlehre. Bey den vielen Anſtrengungen mußte ſeine Ge⸗ 
ſundheit unterliegen. Am 18. Oct. 1810 traf ihn ein herber Schlag. 
Neben feinem Schlafzimmer brach nähmlich Feuer aus, welches in wenig 
Augenbliden feine Bücher, Schriften, feine äußerft vollftäntige Pflans 
zenfammlung, die Frucht 16jährigen Jugendfleißes verzehrte. Diefes 
Unglüd warf ihn barnieder. Er ftarb den 21. Juny 1811. Im Drude 
erfehien won ihm: Elenchus plantarum, quifin horto Illustr. Co- 
mitis Josephi Malabaila de Canal studio et diligentia coluntur, 
ac in herbario vwi asservantur , Prag. 1804, 

Nugent, Laval Graf v., römifher Fürſt, Ritter bes Eaif. öfter. 
Ordens der eifernen Krone 1. Elaffe, Commandeur des Marien: Thes 
tefien » und des öſterr. kaiſerl. Leopold »Orbens, Großkreuz des Eönigl. 
ſicilianiſchen St. Ferdinand: und Verdienft:, dann des militär. St. Georg. 
Drdens der Wiedervereinigung, des Eönigl. bannöv. Guelphen:, des 
koͤnigl. großbrit. Bath⸗, des königl. fard. St. Maurizs und Lazaruss 
und des großherzogl. toscanifchen &t. Joſeph⸗Ordens, k. k. geb. Rath, 
Seldmarfchall s Lieutenant und Inhaber des Inf. Reg. Nr. 30, Eaiferl. 
öfterr. Militär: Commandant im Küftenlande zu Trieft ,- wurde, 
aus einer fchottifhen Familie ſtammend, um 1770 zu Prag gebos 
ren, wo fein Bater Commandant war. Mac) vollendeter, forgfäls 
tiger Erziehung trat N. in öſterreichiſche Militärdienfte, zeichnete fi) 
bey mehreren ©elegenheiten rühmlichft aus und erlangte bald die höhern 
Grade. Ald General ftand er 1813 bey der Heeredabtheilung in Stalien, 
dem Vicekönig Eugen gegenüber. Bey der Losfagung Murat’s von 
Frankreich ſchloß N. den 7. Febr. 1814 einen Vertrag mit General RL i- 
vron, dem neapolitanifchen Bevollmächtigten, über die Stellung der 
beyderfeitigen Heere ab, ald er jedoh nunmehr dem General B el: 
leg arde zu Hülfe eilen wollte, widerfegte fid ber neapolitani- 
fde Commandant von Re ggio ‚feinem Übergange über die Enza, 
und N. mußte ihn faft mit dem Degen in der Fauſt erzwingen. Diefer 
Umftand gab ihm in der Folge Anlaß zu einer Denkſchrift, die er dem 
Lord Eaftlereagh gegen Vie Anklage des neapolitanifchen Gefandten 
Herzogs von Ehiaro beym Wiener Eongreile überreichte und worin er 


62 Yuslau. Nußpammer. 


zuerſt ziemliches Licht auf Mu rat's zweydeutiges Betragen warf. Als 
dieſer, nach Napole o nis Wiedererſcheinung, die Maske abworf drang 
M. mit einer Abtheilung des oͤſterr. Heeres unverzüglich über Toscana 
nah Rom vor, fehlug auf dem Wege nah Neapel mehrere Mahle die 
feindlichen —— und langte zu gleicher Zeit mit Bianchi in Nee—⸗ 
pel an. Dafelbft ſchiffte er ich mit einer öfterr. Truppenabtheilung nad 
Frankreich ein, kehrte jedod im Auguft 1815 wieder nad Meapel zus 
rüd, wo er juesf den Oberbefehl über das neapolitanifche Heer über⸗ 
nahm und 1817 als Generafcapitän in neapolitanifhe Dienfte trat. Nach 
dem Ausbruche ber Revolution 1820, verließ N. Neapel, nahm fpäs 
ter feine Entlafung und trat in Eaiferl. öfterr. Dienfte zurück, ohne daß 
er jebod an dem Zuge gegen Neapel Theil nahm; der Papſt ernannte 
ipn zum römifpen Züriten. 
Yiuslau, mähr. Markrfleden im Brünner Kreife, hat 030 
— eine kathol. Kirche, ein reformirtes Bethhaus und guten 
einbau, 
Nußdorf, miederöfter. Pfarrdorf an der Donau im W. U. 
W. W., hat 1,500 Einwohner, Kirhe und Schule. Es gehört unter 
die älteften und geſchichtlich merkwürdigſten Dörfer des Landes umter der 
Enns; ſchon im 12. Jahrhunderte kommt es unter dem Nahmen Nu ze 
dorf urkundlich vor. Der Hauptnahrungsjweig der Einwohner ift der 
Weinbau, der ein ausgezeichnetes Product, unter dem Nahmen Nußber⸗ 
er allbekannt, liefert; ein Theil derfelben treibt aber aud Handlung 
Sifdfang, Gewerbe, Milhhandel, Feld- und Gemüfebau zc. Auch 


gibt es biele Fabriken Im Sehenswerth ift die finnreich eingerichtete 


Schönfärberey Hadhofer's. Das Kaffehhaus an der Donau, einft ein 
herrfchaftliches Gebäude ift, fo wie die Wirthshäufer und der beliebte 
Bifher, Sommerszeit febr befucht. M. ift endlich auch der Landungss 
plag für allenah Wien beftimmten Frachtſchiffe. } 
Nußpammer, Mich., rühmlich bekannter Bildhauer, war ges 
boren den 20. Sept. 1792 zu Schörftadt, einem Dörfcen in Kärns 
then an der tyrolifhen Gtanze. Sein Vater war ein armer Kleinhäuss 
fer, der ihm jedoch von feinem 5. Jahre an, zum fleifigen Schulbeſuche 
onhielt. Hier zeigte fid der erfte Aufblis feines jugendlichen Talentes, 
indem, wenn irgend ein Recdnungserempel zu löfen war, nicht felten 
flatt deſſen ein Tprolerjäger, ein Huſar oder irgend eine andere bild» 
liche Darftellung auf der Rechnentafel ftand, was ihm denn auch mande 
Nüge zuzog. Schon 1798 verlor N. feine Mutter, 1804 den Vater. 
Die Heine Wirthſchaft fiel num in die Hände der Stiefmutter und des 
älteren Bruders. Michael, als der jüngere, mufite ald Schafbirt in 
Dienfte gehen und lebte monathlang bey feiner Heerde in der größten 
Einfamkeit auf den hohen Alpen, auf entlegenen Bergwiefen und in 
dunklen Wäldern. Jedoch auch hier verlief ipn der angebotne Kunfttrieb 
nicht, ja die lange Weile trieb ipn um fo mehr zur Ausübung desfelben. 
Sein Brodmeſſer diente ihm zum Meifel, er fhnitt Geftalten in Bäus 
me, ſchnitzte Figuren in Holz und feft bildete fi der Entſchluß bey ihm, 
Bildhauer zu werden. Doch fehlten feiner Dürftigkeit die Mittel, feine 
Peprzeis auszuhalten und auch feine Angehörigen, in der feſten Uberzeu- 





UNyary, das Geſchlecht. 68 


gung, dieſe Liebe für Kunſt führe ihn geraden Weges zu Hunger und 
Kummer, thaten alles Erdenkliche, ihm dieſe Grillen aus dem Kopfe zu 
bringen, und brachten ihn endlich nah Oberdrauburg zum Poſtmei⸗ 
fir. NR. war nun burd 4 Jahre Poftillon. Indeſſen bemerkte ſowohl ber 
Poſtmeiſter, ald auch der Pfarrer Kaver Pirker dafelbft, mit Vers 
gnügen feine mit Kohle im Stall und hinter dem Hausthor aufgezeich- 
neten Figuren, und waren ihm behülflich, als fih N. entfchloß,, fein wer 
nige® Erbtheil und das faure Erfparniß feines vierjährigen Dienftes auf 
der Poft, dem Bildhauer Köfler in Oberdrauburg als Lehrgeld zu 


geben. Indeſſen trat die Kriegsepoche von 1809 dazwifhen. Der Ort 


hatte, zwifhen 2 wichtigen Endpuncten des Tyrolerkrieges, Sad fen: 
burg und Lienz gelegen, Vieles zu tragen, und nad dem Frieden 
follte N., der den neuen illyriſchen Behörden als guter DOfterreicher und 
Sreund der Tyroler bezeichnet war, ungeachtet feiner Kunftwidmung durch 
Gensd'armes ald Conſcribirter abgeführt werden. Dieſes Mahl jedoch kam 


der Hirt dem Künftler zu Hülfe und brachte ihn über bie wohlbefannten, . 


wenn gleich jetzt ſchneebedeckten Berge in Sicherheit. Im Jaͤnner 1812 
tom N. nah Wien und fand dort die hülfreichfte und gaftfreundlichfte 
Aufnahme. Von ben verftorbenen Directoren Zauner und Fiſcher an 
ter Akademie der bildenden Künfte aufgenommen, befuchte N. diefe An» 
ftalt mit anbaltendem Fleiße und fand auch an dem Director Klieber 
einen väterlichen Freund, dem er die ganze Ausbildung feines Eeimenden 
Zalentes fchuldig ift. 1819 und 1820 erbielt N. ſowohl den großen Eais 
ferlichen, als auch den Reichl'ſchen Preis. 1823 reifte N. als Eaiferl. 
Penfionär nad Italien, wo er fein ſchönes Talent vollftändig ausbilbete. 
Unter feinen mehreren genialen Leiftungen find beſonders auszuzeichnen: 
Othryades, aus dem wüthenten Vertheidigungtkampfe der Argiver und 
©partaner allein übrig geblieben , fchreibt fterbend bie Siegesbothſchaft 
anffein Schild; — Cephalus und Procris; — Minerva, die Kunſt in ihrem 
Uranfange bey den alten Agyptiern, dem Genius Hellas zur weiteren 


Ausbildung uͤbergebend; — ein Grabmonument für die gräfl. Familie Fe⸗ 


dregotti in Neapel, welches mit einer Büfte gefhmüdt iſt; — Her⸗ 
cules, da er den Gerberusbefiegt hat; — Bent, Amor und Pſyche; — als 
Amor um die Sreylaffung der Pſyche fleht ; — Venus, die von Paris den 
Arfel als Preis erhält ; — Ganymed, den Adler mit dem Nectar träntend; 
— der Sieg des Chriſtenthumes über die Hölle, oder Chriſtoph wider⸗ 
fiebs dem Verſucher. Lebtere 5 Arbeiten verfertigte der Künftler während 
feine Aufenthaltes in Rom und fie wurden nad feiner Zurückunft 
1833 im St. Annagebäude öffentlich aufgeftellt. Außerdem verfertigte 
N. and) viele Köpfe in Marmor und wurde aud von dem Director Klies 
ber bey mehreren großen Arbeiten verwendet, fo 3. ®. bey den Grups 
pen am polytechnifchen Inſtitute zc. 

Nyaͤry, ungar. Adelsgefhleht, deſſen Stammvater Stephan 
N. um 1450 aus Polen in Ungarn einwanderte, fich bafelbft bleibend 
niederließ, und dem König Stephan im Kriege fo wichtige Dienite 
leiftete, daß er den Beynahmen vir fortissimus und ein Rittergut in 
tee Stimegber Geſpanſchaft zum Geſchenke erhielt. Sein Nachfolger, 


. 


Johann R., zeichnete ih in Dem Kriege Karfer Albregralk. gran 


E 


F 


6 nyinBathor. — Yiyulae. 


den Polenkönig Wladis law, fo wie unter Hunyad gegen bie Türken 
aus. Gallus N, führte das Banner des ritterl, Königs Mathias 
Corvinus, und erhielt von demfelben den Örafentitel von Sümegh 
und 2 Löwen in ben Heerſchild. Franz N. war König Ludwig's II. 
treuer Begleiter in ber verhängnißvollen Schlacht bey Mohacs, 
trat nad beifen Tode auf bie Seite König Serdihand’s, und half 1529 
Wien gegen die Türken vertheidigen. Im ber Folge zeichnete er ſich noch 
mehrmahls ſowohl gegen die. Türken als gegen die Truppen des Schmals 
Ealdifhen Bundes in Sachſen aus. Nach der Schlacht bey Mühlberg 
farb er am Schlagfluffe. Er hatte mehrere Güter in Ungarn erworben 
und erheprathet, die, da er Einderlos war, auf feinen Neffen Caurenz 
N. übergingen. Dieſer kaͤmpfte ebenfalls rüftig für erdinand's Nechte, 
und wurde von diefem zum Örafen v. Konth ernannt, In dem darauf 
folgenden Türkenkviege gerieth er nad) mehreren Grofithaten vor Sol 
noE in Gefangenfhaft, wurde jedoch durch einen Landmann bald wieder 
befreyt, und ftarb bald darauf. Sein Bruder, Paul N., widmete ſich 
von ‚frühefter Zugend der Bekämpfung des damahligen Erbfeindes der 
Ehriftenheit, und wurde allgemein die Türkengeifiel genannt. Zum Lohne 
für feine vielen erfprießlihen Dienfte wurde er 1601 zum Obergefpan von 
Bibar, bald darauf zum Kronmundſchenk und Obercapitän der Theißer 
Gegenden ernannt. Er ſtarb 1605. Seine Söhne, Stephan, Paul 
und Niclas zeichneten ſich ebenfalls mehrmahls gegen die Türken aus, 
Des Letzteren Enkel, Franz N., gerieth durch feine Verepelihung mit 
Sophie Tökely in ben Verdacht geheimer Verbindung mit dem ihr 
nahe verwandten Emerih TöEely (f.d.), wurde deßhalb geächtet, 
feine Güter wurden eingezogen, bis es ihm endlich gelang, ſich zu recht ⸗ 
fertigen, und einen großen Theil feines Vermögens wieder zurüc zu 
erlangen. Mit ihm erloſch jedod der Hauptzweig diefes Geſchlechtes, 
and bie noch vorhandenen Grafen v. N. ftammen von Ludwig N., dem 
Bruder von Fabzen] N., deſſen Urenkel Siegmund bie gräflihe 
Wuͤrde auch auf feine Linie brachte. Bis auf die meuefte Zeit fochten bie 
Ms bey allen Gelegenheiten mit, wo es galt, Thron, Altar und Vaters 
land zu vertheidigen. 

Yiyir »Bathor, ungar. Marktfleden im Spabolcfer Comitat, der 
Stammort ber berühmten Familie Bathory, von welder mehrere Glie— 
der. in der ruft der hier befindlichen Franciscanerkirche begraben liegen. 
Der Ort hat 3,150 Einwohner, welde ſich mit Feldbau und bürgerl, 
Gewerben befhäftigen. 

Yiyir- Bogybäza, ungar. Marktfleden im Szaboleſer Comitat, 
und der größte Ort desfelben, Er hat 1,100. Käufer, 15,640 meift reform. 
Einwohner, eine Fathol. Pfarre, eine reform. und eine griechiſch- nicht 
unirte Kirche. Hier befindet fich auch eine Salpeterfiederey. 

Yıymwegen, Sriede zu, f. unter Sriedensfhlüffe. ' 

Yıyulas, ungar. Dorf im Wiefelburger Comitat, am Neuſied⸗ 
Terfee, mit 860 Einwohnern und einer Fathol. Kirche, Der hiefige Wein- 
bau ift nicht unbeträchtlich. i 2 


Obbrovazzo. — Obergefpan. 65 


O. 


Obbrovazzo, dalmat. Marktflecken im Kreiſe Zara, aus Ober⸗ 
und Unter⸗;Obbrovazzo beſtehend, iſt ein kleiner Ort an der Zer⸗ 
magna, deſſen Bewohner einen nicht unbedeutenden Zwiſchenhandel mit 
Zara, Bosnien und Militärcroatien treiben: Es kommen auf der Zer⸗ 
magna viele Schiffe mit Wein und Getreide von Arbe, Pago und 
Brazza bieber, und nehmen dafür Brennholz, Wolle u, dgl. zurüd. 

©’: Becſe (Räcz: Becfe), ungar. Marktfleden im Bacfer&omitat, - 
liegt an der Theiß und bat eine Eatholifche und eine griechiſche Pfarre: 

Obedach (Obdach), ſteyermärk. Marktfleden im Judenburger 
Kreife, zwifhen hohen ©ebirgen in der Salzerau, nabe an der Gränze 
Kaͤrnthens und an der in das Lavantthal führenden Straße, mit 134 
Häufern und 649 Einw., 3 Eifenhämmern, vielen Eifenarbeitern und einer 
Eifenfabrit. Die Umgegend bar einen fruchtbaren Boten, wo aber nur 
vorzüglich fhöner Hafer geräch, weil die mittlere TZemperarur dem Wachs⸗ 
thume anderer Setreidearten nicht günftig ift. 

©Oberalbenfer Gefpanfdaft, f. Obere Weißenburger 
Gefpanfdhaft. - 

Ober -Baafen, f. Baaßen. 

Ober: Bocza, f. Bocza. | 

Obere Weißenburger Gefpanfchaft (Öberalbenfer Gefp.), 
im Lande der Ungarn in Siebenbürgen, enthält 23: Q. M. Auf diefen 
wohnen 36,000 Menſchen, gröftentheild Walachen, unter welchen fid 
aber auch viele ungarifche und ſächſiſche Anfiedler befinden. Die Geſpan⸗ 
(haft wird in 5 Proceife eingerheilt, ift gebirgig und vom Fluſſe Alt ber 
waͤſſert. Producte find: Korn, Wein, Holz, Rinder, Pferde, Schafe, 
Schweine ıc. 

©bergefpan. Jeder ungar. Grafſchaft ftand von jeher ein Comes 
oder Geſpan als erfter Beamter vor; der König ernannte ihn, fo wie 
auch noch heutigen Tages, auch wäre das Amt diefer fümmtlichen Gra⸗ 
fen, und mit dem Amte der Befig wahrſcheinlich erblich geworden und 
im ungar: Staatsrechte müßte von der Territorialhoheit ungar. Gras 
fen heute eben fo, wie in dem Staacsrechte des ehemiahligen deutfchen 
Reiches von der Zerritorialhoheit deutfcher Fürſten, ein Capitel vorkom⸗ 
. men; wäre nicht, als eben fchon Erblichkeit fich einzuſchleichen anfing , 
das bekannte Staats» Örundgefe& von 1222, oder die goldene Bulle 
König Andreas Il, welde Art. 16. die Verleihung des erblichen Bes ' 
figes ganzer Comitate unterfagte , dazwifchen gekommen, hätte König 
Ludwig 1. dem Beinen Adel nicht fo viel Much gemadht, hätte das 
Verhaͤngniß, gleichwie über Deutfhland, ein längeres Interregnum 
nicht auch Über Ungarn gebracht. — Der D. ift der erſte Beamte in jedem 
Comitate, fein vorzüglichites Gefchäft ift, die Aufſicht und Leitung ber 
übrigen (lauter weltlichen) Magiftratsperfonen, welche nicht nur die bürger: 
liche und peinlihe Gerichtöbarkeit verwalten, und Steuern und Abgaben 
eincafliren, fondern auch die Öffentliche Polizey im weiten Umfange, 

Oeſterr. Rat. Eneyti. Bi. 1V. 5 


66 Oberhauſer, Benedict. — Oberbaufer, Jof. Ant. 


nad Vorſchrift ber Reichsgeſetze im Comitate handhaben, deſſen viel« 
zweigige Abminiftration eine, vor allen andern lehrreihe Schule für 
junge angehende Staatsbeamte ift. Auf den O. folgen 2 Vicege— 
fpane (der Vicecomes ordinarius und der substitutus) , deren Wir 
kungskreis fehr groß und vielumfaffend, und deren Amt glei ſchwer und 
wichtig ift; zumabl ba die Obergefpane, oft anderer ©taatsämter wer 
gen, im Comitate nicht immer gegenwärtig find. Die Obergefpane und 
die Vicegefpane müffen adeligen Geſchlechtes feyn. Erbliche Oberge ſpan 
ſchaften find: Liptau und Trencfin für die gräfl, Familie Itlés hazv, 
Preiburg für die Grafen Pälffy v. Erdöd, Comorn für die Grafen 
v.Nädasd, Eifendurg für die Grafen v. Batthpäny, Obdenburg 
für.die Fürften von Efjterbägy, Zins für die Grafen v. Efäky, 
Beregh für die Grafen v. Schönborn, Warasdin für die Grafen Ers 
dödy v. Monpgoröferef; O. der vereinigten Pefther, Pilifer und 
Solther Geſoanſchaft ift der jeweilige Neichspalatin, fo wie der vers 
einigten Heveſſer und äußeren Szolnsker Gefpanfhaft der jeweilige Erz⸗ 
bifhof von Er lau. Wird ein DO. dur Abwefenbeit, Krankheit, Min- 
derjährigfeit 2c. verhindert, feinen Amtsverrichtungen vorzuftehen, fo 
vertritt der Vicegefpan deffen Stelle, fo auch bey Gelegenheit einer Delegas 
tion des Ors. Die Rechte des D.’s find indeffen nicht allenthalben gleich, 
ſo z. B. in Oberungarn, welches von den Türken niemahls erobert wur- 
de, umfaffender, als in Nieberungarn, wo diefr Würde nad) Vertreibung 
derfelben neu hergeftelltwurde. Die Leitung der Confeription und, wenn 
es mötbig iſt, des Aufgebothes, unterliegt ebenfalls dem O. 

Oberbaufer, Benedict, geifttiher Narh in Sal zburg, ger 
boren den 25. Jän. 1719 zu Waißen kirchen in Niederöfterreic, ftus 
dirte zu Salzburg, Ingolftadtund Wien, trat 1740 in den Bes 
nebictiner-Otden und ward nad und nad Profeſſor der Philoſophie zu 
Salzburg, der Theologie und der Kirdengefhichte zu Strafe 
burg in Kärnthen und des canonifhen Rechtes zu Fulda, mufite aber 
diefe Stelle niederlegen und ging nad Salzburg, wo er geiſtlicher 
Math wurde und den 20. April 1786 ftarb, Man bat von ihm: Prae- 
dectiones canonicae juxta titulos librorum decretalium, 3 ®te., - 
Antwerven 1762. — Apologia historico- critica divisarum potesta- 
tum, Sranffurt 1771..— Manuale selectiorum conciliorum et ca- 
nonum aliarumque rerum memorabilium , Salzburg 1775: — 
Compendium praelectionum canonicarum, 2 Tht., Frankfurt 1779. 
= e 'e dignitate cleri tam secularis.quam regularis ; Salzburg 
1786. 

Oberbaufer, Iof. Ant., Dr. der Rechte, E£. £. Hofrath und 
Cameralgefällen « Abminiftrator im Königreihe Böhmen, wurde 1782 
in Troppau geboren. Er legte bafelbft und in Olmintz tie Gymna- 
fial- und. philofophifchen Studien zurüd und vollendete den juridiſchen 
Eurfus an der Univerfität in Wien. Nachdem er ſich mit verſchiedenen 
literarifchen Arbeiten, bie theils ohne, theils unter fremden Nohmen ers 
ſchienen, befchäftigt hatte, erhielt er 1807 einen Ruf als Profeffor der 
italienifhen Sprache und Literatur am die damahls öfter. Univerſität zu 
Srofon, weiche Anftellung er 1809 aufgab, und dem Rufe feines 





Oberhofen. — Öberleitner. 67 


Vaterlandes zur Ergreifung der Waffen als Officier folgte. 1812 ver- 
taufchte er den militärifhen Stand gegen eine Civilanftellung als Era- 
minator berdamahligen galiziſchen Zollgefällen-Adminiftration, und wurde 
1814 nad) Stalien gefendet, wo er, fo wie fpäter in Krain, ald Referent 
bey einer Gentrafftelle diente. 1816 erhielt er die Etelle eines Hofconci- 
piften der E. E. allgemeinen Hoflammer, und nachdem er zum Atminiftras 
tions = Affeffor vorgerückt war, wurde er 1818 zum SHoffecretär der ger 
nannten Hofſtelle befördert. Während diefer Dienftleiftung ſchrieb er die 
„Darftellung der öfterr. Zollverfaffung,“ die in kurzer Zeit 3 Ausgaben 
und fpäter nodyeine 4. von Franz v. Gotthard (f.d.) umgearbeitete 
Auflage, Wien 1832, erlebte. 1822 zum Gubernialrath und Gefäl« 
len Adminiftrator in Tyrol ernannt, fand DO. zu Innsbruck Gelegen: 
beit auf die Verwirklichung mandyer neuen Einrichtungen im finanziellen 
Fache thätig einzumirken. 1829 warb er in gleicher Eigenſchaft nach 
Prag überfekt und 1830 bey Errichtung der neuen vereinten Cameral⸗ 
Sefällen « Verwaltungen ald Cameralgefällen » Adminiftrator zum Hofrath 
ernannt. 

Oberhofen, oberöfterr, Dorf im Hausruckkreiſe, nahe am Zels 
ierfee, in einem angenehmen Thale. 1825 wurden bier, unter einem 
Adler Ruinen eines sehr alten Gebäudes entdedt. 

©ber: Sollabrunn , niederöfterr. Marktfleden im V. U. M. B., 
on der von Wien nach Znaym führenden Kauptpoftfiraße, wo eine 
eigene Sparcaſſe beftebt, mit 1,690 Einwohnern. 

©berinntbal und Obervintſchgau, Kreisin Tyrol, auch Im⸗ 
ſter Kreis genannt, mit vielen, meiftens fhmalen und tief eingefchnittes 
nen Nebenthälern zwifchen. Bayern , Worarlberg , der Schweiz und: 
dem Unterinntbaler Kreis, bat ein Territorium von 107 Q. M., und 
97,000 Bewohner in 5 Städten, 3 Marktflecken und 141 Dörfern. 

ebirge: Die rhätifchen Alpen, die Drtelesfpige, die Gebatſch⸗ und 

sthalerferner. Das Elima if rauh. Flüſſe: Der Inn, die Etſch 
und Bud. Der Kreis liefert Flachs, Hanf, Leinwand, Mineralien, 
Holz und viel Wild. 

Ober⸗Laibach, illyr. Marktflecken im Adeldberger Kreife bes 
Herzogthums Krain, am ſchiffbaren Flüßchen Laibah. Die Einwohs 
ner, deren Anzahl 1,350 beträgt, treiben Qeinweberey, Handel mit 
prennpol; und Bretern und beträchtliche Schifffahrt auf der Laibach in 
die Save. 

Ober: Langendorf, mähr. Dorf im Olmützer Kreife, mit 600 
Einw. und einer vorzüglichen Papiermühle,, die ſehr fhöne Papiere erzeugt. 

Öber- Leitensdorf, böhm. Städtchen von 2,300 Einwohnern 
im Leitmeriger Kreife, befist ein 1775 errichtetes Waifenhaus, und 
eine ausgezeichnete gräfl. Waldftein’fche TZuchmanufactur und Schaf: 
wollfpinnerey. Auch werden hier viele Holzfpielmaaren verfeitigt. 

Öberleitner, Sranz Xav., wurde den 12. Jän. 1789 zu An⸗ 
gern in Niederöfterreich geboren. 10 Jahre alt, ward er als £. k. Saͤn⸗ 
gerlnabe in Wien angenommen und erhielt dadurch die glinftige Gele: 
genheit, fi auf dem Oymnafium zu St. Anna in den humanikiiiiten 
Wifienfhaften auszubilden. Er weihte jih 1805—7 mit Tier lem uw: 

ð 


J 


68 ObereMegenfeif. — Oberöfterreid. 


dium der Philofopbie: 1807.trat er in das Benebictinerftift der Schot- 
ten in Wien. 1808 — 12beſuchte er die Vorleſungen über Theologie an der 
Hochſchule daſelbſt. Seine Foriſchritte in allen Zweigen — — 
waren fo glaͤnzend, daß fie ſelbſt die hochgefpannten Erwartungen feiner 
Drbensobern weit übertrafen. 1810 legte D. die feyerlihen Hrdensge- 
tübbe ab. Er hatte während feines theologiſchen Cutſes die außerordent⸗ 
lichen Vorlefungen des maronitifhen Priefters Aryda über die orienta: 
liſchen Dialecte, ans angeborner Neigung für Sptachkunde, befucht ‚und 
ſich in biefem wichtigen Zweige der neuern Theologie eben fo gründliche 
als umfaffende Kenntniffe erworben. Denn der für fein Fach mit dem 
feurigiten Enthuſiasmus eingenommene Orientale ſuchte die Wißbegierde 
feines Ors (wie er ihn nannte) auch außer den Collegien auf alle mögli- 
be Weife, bald durd mündliche Aufklärungen vorgebradhter Zweifel, 
bald dur Mittheilung orientalifher Werke, zu befriedigen. 1812 ward 
D. zum Priefter geweiht. 1813 wurde ihm bie Lehrkanzel der erſten Hu⸗ 
maniräteclaffe an dem Stiftsgymnaſium übertragen. D, hatte ji den 
firengen Prüfungen aus fümmtligen theologifhen Wiſſenſchaften mit 
glängentem Erroige, ohne einen längern Zeitraum als 10 Monathe das 
Ju derivendet zu haben, unterzogen, als ihm 1816 die, durch die Rück- 
ehr des Profejlors Arydainfein®Baterland, Syrien, erledigte außerordent⸗ 
liche Lehrkanzel der orientalifhen Dialecte an der Wiener Hochſchule anver: 
traut wurde, So hatte fg der Lehrer ſeinen Nachfolgerim Amte felbitg 

det. Bald darauf hielt DO. feine oͤffentliche Disputarion für bie thedlogi- 
ſche Doctorwürde und wurde fodann zum Mitgliede der theologiſchen Bar 
eultät aufgenommen. Raftlos in dem ihn angewiefenen Wirkungskteife 
beftätigte er feinen vortbeilhaften Ruf bald durd die Herausgabe mehre⸗ 
rer Werke, welde ihren Verfaſſer als einen fleipigen Forſcher im Gebierhe 
der orientalifpen Literatur und als einen Haren Lehrer derſelben beur⸗ 
Eunden. O. wurde als eine Zierde der Wiener Hochſchule betrachtet. Er 
farb den 10. July 1832, Seine ſämmtlich in Wien gedruckten Werte 
find: -Joannis Jahn grammatica aramaica cura Andr. Oberleitner, 
1820. — Grammatica arabica, 1822. — Chrestomathia arabi- 
ca, 1823. — Glossarium ad chrestom, arab., 1824, — Chre- 
stomathia syriaca; 1820. — Gloss. ad chresiom. syriacam, 1827, 

Ober ⸗Metzenſeif und Unter « Niegenfeif , zwey ungat. 
Bergflecken im Abaujvärer Comitat, meiftens von Deutſchen bewohnt, 
erjterer mit 1,940, letzterer mit 3,430 Einwohnern, und beyde durch 
einen Berg von einander getrennt, Es find hier Eifengruben nnd in der 
Umgegend bey 20 Eifenhämmer , die verſchiedene eiferne Werkzeuge 
liefern; überdieß find die Einwohner, die einen eigenthlimlichen deut 
ſchen Dialect reden, als geſchickie Schanzgraber bekannt, und werden 
als ſolche häufig aud in der Berne gebraucht. Jeder. dieſer Flecken hat 
eine kathoi. Hauptſchule. 

Ober-Neuern, böhm. Marktflecken im Klattauer Kreiſe, am 
Angelbache gelegen, iſt der Hauptſitz des boͤhmiſchen Federnhandels und 
bat ein Spital, 

Oberöfterreich, f. Oefterreich ob der Enns: 





Oberois in Lunz. — Oberf. 69 


Öberois in Kunz, niebderöiterr. Eleine, zur Herrſchaft Gleiß ge— 
börige, Ortſchaft im V. O. W. W., kemerkenswerth wegen eines dort 
beftebenden Großzerrennhammerwerkes, das jährlich mit 9 Arbeitern aus 
* Ctr. Stlöffen 2,700 Ctr. Eiſen erzeugt, und wegen einer Zeug⸗ 
ſchmiede. 
Ober-Perfuß, tyrol. Dorf im Imſter⸗Kreiſe, der Geburtsort 
des um die Geographie Tyrols höchſt verdienten Peter Anich (j. d.) 

OÖberpoftämter, |. Poftwefen. 

Ober: Reichenftein, f. Bergreidhenftein. | 

Ober: Ruttfa und Unter: Auttfa, zwey ungar. Dörfer im 
Thuroczer Comitat, am linken fer der Waag, find durch ihre kühnen 
und gewandten Flöſſer berühmt. In ihrer Nähe befindet fi) an der Gränze 
des Trencfiner Comitats, an der Waag der enge Felſenpaß Margitta, 
wo fteile Felſen den Fluß fo fehr einengen, daß das Waffer voll losge⸗ 
riſſener Felsſtücke liegt, und die Durchfahrt gefährlich ift. 

Oberſt, der Befehlshaber ded ganzen Regiments, muß glle unter 
feinem Befehle fiebenden Individuen, und felbft unter den Gemeinen die 
fähigften und vertrauteften Leute kennen, ‚um fie bey vorfommenden Ge: 
legenheiten nach Maß ihrer Fähigkeiten zu verwenden. Der Regiments⸗ 
Adjutant und die Bataillond » Adjutanten werden vondem O. aus den Unter- 
lieutenants und Fähnrichen des Regiments, mit Rückſicht auf die zu dies 
fen Chargen erforderlihen Eigenfchaften, gewählt; es bleibt jedody dem 
O. überlajfen, ſowohl den einen als andern, welcher in Folge diefer Aus⸗ 
wahl nicht entfprechen follte, wieder bey einer Compagnie einzutheilen, 
und an deſſen Stelle einen andern DOfficier zu beflimmen. Der DO. bat 
alle Früh.» Rapporte, Rottenzettel, Stand und Dienfts Tabellen, dann 
andere Regiments: Eingaben und Urkunden zu unterfertigen, und ‘zur 
beſtimmten Zeit der betreffenden Behörde zu unterlegen. Jene Compagnie: 
Eingaben, von deren Richtigkeit er ſich nicht fogleih zu Überzeugen vers 
mag, foll er aufbehalten, um fich bey einem vorgefallenen Fehler an den 
Urdeber halten zu können; fo viel es aber nur möglich ift, follen befonders 
die wichtigern Particufärien ſogleich durchgeſehen, und ftets die. nöthigen 
Vorkehrungen getroffen werden, damit die Compagnie: Commandanten 
ihre Eingaben zur rechten Zeit einſchicken, und die Totulien des Regiments 
nicht aufgehalten werden. Der O. hat die Conduiten-Liſten zu vers 
faffen. — In bürgerl. Rechtsſachen und in Gefchäften des adeligen Nid- 
teramtes ift dem Dufchon Eraft ded Geſetzes über alle zum Stande des 
Regiments gehörigen Individuen die Gerichtöbarkeit eingeräumt, baber 
es einer ausdrücklichen Übertragung.derfelben nicht bedarf, und ſolche auch 
bey Ermanglung eines Inhabers nicht unterbroden, ja felbit in Ermang- 
lung oder Abwefenheit ded D. von dem Interimg » Regiments : Commans 
danten ausgeübt wird. Jeder O. dient nach dem Runge feines Decretes; 
wenn ſich der Inhaber bey dem Megimente befindet, fo hat ihm der O. 
ſämmtliche Ropporte zu erftatten. Alle Anordnungen hängen dann vom 
Inhaber ab; fobald er aber vom Regimente abwefend ift, verfügt der O. 
Alles, was in der Eigenfhaft bed Regiments: Coımmandanten in feiner 
Befugniß ſteht, und ftattet hierüber dem Inhaber den Rapyart ur jeten 
Monarch .ab. 


J a 
70 ©Oberftburggraf in Böhmen. — Oberftlieutenant. 


J Oberſtburggraf in Böhmen, eine Würde, deren Urſorung 
in die ältefte Zeit verliert. Sie behauptete ftets den erften Rang unter 
ven übrigen Landesofficieren des Königreiches. Um ihr ein noch — 
Anſehen zu geben,. verſchrieb König Johann von Luxemburg biefe 
Mürde landtaͤflich die Tafelgliter, welche ſie noch jegt genießt. Der D. ie 
der Chef des Landesguberniums in‘P r dg, welches die politifche Verw. ltung 
des Königreiches leitet, und das Haupt der böhm. Stände, daher Di- 
tector des permanenten und verftärkten Iandftänd. Ausſchuſſes. Wergl. 
Böhmifhe Oberfi-fandess- und Erbämter. 7 
Oberſthofmarſchallgericht. Das Präfidium diefer Gerichtsſtelle 
führt der Oberſthofmarſchall, weldem ein, wirklicher Hoftath als Kanzley- 
Director beygegeben iſt. Zu den Beraihungen und zur Bearbeitung der 
vor diefes Forum gehörigen Rechtsangelegenheiten werben, wenn das Ge⸗ 
ſchaͤft eine adelige Partey betrifft, 4 Mathe von dem niederöftere. Land⸗ 
rechte; wenn es ſich dagegen um die Angelegenheit einer unadeligen Parten | 
bandelt, 4 Raͤthe vom Wiener Magiftrate beygezogen; das Gefdäft des 
Actward wird von einem &ecretär des niederöfterr, Landrechtes beforgt. 
‚Zur Gerichtsbarkeit des Oberſthofmarſchalls gehören: 1. Die bey den Both 
fhaften und Geſandtſchaften auswärtiger Mächte vorfallenden Rechts, 
angelegenheiten. Confuln fremder Mächte aber, fie mögen öͤſterreichiſche 
ober auswärtige Unterthanen.fepn, unterftehen ber Gerichtsbarkeit ihres 
Aufenthaltes; nur wo diefelden nad) der bisherigen uͤbung der Gerichte: 
barkeit der Mercantil- und Wechfelgerichte, auch Eonfulatsbehörben unter« 
ſtehen, hat es noch ferner bey diefer Übung fein Verbleiben. 2. Alle bloh 
verfönlichen Civilangelegenheiten, in und aufer Gtreitfahen und in 
Sterbefällen, welche die Glieder des Kaiferhaufes, die nicht ſelbſt Landes: 
berren find, betreffen, ohne Unterſchied des Güterbeſitzes over einer befon- 
deren Ötandeseigenfchaft, in fo fern der Kaifer ih — Fällen nicht 
etwas Anderes anzuordnen für gut findet. In Angelegenbeiten, welche 
unbewegliche Güter zum Gegenftande haben, follen die Glieder des Kai: 
ferhaufes vor der zuftändigen Eivilbehörde des Landes Recht zu nehmen 
und zu fuchen haben, und die eigenen Standesverhältniſſe badurd nicht 
beirrt werben koͤnnen. Die ſammtliche Dienerſchaft iſt, nach der perföntichen 
Standeseigenfchaft, der zuftändigen Civilbehörde zugewiefen ; nur im 
Felde und vor dem Feinde foll die Dienerfhaft jener Glieder der Eai- 
ferl. Familie, die bey der Armee angeftelt find, der Militärjurispiction 
nad) den bisherigen Geſetzen unterworfen feyn. Wenn einer der Hofde- 
amten oder Hofdiener in der Burg oder in den Eaiferl. Sommers oder 
Luftfglöffern flirit, fo hat das Oberfthofmarfchallamt, jedod ohne förm⸗ 
liche, einen gerichtlichen Act bezeichnende, Sperranlegung, Sorge zu tra 
gen, daf von dem Mobiliarvermögen bes Verftorbenen, fo viel diefer in 
feiner Wohnung, in der Burg oder in den Lufifclöffern zurückläßt, nichts 
wegfomme, und daß diefes Wermögen ohne Zeitverfuft in einem Mer: 
zeichniſſe der ordentlichen Abhandlungsinftan, zur Amtshandlung ausge 
folgt werde. Vergl. Hofämter und Hofitäbe. 
r Oberftlieutenant, commandirt in Abwefenheit des Oberften das 
Regiment, und muß ſich ſchon vorläufig mit dem Gefchäftsgange des Me: 
ginents, mit ben ergebenden Verordnungen, und überhaupt mit allen 


J 


Ober-TCTurcſek. — Obligationend. allg. u.ungar. Soft. 71 


demjenigen bekannt machen, was zu feiner augenblicklichen Kenntniß, im 
Kalle er das Regiments » Commando übernehmen müßte, erforderlich ift. 
Er hält vom Major abwärts Jeden zu feiner Pflibt an, und benimmt 
fih mis dem einem Vorgeſetzten angemeffenen Anſtande. So oft etwas 
Erhebliches vorfüllt, meldet er es dem Oberſten, und begibt fi an den 
beitimmten förwlichen NRapports Zogen mis allen Stab$s und Ober⸗ 
Dfficieren, zu ihm. 

Ober : Turcfek und Unter⸗Turcſek, zwey ungar. Dörfer in 
ter Südfpiße des Thuröczer Comitats, von. Deutfchen bewohnt, welcde einen 
befonderen Dialect fprechen, und viel Holz theild nah Kremnitz verfüh: 
ren, theils zu Zellern, Löffeln und andern Geräshen verarbeiten. 

Ober: Dellad), illyr. Marktfleden im Villacher Kreife des Her- 
zogthums Kaͤrnthen, am linken Ufer der Möll und im Hintergrunde eines 
an Heidekorn und türkiſchem Weizen fruchtbaren Thale, mit einem 
Schloſſe und nahegelegenen Hammerwerken. 

Ober: Waltersdorf, niederöfterr. Dorf und Schloß im V. U. 
W. W., an beyden Ufern der Triefting, ift durch eine Allee mit der Haupt: 
firaße nach Steyermark verbunden, und bat 795 Einwohner. Der Ort bilder 
mit Zugebör eine fürftl. Trautmannsdorff-Weinsberg’fheNerr: 
fhaft. Das fürftl. Schloß ift von einem großen, mit Geſchmack angeleg: 
sen Naturparke umgeben, der dem Beſuche des Publicums offen ftehr, 
und wegen feiner [hönen Baumgruppen, feiner Blumenparthien und einer 
reizenden Ausſicht fehenswerth ift, und von den Lurgaften Badens 
fleißig befucht wird. Nahe beym Schloſſe ift die fürſil. Meierey. Nebſt 
einer Papierfabrik befteht bier noch feit 1820 eine Baummeollfpinnmanus 
factur. 
Ober⸗Woͤlz, kleine ſteyermaͤrkiſche Stadt im Judenburger Kreiſe, 
mis 124 Häufern und 550 Einw., am Wölsbache gelegen. Unweit der 
Stade ift ein Eifens und Stahlhammerwerk. 

Ober: Zeyring, fteyermärt. Marktflecken im Judenburger Kreife, 
bat ein Eifenbergmwerk nebft einem Schmelz: und Hammerwerfe, bey 
welchem jährlıh 4 bis 5,000 Etr. Roheifen verfchiedener Art gewonnen, 
und daraus 1,800 bis 2,000 Er. Eifen: und Stahlgattungen, vorzüg: 
lich Senſenſchmied⸗, Müller:, Feilhauer⸗ und Brescianitablerzeugt werden. 

Obladis, tyrol. Dorf im Imiter Kreife, ein Badeort mit einer 
Schwefelquelle. 

Obligationen der aͤlteren lombardiſchen Schulden zu 2°, 
2 und 18 Percent. Dieſe O. find in italieniſcher Sprache abgefaßt, und 
bie Intereſſen davon find in Wien bey der Univerfal» Staats: Schulden: 
Caſſe jährlich mit ungeftempelten Quittungen zu erheben. Der Geſammi⸗ 
Betrag ift nur mehr 10 Serien. ©. Berlofung, i 

Obligationen der allgemeinen und ungar. Soffammer. 
Diefe find fünferley; näbmli zu 3, 24, 27, 2 und 13 Percent. Die 
Intereffen von den Obligationen der allgem. Hoflammer "werden in. 
Wien balbiährig bey der Univerſal⸗Staats-Schuldencaſſe und in den 
Provinzen bey den Provinzial: Credits s Eaffen zu Prag, Brunn, 
Lemberg, Ofen, Hermannftadt, Grätz, Laibach, Görz, 
Zara, Innsbrud, Salzburg, Linz, Mailand und Venetig 


—ı 


72 Obligat. d. in Florenz 2c. aufg. Anl. — Obligat., W. St. B 


gegen geftempelte Quittungen ausgezahft. — Die Intereffen det ungar. 
Hofkammer » Obligationen find aber in Ofen zuerbeben. Der Geſammt⸗ 
Betrag diefer Effecten ift in 129 Serien zur Verlofung eingetheilt 
worden. x . N 
Obligationen der in Slorenz, Genua, Deutfchland/und 
der Schweiz aufgenommenen Anlehen, ju 2, 2und 14 Percent. 
Die durch bie älteren Anlehen in Florenz beym Haufe Fenzt, und in 
Genua beym Haufe Durazzo entitandenen O. find italienifch, jene 
von den Anlehen bey verſchiedenen Wechfelhäufern in Deusfchlond und 
ber Schweiz, aber deutſch ausgefertigt. Die Intereffen von ben einen 
und andern werben in Wien bey der Univerfal» Staats» Schuldencaffe 
balbjährig gegen ungeftempelte Quittungen bezahlt. Der Oefammtbetrag 
iſt in 17 Verlofungs+ Serien eingetbeilt. 
Obligationen der in Sranffurt und Holland aufgenom- 
menen Anleben, zu 5, 44 und 4 Percent. Diefe beruben auf ältern, 
ußrankfurt am Main beym Haufe Betbmann, und in Holland 
ion Haufe Ofy und Goll gemachten Anlehen. Die urfprünglicen 
Zinfen von biefen auch zur Verlofung beſtimmten Effecten wurden vom 
1. Jufy 1818 bis 1. Oct. 1829 mit 5percentigen Schuldverſchreibungen 
mittelſt der Univerfal» Staats⸗ und Banco - Schuldencaffe berichtiget, 
und Heine Zinsbeträge nach dem laufenden Eurfe derfelben baar bezahlt. 
Seitdem werden die urfpränglichen Sinfen vom I. Oct. 1820 an baar- 
in Eonventiong- Münze bezahlt, und eben fo die bis 1. Oct. 1829 nicht 
“erhobenen Zinfen berichtigt, 
a Obligationen der niederöfterr. Regierung vom Jahre 1809, 
u 3 Percent, Die Intereffen davon werden bey der Univerfalz Staatde 
Genutbencafe mit geftempelten Quittungen erhoben. Von diefen Papieren 
find nur einige zur Verlofung gebörige Serien vorhanden. 
Obligationen der Stände von Oeſterreich unter und ob 
der Enns, von Böhmen, Mähren, Schleſien, Steyermarf, 
“Rärnthen, Rrain und Görz, dann des Wiener OberFammer« 
amtes, ſ. Aerarial« Obligationen und Domeftical: Öbliga: 
tionen. x 
Obligationen von Galizien, ju2%, 2 und 1} Percent. Die 
Zahlung der Interefen davon geſchieht in Lemberg gegen geſtempelte 
Quittungen balbjährig. Von diefen O. eriftiren nur einige Gerien, bie 
in die Verlofung der älteren öfter. Staateſchuld eingereibet find. " 
Obligstionen, Wiener Stadt Banco-, zu 2:, 25 und 2 
Percent. Die Intereffen werden in Wien vierteljäbrig und, halbjährig 
bey der Univerfalz Staats⸗ und Banco- Schuldencafe und in den Pros 
vinzen bey den Provinzial» Ereditscaffen gegen ungeftempelte Quittungen 
bezahlt. Hierher gehören auch die vom 1. Zän. 1798 ausgeftellten, aus 
dem mit einer Qökterie verbunden geweſenen Anlehen herrührenden, foger 
nannten 2percentigen Banco: Lotterie: Obligationen über 500 und 250 
Gulden, wovon aber nur wenige mehr im Imlaufe find. Diefe Banco— 
Lotterie ⸗ Obligationen haben Coupons zur Erhebung der halbjährigen . 
Intereſſen. Der Gefammtbetrag der O. des Wiener Stadt» Banco beſteht 


Obreadowirfd. .783 


laut der durch den Druck befannt gemachten Verlofungs « Überfiht aus 
150 Serien. ©. Verlofung. oo 
Obradowitfch, Doſtthej, unter Czerny⸗Georg Genator, 

Minifter des Cultus und der auswärtigen Angelegenheiten. Diefer durch 
Wort und Schrift um feine Nation fehr verdiente ferbifhe Anacharſis 
wurde zu Cſakova, einem von Serben und Walachen bewohnten Fle⸗ 
den im Temesvärer Comitate, 1750 geboren. Er verlor frühzeitig feine 
Ältern und wurde, 10 Jahre alt, von einem Einderlofen Verwandten 
aufgenommen. — Von beiligem Eifer burchglüht, hatte ihm ein aus 
Birmien kommender Reifender von den dortigen Klöftern kaum gefpros 
hen, als er fi mit einem feiner Gameraden auf und davon made, um 
ſich nad) einem diefer Klöfter zu begeben. In 3 Tagen erreichten fie Ho» 
vowo, das fchönfte Klofter der Fruſchka Gora, auf dem Mons 
Almus bes alten Pannoniens gelegen, aufdem Kaifer Probus zuerft 
die Rebe pflanzte und dadurd den Grund zum ungar. Weinbau legte. 
D. war damahls 14 Jahre alt, Der Igumen (Guardian) nahm ihn zu 
feinem eigenen Djak (Sünger) an. Bald darauf begab er fih mit einem 
croatifchen Novizen nah Agramı. Hier fludirte er die lateinifhe Gram⸗ 
matik und wandte fi) dann nady Dalmatien, um fih durch Ertheilung 
von Unterricht das nöthige Geld zur Reife nah Kiew zu erfparen. — 
An Dalmatien verledte ex 3 glückliche Jahre und als er vernahm, daß 
Heynes Schüler, Eugenius (Bulgaris), auf dem Berge Athos 
Unterricht im Griechiſchen ertheife, begab er fih nah Cattaro, um ſich 
auf dem ägeifchen Meere einzufchiften. Vom Fieber überfallen verweilte 
er bier einige Zeit und ließ fi von dem Montenegriner Bifhof Ba fis 
lius zum Prieſter weihen. Um feine Geſundheit wieder herzuftellen, 

kehrte er nah Dalmatien zurück. Hier überfeßte er eine Homilie des h. 
Sobannes Chryſoſtomus über die Apoftelgefhichte aus dem Kits 
chenftavifchen ins heutige Serbifbe, welche in taufend Abfchriften unter 
dem Nahmen „Büchlein des Doſtthej“ in Dalmatien verbreitet ward. — 
Die Reife nady dem Berge Athos (fonft aud) der heilige Berg genannt, 

von Mönchen bewohnt) ftets im Auge, ſchiffte fih DO. nan nah Corfu 
ein und von dort nad Morea. Als er auf Athos anlangte, hatten Gas 
bafen den Profeilor Eu genius bereitd von dort vertrieben. Zu 
feinem Zrofte erfuhr er, daß auf der Infel Patmos eine Schule beftehe, 

und war entfchloffen, fih Über Smyrna dahin zu begeben. Aber in 
Smpyrna angelangt, fand er dafelbft auch eine Unterrichtsanſtalt von 
30. Schülern unter der Leitung des trefflihen Hieroth eos, eined Zög- 
lings jener Schule. Im Kreife griehifcher Mitſchüler, verlebte O. 3 
glückliche Jahre, und würde noch länger dort verweilt haben, hätte 
nicht der bevorftehende ruſſiſch⸗ türkifehe Krieg ihn genöthigt, an feine 
Sicherheit zu denken; denn in Smyrna galten damahls Papa Ser: 
bos und Papa Moskowitis (der ferbifhe und moskowitiſche Geiſt⸗ 
liche) für Spnonyme, — Er kehrte, in Geſellſchaft eines Mitſchülers, 
über Korineh und Pasra nah Corfu zurüd, wo er albanifch 
lernte , eine Sprade, die fehr einfach iſt und ſich vortrefflih mit dem 
cyrilliſch⸗ſlaviſchen Alphabet fehreiben Taft. Auch las er lateiniſche und 

griechiſche Claſſiker. — Nachdem er einen interelanten Ausflug ya ter 


7a Obradomwitfd. 


unabhängigen Alsaniern in Hom ow o gemacht, die ihn ein Jahr Han) 
bey ſich behielten, reifte er über Venedig und Trieft nah Wien, 
wo er durch 6 Zahre die ferbifhe und griehifhe Jugend unterrichtete, ſich 
ſelbſt aber franzöfifche, italieniſche und deuiſche Meifter hielt. Der dar 
mahlige öfterr. =ferdifhe Erzbiihof Vincen z ISvannowitfh Bir 
dAE erwäßlte ihn als Privatlehrer für 2- feiner Neffen, mit der Aus: 
fiht, fie nach Deurfhland, Frankreich und England begleiten zu köne 
nen. Bidäß hielt nicht Wort; O. ging daher nah Trieft, um durch 
Schulhalten jo viel zu erwerben, um eine folde Reife für eigene Rech— 
nung machen zu fönnen. Von Trieft begab er ſich mit einem ruſſiſchen 
Arhimandriten (Abt), der nach Italien reifen wollte, aber nur ruſſiſch und 
walachiſch ſprach, nad Livorno. Von hier aus verfhaffte ihm der Ar 
chimandrit eine Gelegenheit, durch Griechenland nah Conftantinos 
del zu reifen, Er war entſchloſſen, griechiſchen Kaufleuten dort Unter: 
richt in der franzöſiſchen und italienifhen Sprache zu geben; aber kaum 
war er in Conftantinopel angelangt, als die Peſt ausbrach. O. 
ſchiffte ſich, ihr zu entgehen, mit einem polnifhen Prälaten, der, ges 
fangene Epriften auszulöfen, nah Conftantinopel gekommen war, 
nad der Moldau ein. In der Moldau gab er wieder Unterricht, es fehlte 
ihm nicht an Schülern. Nach einem Aufenthalt von einem Jahre begab 
er ih in Geſellſchaft moldauifher Kaufleute über Lemberg nah Leip- 
ig, übernahm in Halte die Aufficht Über 2 junge Moldauer, die dort 
— kleidete ſich deutſch, ſchrieb ſich den Univerfitätscatalog ein, 
und hörte Eberhard über Philoſophie, Äſthetik und natürliche TIheo- 
fogie. Breitkopf in Leipzig druckte aud ruſſiſch. O. bezog daher 
mit feinen Zöglingen die Univerfität Leipzig und ließ zuerſt in ges 
mein » ferbifcher Sprache mit ruffifchen Cettern: „Leben und Schickſale des 
Demerrius Obradowitfh, im Kalugierthum Dofttheus ge 
nannt, von ihm felbit herausgegeben,“ drucken; ein Buch, intereifant 
dur Inhalt und Vortrag, fo wie durd die Tendenz des Verfaffers, 
feinen Sandsfeuten die Norhwendigkeit der Unterrichtsanftalten ftatt fo 
vieler Klöfter zu zeigen. Nach einem jwepjährigen Aufenthalte in Halle 
und Ceipzig.begab ſich DO. nad England. Als aud) bier feine Caſſe er 
fböpft war, begab er fih nad Wien. — 1788 lieh er wieder, bey 
Breitkopf in Leipzig etwas für feine Landsleute drucken, naͤhmlich 
160 äfopifhe Fabeln aus verfhiedenen Sprachen, mit glühenden Pa: 
triorismus athmenden Epimpthien , nebft einem Anhange von Briefen, 
als Fortfegung feines Lebens von feiner Entweihung aus Ho po wo bis 
1788. In diefem Jahre machte DO. von Wien. aus eine Reife nach Lief- 
Iand zu feinem Mäcen, General Soritſch, Eam aber noch im nähmli- 
hen Jahre zurück. Ein Jahr fpärer ließ er ein ſerbiſches Lied auf Ser: 
bieng Befreyung, bey Gelegenheit der Einnahme von Belgrad durch 
die Ofterreicher, drucken. 1793 gad er in Wien eine Sammlung mo: 
raliſcher Gegenftände heraus, darunter auch Ca ufus in Lydia und die Alr 
penbirtinn aus Marmontel’s Contes moraux. Nichdem die ilpriipe 
Druderepnah Ofen verkauft wurde, begab er fih 1802 nah Vene: 
dig, wo ihm ſerbiſche Kaufieute einen Jahresgebult von 2,000 Franken 
febten, bamit er mit Muße für fein Volk arbeiten könnte, Dort lieh 


'Obrigberg. — Ochſenheimer. 2 


er nun 1804 dur feinen Schüler Paul Solarifch ein Handbuch der 
Geographie nach Gaſpari herausgeben. — Als 1805 Venedig an 
Frankreich abgetreten wurde, ging O. nah Carlowitz und wanderte 
im September 1807 nad Belgrad, um, was er bisher für dag Wohl 
feiner Serben nur gewünſcht und gepredigt harte, ſelbſt realiſiren zu hel⸗ 
fen. Seit diefer Zeit hat manches über ihn in deutfchen polisifchen und 
gelebrten Zeitungen verlautet. Er wurde als ein griechifcher Philoſoph 
befannt, der in Belgrad Schulen errichtet und ſich durch wiffenfchaft- 
lihe Tendenz in feinem Waterlande fo vortheilhaft ausgezeichnet haste. 
Uber feine Bekanntſchaft mit Ezernys Georg, bey dem er zuerft als 
Erzieher feiner Kinder auftrat, dann Senator, Minifter des Eultus 
und der auswärtigen Angelegenheiten wurde, ſchwebt nody manches Duns ' 
Bel und die Nachrichten find widerſprechend. Er flarb den 26. Mär; (7. 
April neuen Styls) 1822 5u Belgrad. Unter den Illyriern (Serben) 
vom griechifhen Ritus war er unftreitig der erfte, der in feinen Schrifs 
ten die altflavifche todte Bücherſprache mit dem lebenden Dialecte feiner 
Landsleute vertaufchte. Er hat. tüchtige Nachahmer gefunden, und wenn 
einſt die ferbifche Literatur in ihrer Blüthe daftegen wird, fo wird ſtets 
D. als ihr Urheber gelten. J 
Obritzberg, niederoͤſterr. Dorf im V. O. M. B., hat ein klei⸗ 
nes Steinkohlen⸗ und Alaunwerk. 

Obrowitz (zabrdowice), mähr. Herrſchaft, eigentlich eine 
Vorſtadt von Brünn, an der Zwittawa, mit großen Tuchmanufac⸗ 
Auren und einem E k. Militärfpital. Vormahls war bier eine um das 
Jahr 1200 geftiftete Prämonftratenfer: Abtey, welche 1784 aufgehos 
ben wurde, Die ebemahlige Stifts⸗ und jegige Pfarrkirche zeichnet fich 
dur Ohl⸗ und Frescomalereyen aus. 

Ochotnica, galiz. Dorf im Sandecer Kreife, liegt zwifchen 
bohen Gebirgen an einem Bade. Es ift, da feine Häufer ſehr zerftreut 
find, 18,725 Schritt lang, und gehört demnach zu den ausgebehntes 
ſten Dörfern der Monardie. . 

Ochſenburg, niederöfterr. Dorf im V. O. W. W., liegt hart 
am rechten Ufer der Traifen, füdlich ober St. Pölten, und ſüdweſtlich 

von Pira. Der Ort bar 190 Einwohner und ein Schloß, welches auf 
einer Anhöhe eine fehr angenehme Lage und eine ungemein reizende 
Fernſicht hat. Diefes Schloß enthält eine ſchöne Capelle und ift der 
gewöhnliche Sommeraufentbalt des Bifhofs von St. Pölten. Außer: 
dem bilder O. einen der Vergnügungsorte der Bewohner St. Pältens, 

Ochfenbeimer, Serd., war zu Mainz 1765 geboren. Nach 
zurückgelegten Studien promovirte er ald Doctor der Philofopbie, nahm 
dann eine Hofmeilterftelle zu Manheim an und ward darauf Schau⸗ 
feielee bey der QDuant'fhen Befellihaft, dann Hofſchauſpieler zu 
Dresden, 1807 zu Wien. D. führte als Pfeudonymus den Nahmen 
Theobald Unklar, war Mitglied der Geſellſchaft naturforfchender 
Sreunde zu Berlin und mehrerer anderer gelehrter Geſellſchaften. O. 
madte fi als gelehrter Entomolog bekannt. Er ftarb zu Wien am 
1.Nov. 1822, nachdem er eben als KHoffhaufpieler in Penfionsftant 
getreten war. Er ſchrieb: Skizzen aus dem Menihenieben , vuer Bu 


74 Obradowitfd. 


unabhängigen Albaniern in Hom ow o gemacht, die ihn ein Jahr fanı) 
bey ſich behielten, reifte er über Venedig und Trieft nah Wien, 
wo er durch 6 Jahre die ſerbiſche und griechiſche Jugend unterrichtete, ſich 
ſelbſt aber franzoͤſiſche, italieniſche und deuiſche Meifter hielt. Der das 
mahlige öfterr. =ferbifhe Erzbifdof Vincen z Joannowitſch Bir 
dal erwählte ihn als Privatlehrer für 2- feiner Neffen, mit der Aus: 
ſicht, fie nad Deutſchiand, Frankteich und England begleiten zu köns 
men. Vidäf hielt nicht Wort; O. ging daher nach Trieft, um durch 
Schulhalten fo viel zu erwerben, um eine folde Reife für eigene Ned 
nung maden zu können. Won Trieft begab er fi mit einem ruffifchen 
Arhimandriten (Abt), der nad Italien reifen wollte, aber nur ruſſiſch und 
walachiſch ſprach, nad Livorno. Von hier aus verfhaffte ihm der Ar 
chimandrit eine Gelegenheit, durch Griechenland nah Conftantinos 
pel zu reifen, Er war entſchloſſen, griedifhen Kaufleuten dort Unter 
Hiöt in ber franzöfifcpen und italienifhen Sprache zu geben; aber kaum 
war er in Conftantinopel angelangt, als die Peſt ausbrach. O. 
ſchiffte fih, ihr zu entgehen, mit einem polnifhen Prälaten, der, ges 
fangene Ehriften auszulöfen, nad Conftantinopelgefommen war, 
nach der Moldau ein. In der Moldau gab er wieder Unterricht, es fehlte 
ihm nicht an Schülern. Nach einem Aufenthalt von einem Jahre bi 
er ich in Geſellſchaft moldauifcher Kaufleute über Lemberg nah Leip- 
ig, übernahm in Halte die Auffiht über 2 junge Moldauer, bie dort 
udirten, Eleidete ſich deutſch, ſchrieb fich in den Univerfitätscatalog ein, 
und hörte Eberhard über Pilofophie, Atperit und natürliche Iheo- 
logie. Breitkopf in Ceipzig druckte au ruſſiſch. O. bezog daher 
mit feinen Zöglingen die Univerfität Leipzig und ließ zuerſt in ger 
mein = ferbifcher Sprache mit ruſſiſchen Cettern: „Leben und Schickſale bed 
Demerrius Obradowitfd, im Kalugierthum Dofttheus ge 
nannt, von ihm ſelbſt herausgegeben,“ druden; ein Buch, intereſſant 
dur Inpalt und Vortrag, fo wie durch die Tendenz des Verfajfers, 
feinen Randsfeuten die Nothwendigkeit der Unterrichtsanftalten ftatt fo 
vieler Klöfter zu zeigen. Nach einem jwepjährigen Aufenthalte in Halle 
und Feipzig.begab fih DO. nad England. Als auch bier feine Caffe er - 
ſSöpft war, begab er fih nad Wien. — 1788 liei er wieder, bey 
Breitkopf in Leipzig etwas für feine Randsleute drucken, naͤhmlich 
160 äfopifhe Fabeln aus verſchiedenen Sprachen, mit glübenden Pa: 
triorismus athmenden Epimptbien , nebit einem Anhange von Briefen, 
als Fortſetzung feines Lebens von feiner Entweihung aus Hopomwo bis 
1788. In diefem Jahre machte DO. von Wien aus eine Reife nad) Lief- 
land zu feinem Mäcen, General Soritſch, Eam aber noch im nähmli- 
hen Jahre zurüc, Ein Jahr fpärer lief er ein ſerbiſches Lied auf Ser. 
bieng Befreyung , bey Gelegendeit der Einnahme von Belgrad durch 
die Ofterreiher, drucken. 1703 gab er in Wien eine Sammlung mo: 
raliſcher Gegenftände heraus, darunter aud Ca ufus in Lydia und die Ale 


penbirtinn aus Marmontel’s Contes moraux. Nachdem dieillyriihe + 


Druckerey nach Ofen verkaufe wurde, begab er fih 1802 nach Bene— 
dig, wo ihm ferbifpe Kaufieute einen Jahresgebalt von 2,000 Franken 
ausfebten, bamit er mit Muße für ſein Volk arbeiten könnte. Dort lieh 


‚Obrigberg — Ochſenheimer. 75 


er nun 1804 burd feinen Schüler Paul Solarifc ein Handbuch der 
Geographie nach Gaſpari herausgeben. — Alt 1805 Venedig an 
Frankreich abgetreten wurde, ging D. nad) Carlowitz und wanderte 
im September 1807 nad Belgrad, um, was er bisher für das Wohl 
feiner Serben nur gewünſcht und gepredigt harte, felbft realifiren zu hel⸗ 
fen. Seit diefer Zeit bat manches über ihn in deutfchen politifhen und 
gelehrten Zeitungen verlautet. Er wurde als ein griechifcher Philofoph 
befannt, der in Belgrad Schulen errichtet und ſich durch wiffenfchaft- 
lihe Zendenz in feinem Waterlande fo vortheilhaft ausgezeichnet hatte. 
Uber feine Bekannıfdaft mit Ezernys Georg, bey dem er zuerft als 
Erzieher feiner Kinder auftrat, dann Senator, Minifter des Cultus 
und der auswärtigen Angelegenheiten wurde, ſchwebt noch manches Duns ' 
tel und die Nachrichten find widerfpredhend. Er flarb den 26. März (7. 
April neuen Style) 1822 5u Belgrad. Unter den Illyriern (Serben) 
vom griechifhen Ritus war er unftreitig der erfte, der in feinen Schrif⸗ 
ten die altflavifche todte Bücherfprache mit dem Tebenden Dialecte feiner 
Landsleute vertaufchte. Er bat tüchtige Nachahmer gefunden, und wenn 
einſt die ferbifche Literatur in ihrer Blüthe daſtehen wird, fo wird ſtets 
D. als ibhr Urheber gelten. u 

| Obritzberg, niederäftere. Dorf im V. O. M. B., hat ein klei⸗ 
nes Steinkohlen⸗ und Alaunwerk. 

Obrowitz (Zabrdowice), mähr. Herrſchaft, eigentlich eine 
Vorſtadt von Brünn, an der Zwittawa, mit großen Tuchmanufac⸗ 
Auren und einem E. k. Militärfpital. Vormahls war bier eine um das 
Jahr 1200 geftiftete Prämonftratenfer « Abtey, welde 1784 aufgehos 
ben wurde, Die ebemahlige Stifts« und jegige Pfarrkirche zeichnet ſich 
buch Ohl⸗ und Frescomalereyen aus. 

Ochotnica, galiz. Dorf im Sandecer Kreife, liegt zwifchen 
bohen Gebirgen an einem Bade. Es ift, da feine Käufer fehr zerftreut 
find, 18,725 Schritt lang, und gehört demnach zu den ausgedehntes 
ſten Dörfern der Monardie. . 

Ochſenburg, , niederöfterr. Dorf im V. O. W. W., liegt hart 
anm rechten Ufer der Traifen, füblih ober &t. Pölten, und ſüdweſtlich 
von Pira. Der Ort har 190 Einwohner und ein Schloß, welches auf 
einer Anböbe eine fehr angenehme Lage und eine ungemein reizende 
Fernſicht bat. Dieſes Schloß enthält eine fhöne Capelle und ift der 
gewöhnlihe Sommeraufentbalt des Bifchofs von St. Pölten. Außer: 
dem bilder D. einen der Vergnügungsorte der Bewohner St. Pöltens, 

Ochfenheimer, Serd., war zu Mainz 1765 geboren. Nach 
jurücgelegten Studien promovirte er ald Doctor der Philofopbie, nahm 
dann eine Mofmeilterftelle zu Manheim an und ward darauf Schau⸗ 
füielee bey der QDuantrfchen Gefellihaft, dann Hofſchauſpieler zu 
Dresden, 1807 zu Wien. D. führte als Pfeudonymus den Nahmen 
Theobald Unklar, war Mitglied der Geſellſchaft naturforfchender 
Sreunde zu Berlin und mehrerer anderer gelehrter Gefellfchaften. O. 
machte fi) als gelehrter Entomolog bekannt. Er ftarb zu Wien am 
1.Nov. 1822, nachdem er eben als Hoffchaufpieler in Penfionsftand 
getreten war. Er ſchrieb: Skizzen aus dem Menihenieben , sur Gi 


76 Ochttina. — Odeocalchi, das Geſchlecht. 


ſchichte Joſ. Wendelin Ohrenbergs, 2 Thle. Frankf. a. M. 1789—90. 
— Das Manuſeript, ein Schaufpiel in I Aufzuge, eb. 1791; 1806. — 
Er ſoll ſich ſchlagen, ein Luſtſpiel in 2 Acten. Mannheim 1792. —Na- 
turgeſchichte der in Sachſen einheimifcyen, noch nicptabgebildeten Schmet · 
terlinge, mit Kupf. Dresden 1803. Erweitert unter dem Titel: Die 
Schmetterlinge von Europa, 4 Thle. Leipzig 180616. (Fortgeſetzt 
von Treitffe f.d,)— Abbildungen von Schmetterlingen, Pirna 1807. 
Er vollendete auch Efper’s Schmetterlingswerk, 1807. — Unter dem’ 
Nahmen Theob. Unklar: Der Brautfhag, ein Luftfpiel in I Aufjuge, . 
Dresden 1807. 
Ochtina, ungar. Dorf im Gömdrer Eomitat, hat eine Tutheris 
ſche Kirche, eine Papiermühle, Eifenbergwerke und Schafzucht. 
cd, ungar. Dorf im vereinigten Peſther, Pilifer und Solther 
Comitat, an der Poſtſtraße gelegen, mit einer alten, aus Quaderfteinen 
Ban: reformitten Kirche, die einft ein heidniſcher Tempel geweſen 
* 2 


Octava, wird in mehreren Provinzen des oͤſterr. Kaiſerſtaates 
der achte Theil des Merthes der herrſchafil. Güter genannt, welcher 
als liches Pfand vor allen andern darauf eingetragenen Schulden 
für die Forderungen der Unterthanen gegen die Grunbherrfchaft haftet, _ 
die aus dem Bande der Unterthänigkeit (ex nexu subditelae) ents 


Oder, einer der Hauptſtroͤme Deutſchlands, welder aus einem 
Sumpfe zwiſchen den Dörfern Neueigen, Koßlau und Haslich t, 
unweit Lieh a u, im Olmüter Kreiſe Maͤhrens durch 2 Quellen ent- 
ſpringt, nimmt anfangs feinen Lauf nördlich, — ſich bey 
Neudorf ſudöſtlich, die maͤhr. Gränze verlaſſend, über Odrau, in 
Oſterreichiſch = Schleften , betritt oberhalb Petersdorf nochmahls 
Mähren, wendet dann unter demfelben Orte nad Mordoft um, durchs 
ſchneidet das fogenannte Kuhlaͤndchen quer bis an die Morbgränge bes 
Prerauer Kreifes, und geht bey Oderberg wieder nah Oſſerreichiſch- 
Schleſien über. Von feinem Urfprunge nimmt biefer Fluß, bis er nach 
Preußifh « Schlefien austritt, nebſt mehr als 50 Bachen und Flüßchen 
noch die Oſtrawitza, die Olfa und die Oppa auf. Sein Flußgebieth im 
der oͤſterr. Monardie beträgt 115 Q. M. 

Oderberg, fihlef. Stadt im Teſchener Kreiſe, am rechten Ufer 
der Oder, Hauptort einer Minderherrfehaft, mit 840 Einwohnern, 

Oderbellen (Öderhellyen, SzeFely-Udvärhely), fiebenblrg. 
Markiflecken und Taralort im lidvarbelyer Stuhl des Landes der Szekler, 
am großen Kofel, zäblt 6,000 Einwohner und hat 2 Eathofl, Kirchen , 
1 veformirte, ein Minoritenklofter, Nathhaus, Eathol. Gymnaſium, 
Seminarium und Normalfchule, ein Collegium mit Bibliothek und ein 
Waifenbaus. Der Ort treibt Handel mit Tabat, Wachs, Honig ꝛc. 

Oderzo (Uderzo), venet. Stadt in der Delegation Trevifo, 
am Fluſſe Monticano, zählt 3,000 Einwohner und hat ein Verſorgungs⸗ 
baus. Einft fol diefe Smdt am Meeresufer geitanden haben. 

Odescalchi, anſebnliche Familie aus Como, in deſſen Unger 
Bung, gleihwie in dem anftoßenden Veltlin (hier befonders zu Ber: 


E 


Odescaldi, das Gefhleht. 77 


beno) fie fich einft weit ausgebreitet hatte. Aloys D., geboren zu 
Como 1547, trat in die Geſellſchaft Jeſu, lehrte Mathematik und 
Philofophie zu Rom, Krakau, Klaufendburg und Padua, 
und ftarb um 1600 zu Negpel, bevor er fein großes Werk von der 
peripatetifchen Philofophie beendigte. Paul O. war Bifchof von Civita 
di Penna, und Öovernatore von Rom, und mendete den Einflufi, den 
ihm diefe Stelle gab, vornehmlich zum Beiten feines Bruderfohnes, Per 
ter Georg O. an. Letterer, ein großer Canonift , nahm als Witwer 
die Priefterweihe, und wurde unter Sixtus V. Protonotario par- 
ticipante. Gregor XTV. ernannte ihn zum Governatore von Fer: 
mo, und Clemens VIII. gab ihm das Bisthum Aleffandria und 
bie Munciatur inder Schweiz, gleichwie erals Belohnung feiner in dieſem 
Poften geleifteten Dienfte bey feiner Zurückkunft auch noch das Bisthum 
Bigevano erhielt. Er ftarb den 6. May 1620, bekannt durd das von 
ihm verfaßte Leben des Papſtes Sixtus V. Benedict D., geboren 
zu Como 1611, Cardinal feit 1647, beflieg den 21. Sept. 1676 
unter dem Nabmen Snnocenz XI. den päpftlichen Thron, Sein ältes 
rer Bruder, Marcus Antonius, hatte fi ebenfalls den geiftlichen 
Stand erwählt, verzichtete aber auf elle Ehrenftellen und Würden, und 
widmete fich einzig dem Dienfte der Armen, denen er feinen eigenen 
Palaft in Rom eingeräumt hatte, und aud bey feinem Tode, 1670 
fein ganzes Vermögen zumwenvdete. Das von ihm geftiftete Hoſpital Tieß 
Innocenz XI. nahmahls von Grund auf neu erbauen. Der dritte 
Bruder, Carl, hinterließeinen Sohn, Livius D., geb. 1654, der, 
fo Lange fein Oheim lebte, aus deſſen perſönlichen Einkünften jahrlich 30,000 
Kronen bezogen hatte und nad defien Ablebenvon dem heiligen Collegium 
mit dem Generalat der Kirche, welche aber mit der Wahl Alerans 
der’s VIII. erlofhen war, bekleidet wurte , fohin auch vom König 
Cart 11. die Würde eines Grands von Spanien, vom Raifer Lens 
pold 1. ober die große (damahls verödete) Herrfhaft Illok, oder 
das Herzogthum Syrmien in dem Syrmier Gomitat in Slavonien, und 
durch Urkunde vom 29. Auguft 1689 die reichsfürſtl. Würde, verlieben ' 
erbielt. LiviusD. erkaufte 1695 von Flavtus Orfint das. bedeu: 

tende Herzogthum Bracciano im Kirchenftaate, um 386,000 Scudi, 

war 1697 einer der Competenten um bie polniſche Königsfrone, kam 
aber nur wenig in Betrachtung, auch der ihm vom Kaifer verliehene Titel 

Altezza fand in Rom Widerfprud. Er ſtarb den 7. Sept. 1713. nach⸗ 

dem er in feinem Teflament zwey Söhne feiner Schweſter, vermähl- 

ter Mardejinn V’Erba aus Mailand, die dagegen den Geſchlechts⸗ 

nahmen D. annehmen mußten, zu Univerfalerben eingeſetzt. Der ältere 

diefer Söhne, Benedict Erba⸗O., gemöhnlih der Cardinal D. 

genannt, und ben 9. Auguft 1679 geboren, hatte fih damahls ſchon 

längft dem geiftlihen Stande gewitmet, war von 1706 an, icelegat 

u Ferrara, von 1711 — 14 Nuntius an dem polnifch : fächfifhen Hofe, 

erhielt am 18. May 1712 das Erzbischum Mailand, und am 18. 

Jän. 1713 den Cardinalshut, nahm am 19. Auguft 1715 yerfönlichen 

Beſitz von feinem Erzbischum, refignirte aber tiefes wegen Kränklich: 

keit, im Dec. 1736, und ftarb den 13. Dec. 1741 an: Keiner grau 


78 ODonel, Carl Graf v. 


en, von Livius O. ererbten Villa zu Frascati. Sein Bruder, 
Salthafar Erba-O., des Livius Haupterbe, und als folder, 
und vermög Eaiferl, Verleihung vom 20. Mär; 1714, Reichs fürſt 
von Erba-D., Herzog von Bracciano, Ceri (füblih von 
Bracciano) und Syrmien, Mardefe von Noncofredi, Graf von 
Montejano, Herr der Feſtung Palo (bey Ceri) und der (damabls 
bereits an 30,000 Gulden ertragenden) Herrſchaft JIIoE, geboren den 
18. April 1692, vermähfte fih den 7. Jän. 1717 mit Flaminia 
Maria Francesca, des Fürften Marcus Antonius Borgbe 
fe Tochter, und nad deren frübem, am 6. Mov. 1718 erfolgten Abe 
leben, am 18. Dec. 1721 mit ihrer Schweſter Maria Magbale 
na Borghefe (farb den 10. Oct. 1731). Er ſelbſt ſtarb den 26. Ber 
bruar 1746, aus feiner zwepten Ehe mehrere Kinder hinterlaffend. Der 
ältefte Sohn, Liviusgranciscus, Fürft von Erba-Q,, Hei 
von Bracciano, geboren den 16. Februar 1725, und feit bem . 
April 1747 mit Maria Victoria Corfini vermählt, wurde am 
27. Dec. 1763 von Kaifer Franz I. in den Orden des goldenen Wlier 
fies aufgenommen, verbeprathete im October feine Tochter Maria 
Slaminia mit dem Fürſten Siegmund Ehigi (fie batte einen 
Scautſchatz von 53,000 Scudi) und ftarb den 10. July 1805, mad» 
dem er in Folge der politiſchen Ereigniffe einen großen Theil feiner itar 
lieniſchen Befisungen, und nahmentlich das Herzogthum Bracciano 
an den römifhen Banquier Torlonia veräußern mußte, Sein jüngs 
fier Sohn, Anton Maria Jo ſeph, geboren den 14. März 1762, 
war Erzbiſchof von Jcanium, fodann Bifhof von Jeſi, und päpft 
licher Oberfihofmeifter ;.der ältefte, BalthafarII., geboren ben 23. 
July 1748, führte bey des Waters Lebzeiten den Titel eines Herzogs 
von Ceri, war k. E Kämmerer, und des ungar. St. Stephan: Dr: 
dens Commandeur, in.erfter Ehe feit 7. Auguft 1777 mit Cathari- 
na Giuftiniani, in zmepter Ehe mit der Gröfinn Maria Eprir 
tina Victoria von Khevenbüller-Merfch verheprathet, und 
farb den 30. Auguft 1810, aus feiner erften Ehe eine zahlreihe Nach- 
kommenſchaft hinterlaffend: Innocenz, Fuͤrſt von Erba-D., Her 
‚og von Sprmien, Grand von Spanien 1. Claſſe, geboren ben 22, 
. Er 1778, Sohn Balthafars II. war E k. geheim. Rath, Oberſt⸗ 
bofmeifter der jegigen Kaiferinn als bamahligen jüngern Königinn von 
Ungarn, ein Freund und Kenner der fhönen Wiſſenſchaften, befonders 
der beutfhen Dichtkunſt, aud factifher Mäcen, ftarb 1834. Jetziger 
Standesherr iſt deffen Sohn: Ladislaus Livius, geboren den 20, 
Sept. 1805, Attace der £. £. Bothfhaft in Paris. 

O Donel, Carl Graf v., General der Cavallerie, gehört zu 
den berühmteften Auswanbderern Irelands. Er war fehr jung in öfter. 
Dienfte getreten, wurde am 8. Dec. 1742 Oberft bey dem Dragoner ⸗ 
Regimente Balleyra, nachdem er bisher Oberft + Lieutenant bey 
D’Dlonne gewefen, erlangte durch fein tapferes Verhalten in ber Schlacht 
bey Piacenza die Epre, daf er Nahmens des Füriten von Liſecht en⸗ 
‚fteim die eroberten Bahnen und Standarten nah Wien lberbrachte, 
Jo wie ben Rang eines Generalmajors, commanbirte bey dem Einfallein 


ODonel, of. Grafe. 9 


die Provence ein abgefondertes Corps und ftand bis zum Aachner Frier 
den bey der italienifhen Armee. In der erften Schlacht des fiebenjährigen 
Krieges, bey Lowoſitz, erwarb er ſich Feldmarſchall⸗Lieutenants-Rang 
und das eben erledigte Lürafliers Regiment Cordbova; an dem 
»Siege bey Collin hatte er ausgezeichneten Antheil, weßhalb er auch 
am 22. Jän. 1758 zum General der Cavallerie ernannt wurde. Erwohnte 
nicht minder den folgenden Feldzügen diefes Krieges bey, befebligte mehr: 
mahls befondere Corps, zeichnete ſich vorzüglich bey Hoch kirchen und 
Marenaus, übernahm bey Torgau,nah Daun’ Verwundung , daß 
Commando der Armee und führte fie über die Elbe zurück, gegen Dre 8« 
den bin und fodann in das vertheilbafte Lager bey Plauen, mußte 
auch den ganzen Winter durch während Daumn’s Abwefenheit das Obere 
commando bepbehalten. In dem Feldzuge von I761 conımandirte er an« 
fangs ein befonderes Corps bey Zittau, am 27. Dec. 1761 aber ems 
Ying er das Großkreuz des Marias Therefien Ordens, worauf er nad 
"Daun’s Abreife, abermabls das Obercommando übernahm. Am 16. 
Ang. 1762 wurde er bey Reichenb ach von dem Herzoge von Braun: 
fihweig » Bevern gefchlagen. Am 8. Dec. desſelben Jahres wurde er 
zum commanbdirenden General in ten Niederlanden, im April 17064 zum 
BE. geb. Rath, im November 1765 zum General» Anfpector der Gas 
vallerie und im März 1768 zum commanbdirenden General in Siebenbuͤr⸗ 
gen ernannt. Dieſes Gouvernement legte er mit Ende 1770 nieder, er 
kam im Sebruar 1771 nah Wien zurüd, wurde, indem er ſich an: 
ſchickte, dem Kaiſer Joſeph auf einer Reife nach Ungarn zu folgen, 
von einer fhweren Krankheit befallen und ſtarb, nur 56 Jahre alt, 
den 26. Mär, 1771. 

O' Donel, Iof. Graf v., k. k. geh. Rath, Grofkreu; des St. 
Stephan⸗Ordens und Präfident der Hofkammer, der Minifteriale Bancos 
Deputation und ber Finanz und Commerz «Hofftelle in Wien. Er er 
bielt feine erfte Bildung in der Therefianifhen Ritters Akademie zu Wien 
und bezog hierauf die Univerſität Göttingen, um dafelbit die Rechte 
zu fludiren. Nach .Beendigung feiner Studien, bie fi nit bloß auf 
Rechtswiſſenſchaft befchränften , fondern auch auf andere Willenfhaften 
ausdehnten, trat er 1775 bey der galiziſchen Hofkanzley feine Laufbahn 
als Geſchäftsmann an und gab folhe Hoffnungen von fih, daß ihm die 
Kaiferinn Maria Therefia 1777 die Stelle eines Appellationsrathes 
in Lemberg verlieb. Kaifer Joſeph II., dent O'D.'s vielfeitige Gei⸗ 
ſtesbildung nicht entging, beförderte ihn 1783 zum Gubernialrath und 
‚nannte ihn 1787 zum Hofrath bey ber vereinigten Hofkanzley. In 
diefer Eigenfchaft entwickelte er bereits die Anlagen, die einen Staats⸗ 
mann auszeichnen und das Wahrnehmen derfelben beftimmten auch 1791 
den KaiferQ eopold, ihn zum Landeshauptmann in Kärnthen und zur 
geh. Rathswürde zu erheben. Noch wichtiger war die Beſtimmung, 
welche derfelde am 10. Nov. 1794 von Kaifer Franz ald Generals 
Kriegscommiffär erbielt , welche Stelle er bis zum 30. Dec. 1795 mit 
Auszeichnung verfab. Als folcher rettete er nach derSchlacht vonFleurus mit 
der ihm eigenen Ihätigkeit und Klugheit die bedeutenden Armeebebürf: 
niffe. — Die Muße, welche ihm nach Beendigung diefer Selkhäfte Ar 


30 Odrau. — Odrzykon. 


gönnt ward, brachte er auf feinem Heinen Landſitze ja Galizien zu, wo 
er ſich vorzüglich mit der Landwirthſchaft befchäftigte: berzeugt von feinen 
feltenen Talenten berief ihn der Kaiſer 1808 zur Stelle eines Hofkammer - 
präfidentennah Wien. Keine Aufſehen erregende Neuerung bezeichnete 
feinen Eintritt ing Minifterium. Langſam und ſicher prüfte er-in det er» 
‚ften Zeit das Beftehende; es Hr nicht feine Sache, Teichtfinnig umzu ⸗ 
ftürgen, was er nicht kannte und Neues einzuführen, was er nicht ſorg⸗ 
füm vorher on das Alte gehalten und ſich PN von deſſen Vorzügen Übers 
Feugt hatte. Unter einer anſcheinenden Ruhe biieb feine ungemeine Ihär 
RAN dem ferne Stehenden verborgen. Mitten unter den Vorbereituit- 
gen und Anftrengungen des letzten Krirges fann fein Geift auf die Mits 
tel, um nad Vollendung desfelden zur Wiederherfiellung des Staais ⸗ 
etedits und der Finanzen einen feften Grund zu legen. Mit überra| 

der Schnelligkeit förderte er fein langfam zur Reife gediehenes 2 
an den Tag. Der Kaifer erfannte das Verdienſt feiner Bemühungen und 
verlieh ihm das Großkreuz des St. Stephan⸗Ordens. OD. beträi 
Altes aus dem Mitrelpuncte des Ganzen, würdigte es nach feinem 6 
fluſſe auf denfelben, leitete und lenkte alles, verirrte fi) aber niein den 
Verpmeigungen der Detailarbeiten, die er feinen Mitarbeitern nach rei⸗ 
for Wahi mit Vertrauen überließ: Ohne diefe aus den Augen zu verlier 
ten, benußte er zu gleicher Zeit die auch entfernten Triebräder der Staates 
derwaltung und verfeiste' ſie zw feinem Zwecke in waftlofe harmoniſche 
Thärigkeit Auf diefe Art brachte er durch feine Concentrirung der Kräfte 
Sungemeine Wirkungen hervor. — Die Anftrengungen, wonit O D. 
‘unausgefegt fein Ziel verfolgte, nahmen, fo ftarf auch fein Geift war, 
feine phyſiſchen Kräfte nach und nad fo in Anſoruch, daß fie almählig 
ganz aufgerieben wurden.» Dazu am noch, daß fein Gemüth von den 
lebhafteften Stürmen wechfelnder Empfindungen erſchüttert wurde, Geiz 
ner Eigenthümlicpfeit war es nicht möglich, den Staat als eine Mas 
ſchine, deren Füden er als ein außer derfelben ftehender-Werkmeifter zu 
sieben und zu lenken hätte, zu betrachten. Ihm war der Staat 
ein fühfender organifder Körper und bie Finanzverwaltung das Merz 
besfelßen, im weichem er jeden Pulsfhlag fühlte, jeden Schmerz ber 
Theile mit empfand. — &o ward er ihm theurer, als die Bebingung 
feines Lebens und ſelbſt als der Zweck desſelben. Innig überzeugt, daß 
durch die von ihm vorgefchlägenen Mittel die Neorganifation des Staa- 
tes möglich ſey, wechfelten Hoffnung und Furcht, Freude und Schmerz 
beftändig in ihm ab. In gereizter Spannung von Hoffnungen und Sor⸗ 
‚gen gehalten, von dringenden Gefcäften überhäuft, beſchioß er am 4. 
May 1810, vom Schlagflufe getroffen, im 54. Jahre feines Alters 
feine Laufbahn, Ein Opfer für das Beſte des Staates, ift ihm allgemei- 
ne Achtung nachgefolgt. . 

Odrau, fehlef. Stadt im Troppauer Kreife, am rechten Ufer der 
Dder, ift mit Mauern und MWällen umgeben, und hat ein Schloß, 
eine Pfatrliche, 350 Käufer und 2,230 Einwohner; wovon fi viele 
als Zachmacher/ Linweber und Strumpfwirker ernähren. 

Odrzykon, galiz. Dorf im Jasloer Kreife, am rechten Ufer des 
Woslof, ein großer, durch Aderbau und Leinwanderzeugung wohlha- 





Oeconom. Veuigkeiten u. Derd. — Bedenburger Befp. 81 


bendber Ort, mit einem imponirenden Bergſchloſſe, in dem einige Fel⸗ 
ſenwände für die Seiten des Gebäudes glücklich benutzt find. 

Geconomifche Yieuigkeiten und Verhandlungen, Zeit⸗ 
ſchrift für alle Zweige der Lands und Hauswirthſchaft, des Forſt⸗ und 
Jagdweſens im öfterr. Kaiſerthume ꝛc., erfcheint zu Prag inQuart bes 
reits feit 1811. Dieß ſchaͤtzbare Inſtitut ift von Ch. EC. Andre gegrüns 
det, wurde in der Folge von 3. ©. Elsner fortgefegt und wird feit 
1833 von dem Wirthfchaftsratfe Emil Andre in Prag, Sohne des 
Obigen, einem verdienten Forſtkundigen, herausgegeben. 

Wed, niederöfterr. Dorf von 215 Einw. im B: U. W. W., liegt 
an der forellenreihen Piefting, bat eine große und ſehenswürdige Me⸗ 
tallwaarenfabrik der Brüder Roſthorn, welche vielleidht die größten 
Mafchinenwerke in Deutfchland befigt, und faſt immer 1,000 Ctr. Kus 
pfer zu Kupfer: und Meſſingblech und Drapt in der Verarbeitung hat. 

Oedenburg, ungar. Eönigl: Freyſtadt und Hauptort der Oden⸗ 
burger Sefpanfchaft, liegt zwifchen dem Tewergebirge, vielen Kafläniens 
gärten und dem Dubdferdwalde, in einer ziemlich großen Ebene, uns 
weis des ſüdweſtlichen Theiles des Meufiedlerfees in einee angeriehmen 
und weinreihen Gegend, Die biefigen Einwoßner, in 2,251 Käufern 
wohnhaft, und 12,500 an der Zahl, find Deutſche. Die innere 
Stadt, welhe 3 Thore hat, ift nicht groß, doch regelmäßig und gut 
gepflaftert , aber die Vorſtaͤdte find deſto weitläufiger und ſchoͤn ge: 
baut. Auf einem der 3 Thore ſteht der impofante Stadtthurm, wels 
hen man für den hoͤchſten in Ungarn hält: Mebft mehreren kathol. Kir: 
chen, worunter ſich die Collegiatkirche zu &tı Georg auszeichnet, hat 

. eine evangel. Kirche, ein Dominicaner und ein Urſulinernonnenklo⸗ 
. er, ein Eathol. Gymnaſium und eine Eathol. Hauptſchule, ein luther. 
Lyceum mit Bibliothek nebft Buͤrgerſchule, ein Militär-Knäben-Erzies 
hungshaus, 2 Spitäler, ein Theater, 2 große Caſernen mit einer neus 
gebauten ſehenswerthen Neitfhule. Der evangel; Superiittendent für 
den Kreis jemjeits der Donau hat zu D. feinen Sig. — Die Einwohner 
find fehr gewerbfleißig; fie haben eine Zucerraffinerie, die lange Zeit 
die einzige in den ungar; Ländern war, Baumwollzeugwebereyen, eine 
Portajchefiederey, ſtarke Niederlagen von Honig, Wachs, Tabak, 
Wolle, Schmalz, Weinftein u. fıw. Das hier verfertigte dürre oder 
candirte Obft wird unter dem Nahmen Odenburger Obſt weit und breit 
äusgeführt. Auch der Odenburger Wermuth ift allgemein bekannt. Da 
an der Stelle der Stadt H. unter den Römern der Standort der 15. Les 
gion war, fo gräbt man von Zeit zu Zeit römifche Alterthümer, als: 
Münzen, Leichenfteine, Särge, Lampen u. f. w. aus. 

Oedenburger Gefpanfchaft in Ungarn, im Kreife jenfeits der 
Donau, enthält 58 Q. M., mit einer Volkszahl von 164,000 Indivi⸗ 
duen, welche groͤßtentheils Ungarn, Deutfhe, Slowaken, Eroaten 
und Juden find und in 3 Freyſtaͤdten (Odenburg, Eiſenſtadt und 
Ruf), 38 Flecken, 196 Dörfern und 6 Prädien wohnen. — Der 
nordweſtliche Theil der DO. ©: ift bergig , der öftlihe ebenes Land. 
Sie wird bewäflert durch die Flüſſe Leitha, große und Heine Raabe , 
Rabnitz, Sebefer, Vulka, Ikva ıc., durd den Neufieiler: vxx Kür 

Oefterr. Rat. Encylt. 32. IV. 6 


82 . nr ©echler. — Oeblfabrifation und Sandel 


nigeſee und durch ben See Barbacſt- ib. - Das Clima iſt mild. Pro⸗ 
ducte: Korn, Obſt, Wein, viele Kaſtanien, Rindvieh, Schafe, Schwei⸗ 
ne, Geflügel, Wild, Fiſthe. Die Bergwerke liefern Steinfohlen , 
Alaun, Eifen, Schwefeltiefe x. Zu Potfhing, Harkfau, Wolft, 
Kobersdorf, Eferund Kreus find Sauerbrunnen. J 
Debler Iof., Buchhändter und Buchdrucker in Wien, war ge 
boren 1763 zu Troppau und ſtudirte auf der Hochſchule zu Wien. 
Er war ein Mann von foliden literarifhen Kenntniffen, wie von dem 
„bieberften, liebenswürdigiten Charakter. Aus feiner Haren Feder gingen 
: anonym, mehrere Schriften hervor, darunter: Geſchichte des ‚Sirieges 
*  wifden Ofterreih, Rufland und der Türfey mit Planen, 6.Hefte, Wien 
1791. — Geſchichte des Theaterweſens in Wien, eb. 1803. — Panos 
rama von Wiens Umgebungen mit Kupf. eb. 1807. Die bey D. ger 
druckten/ in feinem Verlage erfcienenen römifchen Claſſiker (Tatein. und 
deutſch) zeichnen ſich durch Correctheit aus. Die Geber waren damahls 
noch nicht ſo erdärmlich wie jeßt, und Ä., ein feſter Sprachkenner⸗ war 
fein eigener Corrector. O. s Miniatur-Druckerey lieferte mit einfachen 
Lettern auf ſchlichtem Papier beſſere Ausgaben, als jetzt die vompoͤſeſten 
Officin⸗Firmen troß ihren Prunk:Tppen und Velin es mit ihren unwiſ⸗ 
fenden Setzern und bey dem gänzlichen Mangel einer Be 
nifation (welche hinſichtlich der Letzteren doppelt norbwendig wäre), 
vermöhten: Das zu Wien 181214 bey Schrämb I herausgefommer 
ne Zeitungs«Lericon (7 Bde.) fand in O. einen Eundigen, fleifigen Mer 
dacteur. Intereſſant ift der Umftand, daß ein Bruder des Dichters. Klo pr 
‚Rod 9.8 Handlungsgefäbrte war. D. flarb 1816 zu Wien, 
Oeblfabrifation und gandel. Die Fabritation der Ohle wird 
im öſterr. Staate fehr ftark betrieben, und zwar in allen Propinzen. Das 
® lombarbifd:venetianifch e Königreich gewinnt bas'meifte und beſte 
Dlivenöht, zumahl am Gardafee, in den Provinzen Verona, Vicenza 
(in diefen auch viel Nuföpt), Padua sc. Das venetianifbe Ohl komm 
an Glte dem toscanifhen und genueſiſchen ziemlich gleich, In den Pro: 
vingen Friaul und Trevifo wird aus der Erdnuß ein vortreffliches Spei« 
feöhl bereitet. ͤberdieß wird auch hier Weinkernöhl, Nuß +, Lein= und 
Hanföhl in beträchtliher Menge gewonnen. — Sllyrien.und Dal 
matien gewinnen verſchiedene Sorten von: Olivenöhl, welches in Dal 
matien auch das ftürkfte Product iſt. Ausgedehnt int diefe Cultur auf 
"der Inſel Eherfo, mo man den Ertrag auf 2300 Barillen Ohl ans 
nimmt. Die Gemeinde Pirano unweit Triefi befigt allein über 
300,000 Olivenböume. — Durch ganz Iitrien find Baumöhlpreffen 
verbreitet. — Krain erzeugt Lein⸗ und Rübsopl, Rärntben viel Leins 
dotterdhl, St eyermarkam bäufigiten Lein und Kürbisöhl, nebfldem 
aber noch Ohle aus Mohn, Sonnenblumenkernen, Rübfamen, Nüfs 
fen, m 16, Die Landmühlen find mit Oblpreifen eingerichter, 
auf denen das Ohl ausgeflagen wird. — In Tyrol wird zu Arco und 
Riva am Gardafee Baumöhl gewonnen; im Nonsberge (Trienter 
Kreis) find mehrere Öhlpreifen , welche aus Kürbiskernen, Bucedern, 
Pfirfhen- und Kirfepenkernen Speife- und Brennöble prefen, wovon 
die bepben Teßteren in Sanitätshinfiht immerhin verdächtig fepn dürften; 


J 


Oeblfabrifation und gandel. 83 


im Oberinnthale find zu Flaurling und Mög gute Leinöhlpreffen, 
im Vorarlbergiſchen liefern Feldkirch und Bregenz; Hanf: und Mohn- 
öhl. — In Oſterreich ob der Enns wird Leinöhl, jetody nidt in bes 
traͤchtlicher Menge erzeugt. D fterreich unter der Ennsbat dagegen 
einige größere Ohlpreſſen und Ohlreinigungsanſtalten, die in Wien und 
in der Mähe diefer Hauptitadt vertheilt find. Meiftens aber find es nur 
Raffinerien, welche das rohe Ohl aus Ungarn beziehen. Die bedeutend» 
fie Fabrik iſt jeße die nächſt Gumpoldskirchen, welche alle Sattuns 
gen Körner» und Samenöhle erzeugt, und in ihrer Preife jährlich 7 bis 
8000 Megen Samen verarbeitet. Die Oberslanzendorfer Fabrik zeichnet 
fi) ebenfalls als bedeutend aus. In Wien, wo mehrere Sabrifen ber 
ſtehen, verdienen die von Lauren; Reuterer, welcefeine, kaltgepreß⸗ 
te Dble verfertigt, von Job. Bapt. Marfano, welche ſich mit Preifen 
von Wandels und anderm feinen Speifeöhl befchäftiget, von Aug u ftund 
Adolph Leon x. vorzugsweife genannt zu werden. Unter den früher 
beitandenen waren auch bemerkenswerth : Die grafl.Gerd. Palf fy'ſche 
Dblreinigungsfabrib zu Hernals, welche mit 8 Neinigungsgefäßen 
arbeitgte,, und jährfie über 1000 Eentr. Ohl, vorzüglich zum Bedarfe 
ber 5 Theater in Wien reinigte, und die Chriftian Weftolffhe nad 
bofländifcher Art zu Penzing „welche vor 5 bi6 6 Jahren eingegans 
gen ift. Leinoͤhl wird aud) in mehreren Gegenden Böhmens , Mährens, 
und Schlejiens; Lein =, Hanfs und Sonnenklumenternöhl in Galizien 
gepreßt. — Ungarn gewinnt jest in mehreren Comitaten viel Lein⸗, 
Hanf und Rübsöhl, auch feinere Ohle aus Kürbis: und Sonnenblus 
menkernen, und bat mehrere SOhlfabrifen, befonderd im Comorner Gos 
mitate, in Peſth, Ertſy zc. Größtentheild aber wird das Ohlſchla⸗ 
gen von den Landleuten betrieben; Graf arolyi, Fürſt Eſzterhazy 
und Freyhr. von Lilien haben die größten Oblfchlägereyen, Letzterer zu 
Ertſy auch eine Reinigungsfabrik. AudinSiebenbürgenerzeugen 
tie Landleute ſehr viel Leinöhl, auch Ohl aus Kürbiskernen, Sonnen- 
blumenkernen, Hanfſamen und Bucheln durch Stampfen mit hölzernen 
Stampfen und durch warmes Auspreſſen in Handpreſſen. — In den Mili⸗ 
tärgränzeniftdie Ohlerzeugung nicht von Bedeutung. — Der Handel 
mit Ohl iſt ſehr betraͤchtlich. Die ſüdlichen Provinzen verſenden ihr Oli⸗ 
venöhl durch den größten Theil des öfterr. Staates; doch muß, da die 
inländifche Erzeugung den Bedarf nicht deckt, noch ausländifches Obl, 
befonders aus Italien und Srankreich bezogen werden. Böhmen, Maͤ h⸗ 
renundUngarnverfcicdenihrelein: und Rübfamendhle befonders nad 
flerreih unter der Enns. — Krain verfhicdt Ohl nah Steyermartk 
u. fe w. Aus dem Auslande werden jegt nur wenig Samenöhle noch ein⸗ 
geführt, darunter aber noch Leinöhl aus Bayern, Mohnöpl für Maler 
aus der Gegend von Straßburg und Nürnberg u. ſ. w. Die Eins 
fuhr von Hanf, Leins und Rübsöhl hat, da die Ohlpreſſen ſich ver ehrt 
haben, in der letzten Zeit abgenommen. — Der Galanterie⸗Drechsler 
Franz Demel in Wienerfand ein Gefäß von Glas, womit manauf 
die einfachite Art das Hhl jum feinften Zafelöhle reinigen kann. Der 
Parfumeur Felix Boſig inMailanderhieltden 21. Apr. 1824 ein 
Sjähr. Privil. auf die Entdeckung Oplevon dreyeriey Sen D tip 


8 Oehling. — Oeblfählegel: > 


gen, durch deren Gebrauch helle, minder helle und dunkle Farben berei- 
tet werben, welche ſchnell und gleichmäßig trocknen. Sa mn el’® rad 
mannin Wien erhielt den23. Sept. 1824 ein 5jähr. Privil. auf 
die Verbeſſerung mittelft eines eigenen Apparates ſowohl das Tafı 
aus Nübfamen, als auch alle Gattungen Brennöpl in 3 Tageı i 
nigen. Die Opfraffineurs Brüder Qömp in Prefburg erhielten den 
4. May 1825 ein 5jähr. Privil, auf die Erfindung, durch einen chemi - 
ſchen Zuſatz das Brennöhl zu raffiniren, daß es an Glanz und fpiegel: - 
hellem Anfepen jedem andern gereinigten Ohle gleihfommt, und dafı 
durch deifen Gebrauch Eeine Auflöfung der metallenen Lampen zu bes 
Eos iſi. Ant. Raftner in Wien erhielt den 15. Oct. 1825 ein 
5jähr. Privil, auf eine Verbeferung in der Reinigung der Tafel: und 
rennöhle zc. Der Samenhändler Sof. Wögerer in Wien hatfeihe 
hiraffinerie nah Kaftner'fcher Art eingerichtet, wobey aus einem 
Dampfkefel Waſſerdämpfe in das Faß geleitet werben, worin ſich das 
Ohr, mit Schwefelfäure gemiſcht, befindet, und wobey die fernere Neiniz 
gung dur Zugabe von Wafler gefdieht, in welchem —— 
-aufgelöft iſt Seinte Brüll in Prefiburgerbieftden 28. Mätz T 
ein 5jähr; Privil, auf die Erfindung einer leiten Methode und eines 
neuen Apparates zur Naffinirung des Brennöhls durch chemiſche Zufätse 
und durd Filtrirung, wodurd ein wohlfeileresund reineres Producrals 
bisher gewonnen wird. — Die vorzüglichſten Opfraffinerien befigen jett: 
Beftundkemaire, Ignaz Winter,GeorgAlogsBrudmanı, 
Salomon Geiringer, Auguftund Adolph Leon und Ant, Kaft: - 
merin®ien; Opipreifen: Joh-Bapt.Marfano und Co venz Rei: 
tererin Wien, welde faltgepreftes Mandelöpl, fo wie alle andern 
medicinijgen und Speifer SOple, dann auch raffinirtes Brenmöhl er: 
jeugen: — rn 
Oehling/ nieberöfterr, Dorf im V. O. W. W., am linfen Ufer 
des Uhrlbaches/ wo oft röm. Alterthlimer, beſonders Ziegel, Miünz 
zen en werden. In einer nahen Schottergrube fand man meh⸗ 
rere Särge. 4 u” 
©ebifchlegel, Job. Cohelius, Tonkünftler und Muflkditer- 
rin Prag in Strabom, ausdemPrämonftratenferorden, zu Loſch a u 
in Böhmen den 31. Dec, 1724 geboren. Anfangs ſtudirte er zu Mas 
riaſchein, wo er bey der Jeſuitenkirche als Organift angeftellt ward. 
Dann ging er nah Prag, erhielt bey ber Dominicaner- und Mals 
teferkirche ebenfalls als Drganift eine Anftelung, trat 1747 in den 
Prämonftratenferorden, wo er 1748 die Ordensgelübde ablegte, und 
1755 die erfte Meffe las. Hierauf wurde ihm die Direction der Figu⸗ 
valmufi 1756 aufgetragen, Diefes Amt munterre ihn auf, ſich in der 
Tonkunſt fleißig zu bilden. Darum nahm er Unterricht im Contrapuncte 
und las Partituren der berühmteften Tonkünitfer, So befchäftigte er ſich 
durch viele Jahre. Er lieferte eine Menge Mufi &:Compofitionen,bie zu feiner 
Zeit auch vom Dresdner Hofe mit Beyfall aufgenommen wurden. Dann wußte 
er ſich in der Orgelbaukunft ohne Lehrmeifter, durch eigene Bemühung 
binlangliche Kenneniffe zu verfchaffen, um die 1746 ſchlecht gebaute Or- 
er in Strabom felbft derbeifern ‚ und nabmbaft verftärken zu können 






Oefe re 85 


Sin dieſem Geſchaͤfte verſtrichen mehrere Jahre, ehe er dieſelbe fo, wie 
man ſie jetzt antrifft, zu Stande brachte. Nachdem er das ganze Werk 
verfertigt hatte, und noch eine Mutation, die man Menſchenſtimme zu 
nennen pflegt, ganz vollkommen herſtellen wollte, ſtarb er zu Prag 
in ſeinem Stifte am 22. Febr. 1788. Seine Schriften ſind: Beſchrei⸗ 
bung der in der Pfarrkirche des königl. Präͤmonſtratenſer⸗Stifts Stra⸗ 
how in. Prag befindlihen großen Orgel. Prag, 1786. — Beſchrei⸗ 
bung des in der Eönigl. Strahower Stiftskirche zu Prag neueingerichtes 
ten, und 1774 zu Stande gefeßten Orgelwerks. Liegt in der Hands 
fhrift. — Zu feinen Compofitionen gehören: 3 Oratorien 1756, 1758 
und 1759 gefchrieben und in der Strahower Stiftskirche aufgeführt. — 
Dratorium 1761. — Paftoralmeife. — 10 Motetten. 

Oefer, Adam Sriedr., Director und Profeffor der Zeichnens 
und Malerfhule und der Architebturs Akademie zu Leipzig, rühmlich 
befannter Maler und Bildhauer, war geboren den 18. Febr. 1717 zu 
Preßburg in lingarn. Früh erwachte die Neigung zur bildenden Kunft 
in feinem Gemüthe, und er widmete fi) dur 7 Sabre dem eifrigften 
Studium auf der Wiener Akademie, wobey er den Unterricht des berühm: 
ten- Bilbhauers Raphael Donner genof, den O. auch feine Kennts 
niß des Coſtums und ber Antike zu danken hatte. 1735 erbielt er durch 
fein gelungenes Werk: Abrah am's Brandopfer, die goldene Prämie. 
In der Folge entfchied er fich jedoch für das Malerfach, und ging 1739 nad 
Dresden, wo er feine Studien mit unermüdetem Eifer fortfeßte, und 
bedeutende Bortfchritte machte, unter andern aud in der Frescomalerey, 
worin er Sylveſtre's linterriche genoß. Hier wurde auh Winkel: 
mann fein vertrauter Freund, deflen erſte Schritte bey dem Studium 
der alten Kunſt O. Teitete. 1744 erhielt er einen Ruf nah Petersburg, 
welchem zu folgen ihn jedoch der Zod der Kaiferinn Anna verhinderte. 
Nachdem fih D. geraume Zeit zu Dahlen bey dem Srafenvon Bünau 
aufgehalten hatte, der ihm Beſchaͤftigung gab, ging er 1763 nad) Lei p⸗ 
sig, und wurde zum Director der neuen Zeichnungd:, Malerey s und 
Architektur: Akademie ernannt, als welcher er ſich dur die Bildung 
vieler Zöglinge große Verdienfte erwarb. Dafelbft vollendete D. auch feine 
ſchönſten Arbeiten. Ex farb den 18. Mär; 1799 mit dem Ruhme nicht 
nur eines ausgezeichneten Künftlers, fondern auch eines höchſt achtens⸗ 
werthen und redlihen Staatsbürgerd. Zu feinen gelungenften Werken 
gehören die fhönen Frescogemälde im Concertfaale, und in der Nicolais 
fire zu Leipzig, fo wie mehrere, vorzugsweife allegorifhe Werte, 
bie fich durch verftändige Erfindung, Gedankenreichthum, natürliche Coms 
po ſition, Wahrheit in Ausdrud und Haltung auszeichnen. Weniger vorzüg: 
lich find feine Leiftungen als Bildhauer, feine beften Werke diefer Art find: 
Eine marmorne Statue Friedrich Augufts III. auf der Esplanade 
in Leipzig, ein Denkmal in der Eathol. Capelle dafeldft, dad Denkmal 
der Königinn Mathilde von Dänemark zu Celle, und jenes Gel⸗ 
lert's in einem Privatgarten zu Qeipzig, welde indeſſen aud eben 
keinen großen Begriff von feiner Geſchicklichkeit in diefer Kunſt geben, 
woran jedoch auch feine, für die bildende Kunft fehr unfruchtbare und 
ungünftige Zeit große Schuld tragen mag. Seine Thätigten küh AG 


— 


86 Oeſterreich, nicht Oeftreidy. — Oeſterreich, Erzh., Geſch. 


im fpäten Alter gleich, wenige Tage vor feinem Tode vollendete er noch 
einen Chriftuskopf. i dl 
Geſterreich, nicht Oeftreich muß geſchrieben werden. Oftreich 

oder Ofterreich, oder gar Oftenteich mag man fehreien, wenn man will, 
nie aber Oftreih. Das altdeutfhe Oft hat nur Ofter und Ofter, Oftir, 
nie Oft gebildet. Ja, die alten Sachfen, Schweden und Gothen haben 
Dfter und Oſter und gar felten Oft in Zufammenfüging ber Wörter ges 
braucht, Die heutigen Schweden gebrauchen nur Diter; die Islander 
+ Austr (für Oriens) und Oft bedeutet bey ihnen ein Geſchirr; die einzigen 
Sranzofen haben Est, nennen aber das Land nicht Estriche, fondern 
formiren aus dem verborbenen Latein Austrica, Ostricum, Austria, 

ihr Autriche. Man Eennt aber nod in Deutfhland bie Ofterberger 
bey Tübingen, DOfterbehringer im Gothaiſchen u. f. w. Es heißt 

Kaifer Heinrich IV. habedem Lande den Nahmen Ditrichegegeden, wel⸗ 
bes nad) der ausgearbeiteten Sprache Oſtreich fen. Oftreic) alfo von Oft- 
richa herleiten! Oftreich wäre wohl recht geſchrieben, nie aber Oſtreich. 

Und wer hat er daß Heinrich den gewöhnlichen Nahmen 
Oſtirrichi oder Ofterreih in Oſtricha verwandelt habe? Solche Etymole- 

gen fagen ja felbit, Kaifer Otto habe den Nahmen weder vorſchreiben 

können, noch wollen. Schon in einer Urfunde Otto’s III. vom Jahre 

996 heißt das Sand Oſtirrichi, in einer andern Heinrids IL. vom S. 

1002 Oftarriche, in einem Dipfom Hein rich's IM. vom 3. 1052 Ofter» 

richi, Heinrich's IV. vom 3. 1063 Oſterriche. Was ihnen überflüffig 

fheint, ift es noch fange nicht. Austria ift von Austrica, welches Ger- 

vasius Gilberiensis hat, entftanden, oder Oſtreich; daher es’ ganz falſch 

wäre, aus Auftria Oftreich erzwingen zu wollen. Da man alfo nicht mehr 

Oftreich ſchreiben Fann, fo muß man Ofterreich, nie aber Oſteeich fepreiben, 

wie es bonn im Keiſerthum felbft ämtlich geſchieht. 

Oefterreich, Erzherzogtbhum. Gefhichte. Die äftefte Ge: 
ſchichte dieſes Landes reicht kaum über unfere Zeitrechnung hinaus, und 
ift felbft in ihrer Nähe noch größtentheils Mythe. Der an der ſüdlichen 
Seite des Ifters (der Donau) gelegene Landſtrich war zwiſchen dem Nor 
ricum und Ober - Pannonien gerheilt; ber celtiſche Gebirgsrücken bildete 
die Gränze von beyden. Indeffen ift diefes ſchon ein fpäterer Zeitpunet, 
in welchem die Nömer ihr ungeheures Reich bis hierher (an des Iſters 
füdlicye Ufer) ausgedehnt hatten, und die Nahmen Noricum und Pan- 
nonien ihren neuen Eroberungen gaben. Denn noch ältere Einwohner 
celtiſchen oder keltiſchen Urfprunges waren bier weit frühere Beſitzer und 
Bewohner ded Landes, weit früher von den Dafern mit Krieg heimges 
fucht, und vor Boerebifta's wilden Horden flüchtig und in ihre Hoch⸗ 


‚gebirge (Tauern) verſcheucht, wohin fie der dakifche Anführer nicht weiter - 


‚su verfolgen wagte. Nicht fo ſchnell, aber deſto ſicherer waren die mit mehr 
oͤbyſiſchen und intelectwellen Hülfsmitteln zur Kriegführung verfehenen 
Kim bierher vorgedrungen; denn ihnen wacen die hohen Tauern Fein 
ihren Zug hemmendes Hinderniß, und die alten Bergbewohner, die fie, 
nach diefen,. Taurisker nannten, hatten ihnen Feine ähnliche Made ent- 
jegenzuftellen, um ihre endliche völlige Beſiegung abzumenden. Doc 
Bere: die römifhe Eroberung nicht den Strom, an beifen linkes 


Defterreich, Erzherzogthum, Geſchichte. 87 


Ufer ſich bereits der mächtige marcomannifche Bund vorgedrängt Hatte, 
nachdem er die bojifhen (galifchen oder Eeltifhen) Einwohner, lange 
vor der Römer Ankunft am gegenüber befindlichen Ufer vertrieben. — Die 
ältefte Gefchichten jenes Bundes greift tief in die Begebenheiten der gets 
mänifhen Völkerfchaften ein, aber fie ift in Ermanglung einheimifcher 
Schriftſteller nur durch zmweifelbafte Sagen auf uns gekommen. — Dod) 
bleiben die fpäteren bekannteren Thaten desjelben merkwürdig genug, 
und daß fich gerade hier die beyden Vöolker (Pannonier und Markmanner) 
berübrten, wovon das eine Roms nabenten Verfall durch feine aus: 
dauernde Tapferkeit noch einige Zeit aufdielt; dad andere aber Noms 
Weltherrſchaft umflürzte, deifen bis auf die Sprache fich erftrectende Zer- 
nichtung aller Völkerfreyheit, Tölkerjitte und Cultur langft den unver: 
föhnlichiten Abſcheu und Haß aller germanifhen Stämme, und aller ans 
deren Nationen auf ſich geladen. — Nach des weitrömifchen Meiches 
Untergang war es mehr als ein Volksſtamm, der fich hier nieberließ, aber 
der Avaren Herrſchaft dauerte am längften, die den Longobarten gefolgt 
waren, welche an die Stelle der zeritreuten Oft: Gothen traten, von 
denen der Rügen Herrſchaft in diefem Lande unterdrüdt worden. — Die: 
fee Wechfel der Landesgebierher,- während deifen das Land der beitändige 
Kriegsſchauplatz blieb, Eonnte nicht ohne die gänzliche Zerftörung feiner 
Anfiedlungen und der bereits herrlich emporgeblühten vom. Pflanzftädte 
gefheben. Das grofie Lorch bey Enns, wohin wegen feiner günitigen 
Loge von Ovilabis (Wels) der Gig der rom. Landpfleger verlegt worden, 
von dem ber biſchöfl. Sitz doch bereits nach Batavis (Paffau) über 
tragen war, als es der RügensKönig Fava eingenommen, theilte bad 
Schickſal der übrigen Stadte, Comagena (Tuin's), Cetium (St. 
Dölten’s) und anderer. Aber noch härter traf das Schickſal der ganze 
lihen Zerflörung Juvarıum (Salzburg), das noch früher von Heru⸗ 
lern, Schyren und Zurzlingern überfallen worden war. — Die öftliches 
ren Städte Carnuntum (Petronel) und Vindobona (Wien) waren 
fhon eine Beute der Rügen, und legterer Ort, von Fava, dem neuen 
Beherrſcher, in Bes genommen, blieb eine Zeit lang der Gib rügi⸗ 
fher Anführer. Am jenfeitigen Donau Ufer, wo fi das vannifche Reich 
-der Quaben auch ziemlich weit in Oſterreich erſtreckte, und auf einer 
©eite Medostanium (Meiffau) zur Gränzftadt hatte, waren der blue 
tigen Auftritte nicht weniger , bis das wachſende Reich des neuen 
Beherrſchers jich auch hierher ausdehnte, und feine unwideritehlichen Deere 
die Avaren noch weit über Oſterreichs heutige Gränzen zurückwarfen. 
Nun wurde das Land, wie andere Gebiethe des fränkifchen Carl's, in 
Gauen getheilt, Grafen in denfelben eingeführt, und diefen Herzoge vors 
gefett, die anfangs in Bayern ihren Sitz hatten, und ihrer Aufſicht bis 
nad dem Lande ob der Enns erftredten. Aber Unteröſtereich mußte 
fhon wegen der feindlichen Angriffe, denen es ausgeſetzt war, feine eigenen 
Markgrafen erhalten, weiche nie der bayerifchen Herzoge Gewalt erkanns 
ten, fondern nur den Kaifern felbit Rechenſchaft gaben. Doc felbft im 
weftlichen Theile Oſterreichs ob der Enns beftand die Abhängigkeit nur 
noch fo lange, als die Earolinger in ihrer Pfalz zu Regensburg Hof 
hielten, und bereits bevor ihr Geflecht in Mutſchland erloſch, hatten 


8 Osfterzeidh, Erzherzogthum ⸗ Geſchichte. 


bie Grafen, und noch mehr die Markgrafen, eine Gewalt er: die ber 
ſchwankenden Macht deutſcher Könige begegnen konnte. Das Land unter 
der Enns war bald nad Carl für lange Zeit eine Beute der Ungarn ges 
worden, gegen welche ſich die fränkifchen Graͤnzgrafen nicht zu vertheidigen 
vermochten. Aber nach der Vernichtung des ungar. Heeres am Lerhfelde 
(10. Aug. 955) am der öfter. Landſtrich wieder unter die Gewalt deut 
fer Kaifer, und 973 erſcheint ſchon Graf Burhhardt als Markgraf 
in biefer Gegend. — Neben diefen Öfterr, Herren, die ihren Sitz in der 
gegen die Ungarn wohlbefeftigten Ennsburg hatten, waren zu Styre 
(Steyer) wieder eigene Markgrafen, unter welchen die Geſchichte Ot ⸗ 
tofarlI, vor 991, als den Stammpvater diefes Geſchlechtes angibt, das 
ſehr weitläufige Befisungen in Oberöfterreih und Steyermark inne 
- hatte, und endlich felbft zur herzogl. Würde gelangte. Auch die Grafen 
v, Lambad und bie vahhelm, die auf der Burg Welas ihren 
Sitz hatten, waren längft Herren anfehnlicher Güter, aber zu Taffilo's 
Zeiten Bayerns Vafallen. Doch hatten auch die bayer. Herzoge felbft ein 
eigenes‘ Gebierh in Ofterreih. Am linken Ufer der Donau breitete fi 
das Machland als eine —— der Grafen Elam, aber noch viel weis 
ter das Erbe ber Grafen v. Bogen aus, deren Güter fih, zum Theile 
als Bambergife Lehen, weit in Bayern erſtreckten, und ein Eleinerer 
Theil des heutigen Mühfvierteld war zum Oſtlande gehörig, deffen gegen« 
wöärtigen Nahmen eine Urkunde Otro's III. vom Jahre 996 zum erften 
Mahle ausfpricht, Zu diefer Zeit fand fhon Leopold vom erlauchten 
Stamme der Babenberger dem Lande ais Markgraf vor, naddem er 
zwiſchen den Jahren 983—84 aus dem Tonagau bey Regensburg 
von dem Kaifer hierher verſetzt worden war. Es war das Geſchlecht ber 
alten Sorabiſchen Markgrafen, das ſchon unter den Earolingern hohe 
Würden im Franken- Reiche befleidet hatte, und alfo Feine Vermehrung, 
derfelben, fondern nur einen neuen Staͤmmſitz erhielt. Leopold war ein 
freitbarer Stieft, der die newern Hunnen (Magparen) in mehreren Gefech ⸗ 
ten überwand, fie weit über den Kahlenberg zurlicktrieb, ihre hohe Werte, 
die Eifenburg, eroberte, und fi aus deren Trümmern eine Reſidenz 
(Medelihe, Melk genannt) erbaute. Unter Albrecht I, aus dies 
fem Haufe (1028) wurden die Grängen Ofterreich$ gegen Ungarn bis an 
die Leitha vorgerüickt, in deren Nähe ſich die reihen Grafen v. Püttin 
Beſitzungen verſchafften, bie ſich weit in Steyermarf ausdehnten, wohin 
die Umgebung von Pitten felbft noch viel fpäter gerechnet wurde. Durch 
jene Öftliche Erweiterung der Markgraffaft wurde Leopold IV. der 
Heilige bewogen, feine Nefidenz auf den Kahlenberg zu verlegen, an 
deſſen Buß er das Stift Klofternmeuburg erbaute. Sein 
Sohn, Leopold V,, erhielt nad dem Sturze des Welfiſchen Haufes 
den zweifelbaften Befig von Bayern, den aber ſchon wieder fein Sohn, 
Heinrich II. Safomirgott, 1156 an Heinrich den Löwen abge— 
treten hatte, der auf Bayerns Beſitzrechte im Lande ob der Ennd Vers 
sicht that, und Dfterreich, „der Schild und das Herz des röm. Reihe“ 
murbe zu einem Herzogthume erhoben, diefem wichtige Vorrechte von 
dem Kaifer ertheilt, und ſolches von allen Dienften und Leiftungen gegen 
das Reich, anders als aus freyem Willen frey gefproden, bloß gegen 


Oeſterreich ob der Enns, Beogrepbie und Statiftif. 89 


Ungarn follte e6 durch einen Monath mit 12 Reifigen auf feine Koften 
dienen. Es follte ferner im Herzogthume Fein anderes Reichslehen beites 
ben, der Herzog Eeinem Reichögerichte unterworfen feyn, und ſchon das 
mahls wurde die Uintheilbarkeit des Herzogthumes und die Erbfolge der 
Töchter in dem Balle beftimmt, wenn bein männlider Erbe vorhanden 
wär-. Alle Rechte der Herzoge in Oſterreich follten ohne Ausnahme aud) 
auf tie Länder übergehen, bie fie künftig erwerben würden, Die nächte 
Erwerbung gefhah durch Steyermark, welches der leute Herzog Dttofar 
ausdem Traungauifhen Geſchlechte Leopold V. 1192 als Erbe hinter 
ließ, und Friedrich II. den Streitbaren wählten 1234 die Großen 
in Krain zu ihrem Landesherrn, aber mit ihm flarb auch der männliche 
Stamm ber Babenberger 1246 aus. Von dieſem Zeitpuncte an unterlag 
Ofterreih, wie Deutfchland, unter dem gleichzeitigen Interregnum dem 
Ungethüme der Eigengemwalt, wie den Folgen einer nadhrheiligen Wechſel⸗ 
herrſchaft, bis es 1278 in der Schlacht am Marchfelde von dem trefflichen 
Rudolph, dem Erften feines Gefchlechtes, gegen den böhm. Ottokar 
dur Waffengewalt errungen, und 1283 auf dem Neichstage zu Aug br 
burg, als erledigtes Reichgleben, dem Aabsburg'fhen Haufe zuerkannt 
‚ wurde. Neunzehn Negenten hatte diefes Haus in männlicher Abftammung 
feitdem Hſterreich gegeben, als ein neuer Stamm, aus zweyen, gleicher 
Wurzel entfproffenen, durch die Vereinigung der Käufer Habsburg 
und Lothringen herrlich emporflieg , und Oſterreich die Fortdauer 
einer Dynaſtie fiherte, deren väterliher Herrfchaft feine Einwohner in 
allen denkbaren Verhältniffen die ausgezeichnerften Wohlthaten verdanken. 
Sie erhob im Laufe von ſechſthalb Jahrhunderten, durch Verbindungen, 
Erbe und Austauſch, Dfterreich zu einer Macht vom erſten Range, indem 
fie weitläufige Reihe und Provinzen mit dieſem ihrem Stammlande ver. 
einigte. Und hat Ofterreich feine Größe, und mit diefer feine Sicherheit 
allein den recgtlichen Erwerbungen feines Regenten » Stammes zu verdans 
ten, fo bat es durch ſolchen nody mehr an innerem Wohlſtande durch fleis . 
gende gefeglihe Ordnung und gereinigte Rechtspflege, durch wirkfam bes 
förderte pbufifhe und intellectuelle Eultur gewonnen. 

Öefterrei ob der Enns, (das Land ob der Enns, auch 
Oberöfterreich genannt), Geographie und Statiſtik. Sel⸗ 
bes beffand bis 1809 aus dem Landſtriche dießfeit6 der Donau zwiſchen 
der Enns, dem Inn und einem Theile der Salza; feit 1816 aber wurde 
damit auchder größere Theil des vormahligen erzbifchäflichen Landes Salz⸗ 
burg vereinigt, und jet ift diefe Provinz geogranhifcd von dem 46° 56 
5/4 und dem 48° 467 18° der Breite, und dem 29° 477 3077 und dem 
32° 39’ 4417 der Länge begränzt. Sonſt begrängen das heutige Ober 
öfterreich das Königreih Böhmen gegen Norden; Niederdfterreich gegen 
Often ; Steyermark und Kärnthen gegen Süden, und Tyrol und das Koͤ⸗ 
nigreich Bayern gegen Welten. Das Clima ift in verſchiedenen Theilen 
diefer Provinz giemlid ungleich und vorzüglich. in dem füdlichen Theile, 
wo ſowohl im älteren Lande, als in dem neu zugewachfenen Gebiethe 
Eisberge vorkommen, ziemlich rauh; aber auch in den nördlichen Ge⸗ 
genden an den Graͤnzen Böhmens iſt es merklich Eälter als in dem Land⸗ 
firihe zu bepden Seiten der Donau. Unter den Gewäheen nd vardiar 


"  Oefterreichob der Enns, Geographie und Gtatiftik. 


lich 6 ſchiffbare Flüſſe zu bemerken; als: Die Donau, welche ſowohl ben 

mit. der Galja vereinigten Innfluß, als auch die Traun und die Enns 
aufnimmt. An dem Traunflufe iſt der hölzerne Navigations-Canal merk: 
würdig, worurd die Schifffahrt über den Warferfall möglich. gemacht 
wurde, welcher bey Lambad in einer Strecke von 207° über 1O Klftr. 
beträgt. Der ebenfallsseine Strecke hindurch ſchiffdare Steyerluß vers 

liert ſich beh Stadt Steyerin die Enns; die Fluͤſſe Krems, Alben und 
Agger/ ‚nebft mehreren Eleineren, geben im den, Traunfluß, und. ber 
Grãanzfluß Saale fließt in die Salza oder Salzach. Von Nordengegen 
Suden aber laufen ber Donau u > Der Naarenfiuß, der Aififluß „ die 
Rottel und beyde Mühl: oder Michlflüſſe, von welden der grofie Mühl: 

fluß durch den Sch waryen ber g'ſchen Holjihwemm + Canal, 

- mit dem böhmiſchen Fluſſe Moldau in Verbindung geſetzt iſt; im Satz⸗ 

bu Kreife ift noch der, Urfprung der-Mur-zu bemerken. — Außer 
dieſen Flüſſen hat das Land ob der Enns auch einige merkwürdige Waſ ⸗ 
ſerſammlungen oder ſtehende Seen, naͤhmlich: Den Hallſtaͤdterſee, den 
Gmundnerfee, welche deyde Seen von der aus Steyermark kommen« 

den Traun durchfloſen werben; den. Innſee, den Mondfee , . und 

den Atter » oder: Kammierfee, welche durd) ‚den Aggerfluß mit der 
Traun in Verbindung. ftehen; dann den, Martfee , Molfgangerfee, 
‚Ballerfee, und die Heinen Alben, Ofen» und - Öpfafeen , fo wie 

- ben oberen Dee, den Gafteiner und Böciteinerfee im ſüdiichen Hochgebir- 
ge von Salzburg. Im Teßtgenannten Kreiſe iſt auch das berlihmte Gaftei- 
nerbad. —Der Boden in Do. d.E.iftfehr uneben, und erbedrfich in verſchie ⸗ 

denen Theilen der ſüdlichen Landesgraͤnze über die beſtaͤndige Schneegraͤn⸗ 

ge. Der höchſte Berg iſt darunter der Glockner an der Gränze mit Kärns 

then; das nördliche Hochgebirge diefes Landes gehört zu den. Kalte Als 

pen; das Gebirge zwiſchen Salzburg und Karnthen aber iſt eine Bort- 
feßung ber mittleren Alpenkette, deren Gebirgsart Granit it. — Das 

im Norden des Landes beindliche Gebirge.it im Ganzen minder hoch. 

Die Einwohner biefes Landes find meiftens bayeriſcher Abftammung, nur 

an der Enns und Traun haben ſich in einigen Gemeinden ſlaviſche Abs 
Eimmlinge erhalten, die aber, wie alle übrigen Oberöfterreicher, deutſch 

und lange nicht mehr ihre Mutterfpräche reden, Ihrer Anzahl nach hat 

das Land.ob der Enns gegenwärtig 765,385 Bewohner. Unverhältnife 

mäßig groß iſt hier die Zahl der Wohnpläge, da eine Menge einzelne 
Bauernhöfe eigene Ortsnahmen haben, und man zähle 17 Städte mit 

37 Vorfädten, 112 Märkte und 6,835 Dörfer. Die Hauptnahrungse 
ige der Eingebornen find zwar hier fait diefelben, wie im Lande unter der . 

4 aber die Verhoͤltniſſe unter ſich find ganz verſchieden. Man zählt 

bier 5 Landdauern gegen 2 Gewerbsleute, unter 438 Perſonen eine 
‚abelige ; unter. 260 einen Geiſtlichen, und unter 147 eine aus der Claſſe 

ber Honeratioren. — Die Landwirthſchaft iſt hier im Allgemeinen in 

‚einem beiferen Zuftande als im Lande unter der Enns, und vorzüglich 
verſteht ſich diefes vom eigentlichen Lande ob der Enns, Im Ganzen 
nimmt — benützte Boden einen Flaͤchenraum von 
2,960,54 ‚ein, wovon. basalte Land ob der Enns allein 1,742,480: 
Io begreift; im Salyburgifchen aber ift viel als Weide angegebene 


% 


Defterreid) ob der inne, Geograpbie und Statiftit. 91 


Sand bloßer Steinfelfen. Die Waldungen nehmen über ein Drittel 
‚alles urbaren Landes ein, die Öetreidefelder erſtrecken ſich über 837,009 
Joch, die Wiefen über 370,710 Jod. Im Hausrud: und Mühl. Viertel 
find aud noch 83; Jod Weingärten vorhanden, deren Product aber 
von geringem Werthe ift. Die Obft:Eultur ift im Lande ob der Enns von 
Bedeutung. Der Stand des befchriedbenen Zug » und Nubviebes beläuft 
fidy in der ganzen Provinz auf 43,134 Pferde (darunter verhaͤltnißmä⸗ 
fig die meiſten im Innkreiſe, nähmlih 10,638), 86,349 Odfen, 
279,386 Kühe und 191,514 Schafe. Außer diefen werden auch viele 
Schweine, befonders im Lungau, gezogen. Die vielen fiſchreichen Ges 
wäſſer biethen Gelegenheit zur -einträglichen Fiſcherey dar, felbit ed⸗ 
ler Fiſchgattungen, als Sälblinge, Huchen, Korellen; defto unbedeu⸗ 
tender ift der Jagdertrag, doch werden nebft anderem Rothwilde au 
Gemſen in den falzburgifchen Hochgebirgen und Geflügelwild überhaupt, 
und ziemlich zahlreich angetroffen. Der Bergbau ift in Bezug auf bie 
Kochſalzgewinnung in diefem Lande von gröfter Wichtigkeit. Schon 1308 
gefhah auf Veranlafung der Gemahlinn Kaifer Albrecht's J., Elis 
ſabeth, die Wiedereröffnung des uralten Bergbaues zu Hallſtadt, 
und ein zweyter Salzberg in der Nübe des vorigen (bey Iſchl) wurde 
1571 eröffnet. Ben beyden Werken beläuft fich die jährlihe Salzerzeu⸗ 
"gung auf 450 bis 500,000 Ctr. in Fäſſern, und 50 bis 60,000 Ctr. 
in Küffeln. Der Bezirk, wo die Salzerzeugung geſchiebt, beifit das 
Salzkammergut. Ein anderes wichtiges Salzwerk iſt über dem Städtchen 
Hallein im Balzburgifhen. Die Höhe des Salzftockes beträgt 1630 
Fuß, und er ift nicht nur der größte, fondern-aud der reinfte auf der 
Nortfeite der Tauern, aber die Salzgewinnung iſt doch nicht fo beträcht⸗ 
(ih, als bey den vorigen. Außerdem wird am Natbhausberge auf Gold 
gebaut, das zu Böckſtein durch ein Amalgamire Werk den Schlichen 
entzogen wird; im Leogang find filberkältige Kupfer: und Bleyanbrü⸗ 
de, und auch bey Rannigftein im Qungau wird auf filberhältige 
Bleyerze gebaut; aber noch ergiebiger und wichtiger find die falzburgi» 
ſchen Eifenwerke im Miliz. Thale, im Lungau, im Urslau⸗Thale, im 
Zweng:Thale und zu Flachau. Im Lungau beftand vormahls ein ergies 
biger Bergbau auf Kobalt, und noch wird hier die Arfenit:Gewinnuhg 
und Bereitung, fo wie im Groß⸗Arl die E-chmefelerzeugung aus den 
Mübhlbacher Schwefelkiefen thätig betrieben. Unter den zahlreichen Ges 
werbsanftalten find die Arbeiten in Eifen, die Wollenzeug:, die Muf: 
felins und Battiit:Manufacturen, dann bie Leinwand» und Zwirnerzeus 
gung bie wichtigften. Im älteren Theile des Landes. hat vorzüglich um 
Siteyer und weiter gegen Süden die Eifen : Waaren : Erzeugung, fo 
wie die der Leinwaaren im Mühl: und zum Theile im Irın s Viertel ibhs 
ren Sit. Im Salzburgiſchen bringe die Eifenwaaren-Erzeugung allein 
dem Lande 118,850 fl. jährlich ein, und für Eiſendraht erhält es über 
45,000 fl. Zu Lin; befteht feir 1669 die größte Wollenzeug- 
Manufactur, welche jährlich über eine Million Gulden an in derfelben 
erzeugten Waaren in Handel bringt, der Überhaupt von großem Belans 
geift. (©. Linzer Wollenzeug-, Tuch- und Teppichka— 
brik) Salzburg, Linz, Steyer und Braunan Ind die Haute. 


92 Oeſterreich ob der Enno, Geographie und Statiftif. 


orte, von welchen aus der Verkehr am ftärkften betrieben wird, und obs 
schon hier viele Artikel felbft von der erften Notwendigkeit, z. B. Ger 
treide, Schlachtvieh, Wein, Tabak, allerley Galanterie-Waaren, 
Seide und Seidenwaaren, Schaf und Baumwolle, Bärbeftoffe, Zur 
der, Kaffeh und die nöthigen Spezerep + und Apothefer-Waaren, in 
großen Quantitäten eingeführt werden, fo gewinnt dod das Land ein 
Bedeutendes bey feinem Handel, welchen die Flüſſe Donau, Inn und 
Salga und eine Ausdehnung der wohlunterhaltenen Kunfiftraßen in ei⸗ 
ner Lange von 8 l Meilen fehr begünftigen. —Die politifche Landesverwal« 
tung beforgt die oberennfifche Landesregierung zu Ling mit den ihr un⸗ 
tergeorbneten Kreisämtern zu Linz, Salzburg, Wels, Steyer 
und Ried. — Die geiftlihen Angelegenheiten der Katholiken im ältern 
Lande ob der Enns unterftehen der Leitung des Biſchofes zu Lin z, der 
ein Sufftagan des Wiener Erzbiſchofes iſt; im Salzburgiſchen der des 
Erzdifcpofes dafeldft. Die der Eoangelifcen und Reformirten,  movon 
jene 9 Bethhäufer und biefe 1 Bethhaus im Lande haben, unterftehen 
den Eonfiftorien diefer Confeffionen zu Wien. Für den öffentlichen Unters 
richt ift durch zahlreiche Trivialſchulen in allen Candestheilen, durch 
eine Haupt · Normalſchule zu Linz und durch Hauptſchulen zu Sal, 
burg,Ried,Steyer, Wels, Kremsmünfterund$reyftadt;bin 
Symnafien zu Lin Salzburgund Kremsmünfter, unddiehöheren 
Lehranſtalten oderkheeen zuliny‚SalzburgundKremsmünfterges 
forgt. Zu Krems mün fteriftübrigens auch noch ein Convict, und bey den 
Linzer Urfuliner-Nonnen ein Erziehungs Inftitut für Mädchen, mebft 
einer öffentlichen Müdchenfule; auch zu Hallein im Saljburgifchen 
befteht feit 1740 eine von den fogenannten Regelſchweſtern (ohne geiſt ⸗ 
liche Gelübde) unterhaltene Mädchenfhufe. Mit den genannten böhern 
Lehranſtalten find auch ſchätbbare, wilfenfhaftliche Samınlungen verbuns 
eben, und durch bedeutende Stipendien: Fonds werden zu Linz und Sal y 
burg fludirende mittellofe Jünglinge unterftügt. An andern Humanis 
täts-Anftalten beftehen nahmbafte Armenftiftungen und Spitäler ſowohl 
in den beyden Hauptſtãdten als indem übrigen Lande vertheilt, dann die Kran ⸗ 
kenhäuſer ber barmherzigen Brüder und Eliſabethiner⸗ Nonnen zu Linz, 
das allgemein ein, führte Armen:Inftitut und ein wohlthätiger Frauen ⸗ 
verein eben dafeldft. Zur Handhabung der Juſtiz find erfte Behörden fos 
wohl das k. £, Stadt: und Landrecht zu Linz, als jenes zu Salzburg 
fammt ben mit bemfelben vereinigten Criminal: und Handelsgerichten, das 
Berggericht zu Steyer und die Eivil- und Eriminalgerichte ber Magie 
ſtrate und Dominien. Die unmittelbare Oberbehörde ift das E. k. Appellar 
tionsgericht zu Wien, von welchem in bierzu-geeigneten Fällen, der 
weitere Rechts zug am bie oberſte Juftizftelle dafelbft geht. Zu Linz iſt 
ein eigenes Militär-Obercommando aufgeftellt, welches, dem niederöfterr, 
Seneral:Commando zu Wien untergeordnet it. — Oſterreichs ob ber 
Enns fümmelihe Bäder und Geſundbrunnen find: Dorf Aign, Salz⸗ 
“burger Kreis, Ealtes Gefundbad. — Dorf Buchs, Salzburger Kr., Ges 
funddad. — Markt Gaſt ein, Salzburger Kr., Wildbad, — Markt 
Grammatftätten, Mühlkr., Geſundbr. — Markt Hall, Traums 
#. Dineralguelle. — Markt Ifchl, Traunke., Soolbäder. — 
Do Rirhfhlig, Mübter., Geſundoe. und Bar, — Dorf Ma: 


Oeſterreich unter der Enns, Geographie u. StatiftiP. 93 


ria=-Bronnenthal, Innkr., Mineralbad. — Dorf Mühladen, 
Muͤhlkr., Heilbad. — Markt Raab, Innkr., Mineralquelln. — 
Dorf Spisalam Pyhrn, Traunkr., Schwefelquellen. — Dorf St. 
Thomas, Innkr., Geſundbad. — Markt Windiſch-Garſten, 
Traunkr. Geſundbad. — Dorf St. Wolfgang, Salzburger Kr., 
Geſundbad. 

Oeſterreich unter der Enns (das Land unter der Enns, 
auch Unteroͤſterreich, Niederoͤſterreich genannt). Geographie 
and Statiſtik. Dieſe Provinz, wo ſich der Centralpunct der ganzen 
Staatsverwaltung befindet, ift auch dermahl beynahe im Mittelpuncte 
der Monarchie zwifhen dem 47° 267 147° und 49° 0° 307° nördlicher 
Breite, und dem 32° 5° 40° und 43° 40° 37° äftlicher Länge gelegen, 
wenn man naͤhmlich auf die Entfernung der äußerften Dit- und Weft- 
puncte des Reiches Nücficht nimmt. Ihre Größe ift nicht beträchtlich ; 
denn nach der genaueften Berechnung beträgt der Flächeninhalt von Ofter- 
reich unter der Enns nur 464 Q. M. Alle Nachbarländer diefer Provinz 
unterfteben demfelben Herrſcher; fo das verbrüderte Rand ob der Enns 
im Weften, das Königreih Böhmen und die mährifhe Markgraffhaft 
im Norden, das Königreih Ungarn im DOften ‚und das Herzogthum 
Steyermark im Süden. — Es iſt von felbft begreiflich, wie vielfach bes 
gänftigend dem Lande diefer Umſtand ift. Weniger ift ſolches in Hinſicht 
feines Elimas, und noch weniger rückſichtlich ſeines Bodens der all; 
aber e8 wird zum Theile durch feine vortheilhafte und reichlihe Bewäͤſſe⸗ 
rung bafür entfchädigt. Das Clima ift zwar immer noch freundlich und 
mild zu nennen, unterliegt jedoch einem fehr empfindlichen Temperaturs⸗ 
wechfel. Der Weinbau, der befonders an den öftlichen Abhängen bes 
Kahlengebirges, des Biſam⸗ und Manhartsberges noch wohl gedeiht, 
kommt ſelbſt an ſeiner weſtlichen Abdachung ſchon nicht mehr ſo gut fort 
und hört in den weitläufigen Gebirgsgegenden ganz auf, welche das 
Land im Süden und Nordweiten einnehmen. Die Gebirge, welde den 
Boden in den verfhiedenften Erhöhungen und den mannigfaltigften Ges 
flalten bedecken, geben dem Lande die anziehendften und vielfeitigften Ans 
fihten, die nur immer ein Gebirgsland verfchaffen kann. — Längs den 
ſüdlichen Gränzen zieht fih ein mächtiges Kalkfleingebirge von Weiten 
nad Oſten hin, deſſen Kuppen an einigen ſich der beftändigen Schnee; 
gränze bis auf eine Seehöhe von beynahe 1,200” nähern. — Gewäſſer: 

aft durch des Landes Mitte ſtrömt in weiten Bette der Hauptftrom 
Dfterreih8 und Süddeutſchlands, die Donau. Diefer Fluß theilt Ofter: 
reich beynabe in 2 gleiche Hälften; alıfwärts befahren ihn ungar. und 
öfterr. Schiffe, noch durch Zugpferde gezogen. Neben ber Donau berüb: 
ren die beyden fchiffsaren Flüſſe March und Enns (Anisus) Oſterreichs 
Gränzen. Für fie, wie für fo viele Eleinere fließende Gewäfler diefes Lan⸗ 
bes, iſt Die Donau das gemeinfchaftlihe Aufnahmsbebältniß, mir beilen 
Waſſer vermengt fie dur Ungarn in das ſchwarze Meer ihren Abfluß 
haben. Die merkwürdigften diefer zum Flußgebiethe der Donau gehörigen 
Gewärfer, die zum Theile als Holzſchwemmcanäle für die Hauptſtadt von 
großem Nuten find, noch häufiger aber zum Betriebe einer großen Anzatt 
Waſſerwerke aller Art dienen, find: Die Leicha, Troiſen un Eigrar: 


— 


94 Oeſterreich unter der Anne, Geographie und Statiſtik 


a, der große und kleine Fifhafluf, der Pieſting /Trieſting · und 
nämlich im. Umfange des fogenannten Viertels Unter. Wiener · Wald, 
% ——— —— * in ge —— 

andestheile; Der —J a, [$ling, bie größere Traifen , die 
Bielah, die Melk, die Erlaf — Im Rreilöeiete Unter · Man · 
bartsberg An dernorböftlichen Candesgegend; Die Thaya, Pula und 
Zapa, der. Sulz, Weiden: und Rufbah, der, Göllersbad und ‚der 

midafluß; ‚im nordweſtlichen oder Ober» Manhartsberger Lane 
desiertel, außer bem ſchon erwähnten Thapafluffe,. der große und Heine 
Kamp, der Zweitelflufi, beyde Kremsfluife, der Ranafluß, der Weir 
denbad und bie Ifper; Nur in diefen Kreis reicht in einem. Heinen Theile 
das Blußgebieth der Eibe, wohin die Bäche Lemfis und, Schwargsac in 
den ipm angebörigen böhmiihen Moldaufluß ihren Ablauf. baben über 
fo reichlich das Sand fonft bewälert.üf, fo bat es do, außer den Heinen, 
Seen der, Exlaf, des Lunzſees und dem Seefelder Weiher, Eeinen bemers, 
fenswerthen See aufjumeifen. Ausgedehnter ind feine Moosgründe um. 
Minkendorf, Selling un Moosbrunn, und überaus wichtig feine 
vielen, heilfamen Quellen, unter. welchen die Schwefelbäder zu Badem 
nicht nur ihrer entfepieben großen Wirkung, fondern auch wegen der im 
den neueften Zeiten‘ binzugefommenen - wichtigen. Verfhonerungen der 
herrlichen Naturanlagen ihrer. Umgebung, mit Rechtiobenan zu ſtehen 
verdienen (ſ. Ba den). Minder berühmt, doch Vielen überaus heilſam 
geworden, find die Bäder zu-Pira wart un Deut fir Ale 
tenburg. Diefen zunäciisftehen die zuſammengeſetzten ſaliniſchen Stabl- 
wäflerzudeiligenftadt,inder Alfervorffadt zu Wien, dann das 
ſchenthaler und Mauser, das falinifch alcalifhe Stabliaifer zu, Meide 
Ting, die zufammengefeßten alcaliſchen Waſſer bey Rodaun, Mans 
nersdorf und nod anderen Orten, die muriatiſchen Waͤſſer zu Jweks 
tel und Krems, und endlich. das zufammengefeßte Bitterwaffer zu 
Laa (f. weiter unten das Mehrere), — Die Einwohnerzapl-diefer Pros 
ving beläuft, ſich auf 1,245,412 am Eingebornen. Ihrer Abftammung, 
aa gehört die Mehrzahl der, Einwohner wohl zum fübbeusfhen 
ftamme der, Bayern, mit, dem fie in Sprade , Sitten und. Gewohn! 
ten noch jet, die meiite Ähnlichkeit. haben. — ‚Die perridende Reli 
gion, wozu ſich ebenfalls die Mehrheit. der Einwohner bekennt, iſt e 
. Farholifbe; indeſſen ſind auch die Hriftlichen Gemeinden der Evangelis 
Then, Reformirten und der Anhänger der orienralifhen Kirche, fo wie 
die Juden ziemlich zahlreich. Diefen it auch hier der beitändige Auf- 
enthalt mit öffentlicher Rehigionsübung erlaubt, — Die Zahl und Vers, 
ſchiedenheit der Wohnpläße befteht in 35 Städten mit 59 Vorſtaͤdten, 
238 Märkten.und 4,288 Dörfern, welche zufammen 149,900. Wohne 
gebäude enthalten, ‚von denen bey 86,000 aus. Bad: und Bruchſteinen, 
ein Zwölftel von ungebrannten Üopmlegelnr und ber. Neft haupt 
fi von Holz erbaut find. Die vorzüglicere Gelegenheit, welche ich 
bier zu einem reichlipen Gewinne dur den Betrieb der Kunſtgewerbe 
und des Handels anbiether, Hat auf bie Hauptnahrungsjweige der hie: 
Aigen Einwohner einen großen Einfluß bewiejen. Nicht die Pflege des 


Oefterreich unter der Enns, Geogrepbieund Statiftif. 95 


Bodens und die Gewinnung der eriten Erzeugnilfe aus demfelben find es, 
welche unter den Beldäftigungsarten bier mit vorzüglichem Fleiße bes 
trieben werden; denn bie größere Sorgfalt beym Feldbaue beichränkt jich 
nur noch auf wenige Wirtbfchaften, deſto mehr Sorgfalt wird auf den 
Weinbau verwendet, wo ibn Elima und Boden begünftigen; aber beyde 
finden ein große® Hinderniß in dem unverhältnißmäßigen Viehftande. 
— Bon der ganzen Oberfläche des Bodens ift etwas mehr als ein Drit⸗ 
tel oder 1,282,576 Joch dem Keltbaue gewitmetes Land; 381,000 Joch 
nebmen die Wiefen und 267,000 Joch die Huthweiden ein; 78,661 Zoch 
find dem Weinbaue gewidmet und über 860,287 Joch erſtreckt ſich der 
MWaldboden. — Der beſchriebene Zug- und Nutzviehſtand wird auf 57,725 
Pferde, 90,509 Odfen, 199,220 Kühe und 352,761 Schafe ange- 
fhlagen; aufier biefen Gattungen wird aber auch vieles Borftenvieh und 
Nnoch mehr Geflügel unterhalten. Die Fiſcherey it im Ganzen von Wich- 
tigkeir , deſto minder der Ertrag der Jagd. Noch andere Zweige der 
Iandwirtbfchaftlihen Eultur, die hier in bedeutenderen Verhältniſſen vors 
fommen, jind die Obftbaumzucht und der Gemüſebau; dann der des Saf⸗ 
frans, Senfes, Flachſes und Hanfes, und die auf die Umgebung von 
Wien beſchraͤnkte Eultur der hinefifhen Rhabarber. An nützlichen Pro« 
ducten bes Mineralreiches werden bier durch den Bergbau vorzüg ich Eis 
fen und Steinkohlen, bann trefflihe Baus, Mühl: und Pilaiteriteine 
gewonnen ; aber auch auf filberhaltige Kupfer: und Bleyerze wird gebaut, 
obfchon die Ausbeute kaum die Sewinnungsfoften lohnt. Defto einträgs 
licher find die KRunftgewerbe der mannigfaltigften Art in biefem Lande. 
Unter bie vorzüglichften derfelben, die in großter Ausdehnung betrieben 
werden, gebören: Die Baummwollen s Epinnereyen ; die Baumwollens 
zeugs Webereyen und Drudereyen; die Beiden, Band: und Zeug: Ma: 
nufacturen; die Leinwebereyen; die neu eingerichteten höchſt wichtigen 
Flachsgern⸗Maſchinenſpinnereyen; die Tuch⸗ und andere Schafwollen⸗ 
jeug- Manufakturen ; die Etrumpfwirkereg ; die Leterbereitung; bie 
Merallfabrifen und vorzüglich die Eifenwaaren« Erzeugung ; die Fabri— 
Bation von Gold», Eilber:, Ton:bak⸗, dann plattirten Waaren; die 
- Stab:, Glaswaaren⸗ und Spiegelfabrifation; die Porzellan, Stein⸗ 
gute, Fayence⸗- und Erdengefchirrfabrilation; die Drechsler⸗, Tiſchler⸗, 
Wagner: und Schloſſerwaaren-Fabrikation; die Filz» und Etrohhurs 
Manufactur; die Erzeugniffeder mathematiſchen, phyſikaliſchen, chirurgi⸗ 
ſchen und mufitalifhen Inftrumentenmader mit der Aderbauwerkzeugs 
Manufactur; die Uhren: Manufactur; die Kunitperlen: Erzeugung ; die 
Papier - Manufactur befchäftigt bey 100 Bütten 678 Arbeiter; die Pa- 
pierfpaliers und Epielfarten: Manufactur; die Buchs, Qantcharten: und 
Mufilaliendrudereyen; dann die Kupfer: und Steindruckereyen nebſt 
mebreren anderen, welde, obne die Polizeygewerbe, eine Menden: 
menge von mehr als 57,000 befhäftigen und 2,368 Waſſerwerke und 
Mafchinen aller Art, dann 520 Drucktiſche und 18,044 Webſtühle in 
Umtrieb fegen. Die bisher genannten Natur⸗ und Kunfterzeugniife find 
die Segenftände des Eigenhandels diefer Provinz; damit wird ein gre- 
fier Theil der fremden Einfuhrartikel bezahlt, welche vorzüglich inyelt- 
früchten, Weinen, Brenn, und Bauholz, Schaf: und Baumwalk ı 


96 Oeſterreich unterder Enns, Geographieund Statiſtik. 


Reis, Baumfrügten, Ohl, Thierhaͤuten und in allen Arten Cofonial« 
und Apothekerwaaren, in allen Gattungen Metallen und vielen Metall» 
waaren, dann in Büchern, Landdarten und Mufikalien beiteben, der 
„Werth fid tiber 14 Millionen Gulden beläuft; dagegen die Ausfuhr nur 
einen Geldwerth von beyläufig 12 Millionen hat, und auf 5 Millionen 
werden bie Tranfitomaaren geſchaͤtzt. Eine große Erleichterung verfhafft 
die Donau dem Handel vum Transporte vieler Waaren, befonders zu 
dem des Getreides, der Baumfr: und: des Holzes; eben fo wichtig 
iſt der nach der Hauptſtadt führende Canal für diefen Zweck geworben; 
aber aud durch ein gut vertbeiltes Strafienfpftem, wovon allein bie 
Kunſtſtrahen eine Länge von beynahe 102 Meilen haben , wird die Vers 
bindung mit den Nachbarländern (auch durch wohlvertheilte Poftämter, 
Eilwagen und Diligencen) erleichtert. — Durch diele andere Beförder 
rungsmittel, j. B. an Meifen (vorzüglich zu Wien jährlich 2) und 
Yahrmärkten, Leibe und Wechfeldanken , dur ein Handelsgericht und 
befondere Handels:, Werhfel: und Gewerbsordnungen iſt hinlänglich für 
den Handel geforgt: Die Leitung aller öffentlichen politifhen Geſchäfte 
geſchieht durch die niederöfterr. Landesregierung in Wien; ihr find für die 
rreichung des nähmlichen Zweckes die Kreisämter in Wien, St. Pl 
ten, Korneuburg und Krems untergeordnet. Die Handhabung 
der Juſtiz iſt dem niederbſtert. Appellationsgerichte und den demfelben 
üntergeordneten erften Behörden (dem Landrechte, den Lehen; und Berg» 
gerihten, den Magiftraten und den Patrimonialgerichten der Dominien 
oder Herrfihaften) anderteaut, welche zum Theile auch Criminalgerichte 
Kir Landgerichte genannt) find. — Die kirchlichen Angelegenheiten der 
‚atholiten ftehen unter der Leitung eines Erzbiſchofes (mit fürfiiger 
Würde) inWien und eines Biſchofes zu St. P H ten und die zahlreichen 
Pfartbezirke find in größere Decanats» Diftriete eingetheilt. die Evans 
ſiſchen und Reformirten haben in Wien eigene Superintendenten und 
onfiftorien. Ebenfalls beftehen dafelbft wichtige und mannigfaltige 
BSildungsanftalten für den Gelehrten», Künftter= und Gewerbsftand, 
aber aud in verfchiedenen anderen Orten gelehtte Mittelſchulen oder 
Gomnaſſen, und im ganzen Lande vertheilte Elemtentar und fogenannte 
Haupiſchulen. Nicht minder wichtig, ausgedehnt und mannigfaltig find 
auch die hier beftehenden Humanitäts-Anftalten, vorzüglich in ber Haupt ⸗ 
ftabt, — Endlich beſteht auch für die militäriſche Landesverwaltung zu 
Wien ein eigenes Generalcommando und bie 3 Linien + InfanterierRer 
gimenter Nr. 3, 4 und 49 haben in diefer Provinz ihre Cantone, aus 
welchen fie ſich ergangen; aber aufer diefen haben gewöhntih 1—2 Ca» 
vallerie-Regimenter, einige Grenadier-Bataillons, ein Beldartillerier 
Regiment, das Bombarbiercorps und bie befonderen Corps der Pionier, 
—— Sappeurs und andere ihre Stabs und Haupt · Standquar⸗ 
ein Du: d. E. , mo auch der Sitz aller höheren und höchſten poli— 
tifhen, Finanz, Juftize und militärifhen Verwaltungsbehoͤrden iſt — 
Die Benennungen Ofterreich oder Land unter der Enns, Unteröfterreich 
und Mieberöfterreich ſind übrigens völlig gleichbedeutend und gehören aus⸗ 
8 ſießend der öſtlichen oder unterennſiſchen Hälfte des Erzherzogthums 


reitkgan. Die amtliche oder Dicaſterialbenennung iſt Niederbſter⸗ 


ÖOefterreihifhe Erbvereinigung. 9 


reich, und wurde zuerft unter Aaifer Maximilian J., nad der Tren⸗ 
nung Tyrols und Vorderöſterreichs in Bang gebradht. — Hſterreichs 
unter der Enns ſämmtliche Bäder und Gefundbrunnen find: Stadt Bas 
den/ V. U. W. W., yeiße Schwefelquellen. — Dorf Deutfhr Als 
tenburg, V. U. W. W., Schwefelbad. — Dorf Ebergaſſing, 
V. U. W. W., warme Quellen in der Fiſcha. — Dorf Garſchenthal, 
V. U. M.: B., Geſundbr. — Stadt Gmünd, V. O. M. B., Mi⸗ 
neralwaſſer. — Markt Gutenbrunn, V. O. M. B., warmes Ge⸗ 
ſundbad. — Dorf Heiligenſtadt, V.U. W. W., Geſundbad. — 
Dorf Hernals, V. U. W. W., warme Mineralbäder. — Stadt 
kaa, V. U. M. B., Bitterwaſſer. — Dorf Lieſing, V. U. W. W., 
Geſundbad. — Markt Mannersdorf, V. U. W. W., Geſundbad. 
— Dorf und Schloß Mauer, V. U. W. W., Geſund⸗ und Schwe⸗ 
felbäder. — Dorf Meidling, V. U. W. W., kaltes Schwefelbad. 
— Mar Mödling, V. U. W. W., Geſundbr. — Markt Pyr a⸗ 
warth, V. U. W. W., warmes Bad. — Dorf Rodaun, V. U. W. W., 
Geſundbad. — Hof Sauerhof, V. U. W. W., warmes Bad. — 
Dorf Vöslau, V. U. W. W., kaltes Bad. — Dorf Walken⸗ 
fein, V. O. M. B., Geſundbad. — Stadt Wien, V. U. W. W., 
Brünnelbad in der Alſervorſtadt. 

Geſterreichiſche Erbvereinigung. So werden in der ſtaats⸗ 
rechtlichen Sprache der Eidgenoſſenſchaft verſchiedene theils von den Can⸗ 
tonen, theils von Graubündten mit dem Haufe Oſterreich geſchloſſene 
Friedens⸗ und Freundſchafts⸗, zum Theil auch Bundesvertraͤge genannt, 
die aber weſentliche Verſchiedenheiten zeigen, obgleich ſie untet obigem 
gemeinſchaftlichen Nahmen begriffen werden. 1) Die Grundlage der Erb⸗ 
vereinigung mit den Cantonen macht bie fogenannte ewige Richtung 
jwifchen dem Erzherzoge Siegmund von Oſterreich und den acht Or⸗ 
ten und ihrer Zugewandten und Zugehörigen. Da bie bisherigen 
Friedensſchlüſſe mit Dfterreich immer hur für eine beflimmte Zahl von 
Jahren geſchloſſen und dann von Zeit zu Zeit wieder verlängert worden 
waren, nun aber die Ausführung der Plane Ludwigs Al: von Franke 
reich gegen Herzog Carlden Kühnen von Burgund eine Vers 
einigung der Eidgenoifen mit Ofterreich erforderte; fofuchten die franzoͤ⸗ 
fifhen Unterhändler in der Schweiz und am Hofe des Erzherzogs durch 
einen endlichen Frieden auch eine fürmlihe Verbindung einzuleiten. So⸗ 
bald nun ber Erzherzog dazu gebracht war, daß er Allem, was die Eid« 
genojfen bis zu diefem Zeitpuncte durch Kauf oder Eroberung an fid 
gebradht hatten, auf ewig entfagte, fo war die einzige Schwierigkeit 
des Zriedensfchluffes gehoben. Die ewige Richtung kam alfo auf einer 
Zufammenkunft zu Conftanz im Anfange April 1474 zu Stande, und 
wurde dann den 11. Yung 1474 von Ludwig XI. zu Senlis ga 
rantirt und befiegelt. Daher hat fie gewöhnlich dieſes letztere Datum, 
um fo mehr, dafie fo redigirt ift, daß der König felbft redend eingeführt 
ik. („So fegen Wir den Vertrag und Bericht zwifchen den obgenannten 
Parteyen alfo 2c.“). Sie verordnet Sicherheit des Handeld und Wandels 
ohne Errichtung neuer Zölle , gegenfeitige Hülfe und Sat, Ahern 
jedem Theile diejenigen Länder, Städte, Dürfer 16. ya, Wr vr IM. 

Deßerr. Rat. Encpll. BD. IV. L 


98 Oefterreihifhe @rbvereinigung. 


Befise hat, und hebt alle fernen Anſprüche gänzlich auf, Kein Theit 
foll Feinden. des andern Theils irgend eine ®: igung gewähren; 
Angehörige des einen Theiles dürfen von dem andern nicht in Bündniſſe 
oder Schuß aufgenommen werden, wenn ſie ſich nicht in feinem Gebierhe 
nieberlaflen ; ‚die 4 Öfterreichifchen Waldftädte am Rhein (Laufenburg, 
Rheinfelden, Waldshut und Seckin gen) follen der Eidgenoffen 
offene Haͤuſet feyn, d. h. fie folen das Recht des Durchzuges haben, 
fo wie auch, Beſatzungen in diefelben zu legen. — Diefer Vertrag, 
der oft unrichtig die erile'Erbvereinigung genannt wird, wurde durch 
die erſte Erbvereinigung mit Erzherzog Siegmund 1477 in einigen 
Puncten verändert. Sie kam nach dem durgundiſchen Kriege zu Stande, 
als nad. dem Balle Herzog Carl’sdesRühmen «Frankreich und Ojters 
teich um die Grande = Comte Fämpften, und int Spätjgbre 1477 die öfters 
reichiſche oder burgundiſche Partep eine Zeitlang das Übergewicht in der 
Eipgemoffenfhaft über die Anhänger Frankreichs. erhalten hatte. Zuerſt 
wurde fievon Zürich, Bern, Luzern, Uri und Solothurn 
angenommen, und bald traten auh Schwyz, Unterwalben, 
Zug une Glatusbep. Sie iſt datirt Zurich, Montags vor St. Gal- 
len⸗Tag 1477. Außer den vorigen Freundſchaftsverſicherungen verorbriet 
fie auch gegenfeitige Hüffsleiftung um Cold, welden der begebrente 
Theil zu dejahien bat, und verpflichtet noch insbefondere die Eidgenoſſen 
zur Hülfe gegen Empörungen der Unterthanen des ——— binges 
gen. fehlt bas Befagungs- und Durchzugsrecht in ben oͤſtert. Waldjtäde 
ten. Dieß war es befonders, was den 4 demokratiſchen Orten, Sch woz⸗ 
Unterwalden, Zug und Glarus miffiel, während die öfterr. 
Waldftädte ſich eben diefem verlangten Rechte entſchloſſen widerfeisten, 
und fih aud zur Beſchwörung dieſer Erbvereinigung nicht verjtehen 
wollten, wie der 8. Artikel,und zwar in Ausdrücen feftfeßt, die mir 
der neuern diplomatifchen Sprache merkwürdig genug contraftiren. Es 
beifttinähmlich dort: „Damit diefer Vertrag, deſio kräftiger zu ewigen 
— gehalten werde, fo wollen Wir Herzog Siegmund ven 
ſterreich Ounft und Willen dazu geben; und unfereinnhabenden Städte 
der äußern Landen (d. h. Worderöfterreih) gütli vermögen, dafi fie 
Alles das, fo Wir hiervor und jet mit den Eidgenoffen aufgenommen 
baben, und eingegangen find, mit ihren auch anbangenden Infiegeln 
ohne Verzug. befräftigen, und dem Allem nachzukommen lauter zufar 
gen.“ — Jene Weigerung ber, Waldftädte am Rheine hatte nun die 
Folge, daß diefer Vertrag, obgleich er von dem Erzherzoge und ben 
Eidgenoffen angenommen war, nicht zu wirklicher Rechtsgültigkeit 
gelangte, ‚und die ewige Ribrung wieder ald Norm der Verbältnife 
iſchen Dfterreich und den Eidgenoffen, galt. Diefelbe follte aber alle 

0 Jahre von den öfterr, Walditädten wieber beſchworen werben (Artie 
tel 9). 1474, bey Etrihtung des Vertrags, war dieß ohne Weigerung, 
aus Furcht vor Burgund, von ibnen geſchehen. Als die Beſchwörung 
aber 1484 wieder Statt finden follte, willigten die Eidgenoſſen auf bie 
Bitte des Ergberzogs in einen Auffpub von 5 Jahren, weil die Walde 
Födte nur mit Gewalt zur Befdwörung hätten gebracht werden Finnen, 
"Dos follte biefer Auffaub die @httigkeit des Vertrogs keineswegs fd wär 





Oeſterreichiſche Arbvereinigung. 99 


den. — Dee Schwabenkrieg, welchen bie Eidgenoſſen und die Grau⸗ 
kündener 1499 gegen Marimilian I. und den fhwäbifchen Bund 
führten , unterbrady dann die freundfdaftlihen Werbältniife mit Oſter⸗ 
reich, und in dem Friedensſchluſſe zu Bafel wird weder der ewigen 
Richtung nod der Erbvereinigung gedacht, fontern nur im Allgemeinen 
verordnet, daf Alles, was durd diefen Friedensſchluß nicht verändert 
werde, auften alten Fuß folle hergeftellt werden. Marimilian fuchte 
daber im folgenden Jahre durch alle möglichen Mittel eine neue Erbver⸗ 
einigung zu Stande zu bringen. Allein die vom Schwabenkriege ber 
noch fortdauernte Erbitterung und das damabls in der Eidgenoffenfchaft 
vorherrfhende Syſtem der Anſchließung an Frankreich vereitelten feine 
Bemühungen. Aber als die Eidgenoſſen 1510 dur die Schuld der Fran⸗ 
ofen felbft in den mailändifhen Händeln als die geführlichften Feinde 
Krankreicht auftraten, fanden auch die öfterreichifhen Unterbandlungen 
mieder bey mehreren Orten Eingang, und den 7. Sebruar 1511 wurde 
zu Baden in der Schweiz bie neue Erbvereinigung mit Kaifer Mar is 
milian I. und feinem Enkel, dem Erzherzog Carl (V.) abge 
ſchloſſen; doch dauerte es noch bis zu Ende dieſes Jahres, ehe alle Orte 
einwilligten, am längften wiberfegten fib Luzern, Urt, Schwyz 
und Unterwalben. DieferBertrag „erneuert und erläutert“ (mie es 
im Eingange heißt) die ewige Ridhtung und die Erbvereinigung von 
1477; er gile für diejenigen Lande, weiche nach bemi Tode bed Erzher⸗ 
zogs Siegmund dem Kaifer zugefallen find (d. h. für Tyrol und bie 
rordern Erblande), und für die Oraffhaft Burgund (France » Comte). 
Der freye Verkehr ohne neue Zölle, das Verboth aller Beindfeligkeiten 
und die Beftimmungen wegen der Bündnifle und Schirmverträge mit Ans 
gehörigen des andern Iheiles wurben wiederholt, aber des Beſatzungs 
rechtes in den Waldftädten am Rheine. gefhieht keine Erwähnung, und 
ſtatt des in den vorigen Tractaten enthaltenen Verſprechens thätlicher 
Shülfe verfprechen die Parteyen einander nur, wenn man angegriffen 
würde, „zu einander ein getreu Auffehen zu haben, damit man wider 
Recht oder Billigkeit nicht beſchwert werde.“ Kein Theil fol zulaflen, 
daß feine Angehörigen den Feinden bed’ andern zulaufen (bey ihnen in 
Kriegsdienfte treten). Alle Puncte der ewigen Richtung und Erbver 
einigung von 1477, welche durch biefen Tractat nicht verändert werden , 
blieben ganzlih in Kräften. — Aufier den 8 Orten ber Eidgenoifen- 
ſchaft, welde die frübern Tractate gefchloflen hatten, werben noch er: 
wähnt: Bafel, Sreyburg, Solothurn un Schaffhbaufen, 
welche feither in den eidgenöffifchen Bund ald wirkliche Orte waren aufs 
genommen worden; ferner Appenzell, weldes erft 1513 aufgenom« 
men wurde, der Abe von St. Ballen und die Stadt &t. Ballen. 
Endlich verfnricht der Kaifer, als Wormund feines Enkeld, bed Erz: 
berzogs Carl, daß dieſer zu „Mehrung guten Willens“ jedem ber zwölf 
Orte jährlih 200 rheinifhe Gulden, dem Abte und der Stadt St. 
Gallen und dem Lande Appenzell jedem 100 Gulden bezablen follte. 
Dieß ift das fogenannte Öfterreschifche oder burgundifhe Erbvereini- 
nungsgelb, weldyes in den fpätern Verhandlungen mit Hfterreid ait 
vorkömme, gewöhnlich fehr unregelmäßig bezahlt wourte , unt ylrıt 
7 EF 


100 Oeſterreichiſche mititärifche Zeitſchrift. 


ganz ausblieb. — Earl deftärigte als Kaiſer dieſe Erbvereinigung 1519 
und 1543, und noch 1614 ſah man fie als fo rechtsgültig an, daß die 
Eidgenoffen bey einer Empörung der Landleute im Fricthal und auf 
dem Schwarzwalde wegen einer neuen drückenden Abgabe, ſich mit Ber 
rufung auf die Erbvereinigung in die Sache miſchten, und förmlich als 
Vermittler zwiſchen ber dorderöſterr. Regierung und den Cantleuten 
auftraten. — Allein mit.der veränderten Befcpaffenheit des Handels und 
der Marimen ber Öftert. Negierung in Ruͤckſicht desfelben konnte das 
Verboth neuer Zölle nicht beſtehen, und die Eidgenoffen mußten fi in 
diefer Rüctjicheimmer mehtere Befchränkungen gefallen laffen, worliber 
von Zeit zu Zeit weitläufige Verhandlungen Statt fanden, vorzüglich 
machte. aber der zwepdeurige Ausdruck des getreuen Aufſehens oft 
Schwierigkeiten, indem derſeibe von öͤſterreichiſcher und ſpaniſcher Seite 
(leßtetes wegen der Franche ⸗ Comte) fehr oft als eine Verpflichtung zu thä- 
siger-Dülfe erkiärr, von den Eidgenoffen felbft hingegen nur auf fried- 
liche Vermittlung gedeutet wurde. Doc auch die Eidgenoffen felbft 
trennten / ſich befmegen oft in ihren Meinungen und Beflüffen , je 
nachdem bey einem Orte der ſpaniſche und öfterreichifche , bey andern der 
franzöfifhe Einflußr, zuweilen auch das richtige Spftem. überwiegend 
war, ſich thätlicher Theilnahme an fremden —— zu enthal⸗ 
ten. ⸗Erbvereinigung der Graudündtner mir Oſterreich. Beſſern 
Erfolg als bey dem eidgendſſiſchen Orten hatten nach Beendigung des 
Schwabenkriegs die öfterr. Unterhandlungen in Oraubündten. 1500 ge 
lang es Kaifer Marimilian,vdie drey rhaͤtiſchen Bünde zu einem 
Freundſchafts⸗ Vertrage auf 20 Jahte zu bewegen‘, vor deſſen Abfluffe 
dann 1518 ein ZFerblicher und ewiger* Vertrag: zwiſchen dem diterr, 
Haufe und den drey Bünden zu Stande kam. Derſelbe erſtreckt ſich 
auf Tyrol und die Herrſe jehfeits des Arlberges bis an den. Bodens 
fee, verfpricht gute Nachbarſchaft und Sicherheit der Grängen be ⸗ 
ſtimmt die Rechts form behy Streitigkeiten, die Handhabung des Rechtes 
gegen flüchtige Miflerhärer „und freyen Verkehr ohne neue Zölle. Jeder 
Theil geſtattet dem andern, info fern ex nicht ſelbſt in Krieg verwickelt 
iſt, die Werbung von Freymilligen, bie aber nur in den genahnten 
öftere. Herrſchaften und ins&raubündten zu.dienen ſchuldig find: In ge ⸗ 
meinſchaftlichen Kriegen fchliefit kein Tpeil Friede opne des andern Willen 
und Willen. Elefen (Ebiavenna) und Weltlin dürfen, fo lange 
fie unser blinden erifher Hobeit ſtehen, von Tyrol und Vorarlberg ber niet 
angegeiffen werben. Dev Kaifer bezahlt. jedem! der 3 Bände jährlih 200 
rheiniſche Gulven ‚behält ſich aber feine herrſchaftlichen Rechte fiber die 
8 Gerichte im Prötigau vor (biefe gehörten zu, dem Zehen: Gerichten» 
Bund, und fauften ſich 1649 und 1652 von Öfterreich frey)ı Diefen 
8 Gerichten ward auch ſchon 1518 die Fortdauer der halben Zollbefreyung 
in allen öfter. Landen vorbehalten, x | 
Oefterreichifche militärifche Zeitfchrift: Den erftet Grund 

zu biefem Mat onalwerke hat der Erzberjog Earl gelegt, indem er von 
den, im E& k. Kriegsardive angeftellten Officieren des & & General: 
gwartiermeifterftabes, unter der Yeitung des damahligen Kriegtarchiv- 
Directors, Generals Mo riz Gomez deYarientes, eine Neibe von 





Oeſterreichiſche militaͤriſche Zeitfchrift. 101 


militãrwiſſenſchaftlichen und kriegsgeſchichtlichen Aufſätzen bearbeiten ließ, 
welche 1808 in 4 Heften, von vielen Planen begleitet, unter dem Ti⸗ 
tel: Oſterreichiſche militäriſche Zeitſchrift erſchienen. Mit 
dem Ausbruche des Krieges im Frühjahre 1809 wurden jene Arbeiten 
eingeftellt, und fo nahm denn auch diefe Zeitfchrift ihr Ende. — 1810 kehrten 
die Officiere des Generalquartiermeifteritabes zu ihren Friedensbeſchäfti⸗ 
gungen zurüd. Eine literarifche Abtbeilung wurde zur Verfaſſung ber 
Kriegsgeſchichte nach den öſterr. Originalquellen beftimmt. Der Chef dies 
fer Absheilung, der bamahlige Oberftlieutenant (jegt Feldmarſchall⸗Lieu⸗ 
tenant) Leonhard) Freyh. v, Rothkirch, unternahm es dann, mit 
der auf den Vorfchlag des Hofkriegsraths-Praͤſidenten, Feldmarſchalls 
Grafen Deinr. v. Bellegarde erflofenen Bewilligung des Kaifers, 
ein neues hriegswiſſenſchaftliches Journal zu begründen. Zu diefem Ges 
fhäfte verband er fi, ald Redacteur, mit den damahligen Hauptleus 
tn Schels (f. d.) und Wagner, Dem regen Eifer diefes Vereines 
gelang es, die Vorarbeiten im Laufe 1810 fo zu befchleunigen, daß mit 
Anfang 1811 die erften Hefte einer neuen militärifchen Zeitfchrift ers 
fheinen Eonnten. Diefe neue Zeitfchrift befteht nun bereits feit 25 Jahren. 
Sie ift zwar, nachdem im Herbfte 1813, beym Ausbruche des Krieges, 
Redacteur und Mitarbeiter zum Meere abgegangen waren, mit Ende je 
ned Jahres unserbrochen worden; doch trat fie, nad) bergeftelltem Fries 
den und zwar 1813, wieder ind Leben. Auch jetzt wurde dem damablis 
gen Oberſten Freyh. v. Rothkirch die Oberleitung dieſes Inftitutes ans 
vertraut. Er führte biefelbe fort, während er, zum Generalmajor vors 
gerückt, fih durch eine Reihe von Jahren als Brigadier in Klagen 
furt, Preßburg und Prag befand, und feit er 1830 zur Leitung 
der Sefchäfte des Generalquartiermeitterftabes nah Wien berufen mwors 
den iſt. Noch immer bereichert der nunmebrige Feldmarſchall⸗Lieutenant 
und Braf Rorhkirc (f.d.) die Zeitfehrift mit geiftvollen kriegsgeſchicht⸗ 
lichen Auffägen. — Seit dem Wiederaufleben der Zeitſchrift 1818 wurde 
der, ſchon in ihrer früheren Lebensepoche ausgezeichnete Mitarbeiter, 
Hauptmann & he 16 zum verantwortlichen Redacteur derfelben bes 
ſtimmt. Er führt diefe Redaction auch jebt noch, feitber zum Major 
und Vorſteher der k. k. Kriegsbibliothek ernannt, mit unermübdlichem 
und dur den Erfolg ‚belohntem Eifer fort. — Die neue militäriſche 
Zeitfhrift bat bey ihrem Entiteben 1811 ſich feldft genau die Grän⸗ 
jen des wiſſenſchaftlichen Gebiethes vorgezeichnet , innerhalb welcher 
he fi) zw bewegen hat. Sie bezeichnete ald die Gegenitände, wels 
de ihren Inhalt ausmaden : Abhandlungen über die verfchiedenen 
Zweige der Kriegswifienfchaften; alte und neue Kriegsgefchichte ; mi- 
Itärifhe Topograpbie ; Militärverfaifungen fremder Staaten; Memoires 
und andere Schriften berühmter öfterr. Feldherren; Eriegerifche Anekdoten 
und Charakterzüge; militärifche Riterarur und Chartenkenntniß und die 
monathlichen Perfonalveränderungen in der öfterr. Armee. Die Zeit: 
fhrift erſcheint zu Wien in monathlihen Heften in 8., deren 3 einen 
Band ausmahen. Während den 25 Fahren vom Jan. 1811 bis Sept. 
1835, hat die'Zeitfchrift in den verfchiedenen militärwiſſenſchaftlichen Fä⸗ 
bern, folgende Anzahl von Auffägen geliefert: I. Errichtung', Ver⸗ 
faſſung, Ausrüftung, Bewaffuung, Verforgung und allgemeine watt: 


102 Oefterreihifche militärifche Zeitſchrift. 


ſche Ausbildung der Heere: 155 — Il. Kriegskunſt, Strategie und Ta 
tie: 375 — HU. Infanterie:-10; — IV, Reiterey: 145 — Ve 
tiflerie; 19; — VI. Generalftab und Geniewefen; i4;3 — VI, Wif- 
ſenſchaftliche Bildung im Allgemeinen, Theorie der Kriegsgefchichte, Mir 
litär» Topographie, Geographie, Terrainlehre, Gituationszeihnung, 
Terrainaufnahme und Vermejlung, dann militärifhe Beſchreibungen mehr 
rerer Länder: 465 — VIII. fafungen fremder Heere: 285 — 
IX. Kriegsgefhichte, worunter viele ganze Beldzüge: 3075 — X. Miss 
cellen: 26; — XI. Literatur: Beurtheilende Anzeigen neuer kriegswiſ⸗ 
fenfehaftticher Werke und Chatten; 211; daher die Gefammtzahl allır 
Auffäge: 727. Hierzu noch in den Jahrgängen 1834 und 1835 bis 
September, in eigenen Beylagen: Motizen aus dem Gebiethe der mili« 
tariſchen Wiſſenſchaften: 148. In den gefammten Jahrgängen find 102 
harten, Plane und andere Kupferſtiche geliefert. — Viele Auffäge har 
ben durch ausführliche Behandlung ihres Gegenitandes einen großen ms 
fang gewonnen. Dieß ift befonders bey den nach den Originals Feldacten 
bes £. E Kriegsarchivs bearbeiteten ganzen Feldzügen der Ball, deren 
einige 10—20,, der fo wichtige Feldzug 1796 in Jtalien ſogat über 60 
Druckbogen einnehmen. Wie fehr die Nedaction bey der pragmatifhen 
Gründlichkeit der Bearbeitung hiftorifher Stoffe, auch in der Wahl ders 
felben auf das zeitgemäße allgemeine Intereſſe Ruͤckſicht nahm, gebt dar⸗ 
aus bersor , daß von den 307 Eriegsgefdichtlihen Auffägen mehr als» 
100 die bedeutendften Rriegsereigniffe aus der Epoche feit Ausbruch des 
franzöf. Nevolutionskrieges von 1792 an, barunter auch fehr viele 
ganze Feldzüge, darſtellen. Das ruhmvolle Andenken der Feldherren, 
welde an der Spitze Öfterr. Heere geftanden , fo wie vieler in dem 
letzteren Jahren verftorbenen dfterr. Gemerale, wurde dur biogras 
vbifhe Denkmahle gefeyert und bie Geſchichten mehrerer öfterr. Negir 
menter, von ihrer Errichtung dis auf die Gegenwart, actenmäßig ger 
ſchildert. — Über die wiſſenſchaftliche Tendenz ber Zeitfeprift, über die 
Wichtigkeit der zu dem meiften hiſtoriſchen Darftellungen, befonders zu 
jenen aus der neueren Kriegsgeſchichte/ benützten Originalquellen, über 
die Wahl der Gegenftände, über Ton bes Vortrags, Sprache, Schreib: 
art u. f. w. haben die kritiſchen Blätter des In: und Auslandes eine 
Reihe von günftigen Urtheilen gefällt. Die Zeitſchrift ift in allen euro» 
päifhen Heeren geachtet. Exemplare derfelber werden bis nach der Türs 
ey, den nordiſchen Reichen, nad den britifen Infeln und nah Ames 
rika verfendet. Sie weiht ihre Blätter vorzüglich der Verherrli— 
dung des vaterländifchen Waffenruhmes, der Schilderung der Grofr 
tbaten des Heeres. Sie feyert das Andenken öfter. Helden; verbreis 
ter Licht über die wichtigſten Montente der Kriegegeſchichte, und bemüht 
ſich thätigt, die fo häufigen Entitellungen biftorifper Wahrheit durch 
pragmatifche Erzähfung ber Tharfachen zu entkräften. — Die Zeiiſchrift 
war nie darauf berechnet, als ephemeres Gefhöpf des Tages mit den Tagen 
zu vergehen. Sie follte einen bleibenden Werth erhalten und eine kriegswiſ⸗ 
fenſchaftliche, befonders Eriegsgefpichtliche Bibliothek bilden. Es ſcheint, 
dafı diefe Abficht fich wirklich der Erfüllung erfreue; da fo eben eine neue 
Auflage der vergriffenen und jetzt in 4 Bänden vereinten Jahrgänge 1811, 


J 


ve x 
L) 





Oefterr. Zeitfchr. f. Befch. u. Staats. ꝛc. — Oefterr. Zufch. 103 


1812 und 1813 erfcheint. Diefe Auflage ift, in fo weit es-den Jahr: 
gang 1811 betrifft, die 4., in Hinfiht des Jahrganges 1812 die 3., 
und nur für den Jahrgang 1813 die 2. Auflage. Da wohl noch nie der 
Kal vorgefommen feyn mag, baß ein Journal 4 Auflagen erlebt hätte, 
fo dlirfte hierin der fprechendite Beweis liegen, daf das militärifche Pu⸗ 
blicum überhaupt den inneren Werth diefer reichhaltigen Zeitſchrift 
anerkennt; daß die öfterr. Armee dieſes literariihe Unternehmen 25 
Sabre hindurch mit warmer Iheilnahme unterftüßte, und daf die Re— 
daction den ihr von der Regierung ertbeilten Schuß dur würdige Er- 
füllung ihrer gegen Heer und Vaterland übernommenen Pflichten ver: 
dient bat. , 

Oefterreihifche Zeitfchrift für Gefhichte und Staats: 
Bunde, und Blätter für Kiterarur, Runft und Kritik. Die 
ſes varerländifhe Blatt erſcheint ſeit Janner 1835 zu Wien bey dem 
Redacteur und Herausgeber J. P. Kaltenbaeck(ſ. d.); im Comptoir der 
privil. Wiener= Zeitung und in Commiſſion der F. Beck'ſchen Univer— 
firätd « Buchhandlung (f. d.) wöchentlich. Mahl in 4. — Gewiſſermaßen 
ſetzt es das unter verfdhiedenen Rebactionen und Titeln berausgelom- 
mene Ardiv für Geographie, Hiftorie 2c. (fe Archiv) fort. Mannigfach 
aber unterfcheidet es jih in Weſen und Ton. — Die Tendenz des Haupt⸗ 
blattes fpriche der Titel aus. Alle Erbländer umfailend, foll es beytra- 
gen, durd Entwicklung und Eritifhe Beleuchtung einzelner wichtiger 
heile das Gebierh der Geſchichtskunde zu erweitern, und die Kenntniß 
des Vaterlandes zu befördern. Einen weiten Wirkungskreis insbefondere 
eröffnet ihm vaterländifche Eulturs, Kunft: und Literaturgeſchichte. Ihre 
Bearbeitung ift um fo wünſchenswerther, je weniger darin bis jetzt ger 
leiftet wurde. Statiſtiſche Abhandlungen, in fo fern fie nicht leere Auf: 
äblungen und Nomenclaturen, fondern intereifante Folgerungen dar⸗ 
iethen, Aufſätze über den Zuftand der vaterländifchen Induſtrie; Hin⸗ 
beutungen auf innere und äußere Verwaltung; Erörterung wichtiger 
Zbeile der Landesverfaflung ; Schilderung der Sitten, Gebräuche, und des 
Öffentlichen Lebens; Mittheilungen über Volkspoeſie, Sagen, Sprache 
und MDundarten u. ſ. w.follen ftet6 dem Angeführten ſich anſchließen. Zur 
Rubrik ded Hauptblattes gehört noch die Befnrethung von Werken, wel⸗ 
de im Ans oder Auslande über Oſterreich erfheinen. Gleichwie das 
Hauptblatt fich mit Ofterreich ausfchließend beſchäftigt, fo jind die Blüt«- 
ver für Literatur, Kunft und Kritit, Aufſatzen und Abhandlungen ges 
widmet, welche das phyſiſche und geiftige Leben überhaupt berühren. 
Unter der lebten Rubrik werden zunächſt die Erfheinungen im Gebiethe 
der öfterr. Riteratur und Kunft befprodhen. Was tie Redaction von dem 
Geſagten in ihrem Proſpectus verbeißen, das hat fie, im Ganzen bes 
trachtet, redlich erfüllt. Wackere Nahmen, tüchtige Leiſtungen, beber;: 
tes Wort, ernſtes feſtes Wirken für das Beſſere zeichnen dieß Blatt aus. 
Mir gründlicher Kenntniß feines Stoffes har Kalrenbaeck ſich mann⸗ 
haft bewährt. 

Oeſterreichiſche Zuſchauer, der, Zeitſchrift für Kunſt, Willen: 
ſchaft, geiſtiges Leben. Dieß iſt ſeit Anfang Octobers 1835 der Titel 
der Feyerſtunden (ſ. d.). Der Redacteur und Herausgeber J. S. Ebert: 


— 
101 Oeſtert. Beobachter. — Oettingen : Wallerftein. 


berg hat den Plan bes Blattes im Weſentlichen beybehalten. Es bes 
ftept 1) aus dem Hauptblatte, weldes ausgewählte Auffäge jur Bes 
Tehrung und Erheiterung des Geiftes; Erzählungen, Novellen, Bios 
grapbien, ausgezeichnete Thaten und Verirrungen als dem Kreife der 
befferen wie der entarteten Menſchheit, 2) aus dem Motigenblatte, 
weldes die Erſcheinungen der Zeit ſteis im Auge, alles Merkwürs 
dige und Intereſſante ter Gegenwart liefert, 3) aus einer wöhent« 
Tichen Beylage, welche unter dem Titel: „Blätter für geiflige Ihär 
tigkeit, wiſſenfchaftliche Eidrterungen und nütlihe Studien“ Anrer 
gung für gemeinfame Mitwirkung jedes einzelnen Lefers zu dem Ger 
—— — wöchentlich in Z Nummern erſcheinenden Zeitblattes 
ur Aufgabe hat. } 

e Oefterreichifcher Beobachter. Diefes bekannte politiſche Tage» 
blatt erſcheint feit 1810 zu Wien in Quartformat aus der Strauß 
ſchen Buchdruckerey. Gegründet hatte es Friedr. v, Schlegel, und 
auch unter der Oberleitung der k. E geb. Hof: und Staatskanzley here 
ausgegeben ; doch es fortzufeßen, fehlte es diefem Gelehrten an der hierzu 
erforderlichen Thätigkeit, Der O. B. wird feit 18011 ununterbrochen vom 
dem k. k. Hoffecresär Jo ſ. Ant. v. Pilat (fr d.) rebigirt. Diefe Zeir 
tung iſt ein halbofficielles Blatt, rein monarchiſcher Tendenz und char 
vacteriftet ſich Durch feſte Eonfequenj. Alltäͤglich liefert es auch die meteos 
rologiſchen Beobachtungen der Wiener Sternwarte und zuweilen Nach⸗ 
richten von neuen diteraturwerken und Kunftgegenftänden, 

Oefterreichtfches Bürgerblatt, Redacteur und Herausgeber 
Friedrich Eurich, in deilen Verlag zu Linz, Der Zweck diefer 
Zeitſchrift, welche nun wöchentlich vier Mahl in 4. erſcheint, ergibt ſich 
aus ihrem Titel und deſſen Beyſatze: „Kir Verftand und Herz. Sie 
ift 5* für den Bürgerſtand beſtimmt, fol durch lehrreiche Äufſätze 
aus der Geſchichte, Geographie und Statiſtik, insbeſondere aber über var 
terländifche Gegenftände, dem Verſtande Stoff zu nützlichem Nach ⸗ 
denken liefern, foll zum Herzen durch Darftellung ſchöner, nad 
ahmungswerther Handlungen , ebler Charakterzlige und patriotifcher 
Begebenheiten , oder durch neue, ſchöne Blüthen, aus dem Reiche 
der Poefie ſprechen, fol endlich die von den Gefchäften, Arbeiten und 
Mühen des Tages gedrückte Laune durch anziehende oder erheiternde 
Erzähfungen, durch launige Gedanfen oder witzige Anekboten erwecken 
und beleben. Das Blatt beſteht num ſchon im 17. Jahre, 

Öefterreichifches Raifertbum, f. Geographie und Sta- 
tiſtik; Gefchichte des Raifertbums. 

Oeſterreichiſch⸗Schleſien f. Schlefien. 

Oettingen= Wallerftein, Philipp Carl Graf, Ritter bes 
goldenen Wliefes, k. E geheimer Rath, Staats- und Conferenzmi⸗ 
nifter, Präfident der Hoftommiſſion in Reichshofraths-Angelegenhei ⸗ 
ten und Oberfihofmarfhall, Mitglied der k. k. Sandıpierhfeaftägefell: 


haft zu Wien. Er war auf dem Stammſchloſſe feiner Apnenzu®at 


Teritein den 8. Febr. 1759 geboren, und unter 11 Geſchwiſtern einer 
ber jüngern Söhne bes damahis regierenden Reichsfürſten, Philipp 
Earizu Ottingen-Wallerfein, mit Juliana Carolina, 


Oetzzthal. — Ofen. 105 


geb. Reichsgraͤſinn von OttingensBaldern. Urſpruͤnglich zum geiſt⸗ 
chen Stande beftimmt, wurde Graf D, ſchon frühe als Domicellar in 
das Capitel des Erzſtiftes Chin aufgenommen. Sein gerader Sinn, fein 
unerfchütterliches Rechtsgefühl, die ſich bald als vorherrſchende Charakters 
züge in ihm entwickelten, entſchieden feinen Beruf zur Juftispflege. Als 
SGraf D. die vormahls u Wien beftandene herzogl. favoy’fhe Stiftung, 
wo er feine wifenfchaftliche Bildung erhalten hatte, verließ, bradhte der⸗ 
felbe noch einige Jahre auf Reifen zu und begann dann bad gewählte 
Geſchaͤftsleben in der Eigenfhaft eines Faiferl. Reichshofrathes. Nicht 
lange nachher ward er zum katholiſchen Präfidenten am Reichskammerge⸗ 
richtesu Wetz [a r befördert, wo ihm auch fpäterhin die Würde eines Reichs⸗ 
Sammerrichters übertragen wurde, bie er fo lange bekleidete, bis er als 
Keichshofraths: Präfidens wieder nah Wien zurückkehrte. In diefer aus⸗ 
gezeichneten Stellung erlebte Graf D. die Auflöfung der ebemahligen 
deutfchen Reichsverfaffung , ohne jedoch darum feinem Lieblingsfache lan⸗ 
ge entzogen zu bleiben, indem ihn dad Vertrauen des Kaiferd gleich wies 
der ald Präfidenten an die Spige deroberfien Suftizftelle berief. Mit den 
Infigriien des goldenen Vließes geziert, ward ihm im Verlaufe feiner 
weitern Dienftleiftung die Ernennung zum E. E. Staats » und Conferenz⸗ 
minifter und endlich auch noch die Erhebung zum Dberfihofmarfhall 
gu Theil. Er flarb zu Wien den 16. Dec. 1826. ' 
Degthal, rauhes und wildes Thal im Oberinnthaler Kreife Tyros, 
20 Meilen lang, von der Oetz durchfloffen und vom Pißerthale durch einen 
boben Gebirgsrücken gefchieben. P Ä 
Ofen (Buda, Budin), töniglihe Freyſtadt und Hauptſtadt 
von Ungarn, liegt im vereinigten Peftber, Pilifer und Solther Co» 
mitat, am rechten Ufer der Donau, gegenüber der Eönigl. Freyſtadt 
eſt h, mit der fie durch eine Schiffbruͤcke verbunden if, — Geſchichte. 
ie Geſchichte dieſer Hauptſtadt fteht mit jener von Alt:D fen (f. d.) in eis 
ner genauen DBerbindung, und wenn aud bepde Orte afgefonderte 
Gerichtsbarkeiten haben, fo ift deh Alt=- Ofen gleihfam als ber 
Embryo zu betrachten, aus welhem das neue Ofen allmählig bervors 
ging. Es [iegt außer allem Zweifel, daß Alt-Dfen einfleine römifche 
Eolonie war, die wir aus der Gefhichte unter dent Nahmen Acincum 
oder Aquincoum kennen. Diefer Ort war ein Sitz der Römer bis zum 
Ende des 3. Jahrhunderts nad Eh, G.; im Anfange des 4, Jahrhun⸗ 
derts der, obwohl nicht dauerhafte Aufenthalt des hunnifhen Machtha⸗ 
bers Attila und fpäter bie Wiege der ungar. Könige. Im J. 900 ſetzte Ar- 
yad mit feinen Ungarn hier über. die Donau, und bemeifterte fi ber 
amahls mit einer Mauer umgebenen Stadt. Unter diefer Regierung 
ing die alte Benennung verloren, und die älteiten Geſchichtsforſcher nen» 
nen fie Etelvär, woraus die fpätern deutfchen Anfiedler fi das deuts 
ſche Et elburg bildeten. Mit der Regierung Stephan's, des erften 
Königs, beginnt für diefen Ort eine neue Epoche. Auf feine Anordnung 
ward hier eine grofie Kirche zu Ehren der heil, Petrus und Paulus 
gebaut‘, und dab Benfpiel, daß er mit feiner Gemahlinn Sifela oft 
da verweilte, um der Öffentlichen Andacht beyzumohnen, brachte die Stadt 
durch zahlreiche Anfiedlungen bald in neuen Zlor. Auch Künig Latid 


106 O Be u 25 


TausderSeiligefoloftin Etelvär gewohnt, und die. obige Kirche 
At einer Propftep erhoben haben. Am meiften fheint Gepfa Il. durch 
‚sählreihe Bauführungen die Erweiterung des Ortes befördert zu bar 
ben, Unter der Regierung Stepb an’s III, und vorzüglich Bel a’s III., 
hatte der Ort an Größe und Schönheit bedeutend zugenommenz «in die ⸗ 
fer Zeitperiode ſcheint aber auch der Nahme Etelvär mit Budapar 
verwechfelt worden zu ſeyn, denn Bela's anonymer Geſchichtſchreiber nennt die 
Stadt ſchon Budavar, ohne eine Urſache der Veränderung anzuge ⸗ 
ben. So ſtand dieß Budanär in einer großen Ausdehnung vom heutir 
gen Alt= Ofen bis zu den Kaiferbädern, als Ludwig L., der Grofie ger 
nannt, 1351—52 feine Refiden, von Wiffegrad nad Ofen ver 
legte. Damabls theilte man Budapärin 3 Stadtbezirke, nähmlic in 
das heutige Alt-Ofen, Nova Buda oder Uj-Buda, auh Nas 
99° Buda, den noͤrdlichen Theil des heutigen N euftifts, und end» 
lich in die Dreyfaltigkeitsittadt, Bölfovis, die von Neur 
Dfen, bis zu den Kaiferbädern ſich ausdehnte ; ‚die weftlichen Linien von 
NeusDfenund der Dreyfaltigkeitsitadt begränzte bie Heiligen ⸗ 
Seit: Vorſtadt. Mehrere folgende Jahrhunderte wirkten auf den Flor 
der Stadt theils wohltbätig, theils verheerend ein. Won der Zeit der 
glücklichen Befreyung Wien’s im Sept. 1683 bebielsen die Eaiferlichen 
Waffen über die türkifchen faft ununterbrochen die Oberhand, Zwar mufi- 
te die 1684 mit vieler Thatkraft begonnene Belagerung von O. aml. 
November wieber aufgehoben werden, nachdem wiederholte Stürme und 
verheerende Krankheiten binnen 3 Monathen gegen 25,000 Mann im 
Belagerungs:Corps aufgerieben hatten, aber das Gluͤck verließ bie dfterr. 
Waffen nicht mehr. Diefe Stadt war feit 146 Jahren in osmanifden 
Händen, war damahls die 4. im Reiche, nad dent Range ihres Paz 
ſchas, und den Türken wegen.ihrer warmen Bäder vorzüglich wichtig und 
lieb. Zu gleicher Zeit befahien fie mit derfelben einigen Schein und Anz 
fpruc fortdauernder Herrſchaft über Ungarn. Der Groß: Vezier gab dar 
ber Befehl, fie zu retten, es koſte was es wolle. Mit Recht vor dem 
Sdhickſale Kara Muftanha's bange, both er dem Herzoge von Loth: 
eingen, dem beidenmüthigen Commandanten der Belagerungsarmer, 
in Öeheim dafür zwey andere Feftungen und einen vortbeilhaften Fries 
den, wenn er die Belagerung aufhöbe, Als der Churfürft von Bayern 
und Ludwig von Baden gegen Peith vorrücten, hattendie Türken dieie 
Stadt bereits verlaifen und ſich nah O. zurücgejogen, zugleich aber 
die damahlige Schiffbrücke hinter ſich abgebrannt. Schon am 23. Juny 
‚ging die untere Feſtung (heutige Waſſerſiadt) über, aus der fih ſammt⸗ 
liche Bewohner, ohne. Örgenwebr, in die obere Feſtung geflüchtet, das 
bey aber jedes Haus, jede Wohnung bis zur Unbrauchbarkeit ruinirt hat ⸗ 
ten. Bey dem Umftande, daß nad der verunglüdten Belagerung von 
Wien, eine große" Menge von Munition, Proviant und Kriegsgeräs 
ıben in den dajigem Alöftern, Kirchen und Caſematten verwahrt lag, 
dabey aber ein großer Theil der flüchtigen tärkifchen Armee hier einen 
neuen Anhaltsyunct gefunden zu baben glaubte, erklärt ſich leicht 
die eben fo ausdauernde als verzweifelte Gegenwehr in diefer Feſtung- 
in welcher fi die ſeit 3 Monarh, 8 auf ein Kleines Häuflein ge: 





® fen. 107 


ſchmolzene Garniſon zu erhalten gewußt hatte, und es it eine fehr 
richtige Bemerkung , daß keine Stadt der Welt mit fo vielem Helden⸗ 
blute geadelt fey, und keine Zeftung feit einer Exiſtenz von beyläufig 300 
Jahren 20 Belagerungen ausgeitanden habe, wie DO. Daß die Türs 
Een bey diefer Belagerung mit vielem Muthe und mit wohlberechnetem 
Dane zu Werke gingen, beweifen die verſchiedenen Minenfprengungen, 
wobey 1000 der Belagerer oft in einem Augenblicke unter einer fliegen« 
den Steinmaſſe begraben wurden, ungeadtet der fleten Beunrubiguns 
gen durch wüthende Ausfälle, die "der durch eine Weifung aus 
Eonftantinopelerzürnte Paſcha unausgefegt wiederholen: ließ, da 
es ihm nicht gleichgültig ſeyn durfte, die Stadt zu erhalten, oder die 
zorhe Schnur zu füllen. So wechſelte Glück und Unglüd auf beyden 
Seiten, ald am 22. July eine Bombe das große Pulver Magazin in der 
Feſtung fprengte , einen Theil des alten Sclofles mit der Scheide: 
mauer zwifchen der Burg und Stadt zertrümmerte, und mehrere Häus 
fer in Schutt legte. Durch diefes begünitigende Ereigniß angeeifert, ließ 
nun der Herzog von Lothringen von allen Seiten neue Batterien er 
richten, und in diefem Augenblicke erhielt O. zuerſt die traurige Geiviß« 
beit, daß feit der Erfindung des Schießpulvers und der kunftmäßigen 
Benutzung des ſchweren Geſchützes diefe Zeitung nit nur nicht unübers 
windlich fey, fondern ihre Lage an nahen Bergen fie dem vollen Grimme 
des Seindes Preis zu geben vermöge. Nach' mehrmahligen Aufforderungen 
gur ſtets verweigerten libergabe. warb endlich mis verdoppelter Anſtren⸗ 
gung am 2. Sept. von ben Bayern das Schloß mit Sturn genommen. 
Die Beſatzung war auf 300 ſtreitbare Männer berabgefhmolzen, und 
fterbend lag der Commandant felsft unter den unzähligen Todten. So 
hatte diefe merkwürdige Belagerung, als die lebte von O. geender. 
In welcher traurigen Lage ſich D. nach dieſer Schredensperiode bes 
fand, laͤßt ſich leicht denken, denn die einmarfchirten Truppen konnten 
darım nicht verweilen , fo fehr hatte die große Anzahl zerſtreut liegender, 
ſchon halo verwefter Leichname den Ort verpefter. Alle Häufer waren oh⸗ 
ne Dad), und überhaupt unbemohnbar, die Burg hatte allen Anfchein 
ebemahliger Schönheitverlorct, und alle Häufer und Keller waren mit 
Zodten angefüllt. Bon dem gefangenen Sanitfharen s Aga Cſonka 
Begas, der bald nach der Eroberung fich taufen ließ, erfuhr man, daß 
10,000 Mann Sanitfharen nebit 6,000 Mann Fußvolk in O. bes 
lagert waren, unberechnet der großen Anzahl von Eriegsgefangenen Chris 
ſten, die der Commandant ftets bey jenen Gelegenheiten, wo von Übers 
gabe die Rede war, vor den Augen der Parlamentärs niederhauen 
ließ. Groß und zahlreich war tie Menge Munition und groben Geſchü⸗ 
ges, die den Ötterreichern bey der Eroberung zufiel, doch weit wichtiger 
war der Yang, den die Ungarn bey Ado np gemadt hatten. Nah Bel 
foß der Werth der Prätiofen und des baaren Geldes bey 400,000 Dus 
caten gewefen feyn, die damahls erbeuter wurden. Glücklicher und gro: 
Ber ging O. aus den Stürmen der legten Decennien hervor, denn ims 
mer ftand das Volk neben feinem König, und dur wechfelfeitige Ans 
banglicyfeit, nie auf lockern Kaden berubend, war erfteres immer bereit, 
im Momente entfchiedener Krifis, die Zwecke des Inateren mir Worget: 


108 . ofen 


ſterung zu unterftügen. Wie gern wird der Geift des fpäten Geſchichts— 
forſchers bey ſolchen Bildern der Wölkertreue unferer Zeiten verweilen, 
wenn er feinen Blick von andern Reichen mit Efel abwendet, in welchen 
die Hydra immer neu auflebender Factionen den vaterländifchen Boden 
mit Leihen von Mitbürgern düngte. Zum Schluffenur noch eine Ermähs 
nung von des verheerenden Brande in O. 1810. Am5. September war 
in Taban um Mittagszeit, durch das Aushrennen eines Weinfaſſes jenes 
Unglüc entftanden, das im heftigften Sturm gegen 800 Käufer vergehrz 
te, Der heufende Wind hatte, mit dem Feuer verbunden, die glühenz 
den Materialien nach allen Stadttheilen an ber Donau getragen und bie 
unaufhaltfame Flamme fpottete jedes Verſuches, fie u föfden. So war 
in Eurer Zeit der ganze Taban und der Theil der Mafferftadt bis zu 
den Kapıszinern ein Raub der Flammen, die durch den mächtigen’ Wor« 
rath des & E. Verpflegsbäderep-Golzes, welches gleichfalls in Feuer aufs 
ging, unvertilgbare Nahrung erhielt. Die Schiffbrücke und die Feſtung 
mar in der größten Gefahr, und von den Bergen im Halbzirkel ſchau— 
ten die Eigenthümer in den furchtbaren Brand ihrer Häufer, und fahen 
die Verheerung aller ihrer Habe; doch auch von dort hatte die Stickluft 
der erhißten Atmofphäre fie vertrieben. Noch jest erinnern Ruf und Rife 
fe in vinigen Gemäuern und fihtbare Verkohlung der Hölzer am diefes 
Unglüd, — Topographie. Die jegige Eintheilung der Stadt ift 
folgende: 1) Die Feſtung oder die obere Stadt, auf einer Felſenmaſſe 
gelegen, mit Fortificationen, die für Kriegsoperationen nicht mehr paſ⸗ 
fen und ihre militärifche Wichtigkeit verloren haben. Sie ift der Hleinfte 
aber auch der vollendetite Stadttbeil, in welchem Qurus und Reichthum 
herrſchen, der Mittelpunct der Staatsgeſchaͤfte, der glänzende Sammels 
plag der Vergnügungen von höherer Art. Auch liegen in ihrem Bezirke 
die vorzüglichiten Gebäude und Paläfte, 2) Die untere oder Wafferftadt 
behauptet nach der Zeitung in jeder Hinſicht den erſten Rang. 3) Die 
Landſtraße. Diefer durch die Stadtmauern und eine breite Fahrſtra e von 
der Wafferftadt gefchiedene Stadttheil, erhält feine nördliche Gränge durch 
das Kaiſerbad, öftlich dur die Donau und weitlich durch die fich allmäh ⸗ 
fig hebenden Gebirge. Die Anlage ift ziemlich regelmäßig und fehr ges 
räumig. 4) Neuftift, eine Art Vorſtadt, welche die nörblihe Grän; 
von D. bildet. 5) Die Raizenftadt, oder Taban, übertrifftan Käufer, ah 
alle übrigen Stadttheile. 6) Die Chriftina-Stadt. Ausgebreitet liegt bier 
jeder Reiz ländlicher Natur, Diefes angenehme Chriſtinenthal iſt mannig ⸗ 
faltig angebaut und formt ſich mit den netten Däufern und ſchönen Gar⸗ 
ten u einer malerifchen Landſchaft. — Der Umfang der Stadt mit ih⸗ 
ren Borftädten beträgt, wenn man felben zu Fuß abfchreitet , ungefähr 
2 —— O. hat 3000 Hauſer ohne Kirchen, Kloͤſter und andere öfr 
fentliche Gebäude, davon im Taban die, größte Anzahl, nähmlich 956 
fieben. Die Einwohnerzahl beträgt 30,000 Seelen. — Kirchen find fols 
ge: 1) Die Pfarrfirhe zu Mariardimmelfahrt it nad dem ältern: 
tyl gefhmackooll im Innern verziert. Ihre gothiſchen Wölbungen ru⸗ 


- ben auf 12 freyftehenden und mehreren Wandpfeilern. Bon Außen ſpricht 
weder bie Größe noch die Bauart befondersan, zumahl da die Geiten: 
winbe burb die daran ftofienden, 3 Stockwerke hohen Hoffammergebäus 





© fen. 109 


de verdedt find, und die vordere Hauptfronte beynabeohne alle Werzies 
rung iſt. 2) Die Garniſonskirche, worin 1792 die Krbnung Kö 
nig Franz I. Statt hatte. 3) Die Schloß- Pfarrkirche mit vortrefflichen 
Fresco⸗ Gemälden von Hauzinger. 4) Die Pfarrkirche zur heil. An⸗ 
na, weldejvon den Sefuiteh erbaut wurde. 5) Die Kirche der Elifabes 
shinerinnen mit ihren ausgedehnten Kloftergebäuden. 6) Die Kirche und 
das Klofter der Kapuziner. Aufer diefen erwähnten Gotteshäufern find 
noch die Kirche zum heil. Flo ri an am nördlichen Ende der Waſſerſtadt, 
die Pfarrkirche, die Franciscanerkirche auf der Landſtraße, die Pfarrkir⸗ 
che im Neuſtift, die Pfarrkirche im Taban, die Pfarrkirche zu Maria⸗ 
Blut in der Chriſtina⸗Stadt und der nicht unirten Griechen im Taban 
bemerkenswerth. — Die koloſſale Groͤße des königl. Schloſſes, deſſen 
Grundſtein am 13. May 1749 gelegt wurde, die Pracht, die darin und 
um dasſelbe herrſcht, und viele Seltenheiten, die hier geſammelt ſind, 
machen es allerdings zu dem ſehenswertheſten Gegenſtand der Stadt. Die⸗ 
ſes neue Schloß iſt in den alten Palaſt, welcher ehemahls auf dem fos 
genannten Schloßberge ftand, gleihfam hinein, und zum Theil aus den 
Zrümmern desſelben gebaut. Obwohl das jeßige Schloß in einem 
engeren Kreife da ſteht, als das alte Corvin'ſche, fo ift es durch die Bey⸗ 
behaltung des alten Platzes dennoch intereſſant. Der innere Bau dieſer 
konigl. Burg zerfällt in 203 Zimmer: Abtheilungen, von welden die 
Ihren», Audienz= und Befellfhaftszimmer mit vorzüglicher Pracht des 
corirt, und in Hinſicht der darin enthaltenen Koſtbarkeiten, vorzüglich 
ber Reiche: Kleinodien: Krone, Scepter, Reichdapfel, Schwert, Krö- 
nungsmantel ꝛc., höchſt merkwürdig find. Die herrlichſten Anlagen des 
fogenantten Schloßgartens umgeben die Burg. Andere ſehenswerthe Ges 
bäube , welche diel Plade und Straßen der Feſtung zieren, aber an Grö⸗ 
fe dem Schloffe weit nadhftehen, find: Das Landhaus unweit dem Wie⸗ 
ner Shore; das Hoflammergebäude in ber Mitteder Feſtung; dad Ges 
neral⸗Commando; das Zeughaus auf dem Georgsolatze; das Rathhaus 
auf dem Marktplatze; das gräfl. Zelekifhe Haus am Georgsplake; 
das gräfl. Erdbdy’fhe in der Eonfili-Bafle; das fürftl. Batchyanpy- 
ſche auf dem Parade-Plape; das,gräfl. Zichy’fche, fpäter von Pech p’fche 
Haus in der Herrngaſſe. Unterden mannigfaltigen Gebäuden biefed Otadt⸗ 
theils zieht die gefhmadvolle Bauart, vorzüglid aber die innere Ein⸗ 
richtung] des gräfl. Gando r'ſchen Palaſtes zuvörderft die Aufmerkfamkeit 
auf fih. Zu den vorzüglichften ©ebäuden der übrigen Stadttheile kann 
man mit Recht das im Innern herrlich decorirte und mit mehreren Ne⸗ 
bengebäuden erweiterte Primatial: Palais auf der Landftraße rechnen. — 
An wiſſenſchaftlichen Anftalten befigt D. ein Archigymnaſium, eine Nor» 
malhauptſchule, eine Zeichnungsfchule, eine Lehranſtalt der Illyrier und 
einige weibliche Erziehungsanfalten; an Bibliotheken und andern wifs 
fenfhaftlihen Bebelfen zählt diefe Hauptftadt: Die Bibliothek des Erz: 
berzogs Reichöpalatin, die gräfl. Brunsviffdhe Bibliothek, eine Mis 
neraliens, Conchylien⸗ und Perrefacten-Sammlung, die Bibliothek der 
Sranciscaner, die grafl. Cziraky'ſche Biblidthek und Gemälde: Samm⸗ 
lung, die gräfl. Maitäch’fde, tie Nitrai'ſche, die gräfl. Telekü'ſche 
und die Bibliothek des Archigymnaſiums. — An Deriorgungtantelten 


110 Ofener - Pefther- Zeit. — Officiers: Töchter Inf. 


fuͤr die Teidende und dürftige Menſchteit it 9, rei. Die vorzüglihften 
berfelben find: Die Verforgungsanftalt für ſchuldlos verarmre Bürger, 
das hädtifche weibliche Krankend aus, das Spital der barmherzigen Brüt- 
der, das & & Garnifond-Spital, das Spital der Elifab: nonnen, 
der wohlthätige Frauen · Verein und das Penſions-Inſtitut für Beamtein 
Ungam. — In S. reſidirt der Neiche-Palatinus und haben folgende Lanz 
desbebörden ihren Sig: Der konigl. Statthaltereprath ;+ die Eönigl. 
Hoffammerz das & & General:Eommando;»die koͤnigl. Landes = Ober ⸗ 
baubirection. — In dem Stadtgebiethe von DO, wird eine große Auans 
titat guten Weines erzeugt, welche auf mehr als 230,000 Eimer ange ⸗ 
‚wird, In den verſchiedenen Stadtbegirken befinden ſich mebrere 
warme Mineral-Bäder-als: Das Blodsbad,. hauptſaͤchlich für die Kranz 
ken des angran zenden Militärfoitals beitimmt; das Naipenbad; das Brud« 
bad, welches das beſuchteſte iſt und eine bequeme, zweckmäͤßige Einrich⸗ 
tung bat; bas Sprengerbad und.das Kaiferbad. Lebteres ift unter allen 
Dfener Badern durch die ſchoͤnſte Lage und durch angenehme Gartenanla= 
gen begünftigt. Es ift auch hier für alle Bequemlichkeit ber Badegäfte ger 
forgt.— Unter ben vielen in der Nähe von O. ausgegrabenen Alterthiie 
mern findvorzüglic nennenswerthi: Ein 1752:gefundener römiſcher Sars 
kophagz ein römifhes Grabmahl; eine Gemme von erhobener Arbeit, am 
der Nückfeite und am Rande in Gold gefaßt; ein Gefäß von Bronges 
eine Opferſchale sc. Diefe Gegenftände find größtensheild in der Univerfiz 
vd me a 


— aufbewahrt. —X Nn—e 
** er» Peſther⸗ Zeitung, vereinigte, erfheint zu Of: 
Sie liefert‘ politifhe und dermiſchte Landes · und Locai-Nachtichten gleich 
dert gewöhnlichen ProvinzialsBeirungen , unterſcheidet ſich aber vortbeils 
haft dadurch, daß fie alles Warerländifhe, befonders was das Gebieib 
des Wiſſenſchaftlichen und: Gemeinnügigen betrifft, (mitogroßer Aufmert - 
famteit mitspeilt, und ein Bepblatt hat: „Grmeimtügige Blätter“ ‚betir 
telt, weldes ein wahrer Kern ber neueften Erſcheinungen it, mit Rennte 
niß Umſicht, Tact und Fleiß redigirt. Redacteur dieſer, in tehnifchen, 
Hinſicht gar geſchmacklos ausgeftatteten Zeitung ift Ver vielfeitig gelehrte⸗ 
gewandte ündthätige Dr. Rösler, audı Eigenthümer derſeiben · 
Offenbanya (Offenburg, Schwendburg)zfiebenhürg: Dorf 

im Unteraldenfer Comitat des Bandes der Ungarn, ein Bergort am Ara⸗ 
nyos/ hatte ehemahls fehr großen Bergfegen an Gold, Silber, Bley 
und andern’ Metallen; fjetzt iſt die Ausbeute gering. a1. PIRIT 
" Officiers»Töchrer- Inftitut zu Serenale naͤchſt Wien. Die 
Einrichtung und der Untereichtin dieſem Inſtitute find-faft ganz die nähmlie 
ben, wie im & & Civil - Mädchen» Penfionar (f. d:), Der Unterſchied 
befteht nur darin, daf bier bloß arme Officierstödhter aufgenommen Und 
daß fie alle frey unterhalten werden. Die Anftalt wurde von «Kain 
fer Jofepp I. zuerft 1775 zu St. Pölten geftifter und zwar für 
26 mittellofe Töchter verdienftvoller DOfficiere; (1786 verlegte: ber 
Kaifer fie in das zu diefer Zeit aufgebobene Paulinerklofter zu Herr 
mals; Gegenwärtig befindet fi eine Staatsſtiftung von 40 Plägen- in 
dieſem Inſtitute, Ferner eine von 6 Plaͤtzen ber niederöfterr, drey obern 





Officierostleberteitt in Livildienfte. — OÖfterdingen. III 


Landflände, fümmtli für k. k. Officierd:Zöchter. Die Aufnahme geſchieht 


von Seite des k. k. Hofkriegsrathes. 

Officiers⸗Uebertritt in Civildienſte. Aus der activen Dienſt⸗ 
leiſtung unmittelbar in eine Civil⸗Anſtellung übertretende Officiers- und 
Militär s Parteyen, welche dieſe Anſtellung nicht als Surrogat der Pens 
ſion oder Invaliden-Verſorgung erhalten, haben weder auf den Rück⸗ 
eriet in das Militär, noch auf eine Militärs Penfion einen Anſpruch, 
fondern berley DOfficiere oder Parteyen, wenn fie zur Bortfeßung des 
ihnen verliehenen Civil:Dienfles untauglich werden, find nad der für 
@raatsbeamte beftehenden Penfions =» Vorfchrift, mit Einrechnung ihrer 
Militär» Dienftjahre, zu behandeln, daher auch Officiere oder Parteyen, 
die unmittelbar in eine Civil: Bedienftung übertreten, Eeinen Quittis 


rung6 »Neverd auszuftellen haben. In dem ihnen zu ihrer Legitimation _ 


aussufertigenden Audtritts » Certificate muß aber, nebft genauer und vers 
1äflicher Beflätigung der Zeit und Art der im Militär zurücgelegten 
Dienfte, die Bemerkung beygefügt werden, daß fie unmittelbar in die 
erlangte Civil» Anftellung übergetreten ſeyen, und fid des Militär: Chas 
rabters und der Militär: Uniform in feinem Kalle mehr prävaliren dürfen. 

Ofner, Serd., ift geboren zu Olmüß ben 11. April 1781. In 
feiner Vaterſtadt erbielt er den Unterricht in den Normalſchul⸗, Gymna⸗ 
fial« dann pbiloſophiſchen und in den juridifch » politifhen Lehrgegen⸗ 
Händen. Weil aber zu diefer Zeit, wo er das tırtige Lyceum verließ, 
an temfelben noch nicht über alle juridifchen Lehrgegenflände Vorleſun⸗ 
gen gehalten wurden, verfügte er fih 1801 nah Wien und holte diefe 
Lehrgegenftände unter Foöͤlſch und Sc eidlein nad. Im Nov. 1802 
legte ex die erfte ſtrenge Prüfung für das Doctoras zurück, und nad) Zu: 
rüdlegung ˖der übrigen firengen Prüfungen und ber Dispuration wurde 
er am 10. May 1804 zum Doctor fänmtlicher Nechte befördert. Ehen 
auch in feiner Vaterſtadt nahm er die Nechtepraris bey tem Doctor der 
Rechte und mähr.<fchlef.Landesanocateng ran; Kav.Wedehropd(f.d.), 
and nadıdem ihm eine mähr. » fehl:f. Landesatvocatenftelle mit der Beilinis 
mung, Dlmüß zum Wohnſitze zu nehmen, 1808 verliehen wurte, und 
er bie bafür vorgeichriebene firenge Prüfung abgelegt, trat er diefes öf- 
fentliche Amt im Jänner 1809 an. Als 1826 an dem Olmützer Lyceum 
die Lehrkanzel des Lehen, Handels- und Wedfelrehts, dann des Ge 
ſchaͤftsſtyls und des gerichtlichen Verfahrens in und außer Streitfachen 
erledigt wurde, ward ihm die Eupplirung anvertraut, welche er durch 
2 Jahre beforgte. Eeine literarifhen Arbeiten find: Darftellung der alls 
gemeinen Gerichts: und Concursordnung, 2 Thle., Olmüs 1825. — 
Ergänzungsblätter zn diefer Darftellung, eb. 1828. — Anleitung zur 
Kenntniß der Vorfchriften über die allgemeine Manipulation der Ges 
richtsſtellen, eb. 1830. 

Öfterdingen, seine. von, berühmtin der deutſchen Literatur: 
gefchichte ald Dichter und Minnefänger des 13. Jahrhunderts, madtkin dem 
Gedichte vom Wartburgkriege ten entfhietenen Gegenſatz zu Wolfram 
von Efhilbacd, indem er hier ald DVertbeidiger und Lobpreifer des 
Herzogs von Oſterreich Leopold 111. aufıritt. Von diefem Gedichte 
bat fih durd die Chroniken ter Huf O.'s verbreitet und turdy Vie olıt 


112 Og lie. — Olmügp. 


Burg feldft in ber Erinnerung lebendig erhalten. Wahrſcheinlich it nun 
auch aus diefer Tradition die Angabe entitanden, daß D, ein Bürger 
von Eifenac gewefen fey. Eine zweyte Quelle für die Eelebrität D.’s 
ar das Heldenduch, weil man länge Zeit hindurch ihn für den Werfaf 
fer desfelben hielt. Allein die fpäteren Unterſuchungen zeigten, daf mit 
einiger Sicherheit ihm nur Laurin oder der Heine Rofengarten bey- 
gelegt werben könne. ‚Endlich was Ds Nahmen in der jüngeren Zeit 
wieder fehr in Umlauf feßte, war die aufgeftellte Vermuthung, daf er 
der Verfaffer der Nibelungen fey: Da DO. vom Wartburgkriege im In 
tereife Ofterreich fisricht, ging man fo weit, feinen Geburtsort (dem 
die thüringifhe Ehronik von Rothe aud Ofterdingen nennt) in 
dem öftere. Everdingen zu ſuchen, und unterſtützte diefe Muthma⸗- 
ung mit der genauen Localkennrniß , welde ber Nibelungendichter von 
fterreich zeige. Auguſt Wilh. . Schlegel undvon der Hagen 
— ic in diefer Muthmaßung, welche aber durchaus keinen ſichern 
den bat. “ 

Dalio > Eluß in der Combardie, entſpringt aus verfipiedenen Bär 
hen am obern Ende des Wal Camonica, in ber Delegation Bergamo, 
geht durch den Lago d'Iſeo, nimmt den Eherio, Mella und Chiefe auf, 
wird von Portorico an ſchiffbar und fr nach einem Laufe von-17 
Meilen bey Tsrred’Oglio, einem Orte der Delegation Mantua, 
in den Por Aus dem Fluſſe O. find — nützliche Canäle zur Be ⸗ 
Bien der anliegenden Landſtrecken, fo wie zur Betreibung der Müh ⸗ 
Ten abgeleiten, * 

Ggulin, Markt im Oguliner Regiment in der Carlſtädter Gtanze 
der croailſchen Militärgränze,iam Sluffe Dobra, hat 2,300 Einwi, einen 
Hauptplaß, eine Pfarrkirche, Haupt: und Mädchenfhule und ift der Sig 
des Negimentsftabed,. 

Gguliner Reginients» Bezirk im der Carfftädter Gränze der 
croatiſchen Militärgränge, bat einen Slähenraum von 455 A.M;, wor« 
auf 47,500 Einw. in 107 Ortfepaften. Producte find Getreide, Honig, 
Wein, Holz, Zugvieh, Schafe und Ziegen, 

Olbersdorf, flef. Gut, weldes eine eigene Minderherrfhaft 
bildet und gleihnahmige Stadt Im Troppauer Kreife, an der preußifthen - 
Gränge, mir 700 Einw: und einem Scloffe. $ * 

Ichowce, galiz. Stadt im Sanoker Krelfe, am rechten Uferder 
San, gegenüber der Stadt Sano E-gelegen, hat eine k. k. Nemontie 
rungsanftalt. —— * 

Olesko, galiz. Marhtflecken im Zloczoͤwer Kreiſe, der Geburts- 
ort des. Königs Johann Sobieski, hat 1,250 Einwi und ein Fel⸗ 
fenihtoß. - Kerr 
Glmuͤtz, mähr, Haupt und Gränzfeftund an ber Mar, war 
ehemahls die erfte Hauptſtadt Mährens; behauptet aber noch immer den 

Rang einer zweyten Hauptitädt des Landes, feitdem Brünn als Sitz 
aller erften Kandesbehörden, den Rang ber erften Hauptſtadt einnimmt. 
Die Außenwerke diefer wichtigen Feitung find groß und feſt. Die Lage 
der Stadt erhebt fich gegen die Mitte ird rings herum von ber 
Mara“ umfloffen, deren Gewſſer ü falle durch mehrere Schleu⸗ 





oO ıIı md 113 


fen auf-eine beträchtliche Höhe und Weite gefchwellt werden Eönnen, hat 
4 Thore, 5 Vorftädte, 3 Pfarren, 6 Kirchen, bey 1,100 Häufer und 
10,560 Einwohner. Man trifft bier 2 große Pläße, den Oberring und Nies 
derring. Den erfteren zieren eine der fhönften Dreyfaltigkeitſäulen der 
Monardie und mehrere geſchmackvolle Springbrunnen von Donner. 
Unter den Gebäuden verdient das Rathhaus mit bem 41 Klafter. hohen 
Zhurme bemerkt zu werden, welces.ein von allen Seiten freyſtehendes 
anfebnliches Gebäude iſt und aus dem fhon 1268 beftandenen Kaufbaufe 
errichtet wurde. Die mathematiſche Kunſtuhr auf demfelben ıft 1422 
verfertigt worden, jeßt aber nicht mehr im Gange. — Die Mauriz⸗ 
Eiche wurde. 1412 erbaut und bat eine Orgel von 48 Mutationen, wel 
che die größte in Mähren ift. Die Kirche zu Sr. Michael ift mit einer 
kühn gebauten Kuppel verfehen ; bier ruht der Leib des fel. Zobann®ars 
cander, welder zu DO; den Martertod erlitt. — Das Univerjitätsgebäube 
war ehemahls ein Seminarium unter der Aufſicht der Sefuiten. Das . 
ehemahlige mweitläufige, prächtig gebaure Zefuiten« Collegium mit demi 
Ferdinandeiſchen adeligen Stiftgebäude und jenem der alten Lniverfität 
ſtnd ſaͤmmtlich zu Militärcafernen eingerichtet worden. Die Univerfitätde 
bibliothek auf der Vorburg ift ein ftattlihes Gebäude und Hehörte vor⸗ 
mahls auch den Sefuiten: - Sie ift dur die Bücherſammlungen der aufges 
obenen Klöfter bereichert worden und zählt gegenwärtig an 50,000. 
ände, worunter befonders die vaterländıfhe Section reichhaltig iſt. — 
Auf dem Biſchofsplatze fteht die erzbifhäfliche Mefidenz und das herrlich 
erbaute militärifche Zeughaus: Die Domkirche ift ein alted ehrwuͤrdiges 
Gebäude; merkwürdig wegen des kühnen Baues des Presbpteriums; deilen 
Untertheil wieder eine geräumige Kirdye enthält. &te wurde auf Befehl ' 
bes Könige Wenzel aus einem Theile des markgräfl: Schloſſes erbaut 
Nahe an der Domkirche ift die Reſidenz des Domdechants, welche da⸗ 
durch merkwürdig geworben iſt, daß darin der böhmifhe König Wens 
ei III: 1306 von einem feiner Diener ermordet wurde. — Fremde 
 eieben den Keller an der Frohnfeſte, in welchem 1020 der Holefchauer 
Dechant Johann Sarcander auf Befehl der utraquiftifhen Stände 
durch die Folter zum Geſtaͤndniſſe gebracht werden follte, daß er den Ein« 
fall der Polen bewirten half. — Außer der Statt liegt das große 
prachtvolle Prämonftratenfer s Klofter Aradifch, dasnad der Secula⸗ 
tfirung 1784, erit zum Öeneralfeminarium der angehenden Welt⸗ 
priefter; dann zu einem Militärfpital verwendet wurde: Aufier dem 
Beftungscommanto befteht in D. eine Kortificationds Local Direction 
‚ and ein ÖarnifonssArtilleriesDiftricrd: Commando. — D. ift der Sitz 
ned Erjbifhofs, der vom Domcapitel gewählt wird, des erzbifhöfl. 
Conſiſtoriums, des k. k. Kreisamtes für den Olmüger Kreis, und der 
Eameral: Bezirks: Verwaltung. Es bat eine feit 1827 wieder bergeftellte 
Univerfität, zu welcher nebft der Bibliothek, ein Naturaliencabinet und ein 
betraͤchtlicher phyſikaliſcher Apparat gehören; ein Gymnaſium, ein erzbi⸗ 
ſchoͤſlliches Seminar, eine ftändifche Akademie, eine Militar⸗Cadetten⸗ 
Compagnie (Cadettenhaus), eine Hauptſchule von 4 Claſſen mit wohl⸗ 
eingerichteten Sonntagsſchulen, als: Der gewöhnlichen Wiederhetungke 
ſtunde für Handwerkslehrlinge, der Sonntagsfhule für Sewerbibeliiene 
Ößert. Bat. Eneyli. 82. IV. 8 


114 ‚ Olmüger Kreis. — Oppel. 


im Nechnen‘, in-Geometrie und Medanit, und der Sonntagsjchufe im 
practiſchen Zeichnen für Handwerker, ein Urſulinernonnenkloſter mit 
Maͤdchenſchule, 2 Trivialfehulen, ein neugebautes Theater, ein Verfor- 
gungshaus mit Kranken: und Gebäranftalr und das mähriſche Witwen: 
uad Waifenverforgungs-Inftitut für alle £. &. Erbländer, womit ein Pen- 
fionsinftirut für Staats: und Privat-Civilbeamte vereinigt if, 2 
Olmuͤtzer Kreis in Mähren, bat einen Flaächeninhalt von 95 
QM., worauf 366,000 Einw. in 27 Städten, 20 Märkten und 793 
Dörfern ſich befinden. Er wirddurd die Mark, Sajawa, Berfhiwa, Hanna, 
Oslawa/ Fiſtrit, Mora und Zwittawa bewaͤſſert und ift gegen Böhmen 
und Shlefien fehr gebirgig, denn gegen Weften find die bohmiſchen und 
‚gegen Norden Die fuderifhen Gebirge und Schneeberge. Gegen den 
er Kreis, befonders aber in der ſogenannten Hanna ift das Land 
eben und hat den beften- Getreideboden, daher auch alle Gattungen Ger 
treide und Küchengewächfe, auch Mohn häufig gefüet werben. In dem 
Gebirge nahren ſich die Einwohner theils durch Arbeiten bey den Fobri · 
ten und Hammerwerken, theils durch Spinnerey, durd Garn+ und 
Leinwandhandel, welcher in diefer Gegend am ftärkiten bettieben wird⸗ 
endlich auch durch Optpreifen und das Fuhrmwefen, daber befonders viel 
Flachs, Hanf und Hafer angebaut und die Pferdezucht im guten Stande ° 
erhalten wird. * * 
Olympifche Akademie zu Vicenza iſt aus beyläufig 60 ſoge⸗ 
nannten beytragenden Mitgliedern und 80 Ehrenmitgliedern yufammen- 
geſetzt. Diefes gelehrte) Inftitur beſchaͤftigt ſich außer den sciences 
exactes und den fhönen Wiſſenſchaften vorzüglic auch mit der Maleren 
und mit der Zeichnenkunſt. A⸗ 
Olsen, großes ſiebenbürg. Dorf, war früher der Hauptort des 
Lefchkicher Stubles. . * 
ers, Joh./ ein talentvoller Maler, von Geburt ein Miederläns 
der, geb, 1651, der ſich 1691 zu Prag anfäpig machte, und 1714 zum 
DOberälteften der dortigen Malerconfraternität gewählt ward, Er malte 
biftorifche und Architecturſtücke, war reich am Erfindung und ein guter 
Zeichner. Sein Colorit aber fällt ins Nothe. In Böhmen finder man 
eine Ben Altarblätter und andere Gemälde von ihm. Er ſtarb 1730, 
Mod, ungar. Marktflecken im Borſoder Comitat, am Safe, 
mit-einem gräfl. Törö E’fhen Schloffe und 2,700 Einw., bekannt durch 
die verderbiche Schlacht, welche 1241 in diefer Gegend zwifden den 
‚an und Mongolen vorfiel, und durd die Reichsverſammlung der 
jer vom J. 1707. 2 nn 
Boorano, bohm. Stadt im Königgräger Kreife, mit 1,400 
Einw., ift der Hauptort einer fürftl. Colloredo-Mannsfeldfden 
Herr und hat einen Park und-ein bedeutendes Geſtüre. 
ppa (Goldfluß), Fluß in Schleſien, entſoringt auf dem maͤhr. 
e aus 5 Quellen, die ſich bey Würbenthal vereinen, trennt, 
x und Preuß. Schlefien, nimmt bey Troppau'die Moramuf, 
und fält 38 een —— * * 
2 an; ickter Maler, geboren miſch⸗Brod 
Bene 


. Jahre feines Alters kam er zu dem Grescomaler Grang 
i) k 





Oppenbeimer. — Örcay. 115 


Wrabecz, Bruder feiner Dutter, bey welchem e8 O. in wenigen Jah» 
ren fo weit brachte, daß er ſowohl in Ungarn, als in Ofterreih, befons 
ders aber in Wien den Ruf eines trefflihen Frescomalers bewährte. 
Er ftarb zu Wien 1801. — 

Oppenheimer, David Ben Abraham, berühmter jüdiſcher 
Schriftgelehrter, aus Worms gebürtig, erhielt feine Bildung zu N is 
Eolsburg in Mähren, war eine Zeitlang Vorſteher der bortigen 
Schule und ftarb 1737 zu Prag als Oberrabbiner der dortigen Syna⸗ 
goge, 70 Jahre alt. Man hat von ihm: Eine weitläufige Vorrede zu den 
5 Gern Mofed, die zu Berlin 1705,in 5 Bbn. gedrudt wurden; 
eine große Anzahl Schriften über verfchiedene Gegenftände, befonders 
über den Talmud und das judaifhe Recht. Vorzüglich bemerkt zu were 
den verdient fein Commentar über den Talmud. 

Optſchina (Opchina), Dorf.im illyr. Küftenlande, im Gebie⸗ 
the der Freyſtadt Trieft, auf der Höhe eines 190 Kl. hohen Berges, 
über welchen die Straßevon Laibach nah XTrieftführt, wird wegen der 
entzückenden Anficht bes adriatifhen Meered, die man an heiteren Ta⸗ 
gen von hier aus zuerſt genießt, und wegen feiner reinen und gefun« 
den Luft gerühmt.— 
Opus, f. Sort Öpus. | 

Oranien, Wilhelm Georg Sriedr. Prinz von, Ef. Feld⸗ 
jeugmeifier und commandirender ‚General der & E Armee in Italien. 

e war geboren den 15. Febr. 1774, trat im April 1796 aus hollänbi- 
ſchen in die £. &. Dienfte, und ward zum Öeneralmajor ernannt. Wegen 
feiner befonderen Auszeichnung bey der Belagerung von Kehl erhielter 
1797 das Therefienkreuz, im Aprildesf. Jahres aber das vacante d'Alt o n⸗ 
fhe Infanterie-Regiment und wurde zum Beldmarfchall-Lieutenant be: 
fördert. Am 15. Nov. 1798 zum Feldzeugmeifter erhoben, ward ihm 
zugleich das Commando der in Stalien ftehenden Armee anvertraut. 
Er ftarb am 6. Jän. 1799 in bem Hauptquartier der Armee zu Padua. 

Orczy, Laurenz, Freyh. d., ward den 9. Aug. 1718 geboren. 
Als Maria Therefia den Thron beftieg und von 7 feindlichen Mächten 
bedroht ward, trat and D. unter die Fahne jener edlen ungarifchen 
Sünglinge, welche fich freywillig ins Lager drängten, für ihre Königinn- 
zu fechten. 1756 errichtete er ein Gavallerieregiment aus jazygiſchen 
und kumaniſchen Juͤnglingen; zeichnete fi in der Kolge bey Dresden 
aus, war mit Hadik in Berlin, und trat ald Beneral aus dem 
Kriegsdienfte, wurde Obergefpan des Abaujvarer Comitats und vom 
Kaljer Joſe ph mit dem Commandeurkreu; des St. Stephan » Ordens 
ausgezeichnet. Altersſchwach legte er 1784 fein Amt nieder. Als Dichter 
war er zuerfi nur aus Beſenyei's Tersasäg bekannt, bis Nevay 
1787 zu Preß burg feine Poefien in einem Bande, unter folgendem 
Titel berausgab: Költermenyes holmi egy magivägos elme töl. 
1789 folgte, ebenfalls von Revan herausgegeben : Ket nagysägos 
elmenek köl temenyes szülemenyei, enthaltend: A’ Szabadsagröl, 
eine poetifche Rhapſodid, und vermifchte Gedichte von Bac efai.—D. 
verliebte den Meft feines Lebens in feinem Tusculum zu Oxs, für Narr 
und feine Freunde, und frarb zu Pefth den 28. July 1188. 

8 


116 | Orden — Oriani 


Orden. Deren find nachtehende: 1) Orden des. goldenen Vließes. 
— ag ah — 5) Matia-Tperefien- Orden. — 
4) Unger; ©t. Stephan:Orden. — 5) Leopold-Orden. — 6) Orden der 
eifernen Krone. — 7) ElifaberhOrden. Liber das Nähere ſ. older 
nes Vließ, Eiferne Krone, die Schlagwörter ber übrigen O., 
fowieaudh Civil-Ehrenkreu;. 

M O'Reilly, Alsrander. ‚Graf v., kön, fpanifcher General, ward 
‚geb. 1737 in Ireland. Brühzeitig widmete er ſich dem Militäritande und 
trat: in ſpaniſche Dienfte, in weichen er. dem öfterr. Gucceffionskrieger in 
Stalien beywohnte. 1757 trat O. in oͤſterr. Dienfte und zeichnete ſich im 
2, Beldzugedes fiebenjähr. Krieges gegen Preußen aus, 1759 verlieh er 
feinen Poften jedoch wieder und nahm erjt im franzöſiſchen, dann abermahls 
im fpanifchen Heere Dienfte, wo er fi bey mehreren Gelegenheiten 
ſehr auszeichnete,, Feldmarſchall, Commandant von der Hapannah, 
Gouverneur von Meu-Orleans wurde, 1765 nad feiner Zurückkunft 
nach Europa dem König Cart III. bey einem Aufftande das Leben ret⸗ 
tete und dann deffen Glinftling und 1774 Commandant der Erpedition 
gegen Algier wurde, welche jedoch ungünftig endigte. Nach den Tode 
des Königs 1788 fiel O. in Ungnade bey Hof, er zog ſich nach Catalonien 
zurück und ftarb 1794, als ihm eben der Oberbefehl der. fpan. Armee in 
dem öftlichen Pyrenäen jugetheilt worden wars 
Sriani, Barnabas, Abbate, Director der Sternwarte zu 
Mailand, Ritter der Ehrenlegion und ber eifernen Krone, Mitglied 
des. italien, Inftitutes der Wiſſenſchaften und Künfte, berühmter Aftro- 
nom, ‚wurde, geboven den-15. April 1753 zu Garegnano, einem 
Dorfe bey Mailand. Das Studium der Mathematik und Aftronomie 
betrieb er mit vielem Eifer und wurde 1777 bey dem großen Obfervato: 
rim in Mailand angeftellt, 1786 fandte ihn die Regierung nad 
London,[um dajeldft von Rams den mehrere aſtronomiſche Inſtru— 
mente für diefe Sternwarte verfertigen zu laffen ; bey diefer Gelegenheit 
erwarb fih ©. Herſchels Freundfhaft, mit: dem er fortan in ftetem 
Briefwechſel fand. Napoleon zeichnete ihn befonders aus, bey Er» 
richtung des italien. Inftitutes wurde O. eines der erſten Mitglieder des— 
felben, fpäter wurde er zum Orafen und zum Senator des Königreichs Itas 
iien ernannt, Seine Beobachtungen zeichnen ſich durch diegröfte Genauige 
feit aus; er berechnete zuerit, daf die 1801 von Piayzi entdedte Ce— 
res fein Komet, wie man ällgemein glaubte, fondern, nad den Ele 
‚menten ihrer Bahn, ein Planer fey, Mit Neggiound Caefaris 
fegte O. die von dem berühmten E ag rang e begonnenen aftröng« 
mifchen Ephemeriden fort; feine Abhandlungen enthalten treffliche Bey- 
fpiele, Regeln und Bemerkungen für die practifche Aftronomie, Die vor« 
i feiner Werke jind: Tafeln des Uranus, 1783. — Theorie 
des 16, 1798 und claſſiſche Elemente der fphäreidifhen Trigos 
nometrie, Bologna 1806. Auch trug er durch feine Beobachtungen zur 
| Nichtigkeit der unter Napoleon ausgeführten großen geogranhifi 
| Warte des Königreichs Italien weſentlich bey, Sein Teftament war zu 
| ‚Buynften der Sternwarte in Mailand. 


u 


Orlät. — Ortsgerichte. 117 


Orlaͤt, Dorf und Hauptort des erſten walachiſchen: Infanterie⸗ 
Regiments in der ſiebenbürg. Militärgraͤnze, iſt der Sitz des Stabes und 
bat eine Hauptſchule, eine Papiermühle, einen Kupferhammer und Kalk⸗ 
brennereyen. Das hier gebraute gute Bier wird in beträchtlicher Menge 
nad Siebenbuͤrgen verführt. 

Orlau, fhlef. Dorf und Hauptort einer gleihnahmigen minderen 
Standesherrfchaft im Tefchener Kreife, mit einem Schloffe, einer Pfarr⸗ 
Eiche und 900 Einwohnern, Hier war ebemahls eine Abtey. 

Oroshaza, ungar. Dorf in der Bekefer Gefpanfchaft, mit 6,000 
meift (utherifhen Einw., bet Noß:, Winds und Hbimühlen, ſtarken 
Weinbau, bedeutende Rindvieh⸗ Schaf⸗ und Schweinezucht. 

Orſera, Marktflecken im Mitterburger Kreiſe des illyr. Küftenlan- 
des, nahe an der Mündung des Fluſſes Lemo ins Meer, mit einem ſichern, 
aber faſt gänzlich unbenutzten Hafen und 500 Einw. Auf den Heinen, 
Selfeninfeln (Scoglien) nächft dem Hafen bricht man gute Baufteine. 

Orfini, Baetano, Sänger an der Hofcapelle Carl's VI. in 
Wien, von Geburt ein Italiener. Er wohnte der 1723 zu Pra 
aufgeführten großen Oper „Gostanza et Fartezza“ bey, und that fi 
fo hervor, daß er den größten Ruhm erntete. Während feiner Anwes 
fendeit in Prag gab er dem nachmahls berühmten Franz Benda im 
Bingen Unterriht und bildete ihn zum Künſtler. O. hatte eine 
fhöne und rührende Contra» Altflimme von einem nicht geringen Um⸗ 
fange, eine reine Intonation, und einen ungemein reizenden Vortrag. Er 
flarb zu Wien 1750. 

Orth (Ort), niederöfterr. alter Markt und Schloß im V. U. M. 
B., in flaher Gegend am Marchfelde, am fogenannten Fadenbache 
(einem Arme der Donau) und in geringer Entfernung vom Hauptftrome 
der Donau, Hauptort einer E.E, Patrimonial:Herrfhaft, mit welcher die 
Herrſchaft Eckard s au vereinigt iſt. Der Markt zähle 1,005 deutſche 
und ſlaviſche Einwohner, die Feldbau, Obſteultur und Viehzucht trei⸗ 
ben, Es ift hier ein berrfchaftlihes Brauhaus mit Branntweinbrennerey 
und auf dem Plate fteht eine Dreyfaltigkeitsfäule. An der «nördlichen 
Seite des Marktes fieht man noch die Überbfeibfel der alten Verfchans 
jungen, welche gegen die Schweden waren aufgeworfen worden. 

Örtles:Spige, insgemein Orteles. Höditer Berg Tyrols im 
Oberinnthaler Kreife; feine beeifte Spike ragt 14,466 Zuß über das 
Meer hervor, er gehört zu dem Gebirgszuge der Norifhen Alpen, ihm 
gegenüber find mehrere niedere Eisberge in der Centralalpenkette; diefer 
Berg wurde 1804 zum erften Mahle auf Veranlaffung des Erzherzogs 
Johann von dem Paifeyrer Gemſenjäger Pichler erftiegen. 

Ortsgerichte find theild unorganifirte, das ift folche, welche bloß 
von einer phyſiſchen Nichterperfon verwaltet werben, theils organifirte, 
bey welchen die Gerichtsbarkeit dur ein Collegium yon wenigſtens 5 
Perſonen ausgeübt wird; von diefen Perfonen ift oft nur eine für das 
Richteramt geprüft, während die übrigen bloß ungeprüfte Beyfiger find, 
oder es find alle Mitglieder des Gremiums für das Nichteramt geprüft 
und tauglich befunden. Nach diefem Unterfchiebe zerfallen die organifirs 
ten Gerichte weiter in regulirte und nicht regulixte. Terner And tr D. 


I 


28» Ontegeridte 


theils Patrimonialgerichte,. theils landes fürſtliche Gerichtsſtellen mans 
hen gebührt die Gerichtsbarkeit in und außer Streitſachen, manchen nur 
die erftere allein. Im Erzherzogtbume Ofterrgih unter der 
Enns: I) der Magiftrat der & & Haupt: und Refidenjftadt Wien, 
für die Stadt und die bürgerlichen Bewohner der Vorftädte; dann hin« 
ſichtlich jener Rechtsangelegenheiten, welche den Gerichtsſtellen der Haupt ° 
fiddte im Alfgerteinen oder dem gedachten Magiftrate durch Privilegien 
insbefondere zugewieſen find. 2), 37 organifirte Magiftrate der Städte: 
Baden, Brudander Leitha, Drofenborf, Eggenburg, 
Beldsberg, Gmünd, Hainburg, Horn, Klofterneuburg, 
Korneuburg, Kremsund Stein, Lan, Wiener-Meuftadt, 
St. Pölten, Groß-⸗Pechlarn, Röz, Tuln, Waidhofen 
der. Ips, Waidhofen an der Thaya, Weitra, Ins, 
Ainenskekt, Zwettl, und der Märkte: Amftetten, Afpang, 
Bertholdsdorf, Gars, Himberg, Langenlois, Möd— 
ling, Pulkau, Röfhis, Hoben-Ruppersborf und Sto⸗— 
ckerau. 5) 481 Patrimonialgerichte der Dominien unter dem Nahmen : 
’ Dr, Duftizämter, Hofgerichte, Stiftgerihte ꝛc. — Im Exzherzog⸗ 
tbumeDfterreic ob der Enns: 1) Das Stadt: und —— 
Linz, als Staderecht in jener Sphäre, die vor 1819 dem Magiftrate 
diefer Stadt in Civiltehtsangelegenheiten zugewiefen war, jedod mit 
Ausſchluß der Gerichtsbarkeit der ftädt; Glltenverwaltung, das iſt der 
Realgerichtsbarkeit über die in das Grundbuch der Stadt Linz einbezor 
genen unbeweglichen Güter. 2) Die Magiftrate von 26 Städten und 
Märkten des Mühle, Traun⸗ und Hausruckreifes. 3) 247. Patrimos 
niafgerichte der Dominien in dieſen Kreifen, 4) Im Innkreife ber 
ſtehen dagegen : 8 Iandesfürftliche Pflesgerichte zu Wiehtenftein 
und Schärding, Obernberg, Braunau, Ried, Mauerkir 
den, Mattigbofen und Wildshut; dann mehrere Privarges 
ichtöbarkeiten. 5) Das Stadt⸗ und Landrebt zu Salzburg, als 
Siadtrecht für die Bewohner der Stadt Salzburg und ihres 
friebens, ‚dann für jene Rechtsſachen, welche den Civilgerichtsbehörden 
‚einer Hauptftadt vorbehalten find, 6) 22 fandesfürftliche Pfleggerichte 
zu Salzburg, Hallein, Radſtadt, Tamsweg, Mitter 
fill, Neumarkt, St. Midhael, Taren bach, Zellam See, 
Saalfelden, Werfen, Abtenau, Gaftein, Thalgau, Gl: 
fing, Goldeck, St. Johann, Mattfee, Großarl, St. Gik 
gen, Weitwörth und Lofer. 7) 3 Privatherrfaften mit Cioils 
Jurisdiction, nahmlich das Benedictiner- Stift St. Peter au Salz 
burg, das Urbarrichteramt und dag Benedictiner⸗Stift Michael 
beuern.— Im HerzogtbumeSteyermark: 1) der Magiftrat 
der Hauptftadt Gräß, als ftäbtifche Behörde für deren Bewohner und 
als Gericht — die Angelegenbeiten, welche den Behörden der Haupt⸗ 
ſtadte vorbehalten find. 2) Die Magiftrate von 16. Städten und JO 


Mäürkten. 3) 878 Patrimonialgerihte der Dominien. — Im Herzog: 
"tbume Kärntben: I) Das Stadt: und Landrecht zußlagenfurt, 
ſtadtiſche Gerichtsbehörde für die Einwohner Klagenfurts, 2) 
130 Landgerichtoherrſchaften des Klagenfurter Kreiſes. 3) 14 Ber 





Ortsgeridte 119 


zirkögerichte des Villacher Kreiſes. — Im Herzogthbume Krain: 
1) das Stadt- und Landredt zu Laibach, als Stadtrecht für dieuns 
adeligen Bewohner der Hauptitadt und ihrer Vorſtädte. 2) 39 theils 
Iondesfürftliche, theils privatberrfchaftliche Gentralbezirksgerichte. — 3 m 
illyrifhen Kürenlande: 1) Das Stadt: und Landredt zu 
Trieſt, als ftädtifhe Behörde für Trieft und deſſen Vorftädte. 2) Das 
Stadt: und Landredt zu Görz, in gleicher Eigenſchaft für die Stadt 
Goͤrz und ihre Vorſtaͤdte. 3) Mehrere landesfürftliche und privatherr- 
fhaftlihe Centralbezirksgeriche. — In dergefürfieten Grafs 
fhaft Tyrol und Vorarlberg: 1) Das Stadt: und Landrecht 
zu Innsbruck, als ftädtifhe Behörde für die unadeligen Bewohner 
des Innsbrucker Stadtgerichtsbezirkes. 2) Das E. k. Givilcollegialgericht zu 
Botzen, in gleiher Eigenfhaft fürdie Stadt BoBen und den Bezirk 
des ehemahl. Landgerichted Gries und Bo&en. 4) Das k.k. Collegialge⸗ 
richt zu Roveredo ebenfo fürdie Stadt Roveredo, mit Einfchluß der 
Bezirfelizzana und Sacco. 5) 60 landesfürſtliche Lantgerichte und 
zwar: 21 der 1. Claſſe zu Tio ne, Civezzano, Cles, Male, Caves 
leſe, Sarneid, Meran, Caſtelbell, Lienz, Bruneck, Sonnen: 
burg, Rattenberg, Kufſtein, Ehrenberg, Landeck, Silz, 
Bregenz, Feldkirch Sonnenberg, Bregenzerwald und 
Dornbirn. 28 ber 2. Claſſe zu: Roveredo und Gaftelcorno, 
Riva, Stenivo, Candino und Eodron Pergine, Mezzo— 
lombardo, Vezzano, Levico und Caldonazzo, Kondo, . 
Primör, Klaufen, Paffeyer, Sillian, Windifhmatrey, 
Briren, Enneberg, Velsberg, Altrafen, Müblbach, 
Hallmit Rattenberg, Freundsberg und Shwag, Zell am 
Ziller, Hopfgarten, Nauders, Slurns, Telfs, Imft 
und Montafon. 11 der 3. Clajfe zu Solgaria und Befeno, 
- Bal di Ledro, Vigo in Elvas, Stein auf dem NRitten, 
—Kaſtelruth mit Vöols, Ampezzo, Buchenſtein, Mieders, 
Fügen, Steinach, Sfhgl und Gallthür. 28. Patrimontal; 
Landgerihte. — Im Königreihe Böhmen: 1) Der Magiftrat , 
der Hauptfladbt Prag, für die unadeligen Bewohner der Hauptitadt 
und der Vorftädte, dann in allen Rechtsangelegenheiten, welde den Ges 
richten dev Hauptitadte im Allgemeinen und bem benannten Magiftrate 
vermög Privilegien insbefondere zugewiefen find.— 18 organifirte und 
regulirte Magiftrate der Städte Brür, Budweis, Chrudim, 
Eger, Gitſchin, Jungbunzlau, Klattau, Königgräß, 
Kuttenberg, Leitmerig, Neubidſchow, Pilgram, Pils 
fen, Pifet, Politſchka, Rokiczan, Sau, ıyd Zabor.— 
150 organifirte, nicht regulirte Magiitrate. 063 Aſtizgerichte der 
Dominien. — Sm Markgrafthume Mähren und öfterr. 
Antheile Schlefiens: 1) Die 6 regulirten Magiftrate zu Brünn, 
Olmütz, Iglau, Znaym, Hradiſch und Troppau. 2) Die 
Magiftrare von 61 Städten. 3) Bey 490 O. — Im Königreide 
Galizien wird die Ortsgerichtöbarkeit durch Landrechte, durd Ma: 
giſtrate und Patrimonialgerichte ausgeübt. — Die Gerichtsbarkeit 
der nihtlandesfürftlihen O., worunter ſowohl die Magiftrate der Stätte 


120 Ostsgeridte 


und Märkte, als auch die Grundgerichte der Dominien, (D., Potrimos 
nialgerichte im engften Sinne verftanden werden,) gründer fih auf lan ⸗ 
desfürftliche Privilegien , bie bis] in die älteften Zeiten zurückgeben, ' 
und durch die für die verſchiedenen Provinzen erlaifenen Jurisdictiond« 
normen nicht nur größtentheils ihre Beftätigung erhalten haben, fon« 
dern zum Theil felbft, erweitert worden find, Es wurde namlich durch 
diefe Gefege der Grundfag aufgeftellt; daß als das rechtmaͤßige Ortsger 
richt jener Magiftvat, jene Herrſchaft, jene Obrigkeit oder jenes Grunde 
gericht anzufehen fey, welches derzeit (das iſt bey Einführung der Zus 
risdictionsnorm) die. Gerichtsbarkeit ausgeübt hat, Nur wenn ein Ges 
richt vor der Kundmachung feiner Urtbeile, diefelben einer andern Obrig · 
teit zur Beftätigung vorzulegen verpflichtet geweſen ift, fo wurde bed« 
‚felben Gerichtsbarkeit für die Zukunft an jene Obrigkeit Übertragen, 
welche die Beftärigung feiner Urtheile derzeit zugeftanden hat. Die weis 
tern Beitimmungen über die Regulirung der Gerichtsbarkeit betreffen 
theils die Patrimonialgerichte der Dominien (D. im engften Sinne), 
theild die Magiftrate der Städte und Märkte. Auf die erſten beziehen 
ſich folgende Anordnungen: 1) Die Gerichtsbarkeit des Ortsgerichtes muß 
in dem Orte ſelbſt ausgeübt und es kann Eeine Partey an ein anderes, 
außer dem obrigkeitlichen Bezirke aufgeftelltes Gericht verwiefen werden, 
Daher mufi derjenige, der das Ortsgericht verwaltet, feinen Sitz ders 
geftalt haben, daß er von der Graͤnze des Bezirks, in dem er Recht zu 
ſprechen hat, nirgends über 2 Stunden entfernt iſt und nur ausnahmde« 
weife ift ihm geftattet, feinen Sig auch außer diefem Bezirke zu haben, 
jedoch darf er in dieſem allg nicht über 2 Stunden von der Gränze 
feines Bezirkes entfernt feyn. 2) Hinſichtlich der Perfonen, durd welche 
der Inhaber eines, mit der Patrimonialgerichtöbarkeit verfehenen Gutes 
die Rechtspflege verwalten lajfen kann, ſteht demfelben eine dreyfache 
Wahl offen. Entweder kann er zu diefem Gefhäfte einen fogenannten 
Juſtiziar (Pfleger, Juftizverwalter, Hofrichter, Landrichter) beftellen, 
ober die Gerichtsbarkeit perfönlich ausüben, oder endlich) zur Ausübung 
des Richteramts ein anderes Ortsgericht delegiren. Als Juftigiär kann 
nur derjenige beftellt werden, welder von dem Appellationsgerichte ges 
prüft und zur Verwaltung ber Rechtspflege tüchtig befunden worden iſt. 
Ein auf diefe Art für fähig erfannter Candidat wird and bey der Fä⸗ 
bigkeitserflärung fogleih von dem Appellationsgerichte für den Fall feis 
ner Fünftigen Anftellung in Eid und Pfliht genommen, Dagegen kann 
ein Advocat die Verwaltung der Gerichtsbarkeit nicht übernehmen, wenn 
er nicht zugleich die Advocatur niederlegt, und eben fo wenig dürfen Bür · 
‚germeifter, Räthe, Oränzkämmerer in Galizien und alle Asrigen Subs 
alternbeamten ohne Ausnahme, Juftiziarate beforgen. Die perfönliche 
Ausübung der Gerichtsbarkeit und Enthebung von Aufitellung eines eige ⸗ 
nen Juftiziärs Eann nur jenem Gerichtsherrn geftattet werden, welder 
alle gefeglic vorgeihtiebenen Fähigkeiten biezu perſönlich beſitzt und 
ſich hierüber ordentlich ausweift, Liber die den Gerichtsherren zugeitane 
bene Delegation ihrer Gerichtsbarkeit an ein anderes Ortsgericht ‚gelten 
folgende Regeln: 1) In jedem Kreife find in der Regel die Magiftrate 
alß diejenigen O. beſtimmt, an deren naͤchſtes jedes Dosinling ‚ welches 





Detsgerihte aa 


- dis Juſtiz nice felbit verwalten, fondern diefelbe defegiren will, die Des 
legation leiften mag. 2) Jedem Dominium iſt vorbehalten, die Del 
gation zurückzunehmen, jedoch nicht anders, als wenn dasfelbe in dem 
Gerichtsbezirke mittelſt Aufftelung eines Juftiziärs die Juſtiz felbft ver⸗ 
waltet. 3) Jeder delegivenden Obrigkeit wird das Befugniß eingeräumt, 
fi) an das Appellationdgericht zu wenden, wenn fie darzuthun vermag, 
daß das belegirte Gericht ihren Unterthanen nicht fo, wie es ſich gebührt, 
bie Juſtiz abminiftrirt. Im weitern Nechtszuge felbft aber hängen ders 
ley durch Delegation beftimmte O. niemahls vom delegirenden Gerichte, 
fondern von dem Appellationsgerichte ad. Won der Organifirung der 
Stadt. und Landrechte, welche als Stadtrechte in die Elaffe der O. gehören, 
wird unter" dem Artitel: Landrechte (f.d.) gehandelt. Nach denfelben 
Grundfägen find die andesfürftlihen Collegialgerichte oder Civil⸗Juſti 

Zribunale 1. Inſtanz in den neu acquirirten Provinzen organifirt, & 
ift nur noch übrig von der Verfaſſung jener Iandesfürftlihen Behörben 
1. Inſtanz zu fprechen, bey welden die Verwaltung der Ortsgerichtsbar⸗ 
keit nicht einem Gremium von Richtern, fondern einer einzelnen phyile 
fen Nichterperfon anvertraut ift, der nur ein bald mehr, bald minder 
bedeutendes Hülfs⸗ und Kanzlepperfonal zugegeben ift. In diefe Claſſe 
der Iandesfürftlichen Gerichte gehören: 1) Die Präturen im Küftenlande, 
in Dalmatien und im lombardifchevenetianifhen Königreiche. Diefe bes 
ftehen meiftend aus einem Prätor, einem Kanzliften und einem Ges 
richtsdiener, von denen der erfte ein für das Nichteramt geprüftes Indie 
viduum ift. 2) Die Gentralbezirkögerichte oder Bezickscommiſſariate im 
Königreihe Illyrien, deren es übrigens auch viele privatherrſchaftlichs 
gibt. Zu ihrem Perfonalftande gehört ein Bezirkscommiflfär, dem oft 
noch ein Bezirksrichter bengegeben ift, ferner ein Actuar, ein Amtöfchreie 
ber und eine verhältnißmäßige untere Dienerfchaft. 3) Die Pfleggerichte in 
Salzburg und in dem Innviertel. Diefe theilen fi nad Verſchiedenheit 
ihrer Ordße für Salzburg in 3 Elaffen, welchen in der Regel folgendes 
Perſonal zugewiefen ıft: a) Fuͤr die Pfleggerichte der 1. Claſſe, ein Pfle⸗ 
ger, ein mit dem Fähigkeitsdecrete zum Nichteramte verfehener und ben 
Pfleger in feiner Abwefenheit oder Verhinderung zu fuppliren geeigneter 
Actuar, 2 Amtöfchreiber oder Kanzliften, ein befoldeter Practicant,, ein 
Serichtsdiener und 2 Gehülfen. b) Für die Pfleggerichte der 2. Claſſe, 
ein Pfleger, ein zum Richteramt fähig erflärter Actuar, 2 Amtöfchreiber 
oder Kanzliften, ein Gerichtsbiener und. ein Gerichtsdienergehülfe. 
c) Zür die Pfleggerichte der 3. Claſſe, ein Pfleger, ein controllirender 
Amtsſchreiber oder Kanzlift, ein Gerichtsdiener und ein Sebülfe. Im 
Innviertel werden die Pfleggerichte in 2 Elaffen abgetheilt. 4) Die Lands 
‚gerichte in Tyrol und Vorarlberg, die aus einem Landrichter, einem 
Actuar, einem oder zwey Amtsfchreibern, Gerichtsdiener und Gerichts⸗ 
dienerdgehülfen zufammengefegt find. Die Beſetzung aller, bey diefen 
Iandesfürftl. Zuftizbebörden erledigten Dienftesftellen gefchießt im Wege. 
des Concurſes unter Beobahtung jener Modalitäten, die ebenfalls für. 
die Befeßung der Dienftpläge bey landesfürftl. Collegialgerichten vors 
gefhrieben find. Insbefondere find die Geſuche um die Stellen eines 
Prätors, eines Tandesfürftl. Landrichters, Bezirks-⸗, Phed wur Din 


L 


122 oo yÄäm 


ſtrictsrichters, dann eines Amtsſchreibers, Actuars ober Cancelliere bey 
dem betreffenden, Appellationsgerichte einzubringen; mit alleirtiger Aus · 
nahme der Prätur. in Trieft, um deren Erlangung die Geſuche bey dem 
Trieſter Stadt · und Landrechte einzureichen find. Die Geſuche um Kauz« 
litten und Gerichtsdieneritellen. find überall. bey der betreffenden Ju- 
fizbehörde unmittelbar einzureichen. Dieß gilt aber.nur von jenem Pers 
fonat, welches ſich bloß mit der Juſtizpflege allein zu befaſſen hat, und 
deffen Ernennung daher den Juftizbehörden für ſich allein zufteht, Das 
gegen gelten in Hinſicht der gemifhten Behörden und Commiſſariate im 
Küftenlande , welche nebſt dem politifhen Gefhäfte zugleich das Juſtiz- 
wefen beforgen, hievon abweichende Noymen, und ein Gieiches ift der, 
Fall hinſichtlich der Dienftpläge der throlifchen und voranlbergiihen 
Landgerichte und der Pfleggerichte im Innviertel und in Salzburg. 
Demnach hat die Benennung der Bezivkscommiffäre im Küftenlande, ins 
ſofern ihnen die Juſtiz⸗ und politiſche Geſchaͤftsleitung obliegt, von der 
vereinten Dofkanzley und der oberſien Juſtizſtelle auszugehen; die Ber 
nennung der Aetuare iſt dem Gubernium eingeräumt, welches jedoch, ins 
fofern die · Actuare vorzüglich für die Juftizgefbäfte beſtimmt find, vor 
der definitiven Befegung eines ſolchen Dienftplages, ſo wie auch jenes 
eines Bezirksrichters, wo ein folder neben dem Bezirkscommiffär bee 
fteht, mit, dem Appellationsgerichte ſich ins Einvernehmen zu fegen, und 
wenn fich diefes mit der Landesitelle niht vereinigt, die Sache in Be 
—5 auf die Bezirksrichter und Actuare zur einverſtuͤndlichen Vers 
andlung ber vereinten Hofkanzley und der oberiten Juſtizſtelle zu brins 
gen hat. Die Verleihung der Amtsſchreiberſtellen und die Aufnahme der 
Dienerfhaft wird. auf den Vorſchlag des Bezirkscommiſſariats, wenn 
das Kreisamt damit einverftanden ift, dieſem überlaffen ; im entgegenger 
festen Falle aber hat das Kreisamt den Vorſchlag des Bezirkscommilfas 
riates mit feinem abweichenden Gutachten dem Gubernium zur Ernens 
nung vorzulegen. Die als Centralbezirkgerichte eintretenden privatberr- 
ſchaftlichen Hauptdominien dürfen ji ihre Bezirksrichter zwar felbſt 
wählen, diefe müjlen jedoch von dem Appellationsgerichte für das Civil 
richteramt fähig erklärt feyn, und von dem Kreisamte in Eid und Pflicht 
‚genommen werden. Bey Erledigung einer land: oder pfleggerichtlichen 
Kanzliftene, Gerichtsdieners⸗ oder Gehülfenftelle hat der Pfleger oder 
Landrichter die Ernennung dem Kreisamte zur Beſtätigung vorzulegen, 
und wenn dieſes ſolche verweigern zu müſſen glaubt, bat das Kreisame 
bie Sache der Landesitelle ein zuſchicken. Die Pfleger und Landrichter hin⸗ 
gegen werben von den Hofftellen (der Hofkanzley und oberften Jultizr 
ielle), die Actuare von den Landesftellen, naͤhmlich einverftändlich vom 
Gubernium und dem Appellationsgerichte, ernannt. Die Gerichtsbarkeit 
der D. begreift ſowohl eine Perjonal: als Kealjurisdiction in fi , und 
‚zwar in und außer Streitſachen. R 
.  .Ösgyän, ungar. Dorf im Gömörer Comitat, am Fuße einer An- 
Re umd rings von jhönen Bergen umgeben, ein wohlgebauter Ort 
1 einem evangelifhen Gymnaſium, einem großen Schlofe und Gätz 
ten. Im Jahre 1604 erlisten hier Bocskay’s Truppen eine Nie: 
Derlage.. 





Oflawe. Offolinefi. ‘123 


Oſlawa, Fluß in Öalisien, der in den Karpathen an der Graͤnze 
der ungar. Zempliner Geſpanſchaft entſpringt und unterhalb San ok in 
den San faͤllt. 

Ofſſowan, mähr Marktflecken im Brünner Kreiſe mit 142 

Häufern, einem Schloſſe, 784 Einw., Steinkohlengruben, und einem 
Alaunbergwerk. J 

Oſoinik, Berg im ungar. Küſtenlande bey dem Markte Wer⸗ 
bowsko; über dieſen Berg gebt die Carolinenſtraße, deren höchſter 
Punct 2868. K. hoc iſt; diefe Straße ift hier durch einen ziemlich hohen 
Bergrüden von der Maria » Louijenftraße getrennt. . 

Oſopo, venet. Fleden in der Delegazion Friaul, hat ein altes 
feftes Caſtell und 1,250 Einwohner. 

Oſſegg (Oſſek), böhm. Dorf im Leitmeriger Kreife und Ciſter⸗ 
zienferitift mit Bibliothek (über 40,000 Bände), Naturalien-Gabinet und 
andern Sehenswürdigkeiten, gegründet 1193. Die Stiftskirhe, im itas 
lieniſchen Geſchmacke erbaut, ift impofant. In der Mitte der Kirche iſt 
die große Hauptkuppel, die zugleich den Thurm formirt. 

Oſſero, 1) eine der zu Illyrien gehörigen quarnerifchen Inſeln; 
2), Heine illyr. Stadt im Mitrerburger Kreife, liegt auf der Inſel 
Eherfo, und gehört zum Jurisdictionsbezirk der Infel DO ffero, zählt 
- 350 Käufer und 1,460 Einw., war bisher der Sitz eines eigenen Bis: 
thums und bat ein Wohlthätigkeits-Inſtitut. Die Einwohner treiben 
Holzhandel. 

Oſſiach, illyr. Dorf im Villacher Kreiſe Kaͤrnthens, am ſüdlichen 
Ufer des Oſſiacherſtes gelegen, iſt der Hauptort einer Staatsherr⸗ 
ſchaft. Das ſchön gebaute Schloß war eine der aͤlteſten Benedictinerab⸗ 
teyen in Deutfchland, ſchon 750 geitiftet. - 

Ofliacherfee, ein See im Villacher Kreife Kärnthens, welcher 

6,000 Kl. lang ift und fi dur den Seebach in. die Drau mündet. 

Oflolinsfi von Tenczyn, Jof. Marimil. Graf, Commandeur 
des £. ung. ©t. Stephan⸗Ordens, k.k. geh. Rath, Präfect der k. k. Hofbis 
bliothef, Oberftlandhofmeifter in dem Königreiche Galizien und Lodomes 
rien, Mitglied mehrerer gelehrten Geſellſchaften zc., war aus einem alten, 
in Polen geſchichtlich bekannten, edlen Geſchlechte, auf dem väterlichen Gute 
Wola Milecka in der vormahligen Woywodſchaft (Palatinat) Sen⸗ 
domir, oder dem heutigen galiziſchen Tarnower Kreiſe geboren. Die 
Pfarrbücher geben den 8. Juny 1754 als den Tag der feyerlichen Taufe 
an; da aber dieſe nach der damahligen Sitte, und wie Graf O. 
felbft verficherte, mehrere Jahre der Geburt nachfolgte, fo mochte er ein 
Alter von 80 Zahren erreicht haben. Seine Altern, Mic. Graf von 
D.,und Anna geborne Szaniawska, übergaben ihn der Erziehung 
des abdeligen Gollegiums der Zefuiten in Warfhau, unter dem bes 
rühmten yolnifhen Geſchichtsforſcher Adam Stanislaus Narusze— 
wicä, und fo fiel feine erite Jugend in die verbängnißvolle Zeit der 
Unruhen feines Vaterlandes bis zur Öfterreihifhen Beſitznahme von 
Balizien. Ohne in öffentlihe Verhaͤltniſſe zu treten, lebte er im väter: 
Iihen Haufe den Wiſſenſchaften. — Nah dem Tode ded Kaifers Jo⸗ 
ſe ph II. kam O. mit der ftändifchen galizifhen Deyutation no Viren, 


121 ©ffolinski. 


Seine warme Thätigkeit für die Angelegenheiten bes Bandes, "ber 
fonders für die Erziehung adeliger galizifher Jünglinge in den öfterr. 
Inſtituten jeder Art, ward mit Erfolg gekrönt, Nach diefer Sendung 
und feit 1793 hatte er Wien zu feinem bleibenden Aufenthalte bis an 
feinen Tod gewählt. Sein Haus ftand allen gebildeten Männern, eins 
heimifchen und fremden Gelehrten, gaftfreundlih offen. Schon 1794 
nahm D., nachdem er eine Bücherſammlung, befonders für flavifche Li» 
teratur, anzulegen begonnen hatte, den — Samuel Gottlieb 
Linde aus Thorn, als Bibliothekar zu ſich, der mit ſtaunenswüt · 
digem Fleiße und mit Benütung von mehr als 100 polniſchen Schrift ⸗ 
ftellern das berühmte vergfeihende Wörterbuch der polnifd » flaviihen 
Mundart, gleich dem englifhen Joh nfon und dem deutſchen A de» 
fung, verfaßte, allein eine Arbeit, die einer ganzen Akademie wirbig 
wäre, Linde widmete diefed Werk O., und feinem zweyten Mäcen, 
dem verftorbenen k. k. Feidmarſchall Adam Fürften Czartoriski. 
Dankbar erkannte er die große Unterftägung O.'s bey diefem Unterneh ⸗ 
men, theild durch eigene literarifche Mitwirkung, theils durch großmů ⸗ 
thige Aufopferung. Andere boffnungsvolle Männer, Jof. Sie 
gert und Dr. Carl Joſ. v. Hüttner fanden nah Finde eine 
Stelle in der Offolinskifgen Bibliothek, Die Gelehrfamkeit! und 
Verdienſte D.’s blieben nicht unbeachtet. Kaifer Gran; belohnte ihn mit 
der Würde eines geheimen Rathes 1808, und ernannte ihn 1809 zum 
Präfecten der k. E, Hofbibliothek, eine eben fo ehrenvolle als den Mei» 
gungen Ors höchſt willlommene Beftimmung. Indem D. die reihen 
Quellen zu feinen Studien eifrig bemügte, rachtete er zugleich auf alle 
Weife dem Inſtitut nützlich zu werben, 1817 erhielt er das Comman« 
deurkreu; des St. Stephan:Drdens und diejftändifche Würde eines Oberſt ⸗ 
Tandmarfcalls , fo- wie 1825 jene eines Dberitlandhofmeifters in dem 
Königreihe Galizien und Todomerien; ihm mar aud die Curatel des 
galizifhen Landwirthſchafts ⸗Inſtituts in Wien von 1808 bis 1823 Übers 
en, — Die verſchiedenen wiſſenſchaftlichen Wereine des In» und 
Auslandes bezeigten nicht minder O. ihre Achtung. Die Lemberger Unis 
verfität ertheilte ihm das Doctorat der Philofopbie; die Landwirth⸗ 
fhafts « Geſellſchaft in Wien nahm ihn 1818, die maͤhriſch-ſchleſiſche 
Gefellſchaft zur Beförderung des Aderbaues, der Natur: und Landes— 
Kunde 1824,die Geſellſchaft der Wiſſenſchaften in Prag unddas vaterläne 
"> Mufeum in Böhmen 1825, die Akademie der bildenden Künſte 
in Wien, dann die auswärtige gelehrte Oefellihaft in Göttingen 
+ 4808, in Warſchau 1611, inKrafau, Wilna, unddie Geſellſchaft 
für ältere deutſche Geſchichtskunde 1820 als Mitglied auf. — D. hatte 
die Wahrheit erkannt, und oft eindringend ausgeforochen, daß man die 
— dee Menſchen nur auf dem Wege der Civiliſation wirklich 
ern Eönne, und daß alle Anftalten und Verſuche, follen fie nicht 

mit Werderben und Efend enden, auf diefe große Grundidee zuruckge⸗ 
fühnt werden müſſen. Er wollte daher, von diefem Gedanken Tebhaft 
ergeiffen, feinen ſlaviſchen Mitbürgern ein bauerndes Worbild umd zus 
as ein mächtiges Hülfsmittel zurüclaffen. Schon 1804 fafte er den 
Hbluf; in Berbindung mit dem Grafen Stanislaus Zamoyski, 





Offoltinski. 18 


Beſitzer ber Ordiniazie (Majorat) Famosc, eine bffentliche Bil⸗ 
dungsanftalt in Zamosc zu begründen. Die Kriegsereigniſſe 1809 
und die darauf gefolgte Territorialveränderung mit Zamosc mußten 
eine andere Wahl herbeyführen; fie fiel auf Lemberg, als bie Haupt⸗ 
Made des Königreichs Galizien. Seine mit vieljähriger Sorgfalt und 

Aufopferung gefchaffene Bibliothek follte, nebft ben Sammlungen an 
Supferftihen, Charten, Diebaillen 2c. nach feinem Tode dem öffentlichen 
Gebrauch für alle Zeiten geweiht werden. Sin ber Stiftungsurkunde 
bat der großmüthige Stifter zu Erhaltung und Ausbildung ber Anftalt 
eine für feine mäßigen Vermögensumftände fehr beträchtliche jährliche 
Rente von 7000 Gulden C. M. auf feinen Befigungen in Galizien vers 
fiyert, einen bedeutenden Bentrag zum Ankauf des ſchicklichen Locales 
und zur erften Bauführung gewidmet, und das Snftitut als erfahrener‘ 
Literator mis zweckmaͤßigen Meglements verfehen,, von denen das wid. 
tigfte darin beſteht, daß der Stifter eine zwenfache getrennte Euratel 
und Leitung anordnete. Die literariſche umfalit die Erhaltung und Ers 
weiterung der Bibliothek, die Wahl des Perfonals und alles zur Lite⸗ 
ratur und Aunft Gehörige; fie ward von einem andern Beſchützer der 
flavifchen Literatur, dem Fürften Heinrich Lubomirski, für fi 
und feine Nachfolger in dem Majorat Przework ohne allem eigenen 
Vortheil übernommen. Die ökonomiſche Curatel beſchränkt fi auf die 
Verwaltung der Bibliothebsgüter und die Leiftung der jährlichen Nente, 
fie ift vom Stifter mehreren Familien nach eier beftimmten Reihefolge 
jugedadt. Das Ganze ber Anordnung ftellte der Stifter unter die Aufs 
fiht der Behörden und feiner galizifhen Mirftände; mehrere Begünſti⸗ 
gungen wurden bewilligt, und auf feine Sitte übernahm der Kaiſer 
Franz mit Wohlgefallen das Protectorat bed Inftituts. — Das Bey⸗ 
fpiel fand bald eine rühmliche Nacheiferung; fchon früher, 1807, batte 
eine polnifhe Dame, Marcella Srafinn Worcell, dem Inſtitute 
eine großmüthige Unterflüßung zugefihert, und dazu fpäter 1824 das 
Out Rakoewiec in Öalizien gewidmet; der Curator Fürſt Hein 
rich Lubomirski erklärte edelmüthig, feine eigenen wiffenfchaftlichen 
und Kunftfammlungen mit dem Inflitute vereinigen zu wollen, anderer 
Beytraͤge nicht zu gedenken. Die galiz. Stände ehrten bie Unterneh» 
mung in einer geprägten Medaille mit dem Bildniß O.s und ber Aufe 
ſchrift um einen Tempel: Musis Patriis Bibl. Pub. Leopoli Fund. - 
MDCCCXVIL Später erfhien ein geftochenes Bilbniß mit der pol« 
nifchen Devife: Für die Anlegung der öffentlichen Bibliorhek in Lem⸗ 
berg. Die Mitbürger 1820. — Der Stifter vermachte 20,512 Werte 
in 31,254 Bänden, jet befteht die Sammlung aus 25,389 Werten 
in 38,090 Bänden ; hiermit find verbunden: Eine Sammlung von 480 
goldenen, 9,899 filbernen und 2,703 Eupfernen Münzen, 8,400 Gyps⸗ 
abgüflen, eine ziemlich bedeutende Anzahl von Gemälden, Kupferftichen, 
Hantfchriften, Conchylien und Erzen, von denen ein großer Xheil gleich⸗ 
falls vom Stifter herrührt. Ed ward auch eine Druderey, eine Litho⸗ 
graphie und eine öffentliche Lefebibliochek in Verbindung gebracht. — 
Die eigenen literarifchen Arbeiten O.« find folgende: Nach Heinern Ars 
tieln in der Warfchauer Zeitfehrift Zabawy (Interbaltungen) RIS- 


126 Oſtrach⸗ Treffen bey. 


77 erichien-feine, dem König Stanislaus Auguft 
niſche der Troſtreden Sen ec a's ae 
und ad Polybiam:, Warſchau 1784; dann ebend. die Überfegung der 
Gefandtichaftsreden feines Urgrofvaterd Georg OD, (unter Wladis- 
law IV. — — —— I. — — 


‚Biographien: Mid, rar — an ‚Perer 
‚ Rapbı Skrzieuski, Anderdelt Augun, Ora 
irsti, Mach Krowicki, Hier Offolinsbiz 
Sepeheinnbrene Stancar, Adalb. Sentowski, 
Aberander Lorencowicz, Jo ſ. Wahatski, ı Adrı Pier 
Barski, Theoph. Butha, Eafp. Wikkoweki, re 
 miekiund Korpdus Koffprski. Andere Materialien fiir 
Bonde intereſſanter Biographien ſind gleichfalls noch vorräthig, als die 
Frucht eines anhaltenden» Quellenſtudiums, das O. als die Vorarbeit 
jedes literariſchen Verſuches zu betrachten gewohnt wars Nicht nur bio⸗ 
graphiſche Notizen und ie Beurteilung der Werke, ſondern auch 
Andeutungen: uͤber die Urfachen vieler wichtigen Begebenheiten des 
Ganges der Cultur und der Wiſſenſchaften in Polen, verbunden mit 
einer neuen Bekanntſchaft des ganzen europhiſchen Mütelalters, werben 
darin angetroffen: Fuͤr die Warſchauer Geſellſchaft der Freunde: der Wiſ-⸗ 
—— hatte er die aͤlteſte Periode der Geſchichte Polens, die ori- 
ines polonicas, die bekanntiich Narusgewicz-wegen ihrer Dun ⸗ 
Feipeit Iberährt gelaffen , und deßhalb feine Geſchichte der polniſchen 
Nation mit dem 2, Bande (ohne den1.) begonnen hatte, zu bearbeiten 
übernommen. Alle diefe Materialien find- beſtimmt, irn Duck 
arbeitet zu werden ; denn der‘ Verfaſſer ſelbſt ward durch den gan 
Verluſt des'Augenlichts ſeit 1822 gehindert, feine hiſtoriſchen 3 
gen in den jeritreuten Quellen fortzufegen und zu berichtigen. Allein 
weder durch dieſe fühlbarſte aller Entbehrungen, a 
keiten des Greifenalters. ließ er fi den Studien ganz: e iehen ‚Er, 
wählte als “blinder Greis lateiniſche Claſſiker zu: Überfebun, —— 
Dictaten ind Polniſche, worunter Livius dis zun 30. Fein 
—— zum 4. Buche, und Juvenalbis zut 6. Satyre in 
worden. — Na einer kurzen Krankpeit —— 
17. Min 18236 in Wien. ER, 
"2. Ofradı, Treffen bey, den 21. März 1799. Nach —— 
‚liber den Rhein wurde ber Feldzug des Jahres 1799 in Deutſch - 
Fand von der öfter. Hauptarmee unter dem Oberbefehl des Erzherzogs 
Earl mir dem fiegreihen Treffen am 21. Märy 1799 eröffnet Joum . 
dan’sifalfepe Maßregeln bey Anbeginn bes Feidzugs verdienen gerechte 
Rüge. Die Wahl der Puncte, an welchen er über den Rhein ging, war 
— ‚eben ſo das zu fpäte Beginnen feiner Operationen. Der — 





Oſtrau. — Otter . 127 


herzog befchloß mit dem Feind am 21. März ein Treffen. Der Haupt- 
angriff follte dem Mittelpunct gelten. Er ließ fein Heer in 3 Colonnen - 
in der Nacht zum 21. fo nahe ald möglich an den Feind anrücden. Mis 
Zagefanbruc griffen die Avantgarden den Feind an. Jourdan's Trup⸗ 
pen, begfinftige durch die fehr vortheilhafte Stellung auf den Anhöhen 
binter Oſtrach, firengten vergeblidy alle Kräfte an, um ſich da zu-behaup- 
ten. Sie wurden ungeachtet bes bartnädigften Widerftandes geworfen, 
und mit großem Verluft auf Pfullendorf zurüdgebrangt. Dort nahe 
men fie eine neue, ebenfalls fehr vortheilbafte Aufftellung, von vorne und 
von der linken Seite beynahe unangreifbar. Der Erzherzog gab deßhalb 
der 2. und 3. Colonne die Richtung auf der Sranzofen rechten Flügel, 
und ließ die Armee bey Einbruch der Naht um Kalkreuth lagern, 
mit der Abficht, den Kampf am folgenden Tage zu erneuern. Doch Jo u r⸗ 
dan fand nicht für gut, ihn abzuwarten, und nahm in der Nacht feinen 
Rückzug auf Stodad. Durch die Folgen dieſes Kampfes, in melchem 
der Erzherzog‘ die Mifigriffe feines Gegners mit Kennerblid- auffaßte, 
und weife benüßte, erhielt Jourban die volle Üerzeugung von deſſen 
hoher Überlegenheit in itrategifch = taktifhen Anordnungen, und von ber 
Unmöglichkeit, auf dem eingefchlagenen Wege die vom Directorium vor⸗ 
gefchriebene Aufgabe (durch fein Worrüden die Operationen der franzöf. 
Armee in der Schweiz zu beden, ufd ſich mit ihr zu vereinen) zu löfen. 
In diefem Treffen war der Verluſt der Sranzofen 5,000 Mann, 3 Ras 
nonen, der Dfterreicher 2,160 Mann. 

Oſtrau (Öftra), mähr. Stadt im Hradiſcher Kreife, auf einer 
Inſel der March, mit einer Vorftadt, einem Scloffe, 1,500 Einw. und 
376 Käufern ; Hauptort der gleihnahmigen fürftl.Liehtenftein’fchen 
Majoratsherrſchaft. 

DOtt v. Battorkez, Peter Carl Freyh., & k. Faldmarſchall⸗ 
Lientenant, Commandeur des Maria⸗-Thereſien⸗Ordens, und Inhaber 
des Huſaren-Regiments Nr. 5, trat mit wahrem Beruf in öfterr. Kriegs⸗ 
dienfte, flieg fehnell von Stufe’ zu Stufe, und war im Türkenkriege 
1789 fon Generalmajor. 1793 befehligte er eine Abtheilung des öfterr. 
Heeres in den Niederlanden, und entwidelte in bem Angriffe auf das 
Lager von Famars, und hierauf bey dem von Mardienne große 
Zalente. Nachdem er 1794 in. den Niederlanden, und 1795. am Rhein 
öfter Proben einer feltenen Zapferkeit abgelegt haste, begleitete er 1796 
den Seneral Wurmfer nad Italien, und befehligte den Il. Sept. 1797 
deifen Avantgardd., als fich derfelbe in Mantua einfhloß. 1797 zum 
Feldmarſchall⸗Lieutenant ernannt, zeichnete er.fih 1799 bey der Schlacht 
von Baffano den 27. April aus, und in dem folgenden Jahre war. 
Italien der Schauplag feines Ruhmes. Der aus Neapel zurückkehrenden 
franzdf. Armee legte er an ber Trebiä bedeutende Hindernifle in den Weg, 
und erhielt 1800 von Melas den Auftrag zur Belagerung Genua’s. 
Er unterzeichnete im Juny Maffena’s Capitulation, vereinigte ſich 
darauf mit der Hauptarmee, wurde aber den 9. Juny von Berthier 
bey Montebello gefhlagen. Der Kaifer ernannte ihn 1808 zu eine m 
der Anführer der adeligen Infurrection in Ungarn. Er ftarb den 10. Map 


1809 zu Ofen. . 





Otto. — Ottokar I., Rönig von Böhmen. 131 


Als 1832 Ibrahim Paſcha gegen Eonftantinopel vorbrang, und 
bie Ruſſen ald Hülfsoölfer vor diefer Hauptftadt erſchienen, Eehrte O. 
nah Wien zurüd, und deffen Stelle wurde ſeitdem durch den E 
außerordentlichen Gefandten zu Eonftantinopel, Sreyberrn Bars 
tholomäus v. Stürmer (f. d.) verfeben. Auf der Heimkehr hatte 
D. das Unglück an der Küfte von Neapel Schiffbruch zu leiden. Eine 
kaiſerl. Entfhließung vom 10. Aug. 1835, ernannte ihn zum Staates 
und Gonferengrath mit ber Dienftleiftung bey der. geb. Hause, Hofe 
und Staatskanzley, und den bisherigen außerordentlichen Gefandten 
Freyh. v. Stürmer, zum £. k. Internuntius und bevollmädtigten 
Minifter bey der Pforte. 

Otto, Iof., Euftos an der k. k. Univerfitäts-Bibliothef zu Wien, - 
E €. Rath, war zu Jauerniß in Dfterr. » Schlefien den 1. März 
1740 geboren. Die Gymnaſialſtudien fo wie. Philofophie und Theologie 
abfolvirte er in Berlin. 1786 wurde er vom Breslauer Kürft:Bifchofe, 
Grafen Schafgorfhe zu Johannesberg zum Priefter geweiht, 
und widmete ſich dafelbft über 7 Sabre der Seelſorge. 1774 begab er 
fib nad Wien, wo er in der Therefianifchen Ritteralademie die Stelle 
eined Präfecten bi 1785, 10 Sabre Tang bekleidete. In bemfelben 
Jahre wurde er zum Gcriptor der k. k. Univerfitärs = Bibliothek ers 
nannt , diente dafelbft bis 1810, wo er den k. k. Rathstitel erhielt, 
und am 1. Auguft 1829 in den Ruheſtand verfegt wurde, Er- ftarb den 
4. November 1830 zu Wien im hoben Alter. O. war eben fo ges 
lehrt als geiftreich;; ein großer Bücherkenner; fein und liebenswürdig als 
Weltmann. In der diplomatifchen. Sphäre , für die er anfangs be 
flimmt gewefen, würde er geglänzt haben. Anfprudlofigkeit und Ges 
nügfamkeit waren Hauptzüge feines edlen, in jeder Betrachtung würdi⸗ 
gen Charakters. Eine reichliche Pfarre lehnte er ab, um in feiner Sphä⸗ 
ze zu bleiben. Sür die Univerſitaͤts-Bibliothek forgte und wirkte er mit 
der Zärtlichkeit eines liebevollen Vaters, felbft noch im Penfionsitande 
bis zum lebten Lebenshauche. Noch im hoͤchſten Greiſenalter befuchte 
er Auctionen, um Bücher für die Bibliothek zu erwerben. Um diefe An- 
ftalt bat O. wefentlihe und dauernde Verdienfte. 

Ottochacz, Markt und Stabsort des DOttochaner Negiments in 
der Carlſtaͤdter Graͤnze der croatifhen Militärgränge, am Fluſſe Gaczka, 
zählt 500 Einwohner, und hat eine Haupt- und Mädchenſchule. Ä 

Öttochaner Regiments = Bezirk in der Carlſtaͤdter Graͤnze ber 
croatiſchen Militärgränge. Sein Areal beträgt 433 Q. M., die Volke: 
menge 47,000 &eelen. An Wohnplägen zählt man 1 Stadt, 1 Markt 
fieden und 82 Dörfer. Der Bezirk liefert Holz, Getreide, Honig, 
Wein, Zugvieb, Schafe, Ziegen. 

Ottokar L, König von Böhmen, wargeboren um 1150, Sohn 
Wladistaw's III., na defien Tode 1189 er zur Regierung kam. 
As fih Philip» von Hohenſtauffen und Otto von Braun 
ſchweig um die Kaiferkrone ftritten,, hielt es zwar DO. mit dem Erfteren 
ald dem Mächtigeren, er verbarb es jedoch eigentlich mit Keinem, und 
beyde erklärten feine Königewürde für erblich. In der Sege fland O. 


132 5  Ottofar IL, Rönig von Böhmen. 


Friedrid von Hohenſtaufen auf das kraͤftigſte gegen Otto von 
Braunſchweig bey, und der Kaifer befreyte Böhmen zum Lohne von 
‚allen frühern Abgaben andas Reich, es erhielt aud die Befugniß, alle 
von dem Reiche abgeriffene Länder wieder zu vereinigen, die Einfekung 
und Inveflitut der Bifhöfe in feinem Lande wurde dem Könige frey 
jegeben, und noch mehrere Vorrechte eingeräumt. O. führte, durd die 
Bepünfigungen zu großem Anfehen gelangt, ſogleich eine neue 
folge Ordnung nad dem Majorate ein, er-fhaffte das Wahlrecht und 
‘das Seniorat ab, und Tief feinen älteften Sopn Wenzel, ſogleich 
zum Thronfolger Erönen. Auch eroberte O. im. Kriege gegen Ofterreich 
den zwiſchen Böhmen und der Donau gelegenen Landſtrich, der für den 
Handel feinem Reiche von äußerfter Wichtigkeit war. Durch Streitigfeis 
ten mit der Geiftlichkeit zog ev ſich gegen das Ende feiner Regierung 
mande Unannehmlichkeiten zu. Er ftarb 1230, - ß 
OrtoFar II. Bram; einer der märhtigften Könige Böhs 
mens, war geboren um 1220, Sohn Wenzelsl. Schon in 
feüher Jugend jeigte O. wilden Muth, und undezafmbare Herrſchſucht, 
die fich felbft in manchen Empörungsverfuchen"gegen feinen Water Eund 
‚gab. Noͤch deſſen Tode 1253 gelangte O. zum Zhrone; durch feine Were 
mäblung mit Margarethen, der Schweſter des letzten Babenberger, 
Friedrid des &treitbaren, hatte O. Ofterreich und Steyermark 
am fich gebracht, wurde aber um deren Beſitz in ſchwere Kriege mit Uns 
garn und Bayern verwickelt, die er jedoch glücklich beftand. 1255 zog 
Q. mit einem großen und erlefenen Heere gegen die heidnifhen Preu— 
$en, flug fie in mehreren Schlachten und erbaute Königsberg am 
Pregel. 1256 nad) feiner Rückkehr wurde ihm nach dem Tode des deut- 
fchen Königs Wilhelm von Holland die Reichskrone angebothen, doch er 
verfhmähte fie, fol; auf feinen eigenen großen Länderbefis. Zwar vers 
wickelte ihn feine Wergrößerungsfucht in immerwährende Kriege, doch 
endeten fich alle glücklich für ihn; fo befriegte er 1257 Bayern, umd 
entriß diefem Reiche Eger und Waldfee; 1200 flug er die Ungarn 
bey Kroiffenbrunn, dann abermahls bey Raab und zwang fie, 
allen Anfprüden auf Steyermark zu entfagen, dod kam ber völlige 
Briede erft 1271 nad einem würhenden Verheerungskriege zu Stande, 
ba ihn König Stephan aufs Neue mitten im Frieden hinterliftiger 
Weife angegriffen harte. 1260 belehnte ihn auch der römifche König 
Nihard von Cornwall mit Öfterreich und Steyermark und hun 
verftieh O. 1264 feine alternde Gemahlinn unter dem Worwande ihrer 
Unfruchtbarkeit, ohne jedoch ihre Erbländer herauszugeben, die ihm, 
feiner großen Macht wegen, auch Niemand leicht ſtreitig machen Eonnte. 
Mittlerweile hatte O. auch die Herzogthümer Kärnthen, Krain und 
Friaul, theils durd Erbe, theils durch Kauf an ſich gebracht, und durch 
diefe Erwerbungen zu feinen Erbländern) Böhmen und Mähren war DO. 
der machtigſte Fuͤrſt Deutſchlands geworden, feineTalente, feine Tapferkeit 
und Schlauheit hatten ihn dabep fofehr, als die Desorganifation des deut: 
ſchen Reiches zu jener Zeit beglinftigt. Doc) hatte er ſich auch durch mehrere 
Gewaltihaten bey feinen eigenen Unterthanen verhaßt gemacht. 1272 
mad bem Zode K. Richard's wurde O. von einigen Churfürften aufs 
cher. : 


x 





Ottofar L, Marfgraf von Steyermarf. 133 


Neue bie deutſche Krone angebothen, ba-er jedoch im ſtolzen Muthe mit 
der Annahme zögerte, fomwählte die Mehrzahl der Churfürften mit Über⸗ 
gebung feiner Churflimme Rudolph von Habsburg zum Neichsobers 
baupte. Dadurd auf das äußerfte gereizt, und im Gefühle feiner Macht 
verweigerte es D., Rudolph als König anzuerkennen, der hingegen 
verlangte, D. folle die Lebenderneuerung über Böhmen und Mähren 
nachſuchen, dietübrigen Länder aber als erledigte Reichslehen herausge⸗ 
ben. Zweymahl vergeblih auf deutfche Neichetage vorgeladen, ſprach 
Rudolph 1275 die Acht Über ibn aus, eröffnete felbft 1276 den 
Reichskrieg, und eroberte die öfterreichifchen Länder bid an die Donau;, 
ba erboth fih D. zum Vergleiche, ber durch ein Fürftengericht dahin ent⸗ 
ſchieden wurde, daß O. auf Dfterreih, Steyermark, Kärntben und 
Krain verzichten, dagegen aber mit Böhmen und Mähren belehnt wer« 
den follte, welche Belehnung den 25. Nov. 1276 in Rudoslph's Feld» 
lager bey Wien Statt fand. Daß, ald DO. zu diefem Zwede vor dem 
Kaifer Eniete, die Vorhänge des Zeltes niedergefallen feyen, ift eine 
unerwielene Sage. Dieſes Sriedend wegen ward D. von feiner zweyten 
Gemahlinn Kunigunde, einer Verwandten des Könige Bela von 
Ungarn verfpottet, und fo lange gereizt, bis er 1277 den Krieg erneuerte. 
1278 den 26. Auguft kam es am Marchfelde zur Schlacht, in welcher 
beyde Theile mit großer Erbitterung fochten, doch mitten in ber Schlacht 
verließ DO. dur Verrath feiner mißvergnügten Großen ein. böhmifer 
Heerhaufen, er war zu flieben gezwungen, und fiel auf der Flucht 
von der Hand eines ſteyermaͤrkliſchen Edlen. Sein Sohn Wenzel fhloß 
mit Rudolph Frieden, und vermählte fi in der Folge mit deſſen Toch⸗ 
ter Jutha. . 

Öttofar I., Markgraf von Steyermart, Sohn Leopold's J., 
geboren 1124, folgte feinem Vater 1129, da er noch ein Kind von 5 
Fahren war. In der Fleinen, im dermahligen Dfterreich gelegenen Marks 
graffhaft Styr war er der 5. Markgraf diefes Nahmens. Seine Mut⸗ 
tee, Sophie, fand den Negierungs: und Vormundfchaftsgefchäften 
mit männlicher Einſicht vor, ſtarb aber noch, bevor ihr Sohn feine Volls - 
jährigkeit erreicht hatte. 1145 vermählte fih DO. mie Kunigunde, 
Tochter eines Markgrafen von Vohpurch, und befebdete nachher eine 
Zeit lang den öſterr. Herzog Heinrich Il. Jaſomirgott. D. 
rüftete ſich auch zu dem damahls unternommenen Kreuzzuge und zog 
1147 gegen Paläftina. Nach feiner Zurückunft 1151 fliftete er bie 
Carthaufe zu Siz (Geiz). Zu eben derfelben Seit erbaute er auch 
im Zerrewalde am Berge Semering ein Spital für die nad Palaäftına 
Reifenden. — Nach dem Tode des legten Grafen von, Pütten, Eg—⸗ 
bert, ward Steyermark mit. der beträchtlihen , in Dfterreich geleges 
nen Sraffchaft Pürten und den darin befindlihen Ortfhaften Püts 
tenperh, Stainfeld und Nyſtatt (jest Wiener » Neus 
ladet) vermehre. 1163 fliftete O. auf feinem Landgute Voraw (Vor 
au) ein’ Klofter für fogenannte Chorprieiter oder Regler, wie fie das 
mahls hießen, umd errichtete dabey ein Monnenllofter. 1164 wollte er 
noch einmahl den Zug nad Paläftina mitmaden, ftarb aber nod im 
nähmlichen Jahre, als er feine Reife baum angetreten hatte, 2 Unk: 


131 Ottokar IL, Ser3. v. Steyerm.—Daar, d. Gefchlecht. 


Eirdhenin Ungarn, von wo fein Körper zur Beerdigung nad Sei 
rückgebracht wurde. Ihm folgte fein Sohn Ottofar . Sri 

Ottokar II., Markgraf von Steyermark und fpäter erfter Her⸗ 
zog dieſes Landes, geboren 1163, kam 1164, nad dem Tode feines Bas 
ders Ottokar I, noch nicht anderthalb Jahre alt, zur Regierung, 
welche jedoch feine Mutter Kunigunde, während feiner Minderjährige 
feit, fortführte. 1175 wurde Stepermark mie Ofterreich in einen Ari 
verwickelt, in weldem die alte Mark Styr im dermahligen Dfterreich 
der Enns von den Öfterreichern gänzlich verheert und die ©teyermätker 
endlich gendthigt wurden, um Frieden zu bitten. — Noch nit 17 Jahre 
alt, 309 ©. 1180 zum Reichsſtage nah Regensburg und erhielt 
vom Kaifer Frie drich die Würde einer Herzogs, und Steyermark 
den Nahmen eines Her zogthums. O. war einige Jahre fpäter, da er eben 
fein ſchonſtes Lebensalter antrat, fo unglücklich, einen Ausfag zu ber 
kommen, welcher nad) und nad feine Gefundheit ganz zeritörte und 
ibm das Negierungsgefhäft ſelbſt fo überläftig machte, daß er zuletzt auf 
den Einfall gerieth, ſein Land an den Herzog von Ofterreich zu verfaus 
fen, von welchem Vorhaben ihn nur die bringendften Vorſtellungen der 
ftepermärf. Stände abbringen Eonnten. — 1186 wurde jedod auf dem St. 
Georgenderg unweit Ford ein Candtag anberaumt, wobey der Herzog 
von DOfterreih, Leopold der Tugendhafte, auf vorbergegangene 
Einladung erfhien und von O. zum Nachfolger im Herzogthum Steyers- 
mark, aber erft nah Or's Tode, erklärt wurde, — D. war gegen den 
anwachfenden Kiofterftand dis zur Verſchwendung frepgebig. Wenn fein 
Vater zu eifem edlen Zwecke fir Reifende Hofpitien baute, fo ſchenkte 
2. fein Geld den Mönden un? Nonnen. Er ftarb 1192 und mit ihm ers 
loſch das alte Geflecht der Grafen von Trungau und Sthr. Sein 
Körper wurde in der Earthaufe © eiz beygeſetzt. 

Ozora, ungar. Marktfleden im Tolnaer Comitat, mit 3,120 
Einwohnern, bekannt durch feine Pferdgeftüte und bie große Schäferey 
des Bürften Efzterhäzy. b) 

P. 


Paal, ſteyermaͤrk. Dorf in? Judenburger Kreiſe, bat eine flirfil. 
Schwarzenberg'ſche Brescianer Stahlfabrik, die jährlihd 5,000 Ctr. 
verfciebener Stahlgattungen erzeugt, befonders Brescianitahl von der 

‚ ansgejeichnetiten Güte, und Münzitahl, der nur hier bisher fo vor« 

- züglid gemacht wurde und unter dem Nahmen Paal-Gtaplfeinen 

Abfag in Deutſchland, in der Schweiz, in Frankreich, England und im 
Morden finder. 

Paar, bie Fürften und Grafen, ftammen aus Italien, wo 
fie ih Belidori nannten. Kaifer Friedrich I. fchenkte ihnen 1170 
die Stadt, und Herrfhaft Paar. Sie erhielten von Rudolph IL für 
den Älteften des Geſchiechts das Erbland-Portmeifteramt in Steyermark 
1570, nachdem fic vorher ſchon Joh. Bapt. Freyh. v. P. durch die - 

Serrfbaft Hartberg in Steyermark anfüßig gemacht hatte; er farb 
F 41592, Sein ältefter Sopn Joh. Eriedrid war Hanyimann u Sin 


Paar, Job. Tarı Sürft vw. — Darafl. 135 


me und Burggraf zu Grüß; der zweyte, Rudolph mar Großyrior 
des Maltefer s Ordens in: Böhmen. Sein dritter Sohn, Joh. Chri— 
ftopb Freyh. v. P. kaufte 1623 das Oberſt-Reichspoſtamt von Job. 
Jac. Magnus; erhielt hierüber 1623 das kaiſerl. Privilegium; 1624 
aber jenes von Ungarn und Böhmen, 1629 das von Inneröfterreich und 
1630 aud über Schleſien. 1720 trat diefes Geſchlecht die Nevenuen bie 
ſes Amtes gegen ein Äquivalent wieder an die Regierung ab, und be: 
bielt bloß den Titel. Carl, Joh. Chriſtorph's Sohn, erfcheint zuerft 
als Reichsgraf; ihm folgte Carl Joſ. (geft. 1725.) Sein Enkel Joh. 
Wenzel wurde am 5. Aüg. 1769 für fih und feine Nachfolger in den 
Reichsfürſtenſtand nach dem Rechte der Eritgeburt erhoben. Der jebige 
k. k. Oberſt⸗Hof⸗ und General: Erblandpoftmeifter ift Carl, Fürſt 
v P., Freyh. auf Hartberg undKrostenftein, geb. zu Wienam 6. 
Jaͤnner 1806, Sohn des Kolgenden. 

Daar, Job. Carl Sürft v., & k. geh. Rarh, Oberfl-Hof:und Ges 
neralsErblandpoftmeifter, Generalmajor und Inhaber des Infanterie⸗ 
Regiments Nr. 43, des Marien:Therefien-Ordens Ritter, und Großkreuz 
des Eönigl. vreuß. rothen Adler» Ordens, geb. zu Wien am 15. Juny 
1772, Zürft Jod. Wenz el's erfigeborner Sohn, trat im 14. 
Sabre die militärifhe Laufbahn an, machte den Krieg gegen die Türken 
1788 und 1789 ald Obderlieutenant bey Lacyh Infanterie mit. Ald Haupt: 
mann bey Stein Infanterie, wohnte erden Feldzügen in den Nieder: 
landen und am Rhein 1792—96 bey, wurde dann mit feinem Regi⸗ 
mente zur italienifchen Armee verfegt und nahm Theil an der Vertbels 
bigung von Mantua. 1797 wurde er zum Major ernannt. Seine Ta: 
pferkeit bey Legnano erwarb ihm das Thereſienkreuz. Bey den Unter: 
nebmungen in der Riviera und gegen Genua befehligte er als Oberſt⸗ 
fieutenant ein Srenadier-Bataillon. 1805 Eampfte er ald Oberit des In⸗ 
fanterie-Regimentes Lattermann in der Schlacht bey Caldiero. 
Wichtige Famtlienangelegenheiten nöthigten ibn 1806, feiner Beſtim— 
mung zu entfagen; er trat außer Dienft mit dem Charakter eines Se: 
neralmajord. — 1809 erfchten er wieder auf dem Kampfplatz. In der 
Schlacht bey Wagram wurde er ald Brigadier der Regimenter Zet: 
wis und Froon ſchwer verwundet. Der Friede ſetzte abermahls feiner 
militärifhen Laufbahn ein Ziel; er Eehrre zur Verwaltung feiner Güter 
Hartberg und Stein in Steyermarf, Behin, Zdechowitz ꝛc. in 
Böhmen zurück und ftarb am 30. Dec. 1819 zu Wien. 

Pacaſſi, Job. Sreyb. v., & k. Hofbaurath und Ritter des Leo» 
pold⸗Ordens, wurde 1758 zu Wiengebeoren; der 1769 inden Freyherrn⸗ 
ftand erhobene Ober: Hofarditelt, Nicol. v. P. war fein Water. 
Seine erſte wiſſenſchaftliche Bildung erhielt er in dem Röwenburg'fhen 
Inſtitute. In der Folge ſtudirte er in der Savoy'ſchen Nitteraladenie, _ 
in der höhern Mathematik genoß er den Unterricht des Jeſuiten Carl 
Scherffer. Schon im Jünglingsalter hatte er Über die fhmwierigften Leh⸗ 
ren derfelben , die den Veritand des reifen Mannes in Anfpruch nehmen, 
mit Euler, Lambert, Käftner und andern Mathematikern einen 
Briefwechſel geführt. Sehr bald gelangte er zu der Ehre, Mitglied 
der Berliner Akademie der Willenfchaften zu ſeyn. Krüher war U. ven 
ber Landesregierung und dem Appellationsgerichte in Wien at Drrreiit an 


. 186 Padua (Delegation). — Padua (Stadt). 


‚geftellt, Er fhrieb : Einleitung in die fümmtlihen Gefandtfcaftsrehte, 
Mien ee en deutſchenStaatsrechte, eb. 17; Irre 
Lieblingswiſſenſchaft P.’s war Mathematik; zu diefer Eehrte er früpund 
auf immer zurüc. Die Hauptrefultate feiner Studien und Arbeiten find: 
Theorie von Planeten und Eometen, mit Kupf. Wien 1782. — Einleis 
R jun pie Ehearie es Mondes, eb, 1783.— Abhandlung über eine neue 
— e zum Integriren, eb. * “Über die Rectification ellipti— 
Asa die Quadratur fppäroidifher Dreyecke, eb. 1786.— Über eini 
ge Eigenſchaften der Sphäroidenformeln für die. Elipfe und Elemente 
zu neuen Sonnentafeln in Bode's aſtronomiſchen Jahrbuͤchern u. f. 1. 
— 9. hat auch in ber practiſchen Mathematik viel geleiftet. Sierin fing 
er 1797 an, als WajferbausInfpestor zu dienen. Die Frangensbrüde 
unter ben Weißgärbern inWien, 1808 vollendet, ift fein E, und 
bleibt, wie die Quays am Donaucanale fein Denkmahl. Über die Frans 
ensbrüde erfhien eine eigene Darftellung auf. 20. Kupfertafeln von 
— Wien 1806. Den 8. Juny 1818 verſchied P. nach einer 
rankheit von wenigen Tagen. ! Ba“ 
Padua, Delegation im Venetianifden, hat in ihrem Umfan ⸗ 
ge 38-4 geogr. Q. M. Die Eintpeilung diefer Provinz geſchiebt in 
12 Difteicte, die zufammen 104 Gemeinden begreifen, und von 300,000 
enfchen bewohnt werben. Die Erwerbsquellen ber Einwohner dehnen 
fi auf alle Zweige der Volkswirtbfhaft aus, nur der Handel iftminder 
wichtig, als jener der übrigen Delegationen. — Die Gegend ift fehr ſchoͤn 
und der Boden fruchtbar, befonders in Wein und Reis. N 
- Padua (itaf. Padova), benet. Hauptfadt der gleihnahmigen 
Degen, eine der älteften Städte in Ztalien, zeichnete fih fon zur. 
Zeit der Römerherefcpaft durch Wolksmenge und Reihthum aus. Schnellers 
te fi die Stadt von den Verbeerungen durch den Lombarbenkönig 
gilolf, blieb Tange in eigener Verfaffung frey, kam erit 1318 unter 
die Herrſchaft der Familie Carrara, und von diefer 1405 an Vene⸗ 
dig, defien Shidfafe fie fpärer sheilte. — P., im Mittelalter hoc) bes 
rühms, wegen feiner Univerfisät, liegt in einer fruchtbaren Ebene, an 
dem Badiglione, überden eine Kettendrücke führt; iſt von mehreren Car 
näfen durhfehnitten und zähle über 45,000 Einwohner. Die Stadt bat 
eine deutſche Meile im Umfange, iſt mit einer Mauer und einem brei⸗ 
ten Graben umgeben, ſchlecht gebaut und bat enge, fhmusige, meiſt 
mit Bogengängen verfebene Strafen, Jedoch trifft man auch mehrere vors 
üglice Gebäude, befonders an dem grofien Marktplatz, dem ſchönſten 
‚heile der Stadt, an; das ausgezeichnetite derfelben ift das Stadthaus, 
Palaz;o della Giuſtizia, von Cozzo 1172 angefangen, mit einem 
febr großen, 256 Fuß fangen, 86 Fuß breiten und. 75 Buß hohen Saal, 
worin Brescogemälde von Giotto und ein Denkmahl des Titus Li— 
vius, der in P: geboren ſeyn foll, fi befinden, Am Eingange in biefen 
Saal ſtehen mey ägpptifhe Säulen von Bafalt, welche der berühmte Reis 
fende Belzoni feiner Vaterftabt gefhenkt hat. Das Gebäude der Unis 
derſitat, bel Bo genannt, von Sanfovino ausgeführt, ift ein ale 
tes, finfteres Gebäude mit großen Saͤlen, welde mit den Bildniſſen bes 


Dadua (Stadp). 187 


rühmeer Gelehrten gefhmädt find. Die Univerfltät, von Kaiſer Fruͤe d⸗ 
rich II. geftiftet, zählte fonft der Studirenden mehreye Zanfende, ges 
genwärtig gibt es deren hoͤchſtens 1200, Profefforen find über 40. Von 
allen 4 Facultäten ift die medicinifhe die am beften dotirte. Sie befigt 
mehrere gute Anftalten, von denen das anatomifche Theater, der Saal 
der Experimentalphyſik, das naturhiftorifche Muſeum und der fchon 1545 
angelegte botanifche Garten, der ältefte in Europa, Beachtung verdier 
nen. — Der kak. Gubernialrath bey der venetianifhen Landesftelle, 
Sof. Acerbiv. Caſtel-Goffredo, har 1835 eine bedeutende Samm⸗ 
lung von Naturalien und Alterthümern, welche derfelbe auf feinem früs 
beren Standpuncte als k. k. General:Eonful zu Alerandrien zu 
Stande gebracht hatte, ber k. k. Univerfität zu P. zum Geſchenke 
gemacht. Außer den genannten Anftalten find das chemiſche Las 
boratorium, die Sternwarte, die Aderbaus, die Vieharzney⸗ und die 
Schule der bürgerlihen Baukunft im Palaft Pazzafava, die ' 
Akademie der Künfte und Wiſſenſchaften, das biſchöfl. Seminar 
und die Bibliothek des. Kloſters S. Antonioder Aufmerkfamkeit werth. 
Gehendwürdig find ferner dad Amphitheater, Palazzo della Arena ges 
rannt, welches einige alterthümliche Reſte enthält und zu Öffentlichen Fe⸗ 
fen benugt wird, der Palaft des Capitanio mit Bibliothef, der Palaſt 
Zaborello, das Theater mit dem Redoutenſaale, die Thore Portello, Sa⸗ 
vonarolo und &. Giovanni, das zierlihe Gebäude des Ritters Razzas 
ra, welches ein Mufeum für Malerey und Antiken bildet, die Caferne 
(aufgebobenes Benedictinerkloiter) neben der Juſtinakirche, das pracht⸗ 
volle Kaffebhhaus Pedrocchi's aus Marmor erbaut, das fhänfte in Eue . 
ropa, der Corfo der Paduaner, ein Spaziergang vorber Kirche Sta. Giur 
fin a mir Statuen berühmter Männer geziert. Er beſteht aus einem groe 
fen runden Plage, der mit fhattigen Bäumen bepflanztund für die Spa⸗ 
giergänger beftimmt ift. Rund um denfelben läuft ein mit Quadern eine 
gefaßter Waſſergraben, um Kühlung zu verbreiten, und um deſſen äus 
Bern Rand führt die Bahn für die Wagen. Jährlich werden hier im July 
große Pferderennen gehalten. Bon der Sternwarte, dem Thurm des als 
ten Schloſſes, welches dent berüchtigten Tyrannen Ezzelino zum Ges 
fängniß diente, hat man eine weite Ausſicht über die große einförmige 
Ebene der Lombardie. Die Cathedralkirche mit vielen Kuppeln ift groß 
und bel, außer den vielen ſchönen Gemälden ift das DenkfmalPetrars 
cas anzuführen. Won den zahlreihen Kirchen find noch als bes 
fonders zu beachten: Die Hauptkirche des heil. Antonius, des Schutzpa⸗ 
trans der Stadt, ein gotbifches Gebäude aus dem 13. Jahrhundert , mit 
6 Kuppeln, reihan Marmor, Statue: und Basreliefs. Unter ben hier 
befindlichen Gemälden ift eine beil.AgatbavonTiepoloundeineKreus 
jigung von Giotto. Vor biefer Kirche fteht die von Donatello ges 
goſſene eberne Reiterſtatue des venetianifchen Generald Gattamelata. 
Sta. Biuftina, eine derpradtvolliten Kirchen Italiens, mit einem 
berühmten®emäldevonPaulBeronefe, dag Martyrerthum derheil. Ju⸗ 
ſtin a vorſtellend. Die Kirhe hat 18 Seitencapellen, voll des herrlichſten 
Marmorſchmucks. S. Gaetano, von edlerArchitektur. Sta.Eroce, hat 


133 Page = pafräacz" 


gute Gemäßde; Agli Eremitant befigt einen heil. Johannes von 
Guido Reni. Das Grabmal des Prinzen Friedrich von Orattien 
äft im anftoßenden Kloſter, Sta. Unnunziate, mit Fresken von Giot- 
to. Fur den Alterthumsforſcher ſind 2 alte Graßmäter bey der Kirche der 
Serviten interefant. Poiſt beſonders lebhaft zur Zeit des Feſtes des h. Anz 
tonins, wo dann auf dem Prato della Valie Wettlaufe mir Pferden und 
mie Wagen gebalten werben. P. iſt ber Sitz eines Bisthums mit Dome 
‚capitel, der Delegation und Provinziale Congregation, eines Civil<, 
Criminals und Handelsgerichts, und noch mehrerer anderer Stellen; 
bat 2 Gpmitafien, eine Hauptſchule und Hauptmaͤdchenſchule, ein 
biſchbfl. Seminar mit Bibliorhet (55,000 Bde. und 800 Handſchriften, 
300 Ausgaben des 15. Jahrh. 2c.), eine höhere Rabbinerſchule, 2 Mäds 
Shen: Erziehungscollegien, eine Capirufarbibliorhet (4,000 Bde. und eir 
nige intereffante Handfhriften). — Won Woblthätigkeits » Anftalten trifft 
‚man bier ein allgemeines Civilkrankenhaus für 250 Kranke mit 5 Alini- 
Een der Univerfität, ein Militärfpital, ein Invalidenhaus, ein Ver— 
forgungs- und Arbeitdhaus, ein Findelhaus ‚ein Knaben- und Mädchen: 
—— ꝛc. — Die ſchon zu den Zeiten der Römer berühmten Tuch ⸗ 
und Wollen zeugmanufacturen behaupten zwar nicht mehr ihren alten Ruf; 
‚aber noch werben die hieſigen Seiden zeuge und Bänder, die Darmſaiten etc. 

elobt. — Nicht unerhedlich iſt dee Handel, welchen P. mit Kunſt- und 
—— treibt, vornehmlich mit Wein, Ohl, Zug: und Schlacht ⸗ 
vieh, Getreide, Gartenfrüchten, Tuch, Bändern und Vipern. Letzte- 
ve werben in Wenedig jur Theriakbereitung verwendet. Wenn auch die 
nachſte Umgegend von P. eine romantifhen Naturfhöndeiten darbierbet; 
fo ergößt doch der reihe Anbau, und bie Menge, zum Theil orachtvoller 
Landhäufer, mit welchen die Gegend und vorzugsweife die Straße nad 
Venedig geſchmückt ift, das Auge, — Fürdas beffere Fortkommen 
des Reifenden, welcher fich ehebem, befonders in-ber fpötern Jahreszeit, 
nur mis Mühe burc den tiefen fetten Boden des Marſchlandes fortbeives 
‚gen Eonnte, ift jest durch gute Straßen geforgt, 

Pago , eine ber dalmatiniſchen Infeln, welde zum Kreife 
Zara gehören, zaͤhlt 4,500 Einwohner, welche vom Weinbau, der 
Schafzucht, dem Fifhfange und von Salinenarbeiten leben. Hauptort 
iſt die an einer großen Bucht gelegene Stadt Pago, die mir ihren 2 
Vorftädten 510 Käufer und 2,210 Einw. zählt und'einen guten Hafen 
befigt. Merkwürdig find die an der Salinenbucht gelegenen Galjbeete 
oder Cavedini, die von großem Umfangefind, aber nicht alle bearbeitet 
werden. Das hiererjeugte Salz wird von den Unternehmern an bas Arar 
abgeliefert, Beym Dorfe Wlaffich werden aus einem See große und 
ſchmackhafte Aale gefangen. 

Pacräcz, flavon, Marktfleden im Pofeganer Comitat, in einem 
reijenden Thale am Fluſſe Pakra, mit 950 Einw., der Sitz eines griech. 
nichtunirten Bifhofs, der hier eine [höne Refidenz hat. Interdem Nah⸗ 
men Panduren (Rothmantler) wurden 1741 die Bewohner der Herrſchaft 
und des Marktes P. von dem damapligen Eigenthümer, Brephern von 
Trenk, ins Beld geführt. ö {U 





Palacky. — Palatin. 139 


Palacky, Sranz, Hiftoriograph der Böhm, Landftände, Mits 
glied der königl. böhm. Gefellfhaft der Wiffenfchaften, der königl. ungar. 
gelehrt. Geſellſchaft, der fchlef. Geſellſchaft für vaterländifche@ultur, und des 
oberlaujiß. Geſellſchaft für Wilfenfchaften, Redacteur der Zeitfchriften der 
böhm. National: Mufeums; ald gelehrrer Eritifcher Geſchichtsforſcher und 
flaeifcher Literator ausgezeichnet, ift geboren den 14. Juny 1798 zu 
Hodslawitz in Muhren, der Sohn des dortigen Schulrectord. Er ers 
bielt feine willfenfhaftlihe Bildung größtentbeild in Preßburg und 
Wien. Schon in frübe FJugend lernte er faft alle europäifchen Sprachen, 
um bie vorzüglichften Schriftiteller im Original lefen zu Eönnen, und bes 
ſchäftigte fich fpärer mit dem Studium der philofoph. Spfteme.der Deuts 
fhen und Engländer, befonders der Äftbetit. Sein erfter fhriftftellerifcher 
Verſuch waren die 1818 mit P. I. Schaffhrif gemeinfcaftlich here 
ausgegebenen Elemente der böhm. Dichtkunſt, in böhm. Sprache. Von 
feiner „Theorie des Schönen“ erfchienen- feit 1821 einzelne Bücher und 
Bruchſtücke; und 1823 zu Prag feine „Allgemeine Geſchichte der Äſthetik.“ 
Der früh gefaßten Neigung zur böhm. Literatur und Geſchichte folgend, 
fam er im April 1823 nad Prag, um die Quellen derfelben felbit ftudis 
ten zu können. Die Grafen v. Sternberg veranlaßten ihn feitdem, 
dort zu bleiben, und ſich ganz der böhm. Geſchichte zu widmen. Er begann 
mit der Durchſuchung der älteften böhm. Archive und Manufcriptens 
Sammlungen, und behnte feine Forſchungen fpäter auch auf die böhm. 
Handfhriften in Wien, München u. ſ. w. aus. Seit 1827 redigirr 
er beyde Zeitfhriften des böhm. Muſeums, die deutſche ſowohl als die 
böhmifche. Auf Veranlaſſung der böhm. Gefellfhaft der Wiſſenſchaften 
gab er 1829 den 3. Band der „Scriptores rerum Bohemicarum“ her⸗ 
aus. (©. Dobrowsky.) Die von derfelden gekrönte Preisfhrift: 
„Würdigung der alten böhm. Geſchichtsſchreiber“ veranlaßte, nad Dos 
browsty's Tode, P.'s Aufnahme in die Geſellſchaft. Auf dem Landtage 
von 1829 wurde er von den böhm. Ständen zu ihrem Hifloriographen 
. erwählt. Seine ununterbrodenen Studien im Fäche der älteren böhm. 
Gedichte laſſen noch die erfreulichften Refultate erwarten. Der 1. Bd. 
feiner böhm. Geſchichte dürfte wohl bald im Drude erfcheinen. 

Palatin. Die ungar. Palatinatswürde ift fo alt, ald das Königs 
reich feibft. Der Palatinus, Pfalz⸗ oder Großgraf (ungar. Nändor Is- 
vän), waranfangs ein bloßer Hofbeamter, dem der König nad Willkühr 
feinen Hofdienft gab, und wieder nad Gefallen wegnabm, aber fehr 
bald wurde demfelben nah und nad ein fo großer Antbeil an der 


Staatsverwaltung eingeräumt , befonders als noch das Erbredt ber 


Könige in Ungarn nicht ganz außer Zweifel, das Wahlrecht der Stände 
nicht fenerlih genug aufgegeben war, und diefes hohe Staatsamt, weils 
ches mit Zuthun der Stände feit 4 Jahrhunderten auf Lebenslang vers 
geben wird, manden Königen der Vorzeit in feinem ausgedehnten Wirs 
tungsEreife zu bedenklich vortam. Durch die Aufftellung der Hoflammer, 
durd genauere Ordnung der Militärgränzgen, durch Einführung ber 
fliegenden Miliz 1715, durd die Gründung bes Eönigl. Statthaltereys 
rathes, und Organifirung der 2 hohen Gerichtstafeln 1723, und aud) des 
Oeneral = Commandog, welches feit dem Tode des Palatins Sroten int, 


2 
10 Poalffy von Erdoͤd, das Geſchlecht. 


v. Pälffy (1751) fort und fort ein beſonderer General in Ungarn führt, 
hat fich freylich in der Staatsverwaltung manches geändert, und man 
Tann manches Palatinal- Recht unmöglich gehörig würdigen, ohne mit 
den ‘eben genannten Reformen pragmatifch bekannt zu feyn. Groß und 
wichtig aber find die Rechte und Pflichten eines P.’8 von Ungarn auch 
fhon defwegen, weil in feiner Perfon gefeßmäßig mehrere eminente 
politifche, ricpterliche und Mititär«Amter und Chargen vereinigt find. 
Hauprfählich find es folgende: Der P. ift nach einem alten Gefeg Vor⸗ 
mund bes minderjährigen Königs, und bis zu feiner Großjährigkeit Vers 
walter des Reichs; er ift ki ach des ganzen Reichstags, insbefondere 
der Magmaten- Tafel; er trägt bey der Krönung dem König die Krone 
vor; er iſt Statthalter des abwefenden Königs, und führt daher den 
Vorſitz im Statthaltereyrathe; er ift Obergefpan der vereinigten Ges 
ſpanſchaften Peſth, Pilis und Solth, Oberauffeher des Reichsarchivs, 
‚und kann die Krone verfallene Fiscalgüter, bis auf 32 Bauernhöfe 
(Sessiones), am Edelleute vergeben. — Er ift der Mittler, wenn Mifs 
verftändniffe zwiſchen dem König und den Ständen entftehen; er hat bey 
der Septemviraltafel, dem oberiten Nevifionsgerichte, den Vorſitz, und 
bey der Eönigl. Tafel feinen Vice: Palatin und Landrichter (Protonota- 
rius Palatinalis), welche er ernennt; er ift feit Bela IV. ob 
Richter der Kumanen und Jazygen, und bie Gränzitrungen zwi 
den Geſpanſchaften werden durch ihn bepgelegt. Er ift der oberite Landes» 
und Iufurgenten » Capitän, und endlich foll diefe wichtige Eharge nie 
über ein Jahr lang unbefegt fepn. Unter Mathias I, dejog der P. 
3,000 Ducaten jährlich, welche dieRumanen ſeit König Lud wig I. und 
wohl feit noch ältern Zeiten bis auf den heutigen Tag, demfelben, als 
ihrem oberften Richter, zu zahlen verpflichtet find; außerdem erhielt ders 
felbe nod 4,000 baare Goldgulden, nebft einem Salzquantum, weldes 
2,000 fl. werth war, iind ald Oberrichter von Dalmatien, den Ertr. 
einiger dalmatiniſchen Infeln. Jene 3,000 Ducaten ausgenommen, it 
jegt nach Art. 5, 1741, die Ausmeſſung der Palatinal« Einkünfte der Be⸗ 
ſtimmung des Königs anheimgeftellt. So lange die Könige Ungarns inners 
halb der Grängen des Reichs ihre Nefidenz hatten, war ein Statt» 
halter des Königs (Locumtenens regius) unnöthig, und wurde von 
den Königen nur dann auf eine Zeit ernannt, wenn fich diefelben aus dem 
Reiche entfernten. Gewöhnlich wurde diefes Wicariat des Reichs dem P. 
anvertraut, und in dem darüber ausgefertigten Hofdecret, fo wie ed dem 
König gefiel, der Wirkungskreis des Locumtenenten bald mehr ausgedehnt, 
bald mehr eingefehräntt. 
Pälffy v. @rdöd, die Fürften und Grafen, leiten ihre Abſtammung 
von den Herren und Grafen v. Altenburg und Hochburg her. Cons 
rad v. Altenburg fol 1028 als Abgefandter des Kaifers Conrad I. 


nad Ungarn gefommen feyn, und fi da angefiebelt haben. Seine Nahe 
Eommen nannten fih nach ihren Beſitzungen, vorzüglich nach ber Hertz 
ſchaft Hedervari, Paul Eonth’s v. Hebervari Sohn, ebenfalls 
Paul genannt, ward gewöhnlich Palffy (d-i. Pauls Sohn).genannt, 
und dieſe Benennung wurde Geſchlechtͤnahme. Paul II. Palffy 
@ Dereszika, nahm zuerft nad) feiner Vermählung mit Elaya Er . 





Pälffy von Erdod, Yerd. ‘Graf. 141 


död von Cſorna, einer Erbtochter ihres Haufe, den Nahmen und 
das Wapen von Erdöd an. Sein Enkel, Nicolaus II., Freyh. 
P. v. €. (geſt. 1600), erhielt vom Kaiſer Rudolph II. die Preßburger 
Güter nebſt dem Schloſſe, fo wie die Güter und Schlöffer zu St. Geor⸗ 
gen und Pöſing mit dem Titel eines Erbgrafen und wurde 1598 
öfterr. Landftand. Die Söhne ded Grafen Nicolaus IL, von denen 
Stephan Il. den Stamm dauerhaft fortpflanzte ,. erlangten 1600 
die reichdgräflihe Würde. Nicolaus (get. 3679), Stephan's IL. 
Sohn, ift der gemeinfchaftlihe Stammvatek der noch blühenden Linien, 
die feine Söhne Nicolaus und Johann gründeten. — A. DieNis 
colaifche oder ältere Linie zerfiel mit den 3 Söhnen Leopold's (geft. 
den 27. Mär; 1720) in 3 Zweige: 1) den älteren, je&t fürftl. Zweig, 
geftifter von Nicolaus, E k. wirft. geb. Rath, Oberſthofkanzler und 
Dberfthofrichter von Ungarn (geft. den 6. Bebr. 1773); 2) den mittlern, 
gegründet vom Srafen Leopold, E.E. wirkl. geh. Rath, Feldmarſchall 
and commanbdirenden General in Ungarn (geft. den 9. April 1773); 
3) den jüngern, gegründet vom Grafen Rudolph, k. k. wirkl. geh. 
Rath und General: Seldmarfchall » Lieutenant (geft. 1. April 1708). — 
B. Die Joharniſche oder jüngere Linie. Der Sohn des Stifters 
des Älteren Zweiges erfter Linie, Carl Hieronymus, welder feinem - 
Barer Nicolaus 1773 im Beſitze des Majorats folgte, war ungar: 
Hofkanzler und wurde am 4. Nov. 1807, für fih und feine Nachkom⸗ 
men in den öfter. Fürftenftand erhoben. Der erfte Zweig der erften- 
Linie befigt das große Majorat in Ungarn, wozu®ßlafenftein, Stams 
pfen, St: Georgen, Pöfing, Dörnbach, Beynitz zc. gebbs 
ren und andere Herrfchaften in Dfterreich und Böhmen. Der Geſchlechts⸗ 
älteite ift gegenwärtig Zürlt Ant. Carl, geboren den 26. Febr. 1793, 
öfterr. Sefandter in Sachſen von 182128, Enkel des Earl Hieros 
aymus, folgte feinem Vater Sof. Franz (geb. den 2. Sept. 1764, 
eft. den 13. April 1827). Aus diefem Geſchlechte wird die Erboberges 
fpanswürde im Preßburger Comitate und die Erbhauptmannsftelle des 
dortigen Schloffes verwaltet. i 
Palffy v. Erdoͤd, Ferd. Graf, k. k. geb: Rath, ift gebo⸗ 
ren 1774, und genoß eine vortreffliche Erziehung. Von frühfter Ju⸗ 
gend an ben fhönen Künften und Wiffenfchaften zugetban, und im ho⸗ 
ben Grade wifienfhaftlih gebildet, übernahm Graf P., nachdem er 
ſchon früher mit einer Gefellfhaft von Cavalieren die Direction der beys 
den Hoftheater mit vieler Umſicht und Kenntniß geführt hatte, 1813 
das Theater an der Wien. Unter feiner unmittelbaren Leitung erhob ſich 
diefe Bühne zu einem hoben Grade von Bedeutenheit und zählte viele 
ausgezeichnete Mitglieder , auch führte er die lieblichen Kınderballete 
ein, nad deren in mancher Hinſicht lobenswerthen Aufhebung jebod) 
die Beſuche bed Publicums merklih abnahmen. — 1821 verpadtete 
Graf P. das Theater an Carl (f.d.), unter deifen Direction es noch 
gegenwärtig ftebt. Seit diefer Zeit lebt Graf P. ausfchließend ſich 
ſelbſt, für Wiſſenſchaft und Literatur, und bat noch neuerlich bey der 
Verſammlung der Naturforfcher und Arzte in Wien durch eine gehalt 


12 Pälfiy-». Erdõd ⸗ Joh: Graf; 


er Rede feine hohe Bildung und feinen ausgezeichneten Geſchmack 
ew * fen. us + * 
v. Erdoͤd, Job: Graf, kat. geb. Rath, Feldmarſchall 
des Königreichs Ungarn, Ritter des goldenen Vließes, war ge— 
1663. Gegen Ende der Feldzüge in Deutſchland, die dem Ryß— 
wiler Frieden vorhergingen, diente P. ſchon als General: Feldwarhte 
meifter, nachdem er vorher] als Oberſt ein’ Hufaren- Regiment ges 
führe und mit demfelben einen glücklichen Streifzug in Lothringen ger 
tbanhatte. — Während des fpanifhen Succeſſions krieges machte er tie 
Beldzüge in Bayern und im ————— und war im Treffen bey 
Hochftädt(1704) gegenwärtig. — Als von Ergatien, Dalmas 
tien und Slavonien , und General der Cavallerie, zog er gegen bie uns 
gar. Mifvergni zu Selbe. Er ſchlug fie bey Cfafathurn und 
Groß-Magyary entſetzte Odenburg und verfab Stuhlweifens 
burg mit Lebensmitteln, warf eine Partey bderfelben bey Meuhäus 
fel, nabm ihnen Neutra, Ceutfhau, Kolo, Kafbau und 
Ungboar ab, eroberte Munkacs und traf dur Waffen und Unterz 
bandlungen (1706—11) Mafregeln, melde die Ruhe berbeyführten, 
worauf ipn Cart VI. zum Feldmarfdall und geb. Rath ernannte, — 
Im Feldzugewider die Türken 1716, ſtieß P. ‚als er den auf Peter- 
warbein anrückenden Feind mit 3,000 Mann deutſcher Cavallerieund 
400) Hufaren recognoscirte, auf ein Corps von mehr ald 20,000 Spas 
bis, den ganzen Vortrab des Heeres, fo daß er. obne Kampf ſich nicht 
urlickjiehen konnte. Ob er gleich das Gefecht bey allem Nachtheile des 
bis an den Abend auf feinem ganzen Weg aushalten mußte; 
kam er doch mit nicht mehr als 400 Mann Verluſt und mit 5 eroberten 
Fahnen glücklich im Lager an. In der Schlacht bey Peterwarbein 
felbſt ander mit feiner Cavallerie unerfchlitterlid gegen ben wilden Lärm 
und das planlofe Antennen ber türkifhen Völker. — Nun kam die Reihe 
an Temeswar, P., als Feldmarſchall, jog mit einer ftarken Abtbeir 
fung Cavallerie voraus, und hatte in feinem Quartiere den erften Ans 
fall der Türken ausgehalten, ‚die aber nicht fo wohlbehalten abzegen, als 
fie gefommen waren. — In der Schlaht vor Belgrad 1717 hätte 
9, den Eugen wohl am beften zu würdigen vermochte, beyde Flügel 
der Cavallerie,unter feinen Befehlen. Sie und ihr Anführer behaupteten 
ihren Ruhm durch ihre unerſchutterliche Faſſung und Tapferkeit; ungeach⸗ 
tet erbabey verwundet warb, und unter ben Todten einen boffnungsvollen 
Sohn zählte. — Zum nachmahligen, weniger glücklichen Feldzuge 1736, 
zogen fi zwar tie Truppen anfangs! unter feinen Commando zuſam⸗ 
men; als aber der Oberbefebl in andere Hände gerietb, Eonnte P. nur 
von fern her Zeuge des Mißgeſchickes ſeyn, durch welches diefchönen Erz 
oberungen, die er mit Eugen hatte erfämpfen helfen, fo früh verlor 
ren gingen. — Mitunter hatte P., der nicht blofi Soldat, fondern 
aud Sraatimann war, in friebliheh Zeiten bie Amter eines Eönigl., 
Land- und Hofrichters beffeidet; bis er auf den Standort berufen wurde, 
deifen er zur Ehre der Mation und zur Sicherheit bes Thrones fih fo 
würdig zeigte. Der Enthufiasinus, mit dem die Magnaten 1741 in 
das Moriamur einfielen, theilte ſich all den mit; ber Geift bes 
sw 





Dalffy v. Erdoͤd, nicol. Graf, der Aeltere. 143 


edlen Mannes bemaͤchtigte ſich der Berathſchlagungen, wie der Zurüs 
ſtungen, die er mit Schonung der ſo verſchiedenen Intereſſen und doch 
mit der Eile zu betreiben wußte, welche die dringenden Gefahren noth⸗ 
wendig machten. Thereſia nannte ihn nur Vater P., ein Nahme, 
der nie der Treue und Anhänglichkeit eines Vaſallen zu Theil ward, 
und die Dankbarkeit der großen Monarchinn, wie das hohe Verdienſt ihres 
Miniſters verewigt. — P. konnte nur mit Mühe fi das Freudengefühl 
verfagen, das Heer der Edeln felbft anzuführen; nicht die Bitten fo Vies 
ler, die ihn liebten, nur Betrachtungen höherer Art hielten ihn zurück. 
Eeiner Gegenwart ſchien das Reich nicht entbehren zu können. Mehrere 
Magnaten vereinigten die Eigenfchaften der Kriegegewantibeit und des 
Muthes, um Anführer ded Heeres werden zu können ; aber für den Pla, 
auf welchem er ftand, war er für den Augenblick unerfeglih. Er ſtarb 
von der ganzen Monarkie betrauert 1751. 0 

alffy dv. Erdoͤd, Nicol. Graf, der Altere, k. k. Feld⸗ 
marſchall, war 1546 geboren. Als unter Rudolph II. nad langer 
Mäßigung die während des Waffenftillftandes verübten Streiferenen 
raubgieriger Gränzpafchen endlich in erklärte Behden übergeben mußten, 
wären Georg Zrinyi, Kranz Nädasdy, und P. die vorzüiglichften 
Anführer, auf deren Treue, Zopferkeit und Einfiht ihr Vaterland 
feine Hoffnungen gründete. Der Lebtere war damahls in feinem blühen 
den Alter, und ein leidenſchaftlicher Kriegsmann. — Der erfte Verſuch 
der Ungarn auf Stuhlweißenburg war mißlungen. Dagegen 
brachten fie dem Paſcha von Ofen, der 25,000 Mann ins Treffen 
flellte, mit ihrem an der Zahl ſchwachen und nur an Muh und Waters 
Iandsliebe ftarfen Heere (1593) eine fo ausgezeichnete Niederlage bey, 
daß kaum 400 Türken übrig blieben, die Janitſcharen alle umkamen, 
und wenige Epabid mit dem tödtlich verwunbeten Paſcha fi durd die 
Flucht retteten. Mit diefem glänzenden Anfange weckte die Hoffnung, 
Ungarn von der fremden Tyranney zu befreyen, das Ehrgefühl der Nas 
tion mehr ald jemahld. Zu einer zweyten, nicht weniger fdönen und 
noch nüglicheren Unternehmung führte P. die Völker dieffeits der Dos 
nau. Die Feltung Fillek nähmlich war den Türken nah Ofen der 
wictigfte Pag, durch Natur und Kunft befeftigt, mit 4,000 Mann 
auserlefener Truppen befeat, und mit allem Kriegsvorrathe verfeben. 
Waffen und fahnenlos mußten fie bier abziehen, und eine reiche Beute 
zurücklaſſen; auch bie Eleineren, nicht minder reichlich verſehenen Pläße 
fielen, und ber zu fpat eintreffende Entfa& fand überall fhon das fiegens 
de Heer auf feinem Wege. — Unter dem Erzherzoge Mathias, der 
fi an die Spitze der Armee geftellt hatte, rüdte P. vor Novigrad, 
wo ibm Mehemet ter Schwarze, ein türkifcher Krieger von 
gefürchtetem Rufe, bald die Schlüſſel überliefern mußte. — Der Erzs 
berzog, der feine bereits beftandene Beldherrnprobe durch größere inter: 
nebmungen noc mehr bethätigen wollte, fekte fih vor Oran. Vers 
mittelft geheimer Verſtändniſſe, die P. mit den thragifhen Voͤlkern uns 
terbielt, gelang es ihm durch ein in jtürmifcher Nacht geöffnetes Thor 
in die Stadt zu dringen, wo alles, was nicht unter dem Schwerte fiel, ges 
fangen gemadt wurde. Doc konnte das Schloß, fo wenig man uud 


111 puiffy v. Erdoͤd, Yie.Braf, d. Jüngere. —pPalfovice. 
babep Blur und Koften Fparte, mich erflücmetveiden, und man mußte 
edel des im großer Be ee tages den Platz ver 
a a ae 
g bun ol al derli 7 ei 
—9* denen auch P. mie neun —* tan. —Ihm gebuhri 
ferner großer Antheil an dem Siege, der nachher unter dem Fürſten 
Cart v. Mannsfeld vor Gran erfochten ward, vorzüglich wegen 
der Kundſchaften, die er aus dem feindlichen Heere zw erhalten wußte, 
Als der herbeyeilende Erzherzog bie fo oft vergebens angegriffene Beftung 
in feine Gewalt bekam, hatte P. mit der aufs äuferfte gebrachten Ber 
ſatzung des Schloffes die edingungen en auch ward er (1595) 
‚zum Befehlshaber des wichtigen Platzes beftellt, deffen Behauptung zu 
den ag Siegen fo wefentlih beptrug. — Bey dem endlich ges 
glücten Überfalle von Raab Bann begleitete P. Schwarzenberg 
durch das geſprengte Thor in die Feflung,, wo ſich der, Feind in prableris 
fen Infhriften für unliberwindlic hielt. — P. ſtarb 1600, ‚nachdem 
er die gräfl, Würde in feine Familie gebracht hatte, und als in Öfterreich 
— auch unter die nieberöfterr. Landſtände aufgenommen wor⸗ 
en war Atem 
‚Palffy v. @rd6d, Nicol. Graf, der Jüngere, EE geh, Rarh, 
eldmarfball und Palatin von Ungarn, Ritter bes goldenen — 
ſoren 1657, widmete ſich frühzeitig den kaiſ. Kriegsdienſten, und die 
tenkriege in Ungarn und Ofterreid, in welche fein Jugendalter fälle, 
gaben ihm Gelegenheit, feinen Heldenfinn an ben Tag zu legen. — P. 
batte mit dem Sufarenregimente, welches er anführte, fid fo herdor 
gethan, daf ihm die Commandantenftelle von Gran (1687) anver 
traut werben Eonnte — ein für ihn rühmlicher Beweis, dap feine Eine 
fie und Tapferkeit Zutrauen verdienten. Er war in der Schlacht bey 
Miffa (1689) und zeichnete ſich bey der Belagerung von Belgrad 
(1690) aus, wo er Genetal-Beldwachtmeifter und bald darauf Feldmar- 
fall: Lieutenant wurde, und in biefer Eigenſchaft machte er die folgen» 
den Belbjlige in Ungarn mit. Jhm war bie Aufficht über die Eön. Lands 
und, eugbäufer übergeben, bey denen er, nad den Schriftſtellern 
feiner Zeit zu urtheifen, nicht wenig Arbeit vor fid finden modte, — 
Nochdem P. mit den Würden eines Marfhalls und ungarifhen Krons 
hüters beehtt worden, und am Hofe die in bamahligen Zeitumſtaͤnden 
viel bedeutende Stelle eines Leibgarbe-Trabanten: und Leibgarde: Ha 
Kaurtmannis (1700—12) verfehen hatte, gelangte er endlich jur 
ften Würde feines Vaterlandes, um fi als Palatin des Neihes um 
dasfelße, und um das regierende Haus neue Verdienfte jü erwerben 
Als felcher ftarb ex 1732, u 
Palitſcherſee, in der Bacfer Geſpanſchaft in Ungarn, bey der 
Eönigl. Freyſtadt Therefiopel, hat 5 Meilen im Umfange und eine 
Tiefe von 6 Klaftern. Sein Boden ift feft und rein, und fait ganz mit 
dem beften alfalifhen Salze bedeckt. Sein Waſſer dient zum Baden) 
und fol in Nervenkrankeiten fehr gute Wirkung thun. Mn 
Palkovpics, Georg, Profeſſor ber flavifhen Sprache und Fir 
Serakar am eangelifhen Lyceum A. € u Ppreßburg, ift geboren zu 





Dalladio. — Palm: Gundelfingen, die Sürften: 145 


Eoreno:-Bänya in Ungarn ben 27. Sept. 1769. Er erhielt feine. 


böhere Bildung am evangelifchen Lyceum zu Ddenburg, und bezog 
dann die Univerſität zu Jena, von welcher er zur Lehrkanzel der böhm: 
und flowalifhen SptahenahPrefburgberufenward. P. iſt einer der 
vorzügliben Slaviſten, was insbefondere, außer feinen der flavifchen 
Poeſie gewidmeren Schriften, fein „Böhmifch = beutfch = Tateinifches Wör⸗ 
terbuch mit Beyfügung der dem Slowaken und Mährer eigenen Aus⸗ 
drüde und Redensarten“ beweift, wovon der 1. Theil, Prag 1820, 
und der 2., Preßburg 1821 erſchien; P. beforgte ferner eine correcte 
Ausgabe der flowalifhen Bibel, Wien 1808, gab 1812 —18 eine flos 
wakiſche Zeitung, und feit 1801 einen verbefierten Kalender, dann 
nen hügliher Schriften, wie „Hufeland, Makrobiotik“ 
eraus. ur 
Palladio, Andr:, Patricier und berühmter Architekt zu Wis 
tenza, wurde bafelbft 1508 geboren. Anfänglich’ ergriff.er die Bild⸗ 
hauerkunſt, übte jedoch fpäter mit vieler Neigung die Mathematik, wels 
he ihn zur Baukunſt führte: P. war fünf Mahl in Rom, wo er die 
alten Denkmäler fludirte und zeichnete: Erft nad) feinem Tode 1580. ers 
fhien fein Werk: „Uber' die Denkmäler bes alten Nom,“ welches, f6 
unvollfommen ed auch ift, doch das tiefe Eindringen P.'s in den Geift 
der Alten zu erkennen gibt. Seine berühmten .Zractate über die Archi⸗ 
. teftur, in 4 Büchern, Venedig 1570, wurden in mehrere Sprachen 
übertragen: P.'s Waterftadt bewahrt die größten Beweiſe der Bortreffs 
lichkeit feiner Kalente. ©. Vicenza. 
Dalm » Gundelfingen, die Fürften, ſtammen aus der Schweiz: 
Das Haus P. ift uralt; durd den ſchweizeriſchen Freyheitskrieg verlor 
ed feine Guͤter, felbft das Stanimfhloß Palmeck, das an die Frey⸗ 
bern Sexe von Münfingen kam. Zur Zeitder Reformation, wen⸗ 
dete es fi als Anhänger derfelben nah Schwaben. Es theilte ſich Jiers 
auf in 2 Linien: Die ältere, welche wieder zur Eatholifhen Religion 
zurückkehrte, und bie zweyte proteflantifhe,, welche im Freyherrn⸗ 
ftande blieb. Der Stifter der erftern, Johann David, focht bey der 
Belagerung Wien’s 1683 an der Seite bes tapfern Grafen Rüdiger 
von Starbemberg, und hattedie ungarifche Königskrone aus Pre ße 
Burg durch die feindlihen Armeen nah Wien gebracht. Außer andern 
Belohnungen erhielt er das Indigenat in Ungarn. Sein Sohn, Earl 
Joſeph, geboren den 27. Sept. 1698, geftorben den 22. May 1740, 
war E E geb. Rath und an verfchiedenen deutfhen Höfen Gefandter ; 
wurde 1750 in den Meichsgrafenftand, der Enkel aber Carl Ve 
fe» dh, geboren den 24. Auguft 1749, geftorben den 22. Auguft 
1814, von Kaifer Sofeph II: am 24. July 1783 für ih und 
feine Nachkommen nad) dem Rechte der Erfigeburt in den Reichsfürſten⸗ 
ftand erhoben. Das fürftlihe Haus hat außer der Herrſchaft Hobens 
‚Oundelfingen in Würtemberg, Befisungen in Böhmen, Maͤh⸗ 
ren 2c.. — Bürft Cart Joſeph Kranz, geboren zu Regensburg 
den 28. Juny 1773, 8. k. niederöfterreihifher Regierungsrath, 
Großkreuz des Eönigl. bayerifhen St. Michaels und Ritter des Malte: 
fer: Ordens, fuccedirte feinem Vater, dem Büren Tarı Yalırt 
Oeſterr. Mar. Encoti. 32. 1V. 10 


um 


146 Palma. — Pancfova. 


am 22, Auguft 1814. 1. Gemahlinn: Bramcisca, geftorden den 
21. Auguft 1806, Tochter des am E. k. öfterr. Hofe accreditirt geweſe ⸗ 
nen genuefifchen Minifter-Refidenten,, Jo ſeph Lud w. Freyb. von 
Solignac; 2. Gemaplinn: Carol ine, geborne Freyinn Gude 
nus, geſtorben ben 19, Sept. 1815; 3. Gemahlinn: Thereſe, ges 
ftorben den 5. Oct. 1823, Tochter des Earl Frepherrn Federer zu 
Hradeck, kak. Staatsrathes; 4. Gemahlinn: Matbilde, geborne 
Freyinn von Wildburg zu Ottenfhlag, geftorben den 10. Ber 
bruar 1827; 5. Gemahlinn : Leopoldine, geborne Gräfinn von 
Abensberg und Traum, geboren ben 24, Sept. 1811, vermählt 
den 6. Juny 1829. . 
* Palma, Carl $ranz, geboren den 28, Aug. 1735 zu Nofen- 
berg in Ungarn, trat in den Orden ber Jefuiten und zeichnete fih im 
Therefionum zu. Wien durd Talent, Eifer und Kenntniffe befonders im 
Fache der Belfichte aus.” Er ward Vicar des Domcapırels zu Perth 
und ſtarb den 10. Febr. 1787. Beweiſe feiner Gelehrfamkeit legte er in 
folgenden Schriften an ben Tag: Heraldicae regni Hungar. specimen, 
Wien 1766. — Notitiae rerum Hungaricarum, 3Xhle, Tyrnau 17705 
2. Aufl. Preßb. 1785. (Bekanntlich eines ber trefflichften Compendien von 
claſſiſcher Patinität.) — Specimen ad Habsb. - Lothar. prosap. illustr. 
Wien 1773. — Abhantlung von den Xitein und Wapın Maria 
Therefia’s, eb. 1774. ‚ 

Palma nuova, venet. Flecken und ftarke Feftung in der Deler 
gation Friaul, ein wichtiger Waffenplat am Canal la Roje, ineiner 
großen Ebene, von ftarken Baſtionen und tiefen Gräben umgeben, mit 
300 Käufern, 2,350 Einw., 6 Thoren, 4 Kirchen, einem Hofpital, Laza- 
reth, ftarker Caferne, großen Eafematten, Proviant- und Münitionde 
bäufern und @eidenfilatorium. Außerdem ift bier eine ſchöne Waſ— 
ferleitung, ein Spiral und Wachhaus mit einem Heinen Theater. 
Dor dem Orte, gegen Udine zu, iſt eine prädtige Sternallee 
angelegt. 

Palota, ungar. Marktfleden im Vefjprimer Comitat, am Fuße 
des großen Badonyerwaldes, hat 4,000 Einw., ein ſchoͤnes gräfl, Zi« 
ch y ſches Schloß, ein Eaftell, "eine Eathol., luther. und griechiſche Kirche, 
eine Synagoge und ein Waifenhaus. 

Palfa, Job., berühmter Waldhorniſt und Componift für biefes 
Snftrument, war geboren 1752 zu Jermeris in Böhmen, bildete ſich 
in Prag aus, und unternahm dann 1780 mitfeinem Sreunde, dent eben⸗ 
fans ausgezeichneten Waldporniften Carl Thrrfh mid, eine 
Kunftreife nah Paris, donnnab Caffel, Hamburg, Berlin, 
wo P. allenthalben durd Reinheit des Tones und Schönheit des Vortra— 
‚ges mit Beyfall überhäuft wurde, fo wie Türrfhmid durd feurigen 
Vortrag und außerordentliche Paffagenfertigkeit glänzte. P. ſtarb 1792 
zwPrag. 

Pancfova, freye Militärconmunität oder Stadt im Bezirke des 
deutſch⸗ banatiſchen Regiments ber banatiſchen Militärgringe, Cik bes 
Negimentsftabes, Hegt an ber Temes, welde ſich eine © trede weiter 
abwärts in die Donau ergießt, Der Ort hat einen großen Marltplot, 





Danfraz, St. - Pannonien. 147 


ein Rathhaus, 1,219 Häufer, ungepflafterte Gafen und 9,950 
meift raizifhe Einw., eine Haupt: und Mädchenfhule, Pin Seidenfpinns 
baus, ein Spital und ein Contumazamt. Ä 

Danfraz, St., tyrol. Dorf im Bogener Kreife, im Ultenthale, 
te dem fchon feit mehreren Jahrhunderten befannten Mittelbade, welches 
immer mehr an Aufnahme gewinnt. 

Pannaſch, Ant. (Dannad)), Hauptmann im k. k. Infanterie⸗Re⸗ 
giment Erzherzog Carl; iſt geb. zu Brüſſel 1789. Mit dem Herzog 
Albrecht von Sachſen-Teſchen, welcher 1790 von Brüſſel nach Wien 
zurückkehrte, kam auch P.'s Vater, herzogl. Ingenieur, mit ſeiner Fa⸗ 
milie dahin. Bon 1801 ließ der Herzog den 12jährigen Knaben in der Mi⸗ 
litär-Akademie zu Wiener-Neuſtadt erziehen, woraus er 1809 als 
Fähnrich trat und in dad Inf. Meg. Strauch eingetheilt wurde. — 
Während feiner akademifhen Erziehung warb den Zöglingen manchmahl 
geftattet, fich in theatralifchen Arbeiten zu verfuchen. P. machte einen 
ſolchen Verſuch, und da die Darftellung fehr glücklich ausfiel, fo fab er 
fih ermuntert, in freyen Stunden gefhichtlihe Stoffe für dramatiſche 
Dichtungen auszuwählen, um fie einft für die Bühne zu benützen. In 
den Seldzügen 1813 und 1821, diente P. meiftens im Generalftabe, 
und wurde in diefem Corps während der Friedensjahre zu militärifchen 
Mappirungen, zur Zriangulirung und Vermeſſung beym Gatafter und 
zu gefchichtlichen Arbeiten verwendet. Er befindet fih nun ald Grenadier⸗ 
Hauptmann zu Wien; burd die ihm anvertrauten Officier- Schulen 
veranlaft, fehrieb er ein Lehrbuch für junge Militärs: Zerrainlehs 
re und Terrainbenügung mit Charten und 42 lithogr. Zeichnungen, 
Güns 1834. Von feinen übrigen literarifhen Arbeiten erfhienen zu 
Wien theils im Drude, theild durch die Darftellung auf demE. E. Hofs 
burgtbheater: Der Findling, Schaufpielin einem Acte; die Grafen Mon: 
taldo, Trauerfß. in 5 Acten; Albein, Zrauerfp. in 5 Acten; Maris 
milian in Slandern, biftorifhes Schaufpiel in 5 Mcten. (Sämmtlich ges 
druckt und dargeftellt.); Clemence Ifaure, dDramatifched Gedicht in 5 Acs 
ten (noch Manufcript). Außerdem fchrieb er: Erinnerungen an Stalien, 
in Briefen und vermifchten Gedichten, Wien 1826. Ä 

Dannonien, ber Alten, gränzte gegen Oſten an Ober: Möfien, 
gegen Süden an Syrien, gegen Welten an Noricum; nördlich hatte es 
die Donau zur Gränze. Es begriff alfo von Ofterreich das Viertel unter 
dem Wienermwalde, ferner gan; Niedersingarn, Slavonien, einen Theil 
von Krain und Croatien. P. wurde fehr verfchieden eingetheilt; zuerft in 
superiorem oder primam, aud) occidentalem, und in inferiorem 
oder secundam, aud orientalem. Eine Linie von Comorn gegen Suͤ⸗ 
den bis zur Save gezogen , fihied beyde Provmızen von einander. Das 
jwifchen der Save und Drau gelegene Stück wurde auch Interamnia, 
dad an den Ufern der Save Ripensis, aud Savia genannt. In Ober: 
Pannonien errichtete Galerius zu Ehren feiner Gemahlinn Baleria 
eine befondere Provinz, mit Nahmen Valeria; fie mar einft von Nies 
der Pannonien abgeriffen und begriff die ©triche ;wifchen der Raab, der 
Donau und der Drau. — Gewäſſer: P. erhielt feine Bewälerungturg 
die Flüſſe: Danubius (Donau), Murus (Mur), Drava Dres - 

\0 


118 ‚Panny 


Savus (Save), Arabo (Raab), und durch die Seen: Peiso (Neufied: 
erfee) — Balaton (Plattenfee). — Gebirge: Cetins (Kadlenberg) 
ſchied Noricum und P., Claudius bey Siscia, ang die — in 
fben den Pannoniern und Scordiskern. — Merkwürdige Orte in 
Der: Pannonien : Cetium (vielleicht Mautern, oder wie Andere glaus 
ben Klofterneuburg) an dernorifden Gränze; Vindobona (Wien) 
ſchon vor Alters eine fhöne blühende Stadt; Carnuntum (bey Petro- 
nell), eine wichtige Stadt, wurde befonders zu ben Zeiten der erften 
Kaifer berühmt; Lieinius und Severus wurden hier zu Imperas 
toren erklärt; Petomum (P ettau); Siscia (Sziſze h, eine in ber 
alten Kaiſergeſchichte ſehr berühmte Stadt; Aemona (Laibad), eben- 
falls ein berühmter Ort. — In Nieder-Pannonien: Arabona (Raab); 
Bregetio (bey Eomoen), wo Kaifer Walentinian das Leben 
verlor, ein anfehnliher Plag; Acincum oder Aguincum (Alt-Dfen), 
eine wichtige rom. Colonie; Acimincum (Peterwarbein); Rit- 
ium(Szalanfamen); Taurunum (Belgrab), eine in der-alten 
Geſchichte fehr berühmte Stadt; Sirmium (bey Mitrovik; in Slavo⸗ 
wien), die größte und angefehenfte Stadt diefer Gegend, wo Kaifer 
Probus von feinen aufrührerifhen Soldaten ermordet wurde; Mursa 
(EfjeB), wurde vom Kaifer Hadrian erbaut. Die Tprannen Inge 
nu, ber hier getöbtet wurde, Vetranio und Marentius made 
ten diefen Plag berühmt, — P- war anfangs wild und unfruchtbar, wur- 
de aber mit der Zeit, befonders nach dem Kaifer Probus, fehr ange- 
baut: So ging auch die Nation felbft von ihrer anfänglichen Barbarey 
zu mehrerer Eultur über, x 
Panny, Jof., gefhäster Componift, war geboren 1794 zu 
Kollmisbergin Nieberöfterreih. Schon in frühefter Jugend ſtudirte 
er unter Leitung feines Vaters, Leop. Mozarts Violinfhule mit 
Liebe und Fleiß, bereits im 11. Jahre begann er das Studium bes Ge⸗ 
neralbaſſes und erhielt von feinem Großvater, einem geachteten Orgas 
niſten, Unterricht im Orgelfpiele, Der kaif. Hofcapellmeifter Epbler, 
deſſen Bekanntſchaft P. bald darauf machte, veranlafte ihn nah Wien 
u reifen, wo er deſſen Unterricht genoß, fih in allen Fächern ausbil- 
ete und es bejonbers zu einer bedeutenden Fertigkeit im Miolinfpiele 
brachte, worin er fi durch zarten Vortrag des Gefanges aus— 
zeichnete, aud im Fortepianofpiele machte er bedeutende Fortſchritte. Zu⸗ 
erft wat P. 1824 in Wien in einem Concerte auf,‘ worin nur Stucke 
von feiner Compofition (meiſt Gefang, Solos und N vorgetragen 
wurden, bie ihm großen Bepfall erwarben. Noch basfelbe Jahr ging P. 
in Paganin?s Begleitung, deſſen Freundſchaft er ſich erworben hatte, 
nach Stalien, er wurde jedoch bald der austibenden Kunft überdrüßig und 
beſchloß, fi ganz dem Fache der Compofition zu widmen. 1828 ging 
P- Über Pragnah Münden, wo er einige Concerte mit Bepfall 
gab, befuchte barauf mehrere deutſche Städte, hielt ſich längere Zeit 
in Mainz auf, ging 1830 nah Hamburg, im Herbſte besfelben 


„Jahres nad Berlin und 1831—32 nad) Norwegen, allenthalben Con ⸗ 


certe veranftaltend, in denen er jedod) nie als Virtuofe, fondern immer 
zur als Componiftund eifriger Dirigent wirkte, Seine ziemlich zahlreichen 


D a ». 119 


Werke, meiftens aus Vocal: und Inftrumentals Concertitücden beftebend, 
erfchienen theild in Wien, theild in Mainz im Stiche. Bedeutendes 
Talent für Compofition iſt ihm nicht abzufprechen. Ein Werk von eigent- 
licher Weihe und Originalität, das tiefed Studium und gereifte Kunfts 
bildung an fib trüge, bat er jedoch bis jetzt noch nicht geliefert. 

Pap v. Szathmar Mich., Profeffor der Theologie und Kirchens 
gefhichte am reformirten Collegium zu Klaufenburg, war dafelbftden 
28. Sept. 1737 geboren. Nachdem er feine Studien im Vaterlande 
beendigt hatte, ging er 1760 mit dem Grafen Alexius Kendeffyv. 
Malomhdaz auf auswärtige Akademien, und zwar zuerfi nah Genf, 
dann nad Utrecht, balddarauf nah Leyden. Als er 1765 infein 
Vaterland zurücgelehrt war, ordinirte ihn das reformirte ſiebenbürgi⸗ 
fhe Ober⸗Conſiſtorium fogleih zum Prediger, und als folcher wurde er 
fhnell nad einander nah Dees, Kerefztur, S;ökefälva und 
Szathmär gerufen; aber die Vorfteher des Conſiſtoriums, unter wel⸗ 
hen ihn vorzüglich die großherzigen Grafen Johann Razar und 
Ladislaus Teleki ungemein fehäßten und liebten, hielten ihn fo 
lange auf, bis er 1767 an dem reformirten Collegium zu Klaufen= 
burg als Profeifor der Theologie angeftelt wurde. In den lebten 
Jahren lehrte er auch römifhe Antiquitäten mit großer Vorliebe. Er 

ar bemwandert in der arabifchen , fprifchen,, hebräiſchen und griechifchen 
Sprache, er ſprach deutſch, franzöfifh und bolländifh. Won feiner 
Stärke in der lateinifchen und magyarifchen Literatur zeugen die Preife, 
mit welchen feine Differtationen gekrönt wurden , feine des Drudes 
würdigen Vorlefungen und feine zum Theil im Druck erfienenen Pre⸗ 
digten, Reden und Gedichte. Seine ausgebreitete Gelehrſamkeit, 
feine unterhaltende und belehrende Geſellſchaft, feine Nebearefchäftis 
gungen, die fih auf die Unterfuhung und Sammlung von Naturpro: 
ducten, nahmentlich von Mineralien, Mufheln, Pflanzen, ausländis 
fhen feltenen Blumen und auf die Anfhaffung alter griedifcher, romi« 
fher, ungarifher und anderer Münzen, Monumente und Seltenheiten 
erſtreckte, zogen fehr bald die Aufmerkfamkeit gebildeter Menſchen auf 
ibn, und erwarben ihm die Liebe der Neifenden und vaterländifchen Ges 
lebrten. — 1787 ftellte die gelehrte Sefellihaft zu Haag eine Preißs 
frage auf. P. fandte eine Beantwortung ein , die ihm den zwenten 
Preis und zugleich die Aufnahme unter die Mitglieder der Societät vers 
ſchaffte. — Kaifer Joſeph II., der für feine Provinzen ein Kirchen: 
recht ausarbeiten laffen wollte, deilen fih alle Proteftanten in Mähren, 
Böhmen, Diterreih, Ungarn und Siebenbürgen bedienen follten, 
fandte dem fiebendürgifhen Ober Eonfiitorium des Jenaiſchen Profeſſors 
Scheidelmanteldeutfh gefchriebenes, proteftantifches Kirchenrecht mit 
dem Befehl zu, mach diefer Art ein proteftantifhes Kirchenrecht ausars 
beiten zu laflen. Diefer Befehl wurde von dem Conſiſtorium zweyen Ger 
lehrten zur Ausarbeitung eined Werkes fruchtlos aufgetragen, bis P. 
die Ausarbeitung auf fi nahm, an der er auch bis zum Zode Jos 
feoh’6 II. raſtlos ſyſtematiſch arbeitete. Auch vermehrte und ver 
befierte er Peter Bod's Magyar Athends. Zur Vervolllommnung 
diefes ſchätzbaren Werkes fügte P. nicht nur Anmerkungen bey, fondern 


150 Papa. — Papierfabrifation und Sandel. 


fammelte auch ausgefuchte, alte, feltene, ungariihe Bücher, deren 
Drud er feinem Sohne Siegmund auftrug. Ermwägend, wie gut 
und nöthig es ſey, die ungarifchen Seltenheiten, Gewohnheiten und 
Sitten, nach dem Beyſpiele der Antiquitäten anderer Völker, zu ſam⸗ 
mein, in ein Spftem zu bringen, und fo der Vergeſſenheit zu entreißen; 
begann P. 1810 am 31. März, im 73. Jahre feines Lebens, ein 
ſolches Originalwerk unter dem Titel: A’ Mogyar Regisegeknek elsö 
vonogatäsai (bie erften Züge ungariſcher Geltenheiten) mit Eifer und 
mit Gründlichkeit auszuarbeiten. P. ftarb den 30, May 1812, und 
hinterließ folgende gelehrte Sammlungen: 1) Eine aus griedifhen, 
lateiniſchen, deutſchen und franzöſiſchen Werken beftehende Bibliothek; 
2) eine aus feltenen alten und neuen ungariſchen Werken beſtehende 
Bücerfammlung, die in Ungarn gewiß die ſchoͤnſte und ſchaͤtzbarſte in 
ihrer Art ift; 3) eine mineralogifhe Sammlung; 4), eine jhöne 
Sammlung von Muſcheln, fremden Producten und Pubgeräthen wilder 
Völker; 5) eine Sammlung von römiſchen Jnſchriften, Heinen 
Statuen, Urnen, Schalen, Schnallen, Grabmälern, Lampen, Ibos 
Ien, Gemmen , Opfergeräthen 2c. ;. 6) ein Eoftbares , mit. ‚einem 
Catalog in 6 Bänden verfebenes Münzcabinet, mit fhönen alten griechi - 
ſchen, xömifchen,, ungarifcpen und franzöffpen Münzen, worunter 
zahlreiche Goldmünzen; 7) einige ſchaͤzbare Manuferipte. * 
Papa, ungar. Marktflecken im Vefjprimer Comitat, in einer 
ſchbnen Gegend zwifhen Gärten und Wiefen, mit 13,300 Einwohnern, 
Diefer Ort war einft befeftigt und hat ein großes fhönes Schlofi, einen dazu 


gehörigen ſchönen Garten und mehrere Kirchen, worunter die 1778 exs 
baute prächtige Pfarrkirche fehenswerth ift, Sie ift von gehauenen Steis 
nen —— deren geringſter 30 Ctr. wiegt, inwendig mit rothem 


Marmor beffeidet und hat eine herrliche Otgel. Die Katholiken beſitzen 
ein kleines Gymnaſium, die Reformirten ein Collegium, die barmherzis 
‚gen Brüder ein Kloſter und Spital. 

Papierfabrifation und Sandel. Im öfter, Kaiferftaate hat 
ſich die P. ungefahr feit 2Zahrgehenden in einem auffallend bedeutendenGrade 
geboben; gegenwärtig gibt es in demfelben eine große Anzahl von Pas 
pierfabriken. Das befte Papier erzeugen bie italieniſchen, nach ihnen die 
böhmifchen. In der Manipulation find fehr viele Verbefferungen einges 
führt worden und es werben beynahe alle Gattungen geleimter und 
ungeleimter Papiere verfertigt ‚ indeflen behaupten ausländifge Bas 
britate, befonders englifhe und franzöfifche, in Vetreff mehrerer Par 
piergattungen , indbefondere der feinen Zeichnen: und Kupferdrudpas 
viere, noch immer den Vorzug, woran jedoch hauptſächlich die geringe 
Menge von ganz feinen Kadern Schuld ſeyn mag, denn in ber eigent ⸗ 
lihen Behandlung ift man dem Auslande bereits ganz gleihaefommen. 
Große Fortſchritte haben die Öfterr. Fabrifanten auch in der. Erzeugung 
von gefärbten und geprefiten Papieren gemacht. — In Nieberöfters 
reich beſtehen größere Papierfabriken zu Klein-Meufiedl, Unter 
Waltersdorf, Wiener-Neufadt, Guntramsdorf, Frans 
zens thal bey Ebergaffing, Pitten, St. Pölten, Ober⸗Eg— 
gendorf, Rannersdorf, Stasrersdorf, dann mehrere Heine, 





Papierfab rikation und Sandel. 151 


In manden derfelben ift die hemifhe Lumpenbleiche, in ber Franzens⸗ 
tbaler die Erzeugung des fogenannten Papiers ohne Ende eingeführt. 
Die gefärdten und gepreßten Papiere, welche in Wien erzeugt werden, 
nähern fi ‚den ſchönſten ausländifhen. Die Branzensthaler und Pittener 
Fabriken beſitzen auch ausfchließende Privilegien auf die Leimung be 
Papiers im Holländer oder auf die MailasLeimung. — In Oſter⸗ 
reich ob der Enns gibt ed mehrere Papierfabrifen, im Hausruck 
Ereife allein 4, fie erzeugen jedoch fammtlid nur gemeine Sorten. — 
Sn Steyermarf find 7 Papiermühlen im füdlihen Theile des Lane 
des, ebenfall3 von geringer Qualität, — In Tyrol befteben Papierfa⸗ 
brifen zu Zrient, NRoveredo, Reute, Wattens, Riva, 
Scurelle und im Zleimsthale; in Vorarlberg zu Qauterad, die 
gemeinere Sorten erzeugen. — Sn Illyrien ift die P. unbedeutend, 
die Papiermühlen zu Ladia am Zayer, zu Seifenburg und Nis 
viz und ander untern Bella bey Villach liefern nur ordinare Pas 
piergattungen,, fo “zeugen auch die Papiermühlen zu Podgora und 
Heidenfhaft im Kuitenlande nur die gewöhnlichen Sorten. — In 
ber Lombardie bilder die P. einen wichtigen Erwerbszweig, das lom⸗ 
bardifhe Papier iſt vortrefflih und zeichnet ſich ſowohl durch Weiße als 
Güte aus. Vorzüglich verdienen die ärarialifhe Fabrik zu Waprio, 
dann die vielen Sabriken zu TZofcolano, zu Alzano und Varefe, 
Erwähnung. In Tofcolano 'verfertige man bereits feit mehreren Jah⸗ 
ven Papier von unbeflimmter Ränge und in Mailand Papier aus vers 
fhiedenen Faſerſtoffen. — Im Venetianiſchen beiteben über 60 
Fabriken und die P. macht einen der vorzüglichften Erwerbszweige biefes 
Landes aus. Befonders vortrefflih find die Druckpapiere, die Schreib⸗ 
papiere ftehen hingegen den toscaniſchen nad). Die größten und vorzügs 
lichſten Sabriken find zu Udine, Pordenone, Trevifo, Co 
droipo,&acile und inder Provinz VBicenza. Zu Baffano wird 
auch gefärbtes und marmorirted Papier von befonderer Schönheit erzeugt. 
— Sn dem gewerbsfleißigen Böhmen werden, außer den allerfeinften 
Poft: und Zeichnenpapieren, alle Gattungen Papiere in großer Menge 
erzeugt. Befonderen Vorzug haben die böhmifhen Papiere wegen ihrer . 
Haltbarkeit, befonders die Schreibyapiere, dur zweckmäßiges Leimen. 

Die widtigften Fabriken befteben zu Hobenelbe, Lauterwaffer, 
Zrautenau, Altenberg und Krummau. — Aud in Mähren 
und Schleſien wird ziemlich viel und gutes Papier erzeugt. Man 
zählt da über 30 Papiermühlen, worunter befonders jene zu Oberslans. 
gendorf, Kunftadet, Altbrünn, Raitz, Janowitz, Öterns 
berg, Littau, Namieft und Jungferndorf genannt zu werden 
verdienen. Der Troppauer Kreis zähle allein 9 Papiermühlen. — In 
Galizien gibted 12 Papiermühlen, unter welden jene zu Sklo die 
vorzüglichſte it, jedoch fteben deren Erzeugniſſe weit hinter jenen der 
deutſchen, italienifpen und böhmiſchen Länder zurüd. — In Ungarn 
zähle man in neuerer Zeit bey 70 Papiermühlen,, die meiiten derfelben 
erzeugen jedoch nur gemeine Schreibs und Drudpapiere, die feinen wer 
den aus den deutfhen und italienifchen Ländern oder aus dem Auslande 
bezogen. In den größeren Städten gibt ed auch Papierfächer. — W 


152 —Pappenheim. 


Siebenbürgen wird die P. auf 12 Mühlen betrieben, bie bedeu⸗ 
tendfte derfelben iftin Kronftadt. — In der Militärgräne gibt 
ed nur zu Orlat und Borgo»Brund Papiermühlen, die gemeines 
Product liefern. — Dalmatien beſitzt keine P. — Was den Handel 
mit Papier betrifft, fo ift derſelbe im Inlande von großer Bedeutung , die 
meiften Provinzen und Dicafterien werden aus Ofterreih, Böhmen und 
Stalien mit dem nöthigen Papiere verforgt. Die Ausfuhr ift nicht von 
jroßer Bedeutung; aus dem Auslande werben noch viele feine engliſche, 
Poländifge / feangöfifpe und ſchweizeriſche Schreib: und Beichnenpapiere 
bezogen. In neuerer Zeit hat ſich jedod auch die Ausfuhr beträchtlich ger 
hoben. — In Wien befinden fi die Niederlagen von foigenden Pas 
pierfabrifen: Unzer» Waltersborfer (Carl Ditl)j Dorotheer 
gaſſe Nr. 1108; Frangensthaler (Dippenmeyer’s Papiers 
fabriks = Gefellfhaft) Wollzeile Nr. 863; Klein-Meufiedler 
(Ign. Th. v. Pahners Witwe und Sohn) unter den Luchlauben 
. 562; Öunsramsborfer (Jac. Ruf) An Peter Nr. 562; 
Stattersborfer (Franz roße Schulenſtraße Nr. 864; 
Pittener (Sterz und Comp.) Dorotheergaffe Nr. 1116 u. m. a, 
— Die bekannteften Fabrikanten gefärbter und gedruckter Papiere in 
Wien find: Franz Herberger, im Liechtenthal Nr. 158; With. 
Knepper, auf der alten Wieden Nr. 377; With. Marder, auf 
der neuen Wieden Nr. 6985 Job. Meifinger, Zofepkftadt Nr. 40; 
Joh. Prohas ka, St. Uirich Nr. 90; Conrad Shufter, Meus 
bau Nr. 105. — Die bedeutendften Handlungen in Wien, in welden 
alle Sorten ins und ausländ, Papiere in grofier Auswahl ftets vorrätbig 
‚gefunden werden, find: Zur Stadt Nürnberg (Mart.Theper), in der 
Kaͤrnthnerſtraße Nr. 905, durch großen Vorrath und fehr billige Preifeber 
fonders empfehlenswertb ; Ferd. Dillmann, inder oberen Bäderjtraße 
Nr. 766; zur Stadt Frankfurt, in der Kärnthnerftraße Mr. 0905; W. 
Kutſchera und I. Hadaun's Erben (Leibener Papierfabrid), am 
alten Fleiſchmarkt Mr. 729; zum weißen Schwan, auf der Brandſtatt 
Nr. 627 (befonders auch in gefärbten, dann Gold- und Silberpapieren); 
Matthäus Salzer, auf dem Stephansplatze N. 879; zur Papiers 
muhle auf dem Haarmarkt Nr. 641; A, F. Syré, in der Svengler⸗ 
gaffe Nr. 427; zum Holländer, in der Singerſtraße Nr, 898; zum 
Herrnhuter, auf dem Bauernmarkt im Gundelhofe. 3 
Pappenbeim, Gottfr. Seinr. v., Eaiferl. Feldherr im dreys 
Figiährigen Kriege, war geboren 1594 aus einem alten reichsgräfl. Ge: 
ſchiechte in Schwaben, das feit mehr ald 600 Jahren das Reichs - Erb 
marſchallamt, fo wie das Reichs + Forft: und Jägermeifteramt im Mords 
gau bekleidet hat und noch jet in 2 Linien, einer Eatholifhenund einer 
proteftantifchen blüht, Er erwäblte frühzeitig den Kriegsdienſt unter kaiſ. 
Bahnen; fein feuriger Geift, feine vaftlofe Thätigkeit und fein Flammen⸗ 
eifer für die Eathol. Religion gewannen bald das Vertrauen des Kaifers 
Berdinandll, und führten ihn höhern Würden entgegen. Bereits bey der 
Schlacht am weißen Berge zeichnete ih P. als Oberft ruhmvoll aus, er 
warf mit wenigen Truppen ein feindliches Regiment, wurde verwun—⸗ 
det und [ag unter der Laft feines Pferdes unter ben Todten auf ber 





\ » 
patabiago. — Daradie. 153 


Wahlſtatt, bis ihn die Seinigen bey Plünderung des Schlachtfeldes ent⸗ 
deckten und retteten. 1626 bezwang er mit Hülfe der Bayern die aufrüh⸗ 
reriſchen proteftant. Bauern in Dberöfterreich,, eilte dann gegen Mags 
deburg, um fih mit Tilfy zu vereinigen und übertraf nad Erobes 
rung diefer Stadt felhft diefen an Grauſamkeit. Hierauf befämpfte er 
an Til ly's Seite die vereinigten Schweden und Sachfen bey Leipzig, 
wo er durch wildes Feuer bes Muthes, perfönliche Tapferkeit und Fl 
achtung aller Gefahr die weſentlichſten Dienfte leiftete, aber auch durch 
allzu ungeflüm. Hitze, wie wenigſtens Tilly behauptete, größtentheils 
Schuld an dem Verlufte der Schlacht war. Machdem er darauf das von 
den Bauern wieder belagerteMagdeburg entfeht, und gegen die Schwe⸗ 
den in Niederfachfen mit Vortheil gefochten hatte, wandte er fi) gegen 
Lützen, wohin ibn Wallenftein berief, um an ber bevorflehenden 
Schlacht Theil zu nehmen. Hier zeichnete ſich P. ebenfalls auf das ruhm⸗ 
vollſte aus, voll feurigen Muthes flürzte er ſich in das bichtefte Schlacht⸗ 
gewühl, um Guſtad Adolph feldft im Kampfe zu begegnen, als auf 
einmahl 2 Muskerenkugeln feine Bruft durchbohrten. Des andern Tages, 
den 7. Nov. 1632, verfchied er, noch kurz vorher durch die Nachricht 
von dem Tode des großen Schwebenkönigs erheitert und erfreut. 

Darabiago, lombard. Dorf in der Delegation Mailand, am 
Fluſſe Olona, mir einem Privargymnaflim und einer Knaben Ers 
jiehungsanftalt. | 

Darad, ungar. Dorf im Hevefer Comitat, in einem angenehmen 
wiefenreichen Thale am nördlichen Fuße des Mätragebirged , ift bekannt 
durch feine Afaunfiederey und bat in der Nihe mehrere Mineralquellen, 
nahmentlich fchwefelige Säuerlinge, Stabl- und Alaunmailer. 

Daradeis (Paradies), fteyermärk. Dorf im Judenburger Kreife, 
bey Judenburg, mit einem Eiſenhammer, Kupferhammer und einer 
Pfannenfhmiee. > 

Daradis, Marie Therefe v., geboren zu Wien den 15. Map 
1759, war die Tochter eines niederöfterr. Regierungsrathes in Wien, 
durch ihre ausgezeichneten Talente berühmt. Sie war erft 2 Jahr MI 
Monathe alt, als fie in einer Nacht, ſey es nun durch einen gichtifchen 
Schlagfluß, oder in Folge eines plöglihen Schreckens, ihres Geſichts 
gänzlich beraubt wurde. — Ihre beſondere Neigung für die Tonkunſt 
veranlaßte die Ältern, fie auf dem Pianoforte, und bald darauf auch 
im Singen unterrichten zu laffen. Sie machte fo ſchnelle Fortſchritte, daß 
fie ih nah Verlauf von 3—4 Jahren in der Auguftinerliche zu Wien, 
in Gegenwart der Kaiferinn Maria Therefia, ihrer Taufpathinn, 
in Pergoleſi's Stabat Mater als erſte Sepranfängerinn bören ließ, 
und dabey felbft auf der Orgel accompagnirte. Die Kaiferinn wurde 
von. ihrem Vortrage außerordentlich eingenommen, und ſetzte ihr deß⸗ 
bald, und aus Theilnahme mit ihrem unglüdlihen Schickſale einen le⸗ 
benslänglichen Jahrgehalt von 200 Gulden aus. Machdem fie unter 
ber Leitung verfchiedener Meifter in Wien ihre mufikalifhen Talente 
ferner ausgebildet haste, wurde fie in der Folge der Sorgfalt des da⸗ 
figen geſchickten Tonkünſtlers Kozeluch empfohlen, der verfchiedene 
vortreffliche Stücke und Concerte für die Hände dieler jungen Aietantan 


151 Paradies 


compontrte, bie (le mit größter Delicateffe und vielem Ausdruck ſpielte. 
Nach und nach lernte fie gegen 60 Clavierconcerte auf das vollkom ⸗ 
mente foielen. 1784 trat fie in Begleitung ihrer zaͤrtlichen Mutter 
eine muſikaliſche Reiſe an, beſuchte die vornehmſten Höfe und Städte 
Deutfeplands ‚wo ihr ihre Talente Jund. unglüdliren. Schictfale große 
Aufmerkfamkeit und Unserftügung erwarben, und im Sommer 1785 
Paris, wo fie bey ihrem ungefähr. hafbiährigen Aufenthalt, ebenfalls 
durch ihre mufikalifhen Geſchicklichkeiten und. ihr. beſcheidenes und liebens - 
würbiges Benehmen der Gegenſtand allgemeiner Achtung war. Sie fpielte 
vor der Königinn, von der fie viele auspeichnende Beweife ihrer Gnade 
erhielt, und ließ ſich oft mit dem ſchmeichelhafteſten Beyfall im Concert 
spirituel hören. Hierauf teiſte fie mit Emapfehlungsſchreiden von Pers 
fonen ‚vom erſten Range an die Königinn von England, den Faiferl. 
öfter, Bothſchafter und andere angeſebene Perfonen, fo wie diefvors 
nehmiten Tonkünitier, nah London, ſpielte auch dort: wiederholt vor 
der koͤnigl. Bamilie, und genoß die ausgejeichnerite freundliche Behand» 
—— fie fpielte auch außerdem in Carlton houſe, wo fie der damahlige Prinz 
v. Wales (nahmapls Georg IV.) felbitmit dem Violoncell begleitete, 
im Pantheon und in andern großen Concerten. Man nannte jie ein 
Phänomen und: überhäufte fe mit Beweifen des Beyfalls. Das ihrer 
Gefundheit nicht zufagende Elima nöthigte fie im Frühjahr 1786 Eng» 
land zu verlafen; fie ging nah Brüffel, und erwarb ſich auch dort, 
wo fie am Hofe fpielte,. allgemeinen Bepfall und Gnadenbezeigungen. 
Befonders fang fie dort zu allgemeiner Rührung , zu ihrem vore 
trefflihen Spiele, die Cantate, worin der veritorbene liebenswürdige 
Dichter Pfeffel — ide im Unglück, des Augenlichts beraubt zu ſeyn, 
ahnlich, — die Gefhihte ihrer Blindheit fo rührend befungen hat. 
Noch in demfelben Jahre Fam fie über Berlin, wo ebenfalls allgemeis 
ner Beyfall fie Erönte, nah Wien zurück, wo fie fortan lebte, 
Unfteeitig waren ihre Talente fehr ausgezeichnet. War auch ihre 
Stimme vieleicht minder mächtig als ihre Hand, fo war fie doch im 
bödhiten Grade rührend, und, wurde es nod mehr durch ihren Auss 
druck und ihr unglückliches Schickſal. Ihr Gedähtniß, alles, was ſie 
ſpielen hörte , zw behalten, war bewundernswürdig. Sie rechnete 
mittelft gewiſſer Täfelchen feldft in allen Gattungen der Rechnenkunſt, 
foielte die meiften Kartenfpiele, und tanyte in jlingern Jahren feher 
kunſtreich Menuet, Allen ihren ausgezeichneten natürlichen Talenten 
und erworbenen Fertigkeiten gaben aber ihre Befheidenbeit , Hei⸗ 
terfeit und andere achtungswuͤrdige Eigenfibaften , die ihren Umgang 
interelant , unterhaltend und lehrreih machten , und ihr: allgemei« 
ne Adtung erwarben, den größten Werth. Nach ihrer Nückehr nah " 
Wien ſtudirte fie die Setzkunſt, und componirte mehrere Gpnaten, 
Eoncerte und einige deutſche Opern, obgleich fie in meuern Zeiten 
nichts mehr davon herausgab , und eben fo wenig mehr ſich Öffent- 
lich hören ließ. Dagegen hatte fie eine muſikaliſche Bildungsanz 
ftalt zu Wien errichtet, welche der eifrigen Lehterinn, bie hier als 
Blinde ihren eigenen Weg wählen mußte, das Zeugniß der trefflich⸗ 
ben Lehrmethode gab. Sie ftard in Wien den 1, Februar 1824. 





Dardubig. — Parhamer. 155 


Ihre Werke find Pfeffel's Gedicht: Therefe von Paradis, ihr ſelbſt ge⸗ 
widmet, 1784 von ihr felbft componirt. Diefe Compoſition ift in des 
Freyherrn ©. v. Bibra Journal von und für Deutfhland, 3. Jahrg. ,. 
v. J. 1786 Ne. 8 aufgenommen. — Bier Clavier-Sonaten, Amiters 
dam 1778. — 12 Lieder, auf ihrer Reife in Muſik gefebt, Leipzig 
1786 mit ihrer Silhouette. — An meine entfernten Qieben, fürs Clavier, 
Leipzig 1786. — Bürger's Leonore, Wien 1790. — Deutſches Monus 
ment Ludwig’s des Unglüclichen, eine Zrauerbandlung von Riedinger, 
im Clavierauszug mit Gefang , Wien 1793. Nach öffentlichen Bes 
richten fol fie felbft einen zweyten Theil zu dem befannten Drama 
Ariadne auf Naxos nicht nur gedichter, fondern auch componirt baben 
(1791), deſſen erfte Aufführung man in Wien mit lingeduld erwartete. 

Pardubitz, böhm. Stadt und Hauptort einer Cameralherrſchaft 
gleihen Nahmens von 168 Ortſchaften, im Chrudimer Kreise, an der 
Mündung der Ehrudimka in die Elbe, mit 390 Häufern, 3,666 Ein» 
wobnern, einem Scloffe, einer Stiftlirhe, KHofpital, Hauptfchule, 
k. k. Militärs Befchäl» Departement und Geftüte für ganz Böhmen, 
Eifen» und Kupferbämmer, einer Papiermühle, Stadtgewerben und 
Feldbau. Das Cameralſchloß von penfionirten Officieren bewohnt (als 
Filial des Invalidenhaufes in Prag) ift gleich einer Veſte mit einem 
Malle und einer Ringmauer umgeben. | 

Parenzo, illyr. Stadt im Mitterburger Kreife mit 2,100 Eins 
wohnern, liegt auf einem Helfen am Meere, der durch eine ſchmale 
Erdenge mit dem felten Qande zufammenhängt, in einer nicht fehr ges 
funden Gegend. Es ift hier der @iß eines Bisthums mit Cathedralcapi⸗ 
tel. Die alte Domkirche hat viele marmorne Verzierungen und Säulen 
aus uralten Mofaiken, die im 10. oder zu Anfang des 11. Jahrhunderts: 
verfertigs ſeyn follen, und folglich die Moſaiken der St. Marcuskirche 
in Benedig an Alter übertreffen. Der Hafen ift ziemlich tief und ficher, 
und ber bier betriebene Schiffbau nicht unbedeutend. 

Darbamer, Jgn., Dr. der Philofophie, k. k. Rath, infulir 
ter! Propft zu Dro zo in der Erlauer Diöcefe in Ungarn , Vorſteher des 
Waifenhaufes in Wien, war geboren den 15. Juny 1715 zu Schwa⸗ 
nenftadtin Oberöfterreih. Er ftudirte die Humanioren und Philofophie 
an dem afademifhen Gymnafium zu Linz, trat 1734 zu Trencfin 
in Ungarn in den Sefuiten: Orden, lehrte dann durch 2 Jahre die 
Aumanioren zu Belgrad, fludirte zu Tyrnau Theologie, und - 
wurde dafelbft 1744 zum Priefter geweiht. 1745 hörte er zu Grätz 
die geiftlichen Rechte, und übernahm fodann die Stelle eines Catecheten 
im dortigen Seminar. 1746 ginger nah W ien, wurbe an der dafigen 
Univerfität zum Doctor der Philofophie promovirt, und übernahm 1747 
den Religionsunterricht in den Zrivialfhulen Wiens. 1754 wurde er 
Millionär der Wiener Diöcefe, und war dann bis 1756 Obervorfieher 
über alle Miffionen burh ganz Oſterreich, Ungarn. und Kärnthen. 
1758 wählte ihn Kaiſer Franz I. zu feinem Beihtvater, und im folgenden 
Sabre übernahm er die Obforge über das Waifenhaus, welchem er durch 
eine Reihe von Jahren mit größter Auszeichnung vorftand. Um dieſe 
Anftalt hat ſich P. bleibende Merdienfte gefihert. Währent (einer Dir 


156 Parientoo. — Parini. 


rectorates wurbe das Gebäude, damahls am Rennwege, bedeutend ver- 
ſchoͤnertz die Anftalt verdankt ihm beffere Ordnung, die Einführung 
vorsrefflicher Erziehungsanftalten und nahmbafte Vermehrung der Funz 
dationsgelder. Nach dem Tode des Kaifers Franz, wurde P. Beicht- 
vater bey der’ Erzhergoginn Elifaberh, 1775 wurde er zum & E, Rethe 
ernannt, 1777 erhielt er die PropfteyguDropo, Er ftarb, allgemein 
betrauert um 1780. Seine erwähnenswertheften Schriften find: Das from⸗ 
me Kind, Tyrnau 1744, 2. Aufl., ed, 1748. — Schulvegeln für At: 
teen, Kinder und Lehrer, Wien 1750, — Catechismus für die drey 
Schulen mit den gewöhnliden Gefängen, eb. 1758. Wurde auch ins 
ıprifhe, Ungarifhe und Boͤhmiſche überfegt. — Hiſtoriſcher Cater 
dis mus zc. mit Kupf. 1. Thl. 1750, 2. Thl. 1751, 3. Thi. 1752, 
2. Aufl. 1754. — Vollkommener Beriht von ber Beſchaffenheit des 
Waifenhaufes ıc. am Nennwege zu Wien sc,, Wien 1776. 
arientos, f. Gomez. ; + 
rini, Giufeppe, berühmter italienifher Dichter der neuern 
‚Zeit, war geboren 1729 in dem lombard. Dorfe Bufifio; er fludirte 
zu Mailand Philofophie und fhöne Literatur und widmete ſich darauf 
nad dem Willen feines Vaters, gegen feine Zuftimmung, der Theolor 
gie. Mit ungünftiger äußerer Cage und mit Eörperlichen Leiden kam⸗ 
pfend, arbeitete er dennoch unabläffig und hatte fi früh in der Dicht: 
kunſt verfucht. Seine Jugendverfuhe fanden allgemeinen Beyfall und 
verfhafften ihm die Aufnahme ald Mitglied der römifchen Akademie der 
Arkadier, welcher er unter dem Nahmen Dariolo Elidonio bey 
trat. Darauf erhielt er in den Bamilien Borromeo und Serbel- 
Toni Hofmeiftersftellen und wurde dadurch in die Cage geſetzt, feinen 
Lieblingsſtudien freyer folgen zu Eönnen. 1769 ernannte ihm ber öfter, 
Miniiter Firmian+zum Profeffor der [hönen Wiſſenſchaften an der pas 
latiniſchen Schule zu Mailand; nad Aufhebung: der Canobiana wurde 
P. Profeffor der Beredfamkeit am Gymnaſium der Brera, ſpaͤter ers 
bielt er noch die Profeffur der fhönen Künfte, Nach der Ankunft der 
Franzoſen in Italien und der Geſtaltung der cisalpinifhen Republik 
—— P. Mitglied der Municipalität in Mailand; die Rückkehr der 
fterreicher 1799 fette ihm jedod wieder außer Thätigkeit und er ſtarb 
den 15. Auguſt desf. Jahres. Als Dichter hatte P. jartes, inniges Ger 
fühl, Geſchmack und treffendes Urtheil, felbit den unbebeutenditen Ger 
genftänden wußte er poetifche Weihe zu geben. Seine vorzüglichiten, im 
Drude erfihienenen Werke find: Dialogo della lingua toscana, — 
U giarno, ein didaktiſch-ſatyriſch- dramatiſches Gedicht, fein Haupt: 
werk, worin er das Leben in Paldften und die Sitten der Großen fatys 
riſch darftellte. Won diefem Gedichte erfhien jedod nur „der Morgen“ 
1763, „der Mittag“ 1765, „der Abend“ und „die Nacht“ entwarf er 
war fpäter, allein fein Tod verhinderte deren Ausführung. — Ascanio 
in Alba, muſikaliſches Drama. Auch ſchrieb er mehrere dramatiſche Vers 
ſuche, Cantaten zc., viele Programme, Lehrplane und eine Mei 
ausgezeichnete Iprifche Gedichte. Seine gefammelten Werke erſchienen in 
6 Bänden, Mailand 1801—4 ; beifer in 2 Bden., ed. 1825. Bon fei- 





Pariz. — Partſch. 157 


nem Giorno gibt es eine Prachtausgabe im Bodon i'ſchen Geſchmacke, 
eb. bey Muſſi 1811. 

Pariz, Dapai, Dr. der Medicin, Profeſſor der Logik, Phbyſik 
und der griehifhen Sprade zu Nagy: Enyed, war geboren 1649 zu 
Dees in der Szolnoker Geſpanſchaft Siebenbürgens. Er hieß eigentlich 
Franz, fein Vater aber, da er aus Papa gebürtig war, erbielt den 
Bepnabmen Papai, der in der Folge der Zamilie blieb. P. ſtudirte am 
proteftant. Gymnaſium zu Maros⸗Gaſarbely, dann zu Nag v⸗ 
Enyed und befuchte fodann Leipzig und andere auswärtige Univerfis 
täten; zu Heidelberg erlangte er das Doctorat der Philofophie, zu 
Baſel jene der Medicin und erhielt auch den Titel eines Beyſitzers der 
dortigen medicin. Facultät. In feinem Vaterlande übernahm er 1675 
auf Antrag bes damahligen Fürften von Siebenbürgen Michael Apa⸗ 
fi zu Nagy- Enyed die Profeffuren der griedifchen Sprache, ber Phy⸗ 
fit und der Logik, melde er bis an feinen Tod, der den 10. Sept. 
1716 erfolgte, mit Auszeichnung bekleitete. P. war ein fehr gelehrter 
Mann, der lateinifhen , griechiſchen, hebräifhen und franzöfifhen 
Sprade Eundig, ein erfahrner und gefchickter Arzt und, aud als Dichter 
geſchätzt. Die von ihm im Drude erfhienenen Werke find: Pax animae, 
laufend. 1680. — Rudus redivivum, seu breves rerum ecclesia- 
sticarum Hungaricarum. et Transylvanıcarum commentarii, Pets 
mannftade 1684. Dasfelbe Werk, vermehrt und mit der Biographie 
des Verfaffers, Zürib 1723. — Ars heraldica, 1696. — Pax cor- 
poris, in mehreren Auflagen, Klaufenburg. — Dictionarium Latino- 
Hungaricum, Leutfhau 1708. Umgearbeitete Auflage durch Pet. 
Böod, eb. 1801. — Dictionarium Hungarico-Latinum, weldes er 
im Manufcripte hinterließ, erfhien im Drude, Iyrnau 1760. _ 

Pärfäny, ungar. Marktflecken im Graner Comitate, an ber 
Mündung der Gran in die Donau, mit 1,124 Einw. und einer Eathol. 
Kirche; berühmt wegen der Beſiegung der Türken durch die Eaiferlichen 
und polnifhen Truppen 1683. 

Den: Obligationen, f. Staats» Kotto «Anleben. _ 

artfch, Paul, Euftos der vereinigten k. k. Hof: Naturaliene 

Gabinete, geboren den 11. Juny 1791 zu Wien. Die 4 erften Schus 
len brachte er zu Wiener-Neuftadt als Frequentant der k. k. Milis 
tär⸗Akademie zu und trat dann in das Löwenburg’fhe Convict zu 
Wien, mo er bis zur Vollendung ber philoſophiſchen Studien blieb. 
Die juridifhen Studien machte er auf ber Wiener Univerfität, nebenbey 
Narurgefhichte, als Hülfswiſſenſchaft der Okonomie, cultivirend und 
begab fi) nad Beendigung derfelden, 1814, da er Öutsbefißer werben 
wollte, nad dem Stifte Göttweih, um Juſtiz und Okonomie prac⸗ 
tifh zu betreiben. Nach einem Jahre Aufenthalt dafelbft und von den 
Reizen der Naturgefichte immer mehr angezogen, machte er zu feiner 
weiteren Ausbildung, vorzüglich in der Mineralogie 1817 und 1818 eine. 
ſechzehnmonathliche Reife durd den größten Theil von Deutfchland, durch 
Sranfreih, England, Holland und die Schweiz. Ein längerer Aufents 
halt war den Lehranſtalten und willenfhaftlihen Sammlungen zu Freh⸗ 
berg in Sachſen, Paris und London gewidmet, Eine yaaryir ü 


1358 Parzized 


monathliche Reife machte er 1820 und 1821 nach Stalien. Sieifien zu 
befuchen hinderte ihn die während feines Aufenthaltes zu Neapel aus- 
gebrochene Revolution, Schon feit ein paar Jahren mehr der Geognofie 
bufdigend, hatte er auf einer in Gefellfchaft des verftorbenen Chemikers, 
Negierungsrathed Scholz, 1822 durd Ungarn unternommenen, vor 
züglich die Vergftädte beachtenden Reife Gelegenheit, feine Kenntniſſe in 
diefem Bache zu bereichern. Mad) längerer. Afpiranz wurde er 1824 als 
Sinfpector der mineralogiſchen Abtheilung in den E & Hof-Naturalienz 
Cabineten und 1835 als Cuftos der Cabinete fiberhaupt angeftellt, nad» 
dem er an dieſer Anftalt ſchon feit 1817 unentgelblich Dienfte geleiftet 
hatte. Nach dem Tode des Euftos Bremfer übernahm er nebit feinen 
Gefchäften am Mineralien» Cabinete 1827 die Abtheilungen der Molluse 
fen, Annulaten, Strahlthiere und Polppen am zoologifhen Mufenm. 
+ In dem Zeitraume von 1823—33 vollführte er nebftbem noch folgende 
Aufträge: 1) Die geogoftifhe Unterſuchung Ofterreichs unter ber Enns 
und beträdtlier Theile der angrängenden Laͤnder (etwa einen Flächen» 
raum von 1,200, O. M.) in Auftrag der nieberöfterr. Stände. — 2) 
Die geognoftifhe Unterfuhung Dalmatiens und die Erhebung des Des 
tonationg » Phänomens auf der Inſet Meleda, gemeinſchaftlich mit Pro⸗ 
feſſor Riepl, in Auftrag der £ £. vereinigten Hofkanzleh. — 3) Die 
geognoftifhe Unterfuhung Siebenburgens überhaupt und einiger Berge 
wertsbiftricte insbefondere, in Auftrag der k. E. allgemeinen Hofkammer, 
Die Nefultate des 2, Auftrages wurden von ihm dem Publicum in dem 
Werke: „Bericht über das Detonations» Phänomen auf der Inſel Dies 
Teda bey Nagufa“ mitgetheilt. Über das unter Nr. 1 aufgeführte ausges 
debnte Unternehmen, das noch ein paar Reifen 1835 nöthig machte, wird 
eine Generaldyarte, deren Stich bereits vollendet ift, von einer geognos 
ſtiſchen Skizze begleitet, dann ein Special: Atlas durch Colorirung ber 
Charren des } £. Generals Quartiermeifterftabes Necdenfchaft geben. Um 
die Ergebniffe von Nr. 3 bekannt zu machen, wäre noch eine zwehte Reife 
vwlünfhenswerth, um einige Lücken auszufüllen. Als Anfang jur 00% 
logiſchen Beſchreibung Oſterreichs wird bie Herausgabe einer vorweltlihen 
Sauna und Flora vorbereitet, wozu an Zeichnungen ſchon ein ftarkes 
Material bereit liegt. 1828 erfdien von P. eine Überſicht der neuen 
Aufftellung des k. E. Hof⸗ Mineralien: Cabinetes in Wien, welde ein 
Jahr früher unter Leitung des Profeifors Mobs nad) deffen naturhiſto— 
riſchem Mineralfpftem zu Grande kam; ferner 1831 eine kurze zoologie 
Ihe Schilderung des Wiener Bedens in einem von ihm in Gemeinfhaft 
mit 3 of. Brang Freyb. v. Jacquin herausgegebenen Werken, betitelt: 
„Die artejifchen Brunnen in und um Wien. i 
Parzizeck, Alerius Dinc., infülirter Prölat, Dr. der Phi— 
Infopbie und Theologie, Ehrendomberr und Conſiſtorialrath zu Leit⸗ 
meriß, Infpector der in Prag ftubirenden Theologen aus der Yeitmeris 
Ker Didcefe, Budweifer bifhöfl. Notar, Vorſteher und Director des 
Erziehungs: Infitutes bey &t. Johann dem Täufer, Mitglied der ober» 
Taufisifhen Geſellſchaft der Wiflenfchaften und Profeffor der Pädagogik 
und Cotechetik, wie aud Director an ber £ #. Prager Hauptfchule, er 
warb fi vorzüglie Verdienfte um bie Beförderung des verbeijerten 





U 


Pasqualati'e, Jof. Sreyb. v, Pflanzen-Cultur-AnpuAtr. 159 


Schulweſens und eines zmedmäßigen Unterrichtes in Böhmen und ben 
übrigen öſterr. Staaten und gehört daher unter die ausgezeichnetften 
Schulvorſtände in den kak. Staaten. Er wurde geboren zu Prag den 
10. Nov. 1748, vollendete allda feine Gymnafialftutien, trat fodann 
inden Dominicanerorden, 1765, und wurde 1771 zum Priefter ge: 
weibt. Anfangs witmete er fi) ganz dem Prebigeramte, aber nad Ein- 
führung der Normalfchulen fuchte er fi befonters die focratifche Lebrart 
eigen zu machen, und Fam bann zuerft als fuhflituirter Lehrer der Kal⸗ 
ligrapbie , Naturkunde und Geſchichte, hernach aber als ordentlicher 
Lehrer der Religion, Catechetik und Padagogik an die k. k. Prager 
Normals Hauptfepule und wurde 1783 als Director an bie zu Klattau 
in Böhmen errichtete deutſche Hauptſchule beförtert. 1790 kam er in ber 
näbmlichen Eigenfhaft nah Prag zurüd. 1708 wurte er zur k. k. 
Studien » Kofcommiffion nah Wien berufen, wo feine Ausarbeitung 
über das Schulweſen von bem E k. Staatsminiſter, Heinr. Grafen v. 
Rottenhann, mit Beyfall aufgenommen wurde. Auch wurden feine 
Verdienfte auf verjchiedene Art aufgezeichnet. 1816 erhielt er Inful und 
Kreuz tarfrey. Er beſchloß fein thätiges Leben den 15. April 1823. Nebft 
vielen Erbauungss und Sculſchriften fchrieb er: Gefchichte und Geos‘. 
grapbie Böhmens, Prag 1782. — Naturgefhichte Böhmens, eb. 1784. 
— Leitfaden der Vorlefungen über die Catechetik, mit der Paͤdagogik 
und Methodik verbunden, nebft einem Verzeichniſſe der brauchbarſten cas 
techetiſchen und pädagogifhen Bücher, zum Behufe der ſich für das Ca⸗ 
techetenamt an deutſchen Schulen bilderiden Xheologen, Prag 1816. — 
Beyträge verfhietenen Inhaltes in Wilfling’s Schulalmanach, N es 
gedIy’s böhmifhen Werkündiger, Pabſt's Volksfreund und andere 
Zeitſchriften in deutfcher ſowohl als bohmiſcher Sprache. 
Pasqualati's, Joſ. Freyh. v., Pflanzen: Cultur: Anftalt. 
Diefe' beftebe in den Gärten ber fregherrl. Pasqualati'ſchen Häufer 
Nr. 125, 126 und 169 in der Wiener Vorftade Roffau. Seit einiger 
Zeit hat diefe nunmehr fehr im Rufe ſtehende Anftale burd ihren eifrig 
wirkenden Befiter große Auftehnung gewonnen und bietbet Freunden 
der Blumiſtik wie der Pomologie reihe Auswahl der fhönften und edel⸗ 
ftien Blumen und Früchte im Laufe des ganzen Jahres bar. An der 
diefe Anftast leitenden Kanzley, gegenüber des fürftt. Liechtenſtein'— 
fhen Palaftes, werden fortwährend Beftellungen auf alle der Jahreszeit 
zufagenden Blumen nnd Früchte angenommen und ſowohl ſchnell als 
auch auf das befte effectuirt. Auch find zum augenblidlihen Ankaufe bie 
fhönften Eremplare von Hod-, Zwerg, Pyramid- und Trillage-Obſt⸗ 
baumen, Weinreben aller Gattungen, dann Bäumen und Eträucern 
für englifhe Oartenanlagen, wie aud Kalthauspflanzen vorräthig. Die 
Anzahl der zur Abgabe ſtets bereit ſtebenden Eremplare ift fo groß, daß 
man in den Etand gefeßt werten kann, kahle Mauern und Planten, 
wären fie auch von mehreren taufend Klaftern Länge, augenblicklid mit 
deckenden, im erften Jahre ſchon Früchte tragenden Bäumen zu befeken. 
— Unter den Bäumen, Eträucdern und Zierpflanzen für engliſche Gar: 
enanlagen zeichnen fich vorzüglich herrliche Pyramidpappeln von 6-30 
Buß, Zrauerefhen, vothe Alazien, Kleebaume, Hikkarweiisums , 


160 = Pasqauid. 


gelb und roth bfühende Kaftanien, Blutbuchen, Trauerbluthuchen, 
Stneeballenbäume zc. , dann hocftämmige Rofenbäume aller Größen, 
Georginen, Rhododendron, Camellien, fo wie Orangen und Limo- 
nienbäume aller Art aus. Auch ift hier die zur Cultur ſehr zärtliher Ge: 
waͤchſe unentbehrliche Heidefrauterde von vorzügliher Qualität, danıı 
Koblenerde, Eichenmoder jur Cultut ber Nhododendron, endlich Gar: 
tenmiftbetterde in großen und Heinen Parthien zu baben. Die Preife 
der fümmtlichen Artikel find verhaͤltnißmaͤßig billig geftelt. Won Zeit zu 
‚Zeit werden die eben vorräthigen Artikel in dem Intelligenzblatte der 
Wiener Zeitung angezeigt; vom November 1835 angefangen, werden 
aud) fenarirte Cataloge über die in der Anftalt cultivirten Apfels, Birs 
nen =, Kirfhenz, Weichfeln« 1c,, fo wie Über die Pfirfich:,. Aprikofen uud 
Weinfpecies, dann Nofen und Georginen in der Kanzlep ausgegeben: 
Vor einigen Sabren wurden alle jungen Bäume verfhiedener Obftarten 
dur aus dem füdlichen Frankreich verfipriebene Zweige veredelt, welche 
nunmehr bereits reichliche Früchte von befonberer Worzliglichkeit tragen. 
Auch werben in biefer Anftalt grüne Steinfrüdte vor der Bildung ihres 
harten Kerns zum Einfieden in Zuder, ju melden Zwecke ſie ih diefem 
Zuffande allein geeignet find, alljährlich in der Statt findenden Periode 
5 befonders Billig beftimmten Preifen abgegeben. So wurde j; B. im 
ömmer 1835 eine Quantität von bepläufg 40,000 Stücken Aprikofen 
zu biefem Zwecke ausgebotber und verkauft. Mit Beftellungen, Aufträ— 
gen und Anfragen kann man ſich perfönlich oder mittelft frankirter Bri 
an die Anftalt wenden, die ſich auch aus Achtung gegen ihre ausgebri 
ten Verbindungen zur Annahıne anderer Commiffions + Aufträge bereit 
erklärte, in fo ferne diefe zu ihrem Wirkungskreiſe gehören; 
Pasquid), Job., berühmter Mathematiker, wurde 1759 zu 
Wien geboren. Zuerft ward er Magifter der Philoſophie und ordenil. 
Profeifor der Mathematik auf der Univerfität zu Peith, 1797 aber 
auf fein Anſuchen diefer Profeffur enthoben, 1813 als zwehter Aftronom 
ber Univerfitäts- Sternwarte zu Perth ernannt, und zulegt zum Director 
der Sternwarte zu Ofen befördert, Er ftarb den 15. Dec. 1829 zu 
Wien, Als Schriftfteller har er fich durch folgende Werke rühmlich bes 
Eannt gemadt: Compendiaria euthymetriae institutio, Galjburg 
1782, — Mechaniſche Abhandlung von der Statik und Mechanik der 
feiten Körper; aus dem Lateinifcpen durch I. Hörvath, Pelth 1785. — 
Verſuch eines Beptrags zur allgemeinen Theorie von der Bewegung und 
vortheilhafteften Einrichtung der Mafchinen , mit 2 Kupf:, Leipzig 
1789, — Unterricht in ber mathematifhen Analyſis und Maſchinenleh- 
te, 2 Bbe., eb. 1790—91.— Elementa analyseos et geometria& 
sublimioris, ex evidentissimis notionibus principiisque deducta ; 
eb. 1799. — Rechenſchaft von meinen Vorfhlägen zur Beförderung ber 
Atronomie auf der Eönigl, Univerfitäts- Sternwarte in Ofen, Ofen 
1808. — Epitome elementorum ästronomiae sphaerico-calcula= 
toriae, Mien 1810. — Anfangsgründe ber gefammten theoret. Matbes 
matie, 2 Bde., ed. 1813. — Viele Auffäge in Bernouillis Ma: 


gezin, in Zach's Correfpondenz 2; 





Daflarowiger Stiede. — Paffini. 161 . 


Daflarowiger Sriede, f. Sriedensfchlüffe. 

Daffeyr, torol. Schloß, Pfarrdorf und Herrfchaft, welde 25 
Drifhaften mit 3,670 Einwohnern umfaßt, amgleihnahmigen, unweit 
Meran in die Erf fallenden Bergftrom. Ä 

Daffini, Job., ausgezeichneter Kupferſtecher, ift geboren 1798 
zu Wien, mo er aud feinen eriten Unterricht im Zeichnen durch den 
verdienftvollen Director Caucig und fpäter in der Akademie der bilden« 
den Künite erbielt. In allen Zweigen der Kupferfleherkunft wurde P. 
von dem Antiken⸗Cabinets-⸗Kupferſtecher Joh. Georg Mannsfeld 
unterrichtet, wie auch P.'s Freund, der durch feine große Geſchicklichkeit 
mit der Radirnadel wie durch fein tragifches Ende allgemein bekannte 
Künftler Erhart vielen Einfluß auf deifen Bildung nahm. Unter fo 
guter Leitung machte P. bald die erfreulichften Fortſchritte, und begann 
nun, auch für fich allein zu arbeiten. - eine Producte wurden: durch bie 
Sediegenheit der Behandlung , durch richtige -Auffaffung und -treus 
Wiedergabe der Originale, befonderd im Porträtsfache, fehr gefhäßt, 
und er erhielt viele Beftellungen. Gegenwärtig ift P. zu den vorzüg« 
lichſten vaterländifhen Künftlern im Fache des Grabſtichels zu zählen. 
Unter der fehr großen Anzahl feiner Leiftungen find vorzüglich anzuführen: 
6 radirte Blätter: Hundeköpfe nah Hamilton, 3 ebenfalls radirte 
Blaster zu Fürſt Lichno wsky's Werbe: Denkmahle altdeutfher Baus 
Zunft, u. a. Seine bedeutenderen, gleichſam einer zweyten Periode ans 
gehörigen Werke find die Porträts Carl V. nah Tizian; des Con⸗ 
ſiſtorialraths Glatz nach Rieder; E. T. W. Hoffmann's nah Hen- 
ſel; Friedr. Kind's nach Daffinger; Franz Schubert’s nad 
Nieder; Johanna's von Arragonien, Hammer's u. A.; mehrere 
Porträts in das Taſchenbuch Veſta, großes Porträt Franz Ritters 
v. Gerſtneru. a. m. Dann mehrere Blätter nach verſchiedenen Mei⸗ 
ſtern aus der £, &. Gemäldegallerie für das Haasfche Galleriewerk nad 
Perger's Zeihnungen. Auch verfertigte P. mehrere fhöne Blätter für 
dad Zubinger Taſchenbuch von 1820, zu Pezzus Skizze von Wien, 
Tſchiſchka's Beſchreibung der Stephanskirche; 7 Eleine Landſchaften nach 
PH. Reinhold und Znah Thom. Ender, dann bad Blatt: Der 
Engel, dem Kinde bethen iehrend, nah Kadlik. Noch müſſen lobend 
erwähnt werden feine für das Taſchenbuch Cornelia und für das Taſchenbuch 
Veſta nad) Original: Gemälden von Fendi, Rieder, Waldmüller, 
Sriedr. Gauermann u. A. gearbeiteten Blätter, mehrere Ideale 
und Porträts nah Joh. Ender, die Kreuziragung Ehrifti nad 
Zintoretto, 15 Landfhaften aus Polen nah Handzeichnungen, 
4 große Landjchaften aus Brafilien nah Thom. Ender, endlich einis 
ge Scenen aus Schillerfhen Gedichten nah Fendi, mworunter be 
fonders das große Blatt: Rudolph v. Habsburg mit dem Prieſter 
auszuzeichnen ift. Gegenwärtig ift P. mit:der Ausführung eines fehr 
großen Blattes nach einem Aquarellgemälde von Fendi, die Eaiferliche 
Familie, in dem Stande, wie fie fih 1834 unter Kaifer Franz bes 
fand, mis 37 Porsrars in ganzer Figur befchäftige, welche Leiftung , 
der äußerfi ſchwierigen Ausführung wegen, und da bis jeht noch Fein 

Oefterr. Rat. Encpfl. 92. IV. I —R 


162 Paſſy / Ant. — Paffy, Chriſtoph v. 


Bamifiengemälbe biefer Größe iu manier geftochen erſchien, bie 
größte Aufmerkfamkeit und ehrende Anerl ng verdient, r 
+ Pafly, Ant, Mitglied der Eongregation der Redemptoriften, ift 
geboren zu Bien den 31. März 1788. Seine Studien vollendete er an 
der Wiener Univerfität mit Auszeichnung, und tat'1809 in das — 
Seminar zu St. Pölten, jedoch ſchon 1810, feiner ſchwaͤchlichen Ge⸗- 
ſundheit wegen, wieder aus ben, und erhielt eine Erzieherſtelle 


Kine Giblngnfapten: Khrtagp beoners moftfge ar Mereihenege, 
ient inbers myſtiſche und Moraltheolo, 

dann Pi Geſchichte und. Pädagogik eifrig fortfegte. Spiter lee 
5 an ‚even, damahls in Wien: beliebten acereditirten Erziehungs» 


—— rer,und wurde 1813 als Lehrer des en Sohne 
des Örafen:v. —— Oberſthofmeiſters des Er; na arl, Sr 
ſtellt/ welches Amt er bis 1816- mit Geift und Geſchick verwaltete. Auch 
- hielter in manchen angefehenen Haͤuſern mit Erfolg Privatvorfefungen Über 
— Won LEI7 an, war bey dem Grafen$ran ae 
henyi ‚Bibliothekar und-Lestor, und trat. mach defen ‚ode 1820 for 
gleich in bie Eongtegation der. Redemptoriften, wo er fich noch gegenwäi 
befindet, und ſich fowwohlburch feine Predigten, wie auch durch feine zaplrei- 
chen Schriften, theolog., hiftor., diograph. und aſcetiſchen Inhaltes allges 
mein bekannt notre feine Canzone: Meifterlofigkeit, worin er dem 
Liberalismus der ‚Zeit poetiſch Fehde biethet, erhielt er vom Papft Gres 
go X VI. ein fehr werthvalles®efchent. Seine vorzüglichſten Sqhriften find: 
Glaube, Hoffnung und kiebe, Iyrifch + epifhe Dichtung, mit einem einteitens 
dem, Gedichte von Friebr: v. Schlegel, Wien 1821.— Andacht für Katho⸗ 
lien, Perth 1821. — Was ift nach verrichteter Generalbeicht zu thin, Wien 
1827. — Memorabilien der Ewigkeit, eb. 1828. — Kathol. Troftbuch, eb. 
1829. — Dactyfiothekvon Auguftus bis Auguſtulus, eb. 1829, — Die Or» 
geltöne, eine Sammlung geiitl. Lieder, eb. 1830. — Denkwürbigkeiten 
der Herzoginn Maria-Jofenha von St. Elias. Ausdem Ital., e6. 1830. — 
Der heiligfte Exlöfer, ein Vorbild geiftiger Vollkonmenpeit. Lefe- und Ge⸗ 
berhbuch für Jungfrauen, Augsb. 1831. — Orgelwiederhall, Bonn 1832. 
Marianiſcher Onadenhimmel, Augsb. 1834. —Meifterlofigkeit, Canzo⸗ 
ne, Reipz. 1834.—Ofliciareligionis ete.Augsb. 1835.— Tod und Ai 
ftehung, Canzone, eb. 1835. — Die ftreitende Kirche in Kampf und Leiden. 
Noch ſchrieb P. mehrere geiftl, Biographien, Dichtungen, afcetifhe Schrif- 
ten, Geberhbliher, einzelne Andahtsübungen und fonftige Miscellanea, 
auch ‚mehrere Uberfeßungen von Werken Ciguorfs ıc., bann Tieferte ev 
Bepträge zu den Ohlzweigen, den Briedensblättern, dem Sonntagsblätte 
für. die Jugend, den vaterländifchen Blättern und zu mehreren theotog. 
und pädagog. Zeitferiften. Einige feiner Werke wurden auch ins Bran- 
zoͤſiſche, Italieniſche und Polniſche überfebt. Ar 
Pafly, Chriſtoph v./ Dr. der Rechte und penf. k. k. venetian. 
Gubernialvath, ift;geboren zu Breffano.in Südthrol den 17. Nov. 
1763 ,. fiubirte zu Briren und Paffau, wiederholte einen Theil der 
böhern Studien zu feiner größern Vervolfommnung in Trient, und 
trat dann in die jurid. Curfe an ber Univerfität in Wien wo er 
die politifcen Wiſſenſchaften unter Sonnenfels hörte, der ihn dur 
ee, e 





"Pafta. = Patach ich 0.0168 


5 Jahre als Bldcus (Aſſiſtent bey feiner Lehrkangel) behielt. Din 
decret vom 13. — an die Pro — —— 
ten am demahligen Lyceum in OIm it zu Tpeif. 1789 machte er feine 
en für den Doctorgrad der Rechte, und wurde ſonach promovirt, 
1797 übernahm er audh noch die Lehrkanzel des Kirchenrechtes Im Okt. 
1815 wurde P. zum Gubernialrath in Weriebig beförbert, umdtras 
1828 nad 40jährigen Dienften in den Nuheftand, in welchem er zu 
Wien: lebt. Er hat fich durch feine Charte von Mähren und terre: 
Sflefien (f. den Art. Charten) ein vorzügliches Verdienft erworben, 
ihm überhaupt bie Statiſtik don Mähren die erfte, aus einem wiffene 
aftlichen Geflchtspuncte aufgefaßte, Darftellung verdankt, welche jedoch 
außer den Vorlefungen, in ihrer ausführlichen Ausarbeitung (von 1797) 
aux ber Candesftelle zum ämtlihen Gebraud diente, und nicht gedruckt - 


Paſta, Giuditta, k. k. Kammerſaͤngerinn, eine der ausgezei 
a Sängerinnen der Heieen "Belt, iſt ae ron 
Como in der Combarbie, erhielt ihre erfte Bildung im Confervatorium 
Mailand, trat zuerſt auf Theatern — Ranges in Ober⸗Italien 
auf; und fang mitBepfall, jedoch erft / während bes Congreſſes zu 
Werona, begann fie dafelbft durch ihr aͤußerſt klangvolles und umfang» 
Drgan, und ihren declamatoriſchen — Aufſehen zu machen, 

und von nun an mehrte ſich ihr Ruf von Tag zu Tag, der baid zum eus 


wopäifpen wurde. 1823 ging fie, einem Rufe folgend, nad) Paris, wo 
5 ‚gleich bey allen Hörern das größte Erftaunen erregte, doc) widmete 


noch immer dem ftrengiten Studium, wodurch fie auch jene äußere 
Bol (heit erlangte, welche ſie unſtreitig zur größten jeßt lebenden 
Darftellerinn der ital. + tragiſchen Oper macht. 1826 trat fie im Kärnthner 
thortheater zu Wien mehrmahls mit enthuflaftifchem Bepfalle auf, ihre 
hohe Kunftbilbung und feltenen Eigenſchaften erwarben ihr die ſchmeichel- 
bafte Auszeichnung des Titels einer k. E. Kammerfängerinn. Spoͤter ging 
fie, nachdem fie Italien befucht, und an mehreren Orten Corbeeren. ges 
ernter hatte, wieder nad Paris, wo fie mit newer Begeifterung empfane - 
wurde, Gegenwärtig lebt fie in Mailand. Die Rollen, in welchen 
as dem größten Erfolge auftrat, find: Desdemona im Othello, Ges 
miramideinRoffini's Oper gleihen Nahmens, Medea, Nina, Amenaide 
im Tancreb, und endlich befonders"Giulia in Zingarellrs Romeo. 
Patachich v. Zajezda , Adam Freyh., Erzbifhof von Color 
a, geb. den 18. Febr. 1717 auf dem nahe bey Eariftadt gelegenen 
lienfploffe, Dichter Und großer Mäcen der Künſte und Wiſſenſchaf- 
ten, Gräß und Wien waren die Orte, wo er feine philoſophiſche Bil- 
| erhielt; in Rom fludirte er Theologie mit fo ausgezeichnetem 
daß ihm einftimmig die Doctormürde nach einer öffentlichen 
ing mehrerer theofogifher Säge zuerkannt wurde. on 
1739 warb er im bie Dichter» Gefellfpaft der Arkabier aufgenommen, 
und mit dem befonderen Nahmen Sirasius Acrotopherius beehrt. In 
fein Vaterland zurückgekehrt, flieg er von Würde zu Würde, Er ftarb 
den 19. July 1784, nachdem er für die —— und Beförderung 
ber moral. und literar. Bildung tafilos gewirkt hatte-- N F 





vw 


161 Patriot. Runfift.. Gef: — Patr.-6E Gef. in Böbmen. 


ee ag en Geſellſchaft, in Prag, trat, 
der | il de des dA de 
Re 


‚dem, 
eben, für die Erhaltung und Verbreitung bildender Kunft bepe 
. Die Mitglieder. diefes lobentwerthe ins 6 A 
Me um Sitten bank, Ba te Die Sunffoäte: ber Malern 
welche fie eigentpih te Iten. Locale ver: 


Tich für die durch Beyträge der Theilnehmer eingegangenen Geldfummen, 
‚newerrichtete. Gallerie der. Gefellfaft einzufaufen,, 

Beide weumehein 19 @ale unb Almmetn anfanfahk I. De arökee 
— it und verſchie· 


ver 4% Bern Eine heil, Familie won , © lomeo« 
Ane khr köhne Shanonne van € Deier: ER — 9— ey Ma; 
rat tiz eine Mado [7 


mehrere fhägbere | ‚von 
racci, Bandpk, Laireffe, Luini, Mubens, Shaldenp 
Sereta ac. Eine 2. Heinere Abtdeilung, aus einem Saal und Zü 
beſtehend, enthält Werke noch lebender oder kürzlich verftorbener Sünfte 
Ten, worunterStüde von Caucig, Büger,. Graff, Ilablik 
Paper, Schödlberger, Aldegrever ı. Ferner eine große, 
Sammlung byjantinifgper Gemälde, viele alte höhm, Gemälde vor Erfinz 
dung der Ohlmalerey und ein ausgezeichnetes Basrelief,. ein Chriftuskopf 
von Ferucci. Noch ift die Errichtung der Prager Zeichnen: und Malers 
Akademie eine Frucht des Wirkens diefer Eunftfördernden Geſellſchaft. Sie 
begteden Wunſch, ihr Wirken über die Entwicklung und Ausbildung jugend= 
—— — — een der ausgebildeten Künftler 
nügendausjubehnen. Es ergal die Überzeugung, ‚daß diefer Wunſ 
‚am beſten durch eine zahlreiche Subſceiptlon anf Actien von — 
zum Ankaufe von Kunſtarbeiten vaterlaͤndiſcher Künſtler zu erzielen wäre, 
Der jedes gemeinnittzige Streben unterſtützende ———— Carl 
Graf Chorek ſtellte ſich auch hier an die Spitze. Die Actien, jede zu 
5 Gulden C. M., werden durch die Gefelfhaftsmirglieter, durd die 
Küinftler Böhmens felbft, durch Kunft: und Buchhandlungen ausgeges 
ben. Insbeſondere kann ſich dieffalls an das Ausfhußmitglied (zugleich 
Referent der Geſellſchaft) Joh. Ritter v. Rittersberg (f.d.) gewendet 


Patriotiſch · oͤonomiſche Gefellfehaft im Rönigreiche 

* Böhmen; zu Prag, entſtand unter Maria Therefiens Regierung 
1769’ unter dem Nahmen einer Geſellſchaft des Aderbaues und der freyen 
Kuͤnſte, und richtete zuerft ihr Augenmerk aufdie Verbeſſerung des Flache⸗ 
baues , der Bienenzucht und.der Weredlung der Schafheerden. Schon 
1770 wurde der Plan zu einer landwirthſchaftiichen Schulanftalt entwor- 
fen, Preisaufgaben wurden ausgefhrieben, Prämien ausgetheilt ac 
Die Wirkſamkeit diefes Vereins zeigte ſich bald in allen Rädern auf das 
weprthätigite, beſonders aber in der Obftbaumzucht, fo, dafı (den 1785 


Patſch. — Paulih. 1 


nabe an 40,000 Metzen Obſt ind Ausland geführt wurden. 1789 erhieu 
die Geſellſchaft dur Kaifer Joſeph IL. einen .erweiternden Wirkungs« 
Preis und eine neue Organifation unter ber jegigen Benennung. Die an 
der Prager Univerfigäs errichtete Profeifur. der Landwirthſchaft wurde mit 
ihr in Verbindung gefegt, mehrere Profefloren derfelden zu Mitgliedern 
ernannt, die Zadl der wirklichen und correfpondirenden Mitglieder vers 
mehrt und jedem Wirıhichaftsbeamten zur unerläßlichen Bedingung ges 
macht, von dem Profeffor der Okonomie und 2 Mitgliedern der Gefells 
Schaft geprüft zu werden. 1819 entſtand ein pomologiſcher Verein, wels 
her ebenfalls mit diefer Gefellfchaft vereinigt wurde. Verbeſſerung der 
Wolle, Seidenzudt, Flachsbau, eine Prämienfliftung für die verdien« 
teilten Studirenden der Landwirthfchaft, überhaupt Erhöhung der Aders 
cultur und Verbeſſerung aller landwirthſchaftlichen Gegenſtände beſchäf⸗ 
tigen die Geſellſchaft fortwährend , welche ihr. wohlthaͤtiges Streben mis 
feſtam Sinne verfolgt, Der gegenwärtige Staͤnd der Geſellſchaft ift, un: 
ter einem Präfidenten (gegenwärtig der rühmlich bekannte Graf Caſp. 
v. Sternberg), 14 Ehren, 44 wirkliche und 87 correfpondirende 
Mitglieder, dann ein Secretär (Wirthſchaftsrath M. Seidl). Die 
Geſellſchaft gibt dermahlen ihre Schriften unter. dem Titel: Neue Schrife 
ten der k. £. patriot. » öfonom. Gefellfchaft im Königreihe Böhmen, hers 
aus. Jeder Band beftebt aus 2 Heften. Der 3. Band und des 4. Bandes 
1. Heft erfhienen zu Prag 1834. 

Patſch, tyroi. Dorf bey Innshruck im Kreife Unterinnthal und 
Wippthal, wo der Patſcherkofel ſich erhebt, ein. wegen feiner herrlichen 
Ausficht in das Ober: undlinterinnthal und in das Thal Stubay berühm⸗ 
ter. Derg. 

Datvärie, von dem magyarifhen Worte Patvär) (Proceß, Rechts⸗ 
bandel), heißt in Ungarn das juridifch » practifche Inſtitut der Advoca⸗ 
ten, wenn naͤhmlich die Rechtscandidaten bey.einem Rechtsgelehrten (Ad⸗ 


ppcaten) die juridifhe Praris nehmen. Solche Rechtscandidaten nennt. 


man in Ungarn Patvariften, | 

Daul, St., illyr. Marktflecken im Klagenfurter Kreiſe Karn— 
tbens, im Lavantthale, nahe an der Mündung der Granitz indie avant, 
bat .eine alte Benedictinerabtey durch. Benedictiner aus St. Blafien, 
die 1806 einwanderten, neu befeßt, mit einer theologifhen und philo⸗ 
ſophiſchen Haustehranftalt ; die Lehritellen am dortigen öffentlihen Gym⸗ 
naſium werden auch von den Benedictinern verfehen. In der merkwürs 
digen Gruft befinden ſich die Leichname der ältern Habsburger, welce 
1807 aus St. Blafien im Schwarzwalde hieher gebracht worden 
find, und nun in einem Gemwplbe unter dem Hochaltare ber gothiſchen 
Stifts kirche ruhen. 

Paulich, Franz v., k. k. Hoffriegsrath, Feldmarſchall⸗Lieute⸗ 
nant und Eliſabeth · Ordens⸗Ritter, geb. 1728. Er begann feine Laufbahn 
1750.bey dem Larlitädter Oguliner-Regimente ald Syndicus, trat bey 
Ausdruch des ſiebenjähr. Krieges 1756 als Oberlieutenantin die Linie über, 
wurde während dieſes Krieges 1759 zum Hauptmanne, ſodann 1762 
zum Major und Flügeladjutanten bey dem Feldmarfhall Loudon 
ernannt, 1767 dem Carlftädter: Syluiner.Regimente ald Maior zuge 


166 Paulinus a S. Bartholomaeo; 


theift, 1773 bey dem naͤhmlichen Regimente zum Oberſtlieutenant 
und 1778 zum ei und Brigadier, 1793 aber zum Beldnrars 
ſchall· Lieutenant befördert, und 1799 zum Hofkriegsrath ernannt. Er 
J— einer 50jäpr, rühmlichen Dienſtleiſtung am 9. Oct. 1800 
ien. ao n ’ 
Paulinus aS.Bartholomaeo, (Job. Philipp Weszbin) 
wurde am 25. April 1748 zu Hof ander Leitha in Miederöfterreich ger 
boren. Seine Ältern waren von deutſch⸗croatiſcher Abkunft und ließen 
den mit vorzüglichen Anlagen begabten Sohn feiner Neigung zum 
Studiren folgen. Er trat in die Iateinifhen Schulen zu Obenburg, 
Tegte fich dort bie ungariſchen Candesfprachen, die late iniſche, magyaris 
fü und flavifche bey und entwicelte ſchon in frühefter Jugend jenes 
bewunderungswürbige Talent, womit er ſich ſpater nicht nur das Ita ⸗ 
lieniſche, Portugiefifhe, Frauzöſiſche und Englifhe, fondern aud die 
verfepiedenen Diafecte der neuern indiſchen Sprache, fo ivie bes Sands 
krits mit ber größten Leichtigkeit und keit aneignete. — In feinem 
20. Jahre trat er 1768 in den Orden der undeſchuhten 
* ser zu Lin z und erhielt feinen berühmten Ordensnahmen. In dem Car- 
mefiterEfofter zu Prag legte er die philof. und theol. Studien ne 
Mac erhaltener Priefterweihe traf ihn die Beftimmung fi als Miffior 
när verwenden zu laſſen. So kam er in die Planzfepule von Miffionen 
feines Ordens nah Rom und erlernte dafelbft die orientalifhen Spras 
hen. 1774 trat er feine Miffiongreife nach Oftindien an. Er harteganz 
Stalien, Portugal, Frankreich und, England durchwandert, ehe er am 
25. July 1776 auf der Küfte von Malabar landete. In den erften 2 
Jahren feines Mifionsgefchäftes befehrre er 46 Perfonen zur Eatholis 
fipen Religion, in der Folge aber mehr als 300. Am Sole von Tras 
dancor ‚bradte P. auf Begehren des Königs, welder die engliz 
Ihe Sprade erlernt hatte, eine malabariſch-engliſch⸗ portug ieſiſche Gram ⸗ 
matik zu Stande. Der König ließ feine Hofleute zu ſich kommen und 
fuchte fie von der Nothwerldigkeit zu überjeugen, daß fowohl Fürften 
als Staatsdiener fi jene europäifhen Sprachen, welde diefe Grams 
matiE enthielte, wegen des teten Verkehrs mit den Europäern eigen 
machen follten. Bey diefer Gelegenheit ſchenkte der König dem gelehrten 
P. ein goldenes Armband, "einen goldenen Griffel, womit man in Ins‘ 
dien auf Palmblätter ſchreibt, und ein eines Meſſerchen, womit diefe 
Blätter gehörig zugeſchnitten werden, nebſt einem Patente, wodurd er 
um Hofcavalier ernannt wurde, und die mit biefer Auszeichnung vers 
RA Vorzüge und Privilegien erhielt. Die Verdienfte um die Muss 
breitung bes Chriftenthums in Oftindien erwarben ihm den Titel eines 
Generalvicars und apoftolifhen Viſitators. Als folder ertheilte er auf 
der Küfte von’ Malabar 1780 und 1781 über 20,000 Menfhen die 
Firmung, 1789 kehrte er nad) Europa zurück und lief auf einer frangds 
ſiſchen Fregatte am 29. Sept. in den Hafen zu Breft ein. Er hatte 
diefe Bahrr von 6 Monatpen auf Koften Qudwig's XVI. mitgemacht, 
und begab fich durch Frankreich, das ſchon in den Flammen der Revolus 
tion ſtand, nicht ohne Gefahr nah Nom. Als die frangöfifche Umwälz 
Jung auch Rom nicht verfgonte, und ihre Folgen auf die Eirchlichen 


.. "Deauluceecetk 167 


Snflisutionen erftredte, kehrte P. nach feinem: Vaterlande zuräd. Er 
lebte einige Jahre im Sonvent der unbefchubten Garmeliter in der Leo» 
polbfladt zu Wien, verweilte einige Zeit ald Bibliothekar zu Padua 
und begab fic) endlich wieder nah Nom, da bier allein die typographis 
fhen Hülfsmittel vorhanden waren, um feine Werke über den Sanskrit 
drucen zu laffen. Papft Pius VII ernannte P. zum Syndicus der 
srientalifhen Mifftonen und zum Studienpräfecten im Collegium der 
Propaganda. Er ftarb im Convent zu Sta. Maria della Scala in 
Rom, am 7. Jänner 1806. Seine gelehrten Kenntniffe hatten ihm 
einen in ganz Europa angefehenen Nahmen verfhafft. Er war Mitglied 


des franzöfifhen Inftitutd und der Akademie der Willenfchaften zn Nea: 


pel, Veletri und Padua. Seine gelehrten Werke find folgende: 
Sidharubam seu grammatica samscerdamica, cui accedit disser- 
tatio historico-critica in linguam samscrdamicam, Rom 1790. — 
Systema brabmanicum liturgicum , mythologicum et civile, ex 
monumentis indicis musei Borgiani, dissertationibus historicis 
et criticis illustratum, m. K. ebend. 1791. — Centum adagia ma- 
labrica, cum textu originali et versione latina nunc primum in 
lucem edita. eb. 1791. — Examen historico-criticum codicum 
indicorum bibliothecae S. Congregationis de propagandaFide, 
es. 1792. — Musei Borgiani codices manuscripti Avenses, Pe- 
guani, Siamici etc. animadversionibus illustrati. Accedunt monu- 
menta et cosmogonia indico-thibetana., eb. 1793. — Scitismo sui- 
luppato sui monumenti indici del museo Borgiano. eb. 1793. — 
India oricatalis christiana, m. Kupf. und einer Charte. eb. 1794. — 
De veteribus Indis dissertatio. eb. 1795. — Viaggio alle Indie 
orientali, mit 12. &. eb. 1796. Branzöfifh von Anquetil Duper 
ron, J. Reinh. Forſt er und Sylv. de Sacy, 3Bde. m. Atl. Paris. 
1808. — De antiquitate et affınitate linguae Zendicae Samscrda- 
micae et germanicae dissertatio. Padua. 17098. — Amarasinha 
seu dictionarii samscrdamici sectio prima, cum interpretatione 
latina. Rom 1798. — Musaei caes. Vindob. nummi zodiacales 
animadversionibus illustrati. ®ien. 1799. (In dieter Schrift bes 
richtigt P. Taverniers Irrthümer über die Zodiacalmünzen von 
Diiban»Guir) — J„Jornandis vindicae Hunnorum. 
Rom. 1800. — De latini sermonis origine et cum orientalibus 
linguis connexione dissertatio. eb. 1802. — De basilica $. Pan- 
cratii, eb. 1803. — Vyacarana seulocupletissima samscrdamicae 
linguae institutio. ed. 1804. - | 

Paulucci, Philipp Marcheſe, ausgezeichneter Feldherr und 
Staatsbeamter, ift geboren 1799 zu Modena aus alter berühmter 
Familie; von frühefter Jugend an widmete er fi) den Waffen und trat 
anfangs in piemontejifche, dann in öfterreichifche Kriegsdienfte. Er wirkte 
thätigft bey der Landesverwaltung in Dalmatien, 1804 wurde er Gene⸗ 
ral⸗Lieutenant im Dienfte des Königreiches Italien und madıte 1805 
den Feldzug unter General Molitor mit. 1800 nahm er jedoch ſchon 
feinen Abſchied, trat 1807 als Oberſt in ruſſiſche Dienfte, wo er fi bey 
mehreren Gelegenheiten ſehr auszeichnete, 1808 Generalmajor , 1809 


18 Pavia (Delegation). — Paviai(Stadt). 


— — und 1811 Befehls: 
ve bei eorgien ım Civilgouverneur 
von Lief: und Curland ch Eiktans, zeichnete ſich 


Ba gen aut, ee wirkte er j. B. wefent- 
— inſchaft. 1829 legte er Kine, Stellen 
a Ei Dberbefehlsp a der tr in ſardiniſche Dienfte, 
reſignirte er er und begab jich-in den Ruheſtand. 
an Delegation in der Lombardie, mit einem Flä: 

von „> D.M., auf weichem 1 Stadt, 8 Marktfleden und 183 Dörfer 
mit 143,000 Einw. ‚gezählt, werden.“ Die Provinz wird in 8 Diftricte 
oder op ‚Gemeinden eingetheilt und von den Flüffen Po, Ticino, Lam 
Er und Dlona bewaͤſſert. Die Einwohner. befcpäftigen ſich mit Seiden · 
—— eino der — Viehzubt, Sonftige Product 
realen, Mais, Reis, Obſt, Melonen, Wein. mw 
lombardiſche Stadt und Hauptort der gleihnahmigen De: 
= y ben Alten erſt Ticinum, ‚dann. ‚Papia genannt, einft 
Refiben; der longobardiſchen Könige. Der letzte derſelben, Defider 
rius, wurde 774 von Earl dem —— dier gefangen genommen 
und dem lombardiſchen Reich dadurch ein Ende gemacht. P., jetzt der 
Sig eines Bisthums mit Cathedralcapitel, ber Provinzial-Eongregation, 
eines Juftigteibunals 2c, , liegt. am Ticino, Über den hier eine. prächtige 

Brucke ‚gebaut von —— Viscont i, erſtem Herzog von 
Mailand, führt, in einer ‚fruchtbaren mit mehreren ‚Canälen durch 
ſchnittenen Niederung, hauptsächlich init Neis bebaut, der einen Haupt⸗ 
gegenftand des hiefigen Handels ausmacht. P. iſt mit, alten Mauern 
umgeben, alterthiumich gebaut, bat ein halbverfallenes Caftell und rd 

jest nur 24,000 Einw, in 1,760- Käufern, früher hat es wohl das 
pelte gefaßt, Noch ſieht man mehrere der feſten Tplirme, von denen ® 
einft ben Nahmen Cittä delle cento torri-erhielt, fo wie in einer Mer 
benitraße der Platz geieigt wird, wo ber im 11. Jahrhundert zerftörte 

Palaſt des Königs Theodorich fand. Die Öffentlichen Pläne‘ find mit 

Vogengänge umgeben und ‚nicht ausgezeichnet, In der Hauptftraße, 
Strada nuova, welde als Corfo benußt wird, liegen die wenigen 
Hauptpaläfte des Adels. Sie führt durch die ganze Stadt und endet bey 
den prächtigen Thoren Porta San Vito und Porta del Ponte Ticino, 
Die Univerfität,. geftiftet von Carl IV. (ihre Diplom it vom Jahre 
1301), befteht aus 13 Eollegien, von.denen das vom Papft Pins V. 
geftiftete GO bistie erfhe am fich das vorzliglichfte und das Bo er omäts 
sche als Palaft das prächtigfte iſt. — No immer ift-diefe fonft ſo beruͤhmte 
Sehranftait eine ber befuchteften in Italien (gewöhntich zähle fie mehr 
als 1400 Stubitende), Vortrefflich ifk der dazu gehoͤrige botaniſche Gare 
ten; nächftdem find ein Naturalien-Eabiner, ein phofikaliihes Mufeum, 
ein anatomifches Cabinet, eine Bibliothek und andere wiſſenſchaftliche 
Hulfsanſtalten Damit verbunden. P. hat ferner ein Gymnafium, eine 
Haupt: und Moͤdchenſchule nebſt 2Kranken- und mehreren Verſorgungs · 
hauſern. Die Kirchen von Par meift aus. bem Zeitalter der lombardiſchen 
Könige herrührend, biethen, wenig Genußdar, fie zeichnen ſich weder 
Durch ihre Bauart, noch durch. bejondere ——— aus; bemerkbens⸗ 





Payer-Pasmany. 169 


werth dürften bloß feyn die Kirche, bem heil. Micha el geweiht, 
wegen ihrer Basreliefs aus dem 6. Sahrhundert, dann bie Cathedrale, ein 
iinfteres Gebäude. Sie enthält das alabafterne Grabmahl des heil. Aus 
guftin, welches ſich fonft in der jeßt in ein Heumagazin verivandelten 
Kirche S. Pietro in cielo d’oro befand. Diefe enthält die Gebeine des 
Lombardenkönigs Luitprand. Don den Paläſten zeichnen ſich durch 
ihre Bauart die der Familie Mala fpina, Maino und Alevano, 
durch ihre Gallerien und innere Einrichtungen aber die Paläfte Brams 
billa’ und Scarpa aus. Das Theater ift groß, Seine innere Bes 
Eeidung mit ſchwarzem Marmor gibt ihm ein finfteres Anfehen, die keine 
Beleuchtung verfheucen kann. Eine fchöne Ausfiht genießt man auf 
der prachtvollen Brüde über den Zicino„ einem berrlihen Denkmahle 
der Baufunft des Mittelalters. R E . 

Payer, Wenz., war geboren 1488 zu Elbogen in Böhmen, 
woher ibm auch der Beynahme de cubitu wurde, vollendete feine Stu⸗ 
dien in Prag und fieß fi dann in feiner Waterftadt haͤuslich nieder, 
wofeldft er auch 1526 ftarb. Won ihm haben wir die erfte Beſchreibung 
des Carlsbades unter dem Titel: Tractatus de thermis Caroli IV., 
prope Elbogen sitis. Leipzig 1521, 1614. 

Dazmaneum (Pasmany’fches Collegium) in Wien, von 
dem Gardinal Peter v. Pazmany .f. den folg. Art.) 1623 für uns 
garifche Jünglinge, die zum geiftlihen Stande gebildet werden, geitifs 
tet. Die Anzahl: der Zöglinge darf nit 65 überfteigen ; fie werben 
Pazmaniten genannt, tragen lihtblaue Talare und find zum Beſuch 
der theologifhen Vorleſuigen an der Wiener Univerfität verpflichtet. 
Das Pazman y'ſche Collegium ift als ein Generalfeminarium für theolos 
gifhe Zöglinge aus allen Diöcefen des Königreichs Ungarn anzufehen. 
Die Aufjiht befteht aus Prieftern der Graner Erzdiöcefe, und zwar 
aus einem Nector (gewöhnlich Domperr), einem Vicerector, einem Spi⸗ 
ritual und einem Studienpräfecten. — Das Inſtitut beſitzt in der Vors 
ftadt Leopoldſtadt eimen eigenen Garten, 

Pazmany de Panasz, Peter, Carbinal und Erzbifhof zu 
Gran, Primasvonlingarn, war aus einem fehr alten Geſchlechte entfprofs 
fen. Schon unter Stephan J. hat einer aus diefer Familie als Feld⸗ 
berr gelebt. — Er ward 1573 zu Großwardein geboren. Ald Knabe 
befuchte er die Schule in feiner Vaterſtadt, die fernere Bildung aber ers 
hielt er auf der hohen Schule zu Grätz. Noch in feiner frühen Jus 
gend, kaum 17 Jahre alt, trat er in den Zefuitenorden, wobey er in 
der Literatur folde Fortfchritte machte, daß man ihm die Lehrkanzel der 
Philoſophie und hierauf der Theologie an der Univerſität zu Graͤtz ans 
vertraute. Auch wurde P. zu vielen Miffionen nah Ungarn gebraucht, 
um die Ausbreitung des römifch-Eatholifhen Glaubens in Ungarn zu bes 
fördern. — P.'s vortrefflihe Geiftesgaden wurden bald dem Könige 
Mathias bekannt, der ihn auch fo zu fhägen wufite, daß er nad) 
Sranz Forgäcs's Tode bey dem Papfte um die Einwilliguug ſich ver 
wendete, P. zum Graner Erzbifchofe zu erheben. Er wurde 1616 in das 
Sraner Erzbisthum eingefeßt. In diefer Würde verrichtete er die Rrö: 
nung des Kinige Ferdinand II. 1618 zu Presburg, welheniegeiiu 


170 Pedhatfher 


n Act er fpätethin noch ziweymahf zu vollziehen hatte; 1622 Ernte 
* rigen BER 1028 vn kom erdinand IH. 
ju Ob urg.— Mit Pracht ließ er viele Gebäude auf eigene Koſten 
errichten, wie das Cı zu Tyrnau, die Jefuitenrefideng 

und das Kfofter der Elarifferinnen zu Prefburg, die Seminare des 

ngar. jüngeren Clerus zu Wien und Tyrnau. Sie find Denkmaͤh⸗ 

Ter von P.’8 Eifer für Religion und Vaterland! — Um die dielfachen 

Verdienfte Ps einigermaßen. zu belohnen, hielt Ferdinand IL. bey 

bem Papfte Urban VIIL. um die Eardinalswürde für ihn an, mit 

welcher P. auch 1629 betheilt wurde, 1632 gi er als Eönigl. Ges 
fandter nah Nom ab, um mit dem Papfte ein Bundniß abzuhandeln, 
welches bie chriſtlichen Mächte gegen die Türken Enüpfen follten. Durch 

2.5 Weisheit hatte die Sendung den ſchten Erfolg erhalten, 

& — and en en renden Primas auf das hulds 

0 um ihm die beträchtlichen Neifekoften zu erfegen, erteilte er 

ihm die Vollmacht, felbft Münzen prägen zu laſſen. — P., der ſelbſt 

Gelehrter war, wollte auch in dem Fior der Wilfenfhaften das Sei⸗ 

nige beytragen. Aus erkenntlicher Ciebe zu feinem Waterlande hatte er 

am 12. May 1635 zu Prefiburg einen Schenkungsbrief ausgeſtellt, 
woburd dem —— zu Thrnau 100,000 Gulden an barem 

Gelde und angelegten Eapitalien zukamen, und ber Grund zu der da⸗ 

jem Univerfität und ihrer Bibliorhef gelegt wurde. P. verfuchte ſelbſt 
einen Theil der Eorpinfchen Bücher dazu anzufaufen, wofür er 
den Türken zu Ofen 30,000 Gulden anboth, welche aber die Bis 
ger nicht abliefern wollten , obwohl diefe nachher durch den Krieg 
jerſtreut und vernichtet wurden. — Kein Jahr verging , in welchem ” 
er nicht etwas. zum Beſten der Religion oder des Staates unternoms 
men hätte, und nur der Tod unterbrach ihn darin zu Prefburg den 

19. Mär, 1637. Sein Leichnam wurde in der dortigen St. Mars 

tinslirche bepgefegt, und ihm nad feinem ausdrücklichen Willen die 

kurze Grabſchrift gefegt: „Petrus Päzmänus Cardinalis.“ — P. 

rieb über 20 verfhiedene Werke (meift theologiſchen Inhalts.) Da er 
vieles in ungarifper Sprache fhrieb und darin eine befondere Reinheit 
* beobachtete, jo ehrt ihm die Nation billig auch als einen Verbeſſerer der 
vaterländifchen Sprache, - } * 
Pechatſchek, Franz, Virtuoſe auf der Violine und Tonſetzer, iſt 
— 1763 zu Wildenfch wert in Böhmen. Die Anfangsgründe des 
iolinſpiels lernte -er von dem geſchickten Schullehrer feines Geburts— 
ortes und zeige frühzeitig die erfreulichiten Talente. In der Folge (tus 
dirte er zu Leutom iſchl in Böhmen die Tateinifhe Grammatik und 
an dem Gymnaſium zu Weiß waſſer in Schleſien die Humanioren, 
während welcher Zeit er ſich auch unter Ditrersdorfs Leitung in der 
Zonkunft vervolltommnete. 1790 Eam er ald Eapellmeifter an das das 
mahls in der Vorftadt Landſtraße zu Wien errichtete Theater, für 
welches er mehreres im Opern: und Balletfade componirte. Vorzüglich 
aber zeichnete er ſich durch fein gebiegenes Wiolinfpiel aus, bey weldem 
er bey reiner ſchoͤner Intonation viel Feuer, Kühnpeit und glänzende 
Bravour entwicelte und ftets eines allgemeinen Veyfalls gewiß war. 





Pechlarn. — Peer. 171 


Um 1820 verließ er Wien und wurde an einem bedeutenden Theater 
in Deutſchland als Capellmeiſter angeſtellt, wo er ſich noch gegenwaͤr⸗ 
tig befindet. Außer den genannten Compoſitionen find von ihm noch 
anzuführen: Ein großes Ballen, welches er zu dem Inftallationsfefte 
des Sürften Ant. Eſzterhazy fchrieb, einanderes, welches zu Ehren 
des Königs von Neapel in Wien aufgeführt wutde, einige Meſſen und 
Heinere Kirchenſachen; eine große, mit allgemeinem Beyfalle aufges 
nommene Duverture für’ ganze Orchefter, viele Stücke für die Violine 
mit Begleitung, worunter feine einft fehr beliebte große Polonaife. 
un fe Groß⸗Pechlarn und Rlein⸗Pechlarn. 

edau (Deggau), fteyermärk, Marktfleden im Gräger Kreife, 
an der Mur, in einem pittoresten, von Bergen und Seldwänden bes 
geänzten Keflel, an der Graͤtzer Poftftraße, mit 300 Einwohnern und 
den Ruinen des Schloſſes Peckau auf einem Steinhügel. 

Péczel, ungar. Dorf im Peſther Comitat mit 1630 meift refors 
mirten Einwohnern und einem Schloffe, worin eine Bibliochek, die eine 
Sammlung vieler Bibeln enthält. 

Dedrochi, Ant., vortheilhaft befannter Kaffebhausinhaber zu 
Padua, geb. dafelbft 1788, hat fi) durch Induſtrie und Sparſamkeit 
in den Stand bedeutender Wohlhabenheit gefebt und nach feinen Ans 
gaben ein Kaffehhaus in Padua erbaut, welches zu den prächtigften der 
Welt gehört. Er har einen großen Theil feines Vermögens darauf vers 
wendet, um es ald ein in jeder Hinſicht hervorragendes, erited Baus 
werk in feiner Art zu Stande zu bringen, welches Alles enthält, mas 
die fhönen Künfte zum allgemeinen Vergnügen darbiethen Eönnen. 
Dabey war ed ihm geglüct, einen fo vorzüglihen Baumeifter (Sof. 
$apelli) zugewinnen, der dieſes Werk eben fo großartig ald geſchmack⸗ 
vol berftellte. Derfelbe führte, nad einem trefflihen Entwurf auf ben 
Ruinen eines alten römifchen dad neue herrlihe Gebäude auf. Die beys 
den Seiten ftellen zwey Pavillons vor, aus vieredigen Pfeilern und 8 
Säulen dorifher Ordnung gebildet, Aus dem unbededten Raume ges 
langt man durch mehrere Eingänge in die Gallerie. 3 Thüren führen 
in den ſymmetriſch achtedligen Saal. An der linken Seite ift der Haupte 
eingang in das Kaffebhaus. Die Wand des Hauptfaales erweitert fi 
in batbeltiptifcher Form und diefer Raum dient für dad Orchefter bey mus 
ficalifhen Reunionen. Die innere Verzierung wetteifert an Geſchmack 
mit dem Außern. j 

Deer, Ritter v. Egerthal, Joſ. Iob., Präfldentdes Stadt» 
und Landrechts zu Innsbruck, Ritter des öfterr. Eaif. Leopold: Ordens, 
wurde geboren den 4. Sänner 1754 zu Haid, im Landgerichte Naus 
ders in Tyrol. Nach forgfältig vollendeter Erziehung wurde er 1769 
Stiftling des Radiffchen Convietes zu Meranund CGchüler des dora 
tigen Benedictiner-Opmnaflums. Raftlofer Fleiß, Mare Auffaffung und 
die reinfte Sirtlichkeit zeichneten fomohl feine Studien in den Humanio⸗ 
ren, als in der Philofophie und in der Rechtswiffenfchaft an der Univers 
fitat zu Innsbrud aus. Den 12. Jänner 1782 erhielt P. die juridj⸗ 
fhe Doctorwürde, nachdem er feit 1779 in beyden Bacultäten dffentlis 
her Repetitor gewefen war. Nach der Aufhebung der Innthruker Küyen 


402 Pr 8. Drama 


Säule 
Bin 


1 
— 03 erhiel 
—— 
Bo 


x 


—J——— 


‚aber kehrte er wieder als Stadt» und Landrechts · Praſident nach Inınd- 
brud jurücd, das er fortan nicht wieder verlief. Seine bereits 1d 16 be⸗ 
geanne Kranklichteit und die allmählige Abnahme feiner Kräfte machten 
im Auguft 1821 feine ehrenvolle Verfegung in den wohlverdienten Ruhe · 
ſtand nothwendig. Es wurde ihm bey biefer, Gelegenheit in Anerkennung 
feiner vielfeitigen Verdienſte nicht nur fein ganzer. Gehalt, belaflen, es 
‚erfolgte auch feine Erhebung in ben erbländ, Kitrexitand mit dem Prädicate 
von&gertbal und er erhielt den Leopold» Drden. Nachdem er nor 
durch 4 Jahre der wohlverdienten Ruhe genoifenhatte, ſard erzu gung 
brud den 23, Oct. 1825, im 72, Jahre feines Alters, Achte, toleranz 
te Religiofität, frenge Rechtlichteit in Grundfäsen und Handlungen, 
ein, dem Höhern yugewenbeter Ernſt des Lebens und. der volle Einklang 
feines Wefens in Wort und That errangen ihm mit Recht eine hohe Stu⸗ 
fe in ber Meinung feiner Landsleute und Aller, die ihn fannten. Obſchon 
in feinen Mußejtunden unabläfig mit literarifhen Forſchungen beſchaf⸗ 
tigt, gab. er doch außer feiner. SnauguyalsDifertation. de, vi rei, judi- 
catae, Innsbruck 1782, nichts im Drucke heraus. . „. nt 
‚Pebem, Jof. Job. YIep., mar geb. zu Stodachben 8. April 
——— EonfkanpInnsbrudund ſeit 17683u Wien, mo 
er 1771 zum Doctor der. Rechte und zugleich zum Profeſſor des geifts 
lichen Rechts auf der: Uminerfieät zu Innsbruck befördert wurde. 1775 
ward er.dem dortigen adeligen Collegium. als Divestor vorgefegt. 1777 
erhielt er den Charakter eines & E Nathes; 1779 Eam er mit dem 
Charakter eines £, £ ‚niederöfterr- Negierungsrathes, als Profelor des 
‚geiiklichen Rechts auf die Univerfität nah Wien. Er ſtarb am 17. Mah 





. Peithner.. = peir. . 173 


1799. &eine Schriften find: Disquisitio Bistorieo - juridica de con- 
sensu parentum, Innsbrud 1771. — Jus ecclesiasticum publicurn, 
Wien 1781. — Verſuch über die Notbwendigkeit einer vorzunehmen: 
den Meformation ber geiftlihen Orden und: das Recht der Regenten, aus 


eigener Macht, diefelben in ihren Ländern zu veformiren, einzuſchränken 


und aufzuheben, eb. 1782. Abhandlung von Einführung der Volks⸗ 
ſprache in dem öffentl. Gottesdienſt, eb. 1783. — Jus ecclesiasticum 
universum, eb. 1786. — Praelectionum in jus ecclesiasticum uni- 
versum, mefhodo discentium utilitati adcommodata conge- 


staram Partes III. eb. 178990 ; deutfh 2 Bde., eb. 1802. 
— Hiſtoriſch/⸗ ftatiftifhe Abhandlung von Errichtung der Bisthümer :c.,' 
1790 


eb. . 

Peithner Ritter v. Lichtenfels, Job. Thadd., 8. Hof- 
ratb, geb. zu Gotresgab in Böhmen den-8. April 1727, ein um 
das Bergwefen und feine Geſchichte fehr verdienter Schrififteller. Eeine 
höheren Studien begann und vollendete er in Prag, two erauc bey dem 
oberften Münz⸗ und Bergmeifteramt bie erfte Anftellung erhieit. 1762 
beftieg er die durch ihn angeregte, eben gegründete Lehrkanzel ter Berg⸗ 
werkswiſſenſchaften, und war fo der erfte öffentliche Lehrer diefes wichti⸗ 
gen Zweiges menfhliden Wiſſens in Deutfchland. Im folgenden Jahre 
wurde er Bergrath, 1772 Profeflor des practifchen Bergbaues und der 
Bergreihte zu Schemnitz, 1775 Hofcommiſſionsrath, ‚dann Hof⸗ 
rath der montaniftifchen Hofkammer zu Wien. Seine literarifchen Ars 
beiten zeichnen fi durch Gemeinnützigkeit und tiefen Gehalt aus; insbe⸗ 
fondere haben die hiftorifchen vielfahen Nutzen geftiftet. Zu letzteren ge: 
hört die Gefpichte der böhm. und mähr. Bergwerke, Wien 1780, 
die ihrer Bedeutung und Ausführung wegen ſtets gerechte Würdigung 
finden wird. Vorzüglich wegen biefes trefflichen Werkes und in Wuͤrdi⸗ 
gung feiner fonftigen Berdienftewurde P. mit feinem Bruder Jof. Wen: 
zei, Bergrarh zu Joachimsthal, 1780 in den erbländifhen Hit: 
terftand erhoben und. ftarb, nachdem er 1791 noch indbefondere mit 
ner Zuffiche über die Bergwerke beauftragt worden, den 22. Juny 1792 
in Wien. 

Deitt, Jof., k. k. Roth und Director der E. k. Normal: Haupt 
fhule in Wien, war zu Hobenruppersdorf in Niederöfterreich dem 
11. Sept. 1762 geboren. Als Stiftling in dem damahls zu Wien bes 
fiandenen Sobannis:Spitalebefuchte erdas alademifche Gymnaſium. Nach 
zurückgelegten Aumanitätdclajfen trat er in den Piariften- Orden, wo er 
dem Studium der Philologie, dann der Philofonhie und Phyſik oblag, 
und überdieß noch 5 Jahre bindurdy als Clericus das Amt eines öffentfis 
hen Lehrers der Normalclaſſen, theils auf der Wieden, theils in der Jos 
fepbftadt zu verfehen hatte. — Nachdem er fich jedoch beftimmt fand, den 
Orden zu verlaffen, trat er in die Zolle r'ſche Stiftung äls Lehrer, und 
fhon nad einem Jahre (1789) als folder in die E. &. Normal: Haupt: 
fhule bey &t. Annua. — Hier war ed, wo feine Wirkſamkeit ald Paͤ⸗ 
dagog, ſowohl durch eigenen practifch ertheilten Unterricht, als audy durch 


theoretifche Anleitungen, bie er zurvolllommeneren Bildung der Lehrer, 


fhriftlih verfaßte, 41 Jahre hindurd die erwünſchteſten rückte trug. 


174 Prlagofamaggiore — Pelikan. 


Einen Beweis davon liefern feine Werke, die er theild aus eigenem An— 
trieb, theils nach dem Auftrage der Schulbehörden verfertigte, und die 
von der. E £ Studien ⸗Hofcommiſſion als Schulbücher vorgefrieben 
wurden. Die vielen Auflagen ,. in welchen fie ftets mit belehrenden Zur 
fügen und Verbefferungen erſchienen, fprechen für ihre Brauchbarkeit. 
So find z. B. von den feit 1808 erſchienenen ſchriftlichen Auffägen 13, 
von. dem Methodenbuche 4, von der großen Sprachlehte 6, und 
von ber Heinen 5 Auflagen veranftaltet worden; die 3 letzten Schriften 
‚aber 1822—24 dem Normalfchul:Bücerverlage, durch deren Ver⸗ 
ſchleiß dem Fonde ein bedeutender Vortheil erwachfen iſt. Diefen reiten 
ſich noch jene an, welche P. 1819—29 in Wien auf eigene Koften ers 
feinen ließ, naͤhmlich: Sammlung interefanter Gefprähe und Babeln. 
— Tpeoretifp-practifcpe Anleitung zu den Elementar⸗ Unterriht in der 
deutſchen Sprachlehre, in-2 Theilen (die Wortforfhung und die. Worte, 
fügung enthaltend). — Practifhe Anweiſung zur Teihteren Erlernung 
der Rechtſchreibung. Bey feinen gründlichen Kenntniffen im Lehram⸗ 
te wurde ihm 1802 der Unterricht in der Pädagogik für die geiftlichen 
und weltlichen Präparanden anvertraut; 1823 die Stelle eines Direc- 
tors an der Wiener Normal ⸗Hauptſchuie, 1827 aber der Titel eines 
- E6.Rathes tarfrep, und eine Perfonal-Zulage von 300 fl. verliehen. Er 
ſtarb den 13. Jän. 1830, x 
Pelagofa maggiore, eine von den gm Kreife Ragufa Dal 
matiens gehörigen elappitifpen Infeln, iſt unbewohnt und wird nur von Bis 


ſchern aus Liffa befugt. Man hielt fie früher fammt den ringsum aus 


dem Meere ragenden Klippen für vulkaniſch. 

Pelikan, Job. Nep./ war zu Teltfch in Mähren 1755 gebor 
ren, trat 1772 in den Prämonftratenfer-Orden in dem Stifte zu Meus 
reife, legte 1779 die Ordensgelübde ab, und wurde in demſeiben Jah ⸗ 
ve auch zum Priefter geweiht. Eon in ben erften Jahren feines Pries 
ſterthums zeipnete er fih durd Bildung bes Herzens und des Verftans 
des aus, die ihm die Achtung Aller, die ihn Eannten, verfhaffte. Eben 
deßhalb wurde ihm als einem noch jungen Priefter von dem Eonfiftorium 
in Brünn die Abminiftration der Pfarre in dem Markte Schelletaw 
anvertraut, welche er mehrere Jahre verwaltete, und — fein vors 
zuͤglichſtes Augenmerk auf die Bildung der Jugend richtete. Er gelangte 
1793 durch die Wahl der ipm mit vielem Zutrauen ergebenen Ordensbrü⸗ 
der zur Würde eines Abtes des Stiftes zu Neureifch und zur 
gleich Prälaten des Markgrafthums Mähren. Sein Wirken ging zuerſt 
dahin, den Öfonomifchen Zuftand bes Stiftes emporzubeben, Keine Hülfs⸗ 

elle bfieb von ihm unbenußt; dadurch war erim Stande, 1800 eine 
Ersiehungsanfaft in feinem Stifte zu begründen, in welde er arme, 
älternlofe Rinder und. hoffnungsvolle Jünglinge der. Stiftsunterthanen 
aufnahm,jdieer ernährte und Heidete und durch die Stiftsgeiftlichen ergier 
ben-umd bilden ließ, Ungeachtet diefes Erziehungsinftitut dem Stifte Ausz 
lagen verurfachte, fo brachte er es doch durd feine kluge Hausbaltung 
dahin, daß er 1804 die bis dahin noch nicht ausgebaute Prälatur ganz. 
berftellen konnte. Überbiefi find. die mis feltenen und guten Werken vers 
mebhrte Bibliothek, die Sammlung vieler Seltenheiten der Natur, 





DPellegrini. — Pelzei. 175 


die Sammlung von Gemälden, die Anfchaffung koſtbarer Kirchen. 
paramente, redende Beweiſe feines unermüderen Strebens, das von 
ibm verwaltete Stift zu einem böhern Standpuncte emporzubeben. 
— 1811 feyerte er zupörberft dur Wohlthaten das Jubiläum des 
bereits durch 6 volle Jahrhunderte beftebenden Stifts u Ne us 
reif. Die hierdurch erweckten Erinnerungen an bie Bergangen« 
heit feinen die letzte Stufe des Glücks gewefen zu feyn, das ibm bier 
nieden befchieden war; denn 1813 hatte er die Folgen einer, in dem 
Markte zu Neureifch ausgebrochenen Beuersbrunft in ben Ruinen 
feines beynahe ganz eingeaͤſcherten Stiftes, ber neu erbauten Prälatur 
und der Kirche zu betrauern. Das mühenslle Werk feiner und der 
Bemühungen aller feiner Vorfahren, ſchien nun gänzlich vernichtet zu 
feyn. Allein bald wirkte feine Kraft von Nenem, mit unbegreiflicher 
Schnelligkeit wurde zuerft die Kirche, dann die Prälatur und der größere 
Theil des Conventes wieder hergeſtellt. Er unterlag jedoch der hierdurch 
nothwendig gewordenen ungewöhnlichen Anftrengung,,. die. feine Geſund⸗ 
beit fo zerrüttet hatte, daß eine gänzlihe Entkräftung das Leben tiefes 
für Kunft und Wiſſenſchaft fo fehr empfänglichen Prälaten den 18. Jän. 
‚1819 endigte. 

Dellegrini, Carl Clemens Graf, Ritter des goldenen Vlie⸗ 
Geb, des Thereſien⸗ Ordens Großkreuz, k. k. geb. Rath, Feltmarfchall, 
Generaldirector des Ingenieurs und Kortificationswefens, Kommandant 
des Ingenieur, Mineur- und Sappeurcorps und Inhaber eined Infans 
terieo Regiments, war zu Verona 1720 geboren, trat zu Anfang 
1735 in k. k. Rriegsvientte, machte den Feldzug von diefem Jahre und 
von 1738, während des öfterr. Ertfolgekrieges, alle Feldzuge in Italien, 
alle Beldzüge bes fiebenjährigen Krieges, den Feldzug von 1778 .in Boͤh⸗ 
men, endlich die Feldzüge gegen bie Pforte 1783 und 1789 ruhmvoll 
mit. — Nach dem fiebenjährigen Kriege ward er ald commandirender 
General in Oſterreich ob der Enns angeftelt, zum General: Snfpector 
der Infanterie ernannt, darauf dem Hofkriegsrathe beygegeben, erhielt 
1770 das Commando über das Ingenieur, Mineur: und Sappeurcorps 
und 1780 die Generaldirection Über das gefammte Ingenieur: und Fortis 
Feationewoefen. Er flarb nach Glijährigen Dienfien am 8. Jung 1796 in 

ien. " 

Delzel, Stanz Mart., Profeffor der böhmifhen Sprache und 
Literatur an der Univerfität zu Prag, ausgezeichneter böhm. Hiftoriker, 
Linguift und Literator, war zu Reichenau in Böhmen den 11. Nov. 
1734 geboren. Die Iateinifhen Claſſen hatte er zu Cosmanos und 
Königgräg zurüdgelegt. Auf der Univerfität zu Prag ſtudirte er die 
Philofophie und in der Abfiht, den geiftlihen Stand zu wählen, Theo: 
logie, weldyes Studium er jedoch aufgab, und als 1757 durd den E n- 
fall der Preußen die Studien in Prag unterbrechen wurden, begabier 
fib nah Wien, um der Rechtswiſſenſchaft obzuliegen. Nachdem tie 
Preußen Böhmen verlafen hatten, kehrte er wieder nad Prag zurüd, 
wo er in den gräflihen Käufern Sternberg und Noftig 19 Jahre 
als Erzieher zubrachte und mit einem anſehnlichen Gehalte nebft verſicher⸗ 
ter Penſion ſich zugleich feinen ſchon begonnenen Forſchungen in der vas 


I 


176 Pelzwerk und ‚Handel Damit. 


terländifhen Geſchichte fortan widinen —————— 

—— Sorache und war eines der thaͤtigſten Mitglieder der 

im Prag, ſo wie er es in früheren Jahr 

ven — ——— unter Born war. Mit biefem, mit Do b⸗ 

—— ro woty, Voigt, — Pubitfepka und an⸗ 

Gelehrten ſtand re ee 

Pe Außer feinen vielen hiſtoriſchen und literariſchen — 
Abhandlungen einer Privatgeſellſchaft und der konigi. boͤbm. Geſellſchat 


— ——— 
SGeſhichie der Böhmen, eb. 17745 3. vermehrte 
ee 1817 ;: aud) von ihm ins Bohmiſche überfeßtz.2 
: : — 


——— — Söpmife,mäbr: und nt She te aus dem 
der Jeſuiten, eb. 1786. ER re böhm. —— 
eb. 1788-90. — Bon P.'sböhm. Grammatik ienen2 Auflagen, eb. 
1795 und 1798. ————— 
21. $ebr. 1801 :Summaria diplomatum Morayise 1048—1306, ‚wor 
bey ihm Eerroni (f.d.) bepülflic war. — der angefähgten % 
Funden beträgt 763. 

Pelzwerf und Handel damit. Bie In ankern Staaten, ver 
minderten ſich auch in Ofterveich durch zunehmende Cultur jene Thiere, 
welche brauchbares Pelzwerk liefern, indeſſen möchte davon immer noch 
ſo viel zu gewinnen ſeyn, als der Kaiferftaat für eigenen — ah 
thig bat. Bedürfniſſe des höheren Lurus werben indeſſen noch hau 
den nördlichen Ländern und jwar durch Leipzig eingeführt, melde 
ſich ſchon ſeit Jahrhunderten als Stapelplat des Pelzbandels Pe 
hat und zwar in fol" ausgedehntem Grade, daß nicht A Pr 
in bem öfter: Staate gefammelt,. Leipzig gebracht wird und 
dort wieder durch Ofterreich nach der Zürkey geht. Die Oattungen 
des „, welche brauchbares P. liefern, ſind gegenwaͤrtig noch Fl 
de: Hafen, befonders zahlreich in Ungarn und Böhmen; der Balg des 
böhmifcpen Hafens wird ‚wegen ‚der Feinheit feiner Haare am meilten 
gefhäßt. Büren, Wölfe und Luchſe find in der Öftlichen Hälfte des Kais 
ferſtaates noch ziemlich häufig, befonders ‚aber Wölfe, deren jährlich i im 
Ungarn und Galizien mehrere Taufend erlegt werden. Marder, Iltiſſe- 

Murmelthiere, Billihe, wilde Katzen zc. findet man ebenfalls in ae 
licher Quankität, im Ganzen ſind fie indeifen von geringer Wi 
sch — wohl auch —— Ba * —* * 
Pelzthiere, jedoch immer in I vor. Der »Gefammtw 
8* im oͤſterr. Kaiſerſtaate —— es möchte ungefähr. jaͤhrlich 
J Million Gulden angenominen werben. Die) —— — 

—— seyn une AN 


ng Nam 





dpenſlons Inſtitute. —Pergen, Job. Ant. Grafv. 177 


nf enſions⸗Inſtitute, ſ. Civil-Penflons- und Verſorgungs⸗ 
nftitute. 

Denzing, nieberöfterr. uraltes und ſchoͤnes Dorf im V. U. W. W., 
weſtlich außer Wien, am linken Ufer des Wienfluſſes, dem Dorfe 
Hietzing gegenüber, mit 3,135 Einw., bie ſich theils von Gewerben, 
theils vom Dbft: und Milchhandel ernähren. Unter den Gebäuden ſind 
viele anfehnliche, im Sommer von Wienern bewohnte, Landhaͤuſer gi 
fhönen Zier⸗ und Obftgärten. Auf dem hiefigen Friedhofe, der viele Fami⸗ 
liengräber enthält, rubt unter einem einfachen Steine der Dichter M a tz 
tbäusv. Collin. Diealte Pfarrlirde hat ein impofantes Grabmahl aus 
tarrarifhem Marmor von Finella (irrig als Canova's Werk bezeiche 
net), weldes der ehemahlige Hofrath der oberften Juftizftelle in Wien 
(fegtlich Appellations » Präfident in Venedig) Ign. v. Rottmann, 
feiner verftorbenen Gemahlinn errichten ließ. Sonft hat P. 2 Baumwoll⸗ 
und Geidenzeugdrucereyen, ein Babhaus, eine Cavallerie» Caferne, 
ein Kaffehhaus, einen öffentlichen Tanzſaal ꝛc. | 

Perchtoldsdorf, ſ. Bertboldedorf. 

Perg, oberöfterr. Marktflecken im Mühlkreiſe, an der Naarn, iſt 
durch feine weitverführten Muͤhlſteine urd durch fein ordinaͤres Toͤpferge⸗ 
ſchirr, welches häufig auf die Maͤrkte nach Wien gebracht wird, be⸗ 
kannt. | 

Pergen, bie Grafen. Mit Thomas v. P., wahrfheintih aus 
den Niederlanden, beginnt dieſes Geſchlecht um 1560: feine Stamm» 
folge in Dfterreih. Joh. Heine. Eornel. v. P. auf Pluden; und 
Sonnenberg erlangte zuerft laut Diplom vom B, Aug. 1663 eine 
Beftätigung des alt hergebrachten Mitterftandes und den Titel: „Edler 
Herr von Pergen,“ den 2. Yan. 1672 den erbländifchen ‚’ den 28.- 
Det. 1073 den Reichsfreyherrenſtand, endlih den 27. Juny 1683 
den erbländifhen Grafenſtand. — Die 3 Brüder, Carl auf Thomas 
berg und Feiſtritz, Joh. Bapt. auf Sehen ftein und Franz 
Ant. auf Afpang wurden am 16. Dec. 1675 in den Frepherrnftand 
und am 19. Dec. 1699 von Kaifer Leopold I. in den Grafenſtand erw 
hoben. Graf Joh. Ant. auf Oblach ac. befam den 23. Juny 1788 
das erledigte Oberſt⸗Erbland⸗ Münzmeiſteramt in Ofterreich unter ber 
Enns. — Gegenwärtiger Standesherr 1. Linie ift: Graf Joh. Cart, 
gebor. den 8. Febr. 1797; 2, Einie: Graf Anton, gebor. den 7. Behr. 
1804, Oberft - Erbland» Münzmeifter. 

Dergen, Job. Ant. Graf v., E.E geb. Rath, Staats- und 
Conferenzminifter, wurbe den 15. Februar 1735 zu Wien geboren. 
Sn feiner Jugend war er Edelfnabe bey der Kaifernn Amalie, und 
machte folche Bortfchritte in feiner Ausbildung ,„ daß er bereits 1747 
fähig war, die diplomatifche Laufbahn de betreten und bey dem Grafen 
Cobenzl, Baiferl. Bejandten bey Churmainz unb den vorbern 
Meichskreifen angeftellt zu werden. 1750 wurde er dem k.k. Minifter 
v.Ridhecourt, der dem Koͤnige von England in feine deutfchen Länder 
gefolgt war, zugeſchickt, um diefem Minifter in verfchiedenien Reichs ange⸗ 
legenheiten, befonderd aber über jene einer röm. Königswahl an die Hand 
zu gehen. In eben diefem Jahre wurde er von dem Staatdlanyler , rar 

Deferr. Rat. Encotl. Bd. IV. v2 


178... Pergen, Job. Ant. Graf. 


fen v. Uhlfeld auf M. Therefien’s Befehl nah Wien berufen, und 
nad England zu gehen beftimmt; auf weitern Befehl aber mit Anfang 
1751:als £ £. Kammerhert den Erghergogen Carl und Leopold zur 
gegeben. Doc. behicht er nicht lange diefe Beftimmung. 1752 wurde 
P. als & E bevollmadhtigter —— bey den vorderen Reichs kreiſen 
nah Mainz abgeſchickt. Im May 1757 wurde ihm zugleich das Gcu- . 
vernement in den eroberten preufifchen Ländern aufgetragen, welches er 
bis wach dem Hubertsburger Friedeneſchluß (1763) führte. 1764 trat er 
als zwehter hurkaierifher Bothſchafter bey der Wahl KaiferIofenb'sII. 
auf. — &o bedeutende Vertienfte bewirkten , daß P. 1766 als Staats - 
minifter nach Wien berufen wurde. Zuvor hatte er bie Huldigung im Nab- 
men des Kaifers Sofeph II. in Frankfurt eingenommen. — Die 
KoiferinnMariaTherefia verlieh ihm bey feinem Eintreffen in Wien 
das Commanbeurkreug des St. Stephan: Ordens, und übertrug ihm, 
naddem er Sitz im Staatsrath genommen , die auswärtigen Angelegen» 
beiten, fo wie die italienifchen und niederländifhen Departements unter 
der Leitung des geheim. Hof- und Staatskanzlers Fürften v.-Kaunik. 
Bon Jo ſe d h M. ward er zum Reichs » Eonferenjminifter ernannt, und 
die Reichs» Conferengen unter feinem Präfidium gehalten. — 1771 
wurde P. bas Orofifreuz des St. Stephan- Ordens ertheilt, und vie 
Stelle eines oberften Condmarfhalls in Ofterreih mit dem Vepfaße 
zugefagt, daß er ih als Craatsminifter dem öffentlichen, Dienfte nicht 
entziehe, Um ihm jedoch einige Erholung zu gönnen, ward itm geftattet, 
ſich ein Jahr auf Reifen zu begeben. Aber ſchon im April 1772 ward 
er nah Wien zurückberufen und zur Beſitznehmung des Königreichs 
Galizien und Lodomerien abgeordnet, wo er als bevollmädjigter kaiferl. 
Commilfär, und zugleid ald Gubernator bis 1774 verweilte. — 1775 
trat P. nach dem Tode des Fürften Trautfon, die Stelle eines nie ⸗ 
deröfterr. Landmarſchalls, mit Vepbebaltung feiner ‚Staattminifters 
charge und des Gehalts wirklich an. — Nach dem Tode der Kaiferinn 
M. Therefia, (1780) verordnete Joſeph Il., daß die Stelle eines 
RegierungssPräfidenten mit jener eines Landmarſchalls, fo wie das ver- 
orbnete Collegium, welches jedoch nur auf 2 Individuen, eınes vom 
Herren» und des andern vom Ritterſtande, reducirt wurde, mit der 
Regierung vereint werben follte. P. erhielt durch biefe Anortnung eine 
andere Beftimmung. Es wurden ipm nunmehr die Polizeyanftalten in 
Wien, ein Gutachten zu einer fpftematifhen Sraatspolijey, und tie 
Einrichtung der Oefängniffe aufgetragen. — Kaifer Leopold I. 
feste P., des Augenlichtes beraubt, 1791 in Ruhe. Nachdem es ihm 
geglückt hatte, tur eine Operation fein Augenlicht wieder zu erhalten, 
übertrug ihm Kaifer Franz I. in dem bedenklichen Zeityunct von 1793 
das Poſizeyminiſterium, dem er zu allgemeiner Zufriedenheit vorſtand. 
1804 gab endlich ber Kaifer der Bitte, ihm diefen beſchwerlichen Poſten 
bey feinem hoben Alter abzunehmen, nad; dod ward er in der Eigen: 
ſchaft als Eonferenzminifter beybehalten, bey mehrfach en Weranlaffungen 
zu Rathe gejogen und in Thätigkeit erhalten. — So bat P. bis. auf fein 
den 12. May 1814 erfolgtes Ableben dem Craate nicht weniger als 63 
Hapre in treuer Ergebenbeit und mit unermitterer Anfirengung gedient, 





Derger. — Derin. 179 


Derger, Siegm. Serd. v., akademifcher Hiſtorienmaler, U. 8. 
Hofthiermaler und 2. Guftos an der kak. Geinäldegallerie im Belvedere, 
wurde ben 17. Auguft 1778 zu Wien geboren. Sein Vater, Kunſt⸗ 
freund und ſelbſt Künftler, ertbeilte ihm den erften Urterriht im Zeichs 
nen, zu welder Kunft P. fhon früh große Neigung zeigte. Seine weis 
tere Ausbildung erhielt er an der k. &. Akademie der bildenden Künſte in 
Wien. Nachdem P. diefeldbedurd einige Jahre beſucht hatte, wurde er 
als Hiftorienmaler in der kaiſ. Porzellanfabrit angeſtellt, melde Stelle 
er durch 11 Jahre auf das genügendfte bekleidete. 1810 bereifte er Ita⸗ 
lien und nachdem er verfhiedene gelungene hiftorifhe Gemälde, befonders 
aber Thierſtücke geliefert harte, erhielt er 1817 das Decret als, k. Hof⸗ 
thiermaler. 1819 vereinigte fi ‘P. mit dem Buchhändler C. Haas(ſ. d.) 
zur Derausgabe der ſchönſten und merkwürdigſten Gemälde der k. k. Bil⸗ 
dergallerie in Copien nach ſeinen Zeichnungen don den talentvollſten vater⸗ 
laͤndiſchen Künſtlern in Kupfer geſtochen. Dieſes Werk, welches 1820 zu 
erſcheinen begann und 1833 mir 240 Blättern beendigt wurde, erfreute 
fi) einer allgemein ehrenden Anerkennung, obfbon die Zeichnungen der 
Eopien nicht immer zu loben feyn dürften. 1825 wurde P. zum 2. 
Euftos an der E. k. Gemäldegallerie ernannt, welden Poften er durch 
feine Bereitwilligkeit , ‚junge Küönſtlet auf ihrer teilen Bahn mit 
feinen Erfahrungen im Gebiethe der Kunit zu unterftügen, auf das 
lobensiwertheite bekleidet. Unter feinen zahlreichen Leiſtungen zeichnen 
fih befonders aus: Ein großes biftorifhes Bild in Obl, mit lebensgros 
fen Figuren, den Augenblic daritellend, in welchem Eukles die Aches 
ner von dem Siege bey Marathon benachrichtigt. Mehrere Scenen aus 
der Vaterlandsgeſchichte, in Acquatinta geitoben. — Das Pferderennen 
vonKopcfän mitmehreren 100 Figuren,in Ohl ausgeführt. Homer, 
bey Athen fingend. Auch als Kupferſtecher hat P. Mannigfaltiges mit 
der Radirnadel und in punctirter Manier geleifter. Es erfchienen von 
iom aud in Acquatinta mis Tert: Scenen aus der Vaterlandsgefchichte, 
Wien 1813. — Ürfreuliches verfpriche deſſen hoffnungsusller Sohn: 
Ant. v. Perger, von welchem bereit3 einige fehr gelungene Leiftun« 
gen in den Wiener Kunftausftellungen zu ſehen waren. 
| Dergine (Pergen) , tyroi. Markt im Trienter Kreife ,: mit 
12,000 Einwohnern, einem Scloffe, Branciscanerkiofter, Tuchmanus 
fackur, Seidenweberey, einem Eifenbergwerk, Mühlſteinbruche, ſtar⸗ 
kem Weinbau ꝛc. 

Perin v. Gradenſtein, Joſephine, geborne v. Vogel⸗ 
fang, iſt die Tochter des als kak. öſterr. General⸗Feldzeugmeiſter vers 
florbenen Ludwig Freyb. (vordem Reichsritters) v. Wogelfang, 
Ritters des Maria Therejiens Ordens, und ward zu Bräffel den 
10. Febr. 1779 geboren. Sie zeigte ſehr früh eine große Empfänglich⸗ 
Beit für Poeſie. Als 1794 bie Öfterr. Truppen die Niederlande räums 
ten, Eam fie mit ihrer Bamilie nad) Deutſchland, wo deren jedesmah⸗ 
ligen Aufenthalt in den Rhein « und Maingegenden die verfchiedenen Bes 
wegungen der Truppen beſtimmten. Die Nothwendigkeit und das 
Bedürfniß der Mitcheilung brachten fie zur Kenntniß der deutſchen 
Sprache ohne förmlichen Unterricht in derfelben , indem ie wenn 

12 


perim 


ihren Altern. feit ihren früheften Kintpeit, die : Sprage 
allein verfiehen gelernt, und in berfelben erft nad ihrem 10. Jahre, 
durch die Schwefter ihrer Mutter, gründlichen Unterricht erhalten hatte, 
— In ihrem 17. Jahre las fie zum erſten Mahle ein deutſches Buch, 
deffen Inhalt fie mehr errierh als. verftand. Ungeachtet es ihr dabey an 
aller Hülfe fehlte, fuhr fie fort, gemeinſchaftlich mit, ihrer älteren 
Schwefter, deutſch zu Iefen, Auf diefe Weiſe lernte fie auch deutſche 
Dichter fennen. 1797 ließ ſich ihre Bamilie in Linz nieder. Bald dar 
auf verehlichte ih Zofephime dafelbft mir Eberhard Perin, wels 
her in der Folge, nachdem er mehrere Jahre vorher den Adel mit dem 
Veynahmen von Gradenfteim erworben, zu dem Range eines E. E, 
wirkt, Hofrathes bey ber geh. Hof: und Staatskanzied befördert, 
und: in Folge, feiner Ernennung um Leopold» Ordens Ritter, in den 
Ritterſtand der E £, öfter. ‚Erblünder erhoben worden ift. Seit ihrer 
Vereplihung beftimmten die jedesmapligen Dienftverhältnife ihres Ges 
mahls, ihren. jeweiligen Aufenthalt. So kam fie mit ihm nad 
Brünnz fpäter nah Venedig (wo fie durd Umgang und 
Lectüre ihre Kenntniß der itafienifhen Sprache vervolltommte) und 1806 
nah Wien, welches ſeitdem ihr Wohnort ift. Schon feit ihrer Jur 
gend hatte fie in ihrer Mutterfprache fih im Dichten verfucht. Im ide 
rem 33. Sabre entfchloß fie ſich zuerſt einen: Roman in franzöftfcher 
Sprache: La Dame grise, Paris 1816, herauszugeben, dem die Con- 
tes gothiques,“ eb. 1818 folgten, von denen fie aber der willkürlichen 
Veränderungen und Zufüge wegen, die fie in Paris erlitten hatten, in 
demfelben Jahre in Wien eine neue Auflage veranftaltete. Sie verlor 
nun für den Augenblick die Luft, noch etwas in franzöfifher Sprache 
drucen zu laſſen. Sie widmete ſich ſonach mehr der, deutſchen Mufe, 
welche fie fhon dange forgfam im Stillen gehegt hatte; daher ihre Bey» 
träge zur Aglaja in einer Reihe von Erzählungen in ben Jahrgängen 
von 1890 (Stlüc im Leiden), 1821 (Leiden im Güde, ald Gegenitüd), 
1822 (die Feick£ehr), 1824 (die Unerfahrne), 1826 (die Paufiftinn). Ines 
befondere: Erzählungen, einig 1823. — Im Geſellſchafter für einfame 
Stunden, Prag 1823. Der Mißgriff. — Des Gärtners Alage. (Lied.) — 
Mehrere Gedichte im Kranz, einerin Prag erſchienenen Zeitſchrift. Inder 
Wiener Mode-Zeitung 1827: Der Marquis von Abrantes (Novelle); in 
demfelben und in dem folgenden Jahrgange 2 profaifche Auffüge: Glück der 
Armuth/ und in ber Wochenschrift: Berlinifche Blätter für beutfche Frauen, 
herausgegeben von be [aMotre Fouqué, Berlin 1829, 2. Btes. 
2. Heft: Die Nachbarſchaft (Erzählung). Seitdem hat fih P. wieder 
"mit, befonberar Vorliebe der franzöfifcpen Literatur zugewendet. In einem 
Beitraume von ungefähr 10 Jahren ſchrieb fie nachdenannte franzöflice 
dramatifche Werke, ſammtlich in gebundener Sprache: Rosemonde, 
tragedie en 5 actes (beendigt 1826). — Telessilla, tragedie en 3 
actes 1827. — L'inconsequent, comedie end actes 1828. — La 
terreyr. du ridicule, comedie en 3 actes 1829. — Vanina , trage+ 
die en 5 aan —— —— — — na ha 
mique en 5 actes , von welchen bie Verfaſſerinn bisher noch Feines 
Ber Effenttipteit ergeben hat 





m ‚Perinen — Derninge 0 


f engagirk, wo er durch 8 Jahre im beyden Fächern viel Beyfall 
‚fand. 1798 nahm P. ein’ Engagement bey Schifaneders Truppe an, 
wo er ebenfalls {Rn gefallen wußte, 1803 aber berief ihn Hensler, der 
nah Marinellis Tode das Leopoldftädter Theater pachtete/ wieder an 


—— 14 von —— aan IE 
1807 | ikaneder in Brünn, berdieDirection bes dortigen 
7 hatte, aldgkkomıken) bis zu feinem Tode, —* 


1816 erfolgte, feine ganzen Kräfte widmete. Seine heitere Laune 
bis zumsleßten Augenblicke, ja nod wenige Stunden vor feir 
mem Tode fhrieb er an einen feiner Freunde einen fehr launigen Brief 
die Beftimmung und das Schickſal feines Testen &tüdes: Dragon 
oder ber Hund: des —— An —— Han Pet sn 
‚Ehiercomödien, deren Aufführung und Erfolg P. jedod nicht er⸗ 
lebte. Als Schriftſteller — P. Fer durch ieichten Wit umd 
‚eine befondere Fertigkeit im Verfiigiven und Reimen aus, Verdienſtlich 
" bfeibt troß vieler Mängel feine Bearbeitung mehrerer Stücke Safe 
ner, j. B.: Evakathel und Schnudi; die Schweftern von’ Prag; das 
‚Auftige er (der Hausregent) 3 das neue Sonntagetind ber Buräte 
Fame) ıc. Ps eigentlices Fach war jenes der Parodie, in welchem 
auch fo manches gelungene Product lieferte, obfhon fi alle derſeiben 
mit einer gewilen Derbheit erwehren koͤnnen, welche jedoch damahls 
‚dem Geſchmacke des: Publicums ebenſo zufagte, als heutzutage fentens 
‚tiöfe, bpperfentimentafe, von Phantafie und Geifterfpuf ende Er 
‚geugnäife, woben immer noch die Frage entiteht, welche von beyden Gat · 
‚tungen voſtsthumlicher und zwecmäßiger zu nennen ift. Zu P.’s belieb ⸗ 
‚feiten Stücken diefer Art gebörten: Alceite; Idas und Marpilfa; Cora; 
Squſterfeherabend ıc. Als Schaufpieler war er, obwohl in manden 

jen beliebt, nicht befonders ausgezeichnet zu nennen. \. 
äs inger (Bärringer), böhm, Bergileden im Eibogner Rreife, 
nee auf Zinn und Silber, eine Schmelzhüste und Spigen- 

en 





‚492 Pernftein GBergſchloß). — Pernftein, Wratisl. v. 


. . Pernftein, Herrſchaft und uraltes Bergfhloß im Brünner Krei 
Mährens, auf einem Belfengipfel, eine der parat been; a 
Hacke Mingmonern, yuifder denen Rp ein ner Draben ba 
fenkt, u — ———— 


Aufzugbrücken verwahrt. Durch den weiten Hofraum über eine Treppe , 


und ‚durch. ein; altes iſches, mit Wapen verfciebener ehemahliger 
Burgheren verziertes gelangt man in das Innere, Auf dem füds 
lichen Bergabhange ſchließt ſich ein englifcher Garten mit mehreren Denk» 


auöger 
zeichnete Staatsmann wurde 1520 zu Grof-Meferirfd in Mähren 
‚geboren, und bifdete feine bervlichen Geiftesanfagen auf den Hochſchulen 
ER Pragrum Wien. Er weihte ih, nachdem er. mehreren Reldjügen 
eygewehnty dem Civildienſte und erwarb fi die Gunſt Marimis- 
lian's Il. der ibn zum Rath, Kämmerer und Oberftitallmeifter-er- 
nannte, umd 1567 die Würde eines oberſten Kanzlers im Rönigreide 
Böhmen verlieh. 1573 ward er von dem Kaifer als Bevollmächtigter zu 
dem polniſchen Reichstage abgeſchickt, um dafelbft die Angelegenheiten 
des Kaiſers durchzuſetzen. Auf P.'s Bürbitte beftätigte Marimilian 
wider alle Erwartung ſaͤmmtliche Privilegien der Stade Proßnis in 
Mähren ‚die des Kaifers Unwillen erregt hatte, weil fie eine Anzahl pie 
lardiſcher Gelehrten und ‚eine denfelben zugehörige Buchdeuckereh auf ⸗ 
genommen hatte. Mach dem Tode Marimilian’s II. wurde P. von 
Rudoloh-Hsiin feiner Würde beftätigt. Lbrigens war er nebft feinen 
Verdienſten als Staatsmann aud in Wiffenfchaft und unſt nicht min« 
dersthätig, fhäßte, unterftüßte die Gelehrten mit nicht geringen Auf 
opferungen und ·dermehrte die zu Tobitfhau aufgeftellte Familiendi⸗ 
blĩothel· mit den koftbarften zu feiner Zeit erfienenen Werfen. Die 
Schloͤſſer⸗ Pernftein, Parbubis und Leitomifchl wurden von 
ähm mit Gemöloen berühmter Meifter ausgezierr, Gärten neu ange ⸗ 
legt und die Wajferleitungen vorgliglich veibeifert. Eine Menge von ihm 
‚für mehrere feiner Städte und: Märkte musgefertigren Privilegien zeugt 
von feinem Bemühen, aud den Wohlſtand feiner Unterthanen zu erhör 
ben, obwohl fein eigener durch feine Prachtliebe immer mehr herabfank, 
Er ftarb den 30. Oct. 1587 und wurde auf dem Hradſchin zu Prag 
‚bey ©r. Veit in der fogenannten Pernftein’hen Capelle beygeſetzt. 
Bon feiner Gemablinn Maria, einer Tochter des berühmten kaiferl. 
Feloberrn und fpanifchen Grand Don Juan Maricguez de Lara, 
hinterließ er eine Tochter Polyrena und 2 Söhne Marimilian 
und Jo hann. Erfiere war zweymahl und zwar mit dem böhm. Oberft- 
burggrafen With. v. Rofenberg und nad beifen Ableben mit Zden: 
to, Adalbert, dem erften, Sürften von Lobkowitz vermähft, durch 





Derfenbeug. — Deflina v. Czechorod, Ign. 183 


welchen fie die Stammutter der Fürften von Lobkowitz wurde. Der 
äftere Sohn Marimilian hatte fih dem geiftlihen Stande gewid⸗ 
met, der jüngere Johann blieb daher der alleinige Erbe der Güter des 
Vaters, mit deſſen einzigem Sohn Wratislaw, der 1631 in einem _ 
Treffen gegen die Schweden zwifhen Wolmerfiädt und Tanger: 
münde fiel, das Gefhleht Dernftein erloſch. 

Derfenbeug, nieberöfterr. Marktfleden und Hauntortder gleichnah⸗ 
migen Eaiferl, Patrimonialherrſchaft im V. O. M. B. Das ausder Donau 
emporſteigende Felſenſchloß beherrſcht eine weite Ausſicht. Es iſt zwar 
über 800 Jahre alt; feine Alterthümlichkeit iſt jedoch durch die vielen 
Umbauungen verfhmunden. Das jegige Schloß ift ein 2 Stock hohes, 
ediges Gebäude mit einem großen Thurme gegen die Donau. Sein In: 
neres ift.geräumig und weitläufig; im nördlichen Theile find 2Capellen. 
Der Anblick der öfterreihifchen und ſteyermärkiſchen Alvenkette und des 
Laufeb der Donau ift entzlidend. In den Garten führe über eine tiefe 
Gaſſe des Ortes eine 50 Klafter lange Brüde. — Der Drt felbft, am 
Buße des Schloßberges, der Stade Ips gegenüber, hat nur 74 Haus 
fer und 330 Einwohner. Die hiefigen Schiffmeiſter fenden jährlih 350 
befrachtete Schiffe ftromaufmwärts bis nah Negensburg und 850 
Schiffe nebft 25 Flöffen, meiftens mit Holz, ſtromabwaͤrts nah Wien, 
Preßburg und Peſth. Der Ort ift auch dadurch lebhaft und wohlha- 
bend , weil hier viele Schiffe, befonders Keblheimer, ‚gebaut werden. 
— Bey P. wurde vor einiger Zeit ein in Verfall gelommenes Grappit: 
bergwer& wieder aufgenommen. | 

Peſchiera, lombard. Markıfleden und Feſtung in ber Delegation 
Mantua, mit300 Ein. (ohne der Beſatzung), in einer tiefen Lage am 
Sardafee, wo der Mincio aus demfelben fließt, hat breite Wailergrä- 
ben, Zugbrüden und Wäle, und ein Arfenal. Die Pläße und Gaſſen 
find an vielen Stellen mit Gras überwachſen, und auf dem Plate ftebt 
eine große und ſchöne Caſerne. Der Ort ift bekannt durch mehrere Be: 
lagerungen, wobey Kriegsflottillen fi) auf dem See befämpften. An 
die Feſtung flofit ein zu einem verfchanzten Lager für eine große Armee - 
ganz geeignetes Terrain, durchfehnitten von der großen Straße. 

Deflina v. Tzeharod, Ign., Director des E. f. Thier⸗ Heile 
inftieuts in Wien, witrde 1766 zu Koftelet in Böhmen geboren. 
Die pbilofopbifhen Studien vollendete er in der Hauptftade feines Va⸗ 
serlandes, und entfchied fih dann fir die Arzneykunde. Um bderfelben 
mit Erfolg obliegen zu können, begab er ib nah Wien, woſelbſt 
er ſich fo fehr auszeichnete, und befonders an dem anatomifchen Theater eine 
fo feltene Gewandtheit darthat, daß man ibm die Stelle des Profectors 
anvertraute. Er correpetirte auch die Zergliederungslunde an der 
Hochſchule, an der er für die Bildung junger Arzte viel Wohlthätiges 
wirkte. — Nachdem P. den Doctorhut erlangt hatte, ward er’ zu dem 
Poſten des anatomifhen Demonftratord an der hiefigen E. E. Thierarzney⸗ 
anitaft berufen, wodurch er in eine Qage verfekt ward, in welder er für 
jein Fach am meiften wirken konnte. & verfäumte auch Eeinen Anlaß, 
das in ihn geſetzte Zutrauen zu rechtfertigen, weßhalb er nachmahls 
nicht nur zum Hofthierarzt ernannt wurde, fondern auch aus dem Aut: 


181 - Peffina v. Czechorod, Thom, Joh. 


and ruhmliche Anerkenn: feines Verdienſtes erhielt, indem ev in 
Pe ne —— von der ſachſ. nat 
ſellſchaft zu Leipzig unter die Zahl ihrer Mitglieder aufgenommen 
wurde, — Bon 1708-2 1801 ſtand er zwar dem Inſtitute vor, und leitete 
‚alle Angelegenheiten, ward aber erſt fpärer zum wirff, Director ernannt, 
Selbitdann behielt er noch bie erfte Profeilur an der Anftalt, und aus ſeiner 
Schule ging eine Reihe von tüchtigen Thieraͤrzten hervor, Ein befone 
ders wichtiges Werk hat er dadurch ausgeführt, daß er der Schafpoden» 
Impfung Eingang verfhaffse, weiche durch ihn gegründet auf den Wopls 
‚ ftand. der Candfeute, mahmentli ber hebiläter, großen Einfluß 
nahm. Er fuchte Überall Liebe für den Stand bes Thierarztes zu wecken, 
welches ihm auch bey feiner wohlwollenden „ eindringlichen Gabe des 
* Umgangs in vollem Maße gelang. — P. verfuchte ſich auch ald Schrift ⸗ 
fteller in feinem Bade, und feiner Schrift; Anleitung zur —— 
Viehpeſt mittelſt der eifenhältigen Salzfäure (Wien 1802), ward von Sach ⸗ 
verfländigen in ganz Deutſchland ungetheilte Anerkennung, hinſichtlich deu 
gediegenen practifhen Brauchbarkeit ihrer Daten. Auch nad feinem Tor 
be, welcher am 24. Febr. 1808 erfolgte, fand man noch eine zmwepte, 
fehr entfprechende Arbeit über die Erkenntniß des Pferdealters aus ben 
wen, im Manuferipte vor, welche aud (Wien 1824) im Druck erſchien. 
Peflina v. Ezehorod, Thom. Job., einer. ber gelehrteften 
Männer Böhmens, 1629 zu Poczatekgeboren, beſuchte die Gram ⸗ 
matifals and Humanitäts » Claffen zu Neubaus, und dann bie Unis 
verfität in Prag. Er widmete fih dem geiftlien Stande,, wurde in 
das Convict in Prag aufgenommen, und als er bie Priefterweihe ers 
halten hatte, war er in der Seelſorge fo thätig, daß er fhon im 26. 
Jahre die Würde eines Dechants zu Kofteleb erhielt, die er bald mit 
jener zw Leitomifchl vertaufhte, einer Stadt, welche damahls wer 
ien.einer fehr guten Buchdruckerey im Nufe war, was ihm Gelegen ⸗ 
beit verſchaffen follte, feine gelehrten Arbeiten, befonders in der vater 
Aöndifchen Gefcihtskunde, zu betreiben. Seine Gelehrfamkeit und fein 
vortrefflicher Charakter bahnten ihm den Weg zu einer Domberrnftelle 
erft zu Ceitmerig, dann bey ber Tollegiostiche auf dem Wilfehrad zu . 
Prag, und zulegt an der Metropolitankicche dafelbft, wo er fpäter 
" zum Domdechant und Titular- Bifhof von Semendria erhoben, - 
nicht nur durch feine Beredfamkeit ‘in der böhmifhen Sprache Auffeben 
erregte, fondern aud neue und wichtige Hülfsmittel fand, feine biftoe 
riſchen Unterfucungen fortzufeten. Der zahlreiche Vorrath von Bü 
Handſchriften und Urkunden im Ardiv des Domcapitels und der Uns 
gang mit Balbin erhöhte feinen Eifer, Das erfte Werk, wodurch 
ih. P. befannt machte, war fein: Ucalegon Germaniae, Italiae et 
Poloniae Hungaria flamma belli tureiciardens, Leitomiſchl 1664, 
Die damahligen Nachrichten von dem Einfalle der Türken in Ungarn 
id Mähren veranlaßten 3 Auffigen dieſes Werkes und eine böbmiſche 
Iberfegung. Über die Geſchichte der Prager Metropolitankirhe ſchrieb 
er ein ausführliches Werk unter dem Titel: Phosphorus septicornus, 
stella alias matutina, hoc est metropol. divi Viti ecelesiae Pra- 
gensis majestaset gloria, Prag 1673. Nachdem er fein in böhmifcher 


| — Penn. 18 
Bprache gefchriedened Werl: Prodromus M.oravographlae, Leitomi- 
ſchl 1663, herausgegeben batte, erfchien der fchon lange erwartete: 
Mars moravicus, Prag 1677 (Fol.), worin er die Geſchichte von 
Mäpren bis zur Schlaht bey Mohacs in latein. Sprache erzähle. . 
Die Herausgabe des 2. Bandes verhinderte fein frübzeitiger Tod 1680. 
Seitdem bat fih für diefe Eein Mäcen gefunden. Der ungedrudte 
Band erfheint in dem Cerron i'ſchen Handfchriften Catalog, und bes 
finder ſich dermahlen feit Kurzem im der erzbifchöflichen Bibliothek zu 
Kremfier in Mähren, welche der jeßige DOlmüger Fürſt⸗-Erzbiſchof, 
Ferd. Maria, Grafvon Chotek, als ein warmer Freund der Wifs 
ſenſchaften mit feltenen vaterländifhen Werken zu bereichern fucht. 
Peſth, ungar. Eönigt. Freyſtadt im vereinigten Peſther, Pilifer 
und Solther Komitat. Geſchichte. P. warb unter Arpad erbaut und 
unter Stephan dem Heiligen dur neue Anfiedlungen bedeutend 
erweitert. Nach dem erften Einfalle der Tartaren in Ungarn 1233 wurde 
zu P. die erfte Kirche von Dominicanern' erbaut. Das Jahre 1241 war 
eines der unglüclichiten in ber Gefchichte Ungarns; indem die Tartaren 
damahls einen ziweyten großen Einfall in Ungarn machten. Das Ges 
mälde der bamahligen allgemeinen Vermüftung umfaßte auch die unglücke 
liche Zerflörung diefer Stadt, hiermit auch die Vernichtung aller Denk⸗ 
wmähler aus jenen frühern merkwürdigen Zeitperioden, in welchen ber Ort 
als eine große, fehr reiche, von deutfchen Völkern bewohnte Stadt, als 
die Pforte der Donau geſchildert wird. Nichts deſto weniger erhob ſich 
biefer Ort ;ey Ber Rückkehr des Könige Bela IV. bald wieder. Auf feis 
nen Befehl erhielt die Stadt Ningmauern; Wiener, Regensburger, 
Franken, Sachſen, Bayern, Polen und Venetianer Eamen ind Land, 
und fhon 1253 hat man Spuren bedeutender Tuchmanufacturen. Durch 
eine allgemeine Ruhe im Reihe gewann auch P. in feiner inneren Vera 
ſchönerung. Mit Andreas III. war der Herrſcherſtamm der Arpaden 
1301 ausgeſtorben, und in den unruhigen Zeiten ber Königswahlen, 
deren wichtigfte Auftritte durd die Reichsverſammlungen auf dem R &s 
608 in und bey P. Statt hatten, erlebte der Ort, bey dem Wechfel der 
Zeitverhältniffe manches Ereigniß, das bald wohlthätig, bald verderblich 
auf feine Eriften; wirkte. Bey dem Umſtande, daß von nun an bie Lands 
tage fortwährend in den Ebenen bed Peſther Gebiethes gehalten wurden, 
und Ludwig I. feine Refidenz von Wiffegcad nah Ofen und 
Siegmund bie feinige auf den heutigen Feſtungsberg verlegte, mußte 
ber Wohlſtand der Stade fi merklich heben, wozu die Beglinftigungen 
Biegmund’s das meifte beytrugen, indem er ben Bewohnern das 
Marktrecht fhenkte, und bie für jene Zeiten noch nicht allgemeine Ehre 
juficherte, eigene Deputirte mit Sitz und Stimme auf ben Landtag 
fchicken zu. können. Ein Einfall der Osmanen 1529 brachte Schreden 
über P. Nach einem abermahligen mißlungenen Verſuche Kaifer Ferdi⸗ 
nand's I., mußte P. fi) dem türkifhen Joche wieder unterwerfen, und 
wiewohl -1541 Diterreih mit erneuerten Kräften einen Feldzug gegen 
diefe Feinde unternahm, fo war doch fein Ausgang minder glücklich, wo⸗ 
bey die Belagerung und Eroberung der Stade noch alles vernichtete, was 
die fonjtigen Kriegsſtürme übrig gelaffen hatten, und in dieſem teauris 


186 petrtb 


Los für bie Stadt, fo wie für das ganze Fand durd) die Waffen 

erreicher entjchieden wurde, Der Herzog von Lothringen und der 
Prinz von Baden zogen mit ihren Truppen ohne Widerftand in P. ein, 
metdhe.hh Türken ſchon früher verlaffen und zum 5. und Iegten Maple 
in Beſitz gehabt harten. Die eroberte Stadt hatte ein trauriges Aus- 

Jen, Brande zeeitört, fag fie geößtentheifs im Schutte- bie noch 
rigen Gebäude waren Mir niedrige Hutten und Ställe. Sie hatte 
keine Vorftädte, fondern war innerhalb ihrer Mauern befchränt, die 
durd bie mannigfaltigen Belagerungen oft zerſtört und durch bie Tür⸗ 
ken nur darum wieder ausgebejfert wurden, um Schutzwehr gegen neue 
Anfälle der Ofterreicher zu haben. Die Einwohner waren gering ander 
Zahl und arm, wenige Chriften unter ihnen, faft die meiften Fremde, 
die ſich nach dem Abzuge der Türken auch allmaplig verloren. Diefe in 
verſchiedenen Epochen oft fo berühmte Stadt hatte endlich durch die vers 
derblichen Kriege ihre früheren Privilegien, Freyheiten und Rechte, ja 
fogar das Andenken an diefelden mir den Urkunden zugleich verloren, 
Doc) bald lockte die allgemeine Ruhe und Sicherheit viele Fremde in 
diefen zum Handel geneigten Pla, deren erite Ankömmlinge Raizen, 
und fpärer auch Deutſche waren. Das aufmerkfame Auge Leopolds I. 
ſuchte durch wopfthärige Anordnungen die raſchen Schritte der Cultur 
aut unterjtügen, und fo ging eine woplthätige Sonne auf über die neue 
Pflanzung diefes lange durch zerftörende Ereigniffe öde gelegenen Oruns 
des, und wenn aud) die für Ungarn fo verderblihen Unruben des Fürs 
ften Räkoczy wieder manche traurige Erinnerungen an die Vergane 
genheit weckten, fo waren dieſe doch für das Innere der Stadt ohne 
üble Folgen, da ſich die Wuth der fogenannten Kurußen an den Mauern 
diefer Stadt brad. Nah 7 unruhigen Jahren wurde endlich 1711, 
vorzügliä) durd die Bemuhungen des Generals Joh. Grafen von 
Palffp, dieſerde a ko chh ſcheKurutzen-⸗Krieg, und mit ihm der Einfluß der 
Tuͤrken indie Angelegenheitenlingarns gehoben. Anfangs des vorigen Jahre 
hundertes ſah ſich P. noch unter den undedeutenditen Flecken des Könige 
reiche. Teopold I. erhob es exit 1703 in den Rang der Fönigl. Frey⸗ 
födte ; eine Auszeichnung, die jedoch noch keineswegs zu einem Schluffe 
auf eine ſchon damahls anfehnfiche Bevölkerung berechtigte. Daß ſich im 
Gegentheile die Zunahme ihrer Ausdehnung erit von Maria There 
fia’s Regierung an datire, beurkundet der Nahme ihrer älteften Vor: 
fäpte, Idre nachmahlige Vergrößerung nahm ihren höchſten Schwung 
unter Raifer Zofepb II, wo fie an Flaͤchenraum beynahe die Hälfte 
i “ ’ 





"De ft bi —8 1 


ihrer gegenwärtigen Groͤße gewann. Die Richtung, welche dieſe Ver: 
größerung landeinwärts in Form zweyer Flügel, einen nördlichen und 
einen öſtlichen, genommen, ließ noch zu beyden Seiten der Stadt einen 
unbebauten Raüm, deſſen vortheilhafte Lage am Donauufer die immer 
ſteigende Induſtrie der letzten Decennien unmöglich überſehen konnte, 
und auch wirklich zur Anlegung zweyer ganz'neuen Vorſtädte zu be—⸗ 
nuben wußte. In dieſer Ausdehnung breiter ſich die Stadt P. jetzt 
in ungeregelter Form, auf einer weiten &andflähe aus, die ihr 
Raum genug zur ferneren Vergrößerung biethbet. — Topographie: 
P. liegt am linken Ufer der Donau, Dfen gegenüber. Der Umfang 
der Stadt und der von 5 Barrieren eingefchloifenen 4 Voritädte, bes 
trägt 13 deutihe Meilen. Die Zahl der Gaſſen beläuft fih im Ganzen 
auf 200, die Zahl der Haͤuſer auf 4,510 mit Inbegriff von 13 Kirchen, 
und die der Einwohner ohne Garniſon überſteigt 60,000. Unter den 
Kirchen ragt die Univerſitätskirche durch ihre prächtigen Thürme und 
meiſterhaften Srescomaleregen hervor. Demnaͤchſt ift die gothiſche Pfarr: 
Eiche der innern Stadt mir dem Grabmahle des Seld;eugmeifterd Kray 
febenswerth. Die übrigen katholiſchen Kirchen find von keiner architek⸗ 
tonifhen Bedeutenheit, wogegen die griehifhe Kirche an der Donau in 
jeder Hinſicht unter die vorzüglichften Gebäude gehört, Die heyden Kir 
chen der Proteftanten und Neformirten find von einfaher Bauart. — 
Unter den öffentlihen Gebäuden zeichnet ſich das Invalidenhaus 
mit 4 Stockwerken und einem Umfang von 370 KT. aus. Die übrigen 
fehenswürdigen Gebäude find: Die Univerfitäat, das große Lagerſpital, 
das Mufeum, das Piariften-Eollegium, did Curia und das Comitathaus, 
das prächtige Theater, über 3000Menfchen fallend, das Bürgerhofpitalzc., 
dann die Privatpafäfte der Oraten Kar olyi, Sändor und Almafy, 
der Freyherrn Orczy und Brudernu.m.a. In der Verzierung der 
WBaarenauslagen ahmt P. die gefülligen Ausftattungen Wien’s nad. 
P. iſt der Sie der Septemviral⸗ und Eönigl. Tafel uud anderer Stels 
len. Außer der Univerfität als Anſtalt, welche aus 49 Profeiforen bes 
fteht und gewöhnlich gegen 1000 Studenten zählt, befinden ſich noch 
mehrere wichtige literariiche Snititute in P. Obenan ftebt die ungar, 
gelehrte Gefellfchaft und das Nationaf-Mufeum mitdem Münze und Antis 
- £en=, und dem Naturalien-Cakinet, dem technifhen Mufeum und einer 
Bibliorhek von 12,000 Bänden. Die Univerſitäts-Bibliothek enthäft 
60,000 Bände. Ferner gebören zur Univerſität das phyſikaliſche, das 
anaromifch:pathologifche und das NaturaliensCabinet, der große botani« 
fhe Barten und die Sternwarte in Ofen. Sonſtige Offentliche Anſtal⸗ 
ten find: Die Thierarzneyfchule, das Gymnafium, ein englifches Fraͤu⸗ 
leinitife, die NormalsHauntfchufe und ÖTrivialfchulen, dann die Schulen ter 
Griehen, Proteftanten, Reformirten und Juden. — Zu den Wohl: 
thätigkeitd-Anftalten find zuzablen: Der wohlthätige Frauenverein, das 
feadeifhe Beamten: Penjiond:Snftitut, das Bürger, das Univerfitätd:, 
das Militärs und Armen: Spital, die Spitäler der nichrunirten Griechen 
und ber Juden, das Armeninſtitut ꝛc. — P. hat 26 Kaffehhäufer. Ei: 
nige Ähnlichkeit mit dem Prater in Wien hat das Stadtwäldchen oder 
der neue Volksgarten außer der Therefienvorftadt. Auf ter Moxdoxs⸗ 


483 Peftder, Pilifer und Solther Geſpanſchaft. 


tben« ober. tininfel befinden Beesiche Ant wo jãl am 
Sonntage er olksfeſt Statt findet, aan 
wird jährlich am Oſtermontage auf dem Blocksberge in Of e ——— 
welches mit allen uͤbrigen dieſer Art denſelben Charakter hat. Es beſteht 
aus den verſchiedenartigſten Beluſtigungen, wobey ſich eine unges 
beure Menſchenmenge im, bunteſten Gewirre der Froͤhlichteit bingibt, 
Die —— des Perther Theaters gibt dos ganze Jahr bin« 
durch täglich e ‚im deutſchen Schaufpiele und in der Oper. 
Die Breite des Vordergeundes der Schaubühne beträgt 51 Buß, weß ⸗ 
wegen das Theater, a zu. größeren Spectafelitücden geeignet iſt. — 
Die eigentlipe innere Stadt heißt die Altſt adt und beiteht aus 696 
Hufen, So alt und unregelmäßig fie ifty wird doch ihr finiteres Ause 
fehen durch die einzelnen ſchönen Gebaͤude unterbrochen — Von den 4 
Vorkidten iſt die Leopoldftadt, auch Neuftadt genannt, der noͤrd⸗ 
liche Tpeilvon P. Der neue Marktplag zeichnet ſich Durch die Negelmäpige 
Eeir der Gebäude aus und gehört unter die größten Pläge, 100 KL. lang» 
93 Kt. breit. Er dient ais Paradepfag für die- Öarnifon und iſt der 
Centralpunet des Handelsverkehrs. Das größte Gebäude der Leopold» 
ade üt-das Zofephinife oder Neugebäude mit 5 Höfen, ein ungeheus 
ger Koloß, der jetzt als Artillerie-Laferne und zum Munitionsdepot vers 
wendet wird. Die Therefienftadt ik fehr lebhaft und wird -meiftens 
von Juden bewohnt, Weniger bemerkenswerth find die JZofenbitadt 
und, — t. — Durch die Donau, ſteht P. mit —— 
ob und unter der Eins, mit Deutſchland und der Türkey in Verbindung, 
Bey 8000 Fahrzeuge landen jährlich an den hieſigen Ufern, Mit allen 
Manufacturen und Naturproducten wird auf dieſem Haupthandelsplatz e 
Ungarns, der zugleich den Hauptplatz der ungar. Induſtrie durch vig- 
faltige Fabriken und Gewerbe, bildet, der anſehnlichſte Verkehr getrie ⸗ 
ben, vorzüglich mit Getreide, Wein, Wolle, Holz und Hornvich. Die 
& Peither Jahrmaͤrkte werden von Kauf: und Handelsleuten aus allen 
Bahn Europa’s beſucht. Eine Schiffbrucke von 240 Kl. verbindet P. 
mit O fen. ; 
Peſther, Pilifer und Solther Gefpanfihaft, vereinigte, in 
Ungarn größtentpeils zwiſchen den Slüfen Donau und Theiß,, zum 
Theile aber doch aud auf der rechten Seite des erſteren Fluſſes gelegen, 
19142 geogr. O-M. groß, Die, Bevölkerung beläuft ſich auf 386,000 
Menſchen, welche in 3 Städten (Ofen, Peſt h und Waigen), 20 
Märkten, 160 Dörfern-und. 111 Prädien mohnen. — Der nordweitlihe 
Theil auf der rechten Seite der. Donau iſt gebirgig und ein. Theil bes 
großen Bakonyer Waldes dehnt ſich in demfelben von der Weftgränge 
bis an die Donau aus; dagegen iſt alt Land über der Donau völlig 
eben und fo niedrig, daß es häufigen Überſchwemmungen unterliegt. 
Dort befindet ſich aud unweit von Peſt h das berühmte Feld Mäfos, 
wo die Ungarn bis zu.den Zeiten Ludwig’ IL oft ihre Landtage hiel« 
tert, md während derſelben auf freyem Felde bivouaquirten, oder in 
Zelten ſich aufhielten. Diefes macht auch einen Theil der Kecskemeter 
aide aus, deren unfruchtbarer Boden aus Sand, und den Reften uns 
Ioliger Schalthiere befteht, die noch deutlich auf einen ‚großen See oder 


——0 


— 


* 





Deftfeudhen. . 189 


ein Meer Hinmeifen, das ihn in früheren Selten bedeckte. — Det frucht⸗ 
barfte Theil diefes Comitats ift der nördliche, und zwar vorzüglich auf 
dem öftlihen Donauufer, wo guter Aderbau, ziemlich ftarke Vieh⸗ 
zucht und zugleich der Weinbau in großer Ausdehnung betrieben wird, 
welches leßtere aber nicht weniger auf der Weſtſeite der Fall ift, wo an 
bem füdlihen Gebirgsabhange die trefflihen Ofner Weingewächfe vor» 
Deftfeuchen im Sfterreichifchen ARaiferftaate und befon- 
ders in Wien. — Die Peft, diefe furchtbare Geißel der Menfchheit, 
hatte zwar aud ſchon in den älteften Zeiten, durd Völkerwanderungen, - 
Kriege, die Kreuzzüge 2c. begünſtigt, von ihrer eigentlichen Meimath, 
Afien und Afrika ausgehend, das öftliche und füdliche Europa, befonders 
aber Ungarn und Oſterreich periodenweife heimgefucht, doch am drohende 
ften wurde die Gefahr nad) dem alle des griedhifchen Kaiſerthums, wo 
die Dsmanen ald nunmehr unmittelbare Nachbarn der öfterreichifchen 
Staaten diefen um fo mehr Gefahr bradıten, als die verberbliche Seuche 
unter diefen afiatifchen Horden einbeimifch.und faft unausrottbar war; 
letzteres um fo mehr, als fie Eeine Vorkehrungen dagegen madıten und 
die meiften ihrer Einrichtungen und bequemen Gewohnheiten eher als 
eine Pflanzſchule diefes furchtbaren Übels zu betrachten waren. Ihre, 
anfänglich von wilder Siegestrunkenheit geleiteten Eroberungszlge droh⸗ 
ten endlich die Seuche allenthalben zu verbreiten. ‚Auch waren zu jenen 
Zeiten die Sicherheits und Votfichtsmaßregeln theild von irrigen Be⸗ 
driffen über die Natur der Peſt geleiter, bey weitem unzulänglid und 
u einfeitig; anfangs feßte man ihnen nur Proceilionen, Gebethe und 
inftellungen aller ErgöglichEeiten entgegen, weil man fie übernatürlis 
hen Einflüffen zufchrieb, wodurch denn natürlich die bangenden Gemüs 
ther noch befangener und, wie neuere Erfahrungen lehren, die Körper 
empfänglicyer für Anſteckungen gemacht wurden, zuweilen fchrieb man 
fie wohl auch im fanatifchen Eifer den Juden zu, welde fie durch Vers 
giftung der Brunnen ıc. veranlaßt haben follten, und verfolgte diefe mit 
euer und Schwert, während man den eigentlihen Beind ruhig forte 
wüthen ließ, — theild waren auch die allgemeinen Sorgen wegen 
den Fortſchritten der Zürken und für die Eriften, der chriſtlichen Staa⸗ 
. ten in Europa vorberrfhend und erlaubten nicht eher dem immateriels 
len Feinde kräftigen Widerftand zu leiften, als bis man dem materiellen 
wirkfam begegnet, und feinem SiegeszugEinhal gethan hatte. Erft in neuer 
ver Zeit, ald durch die Siege bes Herzogs von Lothringen, Eugen’su. A. 
bie türkifche Ubermacht gebrochen und in ihre beftimmten Graͤnzen zurüds 
gewiefen war, verminderte fü die Gefahr einer abermahligen Verbreis - 
tung diefer verheerenden Seuche in unferen Gegenden , die beffere Aus⸗ 
bildung der Arzneykunde und des Sanitätsweſens, wie die umſichtigeren 
Maßregeln der Landesregierung trugen ebenfalls vieles zur Befeitigung 
‚derfelben bey und nahmentlid find die jegigen öfterr. Contumazanftals 
ten an der Seeküſte und der allgemeine Peftcorton gegen die Kürkey 
mufterhaft zunennen, und bewahren gegenwärtig wirkfam gegen ein. 
Übel, welches diefem Welttheile in früheren Sahrbunderten fo oft Tod 
und Verderben brachte; eb läßt fih mit vielem Grunde hocen, Ro key 


190. Peſt ſeuchen 


fortſchteitendet Cultur auch vielleicht der türkiſche Staat ſich beftimmt 
fühlen dürfte, durch innere Anſtalten und in dem Contumazjfpfteme den. 
Nadbarn-die Hände biethend, alle Kräfte, anzuwenden, um dieſes 
furchtbare bel wenigftens in Eu gänzlich ausqurotten. Folgendes 
iſt eine gedrängte chronologiſche Überſicht der ſeit einem Jahrtau - 
ſend im Oſierreich eingerrungenen Peſt mit ‚einer ausfuhrichen 
Darſtellung der 1679, vorzüglich in Wien furchtbaren großen 
Peſt. — 888 entſtand eine große Peſt, woran beſonders in Böhmen und 
Mäpren viele Menſchen ſtarden und die man der außerordentlichen Hitze 
N ommers zufehrieb. 1006 Peſt durch ganz Deutfchland, von Hun ⸗ 
gersnoth begleitet, welche durch 3 Jahre währte. 1066 Peſt in Böhr 
men, 1133 ebenfalls dafelbft. 1312 und 1313 in gan; Deutſchland 
große Peſt und Hungersnoth5 erftere ſchrieb man den grofien Statt ges 
babten Überſchwemmungen zu; . 1337 ebenfalls ‚verheerende Pet in 
Deuiſchland, 1348 —49 furchtbare Peft in Deutſchland und Ofterreic, 
der ſchwarze Tod-genannt, vielleiht eher eine Art Cholera, Zu 
Wien farben an jedem Tage über 100 ,/ja zur Zeit, wo bie 
Krankheit am meiiten wüthete, an und über 1000 Menden. Der Bes 
gröbnißplag war in- Wien auf dem fogenannten St. Colomans . 
Gottesacker vor dem Kärnthnerthore, wo noch heut zu Tage eine fleis 
nerne Saͤule zu ſehen üft, Dee blinde Wahn ſchrieb diefe Seuche allente 
halben den Juden zu, ‚welche die Brunnen vergiftet haben follten und 
viele Taufend derfelben wurden auf die graufamfte Art hingerichtet. — 
1381 Fam die Peft neuerdings nad) Ofterreich und wüthete befonders im 
Wienfofehr, daß bey St. Stepbanallein 15,000 Menfcyen begraben 
wurden, eine Maßregel, welde freylich die Ausbreitung der Seuche 
noch medrte, vom 24. Zuny bis 8. Sept. d. 3. follen in Wien allein 
gegen 40,000 Menſchen geftorben feyn. 1408 herrſchte ebenfalls eine, 
jedoch nicht Tange anhaltende Peft in Ofterreich. 1435 Peſt in Diterrei 
und Wien, wefwegen die öffentlichen Schulen in Wien durd einige 
Monathe gefperrt waren. 1541 herrſchte die Peft abermahls in Wien 
und Ofterreich und den angrängenden Ländern, ohne indejfen große Were 
heerungen anzurihten; — mit Anfang 1679 brad die große Peſt in 
Wien aus, deren furdtbare Verheerungen ewig denfwürdigin den vater - 
laͤndiſchen Annalen find. Sie zeigte ſich querit inder teopolditadt, vers 
breitete fih dann in die übrigen Voritadte und zuletzt auch in der Stadt. 
Anfangs batte man diefe Seuche nur ald ein Übel betrachtet, welches 
duch die Unreinlicpfeit und unregelmäßige Lebensart der ärheren Wolkse 
claſſe entitanden ſey und alfo ihre Opfer auch nur unter diefen fuche, 


bald aber breitete fie fich gleich fhonungstos Über Arm und Neid, Hoch 


und Niedrig, und der Zuftand des Schreckens und der Verwirrung war 
unbeſchreiblich. Viele reiche und adelige Familien flüchteten fih auf das 
Land, jainentferntere Provinzen, Kaifer Leopold 1. verließ jedoch 
Wien erſt mit feiner Familie den 17. Auguft und begab fih nah Mas 
riazelt, von da nah Prag und endlich nad Lin z. Indeſſen wir 
thete die Seuche mit furchtbarer Gewalt in der Stadt, den Vorſtädten 
und den herumfiegenden Gegenden. In erfterer waren kaum 30 Hau— 
jerz bie niche Kranke hatten und fehr viele ftarben gänzlich aus. Man 


Deffeuden. 191 


führte ganze Wagen voll Todte kıy Tag und Nacht zu allen Thoren 
binaus und warf diefe zu Zaufenden in große, zu diefem Zwecke gegra⸗ 
bene Sruben. In Scharen liefen die Kinder heulend den Wagen nad), auf 
welchen ihre Altern binaufgeführt wurden und die Zahl Liefer verlafle: 
nen Waifen mebrte fi) fo fehr, daß der Stadtrath ganze Wagen voll 
diefer armen Geſchöpfe aufs Land führen und dort auf öffensliche Koften 
verpflegen ließ. Da der Ärzte und Wundärzte immer weniger wurden, 
auch fi) natürlich nicht gerne freywillig in Todesgefahr begeben wollten, 
ſo mußte man mehrere gefeifelt in die Epitäler führen und endlich Vers 
brecher zum Lazarethdienft verwenten, da fi das Übel fo contagiös - 
jeigte, daß fi die nächften Rachbarn, ja Verwandten fcheuten, ſich zu 
berühren ober mit einander umzugehen. &tadt usıd Vorftadte, Straßen 
und Pläte, Baſteyen, Gärten und Weingärten wimmelten von Krans 
fen und Sterbenden. Bey diefer allgemeinen Noth zeichnete ſich beſon⸗ 
ders der wadere Fürſt Ferd. Wilb. von Schwarzenberg 
aus, welder räglih Vormittags und Nachmittags auf den Gaſſen und 
Plägen herumritt, alles mit eigenen Augen leitete und fowohl turd) 
reichlihe Beyſteuer, ald auch durch nöthige Mafregeln der Etrenge das 
große allgemeine Elend zu lindern ſuchte. Im November trat eine fcharfe 
Kälte ein und die Peft ließ fhon etwas nad. Im December endli wurde 
die Luft noch Eülter und reiner und das Übel verlor ſich gänzlich. Nun 
fanden ſich auch wieder von allen Seiten betriebfame Menſchen in Wien 
ein, welche die Verftorbenen zu erfegen begannen und am Weihnachts⸗ 
tage wurden alleinbey St. Stephan 95 Paare getraut. Die Zahl der 
in dDiefem Jahre nur in der Statt allein von der furchtbaren Seuche 
dabin Gerafften wird auf folgende angegeben: Im Dänner 410, im 
Februar 359, im März 3,797, im Aprit 4,963, im May 5,727, im 
Jung 6,557, im July 7,507, im Auguft 4,517, im Sept. 6,774, 
im Oct. 6,475, im November 2,400, a’fo zufammen 49,486. Sammt den 
Vorſtaͤdten aber foll die Zahl ihrer Opfer 122,849 betragen haben, 
welche in 77 eigens dazu aufgeworfenen Gruben von großem. Umfange, 
deren manche 4— 5000 Zodte faßte, begraben wurten. Gleich verhee⸗ 
end hatte die Seuche auch in den naken Umgebungen Wiens, weni« 
ger in den entfernteren und in den Provinzen gewüthet. — 1601 
berrfchte neuerdings eine anſteckende Seuche in Wien, es ftarben je 
doch nur 36 Perfonen daran. Die leute große Peſt zu Wien und 
den Umgegenden enıftand Anfangs 1713, fie war aus der Türkey nad 
Ungarn gekommen und von da burd eine arme Meibfperfon in 
Wien eingefchleppt worden. Vorzüglich wüthete fie in den Vorftätten, 
verfchonte aber auch die Stade nit und verbreitete ſich bald über alle 
benadbarte Drtfhaften. Nebſt den öffentlihen Andachtsübungen ge» 
brauchte man dießmahl durd die Vorforge des Kaiferd Cart VI., der 
fortwährend in Wien blieb, beifere Vorfiht und Nettungsmistel und 
die Seuche wurde daher minder verderblih, als jene von 1679. Weir 
dem Eintritt der Fälteren Jahreszeit ließ die Seuche nach, verſchwand aber 
erft im Februar 1714 gänzlich. Der an dieſem Übel in der Stadt und den Vor: 
ftädten Dadingerafften zählte man 8,644. In den nahegelegenen Ortſchaf⸗ 
ten Döbling, Dornbach, Sievering, Salmanstark, 


8 


192 Peter, Rönig von Ungarn. 


Grinzing, Weidling, Hernals, Währing, Ottakrin 
undNewlerhenfeld: zufammen 1154 Perfonen. Ungarn wurde 
am härteften mitgenommen. Seit diefer Zeit wurde durch errichtete Cor ⸗ 
dons · und — —— an der türkifhen ränze, jedem Weiter: 
ifen dieſes furchtbaren uͤbels gefteuert und es ergriff feitdem nur 
Cund Dep äußerft jelten) höditens einige wenige Gränzörter. Als Di 
mahle der Erinnerung diefer verheerenden Seuchen beftehen in Wien bie 
Deepfaltigkeitsfäufe auf dem Oraben, welche der Wiener iftrot noch 
im Oct. 1679 errichten, und die ſchoͤne Carlskirche, welche Kaifer Carl Vls 
in Folge eines Gelübdes 1716 erbauen lief, Vergl. Cholera und 
Contumaz-Anftalten 
Peter, zweyter König von Ungarn, Schwefterfohn und Nachfol- 

ger Stephan's des Heiligen, kam 1038 zur Regierung. Gleich 
nad Antritt derfelben begegnete er der verwitweten Königinn Gifela 
fehr hart und ließ ihr kaum das Nöthigfte zuihrem Unterhait. Dadurdy 
und durch feine Bedrückungen überhaupt zog er ſich den Haß ber ungar. 
Nation zu, in Folge defen P. auf einem allgemeinem Landtage vom 
den erbitterten ungar, Ständen fffentlic abgefeßt, und auf feine Stelle 
SamuwelAba (f.d.), der mädtigfte Here in Oberungarn, und 
ein Verwandter bes verftorbenen Königs © te ph an gewählt wurde, 
der ſich mit einem Eide verpflichten mußte, P. aus dem Reiche zu ent 
fernen. Und fo fah ſich diefer gezwungen, Ungarn zu verlaffen, nach · 
bem er nicht volle 3 Jahre gehertſcht hatte, Er ging nad Deutſchland 
u Kaifer Heinrich IH, von welchem er Hülfe verlangte, indem er 

ih als einen Wafallen des deutſchen Reiches erklärte, wenn ihm der 
Kaiſer Beyſtand leiſten, und ihn in fein Reich wieder einfegen würde, 
Der Kaifer ging die vortheilhafte Bedingung ein, und zog mit einer 
ftärken Armee nad Ungarn, wo er große Verwüſtungen anrichtete, und 
die Ungarn in verfiedenen hartnädigen Treffen flug. Diefe hielten 
endlich beym Kaifer um Frieden an, welcher ihnen unter der 

zugeftanden wurde, daß fie P. wieder als ihren rechtmäßigen Herrn 
erkennen follten. Da man die Bedingung nicht einging , fo ſchloß 
Heinrid II. einftweilen einen Waffenſtillſtand, und Pr nah 
Deutſchland zurück. — Durch die Graufamkeiten des Königs Samuel 
Aba aufgebradt und empört durch die Einführung des alten heidniſchen 
Gottesdienftes fahen ſich die ungar. Magnaten nunmehr gezwungen, bey 
Kaiſer Heinrich um die Wiebereinfeßung ihres vertriebenen 

ſelbſt anzuſuchen. — Nahdem Samuel Aba,diefes nicht achtend, die 
Mark Ofterreic bis Melk mit Feuer und Schwert verheert harte, und 
ſich dann wieder nah Ungarn wandte, brah Heinrich in Begleitung bed 
Königs P. in Ungarn ein, griff Samuel Aba bey Raab an, ber 
fiegte ihn und flug die Ungarn gaͤnzlich in die Flucht, wobey er jedoch 
feldft feinen Tod fand. Nun räumten die Ungarn (1044) ihrem vorigen 
Könige alle Macht wieder ein, uud diefer unterwarf ſich und fein Fand, 
wie er verſprochen hatte, dem deutſchen Reiche. Doc bald verfiel er 
wieder in feine vorigen Lafter, und die unzufriedenen ungar. Staͤnde 
wollten den älteften Sohn Ladislaus des Kahlen aus dem arpas 
Difiven Stamme auf den Thron ſetzen. Als nun P. den plöglihen Abfall 





Deter, St. — Peterwardeiner Reg.-Bezirf. 193 


der Nation erfuhr, floh er zum Markgrafen Albert von HÄſterreich, 
ward aber beym Dorfe Zamur eingeholt und gefangen genommen. Man 
brachte ihn nah Stublmweißenburg, wo man ihm beyde Augen 
ausſtach, und wo er auch Anfangs 1046 fein unglückliches Leben 
befchloß, nachdem er dad zweyte Mahl nicht ganz 2 Jahre regiert 
hatte. Seine Leiche wurde in der Petersliche zu Fünfkirchen 
beygefebt. 

Deter, St., ſteyermaͤrk. Dorf bey Judenburg im Judenburge 
Kreife, mir3 Senfenhämmern, verfendes jährlich an 55,000 Senfen nad 
Deutſchland und Rußlant. 

Deter, St., kleines tyrol. Dorf im Bogener Kreife, unweit Klau⸗ 
fen, auf dem öftlihen Gebirgsabhange, welder die Ausmündung bed 
Grödnerthals bilder. Das hieſige Mineralmwafler wird ſchon feit mehr als 
100 Jahren ſowohl zum Baden als zum Trinken benugt und vorzüglid 
von den Bewohnern des Grödnerthals befucht. 

etersdorf, f. Bertboldsdorf. 
eterswalde, böhm. Dorf im Leitmeriger Kreife, in einer ho⸗ 
ben, rauhen Gegend, hart ander fühl. Gränze, mit 2,200 Einw., hat 
‚Fabriken von Löffeln, Schnallen, Feuergewehren zc. und ein Graͤnz⸗ 
ollamt. 
Peterwardein, freye Militärcommunitätoder Stadt und Stab⸗⸗ 
ort in der ſlavoniſchen Militärgränze des Peterwardeiner Regimentsbezir⸗ 
kes, dicht an der Donau, zwiſchen nahen Gebirgen und fruchtbaren Hü⸗ 
geln, eine ber ſtaͤrkſten Feſtungen in der Monarchie, mit dem gegenüber⸗ 
liegenden Neuſatz durch eine Schiffbrücke verbunden. Die Stadt an 
ſich iſt ſehr Hein und zählt nur 62 Häufer, bat aber mit ihren beyden 
Morftäbten Qudwigsthbal und Rochusthal, 483 Käufer und 3033 
Einwohner. Auf demFeſtungsberge liegt die obereFeſtung und das Hornwerk; 
. am nördlihen Fuße des Berges und zum Theil auf einer ſanften Anhöhe 
die untere Stadt, melde ebenfalld mitbreiten und tiefen Gräben, diemit Waſ⸗ 
fer gefüllt werden können, hoben Mauern und Navelins umgeben ift. 
Auf der Süuͤdſeite liegen die beyden WVorftädte. Manche rechnen auch noch 
das über eine Stunde nach) Süden gelegene Dorf Bukowitz von 321 
Häuf. und 1,826 Einw. dazu. Unter dem Bräuerthor ſieht man die Wafe 
ferpumpe, durch welde die Feſtung mittelftmetallener Röhren mit Wafs 
fer verfeben wird. In.allem zäple P. 4 Kirchen, ein Militärfpital, 3 Nors 
mal: und eine iliyr. Schule, ein reich verfehenes Zeughaus, mit mehre: 
ren Sebenswürdigfeiten aus den Türkenkriegen. Die Weitläufigkeit der 
Seftungswerke macht eine Befakung von 10,000 Mann möglid. Das 
flavon. Generalcommando, ein Feſtungscommando und verfhiedene an« 
dere Amter haben bier ihren Sig. 1716 erfoht Prinz Eugen von Sa⸗ 
voyen bey diefer Stadt einen großen Sieg über die Türken. Zur 
Beluftigung der Einwohner dienendas Glacis vor dem Belgrader Thor 
die Spaziergängenad den Pulverthürmen und nah Neu ſatz, und einis 
ge öffentliche Gärten. 

Deterwardeiner Regiments-Bezirk in der flavonifhen Mili⸗ 
tärgrange, mit einem Areal von 56} geogr. Q. M., bat 71,000 Einw. 
in3 Städten (Peterwardeig, SemlinundGarlowik), Mark 

Defkerr. Rat. Encyll. Bd. IV. 12 


194 Petri 


flecken und 68 Dörfern. Won den Producten iſt der vorzügliche Carlowi⸗ 
Ber Wein zu erwähnen; wichtig iſt der Tranfito-Dandel durch Semlin, 
aus und nad) der Türfey. De | 
Petri, Bernhard, Wirtöfhaftsrath, Gutsbeſitzer und Eigenthtir 
mer einer-teinen original-fpanifhen Merinos-Stammfchäferey zu The 
refienfeldbey Wiener: Neufadt, Eprensund correfpondirendes 
Mitglied mehrerer in⸗ und ausldndifher öfonom. Gefellihaften und 
Scafzlichter- Vreine,itt geb. zu Bweybrüden den 2, Aprif 1767. 
Nach vollendeten Studien bildete er ſich auf practifhem Wege vorgüge 
lich in jenen Naturwiſſenſchaften aus, die mit der Ausübung — 
ſchaftlichen Landwirthſchaft in Verbindung ſtehen. Begünſtigt durch den 
damahligen Herzog Carl Auguft von Pfalz-Zweybrücken, machte P. 
ur Erweiterung feiner Kenntniſſe eine Reife nad England und er 
ielt nach feiner Rückkehr die Oberleitung aller Garten» und Battanftale 
ten inder Reſidenz CarlsbergbeyZwepybrüden. Durch diebald dar- 
auf erfolgte widerrechtliche Beſetzung der Rheinpfalz durch Die Frangoſen 
wurde Ps nebſt mehreren Wohlhabenden zur Auswanderung veran⸗ 
laßt, und er begab ſich in die öfterreichlichen Staaten, wo er, mit meh⸗ 
reren Empfehlungsſchreiben verfehen, einer guten Aufnahme genoß und 
durch mehrere, befonders ungar. Cavaliere häufig, feinen Kenntniffen 
gemäß, befhäftigt wurde, Bald erhielt P. auch eine Anſtellung als fürſtl. 
Liech ten ſt ein ſcher Güterdirector aufden Herrſchaften Lo osdorf,Has 
gendorfund Burg aa, welche er durch längere Zeit auf das ausger 
. zeibnetite bewirthſchaftete. Um für die dafelbft durch ihn eingeführten 
‚großen Schafereyen Merinos zu kaufen, unternahm P. 1803 eine Rei⸗ 
fenad Spanien und.wußte ih, troß des dafeldft kurz vor feiner Anz 
Eunft ergangenen ftrengen Verbothes der Ausfuhr derfelden, doc ſowohl 
eine Heerde für den Fuͤrſten, als auch eine zwegte'für ſich ſelbſt heimlich 
zu verfhaffen, die er unter vielen Gefahren über die fpanijche Gränze 
durch Frankreich und die Schweiz nach Deutſchland brachte. Nachdem P. 
nach feiner Rückkehr noch durch mehrere Jahre in feinem Berufe auf das 
eitrig te gewirkt patteundalle die großen Bauten undAnlagen auf den fürſt⸗ 
lichen Glitern in Mähren und Ofterreich unter feiner unmittelbaren Leis 
tung entſtanden waren, fand er fi durd Erſchöpfung feiner phyſiſchen 
Kräfte genörhige, um Jubifirung zu erſuchen, bie ihm mit den ebrende 
ſten Ausdrücken auch von dem Fürften gewährt wurde. Seit diefer Zeit 
lebt P. ‚auf feiner anſehnlichen Beſigung in Therefienfeld, wos 
felbft er auch ein permanentes Verkaufs: Erablifement von original = par 
nifhen Schafitimmen, inzüchilich cufti ündete. Die Gemeinde - 
Therefienfeld hat P nd) chtung zu danken, fo 
brochte er bafelbit ſchon 1812 eine Stande, die in der Fol⸗ 
ge jedoch wieder einging; 1830 führ: 1 unmittelbaren. Die 
restion eine mugefähr 3000 Klftr. aſſerleitung nebit Schleußen 
zur gleichmaͤßigen Verthei ers in alle Viertel der Gemein 
de aus. —Währendber Zeit des Wiener Coꝛ serbielt P. Beſuche von 
den Konigen von Preußen und jedem derſelben eine 
große goldene Medaille zur Aner! I i 
wirtbfdaft, vorzüglich aber um die, 





’ Detrinia.— Petronelt. 195 


heraus: Das Ganze der Schafzucht, mit Kupf. Wien 1815. 2. Aufl. 
3 Thle.eb. 1825. (InKrürfigs Encyklopädie, Band 139 aufgenommen 
umd durch Korth im Auszuge (befonderd: gedruckt) unter dem Titel: 
Das Schaf und die Schafzucht.) — Aufruf an alle Herrſchafts⸗ und 
Schäferepbefiper des-Öfterr. Kaiſerthums, die Begründung von Wolls- 
märkten betreffend, eb. 4823: — Beobadhtungen und Erfahrungen 
über die Wirkungen der. Körner: und Hegfel:Fütterung ıc. 2. Aufl. eb. 
1824. — Phyſiologiſch⸗ comparative Verſuche über die Naprungskräfte und 
Eigenſchaften ſehr verfchtedenartiger Futterpflanzen 2: 2; Aufl. eb. 1824. 
— Die wahre Philofophie des Ackerbaues 2c. eb. 1825. — Mistheilune 
gen des. Intereilanteften und Neueftenaus dem Sebiethe der höpern Schafe 
und Wollkunde. ed: 1829. — Vergleichende Darſtellung des Productions⸗ 
werthes verſchiedenartiger Gewaͤchſe gegen einander ıc. mit Zub: eb. 1829. 
Außerdem lieferte er noch viele Auffäge stonomifchen Inhalts in mehres 
ve VZeitſchriften, z. B. im das parriorifche Tageblatt André's, deſſen 
Hesperns und ökonomifche Neuigkeiten, die Mittheilungen der maͤhr.⸗ 
ſchleſ. Gefellſchaft des Ackerbaues ıc., die Banater Zeitſchrift für Lands 
wirthichaft, Handel, Künite und Bewerbe, die Wiener allgem. Zeit⸗ 
ſchrift für den Landwirth, Foreſtmann und Gäartner 1: ' 

Detrinia, frege Militärcomunität oder Stadt and Stabsort des 
2. Banalregiments in ber Banalgraͤnze der croatifhen Militätgränze, 
in einer ſchoͤnen Lage an der Kulpa, größtentheils von Hol; gebaut, 
bat einen vieredigen Hauptplatz, der mit Maulbeerbaͤumen bepflanzt 
iſt und in deſſen Mitte die Hauptkirche St. Lauren; ſteht. Der Orr 
zahle 701 Häuſ. und 4,364 Einw., worunter 230 nicht unirte Griechen, 
hat ein Schloß, eine kathol. und eine griech. Kirche, eine Oberſchule/ 
nebit 7 Trivialſchulen, eine Töchter:, eine Geomeirie⸗ eine illyriſche 
Nationalichule und ein Spital. 

Petronell, niederöfterr. Markt im w. u. W. W., an der Do⸗ 
nau zwiſchen D eutfdiälte nburg und Wildu ngsmauer, theils 
anf einer Anhöhe, theild in der Vertiefung gelegen, mit 950 Einw., 
Hauptort einer dem gräfl. Haufe Abenfperg und Traum gehörigen 
Fideicommiherrſch aft. Der Ort iſt zum Theil ganz neu erbaut, zum 
Theil alt. Er hat einen Platz mit einer ſteinernen Drepfaltigkeitefänfe, 
eine ſehr alte Pfarrkirche der heil. Pe ttonilla und 3 Capellen. 
Bon legteren ijt die ale &t. Jobannescapelle von runder Form ſehens⸗ 
werth, welche außer P. gegen Wien ſteht, und die Gruft der gräfl. 
Trau n'ſchen Familie enthält. Eine Allee und eine 30 Klftr. lange fteis 
nerne Brücke führen in das, auf einer Anhöhe ſtehende, große herrſchaftl. 
Schloß. Neben dem Schloſſe iſt der Thiergarten, worin ein aus römis 
(dem Materiale erbauter Schüttkaften ſteht. — Hier an der Stelle tes 
alten Carnunts, it der ctaſſiſche Boden Oſterreichs ; und die ergie⸗ 
bigite Fundgrube römiſcher Alterthümer. Es war ein römiſches Municipium, 
eine Zeit lang der Standort der Donauflotille, der großen Schildfabrik, und 
mit Sabaria (Stein am An ger), abwechſelnd der Sitz des Prätors 
von Ober-Pannonien. Man finder in der Nähe noch Spuren bed alten 
Flußhafens, der zweyfachen Burg oder des Prätoriums, des Kaiferpala- 
ſtes, Trümmer von Waritharmen mit Cloaken, bregfachen —XX 

—W 


196: Pettaur — Petter, Ant: 


mit. ben‘ Bäern der ir an det Strahen nah Sur 
—— —— a Moch ſteht in der ‚Nähe des arten 
neinden Tib eriusiwegen Line: 


it faneifhrik. Rammerfabt im artist, 
Städte Stehermarke, war ſchon den Römern 
an linken — in —— 


— * 
anſehnliches us, eine Rofogliofabrik , ee 
andere fändfi — Handel — 
Croatien. Im. (er Entfernung ſteht das alte geraumige füiril, Dieb 
a of Ober. — vömifie lißerrefle: 
—— wurden. Die grohe, an Ufern. der Drau ſich ausdeh⸗ 
* — neh here * —— oder —— 
etter, nt, Direstor der Malerey und Bildhauerey an der Aka ⸗ 
demie der dildenden Künfte. in Wien, iſt geboren zu Wien ben 
2. 1783. In-Berbindung mit Carl Ruf (f.d.), mit dem ihn 
‚gleicher, er ‚zeichnete P. ſchon in —— 
—— Kupferſtichen der berühmteften Meiſter. Eben ſo unermüden 
P. die Meiſterwerke der kaiſerl. und ber fürfil, Lie ch⸗ 
allerien. Won ſeinem eigenen Kunſtſinn en ho⸗ 
hen Muftern d der Alten geleitet, war er eigentlich kein Schüler irgend: 
eine$ lebenden Malers zu nennen. 1808 reifte P. nah. Nom, fludirte 
die dortigen Kunſtſchaͤtze, 1814 wurde er Miiglied der Wiener ·Aka⸗ 
demie der bildenden. Künfte und erhielt in Kurzem nad) einander in 6 
—— Fächern den Preis, darunter durch feinen todten Ariftides 
um erften Mahle vertheilten Heich el'ichen Preis, 1820 wurde er 
Sn eſſor und Director der Kunſtſchule der Malerey und Bildhauerey an 
der Wiener Akademie, an welchem ehrenvollen Plate er feit diefer Zeit 
mit ausgezeichneter Thärigkeit wirkt, Er ift auch atademifher Rath. Die 
meiften feiner Leiſtungen find durch Eompofition, Ausführung und Eos 
Torik vorzüglich, die wichtigſten berfelben find: Der von feiner Mute 
ter gemorbete Meleager, welche dafür ven ben Rachegöttinnen ereilt 
wird, fein Aufnahmsſtuͤck in die Akademie. Oreit, der Muttermorder 
von ben Erpnnien verfolgt; Odin auf Eolonod; Phryne vor dem 
Gericht. der Heliaften;. Thefeus und Piri tbeus, um die geraubte 
Helene lofend; eine lebensgroße Madonna mitdem Kinde und Johans 
nes.Rudolphvonhabsburgin Thränen anDO ttokar's Reihe, Die 
Orazienden A morentdecend. Mehrere große Familien- Porträts in gans 
iiguren. Heil. Jofepb mit bem Ki einer Ölorie von En⸗ 
eln. Abſchied der Apoftelfürften Peter und Paul. Cais und Arie 
pp. BAR und die Hetä vom © tes Ahmafge: Feſt⸗ 





Detter,SJranz 197 


lider Einzug Marimilians I. zu Gent, deſſen Gemahlinn Maria 
empfängt ihn, mit dem Rinde auf dem Arme, ein fhöned Gemälde, 
in der Eaif. Bildergalerie befindlich; ein großes Erucifir u.a. m. Noch 
bewahrt das Portefeuille dieſes Künftlerd eine Menge aut Papier getufche 
ter Compofitionen aus der griechiſchen und rbmiſchen Geſchichte, dann aud) 
hriftlihe und mythologiſche Segenftände. Einige berfelben, vortrefflich 
ausgeführt, find im Beflgedes Erzherzogs Joo ha nn. 
Detter, Stanz, 8. k. Symnaflal-Profeffor zu Spalato,gebos 
renden 4. Febr. 1789 In Waidhofen an der Ibs in Niederöſterreich, 
ftudirte an dem Opmnaflum zu Seitenftettenumd an dem Lyceum zu 
KRremsmüänfter, und abfolvirte die kak. Realakademie in Wien. & 
buldigte anfangs vorzugsweifeder DichtEunft, wovon mehrerein verfchiebes 
nen Zeitfhriften zerfireute Blüthen feiner Mufe zeugen. 1815 unter 
nahm er eine mehrmonathliche Neife nah Stalien, und folgte von nun 
an ganz ben wiffenfhaftlihen Richtungen ſeines Geiſtes. Er lebte nach 
feiner Burüdkunft bis 1820 in Wien, und dann in Gräß, wo er 
unter Veſt jih dem Studium ber Botanikwidmete. Mit Beginn 1823 
erhielt er das Lehramt det deutfchen Sprachfaches am E. E. Gymnaſium 
zu Ragufain Dalmatien und mit Ende 1826 ward er in gleicher 
Eigenſchaft nah Spalato verfegt. In diefem feinen Wirkungskreiſe 
entwidelte P. eine fehr lobenswerthe, fhriftftellerifche Thätigkeit. Er 
bereicyerte die vaterländifche Literatur mit mehreren ſchätzbaren Werken 
ded Mercantilfahes. Diefe find: Anleitung zur gründlihen Erlernung 
der kaufmännifchen Rechnenkunſt, 2 Bände, Wien 1823 — 29. — 
Theoretiſch⸗ practiſches Lehrbuch der Eaufmännifhen Buchführungs⸗ 
wiſſenſchaft, eb. 1826. — Theoretiſch⸗pract. Anweifung zur Verfaflung 
Eaufmännifcher Briefe und Auffäge, eb. 1832. Den Werth diefer fi) vor 
ben meiften andern diefer Art auszeichnenden Werke bemeift der Umſtand, 
daß fie von den Schülern des F. E. yolytechn. Inftitutes commercieller Ab» 
theilung allgemein ald Schulbücher gebraucht werden, und daß der Ver⸗ 
faſſer von der oberften Studienbehörde die Aufforderung erbielt, die 2 
Bände Rechnenktunft auszugsweife in Einem Band ins Stalienifhe ums 
zuarbeiten, welcher er aud) entfprady). (Aritmetica mercantile ad uso 
dell’ I. R. Academia reale e di Nautica in Trieste. )— Ferner ſchrieb er: 
DieSchonfhreibekunft in Briefen eines Lehrers, Grätz 1823. — Gfamma- 
ticatedesca per gli Italiani, Stuttgart 1828.— Compendio di gram» 
matica tedesca (nod) ungedrudt). — Durch feine zahlreihen Nachrich⸗ 
ten über Dalmatien hat P. sine Lüde in unferer vaterländifchen Sta⸗ 
tiitie ausgefüllt. Sie finden fich zerficeut im Hormay vfhen 
Archiv von 1825, in der Wiener Zeitfchrift von 1826 bie 1834, in den 
öfonomijchen Neuigkeiten und Verhandlungen von 1831, in der ſteyer⸗ 
märk. Zeitfhrift 10. Heft und 1. und 2. Heft neuer Folge, inden Jahr⸗ 
büdern des k. k. polytechn. Inſtitutes 17. Bd., in der Negensburger 
botan. Zeitung von 1832. — Diein Sommers Taſchenbuche zur Verbreis 
sung geographiſcher Kenntniſſe in den Jahrgängen 1832, 1833 und 
1834 abgetrudten &i;zen von Montenegro und Dalmatien, wer: 
den mit Recht fur das befte und richtigfte Gemälde von Dalmatien 
gehalten. 1834 erſchien davon in. Zara eine italienifche LUherkeaung, 


198 . Pegek. — Peutenftein. 


aus der Feder bes Verfaſſers unter demTitel: Compendio geografico 
della Dalmazia con un.appendice sul —— ‚Ein groͤßeres 
Wert: „Dalmatien SEEN verfhiedenen Beziehungen,“ wird mach des 
Verfaſſers vorläufiger Ankündigung nächftens —— werden. — 
Alem, was P. ‚Uber Dalmatien, fhrieb, hat er. vieffeit 
Kenntnifle, — —— Forſchungsgeiſt, richtige Auffaſſung des 
Beobachteten und eine große Gewandiheit im Ausdruste bewiefen. — 
‚nicht geringeres Verdienſt erwarb ſich P. um die 
„fonders aber um die botaniſche Erforfhung jenes, in diefer 
fo wenig gefannten Landes. 1832 legte er der Gefellfchaft deutfcher 
und Naturforfcer bey ihrer in Wien Statt gefundenen 
en der von ihm in Dalmatien gefundenen wilbwachfenten 
flanzen unfer dem Titel vor: Botan. Wegweifer in ber — 
"Spalato u. fi wi Zara 1832. — P. war der Erſte, welcher bie in 
Dalmatien. verborgenen botanifhen Schaͤtze in Mehrzahl —— und 
durch die Herausgabe feiner Herbarien den entfernten 
lic mate, wodurch es allein möglich ward, zu einer Yigtigen Ans 
fhauung der dalmat. Flora zu gelangen , Unterfuhungen und Ver ⸗ 
‚gleiche anzuftellen und zweifelhafte Arten zu beftimmen, P, hat —— 
re der Botanik bereits die wichtigſten Dienſte geleiſtet. 
Petzek, Joſ. v., Dr. der Rechte Profeſſor bes Sircenräts 
amd wirkt, miederöfterr. Appelatisnsratb, zu Trautenauin Böhmen 
2 geboren, ſtudirte zu Prag und Olmüsdie Rechte, und wurde 
1738 alz Profeior des Kirchenrechtes an der Univetfität zu Freybarg 
‚in Breisgau angeflellt.. 1787 ward ihm das Blicyer-Revifionsamt, 
1791 auch das außerordentliche Lehramt des vorderöfterr. Provinzial Rechts 
anvertraut. 1800 erhielt er den Ruf nah Wien, um an der. Uni— 
verfität das Kirchenrecht zu lehren, und that au als Appellationsrath 
Dienfte. Die von ihm nac- den fpäteren Werordnungen umgearbeitete Ge 
richtsordnung, wie feine ſoſtematiſch en Geſettſammlungen, waren nüß: 
liche Arbeiten. Die 1796 in mitirärifper Hinſicht mit debensgefahr gelei⸗ 
fieten wichtigen Dienfte verſchafften ihm 1800 den Adelftand, Er ftarb zy 
Wien am 19. Zuly 1804. 

Peurbach (Purbad)), Georg d., Lehrer der Mathematik an 
der.Univerfiät zu Wien, gelehrrer Aittonom , war geboren 1423, zu 
Peurbad in Oberöfterreic (woher auch fein Nabme),  fiudirte zu 

- Wien, befuhte dann mehrere ausländifche Univerfitäten und erhielt 
au gleicher Zeit einen Ruf mach Pad un als Lehrer ber Aſtrons⸗ 
mie, und nach Wien, als Lehrer der Mathematik, wovon er letzte · 
ven vorjog. Er lehrte dafelbft mehrere Jahre mit vielem Erfolge, beſon ⸗ 
ders bat ihm die Aſtronomie vieles zu banken, die er von den aſtrologi⸗ 
ſchen Schladen moͤglichſt zu reinigen füchte. Er ftarb 1461. Im Drude 
erfhienen von ihm: Theoriae novae planetarum, Nürnberg 1472, 
dann noch mehrere Auflagen, die legte Cöln 1581. — Sex primi 
libri systematis Almagesti, mit Rupf. Venedig 1496, Bafel 1543, 
Nürnde$ 1550 u. a. m. 

Peutenftein, nieberöfterr. kleines, aus zerſtreuten Haͤuſern be: 
febendes Dorfim ®. 2. W. U, mit einen —— Vuiriol 





Dez, Bernb. — Dessl. 199 


und Alaunbergwerke. In der Nähe befinden ſich noch zwey andere 
Steinkohlenwerke im Hinterholz undin der Heiß'ſchen Waldung. 

Dez, Bernh., geb. zu Melkin Niederöfterreih 1683, befuchte 
dielateinifhen Claſſen zu Wienund Krems, undtratmit 16 Jahrenin 
das Benedictinerftift feines Geburtsortes, wo er die Philofophie zurück 
legte und dann wieder nah Wien ging, um Xheologie zu ftudiren. 
Er fand außerdem den meiften Gefhmad an der Literatur und hiſtori⸗ 
fhen Quellenkunde, beſonders was die Geſchichte feines Ordens betraf. . 
Er machte fogar für diefen Zweck eigene Reifen, um die VBenedictiners 
Klöfter in Ofterreih, Bayern und Schwaben zu befuchen. Als der k. k. 
Minifter Phil. Ludw.Grafv. Singendorf zum Congreß zu Soiſ⸗ 
ſons gefickt wurde, machte P. die Reife mit ihm, und erhielt dadurch 
noch mehr Gelegenheit, feine diplomatifhen Sammlungen ausden Hand⸗ 
fhriften der Klofter-Bibliotheben diefed Ordens zu vermehren. Das große 
von P. in Manufeript zurücgelaffene Werk: Bibliotheca Benedicti- 
norum, wurde durch feinen Zod zu Melk 1735 unterbrochen. Seine 
gebrudten Werke find: Thesaurus anecdotorum noviss., seu veter. 
monument, ex Germanicis Bibliothecis collectio, 6 Bde. Auge: 
burg und Grätz 1721—29 — Bibliotheca ascetica, 13 Thle. Res 
gensb. 1723—33. — Abgeſchmackt ift feine Agnesis Blanbekin vita et 
revelationes, Wien 1731. | 

Dez, sievon., berühmter Geſchichtsforſcher, war geboren zu Ibs 
in Niederöfterreih 1675. Er trat frühzeitig in den Benedictiner⸗ 
Drden, und zwar in das Stift Melk. Da ihn feine Neigung‘ 
auf die Geſchichts- und Alterthumskunde feines Waterlandes führte, 
und er bierin von gleichem (Eifer mit feinem ältern Bruder und 
Ordensgenoſſen ˖ (iſ. den Vorigen) belebt wurde, fo arbeiteten fie ges 
meinfhaftlich daran, alte Urkunden, Chroniken und andere liberbleibs 
fel des Alterthums von ihrem Vaterlande zu fammeln. Nachdem fie in 
diefer Abjicht die Abteyen und Klöfter von ganz Ofterreich unterfucht hat: 
ten, thaten fie 1717 eben dieß in Salzburg und Bayern. In den letz⸗ 
ten L5—20 Jahren feines Lebens wirkte P. in ſtiller Einſamkeit, nach⸗ 
dem er die bis dahin geführte Aufſicht über die Bibliothek zu Melk ſei⸗ 
nem Ordensbruder Mart. Kropf(ſ. d.) übergeben hatte. Erftarb den 14. 
Oct. 1762. Won feinen Schriften tragen die meiſten das Gepräge hi: 
ſtor. Authenticität und find für dad Quellenſtudium der vaterlaͤndiſchen 
Geſchichte von großer Wichtigkeit, ald: Acta S. Colomanni, Scotiae 
Regis et Martyris, Krems 1713.—Scriptore$ rerum Austriacarum 
veteres et genuini; edidit et necessariis notis, observatignibus et 
animadversionibus illustravit, 6 ®de. Leipz. und Negensb. 1720—45 
(der dritte Band enthält Ottokarsv.Horned(f.d.) Reimdronif.) — 
Historia S. Leopoldi Austriae Marchionis, Wien 1747, deutfh eb. 
1756. Außerdem nahm er werkthätigen Antheil an verfhiedenen Ar: 
beiten feines Bruders. ' 

Dez3z3l, Joh., war geboren 1756 zu Mollersborf im bayerifchen 
Unterdonaukreife. Nach vollendeten Studien privatifirte er eine Zeit in 
Salzburg und Zürich; 1785 ward er ald’&ecrerär und Bibliothe— 
Bar bey dem Fürften Wenzel v. Kaunit, öfterr. Staatitauyer, 


— Bien (unter Jofepb IL) 


200. Pfaff vom Rahtenberg: —Pfarr Adminiftratoren. 


1791 aber bey ber Ehiffrefanzley in Wien angeftellt, In fpäterer Zeit 
(09 er ſich abermahls in das Privatleben zurück und mibmete ſich dem 
Kite e mit Eifer und gutem Erfolge. Er ſarb zu Wien 
1 Seine wigtigften im Drucke (oft anonym) erſchienenen Schriften 
find: Briefe aus dem Noviziat, 4 Bde. Zürih1780—83. — Fauſtin 
ober das philoſophiſche Jahrhundert, ed. 1783. 2, Aufl. 17845 (der2. Theil‘ 
gehört nicht P. an). — Maroccanifhe Briefe, Brankf. (Wien) 1785. 
ins Bent i He Sen m) Tr. ah — 
E) ul in ten (Wien) — 
Pr Gran. (EinMeiften 
Idee und Ausdeud,)— haracterifik Jofeph’s IT: eb, BEE 
fr Tune ee 1790.— Eugen’s Leben und Thaten, eb. 
1791. — Chronik von Wien, von Br. Ziska (Tſchiſchka) berichtigt, ver- 
mehrt und bis auf die neuefte-Zeit fortgefeßt herausgegeben, eb. 1824, 
— Beſchreidung von Wien, eb. 18025; treffliches Handbuch über dieſe 
Hauptftadt, 6. Aufl. 1822, feit dem Tode des Verfaſſers von Fr. Zis— 
ta in ber 7. Aufl. vermehrt herausgegeben. — Uri von Unkenbach. 2 
Tble. ed 1800—1802. (Satyre auf die Schaͤdellehre.) — Gabriel oder 
die Otiefmutter Natur, eb. 1810. — P. war ein. Kopf vom ſchönſten 
Talent; ein feiner Cpniker; in feinen Schriften athmet Boltairefger 
Geiſt, und fie verdienten mehr als bie vieler anderer Autoren gefammelt 
zu werden. In Frankreich würden die Oeuvres complötes de Mr, P, 
wiederholte Auflagen erlebt haben. Endlich überfette P. auch einige 
—— aus dem Franzoͤſiſchen und gab ein franzoͤſ. ran 
iſchenwörterbuch heraus, 
fa ——— wigand. 
fa aͤtten, niederöfterr. Pfarrdorf im V. U. We W. bey Bar 
den, mit945 Einw. undgutem Weinbau. Der Wiener-Neufiäbter Shift, 
fahrts⸗Canal führt nahe vorbey. 

Pfarr-Adminiftratoren, werden bey Eedigung einer Pfarte 
pfründe von den Conſiſtorien aufgeftellt, Sie nehmen als folche eine boys 
velte Eigenfhaft an, nähmlid als Spiritual: und als ‚Temporal-Proviz 
foren. Als.erfiere haben fie denfelben Wirkungstreig wie die Pfarrer in 
ihrem Amte, nähmlic die Beforgung der feelforglichen Geſchaͤfte. Als 
letztere müffen fie die öfonomifce Verwaltung und Verrechnung ber ihr 
nen anvertrauten Pfarrpftünden auf ſich nehmen. Die Confiftorien müßs 
fen daher darauf bebacht feyn, die Spiritual: Verwaltung einer Pfarre, 
welche mit einer Wirthſchaft ober mit herrſchaftlichen Gefällen oder übers 
haupt auf eine Art dotirt ift, die zur Darftellung des Ertrages dfonos 
miſche Kenntniffe und eine Verrechnung erfordert, ſolchen ©eifttichen zu 
übergeben, welde mit den erforderlichen Nechnungs- und Wirthſchofts. 
Eenntniffen bie hinlangliche Erfahrung und Gewandtpeit ü in dieſen Ger 
fhäften verbinden. Die P.rA. find angewiefen, in Bällen, wo das 
Kreisamt in die Amtliche Kenntnif ihrer Anftellung nicht ſchon geſetzt 
worden iſt, ſich gleich beym Antritte der Pfarr-Adminiſtration mit 
dem EL Decret bey der betreffenden Orishertſchaft aus⸗ 
zuweiſen. 





Pfaundler v. Sternfeld, Aug. Ant. -- Pfeiffer, Carl Serm. 201 


Pfaundler von Sternfeld, Aug. Ant., Maler und Kunſt⸗ 
freund, war geboren den 25. Auguſt 1757 zu Reute (Landgericht Ehe 
renberg) in Tyrol. Seine Studien vollendete er in Innsbrud. Vor 
züglich zogen ihn jene der Optik, Perfpective, Baukunſt und der mas 
lerifhen Anatomie an. Noch als Süngling malte er eine nadte Figur 
fireng nah allen Regeln der Formen und Muskeln. Die Kupferftiche 
ſammlung der Univerfität zu Inusbrucd benugte er fleißig. 1777 
wurde P. Acceflift bey dem Qubernialprotocolle dafeldft; 1794 Kreise 
emtsabjunct zu Imſt; 1804 Gubernialfecretür zu Innsbrud und 
1806 unter der bayerifhen Regierung Mentmeifter bdafelbft, welche 
Stelle er au, nachdem Tyrol wieder öfterreichifcy geworden war, beys 
behielt. Ununterbrochen befhäftigte er fich nebftbey mit Kunft, und 
ſchaffte fid auch eine bedeutende Sammlung vorzüglich von alten Kunſt⸗ 
gegenfländen an. Er flarb zu Innsbruck den 15. April.1822. Sein 
Bruder Aloys P., penfionirter Finanzrath, als Geognoft und Mines 
ralog rühmlich bekannt, erbte ſowohl deſſen reihe Sammlung, aus 
Gemälden, Kupferftihen und Handzeichnungen beftehend , al6 auch 
feine hinterlaffenen Arbeiten in Paftell und Miniatur. 

Dfaundler, Joh. Eafp., Vetter des Vorigen, Landſchafts⸗ 
geichner und Künftler mit der Radirnadel, war geboren den 1. No⸗ 
vember 1766 zu Reutein Tyrol. Er fludirte zu Innsbrud, wi. er 
auch in der Folge fein Talent ausübte und den 20. März 1814 flarb. 
Von feinen Werken find anzuführen: Sechs Eleinere und vier größere 
Profpecte tyrolifcher Landſchaften, von ihm felbft gezeichnet, vadirt und 
illuminirt, dann 4 Beine radirte Blätter, die Pfarr» und St. Jo⸗ 
hanns kirche zu Innsbrud, dann das Grabmahl bes Kaiſers Maris 
milian I. und jenes der Philippine Welfer vorftellend. 

Dfeiffer, Carl Sermann, gefchickter Kupferfteher, war ges 
boren 1769 zu Frankfurt a. M. In frühefter Jugend kam er mit feis 
nen Altern nah Wien, wo fein Vater ald Secretär in einem gräfl. 
Haufe angeitellt wurde. Den eriten Unterricht in der Zeichnenkunft era 
hielt P.an derAkademie der bildenden Künite, feine weitere Ausbildung durch 
Privatunterricht bey dem Profeifor Ehrift. Brand, derihn aud zu 
Verfuhen im Radiren ermunterte, worin P. bald fo bedeutende Forts 
fhritte machte, daß er ſich entfhloß, die Kupferftecherkunft fortan zu 
feiner Berufsbefchäaftigung zu machen. Er verfolgte feine Bahn auf das 
eifrigfte, und ging bald mit dem beften Erfolge zur englifchen punctirten 
Manier Über. In diefer arbeitete P. nun fortgelegt, und hatte fich fehr 
vieler Beftellungen zu erfreuen, auch erhielt er eine Aufforderung am 
dem Haa s'ſchen Gallerie-Werke Theil zu nehmen. Er flarb zu Wien - 
ten 26. März 1829. Unter feinen vielen, theilweiferecht gelungenen Ars 
beiten, find vorzüglich zu erwähnen: Junound Jupiter, nach Lens. — 
Erzherzog Carl als Steger am Rhein, allegorifche Vorftellung,, 
mit 2 Platten abgedruckt (acqua tintaund engl. Manier). — Napo⸗ 
leon und M. Louiſe im Kaifer- Ornate, ganze Figuren nad Loder, 
vortreffiiches Blatt. — Hoffhaufpieler Range im Eoftume, nah Wolf, 

- Maria Beasrirv. Eſte, nah Caucig. — Maria Therefia, 
Erzherzoginn vonDfterreih, nah Kreutzinger. — Lovi(e, Geede 


202 1 Pfeiffer, Job. Pferdezucht⸗ ni 


herzoginn von Toscana, nad demfelben. — Albrecht, Ber ‚don 
Sachfen⸗ Teſchen, nah Ifabey. — Cardinal Trautmannsdor 

nah Stieler. — Joh. Fürft von — nach Camp 

— Sarſtinn Pauline Schwathenberg, nah Ohlenbainz. — 
Franz Edler von Mad, nah Hickel. — Herder und Wieland, 
nad Tifhbein. — Füger und deſſen Gattinn nah Büger. — Za u⸗ 
ner nah Schröder, fammt nod vielen andern Porträts, befonders 
hoher Perfonen, die zum Theil als Bamilienplatten nicht für die Of⸗ 
fentlichteit beftimmt wurden. Endlih: Madonna nah Raphael. — 
Madonna nah Firg er, großes Blatt. — Ariabne nah Graffin.f.w. 

Pfeiffer, Iob., it zu Wien am 11. Sept. 1773 geboren, 
wibmere ſich mach zurückgelegten Studien der Handlung. Nebſt feinem 
Berufe blieb er feinem Lieblingsſtudium, den ſchönen Wiſſenſchaften 
getreu. Seine eriten epigrammatifhen Verſuche erfhienen 1818 in ber 
Theaterzeitung. Gedichte und Epigramme erſchienen fpäter in dem von 
Kach ler redigirten Leopoldftädter Theater-Almanach und andern Mies 
‚ner A manachen, im Wiener Converfationsblatt, in der Pefther Iris, im 
illyt. Unterhaltungsblatte und in der Fortuna vonTo ld; in Emil’s Toi⸗ 
Terten-Almanady, in Ra in old’ Erinnerungen. 1824 kam zuWien eine 
Sammlung feiner Gedichte unter dem Titel: „Lyriſche und epigrammatiſche 
Bagatellen,“* heraus, 

Pferdezucht. Zwiſchen den gemeinen und den edlen Pferberagen 
läßt fich in der öfter. Monarchie die Oränzlinie fehr leicht beftimmen. Die 
in den Privatgeftüten gezogenen Pferde find, wenn gleich manchmahl uns 
ter ihnen auch gemeine vorkommen, und wenn fie gleich, fobald fie 
Geburtsftätte. derlaſſen, in die andere Claffe übergeben, dennoch die 
edleren. Die Pferde, welche gröftentheils von dem Bauer gejogen 
werden, gehören zur Race der gemeinen Pferde. — In Böhmen 
und Mäbren werden die fhönften Pferde gezogen. Ein großer Theü 
derſelben iſt gewandt und grofi genug, um die ſchwere Cavallerie zu rer 
montiten; was von dieſer Waffe in beyden genannten Ländern wirklich 
geſchieht. Wenn die eint aus Böhmen und Mähren bezogenen Pferde 
ſich ehedem durch ihre ganz eigenen Formen ausgezeichnet haben, fo find 
diefe Formen jett verfhwunden. Die Geftüte: Verwaltung bat durch 
die Sorgfalt, die Depots der Hengfte für biefe Provinzen mit ſolchen 
Vätern zu verfehen , welche fie geeignet hielt, große und vor Allem für. 
die Truppen brauchbare Pferde zu erzeugen, ohne fih viel um die Rage 
‚zu befümmern, aus welder diefe Stammhengſte entfpreifen find, eine 
folche Durchkreuzung der Ragen herbeygeführt, daß bie Bormen ſich nicht 
mehr auch nur eine, Generation hindurch forterben, wodurch alfo die 
Pferde diefer Provinzen Feine für ſich beitehende Rage bilden Eönnen, Ins 
dep laſſen fie ſich von den übrigen gemeinen Pferden ber andern Provinz 
zen bed öftere, Staates, durch ihre höhere Leibesgeftalt, vereint mit Teiche 
tem, fteyen, ziemlich ungezwungenen Bormen erkennen. Im Ganzen 
finden ſich viele die zu Neitpferden für Cavallerie-Dfficiere geeignet 
find. — Salzburg im Oegenfatze liefert eine Pferderage von ausge 
zeichneten Kennzeichen. Diefe Zeichen find folgende. Barbe: Rappen, 





pferdezuqt. | 203 


ober fehr dunkelbraun , doc, ſchmutzigen Anfehens mit weißen Zeichen. 
Größe: Zwifhen 14 Kauft 33 Zoll und 16 Fauſt 23 Zoll. Diefe Pferde, 
für den ſchweren und leichten Zug geeignet, find e& weniger, um Kriegs⸗ 
Barren (Fuhrweſenswägen) vorgefpannt zu werden. Dazu wären nur 
einige der Eleineren unter ihnen tauglich. — In den Thälern der öfler- 
reichiſchen, der fleyerifhen und felbft ber kärnthneriſchen Gebirge 
trifft men noch eine Race von Zugpferden an, die fehr flark und body 
auch für das leichtere Fuhrwerk geeignet find. Sie unterfcheiden ſich von 
der vorgehend befchriebenen Salzburger Race durd die Farbe, die braun 
und fuchsroth ift. In den Sebirgen Dfterreihs findet fi die braune und: 
fuchsrothe Farbe noch erhähter.. Diefe Thiere können nur eine Unterrace 
jener von Salzburg feyn. In eben diefen Gegenden findet man eine andere 
gemeine Pferderage, welche Eleiner, aber für jeden Gebrauch geeignet 
iſt. Sie iſt zu Reitpferden, zum Dienfte der leichten Gavallerie gut, 
und ihre Zahl nimmt zu, je näher man den Sränzen Ungarns kommt, 
wo der Boden durch Ackerbau weniger cultivirt ift, wo man eine große 
Ebene durdfliegt und Brachfelder im Rücken läßt. Eben dieſe Pferde⸗ 
race finder fih in @iebenbürgen wieder. In‘ allen diefen Ländern 
müſſen die Pferde auf den Gemeindeweiden beranmachfen, wo ihnen ſowohl 
ihre große Anzahl, als aud die Zahl ihrer übrigen vierfüßigen Genoſſen 
weder binlängliches noch gedeihliches Butter gewährt. Faſt nie mit Kör⸗ 
nern gefüttert, bloß von ein wenig Stroh ober Heu im Winter, von ber 
Weite im Sommer genährt, unabläffig angeftrengt, fehr jung ſchon 
angeipannt, können fie feit einer Neibe vor Generationen die Gröfie 
nicht mehr erreichen , deren fie fähig wären; fie bleiben Efein, find oft 
mißgeſtaltet und können niemabls größeren Zwecken dienen, oder Luxus⸗ 
pferde werden. Diefe Pferde gleichen ſich in Ofterreih,, in Ungarn, in 
Steyermark und in Siebenbürgen überall; fie find nah Verhältniß ber 
Güte der Weiden, meniger groß und bilden immer eine abgefonderte 
und fehr verbreitete Race. Man kann fie die ungar. Pferderace nens 
nen, weilman ihres Sleihen in Ungarn am meiften anteifft. Die ges 
meine ungar. Pferderace bat folgendes Characteriftifches. Karbe: Braun, 
fuchsroth. Größe: Zwiſchen 14 Fauſt und 14 Fauſt 2—3 Zoll. Muss 
fein: Trocken, ausgezeichnet. Kopf: Stark, dürr. Diefe Pferde find nicht 
fhön, aber fie find gut, dauernd, allen Laften , allen Entbehrungen 
gewachfen, jeder Witterung troßend, mit einem Worte, hart. Die größs 
ten uriter ihnen geben gute Pferde für die leichte Reiterey, denen diegewöhns 
lide militär. Sittterung, felbft in Kriegszeiten, vortrefflich zufagt. Zwifchen 
den Racen der größten und ftärkeren Wagenpferde, und der hier erwähnten 
Meineren ungar. Pferderage, gibt ed noch viele Pferde von verfchiedener 
Größe und von verfhiedenen Formen ; wollte man unter diefen die 
Unterabtbeilüngen weiter fortfegen, fo würde man eine unendliche Ver: - 
f&iedenheit von Unterracen antreffen, die eben fo veränderlid find, als 
fi die Gegenden und die Generationen ändern. — Pferde von edfen 
Racen findet man in Privargeftüten. Faſt in allen Gegenten ber öfterr. 
Monarhie mit Ausnahme des falzburgifchen Gebiethes, haben die 
Großen, die Güterbeſitzer ihre Privargeitüte. In diefen Anftalten wer: 
den die fhönften Reit: und Wagenpferde gezogen, welde tie Deusiigen 


- 


2ui Pierdesude 


edle Pferde. nennen. Der Eigenthlimer einer. © x 
8, bie ihm am beften gefällt, und —————— 
Anſtalt anwendet, dieſe oder jene Art von Pferden hervorzubrin ⸗ 
‚gen,, bringt auch wieder faſt eben fo viele Unterragen hervor, als es 
Seftüte gibt. Im jenen der begütertiten Eigenthlimer zieht man gemöhns 
ich 2 Sorten Pferde, nähmlih: Wagen: und Reitpferde, Im Ungarn 
werden bie Pferde ben größeren Theil des Jahres über in Freyheit und 
unter freyem Himmel gelaffen; die Hengftfüllen bilden eine —— 
ve, eben ſo die Mutter⸗ und die Stutenfüllen zuſammen. Die Hengſte 
werden nur während der Sorung,jeit auf ber Weide gelaſſen, bie übrige 
Zeit des Sahres werben fie ald Reit: oder Wagenpferde verwendet. Auf 
ke Weide werden die Thiere von einem oder mehreren Männern 
bet. Diefe Hirten (Tsikos) halten ihre Pferde am Seile yı 
and reiten fie dann, um die gerftreuten Pferdetruppen mmen zu 
treiben, oder um ſie von einem Plage zum andern zu führen. Diefe 
ienftuferde leben auf gleichen Grund und Boden mit den andern.‘ Sie 
find größten Theils ungezäumt, haben nur eine einfache Halfter, an ber 
fie gebalten werben, welde dann dem Reiter, wenn er zu DONE 
zugleich als Zügel dient. Diefe Dienftpferde find entweder die 
verworfen haben, oder die man nicht mehr zur Zucht behält, oder fie 
find fonft nice mehr verkäuflihe Geftütpferbe. Die, Pferdetruppen find 
übrigens fehr leicht zu führen. Die Hengfte, die-fich am liebſten ger 
fireuen, entfernen fi nicht weit, und erreichen die Truppe bald wies 
der. Einige Mutterftuten fondern ſich wohl in den erften Tagen, made 
dem fie abgefüllt haben, auch gerne ab, doch verlieren fie: die Truppe 
nicht aus dem Geſichte. Unfälle ereignen fi felten und. die Huffchläge, 
die meiftens bey den Hengften Statt finden, können felten Folgen haben; 
denn die Hufe find nicht deſchlagen. 4 Obfchon die Producte der Geftüte 
mit bem ausgedehnten Terrain, den die leßteren einnehmen, nicht fehr 
im Verbäftnife ftehen, fo gibt ed doch manche, denen ihre Producte bes 
zrächtlichen Nußen gewähren. Ein ſolches ift das Geftüte bes Grafen v. 
Viczay zu Ireg (Üreg) im Tolnaer Comitate, wo die Tpiere ſtart 
genug ind, schöne und große Neitpferde oder auch. gute Wagenpferde 
abzugeben, und ‚immer fehr theuer verkauft werben. Dieſes Geftüte, 
das aus der ungar. Pferderage entftand, die zuerft durch gleichförmige 
Behandlung, dann durch arabifhe, zuletzt durch englifche Pferde von 
guter Auswahl verbeffert worben war, liefert fhöne und gute Pferde, 
deren Driginalrage zwar nicht mehr recht zu erfennen ift, die aber doch 
groß genug und fehr ausgezeichnet find. Ihre urfprüngliche orientaliſche 
Abkunft läßt ſich demungeachtet nicht läugnen. — Der Stand ber Prir 
vatgeftlite beſteht ziemlich allgemein aus mehr als 60 Zuctituten, doch 
gibres auch mehrere, wo diefe Zahl dopvelt vorhanden ift. So beg|bem ' 
Raiferlihen zu Kladrub und Sellmitz, in jenem des Grafen v. Hu— 
nyadp zu Urmenn und des Fürſten Efjterhäzy zu Ozora, Der 
Kaifer hat Geitüte zu Lipizza und Pröftranegg (im Königreiche 
Juyrien), das zwepte zu Kladrub (in Böhmen), das dritte war zu 
Kovefän bey Holitfch in Ungarn, an der Oränge von Mähren und 
Haerreich. Die Geitüte ſiehen unter der Leitung des £E Oberititallmeifters 


pferdezucht. 208 


und ber 8. K. Geftütömeifter. Der. Oberftftalmeifter gibt von feinen 
Unternehmungen dem Kaifer Rechenſchaft und beauftragt jene! niit 
‚ allgemeinen und befonderen Anordnungen. — Das Geftüte zu Kope 
aſan bey Holitſch ift 1814 und 1815 durchgehends umgeftaltet 
worden, die ganze ältere Race wurde entfernt und in diefes Geftüte ka⸗ 
men beine anderen, als engliſche Reitpferde. 1820 gab eb dafelbft nur in 
England geborne Zudtfiuten, und aud die Hengfte wurden nur von da: 
ber genommen. Es war alfo eine nad) Ungarn verpflanjte wahre Colonie 
englifcher Pferde, ohne irgend einer andern Beymiſchung. Sieibeftent 
aus beyläufig 60 Musterfluten und 10 Hengſten, von denen einer von 
vorzüglicher Schönheit gewefen. Diefe englifhe Race hatte die Beſtim⸗ 
mung ftet& rein und unvermengt erbaften zu werden, man hatte’ ed fü 
bloß vorbehalten, in England von’Zeit zu Zeit einen fhönen Hengft:w 
kaufen, um fie aufiufrifhen. — Die Pferdebefatung des Geſtütes zu 
Kladrub war einft jene des Geflütes zu Kopcfän, bevor.die englie 
ſche Pferdecolonie an den legten. Ort gelangte. Die Race hat fehr viele 
Unterracen hervorgebracht, worunter die merkwürdigſten jene find, tie 
ſich in den Geftüten des Fürſten v.:Zrautmannsdorff in Böh⸗ 
men, des Grafen v. Hunyady in Ungarn, des Zürften:v. Eſzter⸗ 
bhazy und des k. k. Militärgeftüted zu Mezöhegyes, ebenfalls in Un⸗ 
garn, befinden. — Zu Kladrub hat man nur:2:Yarden, Schimmel 
und Braun. Die Braunen, obſchon ebenfalls groß, find weniger ausges 
bildet, und dieß nimmt ihnen einen Theil ihrer Schönheit Inzwiſchen 
erkennt man aus ihrem Kopfe und ihrer Geftalt, daß fie. aus gleicher 
Duelle entfpringen. Ob die Batbe der urfprünglichen Race, Schimmel 
oder Braun war, laßt ſich jetzt ſhwer mehr entſcheiden. Wie dem auch) 
fey, man ſucht diefe beyden Karben forgfältig zu bewahren, indem man 
Thiere von gleichen Farben paart, und da die Race alt ift, fo geſchieht 
ed felten, daß Thiere von anderer, ald von der Farbe ihrer Altern gebos 
zen werben. &o fieht man auch felten, daß gepaarte Schimmel einen 
Braun, oder gepaarte Braun einen Schimmel 'erzeugen, gefchähe es 
aber, fo werden ſolche Producte im Geſtüte autgemuftert. — Außer den 
eben genannten beyden Arten einer und der andern Rage (ded großen War 
genfchlages) zu Kladrub, hat man aus Holland (aus den Niederlan 
den) auch nody eine andere Race, die Hard» Draver kommen laſſen. 
Diefe Pferde find von dunkler Karbe (Rappen oder Braun) und verſchie⸗ 
den geftaltet. — Das Geſtüte zu Lipizza in Jllyrien ift unter den 3 
Hofgeftüten des Kaiſers das bedeutendſte. Die erften veredelten Racen, 
welche in diefem Geftüte gezogen wurden, rıaren aus Spanien und Nea⸗ 
pel, und zu Reit⸗ und Schulpferden beſtimmt, feitbem, find fie in vers 
fhiedenen Zeitenodhen mit andern Raçen, vorzüglih mit Raçen aus. 
dem Orient durchkreuzt worden. Diefe Kreuzungen aber, die von den 
von Zeit zu Zeit bahin gelangten Geftütsvorftehern nicht mit gehöriger 
Vorſicht unternommen wurden, haben nur Übel gefliftet, wie dieß bey 
einer Anftalt immer erfolgt, wenn fie nicht durch eine lange Reihe von 
Jahren, nad fortwährend gleihen Grundſätzen geleitet wird. Die ur 
fprünglichen Raçen haben ſich alfo fo fehr verändert, vermengt und der 
teriorirt, daß man’ bey dem größten Theile der Producte diefes Gerüst 


” FE ee } 
Kennzeichen mehr ——— 


hg se cder | 


— — —— inden beiler — Geftüten- dor⸗ 
berrſchend geworden, Man hat die Ragen der alten Geſtüte mit 
talifhen, arabifgen, türliſchen und perfifhen Pferden erſetzt, oder 
durchkreuzt/ fo, daß nun reine Racennur in wenig Geil 
Das Oeftüte deb Büriten Job. v. dichten ein 
emau in Niederäfterreid 


fen wie 
Saifers, Kopefän geſtallt war, — 
Pferden. Bern adp —— für. die 
von -Reitpferden, die arabiſche Rage ang 'no nmen z ———— 
— einen, derfhönften Hengfte, -1820 wurden von dem 
d. * — nie Stücke arabiſche 
0 und Drie ſt ——— 
Geſtütpferde beurtheilen zu konnen, hatte m 
Kai Ein * — Braune 
eng: eh gegen das Anderey den‘ 
Der ren dat. Auf feinen Gutern zu Kefptbelp an 
Ufer des Plattenſees auch ein ſehr fhönes Geitüte, das-erzui 
nen Zeiten durch arabiſche Hengſte verbeſſert hat. Da er bishernur | 
te angementbet, fo iſt feirt Geſtüte auch weniger vermengt: — 
Merken: Släbenbärgfihe Pferde ben zu verſchiede⸗ 
Send nr acht worden. "Siebenbürgen iſt ungen (allen 
Beer Kaiferiaaks diejenige, deren eftüte, einen aus⸗ 
en ‚Ruf haben, Es find dieſe in ber That die yier mund ans 
miten Sie wurden aͤußerſt wenig vermiſcht, gelreugt. 
ee ſpaniſche Rage ward fogteich anfangs indie beften Geftüte einge« 
fin, um die Landesrage zu erfegen. Seitdem hat man nur einige 
türkifche und, avabifche Pferde von der vorzüglichſten Qualität eins 
naher und die. forgfältigfte durch eine fange dieide von — 
men fortgefegte Pflege hat diefe Pferde auf jene Gtufe gebtacht 
auf weldper jiesiet een. Sie ſind eine der fhönften — nn 
fblages. — Moldauer Neitpferderage: Um das ‚große 
Meyöhegpes zwergängen, hat die Staatsverwaltung aus —5 
"bau einige Hengſte und eine große mie Nor von Stuten kommen laſſen. 
Dieje Thiere find in eigenen Einfangen (I.ois) bewahrt worden, und 
m Theile unvermengt geblieben. — 1821 waren davon bey 60 Zucht ⸗ 
an vorhanden, bie ein fehr fhönes Geſtüte von Pferden bildeten, der 
von Größe jedoch mit andern Ragen des Geſtütes nicht im 
ſtand, die aber ſo gut geſtaltet wären, daf man fie für vortreffliche 
Pferde anfehen lonnte. Die harten in mehreren Beziehungen Ahnlichkeit 
mit den fiebenbürgifpen Pferden. — MWagenpferde. Die Rage der War 
genpferde hat ſich überhaupt nicht fo fehr verändert, wie jene der 
pferdez fie haben unter ſich großten theils mehr Gleichförmigkeit behal⸗ 
ten und man ſieht, daß alle von einem Stamme Eommen. Der Stamm 
aber, welchen gegenwärtig die Race von Aladrud hernosgebranht, har 





Pferdezudt. . 207 


auch bem größten Theile der Raçe in Ungarn das Daſeyn gegeben. Wars _ 
tung und Pflege, vor Allem aber die Art und Weife, wie ihre Paa⸗ 

rung geleitet wurde, haben alle die Abitufungen, welche unter ihnen 

befteben , herbeygeführt. In einigen Geſtüten hat man indeffen mittelft 

ausländifher Pferde, große Raçen bervorzubringen verfuht. Man 
könnte hierbey nahmentlich das k. & Mitltärgeflüte zu Mezöhegyes 
anführen. — Die gemeine ungar. Pferderace in Geftüten gezogen, gibt 
zwar Heine, aber für den Neitdienft, fo wie zur Beſpannung, gleih 
geeignete Pferde: Sie haben inzwifcen unangenehme Formen und find 
nicht anſehnlich genug, um in den Rang der edlen Pferderagen aufges 
nommen zu werben. Wenn tiefe Race mit Sorgfalt verbeilert würde, 
Eönnte fie vielleicht fhöne Pferde liefern; doch ift e# fir den Geſtütsin⸗ 
baber, der ſeine Geftüte emporbringen will, von größerem Nußen, in 
ſolches eine vollendete Race einzuführen, als die unanfehnlichen Landes 
racen zu verbeilern. — Nachdem das Sümegher Comitat zur Veredlung 
der P. mehrere zmedimäßige Anftalten getroffen, wurden zur größern 
Ausbreitung derfelben von einem Vereine mittelft Beyträgen Preife ans 
gebotben; das dem Marktfleden Kaposvar nahe gelegene Dorf Des 
tes it der beflimmte Ort, wo die Prämien ſowohl für die (hönften und 
beften Bauernfüllen, ald auch für Pferdewettrenneit Aufgetheilt und 
Pferde aus den vielen und edlen Geſtüten ded Comitats, theils zur Aus⸗ 
ftelung ; theild zum Verkaufe aufgeftellt werben. Der Eintbeilung Bis 
fer verfchiedenen Zwecke gemäß war ben 30. Aug. 1835" Früh die 
Aufitelung der Geftürtpferde, Nachmittags folgte die Ausıhäilung der 
Prämien für die Bauernfüllen, den 1. September Nachmittags wurden 
die zum Wettrennen beflimmten Bauernpferde zur Probe und bie befon- 
dern Wetten der Anmefenden vorgenoinmen, auch die jur Licitirung ber, 
ſtimmten Pferde veräußert; den 2. September Nachmittags find die Tags 
vorher ausgeſuchten Bauernpferbe zu verfciedenen Mahlen um die bes 
ftimmten Preife gelaufen, und inzwifchen haben auch jene gewonnen, welche 
für die im Comitate ergogenen (regelmäßig nicht trainixten) Geftütspferbe 
beftimms find. Es waren demnad viele Pferdeliebhaber zu diefer, diefes 
Jahr begonnenen und jahtlich fortzufeßenden Anitalt erſchienen und ein 
zahlreicher Zufprud wird aud künftig erwartet, da außer den vielen bedeu⸗ 
senden edlen Geftüten fih im Comitate auch originalzarabifhe und 
engliſche befinden, und durch die an mehreren Orten verwendeten Volls 
bluthengſte die P. veredelt wird, daher zu hoffen fteht, daß die Ausitels 
lung und der Verkauf theild aus freyer Hand, theild mittelft Licitation 
jedes Jahr nicht unbedeutendfeyn dürfte. Bey diefer erſten Vornahme was 
ren unter andern aus folgenden Geflüten vorzügliche Pferde’ zum ers 
kaufe, und zur Befchau vorhanden und zwar: Bom Freyh. Ferd. Fech⸗ 
tig: 3 Vollblut:arabifhe Hengfte, mehrere Voll: und Halbblut⸗arabiſche 
Stuten und Füllen, 2 Paar große Wagenvferde. Vom Grafen Nic, 

Sefterics: Die 2berühmten englifhen Volblutbengte Marpby und 
Hartonien, I mehr als Blut-engliſcher Hengſt, 3 Volk, 10 Halb: 
blut⸗ engfiihe Stuten ſammt Züllen, gegenwärtig mit Vollbluthengſten 
bedeckt, 22 Stück 4 und 5jährige Halbblurfülen. Bon Ladislaus 
v. Ezinderg: 3 rein ungarifhe Dengite, I dreyjähriger Halbblut⸗ engli- 


upt — 
durch * uote taates im Lande verth 
beſſere Füllen erziehen zu Eönnen.. Er 
—— des Militärs und haben: zum Zw 
im J befördern und zu verebeln, damu nicht 
das Land zureichend mit Pferden verfehen, fondern auch die Menge der⸗ 
fo weit vermehrt werde,..baß die Armee für die ſoͤwere und Leichte 
Im die pie ill und das Fuhrweſen den Bedarf aus dem Inlande | 
oͤnne. Die Dengfte werben auf öffentliche Koften erkauft und 
Beſtande der Landpferde, indie beftimmren 
— Ein. anderes wirkſames Beförberungsmittel bilden 
Prämien von. 20—5 Ducaren für die durch die 
im Sande erzogenen fhöniten. 2—4jöhrigen 
a welche von dem beiten. Erfolge begleitet 
find jeredelte Race hervorgebracht haben, Bei 
fellfhaft der-Simmering, er Pferberennen in Wien und 
* üte, ——— 

Melchior, —— und Secretar des Kaiſers Ma⸗ 
zim ilian, L, une geboren zu Nürnberg 1481. Nachdem er uns 
ter ber. Regierung Carl V. Propfi zu St. Victordey Mainz, I 
worden, erfolgte-fein Tod. 1535, & ift der Verfaſſer eines Theiied des 
ihm vom Kaiſer Marimilian zur Ausarbeitung aufgetragenen. Wer - 

kes „der, Theuerdank“ (f. d.), in Neimen; einer Darftellung der Ges 
fahren , weiche Ma lian, darin der Ritter Theuerdanf ge” 
nannt ‚außer den.vielen, von ihm geleiteten Schlachten , beitanden hat, 
obſchon ‚eigentlich, dem Kaifer felbit der größere Antpeil an der Autors 

ſchaft diefes Werkes jugehört. 

Pfleger, Ritter v. Wertenau, Ant., k k. wirkt, geh. Rath, 
dann Staats» und —— Kanzler des Ordens des goldenen 
les, der. Rechte Doctor, wurde 4. März 1748 zu Eisnern 
Krain geboren. Sein Vater, ein thätiger, jedod nicht reicher und 
mit mehreren -Kindernigefegneter Eifengewerk, ließ ihn zu Laibach die 
Gymnaſial-⸗ und philofophifhen Studien beſuchen. Nach diefer Vorde 
veitung trat P. in die bode Schule zu Wien, um fid den Rechtsſiu- 
dien zu widmen. — Seiner ausge; —* — wiſſenſchaftlichen Verwen⸗ 
dugg/ und feiner vorleuchtenden Moralität verdankte P., daß er ſchon 
1774 von der Kaiſerinn Maria Therefia als öffentlicher, Profeilor 
ber Rechttlehre an dem Lyceum zu Lemberg angeitellt wurde; dieß 
Lehramt bekleidete er dur) volle 24 Jahre mit ehrendem Erfolge. Wäh⸗ 
rend. der 2 leuten Jahre feines Lehramts vereinte er als Lemberger 





pfleggerichte. — Pflug. 209 


Landrath, wozu ihn Kaiſer Franz 1796 mit Sitz und Stimme 
ernannte, das Fach des üffentlichen Rechtslehrers und des ausübenben 
Richters, und diefes Verdienft ward 1798 durch bie Beförderung zum 
oftgalizifhen wirkt, Appellationsrathe, mit Enthebung vom Lehramte, 
belohnt. — Auch in diefem Amte entfprah P. der Erwartung in ſolchem 
Maße, daß ihn der Kaifer 1801 zum Hofrathe im Juſtizfache bey der 
damahligen galtzifchen Hoflanzley ernannte, und bey der 1802 erfolgten 
Auflöfung diefer Behörde, in gleicher Eigenfchaft zur oberften Juſtiz⸗ 
ftelle uͤberſetzte. — Wie fehr ſich diefer würdige Juſtizmann durch ſeine 
ausgebreitete Rechts- und Geſetzkunde, und durch die allgemeine Ach⸗ 
tung für feine Rechtlichkeit, das Vertrauen des Kaiſers Franz, immer 
mehr erworben hatte, beweifen feine Auszeichnungen. 1805 warb er zur 
Dienftleiftung als Hofrath in das Staats» und Eonferenz « Depattes 
ment ber inländifchen Geſchäfte berufen, und noch in demfelben Sabre 
zum wirklichen Staats⸗ und Gonferenzrath befördert. 1806 erhob ihn 
der Monarch tarfrey in ben Ritterftand. 1808 erhielt er die Würde 
eined Drdens « Kanzler6 vom goldenen Vließe, und ald der Kaifer 
1814 dem Staats⸗ und Conferenz « Departement eine veränderte Form 
w geben befhloß, wurde P. die geheime Rathswürde tarfrey verlies 
ven und ihm ſchon damahls, noch mehr aber nady dem Austritte des, 
1817 zum oberften Juftizpräfidenten ernannten, Staats⸗ und Con⸗ 
ferenzminifterd Grafen v. Wallis, eine leitende, Über einen gros 
gen Theil der Geſchäfte des Staatsraths fih erftredende Wirkſamkeit 
übertragen. Mit fortan unermübeter Anflrengung, und zartefter Ges 
wiſſenhaftigkeit beforgte num der 7Ojährige Greis die Leitung fehr wich⸗ 
tiger Zweige der Staatsverwaltung, nebft fo vielen andern nicht mins 
der großen und höheren Staatsgefhäften , welche ihm das unbe 
gränzte Vertrauen bes Kaifers übergab, bis nach einem viermonath- 
Then Krankenlager, während dem er fi immer noch den Berufsare 
beiten widmete, am 27. May 1820 zu Wien fein thätiges und ges 
meinnügiges Leben endete. — Für die Rechtspflege war er das mächtige 
Schild der Gerechtigkeit, des Verdienſtes und der Unabhängigkeit der 
Gerichte. 1809 nahm er unmittelbaren Antheil an der Revifion des bür: 
gerfihen Geſetzbuches; Neformen war er nicht abgeneigt, wo die Aus⸗ 
führbarkeit zum Beften bed Staates nachgemwiefen wurde. Er fchrieb mit 
Klarheit und Präcifion, und beobachtete in feinen vielen Geſchäften eine 
unüdertreffliche Ordnung. 
BE AR ER f. unter Örtsgerichte. 
= Pflug, Sanufl (Sans), auf Rabenftein zc., war aus demalte 
abeligen Geſchlechte der Herren von P flug entfproflen, die ihren Urfprung 
von Przemyſl, Libuſſa's Gemahl, herleiten, und zum Anden« 
fen an denfelben eine filberne Pflugfhar im rothen Felde im Wapen 
führen; Hanuſſ war der zwentgeborne Sohn Heinzens (Heins 
rich's) Pflug auf Nabenftein, der 1501 von Heinrich IV. 
Reuß von Plauen die alte Miefenbergifhe Bergſtadt Schöns 
feld, dann Perfhau und Schlackenwald kaufte. Mit befondes 
re? Liebe der Landescultur, und vorzüglich dem Bergbau zugethan, bes 
fand ſich Hans Pflug von Rabenſtein bereitd 1524 mit meh: 
Oeſterr. Nat. Encntt. Bd. IV. 


210 Eyilbarm. Geſellſch. zu Laibach. ⸗Philipp der Schöne. 


teren vornehmen Landesherren, Rittern und Edlen bey der in Jo a chi m s⸗ 
tbal_jufammengefegten —— „und 2 Jahre fpäter 
unter den 24 Deputirten, denen nah König ——— 
—— Wapl eines neuen Königs übertragen wurde. Er war 
ne damd. Neuhaus, einer derjenigen, ‚ber am nachdrliclice 
für Gerbinond I. aus dem Haufe Habsburg ftimmte; und 
(cp zu deffen Erwähfung beptrug, für welgen wichtigen — 
‚von dem neuen König, 1528 die Grafſchaft Hardeg g, und 15: 
nad) dem erfolgten Ableben des Edlen Adam. Neubang bie 
Würde eines. böhm. oberften Kanzlers zu Theil wurde. Da Berbir 
mand I. fehr daran lag, die Unordnung / das Sittenderderbniß und die 
tel — iu Deutfland Ju befeitigen, fo brachte es bie 
Niugheit und UÜberredungsgabe P.s auf dem Prager Landtage 
1534 dahin, daß von den Ständen ju Gunften des Königs ge 
neue Der; sfteuer bewilligt, und die Vertreibung ter Wi 
dertäufer Be fen wurde, Er mußte dafür aber auch den König auf 
eben diefem Lanbtage zu flimmen, daß den Orubenbau Betreißenben 
- Auf ewige Zeiten Kupfer, Zinn, Eifen, Bley und Salpeter zu eigen 
überlajfen wurde. Wie fehr er bey ben Ständen beliebt war, nel 
dem Umftande, daß ihm diefelben, als fein Gränzfgloh Tadhau 15 
ein Raub ber Flammen wurde, einftimmig eine Unterſtützung von 1500 - 
Shhock böhmife Grofgen zur Wiederaufbauung und Herftellung desfel- 
ben bewilligten. Er überlebte jedoch dieſen ehrenvollen Beweis der Aner- 
Eennung feiner Verdienfte nicht lange, fondern ftarb den 14. Aug. des 
felben Jahres nach einem kurzen Krankenlager. Da er ſelbſt feine Nas 
kommen hatte, ward Cafpar, der zwepte Sohn feines Bruders Chr 
fopb zu Rabenftein auf Kotfhau, Erbe feiner Güter, P. warb 
allgemein beklagt und in der Schlohlirche St.Veit zu Prag bepgefeßt, 
und ein prächtiges Monument feinem Andenken errichtet, po © 
de poulpasmonifeie Geſellſchaft zu Laibach, f. unter Mu: 
1E = Dereing. * 
bilipp I., der Schöne, Erzherzog von Hſterreich, König 
von Caftilien, war geboren zu Brügge in Blandern den 23. Aug. 1478, 
einziger Sohn des Kaifers. Marimitian’s I. (damahls noch Exzbers 
09), und der Prinzeſſinn Maria von Burgund. Nach dem 
ee Mutter 1482 erbte er bie burgunbifcen taten, deren Regie- 
rung er 1494 übernahm, hatte jeboch, wie fein Water, mande Ver 
lich keiten durch den unruhigen Geiſt ber Niederländer zu. beftehen.s 3: 
vermählte er ih mit Johanna, der Toter und Erbinn "Berbie 
nands des Katholifhen, Königs von Caſtilien und Ifahef- 
1a’, bie ihm 1500 Carl (nadber als Kaifer V.) und 1503 Kerbi- 
nanbd(ald Kaifer 1.) gebar. Nach dem Tode der Königinn-Jfabelha 
1505 erbte er das Königreich Caflilien, und vertrüg fi mit Lem Abe 
nig Berdinand dem Katbolifchen, daß ſich dieſer mit dem Befis 
von Neapel begnügte, und! P. alle Anfprüce auf Eaftilien abtrat, 
Letzterer ſtarb jebod ſchon, die Beute eines higigen Fiebers, zu Bur- 
gs den 25. Sept. 1506 im 20. Jahre, nachdem er noch ame inen 


teten Sohn’ E ar; zu feinem Nachfolger hatte ausrufen laſſen. Anfier 





Philipp der. Streitbare, Pfalzgraf am Rhein. '- 21 


% 

den erwähnten 2 Söhnen hinterließ P. noch 4 Töchter: 1). Eleo’noe 
ra, geboren 1498, mir König Emanuel von Portugal, nad deffen 
Zode.aber mit König Franz 1. von Frankreich vermählt, ftarb 1558; 
2) 3fabella, geboren 1502, Gemahlinn des wegen feiner Grauſam⸗ 
keit berüchtigten Königs Chriftian II. von Dänemark, ftarb 1525; 
3) Maria, geboren 1505, Gemahlinn Königs Ludwig II: von Une 
garn, und nad) deilen Tode Statthalterinn der Niederlande, ftarb 1568; 
4) .Catharina (Poſthuma), geboren 1507, Gemahlinn des Königs 
Johann ILL. von Portugal, ftarb 1577. — P. hatte feinen Bey⸗ 
nahmen feiner äußerft vorcheilhaften Geftalt zu verdanken. 

Dbilipp der Streitbare, Pfalzgraf am Rhein, Eaiferl. Felde 
marfhall und Statthalter in Würtemberg, mar geboren 1503; feine 
eriten Kriegöpreben lege er unter Carl V. gegen die Sranzofen in Ita⸗ 
lien ab: — Al die Zürken daß erfte Mahl vor Wien rückten (1529), 
war fein Auf zu feinem Vortheile fhon fo entfchieden, daß ihm der 
Oberbefehl in der belagerten Hauptftadt anvertraut werden konnte. Er 
war vor feinen Obeim, dem Pfalzgrafen Friedrich, unter weldhen . 
ſich bey Regensburg die Türkenbülfe der Reichsftände garlangfam vers 
fümmelte, vorausgefchickt worden; und kaum gelang es ihm nod, fi 
mit 100 Neitern und 14 Fahnen Fußvolks in die Stadt zu werfen. P. 
fand in dem Commandanten, Nicolaus Grafen v. Salm, und in 
dem Öeneral Wild. d. Roggendorf, erfahrne Rathgeber, eine - 
tapfere Beſatzung von .etwa 22,000 Man, und eine zu Allem ent 
ſchloſſene Bürgerfhaftz dagegen Eam er ald Augenzeuge von dem trägen 
Bewegungen der Reichsvölker hieher, konnte alfo nur auf fpäteri Entſatz 
rechnen, und hatte den biöher noch nicht übermundenen Soliman, feine 
von der Eroberung Perfiens noch glühenden Zanlıfharen, und ein uns 
ermeßliches Heer, das mis allen Erforderniifen verfeben war, gegen 
fih. Die Minen der Türken wirkten fürchterlih, aber wenn auch ganze 
Streden Mauern einſtürzten; fo fanden die Stürmenden neue Wälle 
von Innen aufgeführt,. und von MWertbeidigern befekt,; von denen ſie 
mit Kanonen begrüßt wurden. Sie warfen ſich auf eine Gegend, bie 
man in der Eile bloß mit Pallifaden hatte verwahren können. Hier 
machten die Körper der Beligerten den Wall; zwey Mahl wurden bie 
Türken weggefhlagen, zwey Mahl vom Bultan in das blutige Gefecht 
zurückgeſchickt, und wieder geworfen. Endlich geboth Soli man einen 
Hauptſturm. Das ganze Heer zog mit Waffen, und Maſchinen aller 
Art gegen die Wälle, und griff von mehr ald 20 Puncten zugleich 
an. Aber man hatte fie erwarter, Nach einem 12ftündigen Kampf, den 
nur die Nacht endigen Eonnte,; von allen Seiten adgerrieben, bob ber 
Sultan die Belagerung auf, und trat befhämt feinen Rückzug an; 
über 40,000 feiner geübtefterl Krieger waren aufgeopfert, und.er ſah 
nad 40 Tagen, fo weit hinaus hatte die Belagerung ſich verſpaͤtet, 
im Schnee und Froſte der Jahreszeit feine Aſiaten von taufendfar 
chem Tode bedroht. — Die Eile, mit der die Türken fich zurückzo⸗ 
gen, gli einer Flucht. Soliman hatte keinen Kampf beſtanden, 
der ihm Ruhm gewährte, nur an wehrlofen Landleuten die Wuth und 
den Geiz feiner gedemüthigten Horden befriedigt. Liber 2 Stürme ws. 

\ 


= Phorus.Phyſtkaliſch / aſtronom Cabinet in Wien. 


von den Belagerten abgelchlagen worden. Dem baden Vertheidi⸗ 
ger ſeiner Hauptſtadt trug Ferdinand I, die Srarehati über 
sr Würtembergrauf. — Aber bier De ren 
b und Klugheit vergebens anfämpften. Ohne die aus 
ee Unterftügung zu erhalten, mußte P. mit etwa 400 Reiten 
und 10,000 Dann Sufivolf, größtentpeils zum Dienft genöthigten Um 
terthanen, dem Landgrafen von "Heilen ſich a als er mit 
—— von 5,000 Pferden und · mehr ·als 20,000 Mann Fußvolk den 
— einführte, der im Lande noch een 
fand. ae dem Treffen. bey Lan fen (1534) ging Würtember; 
Den Pfalzgrafen Dr das Unglück," daß ipim ſchon am Geerähenke 
—— 
er.verwunbdet ſeine Zuflucht nahm ‚ in 
— Gl — fine übrige ehensgi in tube 12 


— ee. privil. Holz (oder lohiſch eigentlidher Pres 
wi kleinerungs + Anftale ü in wien nach ben Ainfangsbudaben ber 
erſten Unternehmer: Be Denn — Rein. 
fiber, — ‚hönfeld fo genannt, if, 
genau berechneten Maßes, eine fehr bequeme und auı —* das A 
meine. zweckmaͤßige Einrichtung, um das befonders in ben eng: 
der Siadt laſtige — obwohl dieſes durch die neueſten Werfli+ 
gungen Behoͤrden feit Anı Novembers 1835, wo moͤglich in den 


der Käufer zu ale bat, noch miehr zu FR befeitigen. Die 


ben Hol —— des P. find von infändifchen Künftlern ve 
fi at durch Dämpfe in Bewegung gefeßt, und veratbeiten 
binnen 24 Stunden gegen 100 Klaftern Holz. Jedermann kann 
‚Holgbebarf verſchiedener Gattung entweder in der MWerkftätte (neue 
Wieden, Mitterfteig Nr. 602 und 616) ſelbſt kaufen, oder diefen im 
den Baupibeflflungstuteans in der Stadt (Wollzeite Nr. 783) oder deifen 
Bilialen (bey 18 Lotto « —— gegen Empfang einer Charte bes 
»ftellen. Das auf ber Werkftätte felbft erkaufte Hein geſchnittene und ges 
fpaltene Holz —— — die Beſtellungen in den Bureons 
‚werden. den nüchftfoigenden Tag volljogen. Das Haupthureau kann jer 
boch auch ausnapmsweifehgt Berlangie zur alfogleihen Zufuhr amı 
‚Unter einer Drittelflafter nimmt aber das Bureau keine Beftell 
‚sondern die Parteyen müjfen ben Ankauf geringerer Quantitäten auf her 
Werkſtãtte oderin den Verſchleißgewolbern fetbft bewerkftelligen; wie auch 
‚für bie Zufuhr ſeibſt Sorge tragen. Die ümtliye Zufuhr aber findet Früh 
sand: ah in eigens eingerichteten (gefchlefjenen) Magen, und frey 
fonfigen Auslagen, Statt. — Von’ Zeit ju Zeit werden Die 
— und Beftellungsorte — mittelſt der Wiener Zeitung ‚oder 
Placote zur Veröffentlichung g BT 
Cabinet in Wien (im® 
jofederk. Hofburg) gehört gewiſſermaßen zu den naturwiſſenſchaftli- 
(8. NaturalienCabinete Ebivereinigte, 
Z wvſikaliſch— aſtronomiſchen Inſtrumenten a 
mewaniſche und — Kunſtwerle, eine Taſtenharmonika (von dem 





Dianoforte- Derfertigung und Gandel. 213 


Profeſſor der Machematit Fran z Conr.Bartlin Olmüg), eine Ca- 
‚ımera obscura etc, Director ift der E& €. Rath und Domherr J. €, 
Stelzhammexr. In den Wintermonathen (vom December an) werben 
von ihm alljährlidy mis-Berpifligung des Kaiſers Worlefungen über Expe⸗ 
rimentals Naturlehre für Perfonen vom höhern Stande beyderley Ges 
ſchlechtes, zwey Mahl die Woche, am Montage und Freptage, von 
& auf l Uhr bis z.auf 2 Uhr, unter-fieter Begleitung erklärender Ver⸗ 
ſuche gegeben, wozu die Eintrittskarten in diefer Zeit bey dem Cuſtos, 
.Zoh. 3a hs, täglich von.9 bis 12 Uhr unentgeldlich in Empfang zu 
nehmen find, welder auch für jene, die e6 wünfdhen, zwey Maht die 
Woche, am Mittwoch und Sonnabend, von $ auf 1 Uhr bis & auf? 
Apr, über populäre Aftronomie mit Eaiferl. Bewilligung vorträgt. 
: . Pianpforte-Derfertigung und Sandel. Die Verfertigung 
der Clavier⸗Inſtzumente wird am stärkiten in Wien betrieben, weldye 
Stadt nie nus in ˖der öflerr. Monarchie, fondern auf dem ganzen euros 
pärfhen Gontinente -die meiften. und beften Inſtrumente liefert. Die 
Wiener Pianoforte fteben nun nicht mehr den englifhen nad, welde 
ſich bloß in der innern Mechanik von erfteren dadurch unterfcheiden , daß 
der, Schlag des Hammers gegen den Spieler gebt, während er bey ben 
erfteren gegen den Reſonanzboden zu geſchieht. Kürzlich wurden in Wiſen 
über 90 Elavier » Auftrumentenmacyer, theils Meifter, theils befugte Fa⸗ 
bribanten, gezählt, ‚und darunter gibt e8 mehrere, ‚deren Nahmenin der 
ganzen mufilalifhen Welt bekanntfind. Pianoforte- Verfertiger find un: 
ser den jebt lebenden die bedeutendfien: Conrad Graf, Zof.Bohm, 
Hof. Brodmann, Wilh. Leſchen, Joh. Promberger, M.Seuf⸗ 
fert, I. B. Stroicher u. A. Man bat berechnet, daß jährlich in 
Wien 14—1500 neue Pianoforte verfertigt werden, worunter über 400 
tafelförmige, über 200 aufrechtftebende, und mehr als 800 flügelförmige. 
Biele darunter find. aus koſtbaren Hölzern, mit mehr oder weniger Bild» 
bauerarbeit, mit Bronze ıc. verziert, bey manchen die Taſten von Perlen⸗ 
mutter und Schildpatt. — Die größte Werkitätte hat der k. k. Hof» (jebt 
berühmtefte) Pianofortemader Conrad Graf (f.d.), der fortwährend 
an 40 Individuen befchäftigt. Die Arbeiter ſind in 8 Abtheilungen gebracht, 
deren jeder ein beſtimmter Arbeitdzweig zugewieſen ift. — Wiener Ela» 
viere find, wie bekannt, ein nicht unerbeblicher Ausfuhr. Artikel, und 
geben nad ganz Italien, nach Deutfhland , Polen und felbft nad 
Amerika. — Außer Wien werden noh in VBenedigund Mais 
land Pianoforte gemadt. — Der Handel mit diefen Inſteumenten 
war 1810, 1813, 1814. u. f. w. ſowohl im Inlande, als nad dem Auss 
Iande fehr bedeutend, und noch jegt, ungeachtet derfelbe nicht mehr, die 
vorige Lebhaftigkeit beſitzt, kann er erheblich genannt werden. Won den 
in Wien verferrigten Pianoforte bleiben 3 in der Monarchie, und ges 
ben nah dem, lombardiſch⸗ venetianiſchen Kömigreihe , nah Zrieft, 
nad Ungarn, Galizien, Böhmen und- nad) ‚den anderen Provinzen, 
die Übrigen werden nah Sachſen, Norddeutſchland, an den Mhein, 
nad Rußland, Polen, Schiefien, Schweden, Holland, Italien, ja 
felbft nah Nordamerila u. f w. verfhidt. . .- . N 


’ 





Piazzi. — Piccolomini, Job. Norb. Surf. 215 


und bie Ebene bey Nurvefa erreicht, von wo er das Land Im brei’en 
Bette durchſchneidet, bis er am Hafen von Cortelazzo ins. Meer 
fällt. Die P. nimmt viele Gießbäche auf, und wird daher zur Zeit ſtar⸗ 
ker Regen fehr reißend, weßhalb ihre tifer eingedäͤmmt find. 

Piazzi, Biufeppe, Profeſſor ber Mathematik zu Palermo, ges 
lehrter Aſtronoin, war geboren 1746 zu Pontein der Lombardie, flus 
birte an der Univerſitaͤt zu Pavia, und trat 1764 zu Mailand in den 
Drden der Theatiner. 1770 wurde erals Profeffor der Mathematik an die 
neuerrichtete Uniderſität zu Malta berufen, 1774 erhielt er die Pro⸗ 
feffur der Dogmatik an bein Inititute S. Andrea de Valle zu Rom; 
1780 aber wurde er ald Profeifor der Mathematik nah Palermo bes 
eufen, wo auf feine Veranlafung eine Sternwarte angelegt wurde. 
Hier erwarb er ſich auh um die Altronomie bie ausgezeichneitten Ver⸗ 
diente. 1801 entdeckteerden Planeten Ceres, auch machte er fih um 
die Verbeiferung des Maßes und Gewichtes in Sicilien hochverdient. Er 
ſtatb zu Palermo 1826. Seine wichtigſten im Drude erfhienenen 
Schriften fint: Della‘Specola astronomica de’ regi Studi di Pa- 
lermo, 2 Bde. Palermo 1792 — 95. — Praecipuarum stellarum 
iserrantium positiones mediae, eb, 1814; (Ein vortrefflihes Stern: 
verzeichniß, 7,646 Sterne enthältend.) —— Lezioni elementari di 
adronomia, 2 Bde. mit Kupf. eb. 1847, dentfh, Berlin 1822. 

" Dicarditen, f. Adamiten. nn 

Piccolomini, Joh. Norb. Sürft, Eaiferl. General, geboren 
um 1650. Des Octavio P. (f, d.) Enkel im dritten Glied, hatte er 
die großen Eigenſchaften des Ahnherrn von Seite des Muthes ſowohl als 
des Geiſtes geerbt, und äußerte fie auf eine glänzende Weife. — Seine 
Eriegerifihen, Talente wurden auffallend fihtbar während des Generala⸗ 
tes, das er in Bosnien (1688 —89) verwaltete; aber er hatte fih auh 
vorherſchon befonders die Feldzüge hindurch, die der Belagerung Wien’s 
voranzingen und machfolgten, durch mande treiflihe That ausges 
zeihne. — In der- Schlacht bey Mohacs (1687) ſchickte ihn der Her: 
zog von Lothringen zur Unterſtützung des Prinzen von Baden ab, 
dem er mit feiner Truppe fo raſch zueilte, daß das Treffen wieder herz 
geſtelli ward, und der Kampf mit neuer Kraft begann. Bey Pataciua 
(Sapaniz a) führteeraufdem linken Flügel den Vortrab. Nach der ges 
wonneien Schlacht bey Niffa (1689) fekte er dem flüchtigen Feind mit 
großen Erfolge nah, und bald waren mit dieſer Stadt ganz Serbien, 
Bosnien und der größte Theil von Albanien erobert. Daß er mit einem 
beträchtlehen Corps über den 4 Meilen langen Paß von Kaczanek durch⸗ 
deang, it wohl die dentwärdigite feiner Unternehmungen. Sophia, 
das er von Truppen entblößt, aber mit Lebensmitteln und Kaufmannd- 
gütern Überladen fand, wurde ausgeleert, und um e6 dem Feinde un⸗ 
brauchbar ju machen, eingeäfhert. Des Kaczaneker Paſſes verfichert, 
konnte fih P. von Peritina aus mitden Albaniern in nähere Verbin⸗ 
dung fesen; und die Unterhandlungen, auf die er feine weit ausfehens 
den Plane geändete, waren fo weit gebieben,, daß jie fich alle in kaiſerl. 
Schutz zu begesen bereitmaren, als den General zu Miffa (1689) ber 
Tod übereilte.: | u M 


% 
®e 


Piccolomini, Detavio Sürf. 217 


ganz zum Vortheil der Spanier. war waren feine Verfuche auf bie 
Schenkenſchanze, auf Hesdin und Mouffon vergeblich ;-aber deſto 
glücklicher endete fih das Treffen, durch welches Thionville (Dies 
tenbofen) zurücerodert, und der Marfhall Fruquieres von ihm ges 
fangen wurde [(1635—39). — Wieder in Deutfchland thätig (1640) 
hielt fih P. im feſten Lager vor Saalfeld, bis auch die Schweden 
von gleihem Mangel gedrüdt, aufbrehen mußten, denen man num, 
nah Franken und Heilen nachzog. — Zur Eröffnung des folgenden 
Feldzuges (1641) drängte fih P. über Regensburg den Schweden. 
fo vafch entgegen, daß er Banner burd den Böhmerwald bis nad. 
Zittau warf. SIange hatte feh In Neuburg nah 4 Stürmen unde 
dingt ergeben müſſen. In Niederfahfen, wohin ſich der Kriegsſchau⸗ 
plaß z0g, batte das verlorne Treffen vor Wolfenbüttel keine bes, 
beutenden Folgen; da die Belagerer zulegt felbft abzogen, und von dem 
Kaiferlihen mehrere Stüdte genommen wurden. P. rüdte vor. Goͤt⸗ 
tingen, ging aber wegen der zu meit vorgerücten Jahreszeit wieben 
zurüd, und forgte für Winterlager, duch welche die Verbindung 
des Heeres gefichert blieb. — Im Winter ned (1642) zog P. mit dem 
Erzherzog Leopold Wilhelm den Schweden nad) in die Mark Bran⸗ 
denburg. Torftenfon’s Fortſchritten in Sclefien Einhalt zu thun, 
fammelte ex ein Heer in Mähren, bey deffen-Annäherung der Feind 'von 
Brieg abzog, und welches ihm immer zur Seite nad Sachſen folgte, 
bis diefer ſich vor Leipzig ſetzte, und die unglückliche Schlacht vorfiel. 
Durch die Stellung, die P. in ſeinem Winterlager nahm, drückte er 
die Schweden von der Belagerung von Frepburg weg, und that ih⸗ 
nen fonft noch Abbruch, bevor er feine Reife nah Spanien antrat, 
deffen König ihn vom Kaifer erbethen hatte. — P. wurde mit großer 
Auszeihnung aufgenommen, aber erft im folgenden Jahre nad) den Nies 
derlanden beordert. Hier machte er fich fehr verdient, befonders damit, 
baß er den Unternehmungen der franzöfifhen und holländifhen Slotten 
mie Nachdruck entgegenwirkte, und bey den Verfuchen, Dünkirchen 
zu entfeßen, alles aufborh, was Kenntniß, Erfahrung und Kriegsliſt 
vermögen. Er rettete den Platz nicht; aber feine Anftalten machten ihm 
auch bey dem Feind Ehre, und brachten feinen Nahmen am Exiferlichen 
Hofe in fo lebhafte Erinnerung, daß er (1648) zurüdderufen warb, 
das Kriegsglück zu wenden, das in den lebten Feldzügen dem öſterrei⸗ 
chiſchen Heere den Nüden gekehrt hatte. Seine Ankunft brachte 
neues Leben unter die mißmuthig gemordenen- Truppen ; der Feind 
mußte aus Bayern und ber Oberpfalz weichen, und wagte von dieſer 
Seite aus keine bedeutende Unternehmung mehr. Nach völlig geendig» 
ten Beindfeligkeiten erfhien P., der ein eben fo gewandter Staatsmann 
als vollendeter Feldherr war, in der Eigenfchaft eines eriten Eaiferlichen 
Bevollmächtigten auf dem Eonvent zu Nürnberg (1649), wo ed, den 
weftphälifchen Frieden zur Vollziehung ji bringen , und Deutfchland 
von dem lältigen fremden Kriegsvolke zu befreyen, noch fo manden An⸗ 
ftand gab. Sein Erfolg in dem fhweren Gefchäfte und die Empfehlun- 
gen der reichsitändifchen Abgeordneten erwarben ihm vom Kaifer den 
Reichsfürſtenſtand; und was ihm dabey befonders zur Ehre gereick, 


Pichler, Caroline.“ 219 


fi mit dem berühmten italieniſchen Dichte Vincenzo Monticf.d.), 
deſſen Nachlaß fie herausgab. I 

Pichler, Catoline, geborne v. Greiner, ausgezeichnete 
Schriftſtellerinn, iſt geboren zu Wien den 7. Sept. 1769, Tochter 
bes verdienitvollen Hofraches und geh. Referendars Franz v. Greis 


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und richtiges Gefühl entwickelte. Gleichzeitig mit ihrem Bruder machte fie ſich 
bie Sateinifhe Sprache eigen und nun laſen Haſchka und Alringer 
die Claſſiker mit: forgfältiger Wahl und befehrenden Bemerkungen mit 
iht und weihten fie, die ſchonfrühzeitig einige findifche Verfuche im Dichten 
gemacht Battk,; in die Grundfäge der ſchönen Wiſſenſchaften ein, wie fie 
denn, nach ihrem eigenen Beitändniffe, diefen Männern und dem Hof: 
Bibliothekscuſtos Leon, den größsen Theit ihrer äfthetifchen Ausbiltung 
verdankt. Lecture Tiebte fie ebenfalls von Kindheit auf leidenſchaftlich und 
befonderd waren es Geßner's, Voß's, Bürgers, Stolbergs, 
fpäter Klopftoc’s und Herder's Schriften, welde den tiefiten Eins 
druck auf fie machten und fie die Welt ihres Innern am beutlichften Eennen 
lehrten. Sn einer von ihrem frühzeitig verſtorbenen Bruder gegründeten 
Titerarifgen Sefellihaft, deren Zweck es war, daß fi) die Glieder für ihre 
künftige Beſtimmung als Stautsbeamte und überhaupt zu veredelten Men⸗ 
[hen ausbilden‘, lernte. fie ihren Gemahl, den nachherigen k. k. Res 
gierungsrath, Andre. Eugen Pichler, Eennen und verehlidte ſich 
mit ihm 1796. Sein fein gebildeter Gefhmad erkannte und fhäßte die 
ausgezeichneten Talente Carolinens und er munterte fie zuerft auf, 
die Erftlinge ihrer Feder, „die Gleichniſſe,“ dem Drucke zu übergeben, 
welches fie mir großer Schüchternheit that, defto angenehmer jedoch übers 
rafcht wurde, als diefe fhönen Blüthen mit ungetbeiltem Beyfalle aufs 
genommen und felbft von Klopitocd und dem Freyherrn von Nicolay 
mic ehrender Anerkennung begrüßt wurden. — Nun wagte fie fih auch 
an größere Werke und betrat mit vielem Erfolge das Gebieth des Ro⸗ 
mans. Mittlerweile hatte jich durch den Nahmen, ben fih C. P. bereits 
erworben hatte, ein neuer Kreis vorzüglicher Gelehrter und font ſehr 
ſchätzbarer Männer um fie verfammelt, worunter Freyh. v..Mors 
mape, die bepden Eollin, Vierthaler, v. Hammer, Streck⸗ 
fuß u. A., deren Umgang fie manches zu verdanken hatte; beſonders 
war es Erſterer, der ſie in das Gebieth der Geſchichte einführte, und auf 
deſſen Anregung die meiſten ihrer Romanzen und hiſtoriſchen Erzählun- 
gen entflanden, welche mit entfchiedenem Benfalle aufgenommen wur: 
den. 1812 wagte fie ſich aud in das Gebieth des Dramat. Atkkyan iiad, 


Gemuͤth Carolinens fiel, die von frühefter Jugend große Wißbegierde 


Pichler, Job. Pet. — pierwipfl. 221 


fo x. ®. in den öfterr. Taſchenkalender, Hormayrs Tafhendud für 
vaterländifhe Geſchichte, Tübinger Taſchenbuch für Damen, Lan g's 
Almanach für haͤusliche Freuden, in mehrere Jahrgänge der Taſchenbücher 
Minerva, Aglaja und Urania, Caftelli’s Huldigung den Frauen, ferner 
in Fr. Schlegel's deutſches Muſeum, das Morgenblatt, die Vater⸗ 
laͤndiſchen Blätter, Abendzeitung, Zeitung für die elegante Welt, öfterr. 
Zeitſchrift 1835 20. Geſammelt erſchienen P.'s Schriften zuerſt in 
18 Thln. zu Wien (bey Strauß) 1813, dann im Verlage ihrer 
Schwaͤgerinn, der Buchdruckerinn Pichler in Wien, 1820— 35 in 
einer fhönen Octavausgabe, bis jeßt 49 Thle. und zugleich in einer Ta⸗ 
fhenausgabe 1.—50. Bochen. 

Pichler, Job. Det., Kupferfteher, war den 13. May 1765 
zu Botz en geboren. Den erften Unterricht im Zeichnen erhielt er durch 
den Dealer Cuſſet dafelbft, dann ging er nah Wien und bildete fi 
in der hiefigen Akademie der bildenden Künſte unter der Leitung des Di: 
rectors Schmuzer und bes Profefford Jacob e&, feines nachberigen 
Schwiegervaters, vollftändig aus. Bald widmete er fi) ausſchließend der 
Schabekunſt, in welcher mehrere feiner Blätter den beften englifchen 
gleich geftellt zu werden verdienen. Nach bem Tode feines Schwlegerva⸗ 
ters erhielt er deffen Stelle als Profeſſor an der Wiener Kunſtakademie, 
farb jedoch ſchon den 18. Mär; 1807. Zu feinen gelungenften Leiſtun⸗ 

en gehören mehrere Platten für bie chalkographiſche Geſellſchaft zu 
Deffan nad Gemälden der Ballerien zu Braunfhweig, Dres: 
den und Eaffel, dann. mehrere Blätter nah Guido Reni, Ca: 
ravaggio, Cignani, Albano, Correggio, Tizian, d'Arpi⸗ 
no, Dominidino,Ban Dyk, Rembrand, Mengs und Füger. 

Pichler, Iof. v., talentvoller Maler, geboren zu Kutſqhach 
in Oberlärnthen den 9. May 1730. Ungeachtet feiner —* Hin⸗ 
neigung zur Kunſt, konnte er doch erſt im 20. Jahre ſeine Laufbahn zu 
Lunz'in Tyrol unter Faltinger beginnen. 1752 kam er nah Wien 
und befuchte mit dem glücklichſten Erfolge die E &. Akademie. Bald war 
fein Nahme bekannt und mehrere gute Srescogemälde begründeten feinen 
Auf. Ausgezeichnet find mehrere Blumenſtücke von ihm, auf welches 
Genre er fih vorzugsmeife verlegte. 

Dierwipfl, Mid). , Pfarrer zu Fehring in Steyermark und 
Vorſteher der landwirthſchaftsgeſellſchaftl. Filiale Feldbach, wurde am 
12. Febr. 1755 zu Gräß geboren. Er diente in der Seelſorge als Capları 
4 Jahre zu St. Peter am Ortkrébach, 3 Jahre in St. Leonhard bey 
Grätz, 3 Jahre in der Hauptipfarre zu Riegersburg und endlich 
44 Sabre hindurch als Pfarrer in Fehrin'g, wo ihm der fhöne Nach⸗ 
Hang als eifriger Veförderer des Unterrichts der Jugend und der Wohl: 
thätigleit im vollen Maße zu Theil wurde. So wie er ald Prieſter ſich 
außzeichnete, eben fo eifrig war er in der Beförderung mehrerer Zweige 
der Landwirthſchaft. Seine Thätigkeit für die Zwecke der Landwirth⸗ 
ſchafts⸗Geſellſchaft in Steyermark, in der er feit ihrer Gründung als 
Filialvorfteher ein thätiges Mitglieb geweien, mar höchſt verdienftlic. 
Er war einer derjenigen, melde die Einführung des Erdäpfel: und Rü— 
benbaues, wie die der Drefhmafchinen und anderer oͤbonomiſcher Srrätk: 


Dilgram (Stadt). — Pilgram, Ant. (Baumeifter). 228 


Augsburg den 20. Febr. 1782, machte feine erften Studien in dem torti- 
gen Collegium ad St.Salvatorem, abfolvirte hierauf die Nedte 1ENI-—8 
ın Öötringen, trat. im Dievember 1803 als Privatfecretän.im bie 
Dienite bes tamahligen kaiſerl. eſterr. außerordentlichen Geſandten und 
berellmechtigten Miniſters am Berliner Hefe, Grafen (jetigen Haube, 
Hef⸗ und @raatekanzlers Fürften) von Metternich, tem er. auch 
1806, nad deilen Ernennung zum RE Bothſchafter in Parit, dahin 
folgte. Im November 1810 Fam er mit dem zum Minifter der audıwärs 
tigen Angelegenheiten. ernonnten Örafen von Metternich nad Wien 
und übernahm mit 1. Sin. LEIL aus den Bänden Sriedr. v. Soch he⸗ 
gel’s die Redaction des Hſterreichiſchen Veobechters, die er nun ein volles 
Vierteliahrbundert lang führt. 1813 begleitete P. ten Minifter der aus⸗ 
wärtigen dingelegenheiten ‚ Strafen Metternich, zum Congreß nad. 
Prag und war in tem darauf, folgenden Feldzuge mit ber Rebaction 
der Armeeberichte und anderer auf bie damahligen Verhaͤltniſſe fich bezies 
benden Publicationen beauftragt. 1814 war P. mit dem nunmehrigen 
Fürften von Metter nich durch bas Vordringen der verbüindeten Heere 
nad Faris gelangt und machte nah gefchloflenem Frieden mit dem 
Fürften die Reife nah Yanton, von wo er Anfangs July 1814 wieber 
nah Wien zurüdfehrte, and erhielt das, von Kaiſer Franz zurBeläh- 
nung befonterer Verdienſte um die Veförterung der Zwecke bes Krieges 
1813—14 gefüiftete, filberne Civile Ehrenkreuz, wurde im: April 1818 
zum E E Hoffecretär im außerordentlichen Dienfte bey der geh. Hauke, 
Hof⸗ und Staats kanzley ernannt, und erhielt nachmahls tie oBenerwähns 
ten auswärtigen Orden. Er ſchrieb: liber Arme und Armenpflege, Ber 
lin 1804. — Betrachtungen eines Deutſchen über die durch das Sena⸗ 
tusconfult vom 16. Nov. 1813 in Frankreich autgeſchriebene Conſcrip⸗ 
tion von 300,000 Diann, Branff. a. Di. 1813. — De Pradt's Ge⸗ 
ſchichte der De left | im n Herzogtbum Warſchau von 1812 (aus dem Fran⸗ 

zöfifchen überfegt), 2 Ihle., Wien 1814—15. — Earl Ludwig v. 
alers Schreiben an feine Familie, um ihr ſeine Rückkehr zur römiſch⸗ 
kathol. Kirche zu eröffnen (aus dem Branzdfifhen überfeßt), eb. 1821. 
(Erlebte 3 Auflagen.) Sonft auch: Auffäge und Abbantflungen in Hart le⸗ 
ben’s AJuftize und Polizey-Fama, in der Berliner Haube und Spe 
nevfcen Zeitung, befonders über das Gall’fhe Syſtem, verſchiedene 
Gerichte und Überſetzungen von Gedichten aus dem Griechiſchen untlas 
teiniſchen in mebreren Taſchenbüchern und Journalen. - 

Pilgram, böhm. königl. Stadt im Taborer Kreife, an ber Quelle der 
Iglawa, mit 364 Häufern und 3,200. Einw. , einer Dechantkirche, 
Hauptſchule, Salzniederlage Tuchweberey, Walkmühlen/ Papiers 
müble und einer Schafwoll⸗Maſchinenſpinnerey ıc. 

ilgram, Ant.,Baumeifter der Stephans kirche in W beneter viel⸗ 
mehr ihres großen Thurmes. Mit dieſem Manne, einem gebornen Brilnuer, 
bot es, wie faſt mit allen andern Werkmeiſtern dieſes berühmten Rieſen⸗ 
banes, eine räthfelhafte Bewandtniß. Er heißt eigentlich Pilgramb oder 
Pilgraben, wie ihn ein Rückzettel desſelben auf einem geſchnitzten Bild 
. Im Befig der Maurerzunft zu Wien erklärend beneunt und 1356 bey St. 
Erepban als Baumeifter anführt. Vom Nahmen angefangen und ber 





2 Pllfen — Pindemonte 225 


Dilfen, : böhm.. königl. Kreisſtadt im Pilſener Kreiſe, eine der 
vornehmften Städte Böhmens, breitet ih, umgeben von fruchtbaren 
Feldern, in einen breiten, fchönen, von der Beraun durchſtrömten Wies 
ſenthale aus, und zahle mit ihren 3 Vorſtädten 548 Häufer und 9,000 
Einwohner. Zu den, anfehnlihften Gebäuden der Stadt geboren: Die 
Schöne gothifche Hauptkirche mit einem 30 Klftr. hoben Glockenthurm und 
guten Gemälden, das geſchmackvolle Gymnafialgebäube, das gothifhe 
Rathhaus, und das alte deutfche Haus. Nebſt dem Kreisamte für den 
Pilſener Kreis triffi.man hier eine philoſophiſche Lehranitalt, ein Gym: 
nafium, eine Hauptfchule, ein Militärs Anaben-Erziehbungshaus und ein 
Theater. Die Tuchmacherey wird ſtark betrieben und es werden grobe und 
mittelfeine Tücher erzeugt; aucheine Saffianlederfabrik macht gute Waa⸗ 
re. Die hiefigen Sahrmärkte werden von einem großen Theile der hans 
beitreibenden Böhmen aus allen Kreifen des Landes ſtark befucht, und 
nicht unwichtig sit der. Speditionshandel mit Wolle, Leder, Tuch, 
Leinwand, Vieh, Eifen, Pottafhe, Federn ıc. Die von einem patrios 
tifchen Vereine auf Actien gegründete Pilfener Eifenbahn, unter ber 
Leitung des Wäfferbaus Direstorsv. Gerfiner erbaut, läuft von P. 
bis an dad Prager Carlsthor, wo fie, in zwey Arme ſich theilend, bis 
an die Moldau reicht, wodurd diefe Eifenbahn mit der Elbe in mittel- - 
bare Verbindung. tritt, deren Schifffahrt dazu beyträgt, den Tranfitos 
handel von P. aus zu befördern, ba diefe Stadt durch die Hauptcoms 
merzialſtraßen mit Dem füdlichen und weitlihen Deutſchland in Werbins 
dung ſteht und auf der Eiferibahn bedeutende Manufactur⸗, Kaufmanns 
und Tranſitogüter auch als Netourfracht verführt werden können. 

Dilfener Rreis, in Böhmen, begreift in feinem Umfange 68: 
Q.. M. Man zählt in diefem Landestheile 15 Städte, 14 Markifecken 
und 663 Dörfer mit 198,430 Einw., welche faſt durchgehende deutſch 
fprechen. — Diefer Kreis, welchen größtentheils Deutfhe bewohnen, 
gebört zu den gewerbsreichen, und vorzüglich ift es die Eiſenwaaren⸗, 
GSlas⸗ und Slaswaaren: Erzeugung und die Tuchweberey, womit fich die 
Einwohner desfelben befhäftigen. Die Schafzucht wird fehr ſtark betries 
ben. In einem anfebnlichen Theile des Kreifes verlegt fich der Landmann 
bloß auf den Flachsbau. 

Dilsno (Pilezno), galtz. Stadt im Tarnower Kreife, am linken 
Ufer der Wysloka, mit 390 Häuf., 1,260 Einw., Dechantkirche, Auguftis 
nerlirhe, Zollamt und Handel. 

Dindemonte, Braf sippolyt, Mitglied bed ital. Inſtitutes 
zu Venedig und mehrerer gelehrten Sefelfchaften, geſchätzter ital. Dich⸗ 
ter, war 1753 zu Verona geboren, verlegte ſich frühzeitig auf 
das Studium der röm. und griech. Claſſiker und hatte ſich bereits im 
18. Jahre eine ehrenvolle Stelle unter den beſſern, gleichzeitigen italie⸗ 
niſchen Dichtern erworben. Er durchreiſte Italien, Frankreich und Eng⸗ 
land; feine anfänglich heitere Gemüthsſtimmung wurde durch Umſtän⸗ 
de und Erfahrungen aller Art bald in eine ernſte, ja düſtere und ſchwaͤr⸗ 
merifche umgewandelt; übrigens ſichert ihm der Ernſt feiner Beftrebuns 
gen, wie die Reinheit feines Lebens und feiner Schriften ſtets einen ehe 
renvollen Rang unter feinen Zeitgenoffen. Er flarb gu Verana im 

Ökterr. Nat. Encotl. 82. IV. \% 


— 


226 Pinguente — Pionier-Cor 


18. Nov. 1828. Die vorzügliciten feiner Schriften find; ı Vi ei 
Sermon, und ——— a cs eine: —— 


buch, die Betrachtungen bed Verfaſſers während feiner Reiſen enthaltend. 


Armonio; tragedia, Verona 1819; — La Fata Morgana, Elogio 
di Gessner (in Elogj di Tetterati;2 Bde. Verona 1826). — Il col- 
po di martello, fo wie mehrere: lyriſche Gedichte, vorzüglich der 
Oden, Epiſteln (Epistole in versi. Verona 1817) und 
(Sermoni. ®erona 1819) und Idyllen (Prose e poesie camp 
in.mehr als 15 Auflagen, darunter gut Verona 1817), welde Tiefe 
der Gedanken und Innigkeit der Gefühle aus zeichnett... 
Pinguente (Rafpo), Marktfiecken im Mitterburger Kreife des 
illyriſchen Küftenlandes, hat 700 Einwohner und treibt Handel mit 
Wein, Obl und Korn. In der Nähe werden Mühlſteine gebrochen. 
Pinfafeld, ungar. Marktfleden, im Eifendurger Comitat, can 
der Pinka und an der ſteyermaͤrk. Gränge, mit 245 Häufern „2,060 
Einwohnern, einem fürklih BSatthyanp'icen Sgloſſe, einer 
liſchen Pfarre, einem Souerbrunnen und großen Thiergartem 
Pino v. Friedenthal, die Freyherren. Die P. find ein uraltes 
abeliges Geflecht der Lombardie- deſſen Sitz Como war, und wovon 
fich in der Vorzeit Zweige nad Meapel und Spanien ausbreiteten. 
Urfprung liegt außer dem Bereich geſchichtlicher Machweiſung. Das Ar- 
iv des 1796 aufgelöften Consiglio generale nobile di Como de! 
Signori Decurioni beweiſt nur, daß diefes Geſchlecht fhon im 13. 


Zahrhundert zu den anfehnlichften Familien des Adels gehörte, So er 


fheint darin Ubertus de Prals Gefchäftsführer bey ben zwifchen dem 
römifden König Rudolph und der Bürgerſchaft zu. Como — 
ſenen Verträgen. haben viele Glieder dieſer Familie die Decı 
würde, welde nur den erſten adeligen Geſchlechtern erreichbar war, 
Como befeidet. Darunter find folgende: Joh. de P. 1427; Io 
de P. 1433; Jac. de P. 1465; Nicol: de P. 14765 Thomas 
de P.1535. Mit Jod. Ant. Jofı de P., welcher fi gegen Ende 
des 17. Jahrhunderis aus feinem Waterlande nach Ofterreihifh-Schle 
fien 509, und daſelbſt bedeutende Realitäten ankaufte, ward dieſes Ger 
ſchlecht in die deutfch-öfterreihiihen Staaten verpflanzt; 1726 in ben 
Reichsadel, 1766 mit dem VBepnahmen Friedenthal im die Reichs 
und erbländifche Ritterfhaft aufgenommen und 1776 in den Neichs- und‘ 
erblöndifchen Freyherrnſtand erhoben. Gegenwärtig hat es ſich in 3 
Hauptlinien geteilt. Aber auch in Spanien blüht diefes alte Geſchlecht 
fort, wiedie 1834 Statt gehabte Ernennung des Fernande z. del P. 
zum Grafen von P.»Jril beweifts . 
Pionier» Corps, begreift: 1 Stab6-Officier ald Corps · Comman · 
danten, 1 Mejor, 4 Corps:Arzt, 1 Corps⸗Rechnungsführer, 2 Corpis 
Adjutanten, 9 Hauptleute, 2° CapitänsCieutenants, 12: Oberlieute- 
mants, 28 Unterlieutenants, 27 Cavdetten; in Friedensgeiten aus 2 
Botaillons zu 4 Compagnien, in Kriegszeiten wird jedes Bataillon um 
2 Compagnien verftärkt und no 1 Baraillon errichter. Die Beſtimmung 
des PC. im Kriegszeiten it: Beym Vorrücken der Armeen alle, 
Binderniffe, die einer marſchirenden Colonne in den Weg kommen köns 


ATIREEEREEBRRRER TERN PERRn = 





- \ . 
Dirano. — Pirdftaller. 227 
nen, fowohl in ald außer dem feinblihen Beuer, aus dem Wege zu 
räumen. In Friedenszeiten wird dieſes Corps, nad Erforderniß der 
Umftände, zur Bortification und allen dazu gehörigen Arbeiten, zur Ers 
bauung und Herſtellung von Militär-Hrarial-Gebäuden , zum Chauffees 
ünd Dammbau, oder auch zum Wafler: und Canalbau verwendet, 
und nebitbey zu den im Kriege bey einer Armee vorfommenden Ars 
beiten abgerichtet. Zu dem P.⸗C. werden daher fo viel möglich) 
ſolche Profeffioniften ausgehoben, die zu den vorangeführten Arbeiten 
befonderd geeignet find. Der Pionier ıft nach dem Anfanterie-Dienft 
eöglement zu behandeln. Er muß nicht nur die ihm vorgefchriebenen 
Arbeiten derrichten, fondern aud einem feindlihen Angriffe mit ven 
Waffen in der Hand begegnen; jeder Mann ift baher mit einer Muskete 
derſehen, und hat nebft diefer noch eine Schaufel oder einen Krampen 
zu tragen. Das P.⸗C. ift in Rüdfiht auf die don bemtfelben zu 
verrichtenden Dienfte dem Beneral-Ciuartiermeifter untergeorbnet: In 
Unfehbung der Zurisdiction, Ökonomie und Verrehnung ift dasfelbe 
dem Beneral: Commando, in deffen Bezirk es verlegt ift; untergeordnet. 
Dem Gommaltdanten de$ P.⸗C. find, ih Bezug auf Beftrafung 
der Disciplinar: Vergehen, Bewilligung der Heyraihen vom Interofficier 
äbwärts, und die Beförderungen, jene Rechte eingeräumt, die ben Com⸗ 
manddnten felbftftändiget Bataillons oder Corps guftehen: Zur Bildung 
im Pioniersbienfte befteht eine eigene Schule in Tulln: 
Pirano, Statt ini Sftriet Kreife des illyriſchen Küftehlandes, 
liegt auf einer Halbinfel am Meerbufen Largdne, zwiſchen 2 Hügeln, 
an deren einen ppramidenförmig angebaut, und hat 6,200 Einwöhner. 
Dis jalte verfallene Caſtell und die fehr hoch liegende Hauptkirche 
geben dem Orte din hübfches Anfehen: Außer 2 größen Plägen find die 
meiiten Gaſſen fehr eng. Faſt in der Mitte der Stadt erhebt ſich auf 
einem hoben Hügel bie alte götbifhe Hauptkirche mit einem freyſtehen⸗ 
den ſpitzigen Thurme,; welche einen fregen Platz vor fih hat, von dem 
man eine herrliche Ausficht auf das Meer genießt: Das Stadthaus und 
Bie Minoritenkirche Haben fehenswerche Gemälde: Kür den Unterricht 
befteht eine Hauptfchule. In dent nahe gelegenen Valle di Siccole lies 
den die widtigften Salinen Sftriens, melde das fhönfte und reinfte Salz 
an der ganzen Küfte erzeugen. Die Hauptbefhaftigung der Einwohner 
iR Weins und Olivencuitur und Fiſcherey. Der fhöne und fihere Hafen 
Porto delle Rose, von den Sftriern il Porto glorioso genannt, 
bat ein doppeltes Becken, wovon das kleinere faft mitten in der Stadt 
befindlih,, durch Canäle, die gefperrt werden können, zugänglich ift. 
. Pirawart f. Größ: Pirawert. | 
Pirchſtaller, Jac., Bildhauer, geboren am 3.Yuly 1755 zuTrens 
unter Sterzing in Tyrol; lernte die Bildhauerey bey Zac. Gratl 
zu Innsbrud, und kam 1775 nah Wien, ws er fi auf der 
Akademie in feiner Kunft übte, auch zugleich bey der Mofbaudirection 
prackicirte. Als er 1781 in fein Vaterland zuruckkam, ging er nach Bri⸗ 
ren, wo fein Bruder Joh. Bapt. Dombeneficiant war. An der Doms 
kirche dafeldft wurde die Façade oder vielmehr der Porticus nad) feiner 
Zeihnung erbaut, nebft den Statuen darauf von weißen Maren. &x 
ın 


228 Piringer. — Pifek. 


verfertigte auch in B riren das Grabmal für die Fürſibiſchöfe Leopold 
und I a ern in der a ber Dom- 
Kirche zu feben ift. 1785 ward P. nah Meran als Zeihnenmeilter 
aufgenommen. Er verfertigte dafelbſt in der Pforrlitche den Hochaltar 
von ſchoͤnem weißen Marmor_in fehr einfahem römifhen Gefhmade, 
und leiſtete auch durch feine Wajlergebäude fehr grofien Nusen wider - 
den teißenden Paſſerbach, indem er nicht minder Architekt als Bildhauer 
war. Er farb zu Mais nähft Meran den 14. Febr, 1824... 
Piringer, Benedier, Sandfehaftskupferfieder in fag i 
Acqua tinta Manier, Mitglied der Wiener Akademie der bildenden, 
fke, war geboren zu Wien 1780, ftudirte mehrere Jahre in der dafigen 
Akademie unter der Leitung Friebrih Brands bie Candfcaftszei 
nung und darauf bie Acqua tinta Manier unter Herzinger, 
er es zu bedeutender Volllommenheit, befonders in der Heben Seband 
‚ber Töne brachte. Um fich in diefer Kunft vollftändig auszubilden, et 
„nach Paris und-fharb bafelbft den 29. Nov. 1826. Seine vorzüg- 
Tichften Blätter | — Zwey Seeſtücke, nah Hori, einen Sturm und 
eine ruhige Mondnacht darftellend. Zwey Landfeaften, nah Gottbelf 
Brand, Suite von 12 Landſchaften, nah Kerd. Kobell. 6 Lane 
ſchaften nebſt Titelblatt, nah Dietrici. 12 Landſchaften, noch dem⸗ 
Er 2 Viebftüce, nah Molitor. Die Mondnacht, nahWeir, ı 
veffliches Blatt, Abendlandfhaft, nah Molitor, Gegenſtück des 
‚rigen. 2 Candfehaften nah Pouffin. L’aube du jour et clair delune, 
2 Sandf&aften, nah Molitor, Mehrere Anſichten von. Tyroler Ge: 
genden, nad) Kunks Zeichnungen, welde in Jo ſ. Eder's Verlage 
in Wien erfhienen. . — ag 
Pirnis, mahr. Marktfleden im Iglauer Kreife, an ber Brtniczka, 
bat ein altes Schloß mit fehenswerthen alterthlimlihen Gemälden, 
3 Kirchen, 2 Synagogen, Kattun- und Tucweberep, eine Pulver: 
mäbhfe, Tuchwalke und 2,490. Einw., worunter viele Inden, welde 
Handel mir Wolle treiben. “ 2 
Piſchtian, (Pöfteny), ungar. Marltflecken im Neutraer Cor 
mitat am vechten Ufer der Waag, in einer angenehmen und fruchtboren 
Gegend; mit 480. Häufern und 3,000 Einwohnern. Die hiefigen 40.66 
50° R. warmen Schwefelbäder nennt man auch Tepliter Bäder, weil 
fie fih + Stunde vom Markte im Orte Teplitz oder, Klein-Pildr 
tian hart am Ufer der Wang befinden. Die Badehäufer find mit Efe- 
‚ganz aufgeführt und mit einer Säufencolonnade umgeben; man zahle 
gegenwärtig 4 Epiegel- und 18 Wannenbäder, bie ſammtlich mufter- 
haft eingerichtet find. Die Umgegend bietet fhöne Spaziergänge dar. 
PifeR, böhm. -Eönigl. Stadt, im Pradiner Kreife, it det | 
Kreisamtes, in einer unfruchtbaren Gegend am Flüßchen Wottama, über 
welches eine alte ſtattliche fteinerne Brüde führt, welche, mac der 
Moldaubrücke in Prag, die längfte in Böhmen iſt. Die Stadt ift von 
einer alten, hohen und bethürmten Dauer umgeben und bat 469 Häuf, 
mit 5,450 Einw, , 3 Kirchen, ‚ein Gymnaſium, eine Hauptſchule, ein 
Mitiär- Knaben: Erziepungspaus, Tuchweberey, Leinwand» und Woll fabri⸗ 


ARE. 


piſtor. — Pitter 239 


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fen, Schön» und Schwarjfürderegen und eine Eifendrahtmühle, Im 
Flüßchen Wottawa findet man böhm. Diamanten, Oranaten, Perlen. 
Piſtor, Carl, E 8. Horfhaufpieler, würde um 1780 zu Hamm in 
Weſtphalen geboren. Sohn eines preuß. Staatsbeaniten follte er fich eben» 
falls der öffentl. Geſchäftslaufbahn widmen; nach vollendeten Studien 
an den lniverfitäten zu Halle und Berlin aber fühlteer fich unwider⸗ 
ftehlich zur Schaufpielfunft yingezogen. Die meifterhaften Darftellungen 
der Werke Soethed und Schillers im Hoftheater zu Berlin gas 
ben feinem Triebe neue Nahrung und er beſchloß, Tich durch eifriges Stu⸗ 
dium ausſchließend der dbarftellenden Kunft zu widmen. Bereits 1804 er⸗ 
hielt er ein Engagement im Hoftheater zu Schwerin, wo erin mehreren 
Rollen gefiel und raſche Fortſchritte machte: 1806 wurde er bey der 
Bühne zu Bremen engagirt, wo er ſich nebſt feiner Gattinn durch 
7 Zahre des lebhafteften Beyfalles zu erfreuen hatte. Nach der Befignahme 
Bremen’s durch die Franzoſen begab ſich P. nah Braunfhweig, 
wo er ein Engagement erhielt und ebenfalld gefiel. 1820 wurde er von 
den damahligen Director der Prager Bühne, Franz v. Holbein, 
für diefeibe gewonnen, wo er durch mehrere Jahre mit Beyfall auftrat. 
‘1824 wutde die Familie P. bey dem Ef. Hofburgtheater in Wien enga- 
girt, wo fie fi) noch gegenwärtig befindet. Seine vorzüglidften Rollen 
find: Wurm, in Cabale und Liebe; Rudolph, in Herwig; Stepanoff, 
in der Vetſchwörung auf Kamtſchatka; Poing, in Heinrich IV. u.a. m. 
Befonders aber ift es deſſen aͤlteſte Tochter Betty P., welche ſich durch 
ihr melodifhes Organ, Ausdruc der Mienen, edle Haftung, richtige 
Declamation und Gefhmad im Anzug, der Gunft des Publicums im bo» 
hen Grade zu erfreuen bar. Ihre bedeutendften Rollen find: Louife, 
in Gabale und Liebe; Erny, im treuen “Diener feines Herrn; Emilia 
Galotti; Minna von Barnbeim ; Natalie, in den Corfen; Opbelia, 
in Hamlet; Tbecla, in Wallenftein; Marie, im Herbfttag u. a. m. 
Ditten (Puͤtten), nieveröfterr. Heiner Markt im V. U. W. W., 
am rechten Ufer des Pittenbaches, der hier Thon Leitha genannt wird, 
‚in einem ſchönen Thale, mit 550 Einwohnern. Auf einem Berge fteht das 
Schloß Pitten, weiches in früherer Zeit flark befefligt war und zu 
den mwichtigiten Gränzfeftungen gegen Ungarn gehörte; auf der halben 
Höhe des Berges die St. Georgd- Pfarrkirche. Hinter derfelben ift eine 
Selfenhöhle, die zu einem Beingewölbe verwendet wird. Bemerkend» 
werth ift das dem Grafen v. Pergen gehörige Eifendergwerk und 
eine Papierfabrik, welche auf Mufchinen auch Papier von beliebiger 

Länge verfertigt. | 
- Ditter, Jof. Bonaventura, mähr. Prälat und Propft des 
Benedictinerftiftes Raygern, geboren zu Hohenbruck in Böhmen 
am 5. Nov. 1708. Sein Vater, ein armer Töpfer, konnte ihn nicht 
fludiren laffen; es nahm fich daher der Bruder feiner Mutter, ein Srans 
ciscaner, ded Knaben an und ließ ihn in der beutfchen Sprache und 
Muſik unterrichten. Er brachte ihn bald ald Sänger bey der Kirchen: 
muſik in das Benedictineritift Braunau, wo er die lateinifchen 
Shdulen ftudiren konnte, und als er den Beruf, Benedictiner zu wer: 
den, in ſich fühlte, fuchte er zu Braunau um die Aufnahme an,tir 


230 ‘ Pimniczna. — Planing. 


er auch erhielt und legte nach dem Probejaht am 28, Det, 1727 die 
—— e ab. Mit 25 Jahren wurde er zum Priefler geweiht und 
(forge verwendet. — — immer einen Hang zur vater · 
5 Gefdichte das Amt eines Secretärs und Arhivars, welches 
— bey ſeinem Duben erhielt verſchaffte ihm Gelegenheit, die wichtige 
fen Archive an in andern Klöftern, einzufehen. Um vie vaterländifche 
Geſchichte von Irrthümern zu reinigen, nd" m: er genaue Abſchriften der 
Urkunden und fammelt; ve Brauchbarſte aus den-alten Handſchriften. 
Durch diefe dipl —*5 Befchäftigung gewann er die Ahtung der Ger 
lehrten und der Kuf feiner — Kenntniſſe breitete ſih fo aus, 
daß Mascow, Kappius und Andere mir ihm in Briefr 
— festen. Am 25, May 1756 wurde P, einftimmig zum — 
Propft in Raygern gewählt. Auch auf diefem Stantpuncte wibmete 
‚ er feine Mußeftunden gelebrten. Arbeiten, ließ alte Chroniken und 
Diplome copiren, um ein Corpus scriptorum Bohemiae 
Diplomatarium herauszugeben. fe inmitten biefer rubmvollen Ber 
ee farb er am 15. Map 1764. — P. war ein unermüdeter Ge ⸗ 
ſchichts forſcher, der die alte Geſchichte nicht in Compendien, ſondern in 
achten Ur! — * Von ſeinen gedruckten Schriften iſt zu nennen: 
Thesaurus ab scon! ditys in monasterio Brzewnoyiensi; mit Kupf 
Brünn 1762; ein Werk tiefer Gelehtſamkeit. Deine bandfpriftlichen 
dipfomatifhen, Sammlungen werden im Stifte zu Raygern — 
wahrt, wotunter das, Monasticon. Morayiae den Veweis eines 
vorbentlidhen Fleiges * 


Diwnicana, kleine Stadt im Sandecer reife, am 
Peptad, von hohen. Sandı a ergen umgeben, hat 2,080 Einw, , 
Seinen: und —— eine Papiermuͤhle, Handel mit —* 


Pizzighetone/ lombard. Marltflecken in der Delegation Eries 
ah. eine Beftung am. Fluſſe Ada mit 3,820 Einw, und einem 

he! LI 

lan, böhm. Städtchen und Hauptort einer Herufaft im Pil- 

fener reife, mit 252 Häufe, ‚und 2,760 Einw. „einem alten Schloffe, 

einer Haupiſchule Waid-Indige, Wollenzeug:, und Tuchfab rien, 

Alaun⸗ und Witriolfiedere nn, einer Papiermühle und einem Sauer« 

——— in ber Rahen Auch findet man unweit der Stade viele * 
ubinen. 

Dianina (Alben; von den Alten Alpes Juliae — 
illyr. Drartifeden i im Adelsberger Kreiſe —* ergogthumg Kain), in 
einem Keffel zwiſchen hohen Alpen und Wäldern, mit 1,100. Einw., bie 
viel Feuerſchwamm bereiten und verfenden, Der Ort iſt ziemlich wohl: 
gebaut, aber den häufigen Überfhwemmungen des Un fluſſes ausgefeßt. 
Unweit davan liegt das Schloß Haasberg und eine, Viertelftunde 
von bier, bey den Trümmern der Veſte Rleinbäufet ik die hert- 
liche Grotte des Muͤhlthales , » die man auch Unzhoͤhle und Klein- 
Bäufelegrotte nennt, Zwiſchen Felſen verſteckt eröffnet ſich auf einmahl 

Baſſit in, das ringsum von einem fehr hohen, ganz ſenkrechten Fel⸗ 
fen, der ein reines Echo zurücwirft, eingefgloilen iſt. Die Grotte 





:. Dianfenfltein. — Plager, Ign. 231 


Hat einen erhabenen Eingang; man glaubt in einen prächtigen Dam zu 
treten , fo majeltätifch ift fie gewölbt. Ä 
—Plankenſtein (Blankenſtein), niederöfter. Dorf und Schloß 
im V. O. W. W., auf einem beiwalderen Berge, zugleich eine freyherrl. 
Zintifhe Fideicommißherrſchaft. Die Burg, welde wahrſcheinlich im 
16: Jahrhunderte gebaut wurde, iſt noch wohl erhalten, bat 2 Stod: 
werde und Q feſte Thürme, nebſt einem. Thürmchen am flidlichen Flü— 
gel.. An der flachen. ‚Seite des Berges, auf deilen Abhang fie ſteht, 
bat-fie einen Graben ‚: über weichen eine Zugbrüde führt, und an der 
Berg eite ftarke Werke J no . 

:- Platten, böhm. Eönigl, Bergftadt,..am Plättenderge, im El⸗ 
bogner Kreife, mit 386 Häuf. und 1,700 Einw,;, hat ein ſchönes 
Rathhaus und Würgerfpital. In der-Nähe befteht eine Schmaltefabrik. 
Don den Einwohnern werden viele Blechlöffel, Spitzen x. verfertigt. 
Ehemahls wurde hier Bergbau. auf Silber und Zinn getrieben, Jetzt 
wird noch auf etwas Kobalt und Braunfteim gebaut, | 

.  Dlattenfee (Balaton), der ‚größte See in Ungarn, liegt 
zwiſchen der Szalader, Sümegher und Veſzprimer Gefpanfchaft.und har 
eine Länge von 40,000 Wiener Klaftern. Seine Breite mißt bey Fol 

egen 8,000 Al. Am fchmälften ift ee bey Zihäny, wo feine Breite 
aum 200 Klafter beträgt. Das nördliche Ufer umgränzen Berge und 
Hügel, welche sheils mit bedeutenden Waldungen beveds, theild mit 
fruchtbaren Weinreben bepflanzt find. Eine Merkwürdigkeit des P. find 
die verfteinerten Ziegenklauen. Es wirft nähmlich diefer See Steinden 
von folcher Größe und Geſtalt ans Ufer, wie die Hälfte einer Ziegen: 
klaue ungefähr. ausfieht. Sie find weiter nichts als petrificirte Schnecken 
weiche durch die Verfteinerung unkenntlich geworden find. Auch find 
die Geſtade diefed Sees, befonders bey dem Orte Fok, mit dem rein» 
ften und fchönften Eifenfande bedeckt, der ſehr ſchönen Streufand liefert. 
Beſieht man diefen Sand dur das Mikroflop , fo erblict man außer 
den vielen Eifentheilchen auch unendlid Heine Körnchen von Edelfteinen, 
nahmentlich den Sranat, den Rubin, Amethyſt, Topas u. dgl. Man 
findet vielerley Gattungen Fifche im P., welde ſich durch ein fefteres, 
gefunderes und ſchmackhafteres Fleiſch von den Kifchen anderer Gewäſſer 
unterfheiden. Der P. befigt auch eine Art Fiſch, welcger nur in diefem 
See zu Haufe ift und in keinem andern See oder Fluſſe angetroffen 
wird. Man nennt ihn den & og 08, deutfch Zahnfiſch (Perca lucioperca). 
Diefen Nahmen erhielser wegen feiner 4 großen Hakenzaͤhne, die felbft bey 
gefchloffenem Munde hervorragen. Noch findet man im P. eine Gattung 
Fiſche in fat unglaubliher Menge, Man nennt fie Weißfifhe oder 
Schwertlinge, und fie erfcheinen fo häufig, daß fie beynahe tie Ober: 
fläche des Waſſers bedecken. | 
Diager, Ignaz, Bildhauer in Prag. Er war 1717 zu Pils 
fen geboren, wo er auch die Anfangsgründe feiner Kunft erlernte. 
Nach einigen Jahren aber ging ernah Prag, und machte fi bald 
durch feine Kunft fo fehr bekannt, daß er für die meiften Kirchen Arbeis 
ten lieferte; wodurd er fich fein nahmhaftes Vermögen und Ruf ers 





r 
x 


Pleißnig. — Pien. 


Pieißnitz, ungar. Marktflecken und Hauptort bes: Goͤmoͤrer Cor 
mitate. Hier werden die Comitatsverfammlungen gebalten. Der Drt 
bat 2,102 Einw., ein Schloß, eine reform. Kirche, 2 Eifenhämmer und 
eine Marmorgrube. - on ’ 

Plenk, Jof. Jac. 9.,68.Rath, Dr. ber Chirurgie, Director der 
Feldapotheken und Keldflabschirurg, geb:. hin 28. Nov. 1738 zu Wien, 
ſtudirte daſelbſt die med.chirutg. Wiffenfchaften mitausgezeichnetem Erfols 
ge, wurde nach vollendeten Studien als Lebrer der Anatomie, Chirur⸗ 
gie und Entbindungskunſt zu Ofen angeſtellt und erhielt 1783 die Pros 
feſſur der Chemie und Botanik an der med.chirurg. Joſephsakademie 
in Bien. 1799 ward er zum Lohne feiner vielfachen Verdienſte in den 
ungariſchen Atelitand erhoben und ftarb in Wien am 24, Aug. 1807, 
nachdem er durch eine Reihe von Jahren obige Stellen mit Auszeichnung 
befleibes hatte. Er gab fehr viele Schriften, im Drucde heraus, von 
Denen viele in neuen :Auflagen erfchienen. Diefe find: Auswahl der 
chirurg. Arzneymittel. Wien-1775. — Samml. von Beobacht. über Ger 
genitände der Wundargneykunft. 2 Thle. eb. 1775. — Lebhrgebäude 
von Sefchmwülften. Dresden 1776.— Boctrina dentium. Wien 1778, 
— Bon den Krankheiten der Zähne, eb. 1778. — Pharmacolo- 
gia chirurgiea, eb. 1782 (auch deurfh):.— Elementa artis ob- 
stetriciae, ed. 1732. — Doctrina oculorum, eb. 1783. — Doct. 
de morb. cutaneis, eb. 1783. — Bramatologia. Leipzig 1783 
(au .deutfh). — .Elementa medicinae et .chirurgiae forens, 
Bien 1786. — Doctrina veneris, ed. 1787. — Lehre von den 
Augenkrankh., eb. 1788. — Lehre von den Hautkrankheiten. Leipzig 
1789... — Chirurg. Pharmacie. Wien 1790. — Pharmacia chirur- 
gica; eb. 1791. — Primar lineae, anatom., eb. 1794. — Hy- 
rologia corp. hum. Lein;. 11794. Dasfelde deutſch, Wien 1795. — Umriß 
der Zergliekerungslunit, eb.. 1796. ‚—- ‚Gnmpend. institutionum 
chrrurg. 2 Thle., Leipzig 1797. — Bot. Terminologie. Wien 1798. 
— Anfangsgründe der Pharınacos Katagraphplogie, eb. 1799. Dasf. 
lateiniſch, eb. 1799. — Lehrfäße der 'pract. Wundarzneywiſſenſchaft, 
eb. 1799. — Anfangsgeiinde für angehende Wundärzte, eb. 1800. — 
Taxicologta, eb. 1801 (auch deutſch) — Anfangsgründe der gerichti. Arz⸗ 
nepwijlenichaft, aus. dem Lat., eb. 1802. — Anfangsgründe der 
Beburtshü:fe, eb. 1803. — Pharmacologia medico -chirurg. spe- 

cial. 3 Bde., ebi. 1804. — De curandıs morb, infantum, eb. 
1805. — Lehre von der Erkenntniß und: Heilung der Kinderkrank⸗ 
heiten. Leipzig 1807. — Doct. de sexu femin. Wien 1808. 
— Specielle mebdic.;hirurg. Pharmacologie. 3 XThle., ed. 1816.— 
Anfangsgründe der dirurg. Worbereitungswiitenfdaften, eb. 1822. 
Ausgezeichnet bar fih P. durd feine Icones plantarum medicina- 
lium, mit latein. und deutfhem Zerte, 8 Bde, oder Genturien, mit 
800 illum. Kunf., Wien 1788— 1812 (nach feinem Tode von Krendl 
fortgefekt). Die Platten find größtentheild von den Sacyuin’fheu- 
Werken. | ' 

Dies , Jof., Dr. der Theologie, k. k. niederöiterr. wirkt. Negies 

rungsrath und Referent üder die theolog. Studien bey der k. E. Studien⸗ 





> 


ploßl. — Podgorze. 255 


Ploͤßt, G. Simon, privif. Optiler und Mechaniker in Wien, 
bat ſich feit einiger Zeit ganz befonders durch vorzüglich gelungene opti« 
ſche Ardeiten aller Art ausgezeichnet. Er wird von mehreren Seiten, 
nahmentlih von Männern wie Freyh. v. Jacquin, Littrow aufs 
gemuntert und erfreut fih überhaupt eine zahlreichen Zufpruches. Neuer: 
lich veranlaßte die allgemeine, äuferft günftige Würdigung der dialyti⸗ 
ſchen Einrichtung feiner größeren Sernröhre den Künftler, die Stand 
perfpective nur dialptifch zu verfertigen, wodurch die Abnehmer ſowohl 
an Schärfe der Wirkung und bequemer Kürze des Tubus, als auch im 
Preiſe gewignen. P. ift fletd mit Bernröhren aller Art und Größe, 
Standperfpectiven, Mikrsmetern, Mikroſkopen zc. in großer Anzahl 
und Auswahl verfeben. Auch verfertigt er alle Übrigen, zum Unterrichte 
in der Optik erforderlichen Apparate und Inſtrumente auf Beſtellung 
und Verabredung. Die Preife find durchaus, rückſichtlich der Güte feiner 
Producte, dußerft billig geftellt. Durch einen ſehr finnreich erfunde- 
nen Sehmeſſer kann fi Jedermann Augengläfer felbft wählen, die genau 
für jede individuelle Sehkraft paffen; auch verfertigt P. auf Beſtellung 
periffopifhe und iſochromatiſche Brillen. Endlich varfertigt P. auch vortreff« 
lihe Camere lucide, Spiegelapparate, Lichtbeugungsapparate, Opto⸗ 
meter ıc., dann auf befondere Beftelung Camere obscure mit fphäris 
fhem Prisma. | 

Do, der größte Fluß und einzige, Hauptſtrom Italiens, betritt 
den fombarb. Boden bey Pavia als majeflätifher Fluß (690 Schritt 
breit), macht durch eine lange Strede die Grünze des Staates gegen 
die anftoßenden italienifchen Staaten, wird bey Uuzyzara ganz öfter 
reichifch und verläßt den Staat wieder mit dem rechten Ufer bey Stel: 
lata, um neuerdings burd eine Strede von 74 Meilen die Gränze des 
VBenetianifchen gegen den Kirchenſtaat zu bilden. Im Wenetianifchen 
trennt fi bey Sta: Marta aus dem Hauptſtrom der Goro-Arm (PA 
di Groso) ald die füdliche Gränze der Monarchie in diefer Gegend; der 
Hauptfluß führt den Nahmen Po di Venezia. Am Molo Farfetti trennt 
fih daraus bie Donzella oder Guoccay und nod weiter unterhalb 
bey &. Nicolo der Arm Tolle, aus welchem fidh wieder der Gas 
mello abſondert, deſſen Lauf aber nur Eurzift. Majeftätifch iſt die mehr⸗ 
artige Po» Mündung in den Golf von Venedig. — Der P., deſſen 
Ufer fon in den älteften Zeiten ihrer Sruchtbarkeit wegen berühmt was 
ren, verurfacht häufige uͤberſchwemmungen, vor welchen man ſich durch 
Eindämmungen zu fhüßen ſucht. | " 

odgorze (auh Joſephſtadt genannt), galiz. koͤnigl. freye 
Stadt im Bochnier Kraife, an der Weichfel, melde mit Kazimierz, 
der erften Vorſtadt von Krakau, mittelft einer 145 Zuß langen Floß⸗ 
bräde in Verbindung ſteht, die im Winter abgetragen und durd eine 
Fähre erfegt wird, hat 320 Häuf. und 1,997. Einwohner. Der Ort ift 
offen, Hein, aber wohlgebaut und bat einen ſchönen Marktplatz. Es 
ift hier eine kathol. und eine luther. Kirche, eine Hauptfchule, eine große 
Hauptfalzniederlage mit maͤchtigen Magazingebäuden. Die Einwohner 
treiben bedeutenden Handel. | 


Podgraje. — Podmanicafy. 


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T foren Vorleſungen Dan und beceifke, dann mehrere, € 
rheit England zund Frankreich. Waͤhrend feines Aufent 
nd führte er ein interejfantes Tagesuc, welches er nad) feiner 
En nad Deutfland dem preuß. Hauptmann v. Arhenholz zum 
Durchleſen mitteilte, Diefer excerpirte es und theilte jeine Auszüge ohne 


Podol. — DPodrece. 237 


Wiſſen und Willen P.'s, und ohne ihn zu nennen, in feinem bekannten 
und geſchätzten Werke über Eng’and mit. Nach feiner Rückkehr ind Va⸗ 
terland wurde er vom Kaifer Sofepb II. 1784 zum k. k. Gubernial« 
rath in Biume und ſchon im folgenden Jahre zum königl. ungar. 
Statthaltereyrath ernannt. 1802 ernannte ihn Kaifer Franz zum 
Obergeſpan des Baͤcs⸗Bodrogher Comitats und verlieh ihm, als er 1807 
wegen Kränklichkeis die Statthalterepratheftelle refignirte, die Würte 
eines E. E. geb. Rathes, und bezeigte ihm nach dem 2, Pariſer Frieden 
fein Vertrauen durch die Ernennung zu einem der Liquidationd: Com: 
mifläre in Paris; ber Palatinus endlich zeichnete feinen bekannten Pa- 
triotisinus, nach feiner Nückkunft aus Frankreich dadurd aus, daß er 
"ihn, nad dem Ableben bes Grafen Ladislaus von Teleki zum Präs 
fes der v. Marczibängifden Stiftungen: Deputation ernannte. — 
P. gehört in jeder Beziehung zu den feltenen großen Männern unter 
feinen Zeitgenofien und Landsleuten. Seine reiche Geiftesbildung ſtand 
mit feinem moraliſch und ftaatsbürgerlich edlen Charakter, mit feiner Aus 
manität und Vaterlandsliebe im fhönften Einklang. Vertraut mit jedem 
Zweige der Wiffenihaften (nahmentlich Geſchichte, Politif, Juris⸗ 
prudenz, Statiſtik, Philofophie, Mathematik, Phyſik, Okonomie) 
und der Kunſt (beſonders der Muſik) adelte er durch fie feine immer heitere 
Liebe zur Menfchheit und zym Vaterlande. Diefe Vorzüge waren Früchte 
großer und feltener Talente, eines tiefen Gemüths, einer trefflichen 
‚Erziehung , raftlofer Studien und unbefangener Welt: und Mens 
ſchenkenntniß, die er ſich vorzüglich auf feinen Reiſen im Auslande vers 
fhaffte, und wozu noch eine genaue Kenntniß der alten und meiften 
neuern gebildeten europäifhen Sprachen kam, die er nicht nur ſprach, 
fondern auch claffifch ſchrieb, nahmentlih-Deutfh, Franzöfifh und Eng» 
liſch. Seine menfhenfreundlihen Gefinnungen und feinen Hang zur 
Beförderung der Wilfenfchaften bewährte er auch durch fein Teftament,, 
welches er am Tage vor feinem Ableben zu Peſth (11. May 1823) auf: 
. fegte. Er vermachte darin unter andern dem evangel. Lyceum A. C. zu 
Preßburg, welchem er bereit6 1821 einen Dollon d'ſchen Spiegelſex⸗ 
ianten mit künſtlichem Horizont im Werthe von hundert Ducaten in 
Gold geſchenkt hatte, ſeine anſehnliche Bibliothek und zahlreichen mathe⸗ 
matiſchen und phyſikaliſchen Inſtrumente und 2,000 Gulden C. M. zu 


Stipendien für arme Studenten, die ſich zu künftigen Orgelſpielern bil⸗ 


den. Sein Sohn, Ladislaus Freyh. v. P., zu Peſth, iſt ſehr uns 
terrichtet und fein gebildet, ein guter Bücherkenner, Freund der Wiſſen⸗ 
fhaften und Eundiger Pomolog, welchen Zweig er mit vielem Eifer und 
Erfolg betreibt. 

Dodol, böhm. Dorf im Chrudimer Kreife, ein-Badeort mit Eals 
tem Mineralwaffer, welches fon vor 1586 benußt wurde, Auch befins 
den ſich bier ein vortrefflicher Bruch von grauem Marmor und 3 Kalk: 
dfen, melde guten Kalt liefern. Ä 

Dodrece (Podrecfäny ‚ ungar. Dorf im Neograder Comitat, 
durch die fehwarzen thönernen Zabakpfeifenkönfe bekannt, die unter dem 
Nahmen der Podrecfänerköpfe faft in allen Zheilen der öſterr. Monarchie 
abgefeßt werben. 


238 Pölten, St. — Pögleinsdorf. 


Pölten, St:, nieberöfterr. Stadtund Hauptort bes Wi D, er 
Sig des Kreitamtes, am linken Ufer des Traifenfluifes gelegen und 
einer. doppelten Mauer umgeben. Man zählt 335 Häufer und dibe 
4,300 Einwohner. Die Häufer find 1 oder 2, felten 3 e y 
die Gaſſen ziemlich breit und licht, Aber unregelmäßig, die Pläge “ 
mig. St. P. hat ein Bisthum mit einen Domcapitel, ein bife 
Alumnat mir theofogifher Lehranſtalt, ein englifhes Fraͤuleinſtift mit 

tübchenerziehungsanftalt, ein. Heines Theater, einen Redoutenſaal, 
inen Öffentlichen Garten und viele Privatgärten; ferner eine Baum 
wollwaarendruderep, eine Papiers und eine Fayencefabrik. Die Doms 
Eiche ift von außen wenig. anſehnlich, bat aber einige gute Geznälder 
Don Privatgebäuden ift aufer Der biſchöflichen Nefidenz noch das fürftl. 
Auerfpergihe Palais und das Rathhaus anzuführen. & 

Pöltenberg ; mähr. Marktfleden im Znapmer Kreife , nahe 
bey 3napm, mit 270 Einwohnern, bemetfenswerth wegen der Prod⸗ 
W des ritterlichen Kreugherren + Ordens vom rotpen ©tern, welde 

er alten Znaymer Burg gegenliberliegt, aber durch din tiefes Thal davon 
getrenilt ift. Die Kuppel der Kirche zieren ſchöne Srescomalerepen. 

Pöfing 5 ungar. Eönigl, Brepftadt it Prefburger Eomitat, jiwir 
ſchen Weinbergen und Waldungen gelegen, ſieht freundlich aus, und 
befteht aus 464 Käufern mit 4,350 deutfchen und ſſaviſchen Einmohliern. 
Merkwürdig ift das Mineralbad am Fuße eines eifenhaltigen fteilen Bel 
—F mit einem Badhauſe. Außerdem find hier eine Berggerichte:@ubs 

itution, ein Gold» und Schwefelbergwerk, Granitbrüche, eine 
piermüble, Kalkbrennerepeh und eine anfehhlihe Holzfößanftalt. Di 
Karboliten haben eine Kirche; Hauptſchule und Kapuzinerkiofter, die 

rotejtanten eine eigene Kirche und die Juden ihre Synagoge. Die hier 
gen Weine und Aucbrüde find gefhägt, zumahl der —— 


Dorf im Öbenburger Comitat, an ber öftern, 


e einen Sauerbrunn, wevon ſtarke Sendun · 


wein. F ind f 
tfehind, ungar 
Sn, wei ver Dh 
2 Dotung, si On at inige Orfött de 2 hat in 


Öfterreich und Böhmen angefeffen und erhielt fpäter den Frepberen« und 
Grafenftand. Urban Graf v. P. wurde den 17; Jän. 1605. Mitglied 
der fteperifchen Candmannfhaft! Joh. Sebaftian war 1760 
balter in Ungarn. Brang Eufeb, Ritter bes goldenen Vließes, Wices 
Kanzler in Böhmen und Gefandter in Spatiten: Sebaftian fturh 
1680 als Biſchof von Paffauı Sebaftian Wolfg. war Grofprior 
des Maltefer » Ordens in Böhmen, Mähren und Schieſien. * 
Poͤtzleinsdorf Poͤtzelsdorf)⸗ nieberöftere, Dorf im VBeu. W. W. 
in einem Thale nordweſtlich von Wien, mit 275 Einw., die 
bauen der Ort hat ein Schloß; zu welchem ein fehenswütdiger Park 
Hebört. In dem letztern, ber ſich eine Anhöht hinaufzieht, befinden ſich 
ein Heiner Teich, ein botaniſcher Garten mit einer pomologifden Samm⸗ 
fung , ‚viele, gefhmadvolle Anlagen, das Denkmahl des vaterländifcen 
Dichters Alxinger, ein fhön gebautet Sartenfalon, eine reiche Meies 
| * 
Wr 





Dob ı. 239 


ven, mehrere Grotten, Quellen und Waſſerfaͤlle, ein fhöner Badetem⸗ 
pel,. ein Schweizerhausd auf der Spitze des Berges u. dgl. 

Pohl, Job: Baps. Emanuel, wurde am 22. Febr. 1782 zu 
Kamnis in Böhnien geboren, war ber Sohn eines k. k. Stämpelamt« 
Gontrollerd zu Prag. Nachdem er die Vorbereitungsftudien vollendet, 
und die philofophifchen und mebdicinifchen Studien auf ber Prager Uni⸗ 
verfität zurücgelegt hatte, wurde. er auf eben jener Univerfität-1808 
zum Doctor der Arznepkünde promovirt. Seine während der Studien⸗ 
jahre erwachte Neigung zur Naturgeſchichte beftimmte ihn, ſich für das 
Lehramt diefes Faches auszubilden, und biefed Ziel zu erreichen, war 
fein ganzes Streben. Günftige Verhältniffe ließen es ihm aud noch in 


demfelben Jahre erlangen, indem er 1808 zum fupplivenden Profeffor 


der allgemeinen Naturgeichichte, 1809 der Botanik und 1BIO-abetmapis 
der allgemeinen Naturgeſchichte an der Prager Univerfität genannt 
wurde. Hierauf erbielt er noch 1810 die Stelle eines Ailiftenten bey der 
Lehrkanzel der Chemie und Botanik auf der Univerfität zu Prag und 
fupplirte hierauf 1811 abermahls dafelbft die Profeflur der Botanik, 
1812 der allgemeinen und 1813 der fpecielen Naturgefhichte. Botanik 
und Mineralogie waren dad Feld, im welchem er ſich bewegte, und eine 
Flora Bohemiae, 2 Bde: Prag 1809—14, welche unvollendet blieb, 
fo wie ein foitematifcher Überblick der Reihenfolge einfacher Foſſilien, eb. 
1816 , die Früchte feines Eifers. Als Kaifer Franz 1817 eine Ers 
pedition oͤſterr. Naturforfcher nach Brafilien zu fenden beſchloß, fiel 
auch die Wahl auf P., weicher für Mineralogie und Botanik beftimmt 
wurde. Am 3. Juny 1817 trat er die Neife nad Brafilien an (ſ. Bra 
fitifhe Erpedition und braſiliſches Muſeum), beſuchte da⸗ 
ſelbſt die Provinz Rio bis zum Diſtricte von Ilha grande und die Pros 
vinzen Minas geraes und Goyaz. Nach einem Aufenthalte dafelbit von 
3 Jahren und 3 Monathen Fam P. mit einer bedeutenden Ausbeute, 
vorzüglich an Pflanzen, am 15. Oct. 1821 wiedernah Wien zurüd, 
und befchäftigte ſich daſelbſt mit der Ordnung feiner für das kaiſerl. Mus 
feum gemocdhten Sammlungen und der Herausgabe feiner Werke. Diefe 
find: Plantarum Brasiliae icones et descriptiones hactenius in- 
editae. Jussu et auspiciis Franciscr Primi Imperatoris et Regis 
Augustissimi, 2 Bbde.,; Wien 1827—29 (ein Prachtwerk in Bezus 
auf Eünftlerifche Ausführing). — Reife im Innern von Brafilien; auf 
Befehl Franz I., Kaifers von Ofterreih, unternommeh und verfaßt. 
1. Bd., mit Kurf. und einem Atlaffe, eb. 1832. (Der 2: Band wird 
nachträglich geliefert werden.) P. war ein eifriger Botaniker und fleißis 
ger Sammler. In Anfehung feiner Perdienſte erhielt er 1821 die Stelle 
eines Cuſtos am &, k. Hof-NaturFien-Eabinete mit der ausfchließlichen 
Verwendung für die botaniſch⸗ mineralogifche Abtheilung am brajilianis 
ſchen Mufeum und den kaiſerl. brafilianifchen Orden vom ſüdlichen Kreuze. 
Auch wurde er von 15 (botan., mineralog. , naturhiſtor., miedicin. / 
dann ökonom.) gelehrten Geſellſchaften und 3 Akademien des Ins 
und Auslandes zum Mitgliede ernannt. Er flarb den 22. May 1834 
zu Schönbrunn nähft Wien und hinterließ eine ſchätzbare 

Aherfammlung, welche mituriter aus ben vorzüglidften und f&ten: 


210 Pouf— Paola 


Be — (1836) 66 
an, d » 9809 ‚und a hf 
und int December 1835 öffentlich" in Wien verfteigert'murde. - 
Es RNE Manufeript unter dem Titel: » 
‚otanicum.seu Enumeratio plantarum earamque Syn m 
a Linnaei“ tempore. ‚usquead ——— taraımy 
7 Fohor®ve,, Ar-8, iR Außer umfafenb und ellRändig, Diefes mie 
größtem Fleiß ausgearbeitete Werkiftder Erfolg einer mehr als 20jäprigen 
Arbeit des ee . — 1% — 3 
n ir er illhe. Fluß, im aberger fe Krains, der 
—— Steinberg berab, dur ein breites Thal (in ber 
emannt) einen Weg von 3 deutſchen Meilen zurüclegt, wenige ' 
i — — eine Mühle von 4 Gängen treibt, 
und ſich durch die größere tiefere Offnung mit fautem Getöfe in die Höhle 
rjt, deren Inneres beſtändig von dem Kaufen feiner unterirdiſchen 
le widerhallt. Nördlich von Adelsberg tritt er bey Kleine 
&ufel’unter dem Nahmen Unz wieder aus der Erde, durchfließt has, 
von Planina,: ind verſchwindet abermapls in den Höhlen vom 
Laafe, bis er zu Werd dep Ober«Laibad: neuerdings unter dem 
Nahmen Eaibac ans Tageslicht tritt. nu 


- Poisbrunn — niederbftetr. Dorf im B. Bu 
Hauptort einer fregberrl. B arten fhein’fchen: 


mit 750 Einwohnern , 





Polad. — Polawery. 2 


erbaut, Rom und dem Auguftus, der andere ber Diana geweiht war. 
Zahlreich findet man Bruchſtücke von Säulen, Gapitälen, Gefimfen, 
Grabſteinen u. dgl. Der Hafen ift wenig beſucht. In dem legtern fiel 
1379 eine blutige Seeſchlacht zwiſchen den Genuefern und Venezianern 
vor. In feiner Blüthe zählte P. über 30,000 Einwohner. 

Polack, Mart. Theophil,, aus Polen gebürtig, war Hof⸗ 
maler des Erzherzogs Leopold V.zu Innsbrud, hielt fih über 
30 Jahre in * auf, und ſtarb zu Brixen. Er war ein trefflicher 
Maler, wie es das von ihm gemalte Hochaltarblatt: Die Wermählung 
Mariens, in der Servitenkirche zu Innsbrud beweill. Zu Inns⸗ 
brucd ift auch in der Hofkirche auf dem Bürftendore die Kuppel und 
4 andere DOblgemälde auf der Mauer, auch ber h. Felix Cantali⸗ 
cius von ibm. Trient, wo er einige Zeit fürftbifhöfl, Hofmaler 
war, bat mehrere Gemälde von feiner Hand aufzumeifen. 

Dolau, mähr. Dorf im Brünner Kreife an der Thaya, mit 960 
Einwohnern, welche guten rothen Wein bauen. In der Nähe erhebt 
fi ober dem verfallenen Schloffe Maidenburg, der Polaiers odee 
Maidenderg , nicht ferne von der Stadt Nilolsburg, mit einer teis 
zenden Ausficht nah Maͤhren, Ofterreih und Ungarn. 

Polawsky, Ferd., Regiſſeur und Schaufpieler des ftändifchen 
Theaters in Prag, ift geboren 1779 zu Berlin. Da er feine Ale 
tern früh verlor, nahm fich ein entfernter Anverwandter feiner an, und 
ließ ihm eine forgfältige Erziehung angedeihen. Bis zu feinem 18. Sabre 
fiudirte P. an dem Joachimsthaler Gymnaſium bie Humanitäts⸗ und 
erften latein. Claſſen mit vielem Fleiße und den beften Fortſchritten. Nach 
vollendeten Gymnaſialſtudien follte er fih den Rechtswiſſenſchaften wids 
men, ein unmiderfteblicher Trieb aber zog ihn zur Schauſpielkunſt. 
Bein Boplihäter ftand diefem Wunſche auch nicht lange entgegen, da ee 
die richtige Überzeugung nährte, daß Neigung, von Talent unterftügt, 
in jedem Stande fein Ziel finde. Nach mehreren Proben von Künftler« 
beruf, die P. privasim vor Iffland u. X. ablegte, wurde er auf 
dem Theater zu Stettin engagirt, und trat 1798 zum erſten Mahle 
als Junker von Ecarfened in Kotz ebue's Verleumdern mit Beyfall auf. 
"1801 gaftirce er mir Glück zu Berlin, und beſuchte dann auf einer 
Reiſe die Theater zu Hamburg, Bremen, Gaffel, Frank 
furs, Leipzig und Breslau, welde ihm zu einer reihen Kunſt⸗ 
ernte wurde, deren Srüchte er für feine höhere Ausbildung srefflich zu 
nüßen veritand. 1803 wurde ibm von dem damahligen Director der 
Prager Bühne, Suardafoniein Engagement angebothen, welches 
P. annahm, und den 8, Dec. desſ. I. zu Prag in der Rolle Diet- 
beim’s in Kotz ebu e's Schreibepult mit allgemeinem Beyfalle auftrat. 
Seit diefer Zeit gehört P., eine kurze Krift von 7 Monathen ausges 
nommen, ausfchließend diefer Bühne an, und ift durch fein ausgezeichne« 
tes Spiel und feine Vielfeitigkeit eine der erſten Zierde derfelben. 1812 
erhielt er nad) mehreren Gaſtrollen in Wien, die mit befonderem Bey» 
falle aufgenommen wurden, von dem Grafen Ferdinand v. Palffy 
den Antrag eines Engagements in das k. k. Mofburgtheater, weldes 
damahls unter der Direction des Grafen ſtand. P. nam variulhe pait 

Oefterr. Nat. Encyet, 8b, IV. W 


242 Polefina. — Polizey. 


an, kehrte aber nad) Eurger Zeit, vorzüglich wegen: ber Trennun 
vereinigten Bühnen in Wien, und da ſich ibm in Prag 
Errichtung eines Perla Satitune eine geſicherte Zukunft | 
wieder dahin zuruͤck, wo er ſich eines höcft ausgezeidneten Empfanz 
ges zu erfreuen hatte. Mit dem verdienftvollen Director Liebic) fand 
er in den freuntfaftlichften Werhättniffen, gleich geadtet won den 
Stönten und dem Publicum wurde ihm, 1818. nad dem Tode Lies 
bid’s fogar die Direction der Bühne angetragen, welden An— 
jedoch aus Furcht vor dem Scheine, als hätre er die Witwe, e 
Freundes verbrängt, nur mit der Bedingung benukte, die Leitung 
Sübne gemeinfbaftlich mir derfelben zu führen. 1820 überließ er 
- Direction gänzlid an Franz v. Holbein (f. d.). Pro eigentliche 
Fächer find, jene der Chevaliers, dann der Intriguants und der mume 
tern Liebbaber, er befitt ein fehr gefälliges Außeres, unterflüßt du 
feinen Anftand in Gang, Haltung und Bewegung, ein weiches 
kingendes, bey geſteigertem Affect aber auch kräftiges Organ, t 
dige und wichtige Declamation, verbunden mit einer feltenen Zungen ⸗ 
gelänfigkeit, die ihm in franzöfifhen Eonverfationsftücen fehr zu Stat 
ten fommf , ein vortreffliches Gedaͤchtnißz, glückliche Laune und ben 
richtigſten Gefhmad in der Wahl des Eoftumes, Zu — vorzüglich ⸗ 
ften Rollen gehoten Samuel Swmith in den Indianern in England, 
grinus im Vielwifler, Narr in König Lear, Perin in Donne Diana, 
Tlavigo, Don Carlos, Adolph Klingsberg, Marineli in Emilie, 
Gabetti, Wurm in Cabale und Liebe, Franz Moor in den Rä— J 
O Flab erth im Weſtindier u, m, a, * v 
„Polefine, f. Rovigo. une 
Politiſche Derfaflung und Verwaltung. Exftere beruht auf 
der verferiftmäßigen, dem, pofitiven Adminiftrationefpftem entfpredens 
den Ausübung der politiſchen Anertnungen und Gefete. S. Gefebe 
fammlungen; | Bahtanyten; Kreisä 6 
Delegationen. Über letztere handelt der Artikel: Geograp H 
und Statiftik, ' m warf. (1 
PolitfchEa , Böhm. Eönigl. Leibgebingftadt im Chrudimer Kreiſe, 
nabe ‚an der mähr. Gränze, mit, Gräben und Mauern umgeben, z& 

. 560 Käufer und 3,600 Einwohner, und hat eine Dedantirde, 
Haupiſchule, ein Militärs Knaben» Erziebungshaus, treibt Flachsbau, 
Leinweberep, Kandel mit Flachs und Leinwand, 5 MR 

Polig, böhm. Staͤdichen im Königgrößer Kreife mit 1,520 Eine 
mwohnern , — und Leinwand⸗ Erzeugung. — ” 
lizey. Diefe findet in der Poſizey- und Cenfur = Knfftelle 
(. A Der Gefehäfiskree der P. ift durch beflimmte 
Verordnungen genau vorgejeichnet. Jeder Staatebürger ift ber 
unterworfen. In Angelegenheiten der höhern P. find die Kreishauptleute an 
die Landebcheſs gewiefen, welde die P. der ganpen Provinz zu Teiten 
haben, und in biefer —— mit der Polizey-Hofſtelle in deraine- 
verbindung ftehen. Da indeffen befondere Polijepbehörben nur in den 
Haupt⸗ und einigen größeren Städten befiehen , fo find auf dem Lande, 
die Kreidämter mit, det Polizeyverwaltung beauftragt, welde hierin in 
5 d — 


FE, 





Pofizeyäbertretungen. —Dolizey- und Cenſ.⸗Sofſtelle. 243 


den deutſchen und galizifhen Provinzen die mit der Cocalpolizby beauf⸗ 
kragten Magiftrate und Orundobrigkeitenleiten. Die Amtsbandlungen der 
bepden Lestern erſtrecken fich Über das Recht zur Unterfuchung und Aburs 
theilung der Polizepübertretungen, die Verbindlichkeit zur Feueraufſicht, 
die Sorge für den Geſundheitszuſtand, für Lebensmittel zc. Der P. 
fiebt in den oben genannten Provinzeh eine eigene Polizeywachmann⸗ 
ſchaft zur Seite und in bem fombarbifch = venetianifchen Königreiche nebfts 
bey eine gehörig organifirte Gensd’armerie (f. d.). Dalmatien has als 
Sicherheitswache die fogenannten Sardari. In den ungarifhen Läns 
dern fommt zwar die eigene Aufftellung und Benennung einer Dei eys 
behörbe nicht vor, aber die Polizeygefchäfte find den Comitaten und Dos 
minien übertragen. — Auch die mebicinifhe P. ift vorzüglich berückſich⸗ 
tigt; jeder Kreis hat feinen Arzt, Wundarzt und mehrere Diftrictsärzte. 
Kür die Rettung Sceintodter und Ertrüntener find zahlreiche Apparate 
vertheilt. Die Oberaufſicht über die ©efundpeitspolizey bat jede Landes⸗ 
ſtelle; ein eigener Referent, der zugleich Protomebicus ift, hat die Gas 
süitätsfachen zu beforgen. 

Polizeyübertretungen, fchwere, f. Geſetzbuch über Ver⸗ 
brechen und ſchwere Polizeyübertretungen: 

Polizey: und Tenfur-sofftelle, k. k. oberfte, in Wien, 
erbiels ihre Selbſtſtäändigkeit 1782; früher ftand das gefammte Polizeye 
wefen unter den Landesftellen. 1790 wurde ihr Wirkungskreis bedeutend 
erweitert, und 1801 berfelben auch das Cenſurweſen zugetheilt. Gegen» 
wärtig ift die P.- und C.⸗H. unter einem Präfidenteri mit 3 Hofraͤ⸗ 
then, 4 Hoffecretäaren, 3 Ponconcipiften und dem nöthigen Kanzleys 
perſonale befegt; auc has diefelbe ihre eigene Polizey⸗Hauptcaſſe mit 
einem Caſſier, Controlor und Eaffeoffizier. — Der Wirkungskreis der 
P.⸗ und E.:H. erfiredt fi über die Monardie, mit Ausnahme Uns 
garns und der Bränzländer. In ihr Reſſort gehören alle Theile der Polis 
zeyverwaltung, infofern fie nicht ausdrüdlich den politifchen Behörden 
zugemiefen find, obgleich ihnen immerhin die Polizeybehörden zur Mit« 
aufficht, oder Mitwirkung behülflich bleiben. Insbeſondere has diefe Cen⸗ 
tralbehoͤrde ununterbrochen ihre Aufmerkfamkeit auf die Handhabung der 
Öffentlichen und Privars Sicherheitöpolizey zu wenden, und hierüber den - 
untergeorbneten Polizepbehörben die nörhigen Verhaltungsregeln und 
Weifungen zu ertheilen. Unter ihr fleben die Polizey» und Bezirkes 
directionen in größern Städten, und die an gewiffen Puncten gufges 
ftellten Commiſſariate; fonady in Wien bie Polizey⸗Oberdirection, die 
4 Polizeybezirke der inneren &tadt und die 8 Polizepbezirke der Vor⸗ 
flädte, mit dem Polizepcommiflariar in Nußdorf, der Wiener Po⸗ 
saeppaus + Direstion und dem Wiener Militärs Polizeymachcorps (607 

ann zu Fuß und 40 Mann zu Pferd; die Civilpolizeywache in den 
Vorſtaͤdten beftehbt aus 64 Mann). — In ten Provinzen unterfteben 
diefer Hofſtelle die General: Polizeydirectionen zu Mailand und Ve⸗ 
nedig mit den 15 Polizey » Odercommiffariaten in den Hauptorten ber 
Delegationen und den 4 Oränz » Polizegcommijlariaten zu Chiaven: 
na, Moglia di Gonzaga, Seſto⸗Calende und Bokkalo— 
va; ferner die Polizeydirection in Lin, wat dem — x 


ta; sie 


en 
kenifion 


Sprit 


5 


nad Wien; 1811 betrat er die Gymnaſialelaſſen zu Oräß; 1820| 
rief ihn fein Oheim und Vormund nah Padua, wo er feine, 
fertfeßte, und dabey mehrere Neifen in das Innere von Italien „ jal 
Rom, Neapel und nad Calabrien machte. Gegen Ende 1821 iu: 
wieder nah Gräß zuruck, vollendete daſeibſt die uridiſchen &tı 
beſcheftigte ſich aber nebſtbey vorzüglich mit Geſchichte, Sprachen uni 
artiftifgen Gegen ſtͤnden. 1823 fupplirte P, die Lehrkangel der ( 
ſchichte am damapligen Lceum zu Gräß, und wurde im Herbfte desſ. 

res, nad Zul. Schnellers Abgang, deſſen provifor. Nachfo! 

als welcher er die Welt: und öfter. Staatengefchigre, bie ftenermärkifde 
Geſchichte, dann in Folge des neuen Lehrplang, auch die Numismarik, 
‚Heraldik und Diplomatik, durch fait 3 Jahre vortrug, bis ein älterer 
Profejfor aus Przempff in Galizien diefe Profeſſur erhielt. In der 
Ferienzeit 1825 beſuchte P. in Geſellſchaft eines jungen Cavaliers aufs. 
Neue Forint; Rom und Neapel, begab ji dann nah Wien, ı 
wurde dafelbft bey dem Bücher + Revifionsamte angeſtellt. 1828 verließ er 
biefe Anftellung wieder, um die wiffenfhaftlige Ausbilbung des Efavierz 
Virtuofen Siegm. Thalberg zu übernehmen. In deſſen Gefell aft 
machte er neuerdings intereſſante Reifeh dur Deuiſchland / die Schwweig, 
Stalien und Frankreich, und lebte durch beynabe 7 Jahre in ben ange: 
nehmfien Verhältniffen, bis ihn 1835 ein Vlutfturz und die badı 
ganz erfhlitterte Geſundheit zwangen, biefelten ganz aufzugeben, 
fh von einer] angemefjenen Penſion unterfiügt, zur dgejogen in bad 





Polytech. Inft. in Drag. — Polytech. Inft. in Wien. 25 


ihm vielfach befreundete Grätz, ungetheilt den Wilfenfchaften zu wide 
men. Im Drucke gab er bis jetzt heraus: Grätz und feine Umgebungen 
biftorifch » topographifch s ftatiftifh dargeftellt; mit lithogr. Anfihten ꝛc. 
Graͤtz 1827 (eine gediegene Arbeit voll Kenntniß, Fleiß und Genauig⸗ 
keit). — Chariton, eb. 1827. — Hyeres in der Provence, Wien 1834. 
— Auffäße und Poefien in verſchiedenen inländifhen Zeitſchriften. Bes 
arbeitet hat er in feinem Pulte liegen: Hiftorifch » biograpbifches Tericon 
von Stalien. — Wegweifer in Rom und deilen Umgebungen. — Reife - 
dur die Schweiz nach dem füdlihen Frankreich. 

Dolytechnifches Inftitut in Prag, f. Technifche Cehran⸗ 
ftalt in Prag. 

olytechnifdhes Inftitut in Wien. Schon 1803 wurde von 

derf. E. Hofkammer die Nothiwendigkeit und Nützlichkeit ber Errichtung eis 
ner GentralsBildungsanftalt für Handel und Gewerbe in der Hauptftadt 
Wien anerkannt, und ed wurden die erften Einleitungen zur Eünftigen 
Herſtellung einer folchen Anftaft in Anregung gebracht. Um für diefe künf⸗ 
tige Anftalt einen hinreihenden Fond auszufceiden, befahl Kaifer Franz 
diefen Fond, von 1. Nov. 1803 an, aus den Zuflüifen der jährlichen 
Großhandlungsſteuer zu bilden, Aus diefen Zuflüffen und durd die Ans 
häufung der Zinfen war diefer Fond bis zum Jahre 1815 auf 499,732 
Gulden 15 Er. angewacfen, obgleich die Zuflüffe feldft mit J. Nov. 
1813 aufgehört hatten, indem zu diefer Zeit die allgemeine Erwerbfteuer 
in Ausführung gefommen, und die bisherige Großbandlungsfteuer ders 
felben einverleibt worden war. — Die erften beftimmteren Verbands 
lungen über die Errichtung eines P. 3.8 in Wien fallenin den Anfang 
1810. Um diefe Zeit wurde dem damahligen Hoflammerpräfidenten, Gras 
fen von O’Donnel, ber erfte Plan zur Errichtung diefes Inftituts von 
dem gegenwärtigen Director desfelben, Joh. Joſ. Precht übergeben. 
Die bald nachher eingetretenen Reforımationen im Finanzweſen und die 
Zeitumftände ſchwächten jedoch die Aufmerkſamkeit auf diefen Gegenftand, 
und erft in den nächſten Jahren wurde die Verhandlung über denfelben 
erneuert, und bis zur Vollendung der DOrganifation ununterbrochen fort» 
gefest. Der Staat: und Eonferenzrath Freyh. von Stifft nahm fid 
berfelben thätıg an. Seinen erfolgreihen Bemühungen bat das Inſtitut 
größtentheils feine gegenwättige Geflaltung, und den Umfang feiner 
KHülfsmittel zu danken. — Durd ein Studien: Hofcommillfions» Decret 
vom 26. Mär; 1813 erhielt der Director Prechtl den Auftrag, in Bes 
ziehung auf den früher vorgelegten Plan einen Vorſchlag über die Details 
maßregeln zur anfänglichen Ausführung des P. J.'s zu erflatten. Diefer 
Vorfihlag wurde unterm 25. April 1813 an die k. k. Studien : Hofcoms 
mijfion üdergeben. Er umfafite die für die erfte Einrichtung der Anitalt 
noͤthigen Organiſations-Gegenſtände, der Director Prechtl ward 1814 
beauftragt, daß erkaufte Haus vor dem Kärnthnerthore für das Inſtitut 
in Beſitz zu nehmen, uns den darin befindlihen Wohnpartegen aufju= 
kündigen. Die Kauffumme von 80,000 Qulden C. M. wurde aus den 
Fondsgeldern des P. J.'s bezahle. — Bey der Auszahlung des Kaufſchil⸗ 
fings machte der Großhändler Sina dem Inftitute ein Geſchenk von 
20,000 Gulden in Hofkammer⸗Obligationen. — Mir Anfang, K815 wultrn 


216 ‚Polytehnifches Infirur in Wien. , 


Die Pläne des neuen Kauptgebäubes von ber k. k. Oberbaubirestion nad 
den vom Director Precht! angegebenen Localitaͤtsbedürfniſſen entwor⸗ 
fen; im October besf. I. genehmigte der Kaifer die Aufführung, diefes Ger 
bäudes nach dem, von dem k. k. Hofbaurathe revidirten Plane. — Durh 
Entſchließung des Kaifers vom 26. May 1815, wurde bis zur Vorle— 
‚gung bes Hauptvortrages liber bie definitive Organifation des gefammten 
Inftituts, Über verfchiedene Puncte der früheren Vorſchlaͤge entſchieden, 
und dadurd dem Inſtitute die Grundlage der Organifation gelicert, 
welde ihm fpäter zu Theil wurde. Durch diefe Nefolution wurbe die Vers 
einigung ber Nealatademie und des ‚bisher unter einer eigenen Directiom 
beitandenen Eabinetes ber Babrifsproducte mit dem P.I., als integrirene 
den Theil befohlen, und das gefammte Inftitut nach allen. feinen Zwei⸗ 
gen, und das ganze bazu gehörige Perfonale der Oberleitung des Diret ⸗ 
tord untergeordnet. Der Anfang ber Vorlefungen wurde auf ben Anfang 
des Nov. 1815, und die Gehalte der Profefforen nad) den Abſtut 

von 2,000, 1,800 und 1,500 Gulden feitgefeßt. Zur erfien nötigen Ein _ 
richtung des hemifhen Laboratoriums wurden 8000. Gulden und jur Ans 
fhaffung mehrerer phyſikaliſcher Geräthfhaften 2000 Gulden angewieſen. 
Der Kaifer machte zugleich fein eigenes vhyſikaliſches Cabinet, das biß- 
ber in der Hofburg unter. einer, eigenen Direction beftanden hatte, bem 
Inftitute zum Gefchenke. — Übrigens wurden in diefer Refolution noch 
dem Director zur Beftreitung der Schreibmaterialien ein jährliher Ber 
trag von 150, und zur Haltung gelehrter Journale 400 Gulden bewils 
Tigt. Es wurde die möglichfte Beſchleunigung zur Heritellung bed neuen 
SInftituts-Gebäudes angeordnet, und die öffentliche Ankündigung des Ins 
ftituts mit dem Beyſate befohlen, daß auf die Zeugniſſe von diefem Ins 
ftitute bey Ertheilung von Fabriksbefugnifen, und bey den Anitellungen 
in Staatsdienſten, welche die dort vorgetragenen Kenntniffe nötbig mar 
den, Rüdfiht genommen werde. — In der Mitte des Aug. 1815 er⸗ 
dielt der Director Precht! den Befehl, ſich nach Paris zu verfügen, 
wo damahls der Kaifer anwefend war. Er benuste feinen Aufenthalt in 
diefee Hauptftadt, um ſich mit den verſchiedenen techniſchen —35 
und Beförderungs-Anftalten und dem Übrigen in dieſer Hinſicht Mer! 
digen daſelbſt näher bekannt zu machen, und erkaufte für bad Inftitut 
um eine durch die kaiſerl. Großmuth dazu angemwiefene Summe, derſchie⸗ 
dene fhäßbare phyſikaliſche und chemiſche Apparate, mehrere Mufterftücde 
von Induftrialproducten, Maſchinen, Zeichnungen und eine nicht under 
beutende Sammlung ſchaͤtzbarer Werke für die Bibliothek des Inftituts. 
In der Mitte des Dctobers Eehrte er nad Wien zurücd. — Am 3. Nov. 
1815 wurde das Inftitut vom Director Prechtl mit einem Vortrage, 
in Form einer Rede, in welcher ber Zweck und bie wefentliche Einriche 
tung bes Inftituts auseinandergefest waren, eröffnet. — Noch vor An⸗ 
fang 1816 wurde das kaiſerl. phofikalifhe und das Fabriksproducten ⸗ 
Cabinet förmlich übernommen, und in dem Inftizutsgebäude unterges 
bracht. — Da für den mineralogiſchen Unterricht an der Realſchule die 
Anſchaffung einer zwestmäßigen und inftructiven Mineralienfammlung 
nöthig wurde, fo brachte der Director im Märk 1816 den Ankauf eis 
mer bebeutenden Sammlung, welche dem verftorbenen Negierungsrathe 





| Dolytehnifdes Inſtitut in Wien. - 37 


ge eb. Nitter v. Pod und Polach gehört hatte, in Vorſchlag, und diefe 
ammlung wurde um die Summe von 4,000 Gulden C. M.in Folge 
Eaiferl. Genehmigung für das Inſtitut angekauft. — Zu Ende Februars 
. 1816 wurde mit Ausgrabung des Grundes des neuen Hauptgebäudes 
der Anfang gemadt. Das Gebäude ſchritt rafch vorwärts, und bis Ende 
Detober war fammtlihes Mauerwerk bis unter das Dach hergeſtellt. — Die 
feyerliche Legung ded Grundfteines an diefem Gebäude, nahmder Kaifer am 
14. Oct. 1816 in eigener Perfon vor. — Es wurden nun die Befol: 
dungen der Profeiforen in ihren verfchiedenen Cathegorien, fo wie die 
jährl. -Verlagsgelder für die verfhiedenen Sammlungen und demons 
ftrativen Hülfsmittel feſtgeſetzt. Die Befoldungen der Profeiloren der 
techniſchen Abtheilung betragen nach 3 Abftufungen 2000,. 1800 und 
1500 Bulden C. M. — Die Befoldungen der Profefforen der commers 
zielen Abtheilung nad 3 Abftufungen 1,400, 1,200 und 1,000 Sulben 
C. M. — Die Gehalte der Sprach⸗, Schreib: und Zeihnungslehrer an 
der Realſchule wurden auf 600 Bulden C. M. feitgefegt. — Die Pros 
fefforen der technifchen und commerziellen Abtheilung genießen ein Quars 
giergeld jährlich von 150, und jene der Realſchule von 60 Gulden. Der 
Gehalt des Ailıftenten beträgt 400 Gulden, ebenfalls C. M. — Als 
jahrfi erlagsgelder wurden feltgefebt: Für das Laboratorium der allges 
meine technifchen Chemie jährlih 800 Gulden, für jenes der fpeciellen 
technifchen Chemie aud 800 Bulden C. Mi, für das phyſikaliſche Cabi⸗ 
net und für Verfuhe 400, für die Modellenfammlung und Mas 
terialien , für die Werkftätte 1,200, für das Fabriksproducten-Cabinet 
500, zur Erhaltung der mathematifchen Sammlungen 200 Gulden C. M., 
für Zeichnungen und Vorrihtungen für die Land» und Wafferbaukunft 
auch 200 Gulden C. M. — Das neue Hauptgebäude war 1818 vollig 
bergeitellt, und alle Säle, mit Ausnahme des mittleren großen, für 
die öffentlichen Seyerlichkeiten beflimmten Saaled, gegen Ende des Som⸗ 
mers in den Stand gefegt worden, mir der nöthigen Einrichtung verſe⸗ 
ben zu werben. Im Sept. und Oct. 1818 wurden nunmehr die vorhans 
denen Sammlungen in das neue Gebäude überfeßt, und die Lehrſäle 
für die fämmtlihen Zweige des Inſtituts vollftändig hergeftelt, um mit 
dem Eintritte des neuen Schuljahres alle Vorlefungen in demfelben eröff: 
nen zu können. — Im Oct. 1818 wurde das Modellen-Eabiner mit einem 
bedeutenden Zuwachſe bereichert. Der königl. bayrifhe geheime Rath, 
Nitter von Wiebeling, hatte feine eigenthümlihe Sammlung von 
Modellen, von Brüden und zum Waſſerbau gehörigen Mafdinen und 
Vorribtungen, zum Ankauf für das f. EP. I. angetragen und er übers 
ließ fie demfelben unter billigen Sedingniffen. Sie enthält 155 Modelle. 
In Folge der mit dem Eönig!. bayer. Salinenrathe, Ritter von Reich en⸗ 
bad getroffenen Verabredungen wurden deifen Maſchinen zur Verfertigung 
geometrifher un Daftronomifcher Werkzeuge nad) den angegebenen Plans 
jeihnungen ber anzufertigenden Initrumente im Herbſte 1819 an das 
9.3. abgeliefert. — Dask. k. P. 3. ift eine Eentral-Bildungsanftalt für 
den Handel und für die Gewerbe dur die Verbreitung eines zweckmaßi⸗ 
gen, ihre Vervolllommnung begründenden wiſſenſchaftlichen Unterricht ; 
— ein Sammelplag für die von den Wiſſenſchaften autgehenten KBctr 


Dolytehnifhes Inflitut in Wien. 219 


ift ber Zeichnungslehrer von 2—3 Uhr im Zeichnungsfaale anwefend, und 
leitet und beobachtet die Übungen der Schüler, welche aus beyben Claſſen 
owohl, als audy zur Nachholung aus ber technifhen Abtheilung noch in 
ener Stunde dem Zeichnen obliegen. — Die commerzielle Abtheilung 
des P. J. begreift die zur Ausübung für die fämmtligen Handelsge⸗ 
fhäfte nöthigen höheren Lehrgegenitände in einer angemeffenen Aus⸗ 
Dehnung und Behandlung. — 1) Den Geſchaͤftsſtyl für Kaufleute woͤchent⸗ 
lich 3 Stunden, — 2) die Handelswiffenfhaft 3 &t., — 3) das Hans 
dels⸗ und Wecfelreht 3 St., — 4) die Mercantil-Rechnenkunft 5 St., 
— 5) die faufmännifche Buchhaltung 4 St., — 6) die Handelsgeographie 
3 ©t., — 7) die Handelsgefhichte 2 &t., — 8) die Waarenkunde woͤ⸗ 
hentlih 2 Stunden. — Die techniſche Abtheilung des P. 3. begreift die 
phyſikaliſchen und mathematifchen Lehrgegenftände mit ihren Anwendun⸗ 

en auf die Vervolllommnung der technifchen Künfte, und derjenigen 

ffentlichen und Privatbefchäftigungen, welche fih auf deren richtige Kennt» 
niß gründen. — Diefe Lehrfächer find: 1) Die allgemeine techniſche Che⸗ 
mie. — 2) Einige fpecielle hemifch « technifche Bäder. — 3) Die Phyſik. 
— 4) Die Mathematik. — 5) Die Maſchinenlehre. — 6) Die practifche 
Geometrie. — 7) Die Land⸗ und Waiferbaukunft. —8) Die Technologie. 
— Die Ppyfik wird in einem vollftändigen Bortrage mit der gehörigen Aus⸗ 
führung und Anwendung auf die practifchen Bälle des bürgerlichen Lebens, 
der Künfte und Gewerbe, erperimentell behandelt, täglih 1 Stunde; 
mit Bephülfe eines phyſikaliſchen Cabinets. — B. Verbihdung bey» 
der Abtheilungen unter einander und mit den Vorbereis 
tungsclaffen. Die Gegenflände der Vorbereitungsclaffen oder der Real⸗ 
ſchule, werden ſowohl bey der commerziellen, als bey der technifchen Auss 
bildung vorausgefeßt. Mit der commerziellen Abtbeilung machen fie eine 
eigentliche Handlungsſchule aus, in welder der fih zum Kaufmann Bils 
dende in 3 Jahren feine Ausbildung vollenden kann. — Will er außer 
den commerziellen auch noch einige technifche Fächer, ald: Chemie, Phys 
fit, Technologie fludiren, um fi für eine vollftändige Fabriksführung 
zu bilden, fo wird dazu ein 4. Jahrgang hinreihen. — Mit Vorauss 
fegung der Kenntnijle aus den beyden Vorbereitungsclaifen, Bann diefer 
Lehrcurs in 3 Jahren beendiget werder. — C. Organifation der 
Lehranſtalt. — Afademifhe und Schulverfaſſung. — 1. Realſchule 
oder Vorbereitungsclaifen. — An den beyden Claſſen der Realſchule fins 
det die gewöhnliche Schuldisciplin State, nad welder jeder Schüler ors 
dentlih alle Gegenftände ohne Aufnahme, zu befuchen hat, weil diefe 
als Vorbereitung nöthig oder nüglich find. Bon den Sprachen Eann in 
einzelnen Fällen bispenfirt werden. — Zur Aufnahme in bie erſte Claſſe 
find diejenigen geeignet, welche die 4. Claſſe einer Hauptfchule zurückge⸗ 
legt, oder über die Kenntniife diefer Lehrclaſſe an einer Hauptfhule die 
Prüfung gemadt, und von ihr ein Zeugniß erhalten haben. Schüler der 
Symnafialclaffen find bey den erforderlichen Zeugniifen gleihfalls zur Auf⸗ 
nahme geeignet. Zur Aufnahme in die 1. Claſſe ift in der Regel ein Alter 
von wenigitens 13 Jahren erforderlih. — Solche, welche bereits mehr 
im Alter vorgerüct find, die Gegenitände der 1. Elaffe fi anderswo 
eigen gemacht, und über die Kenntniſſe berfelben an der Realſchule eine 


i 


ponbeimer. ol 


tors und ber Profeſſoren der philoſoph. Facultaͤt der Univerfität gleich geſetzt. 
Die Profeſſoren der beyden Vorbereitungsclaſſen haben, als ſolche den Rang 
der Gymnaſial⸗Profeſſoxen. Rüͤckſichtlich der Aſſiſtenten, gelten dieſelben Be⸗ 
ſtimmungen, wie an der Univerſitaͤt. — Die Schüler und Zuhörer des Ins 
ſtiruts find nach denfelben Modalitäten. wie an der Univerſität, von der 
Militärpflichtigbeit befreyt. — Auf die Zeugnifle des P. J.'s wird bey 
Anftelungen in Staarsdienften, welche die dors vorgetragenen Kennt⸗ 
niffe nöthig machen, ‚befondere Rüdficht genommen. — Das P. J. hat 
den Charakter einer technifchen Kunftbebörde, und über alle technifchen 
Gegenftände, worüber die höheren Behörden eines Gutachtens bedürfen, 
iſt dieſes von demfelben einzuholen; fo wiedie Mitglieder desfelben zu den 
für technifche Erhebungen ın einzelnen Fällen nörhigen Reifen verwendet 
werden. — Das P. 3. als tehnifhes Mufeum oder Con: 
fervatorium für Künfte und Gewerbe Die Sammlungen 
bes P. J.s machen eine eigene Seite desfelden aus, in welcher es, von 
feiner Eigenfihaft als Lehranftalt zum Theil unabhängig, die Stelle eines 
techniſchen Mufeums oder einer Erhaltungsanftals für Künfte und Ger 
werbe vertritt, welche durch die zweckmäßig und vollftändig aufgeftellten 
technifhen Sammlungen eine anfhauliche Darftellung des Zuftandes der 
Induſtrialcultur und der ihr zugehörigen Wiſſenſchaften und Hülfsmittel 
enthält. Außerdem dienen diefe Sammlungen als inftructives Hülfsmit⸗ 
tet für die Rehrvorträge. Die Profefloren führen die ordentlihe und uns 
mittelbare Aufficht über die ihnen, in UÜbereinftimmung mit ihren Lehr⸗ 
kaͤchern, übergebenen Cabinete und Sammlungen. Sie find für die 
ibnen nad) dem Inventarium übergebenen Sammlungen verantwortlicd , 
und verpflichtet, das Vorhandene im volllommenen Zuftande zu erhals 
ten, und für die Erweiterung des Cabinets nach Maßgabe der vorhande⸗ 
nen Hülfsmittel die möglichfte Sorge zu tragen. Kür die Erhaltung und 
Erweiterung der Sammlungen find angemeffene jährliche Verlagsgelder 
beftimmt. Bey allen Sammlungen wird auch in der äußern Austellung 
nad Thunlichkeit auf eine empfeblende Eleganz Rückſicht genommen. Die 
Oberaufficht über fümmtliche Cabinete liegt dem Director ob. Der Zutritt 
zu den Sammlungen ſteht dem Publicum gegen, bey dem Director abs 

ubölende und dem Saaldiener des Eabinets abzugebende, Eintritts⸗ 

rten offen. 

. Donbeimer, Rilian, alademifher Kupferfteher, war geboren 
zu Wien den 26. April 1757. Sein Vater war kaiſerl. Kammermuſikus 
und ließ ihm eine gute Erziehung angebeihen. Nachdem P. die deute 
fen und die 3 erften Claſſen der lateinifhen Schule zurückgelegt hatte, 
teat er: 1774 in die Eaiferl. Runftalademie, wo er unter Schmuzer 
und Brand Unterricht im Zeichnen und in der Kupferftecherfunft erbielt. 
1784 erbielt er einen alademifhen Preis für den Stich eined Nachtſtückes 
nah Chrift. Brand. Bald hatte ſich P. durch viele, mitunter trefflihe 
Leiftungen ausgezeichnet, und er genofi die Ehre, daß ihm der Erzhers 

og Carl den Stich ter Plane zu deffen ftrategifchem Werke übertrug. 
—* Prof. Rudtorffer wählte P. zu feinem Armamentarium chirur- 
gicum und dieſer verfertigte 30 Platten dazu. Seine übrigen bedeutendſten 
Arbeiten find: Platten zu den Anfangsgründen der Muskellehre vun Yrık. 


252 Pontafel. — Pontonier-Bataillon. 


Barth; — das fürftl: Gafliginfhe Gebäude im Prater, nad Ad. 
> Braun; — zwey Anfihten des Gallizinberges nah Shmuzer; — 
» Anfiht aus Italien, nah Phil. Hadert; — mehrere Ahfhten, 
Landfchaften und Baumfihläge nah Janſcha, Molitor, Weirot 
ter, Runk, Brand, Kobell u. A. — Porträt Martin Fiſchers 
nah Maurer, Eine Suite von 120 Blättern in verſchie denen Forma- 
ten nah Kobell. — Die vordere Fagade und das Innere der Kirche 
Maria am Geftade für das Prachtwerk des Fürſten Lichnomski,ends 
Tih zum Haas'ſchen Galleriewerke: Blumenaltar nach de Heem; — 
Waldgegend, nah Hobbemaz — Grabmal der Cäcilia Metella, 
nah Pou ffin; — Feldmeſſer, nah Giorgiomes —MWaldgegend, nah 
NRupsdael;— BildnifMarimilian’s I., nab Rubens. P. Sopn 
‚gleiches Nahmens war ebenfalls ein talentvoller Aupferfteher, 

Pontafel (Ponteba), illyr, Dorf im Villacher Kreife des Her 
zogthums Kärnthen, ein feiter Paß am Fluſſe Bella, durch den es von 
dem venet, Marktfleden Ponteba getrennt wird, zählt 1,427 Einw. 
und liegt in einem engen Schlunde zwiſchen hohen Gebirgen. Mitten auf 
ber fleinernen Brücke über den Graͤnzfluß Bella ſteht ein Thurm, ı 
die Gränge zwiſchen Deutfhland und Jtalien bezeichnet, Dieffeits des 
Thurmes herrſcht noch ganz deutfche Sprache und Sitte, jenfeits ſpricht 
man ſchon durchaus italienifch. _ * 

Pontonier-Bataillon (zu Klofterneuburg), Segreift 6 Come 
pagnien mit] Stabsofficier ald Commandant; 1 Unterlieutenant Zeuge 
derwahrer, 1Ober⸗ und Chefarzt, 1 Rebhnungsführer, L Apji ty 
welde zum Stab gehören, dann 5 Hauptleute, 1 Cavitänier 
6, D26erlieutenants, 7 Unterlieutenants, 15 Oberbrücdenmeiiter, 2Eader 
ten. — Das Hauptgeſchaͤft der Pontoniers im Kriege ift die 
der Schiffbrücken, mittelft der der Armee folgenden Pontons, und bie 
Herftellung anderer vom Feinde abgebrannteroder befchädigter Beücken. — 
Die Pontoniers müſſen im Allgemeinen der Schifffahrt kundig und auh 
im Schwimmen wohl gelibt feyn. Schiffleute und Fiſcher find daher zur 
Aushebung für diefes Corps befonders geeignet. Im Frieden werben die 
Pontoniers nicht nur in den zu Kriegs zeiten vonihmen geforderten Diens 
ſien fleißig geübt, und zu diefem Ende auf der Donau bey Klo ffermens 
burg jährliche Probemandvers ausgeführt, fondern fie werden auch zur 
Verfendung der verfhiedenen Armeebeblirfniffe auf den Hauptſtrömen der 
Monarchie. verwendet, zu welchem Endzwecke die ſchiffͤmtlichen Poften 
— Prag-Preßburg, Comorn, Peſth⸗Szegedin, 

fjef, Peterwardein, Semlin, Wannen Temespät, 
Sifjet und Verona befteben, allwo fi überall Detachements dieſes 
Baraillons befinden. — Das Bataillon ift von dem oberiten Schiffamte 
abhängig, deſſen Commandant nicht nur den Dienft überbaupt, ſondern 
aud die Anfhaffung und den Bau aller Kriegs: und Waſſer-⸗ Transporte 
Erforderniffe leitet, aud in Kriegsjeiten, wenn es die Umſtände erfors 
dien, nach veranitalteter Detaſchirung der Pontons:Trains fich ſelbſt zur 
Armee begibt, alldorr bie nad) den erfolgenden Kriegs + Dispofirionen 
weiter nothwendigen Anordnungen tüfft, und überpaupt gleichfam 





Dopowitfd. — Popper. 288 


in der Eigenſchaft eines beſtaͤndigen Brigadiers des Pontonier⸗Bataillons 
and der ſaͤmmtlichen ſchiffämtlichen Abtheilungen fein Amt handelt. 
Dopowitfh, Job. Siegm. Dalentin, E. & öffentl. Profeifor 
der deutfchen Sprache an der Univerfität zu Wien, Mitglied der Eaiferl, 
Akademie der Naturforfcher und mehrerer ins und auswärtiger gelebrien 
Geſellſchaften, war geb. zu Arzlin in &teyermark, den 9. Febr. 1705. .. 
©eine Studien vollendete er in Cilli und Gräß mit großem Er⸗ 
folge und bekleidete in mehreren adeligen Häufern Srzieheritellen, bis 
ee um 1753 die Profejjur der deutfhen Eprade und Wohlredenheit ers 
langte, die er durd eine Reihe von Jahren mit vielem Nutzen verfah. 
Obſchon geborner Wende, machte er doch das gründliche Studium der 
beutfchen Sprache und Dialectif zum Dauptgegenftande feiner Forſchun⸗ 
gen, und in diefem Felde haben wir ihm unvergangliche Leiftungen zu 
verdanken, obfhon zu feiner noch etwas obfcuren Zeit oft feine Beinü⸗ 
ungen, vorzüglid jene, die Localfprahe in Wien zu: reinigen, vers 
annt, ja felbft von blinden Anhängern des Hergebrachten verfekert wure 
den. Bey vorgerücktem Alter zog ſich P. nah Perhroldsdorf bey 
Wien in den Ruheſtand zurück, wo er auch den 21. Nov. 1774 ftarb. 
@ein noch vorhandener einfacher Leichenſtein trägt die von ihm verfaßte, 
finnige Aufſchrift: Popovici quod fuit. Noch auf feinem Sterbebette 
machte fih P. um fein Vaterland hochverdient, indem er einige Stu⸗ 
Dierpläge für fleyermärkifche Sunglinge fliftete. Seine widtigiten Schrifs 
ten find: Unterſuchung vom Meeresc. Leipz. 1750. (Anonym.) — Rothe 
wendigfte Anfangegründe der deutſchen Sprachkunſt zum Gebraude der 
öfterr. Schulen. Wien 1754. — Abhandlung über das Brieffchreiben, 
Wien 1760. — Verfuc einer Vereinigung der Mundarten in Deutſch⸗ 
land, eb. 1780. Außerdem gab er nody einige Abbantlungen und Streit⸗ 
fhrifeen heraus. Sein reichhaltiges und in jeder Hinfiht ausgezeichnetes 
Idiotikon der ofterr. Mundart ift noch Dianufcripe und im Beſitze der 
k. k. Hofbibliothek. — Mehrere feiner anderweitigen merkwürdigen Hands 
waßen hinterließ P. feinem Freunde, dem Profeffor Mart. Span 
in Wien. 

..  Dopper, Joahim Edler v., Primator der böhm. Landesjuden« 
fhaft und Großhändler, weicher am 10. Mär; 1795 zu Wien itarb, 
war ein Mann von bejenteren Verdieniten. Er wurde von 4 Monarden 
begünftigt, und von tem Publicum allgemein geadtet. Die Kaiferinn 
Maria Thereſia hatte ihn zum Mitpächter des Tabakgefaͤlls aufges 
nommen. Kaifer Joſeph 11. begnatigte ihn, daß ervor allen Anderen 
feiner Nation bürgerlihe Häufer in Prag und Pilfen kaufen durfte. 
Kaifer Leopold erhob denfelben 1790 in den Adelftand, und Kaifer 
Franz bezeigte ihm feine befondere Huld. Er hatte in den harten Kriegs⸗ 
jahren den größten Theil feines Silbers zur Staatsaushülfe dargebradt. 
Viele Familien, ohne Unterſchied der Religion, haben an ibm einen 
uneigennügigen Wobltbäter verloren. Die aud in feinem Zeftamente, 
ohne Rückſicht auf Unterfhied der Religion gemachten milden Etiftuns 
gen werden ter Nachwelt das Andenken feiner Wohlthätigkeit ers 
halten. 


252 Pontafel. — Pontonier-Bataillon. 


Barth; —'bas fürſtl. Gattiginfce Gebäude im Prater, nah Ad. 
Braun; — ZIwey Anfihten des Gallizinberges nach HT 
» Anfiht aus Italien, nah Phil. Hadert; — mehrere 
Landfhaften und Baumfihläge nah Janſcha, Molitor, Beirot 
der, Runk, Brand, Kobell u. A. — Porträt Martin nn 
nah Maurer, Eine Suite von 120 Blättern in verfhiedenen Formas 
ten nah Kobell. — Die vorbere Fagade und das Innere der Kirche 
Maria am Geftade für das Prachtwerk des eh 
lich zum Haas’fden Galleriewerke: Blumenaltar zus de Heem; — 
Waldgegend, nah Hobbema; — Grabmal der Cäcilia Metella, 
nah Pouffin; — Beldmeiler, nah Giorgiome; —Waldge; dgegend, nah 
Ruysdael;— BildnifMarimilian's N, nad Rubens, *— 
gleides Nabmens war ebenfalls ein talentuoller Rupferfteher. 
Pontafel (Ponteba), illyr. Dorf im Villacher Kreiſe bes Her 
zogthuung Kärntden, ein feiter Paß am Fluſſe Bella durch den es vom 
Ir venet, Marktfleden Ponteba getrennt wird, zähle 1,427 Einn. 
und liegt in einem engen Schlunde zwifhen hohen Gebirgen. Mitten auf 
der fteinernen Brücke über den Oränzfluß Bella fteht ein Thurm, welcher 
bie Gränge zwifhen Deutfhland und Italien bezeichnet. Dieffeits des 
Thurmes herefcht noch ganz deutſche Sprage und Sitte, jenſeits ſpricht 


man ſchon durchaus italieniſch. 

Pontonier-Bataillon (im Kiokerneusurg), Segreift O.Eome 
pagnien mit I Stabsofficier als Commandant; 1 Unterlieutenant 
verwahrer, 1Ober⸗ und Chefarzt, 1 Rehnungsführer, 1. Apji 
welche zum Stab gehören, dann 5 Hauptleute, Eee 
6,Dberlieutenants, 7 Unterfieutenants, 15 Oberbrückenmeiiter, 2/Cal 
ten, — Das Hauptgefhäft der Pontoniers im Kriege ift die Schla; 
der Schiffbrücden, mittelft der der Armee folgenden Pontons, und bie 
‚Herftellung anderer vom Feinde abgebrannter oder beſchaͤdigter Belicden. — 
Die Pontoniers müfen im Allgemeinen der Schifffabrt kundig und auch 
im Schwimmen wohl geübt ſeyn. Schiffleute und Fiſcher find daher jur 
Aushebung für dieſes Corps befonbers geeignet. Im Frieden werden die 
Pontoniers nicht nur in den zu Rriegszeiten von ihnen geforderten Dien- 
fien fleißig gelibt, und zu dieſem Ende auf der Donau bey Klo fterneite 
jährliche Probemandvers ausgeführt, fondern fie werden auch zur 

Verſendung der verfchiedenen Armeebedürfniffe auf den Hauptſtrömen der 
Monarchie verwendet, zu welchem Endzwecke bie ſchiffämtiichen Poften 
uScharnfein, Prag, Prefburg, Comorn, Peitd,Syegedin, 
fjek, Peterwardein, Semlin, Pänsfeva, Temes var, 
Saizet undBerona beſtehen, allwo ſich überall Detachements dieſes 
Bataillons beünden. — Das Bataillon ift von dem oberſten Schiffamte 
abhängig, defen Commandant nit hur ben Dienft überbaupt, fondern 
aud die Anfhaffung und den Bau aller Kriegs: und Waffer: Transporte 
Erforberniffe leitet, auch in Kriegszeiten, wenn es die Umftände erfors 
dern, nad. veranitalteter Detaſchirung der Pontond-Trains ſich feldft zur 
Armee begibt, alldort bie nad den erfolgenden Kriegs + Dispofirionen 
weiter — Anordnungen trifft, und überhaupt gieichſam 





Dopowitfh. — Popper. 288 


in der Eigenſchaft eines beftändigen Brigadiers des Pontonier⸗Bataillons 
und, der fämmtlichen ſchiffämtlichen Abtheilungen fein Amt handelt. 
Dopowitfch, Job. Siegm. Dalentin, E. & öffentl. Profeifor 
der deutſchen Sprade an der Univerfitär zu Wien, Mitglied der Eaiferl. 
Alademie der Naturforfcher und mehrerer ins und auswärtiger gelebrten 
Gejellfhaften, war geb. zu Arzlin in &teyermarb, den 9. Febr. 1705. _- 
©eine Studien vollendete er in Cilli und Gräß mit großem Ers 
folge und bekleidete in mehreren adeligen Käufern Srzieherftellen, bis 
et um 1753 die Profefjur der deutfhen Sprache und Wohlredenpeit ers 
langte, die er dur eine Reihe von Jahren mit vielem Mugen verfab. 
Obſchon geborner Wende, machte er doch das gründlihe Studium der 
beutfchen Sprache und Dialectif zum Hauptgegenftande feiner Korfhuns 
gen, und in diefem Felde haben wir ihm unvergängliche Leiftungen zu 
verdanken, obfhon zu feiner noch etwas obfcuren Zeit oft feine Beimü⸗ 
ungen, vorzüglic jene, die Localfprache in Wien zu: reinigen, vers 
kannt, ja felbft von blinden Anhängern des Hergebrachten verketzert wure 
den. Bey. vorgerüdtem Alter zog ſich P. nah Perchtoldsdorf bey 
Wien in den Rupeitand zurück, wo er aud den 21. Nov. 1774 ſtarb. 
Sein noch vorhandener einfader. Leichenſtein trägt die von ihm verfaßte, 
finnige Aufſchrift: Popovicı quod fuit. Noch auf feinem Sterbebette 
machte fih P. um fein Vaterland hochverdient, indem er einige Stu⸗ 
dierpläße für fteyermärkifche Jünglinge fliftete. eine widtigiten Schrif⸗ 
ten find: Unterſuchung vom Meererc. Leipz. 1750. (Anonym.) — Noth⸗ 
wendigfte Unfangegründe der deutfhen Sprachkunſt zum Gebraude der 
öfter. Schulen. Wien 1754. — Abhandlung über das Briefſchreiben. 
Wien 1760. — Verſuch einer Vereinigung der Mundarten in Deutſch⸗ 
. land, eb. 1780. Außerdem gab er noch einige Abhantlungen und Streit⸗ 
fhrifren heraus. Sein reichhaltiges und in jeder Hinſicht ausgezeichnetes 
Idiotikon der öfterr. Mundart ift noch Manuſcript und im Befite der 
k. k. Hofbibliothek. — Mehrere feiner anderweitigen merfwürdigen Hands 
parißen hinterließ P. feinem Freunde, dem Profeffor Mart. Span 
in Wien. 

..  Dopper, Joachim Edler v., Primator der böhm. Landesjuden⸗ 
fhaft und Großhandler, welcher am 10. März; 1795 zu Wien ftarb, 
war ein Mann von bejenderen Verdienften. Er wurde von 4 Dionarden 
begünftigt, und von tem Publicum allgemein geachtet. Die Kaiferinn 
Maria Therefia hatte ihn zum Mitpächter des Zabakgefälls aufges 
nommen: Kaifer Joſeph 11. begnatigte ihn, daß ervor allen Anderen 
feiner Nation bürgerliche Häufer in Prag und Pilfen kaufen durfte. 
Kaifer Leopold erhob denfeiben 1790 in den Adelftand, und Kaifer 
Franz bezeigte ihm feine befondere Huld. Er harteinten harten Krieges 
jahren den größten Theil feines Silbers zur Staatsaus hülfe dargebracht. 
Diele Familien, obne Unterſchied der Keligion, haben an ihm einen 
uneigennüßigen Woblthäter verloren. Die aud in feinem Zeftamente, 
ohne Rückſicht auf Unterfchied der Religion gemachten milden Etiftuns 
gen werden ter Nachwelt das Antenten feiner Wohlthätigkeit er: 
- halten. 


2541 Popräd. — Porcia, die Sürften und Grafen, 
} 
oprad (Popper), Fluß, hat feinen Urfprung aus einem Kar 
: a See * Liptauer Geſpanſchaft in Unger) Burfiept ein wei · 
tes Thal der Zipfer Geſpanſchaft, im welcher er bie meilten äffer, 
aufnimmt, und geht nach einem Laufe von 8 Meilen durd den 
Gen Winkel der Särofer Geſpanſchaft nad Galizien, Hier fällt er, 
dem er den Dunawec aufgenommen, beym Flecken U p6cie im Tarnoe 
ver Kreife in die Weichfel. => 
Popräder Sufchfee, auf der fehr hohen Bergfpite Wifloka in der 
Siptauer Gefpanfhaft in Ungarn, hat eine faft unergrünbliche Tiefe, Sei⸗ 
= — kaum 400 Schritte, Aus biefem See emfieht ber 
uß id — 
Porcia, die Zürften und Grafen, nennen die Grafen von Si⸗ 
cambria in Pannonien ihre Ahnhertn. In Friaul befaßen fie ſcho 
derfrüheren Zeitdes Mittelalters die Grafſchaft Ceneda und die 
fer Porcia, Prato undBrugnera. Kaifer Carl IV, verlieh 
einem Grafen von P. das Palatinat, Johann Sfortig Graf 
uletzt & F. Statthalter in Görz, erlangte die Würde Kines £ 
bland » Hofmeiſiers der gefürfieten Oraffgaft Gr; und Grab 
Sein Sohn Johann Ferdinand wurde am 17; Februar 1662 
Kaifer Yeopo1dI. in den Neichsfürftenftand erhoben, auch der‘ 
verfammlung zur Aufnahme in den Reichsfürftenrath empfohlen; 
vielem Miderfpruche ward er am 26. April 1664 als Perfonalift ei 
führt gegen einen Neverd, daß feine Nachkommen ohne den Erwerb 
flenmäfiiger teipsunmittelbarer Beſitzungen nicht zur Meichsftani 
gelangen follten. Die Reichsſtand ſchaft hörte 1665 mit feinem Ableben 
auf. Derfelbe brachte auch die Oraffbaft Ortenburg in Kärnthen an 
feine Bamilie. Sein Enkel, Franz Ant., weldem Kaifer Leopoldl. 
die Herrſchaft Tertenfee im Echwaben am 19. Nov. 1689 zu einer 
gefürſteten Reichsgrafſchaft erhoben hatte, ſchlaß am 8, April 1008 en 
Mannsftamm diefer Linie, ernannte aber, vermöge der im Eaiferl. Für 
ftenbriefe von 1662 ertheilten Befugniß feinen Wetter Hieronpmu 


Grafen von P. in Friaul, zum Nachfolger in der Fürftenwürbe, 


bal, weldem ſolche von Kaifer Leopold am 3, Gept. 1698 mit 

ſchrankung auf den jedesmahligen Majoratsheren beftätigt wurde. Haı 
nibars Linie it am 14. Febr. 1827 mit dem Fürſten Franz Sera: 
pbin erfofhen, worauf die, fürftl. Würde an die Rachkommen 
Bruders, des Grafen Germanicus Cäfargelangte. — il 
phons Gabriel, Graf der Grafſchaft Ortenburg in Kärnthen, 
ter des göld. Vließes, Großkreuz des Leopold⸗Ordens, EE.wirkf. geb. 
Rath, gewvefener Gouverneur des öfter. Küftenlandes zu Trieft, dere 
mahlen im Ruheſtande, Oberft Exbland-Hofmeifter der gefürſt. DR 
haft ai » Mitglied der & k. Landwirthſchafts · Geſellſchaft in Wie 
und der k. . Gefellihaft des Aderbaues in — ꝛc., geb. ben 19, 
Zänner 1761, fuccedirte feinem Vetter Fran; ©erapbin, 

von P. den 14, Febr: 1827, verm. den 10, Septe 1799 mir Therefey 
gebornen Oräfinn von P. SE 





Pordenone. — Porzellan-Arbeiien und Sandel. 255 


Dordenone (Portenau), venet. anfehnliher Marktfleden in der 
Delegation Sriaul, in einer Ebene, am Zluffe Noncello, mit 4,300 
Einwohnern, bat. eine große Panierfabrit , die befte im Wenerias 
nifhen, ein Poftamt, Weins und YZeldbau, und manderley Ges 
werde. Der berühmte Maler Regillo (genannt Pordenone).ift bier 
geboren. 

Paorto Gruara, venet. Marktfleden in der Delegation Ben es 
dig, an der Mündung des Reghena in ben ſchiffbaren Lemene, mit 
3,700 Einw., Eiß des Biſchofes von Concordia, hat 2 Cathedral⸗ 
tirhen, ein theologiſches Seminar mit philofonhifd; : theolegifhen Stu—⸗ 
dien, ein bifdöflihet Goymnaſium, Eeidenfrinnereyen und Handel. -:; 

| orto Re, croat. Markıfleden im ungarifchen Küftenlande, ein 
von 900 Seelen bewohnter, fon gebauter Ort am Baſſin von Bucs 
caricza, mit einem geräumigen von 2 Caftellen befhüßten Hafen, 
der aber wenig beſucht wird. Die Einwohner treiben Sifhfang und haben 
faft gar keinen Handel. | 

Dorzellan-Arbeiten und Jandel. Tie Fabrikation des Por⸗ 

elans nahm im öfterr. Etaate 1718 mut der Gründung der Wiener 
—* ihren Anfang. In dieſem Jahre erkielt der ka k. Kriegsagent, 
Claudius Innoc. du Paquier ein 28jahr. Privilegium auf die 
Erzeugung und den Alleinverkauf des von ihm zu Stande gebrachten aͤchten 
Potzellans. 1721 erweiterte er feine Fabrik und vermehrte die Arbei⸗ 
ier bis auf20; allein fein Termögensftand war fo erfhöpft und die Schul⸗ 
denlaft fo angewadfen, daß gr das Unternehmen nicht weiter mehr bes 
treiben konnte. 1744 befahl die Aaiferinn Maria Xherefia die Fa⸗ 
brik mit allen Gebäuten und Vorraͤthen gegen Abzahlung der von dem 
Merkäufer aufgewiefenen Echulden der Diinifterial: Bancos Hofdeputas 
tion zu übergeben; du Paquier aber wurde zum Director derſelben 
ernannt. Die Wiener Porzellonfabrit war nun Etaatdeigenthum ges 
worden, und konnte jekt großen Öeltunterfiükungen, medtigen Ers 
weiterungen und allen zu ihrem Gedeihen noͤthigen Anftalten entgegen 
ſehen. 1750 hatte Lie obige Zahl des Arbeitsperfonals fich fchon vertops 
pelt, und erhielt 1751 ein großes Gebäude zur Erweiterung ter Merk 
ftätten und Waarenloger. 1761 batte fie bereite 8 Starkbrennöfen und 
140 Arbeiter, auch in dieſem Jahre den erfien Gewinn getragen, wäh 
rend fie früber immer einigen Zuſchuß aus der Etaatscafle erhalten muß» 
te. Bis 1767 waren ihre Gebäude abermahls erweitert, und 12 neue 
Brennöfen erbaut worben. Unter der Leitung bes 1770 zu ihrem Chef 
ernannten E. E. Hofratbes v. Keflermurte turd Einführung einer neuen 
Maſſe die Weiße tes Porzellans erhöht, tem Biscuit eine flärkere Aufs 
löfung und die gefüllige halbe Durdfichtigkeit verſchafft, die Fabrikation 
überhaupt in allen Zweigen verkeflert. Zu Ente 1770 belief ſich derjährt. 
Verkehr fdon auf 115—120,000 Bulden und die Anzahl der Arbeiter 
auf 200. 1771 wurde die Fabrik abermahlg erweitert und mit 2 neuen 
Brennöfen vermehrt, die Buntmelerey ganz abgefontert, und die Ver 
fauismagazine vergrößert. Auf ſolche Art belief fih das Arbeitsnerfonale 
zu Ende 1780 fkon auf mehr als 300 Perfonen. Bey ter 1784 von 
Saifer Joſeph 31. argeortneten öffentliden Feilbiethung, bey wels 


256 Porzelldn-Arbeiten und Handel, 


her der Ausrufspreis auf 358,000 Gulden beſtimmt war, fand I 
der Käufer noch Pächter, und die Fabrik mußtenoc ferner auf n 
der Bahcogefülle unter der Direction bes Hofrathes Conrabv, Sor- 

enthalt fortgeführt werden. Unter diefer neuen Divection hob ſich 

ſabrik ungemein. Im Innern wurde die Organifation aufs 2 
Figfte verbeifert, die Malerey wurde in 4 Kunftfächer getheilt, eine eir 
gene Deſſins⸗ und Verzierungsſchule bep der Fabrik errichtet, derganze 
alte Productenoorrarh durch öffentliche Verfteigerungen zu Wien, Prag, 
Brünn, Linz und Gräg binweggegeben, und bie neueren 
niſſe mit der möglichiten Eleganz und mit allem Reichthume der Ver; 
rung ausgeftatter. Da die Fabrik nun nice mehr allen Beſtell 
Genüge leiten konnte, wurde 1812 zu Engelhartszell ein 
werk oder eine Bilialfabrik errichtet, in welcher anfänglu nur die 
gung und Schlemmung der Porzellanerde, fpäter aber die Erzı ä 
des gemeinen Geſchirres betrieben wurde. 1805 bey dem Tode des Hofr 
rathes v. Sorgent hal hatte die Fabrik in Wien fhon 35 Brei 
in welchen täglich 5 bis 7 Starkbrande gemacht wurden, und ein 
nale von mehr als 500 Arbeitern; die Fabrik zu Engelharrszel 
aber 9 Brennöfen, welche täglid) einen Starkbrand machten, und 
Arbeitsperfonale von mehr als 60 Köpfen. In demfelden Jahre I 
Matıhäusv. Niedermapr zum Director biefer Fabrik, a 
der Spiegelfabrik zu Neuhaus ernannt. 1809 wurde durch bie kriege⸗ 
riſchen Ereigniffe der Betrieb der Fabrik fehr gehemmt; mod mehr vers 
for diefelbe durch die Abtretung eines Theils von Ofterreich ob der Enns 
an Bapern, indem dadurch bie Fabrik von Engelharstszell für bie 
Mutterfabrik gänzlich verloren ging. Noch in den folgenden Jahren: 
te fie mit widrigen Ereigniffen zu kampfen, welche jedoch nicht 
genug waren, fie von ipver eritiegenen Höhe und Ausdehnung beträchte 
lic) zurückzudrängen. Gegenwärtig hat die Fabrik 42 liegende, und 2 
eplindeifpe Otarkbrennöfen, 2 große DVerglüpöfen, 8 Emailöfen, ein 
großes, aus mehreren Abtheilungen beitebendes Farbenlaboratorium und 
deſchaftigt in ihren 4 Abtheilungen bey 500 Arbeiter. Diefe Abıheiluns 
‚gen find: Die Fabrikation (wozu das Schlemmen, Maſſemachen- ur 
feldrehen, Glafiven, Kolzzubereiten und das Brennen gehören), die 
Weißdreherep, die Bildnerep und die Malerey, Jede Branche des Pers 
fonals hat ihren eigenen Vorfteher. Bey der Babrifation befinden ſich 
51 Schlemmarbeiter und Maſſemacher, 14 Scherbenftoßer, 15 Thon⸗ 
ſchneider, 20 Kapſeldreher, 7 Olafurer, 21 Brenner und Einfeßer, 
mebrere Holzipalter, Holzfneider und Holzführer; beym Weißdrehen 47 
Dreher nebft 4 Gypsformern und Modelldrehern; bey der Bilbnerey 15 
Künftler; bey den 4 Claſſen der Malerey 106 Individuen, nebſt einem 
Laboranten, 4 Barbenteibern, mehreren Steinſchleifern und Polirern 
uf. w. Diefes Perfonale verbraucht täglich 1,550 Pfund Porzellanerde 
und andere zur Compofition der Maffe nöthige feine weiße Erden, und 

„19,000. Pf. feuerfeften Töpferthon zw den Kapfeln. An weichem Bri | 
holz find jährlih —6000 Wr. Kl., an Schmiedekohlen 7—800 an 
bich erforderlich. An Gold zur Vergoldung werden jäprl. bey 50 Mark 
im reinften Zuftnde verbraucht, Das Wiener Porzellan zeichner ſich 


Dorzellan-Arbeiten und Sandel. 257 


durch feine Feſtigkeit und Haltbarkeit in Hinjicht des Wechfels ber Tem: 
peratur (wodurch fich dadfelbe ganz vorzüglich zu Tafelgeſchirr empfiehlt) 
aus; es hat bey flachen Stücken den ſchoͤnſten Spiegel, hat durchaus ſchö⸗ 
ne Malerey und kein fremdes Porzellan dürfte in Beziehung auf Far⸗ 
benreihehum, Schenheit, Echtheit und Dauer ber Karben und der Vergols 
dung dad Wiener Porzellan übertreffen. Dasgemeine Wiener Porzellan 
it zwar weniger durchſcheinend, als vieles aus fremden Manufacturen 
(befonders das finefifhe und franzöfifche): indeifen verfertiget man bier 
auch ganz dünnes, durchſcheinendes Porzellan, welches dem finefifchen fehr 
aͤhnlich iſt Bemerkenswerth ift ed übrigens, daß das Wiener Porzellan aus 
allen bisherigen betannten Gattungen die ſtrengflüſſ gſteMaſſe und die leicht» 
flüfigfte Olafur bat, welchem Umſtande ed vornehmlich feinen fhönen 
©piegel verdankt, während bey dem ausländifchen Porzellan der umgekehrte 
Fall eintritt. — Bey diefer Gelegenheit verdienen der als Künftler und 
Chemiker bekannte Arcaniſt und Malerey « Voriteber, Sof. Leichner, 
und deſſen Sohn, ter jegige Kabrikationd: Verwalter, Franz Leith: 
ner die rühmlichfte Erwähnung. Dem Erijteren verdankt die Fabrik den 
Reichthum an ſchönen Barden in ihrer Palette und vor Allen dad herrli⸗ 
che Kobaltblau (Leithnerblau genannt) wie die bisher noch von Beiner andern 
Fabrik gelieferte Platinabronze. Ale neu entdeckten, zur Porzellanmalerey 
dienenden Metalloryde find bald nach ihrer Entdeckung von ihm auf das 
vollEommenfte nachgemacht'worden; auch hat er der Fabrik durch die von 
ibm eingeführte Methode, mit großer Erfparniß und dabey doch reich 
und dauerhaft zu vergolden, vielen Nutzen verfchafft, ein Verdienft, 
welches der Staat durch Verleihung der großen goldenen Civil-Ehrenme⸗ 
duille belohnte. Was die Wiener Fabrik überhaupt und nahmentlich in 
jenen Gegenſtänden leifter, welche durd Schönheit der Formen und Vor⸗ 
züglichkeit der Malerey in dad Gebieth der Kunit gezählt werden müſſen, 
darüber hat ſich das allgemeine Urtheil fhon lange günftig ausgeſhrochen, 
und Jedermann kann ſich durch die Bejihtigung des immer reihlid aus» 
geftarteren Waaren-Verſchleißmagazins in der Stadt auf dem Joſephs⸗ 
platz Nr. 1155 davon überzeugen. Das Hauptwaarenlager ift im Bas 
brifsgebaude in der Voritade Rofau Nr. 137. Die Fabrik hat aud eine 
Verſchleißniederlage in Perth. Unter die ausgezeichnetfien Kunftgegen: 
jtände gehören die 1820 vom damahligen Lord Stewart, jest Mars 
quis von Londonderrzerkauften Vafen mit Copien von Rubens (die 
Sefhihte des Publiud Decius darjellend), von Leop. 
Lieb gemalt; das große Service, welches Kaiſer ran; dem Her 
joe von Wellingron ald ÖefhenE überfdhidte; eine große Vaſe in 

eherform, mir Blumengemälden auf Goldgrund, von Joſ. Nigg. 
— Das Zeichen der kaiſerl. Fabrik ift der Eleine erzherzoglihe Wapen⸗ 
ſchild, welder mit einem Stämpelin die noch weiche Maſſe eingedrückt 
wird. — Außer Wiſen hat im ölterr. Staate Böhmen noch 5 Porzelans 
fabrien, nabmlıh zu Schlaggenwald (der Lippert und 8006, 
mit einer Niederlage in Wien, Wollzeile Nr. 779); zu Elbogen 
(der Gebrüder Haidinger, mit einer Niederlage in Wien, Gold⸗ 
ſchmiedgaſſe, Nr. 605) ; zu Pirfenbammer (von Fiſcher und Reis 
chenbaſcch, ipre Niederlage zu Wien il in der Weihburggaſſe Nr. 

Oeſterr. Nat. Encykl. Bd. IV. N 





Dofeganer Gefpanfdhaft. — Poftwefen. 259 


hen. Gebirges, und ift von Außen mis weitläufigen Obftgärten umge- 
ben. P. zähle 512 Häufer und 4,850 Einw., die befonderd viel Wein 
und Tabak bauen und Geidencultur treiben. Es ift der Ei des Agramer 
bifchöfl.e. Subaltern-Eonfiftoriums, hat ein Rathhaus, ein verfalle 
ned Bergfchloß, 3 Earhol. Kirchen und 4 Capellen, ein kathol. Gymnaſium 
und eine Hauptfhule. Der geräumige Plat bat hübſche Gebäude und sit 
mit einer Drepfaltigkeitfäule geziert. Zu Spaziergängen dien en ben Ein: 
wohnern das nahe Stadtwäldchen Padef; und der Weg am Bade Vucſiag 
und zur ſchönen Quelle Fratoricza. , | 
Dofeganer Geſpanſchaft, in Slavonien, 45 Quadratmeilen 
roß, mit 69,000 Eathol. Einw., meift Slaven und Griechen, in 1 


€ 


sadt, 6 Marktflecken, 254 Dörfern und 1 Prädie, wird duch bie 


füffe Save, Drliawa, Pakracz und Illowa bewäflert, bringt Korn, 

abak und Obſt hervor, hat etwas Seidenbau und Warmbäder. Diefe 

Geſpanſchaft sit die Wohnflätte der Morlafen (f. d.) 

Doflagno, venet. Dorf in der Delegation Trevifo, inber Nä⸗ 
he von Afolo, Geburtsort Canova's (f.d.) mit derherrlichen, auf feine 
Koften erbauten, Kirche. 

DPoft:sofbudhbaltung, f. Beneral « Rehhnungs » Direc- 
torıum. 

. » Poftolaca’s, Demetr., (griedh. Handelsmanns) Bibliothefin 
Wien, 2200 Bände, griedifche Claſſiker und Kirchenväter. Sie ver: 
eint fo viel wie alle E.ditiones principes, was natürlich von fehr hoher 
Bedeutung ift, und in welcher Hinſicht die genannte Bändeyah! ſehr ſtark 
erſcheinen muß. P.'s Syſtem iſt, von jedem Autor die Princeps, die 
Optima und die beite Handausgabe zu bejigen. Er ift in feinem Zweige 
ein fehr eracter Kerner, was auch der von ihm jelbft verfaßte mufterhafte, 
griechifhe Catalog mit vielen trefflihen philologifchen und bibliographis 
fhen Anmerkungen beweift. 

.  Doftupiz, böhm. Stadt im Kaurzimer Kreife, hat 900 Einw., 
eine Baumwoll: Mafdinenfpinnerey und eine bedeutende Baummoll- 
waaren s Manufacturer und Drucereg nebft einer fehr gut eingerichteten 
Commerzialbleiche. 

Poſtweſen. Die oberſte adminiſtrative Poſtbehörde für alle deut⸗ 
ſchen, galiziſchen und italieniſchen Provinzen iſt die k. k. allgemeine 
Hofkammer; für Ungarn und die Militärbezirke die €. ungariſche 
Hofkanzley; für Siebenbürgen die fiebenbürgifhe Hofkanzley. In 
Niederöſterreich verrichtet die oberfte KHofpoftverwaltung, welche die 
abminiftrirende Oberpoftbehörde im Staate ift, zugleich dag Amt der 
ProvinzialsPoftverwaltung. Es gibs in Allem 20 Poſtbezirke, welche 
mit dem Sitze ihrer Oberpoftamt3-Verwaltung oder Direction folgende 
find: Niederöfterr. Poſtbezirk; Sie zu Wien; oberöfter. zu Linz; 
böhmifcher zu Prag; mährifh:fchlefifher zu Brünn; galizifher 
ubemberg: fteyermärlifcher zu Grätz; Tyroler zu Innsbrud; 

üftenländifher zu Trieſt; fiebenbürgifher zu Mermannflabt; 

Dfner, Preßburger, Kaſchauer, Temeswarer, Eſſegger und Waras⸗ 
diner, mit dem Sitze in den gleichnahmigen Städten; Dalmatiner zu 
Zara; Venetianer zu Venedig; lombardiſcher zu Maitanı X 

N 





Doftwefen. 261 


zu Zeit nah. Maßgabe der Fütterungspreiſe feſtgeſetzt und jind nad) ben 

verfchiedenen Provinzen, in welchen man reit, verfhieden. — Im 
Ganzen befindet fich da3 oͤſterr. P. in einem hohen Grade der Vollkom⸗ 
menbeit, feine Leitung und Eintheilung find muſterhaft zu nennen, 
ihm war ed vorbehalten, zuerit die Bahn für einige neue und nüßliche 
Einrichtungen gebrochen zu heben; als z. B. durch die Einführung ber 
bequemiten aller Kahrgelegenbeiten, nähmlich des Separat-Eilwagens, 
mit welchem man zu jeder Stunde abreifen und ſich unter Weges nad) 
Belieben aufhalten, oder ohne Aufenthalt reifen kann u. dgl.; daß 
ferner in Ofterreih zuerft eine geogr. Diritellung ber im Innern ber 
Monardie und in den vorzügliditen Städten der Nachbarſtaaten ſich 
bewegenven und durchkreuzenden Poitcourfe erfhien; eben fo wurde 
auch in Wienein weiterer Schritt für das Poſtcoursweſen ober eigent: 
lich fürden allgemeinen Poſtdienſt dadurch gethan, daß hier zur Abhilfe 
eines großen Bedürfniifes zum erften Mahle die Typographie für geogr. 
Courscharten zur: Vervielfältigung erdacht, verſucht unb angewender 
wurde (ſ. Ottenfeld, Raffelsperger). — Sn Wien befinder 
fih das k. E. oberite Hofpoitamt in der Woilzeile Nr. 867. Es beforge 
die Verfendung der abgebenden Briefe und Packete, die nicht über 5 Pr. 
wiegen, fo wie die Vertheilung der einlaufenden Briefe. Die k. k. Hof: 
poſtwagens⸗Direction it auf dem Dominicanerpläg Nr. 666 und 
fteht mit der E. k. Haupterpedition fahrender Poften in Verbindung 
(. Briefpofteneinriheung, Eilwagen). — Folgendes iit 
eine Eurze Überſicht der Poftgebühren, melde Paifagiere von Wien 
in die wichtigſten Orte der Monardie in C. M. zu entridten haben: 
Nach Agram, mit Pollwagen 13 fl. 9 Er., Aſch in Bob: 
men 21 fl. 20 Er., Baden in Diterr., mir Eilwagen 40 Er., Bergas 
mo in der Lombardie mit Eilw. 49 fl. 55 kr., Bochnia in Galizien 
310.9 ee, Boßen in Tyrol 30 fl. 15 Er., Braunau in Diler. 
19 fl. 29 Er., Bregenz; in Vorarlberg 43 fl. 53 kr., Briren in 
Zprot 36 fl. 59 Er., Brody in Galizien mit Eil- und Poſtwagen 
53 fl. 54 kir., Brünn mit Eilwagen fl. 14 kr., mit Brief-Eilwagen 
8fl.52 Er, Budweis in Böhmen mit Poftw. 8 fl. 56 Er., Carl 
bad 25fl. 43 kr., Carlſtadt in Stavenien mit Poſtw. 15 1.31 Er., 
Como in der Lombardie mir Eilw. 54 fl. 5 Er., Comorn in Ungarn 
11.3 Ee., Czaslau in Böhmen 14 fl. 38 kr., Czernowitz in 
der Bukowina 67 fl. 27 kr., Eger in Böhmen mit Born. 30 fl. 4kr., 
Effegg in Slavonien mit Eil: und Poitw. 28 fl. 4 Er., Fiume 
mit Eil: und Poitw. 40 fl. 13 kr., Saftein mis Eilw. 27 fl. Ukr., 
Bräs 12 fl. 19 Er., mir Brief-Eilw. 12 fl. 50 kr., Dermann: 
ftade in Siebenbürgen mit Eils und Poſtw. 39 fl. 36 Er, Inns⸗ 
bruck mit Eilw. 31 fl. 23 kr., Ih in DOberditerr. 18 fl. 57 Er., 
Kaſchau in Ungarn mit Eil: und Poſtw. 27 fl. 27 Er., Klagen 
furt m Kärnthen mit Eihv. 20 fl. 4 Er., Klaufenburg in Sieber 
bürgen mit Eile und Poſtw. 41 fl.54 £r., Krems in Niederditerr. mit 
Eilw. 2 fl, Kronſtadt in Siebenbürgen mit Eils und Poſtw. 
44.11.40 kr., Laibach in Kravı mie Eilw. 25 fl. 54 fr., Lemberg 
SO fl. 3 Er, Linz 121. Le, Mailand 5l fl. 18 fe., Mantua 


\v 


DPDoftwefen. 263 


jwifchen ben genannten zwey Hauptſtädten in Verbindung mit jenem 
zwiſchen Gonflantinopel ud Smyrna eingerichtet und der Pos 
itenlauf geregelt. Ungeachtet dadurch die Beförderungs-Auslagen bedeus 
tend vermehrt wurden, iſt doc) die Portogebühr für Briefe nicht erhöht 
worden, welde fehr niedrig geitellt it, indem für den einfachen, ein 
halbes Loth wiegenden Brief für die Beförderung auf der weiten Strede 
zwifhen Belgrad und Conftantinopei nur 1; Piafter oder 7: 
Kreuzer bezahlt werden. Gegenwärtig werden die Briefe bey diefem Po⸗ 
ftenlaufe in 10 Zagen von Wien nah Conſtantinopel gedradt. 
Uberdieß wurde für eine monathlid zweymahlige regelmäßige Correſpon⸗ 
denz⸗Beförderung zwifhen Wien-und den nicht unbedeutenden Hans 
delsplätzen Seres und Salonich vorgefeben, und es find vom 
1. Jän. 1834 zwiſchen Trieſt und Patras mit Berührung von 
Corfu, monarhlih zweymahlige Packbootfahrten zur Beförderung der 
Briefe, Heifenden un? Waaren aus und nat Griechenland, dann aus und 
nad den Joniſchen Infeln eingerichtet worden. Das Prafidium der k.k. 
allgemeinen Hofkammer bat ferner, um eine frühere Ausgabe der in 
- Wien einlangenden Poftbriefe, und eine größere Beſchleunigung der 
. von bier abgehenden Poſten zu erzielen, -der k. k. oberſten Hofpoſt⸗ 
Verwaltung aufgetragen, ſolche Einleitungen zu treffen, daß vom 
15. Juny 1835 angefangen, die frübere Ausgabe und Beſtellung der 
bier antommenden Briefe Statt finden Eonne, und daß zur Erreichung 
diefer Abſicht die Briefpoften von bier früber als bisher adgefender 
werden. Da nunmehr die erforderlichen Vorkehrungen getroffen worden 
find, um diefem Auftrage entfprehen zu Finnen, fo werden von 
15. Juny 1835 an,die in Wien einlangenden Poitbriefe täglich um 
10 Uhr Vormittags zum Theil beym Hofpoſtamte ausgegeben, zum 
Theil an die Briefträger zur Beſtellung in dev Stadt ausgetheilt und 
an die Silialpoffämter zur Zuftellung in ben Vorſtädten gefendet. Das 
Briefabgobsamt bleibt von LO Uhr Morgens dis 1 Yhr Nadın., dann 
von 3 bis 4: Une Abends zur Hinauigaıbe der Briefe für hieſige Adrefs 
faten, weiche far die Correfpondenz eigene Fächer haben, geöffnet. 
Poſtreſtante Bri:fe, welche mit den Poſten der vorhergehenden Tage 
eingelangt find, Eönnen nicht nur in den vorgenannten Amtsſtunden, 
fondern auch noch taglich zwifhen 8 und 10 Uhr Morgens abgeholt 
werden. — Das Briefaufgabzamt wird Srü) um 8 Uhr geöffnet, und 
der Schluß zur Au’gabe für die nicht recommandirten, von hier weiter 
ju fen)enden Briefe, fie mögen ärmtliche oder Prisatbrisfe, und diefe 
entweder zu frankiren oder mir Porto anzumweifen feyn, wurde beym Hof: 
poitamte auf 4: Uhr Nachmittags feitgefegt. — Zur Bequemlichkeit 
tes Publicums st der Vriefkaften, in welchen die nicht zu franliren- 
den Briefe einzulegen jind, fhon von 7 Uhr Morgens bis 9 Uhr 
Abends geöffnet, jedoh werden die darin erft nah 44 Uhr Abends ein- 
gelegten Briefe, nicht mehr an dem nähmlichen Tage, fondern am 
darauf folgenden Poittage abgefendet. Den Poſtdedienſteten sit unter 
Beinem VBocwande geftattet, und wird ihnen ftrenge unterfagt, nach dem 
feſtgeſetzten Schluſſe noch Briefe von Parteyen zu übernehmen, und 
an dem nuhınliden Tage abzuſenden. — Der Schluß für die zu recom⸗ 





 Dottenfteiner Sabrifen. 263 


heimkehren. Bon dem fetten Schloſſe Pottenflein find kaum noch 
einige Trümmer zu jeben. | 

- Dottenfteiner Sabrifen. Diefe an der Triefting im Pottenfleis 
ner Thale im V. U. W. W. gelegenen Erabliifements verdanken ihren 
Urfprung dem Unternebmungsgeifte eines, um 1760 au Winterthur 
im Canton Züri eingewanderten Schweizers, Nahmens Melchior 
Steiner, der auch der Gründer bes Großhandlungshauſes Steiner 
und Comp. (f. d.) wurde; fie erlitten jedod ihrer Natur nad ſtets mit 
den politifchen und commerziellen Conjuncturen fortſchreitend, ſeit ihrer 
in obige Zeit fallenden erſten Einrichtung mannigfaltige Veränderungen 
und nach und nach große Erweiterungen. Zuerſt errichtete nähmlich der 
Unternehmer eine Degen: und Säbelklingenfabrik, welche bey der das 
mabligen Mode, Givildegen zu tragen, bald bedeutend wurde und aud, 
als diefe Mode nachließ und endlich ganz erftarb, beynahe ausfchließend 
das öfter. Militär mit Seitengewehren verſah und nur erft, als diefe 
bey der Infanterie abgefhafft wurden, aufgelaffen ward. Die damahls 
fo reihe Ausbeute der ungar. Bergwerke, für melde es in ihrer roben 
Geitalt wenig Abfat gab, veranlaften die Staatsverwaltung, den Fa⸗ 
brif3unternehmer zu Errichtung von Kupferbämmern aufzumuntern, durch 
deren thätigen Betrieb fobin diefem inländifhen Producte unter dem 


Schutze großer Erportations-Begünftigungen bald ein weitverbreiteter Ab» 


faß, vorzüglich während dein amerikanifchen Befreygungsfriege und zwar 
nad) Gegenden zu Theil ward, wohin das ungar. Kupfer bis dahin nichs 
roh, viel weniger in verarbeiteter Geſtalt, gediehen war. Mit dem 


Beginne des franzöjifhen Nevolutiondkrieges jedoch , welcher allen mer 


cantiliſchen Geſchäften eine andere Richtung gab und auch im Innern andere 
Bedürfniffe herbenführte, fo, dafı feldft die Ausfuhr des rohen und vers 


orbeiteten Kıupfermateriald verbothen wurde, waren dieſe Hämmer bis. 


1809 beynahe ausfchliekend mit den Vorarbeiten für die bedeutende Aus 


munzung, nebenbey aber auch für die inzwifchen in Schwung gekommene 


Kupferdachbedeckung befhäftigt; als jedoch fpäter diefed Ausfuhrverboth 
jurüdgenommen, warb und das Bedüriniß der Kupferbleche fi bedeutend 
vermehrt harte, ſah fih der termahlige Eigenthümer Melchior Nittes 
v. Steiner 1824 veranlaft, in dem Tocale der vom Jahre 1780— 
1800 zur Erzeugung von Blaufarbe (Schmaulte) verwenteten Klingens 
fabrif in Verbindung mit den fortbeftebenden Kupferhämmern, ein Wals 
zen: Kupfer» Sitredwerk zu erbauen, in weldem bie bis babın nur durch 
Hämmern ausgedehnten Bleche nunmehr in jeder geforderten Größe und 


Dicke mit der glatteften Oberfliche für alle Gattungen von mecanifchen - 


und ökonomiſchen Bedürfnifen, wie auch zur Dedung der Daher und 
Beſchlagung der Schiffe geftrecdft werden und zwar durd Walzen vom 
beften ftegerifhen Eifen, welde in dem E. E Guswerk zu Groß-Ma— 
r’ azell gegoifen werden, 35—40 Centner wiegen und fobin in den 
Steiner'ſchen Fabriken felbft erft durch arofe Drehwerke ibre Voll: 
kommenheit erlangen. Dieſes Werk zeichnet fih vor andern ähnlichen 
längſt beftandenen, theild durch die eigenthümliche Art ter Beheizung 
des Metalles, theild durch die Spannung der Walzen ohne Anwendung 
der Stellſchraubr, theild endlich, ungeachtet des nur geringen Gefälle 


206 Pottenfeiner Sabrißen. 


durch die Vermeidung eines bisher für unentbehrlich gehaftenen 

re EN beyden für Er 
Een bat aber der dermahlige Eigenthlimer noch ein drittes weit bedeuten« 
deres in Betrieb gefebt, indem er ſich feit 1833 mit der Errichtung, 
Mafhinens Conftructionsfabrit vefhäftigt. Was ihn zu. diefer für 

reich erften Eoftjpieligen Entreprife veranlaßt haben mag, Fann 
einerfeit das in den 2 legten Decennien entitandene Zunehmen ? 
Baummwöllen » Spinnfabrifen, andererfeits aber die gegründete Hoffe 
nung gewefen feyn, daß, bey Auftehthaltung des bis dahin hir 

der Einfuhr der Garne angenommenen Prohibitivfpftems, die glücfi 
örtliche Lage von Ofterreich unter der Enns rückſichtlich des Gefälls feiner 
Gebirgswäler das Fortbluͤhen folder Fabriken verdürge, für wel 
Fall natürlich eine Maſchinen- Conftructionsfabri, welche bie bis 
nothwendige Einführ aus dem Auslande oder die bey — Fabriker 
‚Statt findende langwierige und weit koſtſpieligere eigene Verfertigung 
der Maſchinen unnüg macht, einem beingenden Bedürfniffe al 1 
mußte, Wirklich entitanden auch in der Eleinen Strecke der ſich in 
Donau ergiependen Bergftüife Liefing, Schwechat (deren Gefällt n 
einer einzigen Währe an 29 verfchiedene Waſſerwerke treibt), Trieſtin 
Steina« Pieiting, Falter Gang, Fiſcha und Leitha in Eurger Zeit 33 9 
fiere und Eleinere Baummollfpinnereyen, welche wöhentlich aus ung: 
1,600 Etr. Baumwolle 32,000 Bündel Garne erzeugen follen (f. Rees 
Dorftellung der Fortſchritte der öfterr. Gewerbe und Manufacturen, 
Wien 1829 und Bernouilli’s rationelle Darjtellung der Bauı 
fpinnereyen, Baſel 1829, S. 287), ungeachtet jie ſich in der al 
ſchwierigen Loge befinden, des Vortheils einer, mit dem großen Welt 
bantel in Verbindung ftehenden Wollmarktes zu entbepren und daher, 
um mit den ausländifhen Fabriken in Concurrenz bleiben zu können, 
nad) dem für das Beſtet en von Zucerraffinerien adaptirten Zolfpft 
einerum fo größeren Begünſtigung bedürfen, als dieWoraudlagen für bie 
Errichtung einer Zuderraffinerie mit jener viel größeren für Exbai 
einer BaummwollfpinnfabriE in gar Eeinen Vergleich gebracht werden 
Eönnen. Diefe fehenswerthe Mafcpinenfabrif zeichnet ſich vorzüglich dar 
durch vor andern aus, daß fie zur urfprünglihen Erzeugung aller jable 
reihen Beſtandtheile eingerichtet ift, und daher zu Feiner Worarbeir von 
anderen Fabriken abhängt; fie bat ihr eigenes Eiſen- und Metallguß- 
werk für die größten, wie die Hleinften Arbeiten und das bier erze 
Gußeiſen laͤßt ſich hämmern und feilen; fie hat ferner ihre eigenen Eifen- 
bümmer, in welden das nöthige Eifen ausgezeichnet gefhmeidig gemacht, 
aud Stahl von jedem Gewichte und jeder Größe für die zahlreicher 
Drebe, Zeilr, Schleif» und Polirmafchinen aus dem beiten fteperifher 
Eifen vorgearbeitet wird. Während bie fehnellen Bortfehritte, welche feiz 
wenigen Jahren die mechaniſchen Werkſtätten der öfter. Monarchie 
maden, der, befonders was Ofterreih unter der Enns betrifft, eine 
eniſprechende Steinfohle verfagt it, bie dagegen von der gütigen Mas 
tur auf die defto glüdliere Ausftattung dev Waſſerkraft hingemiefen zu 
fegn fpeint, dem Mann vom Bade aub bey den Stein exſchen Gar 
briten auffallen miifen, bilden fie auc für den wißbegierigen Layen einen 





- \ 


Powondra. 207 


intereffanten Anblick. Er erblickt hier unter andern einen Kupferbammer, 
deffen 8 verfchiedene bis 3 Centner ſchwere Hämmer nady einem biöher in 
diefen Rändern nicht in Gebrandh gewefenen Syſteme von 4 gußeifernen 


Wofferrädern von 16% Fuß Durchmefler in Bewegung gefetzt werdent 


ein Kupferſtreckwerk, 42 Zoll lange, 18 Zoll die und 35 — 40 
Centner ſchwere gußeiferne Cylinder von einem 22 Fuß boben und 200 


Gentner ſchweren, fih 22 Mahl in jeder Minute um feine Are bewe 


genden, eifernen Waiferrade in Umſchwung gebracht, glühende centner- 
ſchwere Kupfermaffen zu dünnen Blechen, felbft zum Uhrmachergebrauche, 
ausitreden, bemerkt endlich die von einem einzigen 24 Buß hohen Waſ⸗ 
ferrade in Bewegung gefegte mehrerwähnte Mafchinenfabrif in ihrer 
volliten Wirkſamkeit. Er ſieht in dev legteren Arbeiter aus allen Hands 
werten alle Sattungen von Mafchinen » Beftandtheilen und alle Gats 
tungen ganzer Mafchinen für andere Fabriken entweder nach eingefendes 
ten Modellen oder nach eingefchickten Zeichnungen, oder auch nad) bloßen 
Beitellungen verfertigen,, er fieht insbefondere in jedem Metclle hbäms 
mern, walzen, gießen, ſchleifen, feilen, rüffeln(canneliren),dreben, ſchmie⸗ 
den u. ſ. w., insbefondere aber kann er die Präcifion und Güte der häus 
fig Hier verfertigten Baummoll » Spinnmafcdinen bewundern. Was Üübris 
gens dieſe Fabrik in der verhältnigmäßig kurzen dreyjäbrigen Anlage, unter 
der zweckmäßigen Leitung eines vaterländifchen Mechanikers G:illo aus 
Zyrol, bereits geleiftet hat, davon haben fih Kenner und wohl auch 
das große Publicum bey Gelegenbeit der im Herbfte. 1835 Statt gefuns 
denen erften öfterr. öffentlichen Induſtrie-Ausſtellung überzeugen Eönnen, 
bey welcher die für Sachſen beftellte Spinnmaſchine auf 216 Spindeln, 
ferner die aufgeftellte Stredmafchine für Baummollfpinnereyen mit 6 


Spitemen und 5 Cylindern, endlich ber eingelieferte batteur-etaleur _ 


(spreader) dem öffentlichen Urtheile mit günftigem Erfolge ausgeitellt 
waren, wo bey man nicht überſehen barf, daß diefes großartige, fo vier 
fen Menfchen Brot verfhaffende Unternehmen kaum entftanden ift, das 


ber fich bey zweckmäßigem Verfahren ein noch weit höherer Auffhwung, 


zumahl bey dem zu hoffenden fortwährenden Wachsthume ber vaterläns 
difchen Fabrikation und des Öfterr. Handeld mit Grund erwarten läft. 
Powondra, Thomas Jof, geboren zu Kremfier in Mab: 
ren am 25. San. 1786, ftudirte die untern Schulen an dem Piariiten« 
Gymnaſium feiner Vaterftadt von 1796 — 1800, trat 1801 in den 


Piariften: Orden der böhmiſch-mähriſchen Ordens» Provinz, war 1802 


als Noviz und Cleriker des Ordens, Lehrer an der Hauptſchule zu Teips 
nikin Mähren, und 1803 zu Benefhau in Böhmen, dann 1804 
Lehrer der damahls fogenannten Princivien oder erften Tateinifchen 
Claſſe in Budmeis. Als Cleriker des Ordens fing er auch an, den pbi⸗ 
lofophifhen Studien in der Hauslehranftalt beyzuwohnen, die er dann 
nad) feinem Austritte aus dem Orden ald Privatſchüler Seendigte. 1805 
—6 ftudirte er zu Olmütz, und 180910 zu Wien die Theologie, 
nachdem er vor dem Abgange nah Wien die Aufnahme in tie Wie— 
ner Erzdiöcefe ſowohl, als in das dortige erzbifhöfliche Clericalfeminar 
erhalten hatte. Nach feiner am 2. Sept. 1810 erfolgten Ordination zum 
Priefter war er zuerft Cooperator an der Pfarre Pillich sdorf in der 


8 Po330.— Pradatis. 


Wiener Erzdißcefe, bis er im Mov. 1812 als Profeifor ber 
und Paftoraltheologie an das Lyceum zu Linz, und 1814 als 
feffor der Paftoraltpeofogie „ dann der Pädagogi nah Olmür 
tam, wo er erzbiſchöft. Conſiſtorialrath, und 1822 © 
thefar wurde; von bortiward P. 1823 als Beyſitzer der k. k. Stu ⸗ 
dien» Hofcommiflien, niederöfter,. Regierungtrath,, Director der phi⸗ 
loſophiſchen Studien und Präfes der phiſoſophiſchen Facultät 
Wien befördert. Am 4. März 1828 erhielt er durch eine 
fung des Kaifers Franz die Veſtimmung ald Dompropit mad 
Trient, mo er am 27. März 1832 flach. Seine Schriften find: 
Slick auf die literarifhe Bildung der Piariften »Novigen-zu Leipnik 
Andres Hesyerus, Jahrg. 1809. — Practifhe —— 
die vorſchriftmaͤßige Führung des Geſtions Protocols der in den k. 
deutſchen Erbſtaaten aufgeftellten Schuldiſtrictz-Aufſeher. In Frines 
theologifer Zeitfrift, Jahrg. 1815. — Überfihtstafel der in den 
& £ deutſchen Exbftaaten des öfterr. Kaifertpums für Chriften beftehen- 
ben entfräftenden Ehehinderniffe, eb. Jahrg. 1819. — Systema theo- 
logiae pastoralis, 5 Be. Wien 1818—19. vo 
P0330 (Puteus), Andr., vortheilhaft bekannter Maler, befons 
ders in Fresco, war den 30. Nov. 1642 zu Trient geboren, widmete 
fih dem Klofterfeben, und wurde 1665 Yayenbruder im Jeſuiten-Or⸗ 
den. Seinen eriten Unterricht erhielt erin Mailand, ftudirte dann 
in Genua und Rom, und begab fi endlih nah Wien, wo er 
feinen bleibenden Aufenthalt nahm, und dur feine Gefgii ‚in 
ber Perfpectiomalerey viele Aufträge erhielt, Leider bediente er ſich zu 
feinen Arbeiten wenig dauerhafter Farben, fo daf viele derfelben in der 
Länge der Zeit verblihen und eine Auffrifhung nöthig m; » 
farb zu Wien 1709. Unter feine vorzügliciten Werke geb in 
Wien: Plafond und Altäre in berJefuiten: (nun Univerfitäter) 
1834 durch den berühmten Krafft aufdas geiftreichfte wieder bergeftellt, 
Kuppel der Dominicanerkirche. — Das Arhitekturgemälde hinter dem 
Hochaltar der Franciscanerkirde., — Das Muttergottesbild und bie 
Kuppel derKirche zu St. Anna. — Die Dede des Naturalien:‘ 
Univerficätsgebäude, endlid) die Dece des groß en Saales im für. Liech⸗ 
tenſte im ſchen Gartenpalafte in der Roſſau. Außerdem hinterließ er auch 
— rin, Bamberg,Innsbrud, Trient Brirenuad. 
lenkmahle feiner Geſchicklichkeit durch Deckengemaälde und Altarblätter, 
Auch gab er ein vortreffliches Werk über Maler- ur ildh auerverſpe ⸗ 
tive in? Theilen mit vielen Kupferſtichen heraus, in er feine gros 
fen Kenntniffe in der Optik beurkundete, die erfte Ausgabe mit dem ber 
fen Abdrücken iſt lateiniſch und: itafienifh , 2 Bde. Rom 1693—1700, 
ihäge find noch die Auflagen 1702—17; 1734—41 und 1764. Mit 
telmäfiig, fait ſchlecht find die Nachſtiche mit lateiniſchem und deutſchem 
Terte, Augsb. 1706 oder 1719 u. ſ. w. Sein vorzüglichites Werk fol 
das Dedengemälde der Ignatiuscapelle in der Jefuskiche zu Ro m ſehn 
rachatitz, böhm.-Municipalitadt im Prachiner Kreife, in eis 
nem Bergthal, altmodiſch gebaut, mit 2,530 Einwohnern, ‚die 
ſich mit Viehzucht und Bramnrweinbrenneren befehäftigen. Die Stadt 





Dradiner Rreis. — Drälatenwabien. Ä 29 


it ein Schloß, eine Dechantkirche und trieb in früheren Zeiten ziem: 
b bedeutenden Handel nah Dfterreih und Bayern. 
Dradıner Kreis, in Böhmen , hat die größte Ausdehnung 
ıter allen böhmiſchen Kreifen, denn fein meift ebenes Areal beträgt 
geogr. I. M. Auf diefem von der Moldau und Wottawa durch⸗ 
:ömten Raume find 15 Städte (morunter die Kreisſtadt Pifef), 
2 Märkte und 985 Dörfer, weldhe von 256,600 Menſchen bes 
ohnt werden. Die Hauptnahrungszweige der Einwohner dieſes Kreifes 
id der Feldbau, wine mittelmäßige Viehzucht, in einigen Gegenden 
orzügih um Schlüffelburg) ſtarker Flachsbau, ein nicht unwichs 
jer Bergbau auf Eifen, mehrere Kunftgewerbe (befonvers die Papier⸗, 
las⸗ und Eifenwaaren:- Erzeugung), und ein ziemlich lebhafter Hans» 
I6betrieb. Von großer Wichtigkeit und Ausdehnung find die Waldun- 
n (Böhmerwald) in diefem Landſtriche, befonders an der bayerifchen 
range. Durch den ungebeuren Holzvorrath, welchen fie liefern, wird 
e Glas⸗ und Eifen » Erzeugung unterſtützt, und felbft in ihren beftes 
nden Umfange möglich gemacht; aber dennoch ift ein großer Theil ders 
[ben unbenügt, und zwar nicht in unwegfamer, waſſerloſen Gebir⸗ 
n, fondern in Gegenden, wo fon die Natur alle Mittel zu ihrer 
enützung bergeftellt, und folche felbft wefentlich erleichtert bat. 
Dradıyner , Peter, Bildhauer, geboren zu Prag, lernte 
e Unfangsgründe der Kunft bey feinem Vater, und verließ, durch 
jenes Genie ausgebildet, Prag, arbeitete dann zu Wien, Mans 
sim und London, überall mit fo viel Beyfall, daß ihn die Akade⸗ 
je zu Manheim mit einer filbernen und jene zu London mit einer 
deren Mebaille beehrte; er beſuchte aud Italien und Holland. Das 
be Alter feines Waters rief ihn in feine Heimath zurück, wo er noch 
'97 thätig war, und den 9. März 1807 farb. Unter feinen Kunfts 
erken zeichnet fih ganz vorzüglich Perſeus in Bronze aus. Don 
m find die Statuen auf dem Altare des Jefuskindes in der Pfarrkirs 
: zu Maria de Victoria auf der Kleinfeite inPrag. Ä 
Drälatenwablen. Wenn eine Prälatur erledigt ift, wird von 
ser abgeordneren Gubernial- oder Regierungscommiilion in dem Stifte 
e Inventur vorgenommen, bie Jurisdictionsfperre angelegt, und eine 
opifotifche QIemporal« Adminiitration aufgeftellt.” Eben fo ftellt das ' 
rdinariat, gewöhnlich in der Perfon bed Stiftspriors, einen Adminis 
ator in spiritualibus auf. Das Stift hat die Bewilligung zu einer 
uen Wahl bey dem Karfer anzufuchen. Sobald diefe erfolgt ift, wird 
e Wahltag einveritändlih von den landesfürftlihen Commiſſären, 
ıd dem Ordinariate beflimmt. Zur gehörigen Zeit verfügen ſich bie 
ndesfürftlichen und die bifchöflihen Commilfäre in das Stift. Die‘ 
:steren leiten die Wahl in der canonifhen Ordnung. Sie zeigen dann 
n canonifh &emwählten den fandesfürftliden Commiflären an, und 
enn diefe gegen die Perfon Eeine Einwentung haben, wird in ibrer 
jegenwart die Wahl publicirt, ber Gewählte, nachdem er feine Eins 
iſligung ertheilt hat, von den hiezu bevollmächtigren bifhöflichen Com» 
ifären fogleich beftäriget , worauf die Temporal-Inſtallation von 
eite Ser landesfürftlihen Commiſſäare folgt. 


270 . Sa aaa 


Prag, Bauptftadt des Königreichs Böhmen. m outig 
erfteg Ensfteben iſt mehr ein —— der Did) 
Die ©: a Libu —— — —— — 
d unternommenen lergange ausgerubt, und 
vomansifchen Moldaurhale nach in Stelle umgefehen, die 
Bau einer Stadt geeigner wäre, Die Fürftinn bemerkte zen 
die. einen Baum fülten, mit dem auf ihr Beftagen eröffneten 
ben eine Schwelle zu zimmern. Die Schwelle verheißt Glück, ı — 
Flrſtinn⸗ darum foll die Stadt Pra h oder Praha (oeutſch· Schwelle) 
heißen, Die deutſche Benennung Prag rührt baher von dem böhmir 
fen Worte „Prah* ber. Diefer Sage nad füllt die Gründung — 
Jahbt 723 der chriſtlichen Zeitrechnung. Nach andern Erzüh 
Daſchon 6I1 am Buße des heutigen Schloßderges von ben 


der Stadt gewirkt. haben. Nezampfl, Lib uffens Sohn / ſorgte für 
ihre Befeftigung, die auch bis 1242 unverändert blieb, Dieſe Befeſi 
gung erhielt eine bede utendere Geſtalt, als 1241 bie weltverwüftenben 
Tartaren durch Ungarn in Mähren eindrangen, und von dort aus B 
men zu verwüſten drohten. Nach einer wohl nicht ſehr kritiſch 
Zeitrechnung / foll die gegenwärtige fogenannte Altftadt 795 , alfe 72 ° 
Jahre fpäter ufs die Kleinfeite, angelegt worden ſeyn. Man nennt 
gegenwaͤrtig fogenannten St. Valentins - Plat als die Stelle, wo. 

die erſten Dacher der Altſtadt erhoben. Ihr Umfang blieb verhaͤltni 

Big lange Zeit befpränkt, denn ihre weitefte Ausdehnung vom Sieh 
gegen Diten war bis zu dem gegenwärtigen, Aftädter Ringe, 

die Gegend, wo jetzt die Theinkirche und der Königsbof ebenen 
aufer dem eigentlichen Umfreife der Stadt liegt. Daß fie fih ine 
mehr runtete, und aud im Inneren füllte, kommt auf Di der 
fteigenden Bevölkerung, und des Zufluffes von Ausländern, die 

ter den lebten Fürften des Przemyſllſchen Stammes, vorzüglich, 
aber unter Heinrich von Karnthen und Johann von Luremb: 
nad der Hauptftadt zogen, Erft unter Carl's IV. ruhmwürdiger 
gierung finden wir für Boͤhmen und beſonders für P. eine genauere Re⸗ 
chenſchaft, zu welcher Zeit dieſe Stadt den unlaͤugbarſien und beſten Quellen 
gemäß, beynabedenfelbentaum einnahm, den fie gegenwärtig umfaßt. Bey 
einer großen Landesnoth, wo eine Menge Menſchen dem Hungertode 
entgegenfaben, umſchloß er die Kleinfeite mit einer Mauer, vom ber 
ein großer Theil noch jest vorhanden it, und zog dadurch mehrere, 
früher außerhalb der Stadt beſindlich geweſene & zirke in ihren Um⸗ 
Ereis. Fünf Jahre fpäter (1353) vollendete er den Wiederaufbau der Alte 
fadt, welche 1316 unter feines Vaters Johann Regierung durch eine 
furdterlie Beuersbrunft in einen Steinpaufen verwandelt worden war, 
Schon früher (1348) legte er den Grund zur Neuftadt in ihrer — 
— Geſtalt, und vereinigte dadurch ebenfalls mehrere frühere Lande 


egirke, z. B. das Dorf Porfhis mir der Stadt. Nun erft erhielt der 
in der Stadt, öftlich der Moldau, den Nahmen, Altſtadt, im Ge, 

‚Henfage mit der neuen Stadt, die man auch anfangs die Carlitadt 

nannte, Bey Carl's Tode nahm P. ganz den dermapligen Raum eilt. 





Drag 271 


“ Die Huifiten « Unruhen (von 1420 an) trugen vieles bey, die Stadt ber 
deutend, obfchon zu ihrem bedauernswerthen Nachtheile, umzugeſtal⸗ 
ten. Nicht nur wurde fie durch die Zerftörung der meiften Klöiter und 
Kirchen ihrer vorzüglichften Zierde beraubt, fondern auch ein grofier Theil‘ 
der Kleinfeite, durch ein angelegted Feuer in dem noch beftebenden Sachs 
genbaufe, den Flammen geopfert. Schon 1501, 1504 und 1506 wurde 
abermahls ein großer Theil der Kleinfeite, die Plattnergaffe in der Alte 
ſtadt und der Porfhis auf der Meuftade in Aſche gelegt. Noch furcht⸗ 
barer wütbete 1541 eine Feuerdbrunft , melde die halbe Kleinykite,. 
den Hradſchin, das Eönigl. Schloß und die Domlirde zu Sr. Veit 
zerflörte. In diefem Brande ging auch die königl. Landtafel mit allen 
Urkunden unter.4653, ald eben der größte Theil des Volkes den feherlichen 
Eirhlihen Umgängen beywohnte, brad in der noch jett davon benann⸗ 
ten Brenntergaffe ein Feuer aus, welches 148 Haufer vernichtete. Der 
unglüdlichfte Zeitpunct in diefer Hinfiht war für die Altftade das Jahr 
1689, in welchem eine fürchterliche Feuersbrunſt in der Judenſtadt aus⸗ 
brach, wodurd nicht bloß diefe, fondern auch 760 Käufer und mehrere 
Kirchen auf der Altftade, ja felbft mehrere Gebäude der Neuftadt nebft 
dem Kapuzinerklofter verzehrt wurden. Schon 1707 brannte abermahls 
die lange Gaſſe in der Altitadt und der daran gränzente Theil der Neu⸗ 
fladt dis zum Neuthore ab. 1753 ging die ganze Judenſtadt, nebft 
einem Theile der langen Gaſſe, der Karpfen- und tie Plattnergaſſe zu 
Grunde. Ein glei trauriges Schidfal erlebte P. in der preußifchen 
Xelagerung 1757, wo der größte Theil der Altftatt, fo weit die feinds 
lihen Seuerfugeln reichen konnten, in Flammen aufgingen. Die letzte 
bedeutende Feuersbrunſt erlitt P. 1773 in der Judenſtadt, wobey 20 
Gebäude zu Grunde gingen. Daß diefe Verheerungen meiftens Verbefs 
ferungen der Gebäude, geradere Strafen herbeyführten, und dadurd 
zur Verfhörerung und größeren Feuerſicherheit beytrugen, iſt vorzügs 
lich fihtbar, wenn man jene Theile der Neuftadt und der Kleinfeite, 
die ein Opfer jener fürchrerlichen Feuersbrünſte wurden, mit den älteren 
vergleicht, die davon verfhont blieben. Die erfte kurze Belagerung und 
Eroberung der Stadt gefhah durh Kaifer Heinrihl. 929, wo er 
die dem Chriſtenthume feindfelige Fürſtinn Drabomira der Negents 
fhaft entfegte. Unter So leslaml. unternahm Kaifer Otto die 
zweyte Belagerung 950. Der Umſtand, daß die Böhmen hen früher 
bedungenen Tribut nicht mebr erlegen wollten, hatte diefen Krieg ber: 
beygeführt. P. wurde jedoch nicht ecobert, da fih Boles law zur Leis 
ftung der früher übernommenen DBerbindlichkeiten verftand. Binnen 5 
Jahren wurde fie ohne vorhergehende Belagerungen 3 Mahl eingenoms 
men: 1001 von dem früher vertriebenen Herzog Boleslaw III, 
1003 von deiien Gegner und Kronwerber Boledlam dem Polen und 
1005 von Jaromir, mit Bephülfe Kaiſer Heinrich's II. Auch 
Heinrich III. erfhien nad mehrjahrigem tapferen Widerftande der 
Böhmen unter Herzog Brzetislaw eJ. 1041, ald Zeind vor den Mauern 
P.'s. Ein friedlicher Vergleih kam jedoch einer gewaltfamen blutigen 
Eroberung zuvor. Ald fih 1141 day ganze herzogliche Haus gegen WI a- 
dislum Il. verſchworen und dem Herzog Conrad von Mähren die 





Drag 3 


| ‘ 
Störme bes Feindes zurlichwiefen. Beſonders rühmlich zeichneten fich die 
Stwirenden durd thätige Theilnahme an diefem MWertbeibigungskampfe 
aus. Im erften Drittel des 18. Jahrhunderts erbolte fid die Stade 
wieder. P. eritand aus feinen Trümmern, neue Kirchen wurden ges 
baut, neue Stiftungen gegründet, alles ſchien geheilt und vergüter, 
“als 1740 Kaifer Cart VI. ftarb, und neue Stürme über P. herr 
eindbraden. Schon 1741 fah diefes ein dreyfaches feindliches Heer, bes 
ftebend aus Sranzofen, Bayern und Sachſen vor feinen Mauern, Nur 
‚von 3,000 Mann Fußvolk und 60 Huſaren vertheidigt, mußte es ſich 
der flürmenden Ubermacht binnen wenigen Tagen (am 26. Nov.) erges 
ben. Obwohl die Bürger ſelbſt an diefem Kampfe Theilgenommen hatten, 
indem ſich deren 8,000 mit dem Heinen Häuflein befoldeter Krieger vers 
einigten, um die weitläufigen Mauern zu vertheidigen, fo blieb den⸗ 
noch die Stadt mit jeder Plünderung, oder fonfligen gewaltfamen Er⸗ 
preffung verfchont. Aber [hen im folgenden Jahre erfuhr P. ein 
defto traurigeres Schickſal. Der Breslauer Friede, welcher den König 
von Preußen und den Churfürften von Sachſen dem großen Bunde ges 


gen Maria Therefia entzog, geftattete den vaterländifchen Heeren, 


ſich gegen die Übrigen Feinde mit Vortheil Ti kehren, und vorzüglich 
wurde darauf gefeben, P., das Herz ded Landes, den Händen der 
Franzoſen zu entreißen. Allein der Marfhal Broglio und der durch 
feine Entſchlo fienbeit bekannte Belleisle trafen alle Öegenanftalten 
zu einer tapfern Vertheidigung, dieumfo länger dauerte, da die Ofters 
veicher, um die Stadt zu fchonen, die libergabe durch Aushungerung bes 
wirkten; und fo mußte P. alle Schreckniſſe und Leiden einer viermonath⸗ 
lihen Belagerung erdulden. Als endlich die Noch fo hoch geftiegen war, 
daß auch die letzten Pferde in der Stadt gefchlachter und verzehrt waren, 
befhloß Belleisle mit dem Überrefte des franzöfifchen Heeret (noch 
14,000 Mann) P. zu räumen, Er wählte dazu die Nacht vom 16. 
aufden 17. December. Nah2 Jahren (1744) ſah P. Friedrich II. von 
Preußen mit einem Heere von 100,000 Mann vor feinen Wällen. In 
wenigen Tagen lagen 140 Käufer der Neuftadt in Schutt und Trüm⸗ 
mern, unddie Stadt war in Beforgniß vor der unglaublichen Feſtig⸗ 
feit der Brückengewölbe. Der öfterreichifhe Anführer, Graf Harſch 
wellte fi nähmlich nur auf die Vertheidigung ber Kleinfeite befchrän» 
fen, und zu biefem Zwede einen Bogen der Brückel abtragen laffen. 
Dos Pflafter wurde aufgehoben und die Erbmafle, melde Klofter hoch 
das doppelte Gewölbe bedeckte, weggeräumt. Da fand fi aber diefes 
nach faft 400jähriger Dauer fo feft, daß die angeftrengteften Werfuche, 
ed zu durchbrechen, fruchtlos blieben. Übrigens hätte auch diefe Maß⸗ 
regel nichts geholfen, indem das feindliche Wurfgefhüg binnen Kurzem 
die Schleußen der bier gefehwellten Moldau zerftört hatte, worauf der 
Fluß fo tief fiel, daß man faft allenthalden durchzuwaten vermochte. 
Zehn Wochen darauf (am 26. Nov.) mußte, durch die glücklichen Brit: 
fehritte der vaterländifhen Waffen gezwungen, das preußifhe Heer P. 
wieder räumen. Es kam in der Stade feldft zum Gefechte, das fib an 
der Brücke am heftigiten entfpann, und woran felbft die Bürger Theil nah⸗ 
men. Gegen2,000 Sefangene, 132 Kanonen und 14 Mörler vanttien ie 
Deflerr. Nat. Encytl. Bd. IV- 8 ” 


— 





Drag. 275 
wurden einige Pfeiler der fo mailiven Brücke befhädigt, und mehrere 
Bebäude ganz weggefsült. Doch Eamen glücklicher Weife wenige Ein« 
wohner um, da ed nicht an edlen Männern fehlte, die mit Gefahr 
ihres eigenen Lebens das ihrer Mitbrüder vetieten. Für jene Unglückli⸗ 
chen aber, die bloß ihr Leben gerettet hatten, und fih nun dem Tode 
durd Hunger oder Broft Preis gegeben fahen, brachte der Wohlthätig- 
keitsſinn der Prager binnen Kurzem 10000 fl. zufammen, womit der drins 
gendſten Noth gefteuert wurde. Endlich find noch die Sabre 1799, 1814 
- and 1820 wegen bedeutender Waſſerhöhe zur Zeit des Eisganges, dann 
der 24. Zuny 1824 merkwürdig, wo die Moldau um 63 Ellen, und der 
29. San. 1830, wo der Fluß 53 Ellen die Normalhöhe überſtieg. — 
Unverganglicdy bleibt au in den Annalen Böhmens insbeſondere, und 
des Siterr, Staates Überhaupt, daß 1800 die Prager Hochſchule 800 
Studirende ald Vaterlandövertbeidiger zu der böhmifhen Legion des 
Erzherzog Carl ſtellte, die wie die Prager Landwehr » Bataillons 1809 
ihren edlen Patriotismus an den Tag legten ; fo lebt es in der Erinnerung 
aller Völler , welche an dem Befreyungskrieg 1813—15 und vorzlig« 
lich an den drey Riefenfhlachten bey Kulm, Dresden und Leipzig 
Theilgenommen, was P. in diefen verhängnißvollen Tagen an feinen unge: 

ählten Eranken und verwundeten Freunden und Feinden gethan bat. — 
—* pographie. P. liegt faſt in der Mitte Boͤhmens, unter 50° 5’ 18” 
nördlicher Breite und 32° 5° 0” öſtlicher Länge, an beyden Seiten, der 
Moldau, auf5 Bergen und in dem duch diefe gebildeten Thale. Über 
die Moldau führt die berühmte, 1790 Fuß lange, fleinerne Brüde, 
welde rei mit Statuen und Gruppen von Heiligen geziert und an 
beyden Enden mit alterthümlihen Thürmen verfeben iſt. Am rechten 
Ufer des Fluſſes gewahrt man die Altftads nebſt ber dazu gehörigen 
Judenſtadt und die Neuftabt; am linken ben Hradfchin.und die 
Kleinfeite. Nebft diefen wird auch die Bergftadt Wiffehrad, die 
. an die Neuftadt grängt, und das Dorf Smich oͤw am linken Ufer der 
Moldau zum Bereiche P.'s gerehnet. Mit allen diefen Theilen nimmt 
die Stadt einen Umfang von 4 Stunden ein. Sie befigt 54 Plaͤtze (wor⸗ 
unter ber große Ring in der Altftade, mit einer hoben Marienfüule und 
einem Spreingbrunnen geſchmückt, der Viehmarkt, der Roßmarkt, mit 
ber Neiterflatue des beil. Wenzel in der Neuftadt, der wälfhe Plaß 
in ber Kleinfeite und der Hradſchinplatz vor der Burg die ausgezeichnets 
fen find), 223 Gaſſen, 48 Kirhen, 15 Klöfter, 9 Synagogen, 
3,569 Häuſer und mit Einfchluß der Beſatzung 119,000 Einwohner 
(Czechen, Deutſche, Staliener und Sfraeliten). Die fhönften Stadt 
theile find die Neuſtadt, die Kleinfeite und der Hradſchin. Die Altſtadt 
it düfter und die Judenftade höchſt fhmusig. Won den Gebäuden zeich- 
nen fih aus: 1) In der Altfkade: Die herrliche Theinkirche, in ihrer 
jetigen Oeſtalt zu Anfang des 15. Jahrhunderts durch Prager Handels⸗ 
leute und König Georg von Podiebrad erbaut. 1819 vernictete 
der Blig den einen Thurm. Sie hat gute Gemälde von Screta. Die 
Grabmale Tycho Brahe's, des Hiſtorikes Hammerſchmid, des 
utraquiſtiſchen Bifhofed Auguftus Lucianus, dann ein ſchoͤn ges 
arbeiteted Basrelief ober dem Eingange find iehenewerth. — DE Male 


n 





Drag. 277 


hundert. Der jetzige Bau wurde unter Ferdinand J. begonnen, aber erſt 
1756 vollender. Bon dem alten Bau aus Carſ's IV. Zeitfind nur noch 
fbrig: Der fogenannte ſchwarze Thurm, der weiße Thurm und der Thurm 
Daliborka, nebſt der Gerichtsſtube mit einem alten Dedengemälbe, 
Sal o mon's Urtheildarftellend. An die Burg ſtoͤßt der gerdumige Schloß⸗ 
garten, mit ſehenswerthen Gewäͤchshaäͤuſern, und hinter derſelben ſteht 
das ſchöne Luſthaus, der irrigen Sage nad, Tyho Brah e's Obſerva⸗ 
torium. — Die Domkirche zu St. Veit. Sie iſt (mittelſt eines gedeckten 
Ganges mit der Burg verbunden) ebenfalls einWerk Carl's IV. und 
feines ritterlihen Vaterd, Mathias von Areas und Peter Arler 
de Polonia hießen die zwey Meifter , die diefen Wunderbau vollendes 
ten, deſſen Ebrfurcht erregende Formen wahrhaft: Staunen erzeugen. 
Das Eoloffale Zrescogemälde an der Vorderfeite ift von Profeifor & hor. 
Es murde 1757 ſtark befchädigt, und fonad von Hag er und Cramos 
lin reftaucirt. Der große Thurm wurde nicht nach dem urfprünglichen 
Plane ausgebaut. Im Schiffe der Kirche nimmt das Maufoleum aus 
Alabafter, das Rudolph II. feinen Vorfahren Über ihrer Gruft errich- 
ten ließ, die Aufmerkfamkeit in Anſpruch. An den Seiten diefes Erbbe: 
grabniſſes befinden fi in Basrelief die Bildniſſe Carl's IV. und feiner 
Semahlinnen, Wenzels IV., Ladislaus's, Georges von Pos 
biebrad, Marimilian’s II. und Ferdinand's L., die alle hier 
begraben liegen. Zahlreihe Dentmale böhmifher Zürften und berühmter 
Perfonen erfüllen fonft noch diefe Kirche, Die St. Wenzelscapelle, 
reich mit Vergoldung und böhmifchen Steinen ausgefhmüdt, enthält 
Bilder aus dem 14. Jahrhundert, mehrere Reliquien, Alterthümer und 
ben Leichnam desb. Wenzel, nebt feinem Helm, Schwert und Panzer. 
Ober dem Tabernakel des Hocaltares des St. Veitdomes befindet ſich 
ein Marienbild (angeblih von Holbein), die h. Johann Evanges 
Tift und Veit, von Thomas. Im Geitengange rechts ift das mehr 
pracht⸗ als gefhmacdoolle Grabmal des h. Jdohannes von Nepomuk, 
deſſen Zunge eigens in einem kryſtallenen Behaͤltniſſe verwahrt wird, zu 
feben. Die Gebeine des Heiligen ruhen in einem, von 4 großen und eben 
fo viel Eleineren filbernen Engeln getragenen Sarge. Die St. Siegmunds⸗ 
capelle bewahrt den berühmten großen metallenen Armleuchter, ein Werk 
bygantinifher Kunft. Auch verdient das große Moſaikbild, welches 
Carl IV. an der Kirchenwand verfertigen ließ, die Auferftebung der 
Zodten und die böhmifhen Landespatrone, nebft Earl und feiner Ges 
mahlinn Eliſabeth vorftellend, alle Beachtung. — Die erzbiſchoͤfliche 
Nefidenz it alterthümlich aber geſchmackvoll. — Die beyden fürſtlich 
Schwarzenber g'ſchen Palälte. — Das gräfl. Ezerninfhe Haus, 
mit guten Bcescomalereyen von Reiner. — Die St. Georgslirde, 
worin intereifante Denkmale böhmiſcher Regenten und zweyer Äbtiſſinnen 
aus königl. Geblüte. — Die Lorettofirche mit dem, dem Originale nachge⸗ 
bildeten heiligen Haufe. Sie enthält viele pradhtige Paramente. — Die 
Kirche zu Maria Himmelfahrt, dem Prämonftratenferftifte Strahbo w 
gehörig. Sie ift fehr freundlih und bewahrt die Überreſte des Stifters 
diejes Ordens, Erzbiſchofes Norbertvon Magdeburg. — 6) Auf 
den Wiffehrad: Die Kirche der Apofiel Peter und Paul unttak G⸗ 


273 tree 





ein Confervatorium der Mufik; ein Militär: Anaben:Er; 
ein Waifenhaus zu®t. Johann Baptift; ein italienifches Waifeninflir 
tut; ein Privat» Taubftummeninftitut; ein Inftitut für blinde 
eine Schwimmfchule 26.5 ferner das 1818 gegründete N: h 
(aus einer Bibliothek und aus einer Naturalienz, Munzen⸗ — 
raphiſchen Sammlung beſtebend); das k. k. Naturalien- Eabinetz eim 
— Geſellſchaft der Wiſſenſchaften eine dkonomiſche 
eine Privatgeſellſchaft patriotiſcher Kunſtfreunde zur — 
förderung der bildenden Kunſt, die ihre ſehens werthe Gemäldefamm- 
Tung in 15 Sälen aufgeftellt ‘bat; einen Verein für Kir ufiß; einen 
Verein zur Ermunterung des Gewerbsgeiftes in Böhmen; viele Biblies 
tbefen, worunter befonders jene des Stiftes Strabom, ber! 
herren mit dem rothen Stern und zu St, Thomas B 
nen; endlich mehrere Privatfammlungen. — Nicht minder h 
an gemeinnüßigen, wohlthätigen und Beiferungsanftalten, alsı. 
k. E Kranken» und Irrenhaus; das Gebärhaus; das Eur und 
chenhaus; das & k. Militärfpital; das Artilleriefpital; das 
barmherzigen Brüder; das Armenhofpital der Kreuzherren mit 
then Stern; das Hofpital ber Elifabethinernonnen; ber Frau 
ur Unterftügung weiblicher Kunftfertigkeitz das Armenhaus zu 
SaarthaLomänb; batRettungshans für Scheintodte; bas Stra 
St. Wenzel; dad Zucht; und Spinnhaus; bas Provinzial-Strafpaus 
am Meuftädter Rathhaufe; das Arbeitshaus u. a, befigt gegen- 
al 








wärtig 50 Babriken, naͤhmlich: 8 Eiorien- Kaffehfa 21 Kattun⸗ 
und Leinwanddruckereyen; 4 Fifchbeinreifieregen; 5 Handſchuh⸗/ 1 Leder, 
13 Liqueur; 2 Neu und Wafhblaufabriten; 1 Seidenzeug · 1 Steine 
gute, 1 Wollenzeugfabrif ; 1 Zuckerraffinerie und 1 Anı 

brif, — Die Stadt ift der Mittelpunct des Böhm, Handels und 
anfehnliche Speditionsgefchäfte. Seit 1828 werden hier jährlich bökm, 


⸗ 


pragmatiſche Sanction. 279 


Gewerböprobucte aufgeftellt. Die neue Pilfener Eiſenbahn, der große 
feit 1827 beftehende Wollmarkt vom 19.—26. Juny und die Zahrs 
märkte zu St. Wenceslaus, Maria Lichtmeß, St. Veit u. ſ. w. trar 
gen viel zur größeren Wohlhabenheit der Prager Bürger bey. — Der 
k. k. Schloßgarten, im franzöfifhen Gefhmade -angelegt, ber Garten 
des Srafen Waldflein- Wartenberg auf ber’ Kleinſeite, die Allee 
zwifhen der Alts und Neuftadt, der vielbeſuchte fhöne Baumgarten, 
die Kaifermühle, der Sternwald, die Anlagen des Fürſten Kinsky 
und des Freyh. v. Wimmer, der Stern (worin das Denkmal des Erz⸗ 
berzogs Carl), ber gräfl. Canal'ſche Garten vor dem Roßthore, die 
Schützeninſel oder Klein» Venedig, ein Eigenthum der Prager Schü—⸗ 
Lengildes Groß⸗Venedig der die Hebinfel, die Kärberinfel,' die Kö ps 
pel'ſche Inſel, der Ziskaberg, der eine prächtige Ausſicht darbiether, 
der weiße Berg, mit einer Wallfahrtskirche zum Andenken der: Schlacht 
von 1620 geziert, das Benedictinerſtift Brzewnomw, die fchöne 
Parkanlage Cibulka, das malerifhe Scharkathal bey Deg witz 
und das freundlihe Bubenetſch find die vorzüglichften Spaziergänge 
in P.'s reizender lmgebung. Zu den fonftigen Vergnügungen der 
Prager gehören die beyden Theater, ein Eoncertfaal, Redduten und’ 
Bälle. Höchſt merkwürdig find auch die religiöfen Volksfeſte, melde am 
15. und 16. May zu Ehren des böhm. Landespatrons Johann von 
Nepomuk und am 28, Sept. zu Ehren des heil. Wenzel, Herzogs 
von Böhmen, alljährlich abgehalten werden. | 
Pragmatiſche Sanction Kaifer Carl's VI vom 19. April 
. 1713. Kraft diefer weltberühmten Urkunde warb nicht nur bie durch 
. ältere Grundgefege eingeführte Untheilbarkeic der Öfterr. Erbflaaten beflä- 
tigt, - fondern aud die Erbfolge der vegierenden Dpnaftie nach den in 
jeder Linie derfelben damahls vorhandenen Perfonen beftimmt. Es ward 
nähmlich feitgefegt, daß, in Ermanglung wännliher Descendenten, 
die Succeflion fallen folle: 1) Auf die Erzberzoginnen, Kaifer Carl's 
Töchter; 2) auf die Erzberzoginnen, Kaiſer Joſe ph's Töchter, Kaifer 
Carl's Nichten; 3) auf die Erzherzoginnen Kaifer Leopold's Töch⸗ 
ter, Raifer Carl Schweitern, und endlih 4) auf alle abftammenden 
Erben beyderley Geſchlechtes, durchaus nach den Grundſaͤtzen der Pri⸗ 
mogenitur und Lineal⸗Succeſſion. — Durch die merkwürdige P. S. 
ward eigentlich nichts Neues eingeführt. Was den Punct der Untrenn⸗ 
barkeit der Erbſtaaten betrifft, ſo war dieſelbe in Oſterreich ſeit dem Pri⸗ 
vilegium Friedrich's J., in Ungarn und Böhmen aber durch uralte, 
ununterdrodene Gewohnheit hergebraht und durh Ferdinand's II. 
Teſtament beftätige, welche Beftätigung in der P. ©. eigentlich nur wies 
derholt wird. Die von Cart VI. erklärte Erbfolgeordnung war ebens 
falls den ohnehin beftehenden Grundfägen gemäß; denn felbft in Ungarn 
war das unter Qeopold’s I. Regierung 1687 anerkannte Erſtgeburts⸗ 
recht der Erzherzoge von Diterreich auf die Krone Ungarns ein urſprüng⸗ 
liches Recht des regierenden Stammes und die von Carl VI. feſtge⸗ 
fegte Erxbfolgeordnung mit der in den erſten Jahrhunderten des ungar. 
Keiches gewöhnlichen durchaus gleich. Bey Einführung der Könige 
würde ward daran nicht! geändert; nur flatt der bis dahin gebräuchlichen 





Drater in Win ©. 31 


nach verfchiedenen Richtungen durchſchnitten, beren eine, bie Hauptallee, 
2,500 Kl. lang, bi6 an daß jenfeitige Ende an der Donau zu dem 
zierlihen Jagdhauſe, das Lufthaus genannt, führt. Auch von biefem 
find noch 5 Duckhfchläge dur den Waid geführt, welche reizende ern» 
fihten gewähren. Ein feihter Arm ded Stromes zieht fih dur ben 
P. und ſchneidet die Hauptallee in gerader Richtung vom Lufthaufe ab, 
wo auch die Bäume in einen großen Kreis geſetzt, einen Abſchnitt bil 
den, dad Rondeau, auch die Umkehr genannt, weil die eigentliche 
elegante Pragerfahrt ſich nur bis dorthin erſtreckt und dann wieder zurück⸗ 
gebt. Überhaupt wird der P. im Allgemeinen in 3 Abtheilungen ges 
tbeilt, in den eleganten P., den in der Volksſprache fogenannten 
Wurſtel⸗ und den wilden P. — Im eriteren ıft die Hauptallee mit 
den 3 im Sommer fehr befuchten Kaffebbhäufern. Die Allee rechts ift für 
Reitende, jene links für Fußgeher beflimmt; die breite Bahn zwifchen 
beyden nehmen die Wagerein. Außerhalb der Allee rechts läuft eine fhone, 
mit einzelnen Baumgruppen befeßte Wiefe hin, auf welcher fich, befonders 
im Srühlinge und Herbſt zahlreiche Hirfche aufhalten, die ſich durch das 
nahe Treiben ni ht im Mindeften ftören laflen, ja fih nicht felten auch 
unter die Fußgänger miſchen. Obſchon die Promenaden jeden Sonntag im 
Frühling fehr zahlreich befucht find, fo ift doch jene am Ditermontag, 
nad) hergebrachter Sitte, die befuchtefte und glänzendfte. Gewoͤhnlich 
bilden da die Equipagen von dem rothen Thurme in der Stadt bis zum 
Rondeau eine ununterbrocdhene, langſam ſich bewegende Reihe von 
beynahe 2 Stunden Länge. Niemanden ift geftattet, Aus derſelben 
berauszufabren; ſelbſt der Hof fügt fi diefer, für Erhaltung ber 
Drdnung fehr zweckmäßigen Vorſchrift. Fußgeher find nicht felten an 
8,000 beyſammen, und rechnet man noch die Menge in andern Theilen 
des P., fo mögen an diefen Tagen wohl beh 20,000 Menſchen im 
FR verfammelt feyn. In diefem Theile befindet ſich auch der Circus Gymna⸗ 
icus, eine ſehr zierliche Arena mit Logen und Galerien zur Production 
für Runftreiter beftimmt; ein Panorama und andere dem Vergnügen 
gewidmete Gebände. Der fogenannte Wurftel:‘P., von den hier ihre 
MWefen treibenden Puppenfpielen (in Wien Wurftelfpiele genannt), ers 
ſtreckt fich links von der eleganten Seite in einer bedeutenden von Bäu⸗ 
men befegten Fläche, und enthält zahlloſe Bafthäufer, Schenken, Tur⸗ 
nier⸗ (Ringel) Spiele, rufifhe Schaukeln aller Art, Tafchenfpielerhüts 
ten, optifhe und Marionettentheater, Bogelfchießen, überhaupt alle 
Materialien zur Beluftigung des Volkes, das fi) denn bier auch an 
fhönen Sonntagen Nachmittags in Legionen verfammelt und feiner fro⸗ 
ben Laune ungehindert den Zügel fhiehen läßt. Hier ift auch der Tums 
melplag von Bänkelfängern, Harfeniften und Local-Improviſatoren, 
Dreborglern und Poſſenreißern aller Art, die wohl auch Gebildete vers 
loden, ihrem fröhlichen Treiben eine Zeitlang mit Vergnügen zuzufehen. 
Von der Jaͤgerzeile führt eine eigene Allee dahin, des in der Nabe ftes 
benden Feuerwerksgerüſtes wegen auch die Feuerwerksallee genannt. Der 
fogenannte wilde P. befteht aus den entfernteren Waldparthien mit den 
berrlihften Baumgruppen und Auen, weldhe befonders zu einfamen 
Morgenpromenaden ſehr geeignet find. Überhaupt find diefe Warkkien 





Dratobevera. — Draun. 283 


viele Batterien auf ber Simmeringer Heide der ganzen Umgegend ver: 
Eündet. Nach aufgehobener Tafel ritt und fuhr die gefammte hohe Ger 
felfhaft durch das ganze Garnifonslager, von fehallenden Vivatrufen 
begleitet, zurück, und die Mannfchaft Eehrte ebenfalls, nad reichlich 
genoſſenem Mahle unter Elingendem Spiele wieder In ihre Stand» 
quartiere. Man rechnet, daß an diefem feftlihen Abende allein an Zus 
ſchauern weit über 60,000 an der Zahl im P. verfammelt waren. 
Pratobevera, Ritter v. Wiesborn, Carl, Jof., Dr. der 
echte, Wicepräfident des E. E. Appellationsgerichtes in Ofterreich ob und 
unter der Enns, Beyſitzer der k. k. Hofcommiſſion in Juſtizgeſetz⸗ 
ſachen, Mitglied der juridiſchen Zacultät und im J. 1824 Rector 
Magnificus der Wiener Univerfität, einer der geachtetften und gründlich⸗ 
fien Rechtsgelehrten, ift geboren zu Bielitz in Ofterreichifch » Schlefien 
den 17. Febr. 1769, wo fein Vater, aus Como gebürtig, Kaufmann 
war. Er begann 1779 zu Teſchen feine Studien. Ald er die Huma⸗ 
nitätsclafen am dortigen Gymnaſium vollendet hatte, Tieß ihn fein 
Water die Philofophie an der Wiener Univerſität ftudiren, beftimmte ihn 
jedoh zum Kaufmannsſtande und rief ihn daher von Wien zurücd, 
2 Sahre verlebte P. zu Bielis bey der Handlung; da ihm aber diefer 
Stand nicht zufagtt, fo erbath er fid von feinem Vater, feine Studien 
fortfegen zu dürfen. Er hörte fonad zu Wien die juridifhen Fächer 
mit befonderer Auszeichnung, erlangte 1792 den juridifhen Dostorgrad 
und wurde hierauf 1793 ausübender Hofs und Gerichtsadvocat in Wien. 
Da er, an Galiziens Gränze geboren, auch der polnifhen Sprache 
Bundig war, und fhon damahls als gründlicher Rechtsgelehrter die Auf: 
merkjamkeit des Monarchen auf fi gezogen hatte, fo wurde er 1796 als 
Appellationsrath bey dem E. k. weftgaliz. Appellationggerichte in Krakau 
angeftellt, 1805 zur oberften Juſtizſtelle nah Wien zur Dienftleiftung 
berufen und 1806 zum wirkt. Hofrath bey diefer Hofftelle, dann zum Mits 
glied der Hofcommiſſion in Juſtizgeſetzſachen ernannt. Nachdem er feit 
1814 als Suftizreferent im Staatsratbe verwendet worden, ernannte 
ipn Kaifer Franz 1818 zum Wicepräjidenten des Appellationsgerichtes 
in Wien und verlieh ihm 1829, in Anerkennung feiner Verdienfte um 
das öftere. Juſtizweſen, den erbländifhen. Ritterfland. Er gab her⸗ 
aus: Die Rechte des Staates über Kirchen⸗ und geiftlihe Güter. Wien 
1792. — Materialien für Geſetzgebung und Rechtspflege in den öfterr. 
Staaten. 8 Bde, eb. 1814 — 23. Bey ber feit 1828 beftehenden 
Hofcommiſſion zur Revifion des Strafgeſetzbuches führt P. den Vorſitz. 
Praun, Georg Septim. Andr.v., Minifter und Präfident bes 
Kriegscollegiums zu Wolfenbüttel, war 1701 zu Wien geboren, wo 
er auch ftudirte, und fein Vater Agent verfchiedener beutfcher Reichsitände 
war. 1722 war er bereits Negierungsaifeffor in Ottingen, 1731 
trat er ald Juſtiz- und Hofgerichtsrarh in braunfchweig » wolfenbüttef: 
ſche Dienfte, und erlangte endlich duch Geſchäftskenntniſſe und eifrige 
Dienftleiftung die erwähnten ehrenvollen Stellen, mit welchen er auch 
1755— 66 die Leitung ber naffauifhen Regierungsangelegenheiten 
verband. Er ſtarb 1786 zu Braunfhweig. Im Drude erſchien von 
ihm (anonym): Gründliche Macricht von dem deutfhen Miünzwelen 





prap. 285 


dieſes Jahres. — Franz II. ernannte ihn zum Abt von Tornova. 
Er ftarb den 23. Sept. 1801 zu Peſth. — Seine Schriften waren 
durchaus biftorifchen, auch poetifhen und theologifchen Inhaltes. In den 
Iegteren iſt Duldſamkeit nicht die vorzüglichfte Eigenfchaft derfelben. In 
den poetifchen (deren erfted die Zalkenjagd zum Gegenitand hatte, und 
das mandıe eins DBarro und Columella würdige Stellen enthält), 
nimmt man viele Sorgfalt für den Versbau, viele.poerifhe Figuren, viele 
gefünftelte Wendungen wahr; im Ganzen find diefe Dichtungen gleichwohl 
profaifh. In keiner Provin; bes öſterr. Kaiferftaates jſt an allen Zweigen 
der vaterlandifhen Geſchichte mit fo vielem Fleiße, mit fo vieler Aus⸗ 
breitung,, mit ſolchem Patriotismus und eben darum mit folhem Err 
folge gearbeitet worden und wird noch gearbeitet, als in Ungarn, unb 
fo wie mit P. tie Morgenröthe einer glüclicheren Epoche diefer Arheiten- 
begann, hat er bis an feinen Tod die Palme unter feinen Nacheiferern bes 
bauptet. Unter P.'s vorzügligite Werke gebören; Annales veteres 
Hunnorum, Avarum et Hungarorum, Wien 1761. — Annales 
regum Hungariae, 5 Bde., eb. 1764—70. — Dissertat. in An- 
nal. Hunnorum etc., ed. 1774. — Historia regum Hungariae 
stirpis austriacae. Ofen 1799. — Historia regum Hungariae cum 
notitiis praeviis ad cognoscendum veterem regni statum perti- 
nentibus, eb. 1801. — Die kritifhen Abhandlungen in lat. Sprache: 
Uber das Leben der b. Elifaberb und Margareth, Töchter der ungar. Kös 
nige Andreas II., und Bela IV. — Über die h. Könige Ladislaus, 
Salomon und den Herzog, Emerich. — Über die alte Sitte, die ungar. 
Königinnen zu Erönen. — Über die @iegel der ungar. Könige und Könis 
ginnen (mit 10 Kupfert. herausg. durd Steph. Schönvisner. Ofen 
1805). — Ungar. Hierarchie (1777 — 79), deren 1. Theil das Erzbiss 
thum Gran mit feinem Quffraganate, der 2. das Erzbischum Colocza 
und das Parriarchat von Ippek enthält. Seine handſchriftlichen, nad 
1784 verfertigten Werke, vermadte er dem gelebrien Abbe Schön: 
visner, von weldem fie der Erzherzog: Palatin, Joſeph, an fich ges 
Eauft. Die vorzüglichften Gegenftande derfelben find außer den Diätals 
Acten von 1524— 1791: Eine Unterfuhung über den Urfprung und die 
ftufenmeife Ausbildung der ungar. Landtage. — Eine Gedichte des 
ſiebenb. Füriten Bethlen Gabor in 2Thlen. von 1621—31. — Briefe 
ungar. Großen von 1490— 1708, feitdem unter dem Titel: Episto- 
lae procerum regni Hungariae, 3 Bde., Prefburg 1806, im Drucke 
erfhienen. — Briefe der franzöfifhen Bothſchafter zu Conftantinos 
pel von 1538 — 58. — Inbegriff der Geſchichte des Reiches unter 
Joſeph, Leopold und Franz II. — Statiſtik und Diplomatif Un 
garns. — Miscellaneen in mehreren Bänden von dem widtigften Ins 
balte zur Beleuchtung der älteren Verhältniſſe Ungarns gegen das deut⸗ 
fhe Reid, der Bewegungen der Zapolya's unter den beyden letzten 
Sagellonen Wladislaw und Ludwig IL, um die Krone an fid 
zu reißen. — liber die Sreyheitsbriefe der Könige Andreas IL, 
Bela IV., und Andreas III. von 1231— 67 und 1298. — Üüber 
die Errichtung des Dradenortens durh König Siegmund 1408, 
— Die Übertragung der von eben diefem Könige zuerft feinem Obeim, 





Predazzo. — Prebaufer 237 


Über die Fehler der Erziebung, Braunſchweig 1802, find P.'s naturwiſſen⸗ 
fhaftliche und mathemarifche Abhandlungen in Qilbert!’s Annalen der 
Phyſik, in Gehlen’s Journal der Phyſik und Chemie und in Schweig⸗ 
ger's Journal der Phyſik enthalten. 1805 wurde feine Abhandlung: uͤber 
die Phyſik des Feuers, von der kön. hollaͤnd. Geſellſchaft der Wiſſen⸗ 
fhaften zu Harlem mit der goldenen Preismebaille gekrönt. — An 
größeren Werken diefer Faͤcher und in der Technologie find von ihm vors 
banden: Grundlehren der Chemie, in techniſcher Beziehung, 2 Bde. 
Wien 1813—15; 2. Aufl., eb. 1817. — Anleitung zur Beleuchtung 
mit Steinkohlengas, eb. 1817. — Praetifche Dioptrik oder Anleitung 
ur Verfertigung achromatifher Fernröhre. Mit Kupf., ed. 1828. — 
Technologiſche Encyklopädie, bisher 6 Bde. Stuttgart 1830— 35. — 
Seit 1820 redigirt er die Jahrbücher des polytechniſchen Inſtituts, worin 
viele Abhandlungen von ihm vorfommen. — P. ift Mitglied der k.k. 
Landwirehfchaftt-Gefellfhaften in Wien, Gräß, Laibachund Briinn, 
der Sefellfhaft für Naturwiſſenſchaft und Heiltunde zu Heidelberg, 
Ehrenmitglied der Akademie des Aderbaues, des Handels und der Küns 
fle in Verona, correfpond. Mitglied der Eon. bayer. Akademie der 
Willenfhaften, der Gefellfchaft zut Beförderung der nützlichen Künfte 
und ihrer Hülfswiſſenſchaften zu Frankfurt am Main, auswärtiges 
Mitglied des kön. polytechniſchen Vereines in Bayern, ordentliches Mit 
glied der Sefelfchaft zur Beförderung der gefammten Naturwiffenfchaften 
zu Marburg und des landwirthſchaftl. Vereines für Beförderung des 
Gewerbsfleißes in Preußen, der dfon. Sefellfhaft im Königreiche 
Sachſen, der märkifhen ökon. Gefellfhaft zu Potsdam, der allges 
meinen fchweizerifhen Sefellfchaft für die gefammten NaturwiZenſchaften, 
bes Apotheker: Vereines im Großherzogthume Baden, der fhiejifhen Ge⸗ 
ſellſchaft für vaterländ. Cultur und der Gefellfhaft zur Vervollkomm⸗ 
nung ber Künfte und Gewerbe zu Würzburg. 

Dreda330, tyrol. Dorf im Trienter Kreife, im Fleimsthale, iſt 
merkwürdig, weil 1828 in der Gegend, welche den Nahmen i Canzo- 
colli delle Coste führt, ein unerfchöpflisher Reichthum an den edelften 
Marmorgattungen entdedit wurde. | 
Prehauſer, Gottfr., Schaufpieler, vorzüglich in der einft fo 
beliebten Charakterrolle des Hannswurſt, war geboren zu Wien um 
1702. Er bildete fih nad dem Muſter Stranitzky's (ſ. d.) und trat 
1720 zuerit mit vielem Beyfalle auf. Trotz des Eigenthümlichen feiner 
Nolle, die er mit nicht gemeinem komiſchen Talente darftellte, ind welche 
das Ertemvoriren begünftigte, ja forderte, war P. doch ſehr für das res 
gelmäfige Schaufpiel eingenommen und er unterflüßte auf das eifrigfte 
das glückliche Talent Hafner's, welcher um diefe Zeit zu gleichem Zwecke 
wirkte. Alle Hannswurftrollen in deffen Stüden wurden von P. mit‘ 
dem größten Beyfalle dargeftellt. Große Vollkommenbeit erreichte P. in 
der mimifchen Ausbildung diefes Iuftigen Charakters. Er ftarb 1759 und 
mit ihm auch ber leßte eminente Darfteller diefer Rolle in Wien, wels 
ber Weis kern's Bemühungen,nur mehr ein kümmerliches Dafeyn friftes 
ten, und welche endlih um 1770 der Theaterunternehmer, Freyherr 
von Bender gänzlich von der Bühne verdrängte. 


28 Preisler. — Presnig: 


‚Preisler, Daniel, der Stammpater berrühmtich befanntenRünftlere 
familie diefes Nahmens, war geboren zu Prag 1627, ſtudirte daſeldſt 
und zeichnete ſich befonders als Porträts» und Kiftorienmaler aus. 

der Folge fiedelte er nah Dresden über, wo er auch flarb, 
Sohn, Zob. Daniel, geb. zu Dresden 1665,.gab die bekannte, 
noc) jest als Lehrbuch gefhägte Anleitung zur frepen Handzeichnung 


Prerau, mähr. Stadt im Prerauer Kreife, eine ber älteften Stäbte 
Mäprens, an der Beczwa, mit einem alten Vergfhloffe, har 438.Häur 
fer und 2,900 Einw. (worunter 285 Juden), eine Kirche, 
und ein Rathhaus, wo verfhiedene Merkwürdigkeiten aufbewahrt werben, 
als Nitterbelme, Panzer, Degen, Handſchuhe von ungeheurer Größe ıc. 

Prerauer Rreis, in Möhren, beiteht aus einem größeren jür 
fammenhängenden Landſtriche und aus Heineren Theilen, die theils von 
dem Olmüger, Hradifher, Teſchener und Troppauer Kreiſe, theils von 
5 und dem preußiſchen Herzogthume Sclefien umgeben und ber 
gränzt find. Zufammen enthalten alle diefe Kreistheile 644 geogr. Q. 
M., auf welchen 23 Städte mit der-Kreistabt Weiß kirch en, Märkte 
und 393 Dörfer mir 248,200 Einw. gezählt werden. Diefer Kreis iſt 
meiftens Mittelgebirg, hat eine bedeutende Höhle, das Gevaiterloch, und 
wird von mehreren Fluͤſſen: Marh, Oder, Oſtravicha, Hanna und 
Beczwa bewällert. — Der vorherrfpende Nahrungszweig ift die Lande 
wirthfhaft, welche auch großen Theils durch die Glite des Bodens fehr 
begüntige wird. Vefonders iſt dieß in dem füböfttichen Theile dieſes 
Kreifes, zwiſchen der Hradiſcher Kreisgränge und dem Beczwafluſſe der 
Ball, wo fid der vorzüglichſte Getreideboden befindet, Auch der Hause 
viehftand in bier nicht unbedeutend, obſchon im ganzen Kreife, verglis 
hen mit dem landwirthſchaftlich benüpten Boden, in einem zu geringen 
Verhaͤltniſſe. Das meifte Milchvieh wirdiin der Gegend um Fulneck und 
Neutitfhein (darum gewöhnlich das Kühländehen genannt) unterhals 
ten, und von bier aus auch ein ftarker Verkehr mit Fettwaare betrieben. 
In dem nähmlichen Theile des Kreiſes haden auch die Tuchmacherey und 
Wollenzeugfabrikation ihren Hauptſitz, die, nebft der Leinweberey, in 
diefem Kreife die ausgebreitetiten Kunſtgewerbe find. — Unter den Lande 
wirthſchafts zweigen ift die Bienen zucht von Bedeutung, und in keinem 
ber übrigen mährifchen Kreife wird fiefo ftark betrieben. Zu Chropin und 
Kremfier find Stutereyen und die Schweinzucht, wie die Federvieh ⸗ 
zucht, iſt im ganzen Kreife verbreitet. Außer Getreide und Buchweizen 
baut man auch viel Cein und Hanf, und die Erzeugniffe bavon werden 
großen Tpeils felbft hier verarbeitet. Endlich befhäftigt der Handel mit” 
den erzeugten Urftoffen und Kunftproducten eine große Anzahl Menſchen, 
theils unmittelbar, theild mittelbar durch Werführung berfelben in vers 
ſchiedene Gegenden. ’ 

Presnig, böhm. EBnigl, Vergftadt im Gaazer Kreife, nahe om 
der ſachſ. Gränze mit 368 Häufern und 2,700 Einw,, hat 2 Kirchen, 
verſchiedene Fabriken, ziemlich ſtarle SpigenElöppeley und. Eifenwerke 


in der Nähe, 





J 
preßburg. | 9 


Dreßburg, ungar. Eönigl. Frey⸗ und Krönungsftabt im Preß⸗ 
burger Comitat, in der neuen Geſchichte durch den, am 26. Dec. 1805 
hier zwifchen Ofterreich und Srankreich gefchloffenen Srieden denkwürdig, hat 
eine reizende Cage am linken Ufer der Donau, über welde hier die Caro» 
linenfchiffbrücke führt, welche auf 27 Kähnen ruht und 365 Schritte lang 
it. P. ift offen gebaut und zähle mit ven Vorftädten und dem Schloß⸗ 
grunde in 1,691 Häuſern (ohne Militär und Fremde) 35,200 Einwohner. 

‚- Der Zudermantel und der Schloßberg werden, ald Befitungen des Gra⸗ 
fen Palffy, irrig zur Stadt gerechnet. Sie hat 16 Pläge, 23 Kir 
chen und viele f[höne Palaͤſte. Bemerkenswerth find: Die Domkirche zu 
©: Martin, worin die ungar. Könige gekrönt werden, ein ehrwürdi⸗ 
ges Denkmal aus dem Mittelalter, mit einem reich vergoldeten Thurme - 
aus neuerer Zeit, welche die metallene Statue des heil. Martin von 
Raph. Donner unddie Gapelledesheil. Elemofinarius enthält; die 
uralte Franciscanerkirche, wo ter neugekrönte König einige Adelige zu 
Rittern ded goldenen Sporns ſchlägt; die Kreuzherrenkirche, die St. 
Salvator⸗ oder Jeſuitenkicche; das konigl. Schloß auf dem Schloßberge, 
einit eine Zierde der Stadt, iſt feit dem Brande von 1811 nicht wieder 
bergeftellt worden; das Comitathaus; das Landhaus oder die Kanımer, 
wo die Reichstage gehalten werben; das ftädrifhe Rathhaus; dann ber 

allait des Erzbifhofs und deffen Sommergebäude, der Palaft des Für⸗ 
Fi Sraffalkovich, das Theater und der von Maria Therefia 
» 1775 neu bergeftellte Königshügel, eine unbedeutende Anhöhe nächft der 
‚ Eaferne, auf welchem die Könige von Ungarn, gleich nad) der Krönung, 
das Schwert des heil. Stephan nach den vier Weltgegenden, zum Zeis 
chen der Vertheidigung des Reiche, ;u fhwingen pflegen. — SP. war bie 
Nefidenz des Erzbiihofs von Gran und Primas von lingarn. Es hat 
eine kaihol. Akademie und ein evangelifches Lyceum, welche beyde reiche 
Bibliotheken zc. befisen, ein Eathol. Archigymnaſium, ein Eathol. Ges 
minarium, ein Convict für arme Studirende, eine königl. National 
Mufterfhule, mehrere Zrivialfhulen, eine Mädchenbildungsanıtalt key 
den Motredamen, eine Synagoge, eine Bewahr⸗ und Bildungsanftalt 
für Heine Kinder, die große Bibliothek des Grafen Apponyi; — ein 
Vürgerfpital, ein Stadtlazareth, ein Krankenfpital der barmherzigen 
Brüder, ein Spital der Elifabethinernonnen, ein Krankenhaus der evan⸗ 
gelifhen Gemeinde, ein Zudenfpital und mehrere Verforgungs-Anftalten. 
— Auch die Gewerbsinduftrie verdient rüuhmliche Erwähnung. Man fin: 
det hier unter andern ein Seidenfilatorium, eine Geidenzeugmanufactur, 
Salpeterfiederegen, Roſoglio⸗ und Tabakfabriken 2c. Allgemein bekannt 
find die Preßburgerbeigel und das vortrefflihe Zwieback, welches felbft 
in fernen Gegenden Abfag findet. Der hiefige Speditionshandel mit un: 
garifhen Producten it wichtig. — Von ten zahlreichen Bergnügunges 

rtevn der freundlichen Umgebung P.'s find anzuführen: Die Brüdenau, 
am rechten Ufer der Donau, der Prater von P., mit einem ſchönen 
neuen Kaffehhauſe, mehreren Gafthäufern, einer Arena, Ringelfpielen, 
Schaukeln u. dgl.; der Schüler’fche Garten vor dem Oaisthore; Sant: 
Souci, wo man eine reizende Anficht der Stadt hat; die Apponyüſche 
oder Brasl’fhe Mühle in romantifcher Gegend ; der Calvarienberg; die 

Oeſterr. Nat. Encyli. Bd. tv. \ 


290 Prefburger Gefpanfhafs—Prießnig. 


Mühl — Eine Stund . liegt das Eifenbrünnel, ein 
—— tes Een⸗ NE fdönen 


baufe. 5 4 >,” 
reßburger Gefpanfhaft, in Ungarn, gränzt an bie Ne 
or Eomorner, Raaber und Wisfeitrger & hanfhaft, ie, ie 
Öfterr, Gränze, zwifhen den Slüfen Marh, Wang und Donau, 
hat. einen Bläbeninbalt von 82% S. M. In 5 königl. Brepkätten, 
30 Märkten, 281 Dörfern und 37 Prädien werben 233,450 Ein, z 
‚rähle, welche groͤßtentheils Ungarn, Stowaen und Deutſche find u 
fich meift zur kathol. Religion, bekennen, Das — irge nit 
bier feinen Anfang und durchläuft die ganze Gefpanfhaft, weiche 
‚gend viel faces Land hat. Die P. ©. erhält ihre Bewäfferung dur 
Slüfe: Donau (welde hier die fehr fruchtbare, AN Meilen fange und 7 
Meilen breite Infel, Schütt bilder); dur, die Mar, Wang, Dub: 
waag, Blawa, Chidra, Nudawa, Ejiis, Feketevi; und Penna; bann 
dur) die Bäche: Tyrnaubach, Cfade, Molina, Modra, IYana,. 
Ronawa, Sifak und Werrie. Die Geſpanſchaft wird-in 6 Gerichtsber 
zirke oder Proceffe eingetheilt. — Die Hauptnahrungszweige der Ein 
wohner find die verjdiedenen Zweige der Landwirthſchaft, der Hand 
und Kunſtgewerbe. Der Boden bringt vortrefjlihen. Wein hervor. 
Prevenbuber, Job, Adalb,, Infpector der Eifenhammerwerke 
zu Weyer in Oberöfterreich, it geboren 1770 zu Radmer in — 
mark, wo er 1790 nach dem Tode feines Vaters deſſen Stelle als Eifens 
werksverwefer erhielt. 1808 ernannte ihn Kaifer Granz zum wir 
Sufpectox der weitumfafenden Eifenwerke des k. E und hauptgemerkichai 
lichen Wirthihaftamtes zu Weyer. Grofier Eifer für feine Beru 
ſchafte, fo wie ungemeine Kenntniffe im Bergwefen zeichnen ihn auf das 
vorsheilbaftefte aus, Folgendes erfien im Drude von ihm: Verſuch 
einer Abhandlung, zur Erlangung mineralogifger Kenntniffe für ju 
Bergmänner in Bezug auf Eifen. Graͤt 1788. — Neue Veptr 13 
angehende Bergmänner ıc. eb. 1802. Auch lieferte er mehrere Auffüge in 
Molls Annalen der Berg: und Hüttenkunde. * 
— Dalent., war geboren in der Oberſteyermark ger 
gen Ende des 17. Jahrhunderts, vollendete feine Studien zu Gras und 
ftarb um 1750. ‚Seine vorzüglichſten Schriften ind: Annales Styren- 
ses. Nürnd. 1740. — Alt SteyermarE, eb, 1740. — Beſchreibung des 
Schloſſes Steyer. — Geſchichte der fteyerifhen Ottokare, — Genealogia 
Polheimiana. — Stemmatographia Familiarum Sang. Styrensis, 
Pribilinerfee, im, Lipsauer Comitat in Ungarn, liegt 3 Stun⸗ 
denvom DorfePribilena, oberhalb eines mächtigen Wafferfales, den 
man paflicen muß, wenn man,zum Gee- gelangen will, Belfen von uns 
gebeurer Öröße umgeben ihn. Deine größte Tiefe beträgt 200 Klafter, 
Prießnig, Dine., berühmter Wafferbeilkünftier zu Gräfen 
berg: bey Srepmwaldau in Oſierreichiſch-Schleſien, iſt geboren bafelbit 
1800. Seine Altern, wohlhabende Landleute, verſchafften ihm einen gus 
ten Schulunterriht und fpäter erhielt er Gelegenheit fih durd Umgang 
‚mit Perfonen aus höheren Ständen ſo auszubilden, daß er fich,vor den 
übrigen Bewohnern der Cofonie Gräfenderg vortbeilpaft auspeichnet. 


—* 





Drimes von Ungarn. 291 


Schon in feinem 17. Jahre beobadhtete P. mit Aufmerkfamkeit die guͤn⸗ 
flige Wirkung des kalten Wailers bey kleinen Verwundungen, Verſtauchun⸗ 
gen, Kopfſchmerzen, Teichten Entzündungen, rheumatiſchen und andern 
Ubeln. Diefe Beobachtungen ließen ihn weiter gehen, und da es in einer 
von Ärzten ziemlich entblößten Gegend nicht an Öelegenheit fehlen Eonnte, 
fein Verfahren auch gegen bedeutendere Krankheiten anzuwenden, fo wur» 
den feine Erfahrungen immer mehr ermeitert und beftätigt. Alfo ganz 
durch und aus fich ſelbſt, ohne mündlichen Unterricht, ohne aus Büchern 
fih Rath zu holen, fhuf P. fein Verfahren. Erſt in den fpätern Jahren 
las er Profeſſor DOrtels Schriften über den Gebrauch des Ealten Waffers, 
mit beffen Methode und fanguinifhem Eifer feine Beſcheidenheit ſich 
nicht befreunden konnte. — Noch nicht 19 Jahre alt, wurde P. fchon 
in entfernte Ortfchaften gerufen, wo zahlreihe Schaaren von Kranken, 
größtentheild aus der ärmeren Claſſe des Volkes, feine Hülfe in Anſpruch 
nahmen, Bald wuchs fein Ruf ald Warlerheillünftler, und au Wohle 
babende vertrauten feinen erfolgreihen Rathſchlägen, wiewohl er bey 
den meiften mit hartnäckigen und verjährten Übeln zu kümpfen hatte. Dieß 
konnte nicht unbemerkt bleiben. P. wurde belangt und der Pfufcherey be« 
ſchuldigt. Da die eingeleitete Unterſuchung aber ergab, daß er fi gar 
keines andern Heilmittels, als des Ealten Quellwaſſers bedient und durch 
dasfelbe viele Kranke, befonders an rheumatifchen und gictifhen Be⸗ 
ſchwerden Leidende, wirklich bergeftellt hatte, fo wurde ihm von der. 
Landesbehörde die Erlaubniß zur Fortſetzung feines Heilverfahrens geſtat⸗ 
tet. — Im Zahre 1826, wo ſich die Kranken zuerft zahlreich einfanden, 
umin Öräfenberg felbft zu wohnen und geheilt zu werden, erbaute 
P., nachdem er ſich bis dahin einer ganz einfachen Trogvorridhtung zum 
Baden bedient hatte, das fogenannte alte Badehaus. Es ift ein hölzer⸗ 
nes Gebäude mit 12 bewohnbaren Gemächern und enthält im Erdgefchofi 2 
ziemlic, große Badewannen. Da die Zahl der Befuchenden bald zunahm, 
fo wurden ſpäter noch 2- Wannen in einem einfahen, 30 Schritt von 
dem Badehauſe entfernten Hauschen aufgeftellt. 1832 wurde ein 
großes maſſives Wohn⸗ und Badehaus erbaut. — Die Quellen, wel 
che das Waſſer liefern, entfpringen auf der Spitze des Gräfenberges. — 
Obſchon P. beym Schwigen, Baden, Douden ıc. die nöthigen Rück 
fihten auf die verfchiedenen Krankheiten nidt aus den Augen ſetzt, fo 
bleibt es dach ratbfam, fich feinem Heilverfahren nicht unbedingt ohne ärzte 
licher Confultation zu unterziehen. 

Drimas von Ungarn undden bazu gehörigen Provinzen, und eben 
deßwegen der erite und vornehmfte Prälat in der gefammten öſterr. Mor 
narchie, it der Erzbifhof von Gran. Gewöhnlih wird zu diefer hohen 
geiftlihen Würde ein Bifhof, entfproifen aus einer der älteften und an« 
fehnlichiten Familien des Landes auserkoren, meiltens erfolge nach feis 
ner Ernennung, der Cardinalshut, und der feit 1630 damit verbundene 
Titel: Eminenz. Ihm kommt als Erzbifhof von Gran und Primas von 
Ungarn die fürftlihe Würde zu; er iſt oberfter Kanzler durch ganz Uns 
garın, des heil. apoftolifhen Stuhl Legatus natus, und des Graner 
Comitats immermwährender wirklicher Obergefpan. Er Erönt und falbt den 
König auf dem Reichstag, und in allen wichtigen uhligen ſowohl 


\ 


292 “ Primiffer, Aloys. 


als politiſchen Angelegenheiten, kommt fehr viel auf feine Einen, ) 
auf feinen Rath an; er figt im koͤnigl. Stattbaltereprath, wie auch bei 
dem oberſten Nevifionsgerichte, der Septemviraltafel, und unter ben Bep- 
fikern ber königl. — haͤngen zwey, ‚welde ber König befoldet, 
von feiner Ernennung ab, Er hat aus dem grauen Altertbum bas t 
noch übrig (eben fo, wie auch ned z. ®. die Bifdöfe von Naab und 
Agram) erzbifhöflihe Mannsiehen gu vergeben, und bamit zugleich 
feinen Aftervafallen (Praedialistae), welche aus Achtung für den Lehne: 
berin, vom landesfuͤrſtlichen Drepfigft, gleihwie auch bie erzbifhöflidhen 
Bauern, von aller Wegmauth frey find, die adeligen Vorrechte zu vers 
leihen, die jedoch nur innerhalb. der Gränzen feiner. Erpdidcefe gültig 
find, Seit uralten Zeiten war der P. des Reichs zugleich Reichs =' F 
Warbein, deſſen Vicar zu Kremnis auf.das Korn. und Schrot der 
neuen Münge Acht hatte; bafür-aber gewiſſe Emolumente (Pisetum | 
Pondus), oder zg.von jeder Mark Gold und Sin, einnahm. Auch nad 
heute wohnt ein, feit 1790 welt icher, vom Erzbiſchof beftellter Pifetar in 
dem dortigen alten Piferbaufe, deffen Amtspflicht aber nicht weiter reicht, 
als vierteljährig die Pifetgefülle abzuholen, deren Summe im Durch ⸗ 
ſchnitt aͤbrlich 13,000 fl. hach der Menge des geprägten Geldes eintuig. 
Primiffer, Aloys,.Euftos des & E. Antiken: und Miünz:Cabinets 
und der Ambrafer Sammlung, geboren zuSnnsbrud am 4. März 1796, 
kam 1806 mit feinem Re em lesben Sob. Bapt. P., 


nah Wien, wo er noch ald Studirender der Philoſophie diefem als 
büffe in ber Aufſicht der Ambvafer Sammlung bepgegeben wurde, Als 


diefer 1815 verftorben war, ‚erhielt er, unter Oberleitung bes Directors 
des k. k. Antiken- und Münz:Cabinets, die Anftellung als Euftos der Am⸗ 
Brafer Sammlung und bald darauf auch des genannten Cabinets. 1817 
wurde er nad) Tprol geſchickt, um das Befte von den 1800 noch zuräc- 
‚gelaffenen Ambrafer Altertblimern und Kunſtſachen nah Wien zu fdafs 
fen, worauf unter feiner Ceitung bie völlige, Aufitellung der Ambrafer 
Sammlung im untern Belvedere erfolgte, Er wurde der gelehrten Welt 
leider zu früh entrifen, als er eben im Face der altdeuiſchen Literatur 
und Kunft Ausgezeichnetes zu leifen begann, Er ftarb den 25. July 1827 
in Wien. Im Drucke hatte, er herausgegeben: Die k. k. Ambrafer 
Sammlung, Wien 1819. — Überfiht der Ambrafer Sommlung, eb. 1825. 
Auszug aus dem Vorigen.) — Den 2. Band der Sammlung altdeut: | 
ſcher Gedichte von Hagen und Büſching. Auch unter-dem Titel: Hel⸗ 
denbud, Berlin 1820. — Der Stammbaum des Haufes Habsburg-Dfterz, 
reich, nad den Driginalien der E k. Ambrafer Sammlung lithographirt, 
mit hiſtoriſchen und Kunſt⸗ Machrichten begleitet, Wien, 1820,— Ubrigens 
fehrviele gediegene Kunſt⸗ und Citeratur-Auffäge in Büſch in g's wöchent ⸗ 
lichen Nachrichten, in der Wiener Literaturzeitung, in ben Wiener Jahr⸗ 
büchern, wofelbft aud mehrere Necenfionen, In Hoͤrma hr's Geſchichte 
Wiens, Archiv und Taſchendücher lieferte er gleich falls intereflante Be: 

über alte Denkmaͤhler deutſcher Literatur und. Kunft: fo z. B. Freydals 
Turnierbuch; Sammlung altdeutſcher Gedichte von Marimilian I. und 
deſſen Memorienbuch, in den Jahrgängen 1820—23 des hiſtoriſchen 





- Drimiffer, Taffian.—Primiffer, Job. Bapt. 293 


Taſchenbuchs. Von P. ift ferner der Text zu Dürer’s Dreyeinigkeit von 
Sulie Mihes. 

Drimiffer, Taffien, Capitular und Archivar des Eifterzienfer: 
ſtiftes Stams in Tyrol, geborenzuPrad in Tyrol am 14. April 1735, 
zeigte von Jugend auf große Neigung für alte und neue Sprachen, 
vorzüglich für die Geſchichte und Geographie feines Waterlandes, fludirte 
zu ansbrud und trat am 21. Sept. 1755 in das Eifterzienferitift 
Stams; ordnete die dortige Bibliothef und wurde der Gefchichtfchreis 
ber feines Stiftes. Er verfaßte auch fehr viele genealogifche Tafeln; je 
doch fein frühzeitiger Zod am 19. Dec. 1771 hemmte feine literarifche 
Thätigkeit, deren Früchte in reichhaltigen Handſchriften zurückblieben. 

-Drimiffee, Gottfr., geboren zu Innsbruck 1785, Sohn des 
den 1. März 1812 verſtorbenen Friedrich P., Archivars und Secretaͤrs 
des tyroliſchen Guberniums zu Innsbruck, eines hellen Alterthums⸗ 
forſchers und glücklichen Dichters in tyroliſcher Mundarr, der durch fei- 
nen „Friedrich mit der leeren Taſche“ und ſeinen „Martin Sterzinger“ 
auch der vaterländifchen Bühne nicht unbekannt iſt. Gottfried P., Ads 
junct des königl. Neichdarchivs zu Münden, durd die Freygebigkeit 
der bayer. Regierung zu Gottingen und Heidelberg ausgebildet, 
ward fhon am 26. Sept. 1812 im 27. Lebensjahre den ſchönſten Hoffs 
nungen entrijfen. Er ſchrieb über fein Vaterland: Der WVenetianerfrieg 
unter dem Erzherzog Siegmund i. J. 1487. Mir Urkunden (im Sımms 
fer von Tyrol 1807 im 2. Bd. S. 97—280). — Über Heinrich den letz⸗ 
ten Rottenburger und fein Geſchlecht, eb. 1808. (4. Bd. ©. 267—302.) 
— Denkmäler der Kunft und des Altertbumes in der Kirche zum h. 
Kreuz (Hofkirche) zu Innsbruck, Innsbruck 1812 (mit der ausführli: 
hen Befhreibung des Cenotaphiums Kaiferd Marimilian I. und der 
dasfelbe umgebenden 28 Statuen mit 23 Abdildungen). — Denkwür⸗ 
digfeiten aus Innsbruck und feinen Umgebungen, 2 Thle. mit Kupf., 
ed. 1816; endlih, wiewohl ohne Vollensung‘ Di: verhängnißvolle Mes 
gierung Ludwig's des Brandenburgers und Margarethen der Maultajche, 

Drimifler, Job. Bapt., E E& Rath, Shloßhauptmann von 
Ambras, Profeifor der griehifhen Literatur in Innsbruck, Bruder 
Caffian’s und Vaiter von Aloys P., war geb. zu Prad am 23. Aug. 
1739, ſtudirte zu Innsbruck, machte eine Reiſe durch Italien und 
Frankreich, erhielt 1772 die Anſtellung als Schloßhauptmann in Am⸗ 
bras, ließ fi die Einrichtung der planlosdurd einander gemengten dor» 
tigen Sammlungen angelegen feyn , erbielt"1783 die Profeffur der grie⸗ 
chiſchen Literatur an der Univerjität zu Innsbruck und ward zugleich 
Bibliothekar dafeldit. Die Kriegsiahre 1796— 1805 waren für Ambras 
eine Zeit der Unruhe und Gefahr, wie auch der Flucht bald dahin, bald 
dorthin, bis 1805 der nody nicht gerettete Theil der Sammlung durd 
eine Konvention dem öfterr. Hofe erhaiten wurde. P. brachte das Ges 
rettete nah Wien und ftellte es mit vieler Sorgfalt und Mühe auf. 
Sein raftlofer Seit umfaßte viel mehr, als fein doppelter Beruf gefors 
dert hatte. Er ftudirte und ſchrieb viel über philofophifhe Gegenſtände. 
Sein handſchriftlich zurücgebliebener Nachlaß, worunter au fehr viel 
Philologifhes, umfaßte 18 Quartbände. Seine gedrucdten Schriften 


. iR; % dl - ) 10 JE 
294 Privatgef. d. bild. Rünfte in Prag. — Privitegienf 
Mapgssbeage 
find: t von dem k.k. Raritäten» Cabinet zu Ambras, 
en pars —— ede 
verbiz eb. 1794. — De syntaxi graeca libellus; «6. 
ned einige ‚Heine Schriften über, die Zriechiſche Aus ſprache und. 
-Eon on. P. farb zu Wien am 8. t. 1815. — 
0 — — atriotiſcher — 
— — ünſte in Prag. Diefe wurde 1830 | 
mehrere eunde mit, der, Beflimmung gegründet und von 
rang beflätige, durch Ankauf gelungener ——— 
diſcher Künſtler die Thätigkeit der Letzteren anzutegen und die Ip, 
me für bildende Kunft im Publicum zu verbreiten, Die. Hauptpun 
‚fen nad) dem. Mufter tes Wiener Kunft: Vereins gebildeten. Gefe 
beftehen in ber Hauptſache im. Folgenden: Der Verein: bilcet. 
Actien im Wege der — jeder Actionär verpflichtet‘ 
jährlichen Beptrage von 5 GuldenEM. Der Verein hat nach Me 
aus den fo.eben erwähnten Bepträgen gebildeten Fonds, bey 
ipen Austelungen an der &£& Akademie der bildenden Künfte 
Kun! anzukaufeu, welche der Vereinsausſchuß dazu geeign, 


















Werbeferungen im Gebiethe der Snduftrie, Im dem. öfterr, 4 
ſerthum wurde biefes Syſtem den ausfcliefenden Privilegien 
men, als Mittel, neue Erfindungen und Derbefferungen im 
der Indufirie zu begünftigen. Das, erfie Patent, das in Liefer 4 
„erfihlen, war vom 8. Dec. 1820. Das zweyte, nun allein 
UR.das vom 31. März 1832. Es handelt in 6 Ahjehnitten von dem 
fahren, das beobachtet werden muß zur Erlangung ausfeliefender 
wilegien, von den damit verbundenen Vortheilen und Begünfigı 
‚nom ber Dauer der Privilegien, ber zu erlegenben Taren, der 
@ungsark, dem Erls fen, des, Privilegien, kurz über alles, was 
fer Beziehung zu wiflen nöthig äft. Auch an Ausländer werben foldpe au 
Shließende Privilegien ertpeilt, nur ift damit nicht, das Recht 
den, weder zum Aufenthalte in ben öfter. Staaten, noch die, 
bürgerfhaft anzufpreben. Zur Erlangung eines ausfehliegenden 
giums muß der Bewerber fein Geſuch bey dem Kreisamte, in de 
airk ex fi aufhält, einreicen. Diejenigen Bewerber, die ſich In‘ 
ober Prag — "ade ihre Geſuche unmittelbar bey der f. 
nieberöfterr. Regierung, ober bey dem Eon, böhmifchen Gubernium einz 
reihen. In Ungarn werden die Geſuche dem competenten Viceg 
» oder dem Stadtniagiftrate Tibergeben, was auch bey allen öfter, 
den durch Bevollmäctigte gefhehen Eann. In den Gefuhen muß 
Aeſentliche ber Erfindung oder ter Verbeſſerung und die Zahl der Sal | 









Drivilegienfyftem. 295 


angegeben werden, auf welche mandas Privilegium zu erhalten wuͤnſcht; 
zugleih muß auch bemerkt werden, ob der Patentwerber feine Erfindung 
geheim zu halten wünſcht. Die Formulare zu dem Geſuche der Privile: 
gienwerber find dem Patente bengefügt, eine Erleichterung für. die Bitt: 
ſteller, die jede Schwierigkeit bey der Abfaſſung befeitigt. Die Hälfte 
der ausfallenden Taxe muß gleich erlegt, und eine verfiegelte genaue 
Befchreibung der Erfindung oder Verbeiferung dem Geſuche beygelegt 
werden. Die Staatsverwaltung läßt ſich in Beine Beurtheilung über 
die Neuheit oder die! Möglichkeit der Erfindung ein, fie entſcheidet nur, 
ob diefelde in Sanitätsz oder polizeylicher Hinficht, oder fonft den Lan⸗ 
desgefegen nicht zuwider ſey, und in ſolchen Fällen fteht dem Bewerber 
der Recurs an die £. &. allg. Hoffammer offen. Auf Bereitung vonMahrungs⸗ 
mitteln, Getränken und Arzneyen wird kein Privilegium verlieben. Die 
Vortheile und Befugniffe, die aus dem. erlangten Privilegium entfteben, 
find, daß dadfelbe dem. Privilegirten den ausfchließenden Gebrauch feiner 
Erfindung oder Verbeſſerung zuſichert „ für die Dauer der Jahre, auf 
welche das Privilegium lautet. Auch iſt der Privilegirte berechtiger, alle 
jene Werkflätten zu errichten, und fo viele Arbeiter aufzunehmen, als 
er zur Ausübung des Gegenflandes des Privilegiums in der beliekigften 
Ausdehnung für nöthig erachtet; auch können in der ganzen Monarchie 
Etabliffements und Niederlagen zur Verfertigung und zum Verſchleiße 
der privilegirten Erzeugniffe gegründet werden. Doc find bey diefen all« 
gemeinen Vorſchriften einige Ausnahmen zu beobachten, wie z. ®. daß 
eine neue Erfindung im Fache der Typograpbie den Erfinder nicht berech⸗ 
tigt, felbft eine Buchdrucerey zu errichten; in folhem Kalle müßte ver 
fi mit einem befugten Buchdrucker vereinigen. Die Gründung von Ac⸗ 
tiengeſellſchaften, in ſo fern fie durch ihre Statuten den Landesgeſetzen 
nicht widerftreiten, iſt erlaubt zur Ausführung ber Erfindungen. Die 
Landesgeſetze ſchützen den Privilegirten gegen alle Eingriffe in feine Vors 
rechte, gegen alle ungefeklihen Befchrankungen im Vollgenuße feines 
erlangten Rechtes. Die höchſte Dauer eines ausfchließenden Privilegiums 
it auf 15 Sabre feftgefegt. Um dem Erfinder die vorläufige Erle: 
gung der Taxe zu erleichtern , ift demfelben auch geftattet, um eine ge: 
ringere Zahl von Jahren anzuſuchen, vor deren Ablauf er um die Vers 
längerung bis auf bödftend 15 Jahre einfchreiten kann. Die Ta— 
en find nech dem Verhältniſſe der Dauer der Privilegien zu entrichten, 
und die halbe Tare kann ratenweife nachgetragen werden. Für jedes der 
erften 5 Jahre ift eine jährliche Zare von zehn Gulden C. M., für das 
6. Jahr fünfzehn Gulden C. M. zu bezahlen, und fo fteigt die Ta- 
re mit der weiteren Dauer des Privilegiums alljährlih um fünf Gulden 
C. M., fo daß diefelde für das 15. Jahr fehzig Gulden C. M., 
folglich die ganze Tare für ein auf 15 Jahre bemirkted Privilegium 
425 Gulden C. M. beträgt. Die Einhebung und Verrechnung der Pri: 
vilegien-Taren iſt durdy eine Snftruction vom 19. Auguft 1824 regulirt. 
Die Kundmachungen der Privilegien werden in den Zeitungen einges 
rückt, fo wie auch die Erlöfhungen der Privilegien in den Zeitungen öffent: 
lid bekannt gemacht , wornach die Benützung des patentirt gewefenen 
Segenftandes frey gegeben wird. Die Driginalbefhreibungen werten um 


? 
v⸗ 


296 ___ Privig..— Prodaska, Scans Fauſtin. 


& &polptechnifhen Inſtitut. ahrt, und die Einfiht de 
ſteht Jedermann frey. Die verliehenen Privilegien werden in 

bey den Behörden eingetragen, um jeden, ber in Privilegiun 
bält, in den Stand zu fegen, zu feiner. eigenen 

ertheilten Privilegien durchſeben zu Können. Eingri 


Dresden in die Schule des bekannten Malers Car! Miho 
welchem er 4 Jahre zubrachte. Dann begab er. fh auf Reifen 
Fürftenvon Schwarzenberg, mitweldem er beynahe gan, Ital— 
Deutſchland und alle öfter. Staaten durcpreifte und viele fhdnkate 8. 
nungen fammelte. Mit diefer Sammlung, Eehrte er wieder in feine, Was 
terftadt zurüd, und fing an nerfciedene Gemälde zu verfertigen ,_ 
vielen Beyfall fanden. P. arbeitete nah Piazzetta, Sivaliunb. 
in Fresco und in Obl. Er ftarb am.15. April IRES Prag 
Proaske, Franz Sauflin, Di.der Pbilofophie, £ 
verfitätd = Bibliothekar. und Director der ſaͤmmtlich 
Böhmen, dann E, k. Bucher-Cenſor, einer der glil 


er die — 
Hierauf ſchrieb er: De saecularibus liberalium artium in Boh 
eMoravia fatis commentarius; Prag 1782, — Miscellaneen der 





Drodhasfa Georg. — Prochaska, 30H. Freyh. v. 297 


mifchen und mährifchen Riteratur, eb. 1784. — Dieb. Schrift des neuen 
Zeftaments, durchgängig mit Erklärungen verfeben; in böhm. Spra— 
de, eb 1786. Auch veranftaltete er 1786 eine neue Auflageder Bunz- 
lauer böhmifchen Chronik aus dem 14. Jahrhundert, die insgemein dem 
Dalee mil zugefchrieben wird und anderer alter böhm. Bücher, meiltens 
Überfegungen aus dem Lateinifhen. 1804 erfhien von ihm zu Prag 
eine neue böhm. Überſetzung der ganzen h. Schrift alten und neuen Tes 
ftaments, mit Erklärungen. - 
Prochaska, Georg, Dr. der Philofophie und.der Medicin, k.k. 
nied. öfterr. Regierungsrath, emeritirter ord. öff. Profeſſor der höhern 
Anatomie, ber Phyſiologie und der Augenheilkunde an der Univerfität 
ju Wien, wirkl. und correfpondirendes Mitglied mehrerer ins und 
ausländifcher gelehrter Geſellſchaften, war geboren zu Lispitz in Mäh— 
‚ren den 10. April 1749. Nach vollendeten‘ Vorftudien kam P. an die 
Wiener Univerfität, ftudirte daſelbſt die Arzneywiſſenſchaft und wurde 
1776 zum Doctor promovirt. Durch die Verwendung ded Profelfors Dr. 
Haen wurde er deifen Allıftent der Spitalpractik. 1778 erhielt P. durch 
. Begünftigung ded damahligen Leibarztes Freyh. von Störkdie außer: 
ordentliche Profeffur der Anatomie an.der hoben Schule zu Wien und 
noch im felben Jahre das ord. öff. Lehramt der Zergliederungsfunde, der 
Phyſiologie und der Augenheillunde an der Prager Univerjität, 1791 
aber wurde er in gleicher Eigenfchaft zu jener in Wien überfegt, mo er 
fi durch Tangiährigen Unterricht auf das lobenswürdigfte auszeichnete. 
Zum Lohne feiner Verdienfte wurde er 1805 zum nied. öflerr. Regie⸗ 
rungsrath erhoben. Er ftarb (feit 1819 im Nudefland) zu Wien den 
17. July 1820. Außer gründlicher Gelehrſamkeit in feinen Bädern bes 
ſaß P. aud nit gemeing. Kenntniife in der Muſik, ferner war er auch 
ein braver Zeichner und; malte Porträts und Landfchaftenin Ohl. Seine 
wichtigften Schriften find: Controversae quaestiones physiologicae 
quae vires cordis et motum sanguinis per vasa anımalia concer- 
nunt, Wien 1778. — De structura nervorum, tractatus anato- 
micus etc, eb. 1778, Prag 1779. — Adnotat. academicae., 3 Thle. 
Prag 1780—84. — Beobachtungen über die in den Wafferblafen der 
Thiere erzeugten Snfeckem,. eb. 1791.— Opera minora anat. physiol. 
et pathol. argumenti; 2 Bde. Wien 1800. — Lehrfäge aus der Phys 
fiologie des Menſchen, 2 Bde. eb. 1797. 2. verm. und verbeif. Aufl. eb. 
1802. 3. verb. Aufl. eb. 1810.—Institutiones Physiologiae huma- 
nae, 2 Bde. ed. 1805—6. — Disquisitio anat, physiol. organismi 
corp. humani, eb. 1812. — Darftellung des polarifhen Naturgefes 
bes, eb. 1815. Auch lieferte er mehrere wiſſenſchaftliche Abhand: 
lungen und Auffäge in die Wienerifhen Beyträge zur practifchen Arz⸗ 
neytunde, bie Abhandlungen der kön. böhmiſchen Geſellſchaft ber Willen: 
fhaften und der k. k. Joſephiniſchen medic. chirurgiſchen Akademie und 
in Johen's arzneywiſſenſchaftliche Auffäge böhm. Gelehrten. 
Drodasfa, Job., Sreyb. v., k. k. wirkt. geb. Rath, aud 
Hofkriegsrarh, Heldmarfhall:lieutenant, Chef des General: Quartier: 
meifterftabs, Inhaber des Infanterie: Hegiments Nr. 38, Comman: 
deur des Eaif. öfterr. Leopolds, Nitter des Mariens{herelen:, der io. 





Prochaska, Jod. Andr. — Procopius. 239 


er zum Chef-de6 Generalitabes befördert, bald darauf wurde er Feld⸗ 
marſchall⸗Lieutenant und. ed gelang ibm, an dem ruhmvollen Zuge vom 
6. July dem feindlihen Sturme auf Aderklaa Trotz zu brechen, und 
unter dem verheerenden Geſchützfeuer bis in das Alignement von Süſ—⸗ 
fenbrunn vorzudringen, um mit dem von Stammersdorf vorrü« 
enden 3. Armeecorps fih in Verbindung zu feßen. Seine nadfolgen: 
de Friedensanftelung war als InfanteriesÄnfpectoriu Mähren bis 1812, 
wo er bey Aufitelung eines Hülfscorps und einer Reſerve in Galizien, 
u der letzten mit einer Infanterie⸗Diviſion ſtieß, welche er nachher im 
—*6 1813 zu den an Bohmens Graͤnze ſich ſammelnden oͤſterr. Streit⸗ 
kräften führte. — Kaiſer Franz ernannte ihn dort zum Verweſer des 
Armee⸗Genexal: Commando's, und im Augenblicke, als die verbündeten 
Heere zum Übergange über den Rhein und zum Einfall in Frankreich ſich 
anſchickten, übertrug ihm der Kaiſer zu Frankfurt am 2. Dec. die 
Stelle des Generel⸗Intendanten ſoaͤmmtlicher ofterr. Heere. Die hierbey 
geleiſteten Dienſte belohnte der Kaiſer zu Paris im April 1814 durch 
Verleihung des Commandeurkreuzes des Leopold Ordens, durch Ernen⸗ 
nung zum £.E Hofkriegsrathe, und endlich im Jaͤn. 1815 durch jene 
zum Inhaber vom 3. italienifhen Snfanterie:Regimente Nr. 38, Auch 
wurde er in den Srepberinftand erhoben und die verbündeten Monarchen 
würdigten ihn ihres Wohlwollens und fhmüdten ibn mit ihren Orden. 
Bey Wiederausbruch des Krieges 1815 beforgte er abermabls die Oblie⸗ 
genheiten des General:Intendanten der Hauptarmee, bis er im ‚October 
den Befehl erhielt, an den höhern Standpunct feiner Wirkſamkeit, bey 
dem £. k. Hofkriegsrathe zurückzukehren. Durd Handbillet vom 16. Aug. 
-1816 erfolgte feine Ernennung zum Chef des £. £. Generals Quartier: 
meiiterftabed, und am 26. Nov. 1819 die ehrenvolle Aufnahme in die 
Zahl der wirkt. geheimen Raͤthe. Eine kurze Krankheit fette ſei⸗ 
—ãA im Alter von 63 Jahren am 24. April 1824 ein zu frü— 
ed Ziel... . W 
Prochaska, Joh. Andreas, Landrechtsſecretaͤr zu Tarnow in 
Galizien, geb. zu Eger in Böhmen 1777, ſtudirte die Rechtswiſſen⸗ 
fhaften zu Prag und erwarb fi die Wahlfühigkeit zu den Cathego— 
rien eines politifhen, ‚Civil s und Criminalrichters, betrat bey dem böhm. 
Appellationsgerichte in Prag die öffentlihe Laufbahn ald Acceffift in der 
Kanzleypraris am 16. Febr. 1797, wurde dann Auſcultant bey dem 
dortigen Landrechte, wo er vom 22. Movember 1798 bis zu feiner Ers 
nennung als Bürgermeijter der böhm, Leibgedingſtadt Melnik am 8, 
San. 1803 diente. In der Kolge bewarb er ſich wieder um landesfürſt⸗ 
liche Dienfte, und wurde im July 1808 Landrechtsſecretär in Prag und 
im April 1817 zu Tarnow, wo er am 21. Sept. 1829 farb. Sei⸗ 
ne Schriften find: Handworterbuch des ftreitigen Richteramted, 2Bde. 
Prag 1818. — Handwörterbuch des adeligen Richteramtes, eh. .1820. 
Drocopius, Andreas, der Geſchorne(Holy, rasus) auch von 
feinen Gefaährten dor Große genannt, ein berühmter Anführer der 
Huſſiten, des furdtbaren Zis ba Hahfolger, war um 1400 zu 
Prag aus adeligem Geſchlechte geboren. Früh verwaiſt, nahm fich 
ein Obeim feiner an, ließ ihn ftutiren und nahm ihn amt Keine Ailen. 


302 Producte 


Donau und Theiß hlufig. — Federvieh wird in den en Provin, 
haufenweife gehalten; vorzüglich Böhmen — — 
übner; bie Lombardie, wo auch das Perlhuhn einheimiſch iſt, das 
Sand unter der Enns, die Eifenburger und Odenkürger Comitate Hüb- 
ner; Kavaunen Steyermark; Bafanen Böhmen; Tauben bie Lombardie 
und das Land ob der Enns; Gänfe und Enten Galizien, Böhmen und 
Mipren; Canarienvögel, vieleicht die ftärkfte europäifhe Zucht unters 
halt Im ft in Tyrol und dann Vorarlberg. — Fiſche und zwar — 
als Thunfiiche, Zahnfiſche, Schollen, Makrelen und Sardellen, 

das adriatifche Meer; die Auftern von Wenedig find berühmt. Fluß⸗ 
fiſche, als Saufen, wohl 15 Eentner fg wer, und Zitteraafe finden ſich 
in der Donau; Lachſe im der Weichfel, Elbe und Moldau ; Kropfs 
und Zabnfiihe zu 20 Pf. im Plattenfee; Tiefifche und Karpfen in ber 
Donau, Theif und Maros; Lachsforellen in derWaag und Drau j Hechte bis 
40 Pf. ſchwer, im See Lubos; Barſche und Karauſchen in den böhmis 
fhen und mährifen Btüffen; Borellen, im Traun, Aber- undEjirkniterfee; 
Priflen im Hallftädterfee; Gründlinge im Gründelfee; Salblingeund 
Krebſe in der Mar, Leitha und den fteyerifhen Seen; Lampreten 
den fombardifhen Gewaͤſſern. — Die Bäde von Ungarn, bes Lan 
unter und ob der Enns und Böhmen führen Perlenmufheln. Die ber 
fen hat man. in der Warawa, Moldau, Jiz, Velika und im obere 
Öfterreichifchen Keſſelbache gefunden. In der Moldau fifht man jährlich 
3—400 Stüd von feltener Schoͤnheit. Korallen breden an den 
Küften Dalmatiens. — Bienen haben zwar alle Provinzen, befonders 
aber Siebenbürgen, Unterftepermark und Kärnthen, wo Bi 

bäpfig gebaut wird, das Banat, &lavonien, Ungarn, die Militärs 
gtänge, Galgien, Dalmatien und die Combardie; Gallwefben Ungarn, 
Iſtrien, die Bukowina. — Codenille (coccas polonicus) wird am 
Weggrafe in Galizien häufig gefammelt und zur Farbe angewendet, die 
der Orient zum Rörhen der Roßſchweife und der Nägel der Frauen ver 
braucht; 1 Pfund reicht hin, um 20 Pfund Wolle zu röthen. — Das 
Vaterland der Seidenwürmer it feis langer Zeit die Lombarbie, von 
da haben fie ſich in Tyrol und Friaul, und nun aud in Sfavonien, Un⸗ 
garn und Dalmatien verbreitet, — Canthariden oder ſpaniſche 

find eln Product ber Zempliners, ' värer- und Särofer Comitate, 
bron in Deutfchländ das Pfund 

Schnecken werden in der Combarbie, im Almaferthale,' bey Ka 

bes in Ungarn, auf dem Felſen von Duin (bier find fie fi 

febr ſchmackhaft) / in Steyermarl und Vorariberg gezogen; Bluden 
und Sonnenberg verdienen mit Mäftung diejer Thitre fi 
20,000 Gulden. — 2) Aus dem Pfl nreiche. Getreide wird 
nicht bloß zum Bedarf, fondern mit Ausnahme der Gerfte auch zur Aus- 
fubr gebaut, Dod ernten das nörblihe Ungarn, wo Haferbrot nicht 
felten iſt, Oberfteyermarf, der Salzburger Kreis, Kärnthen, die Seeküfte, 
Datmatien, Tprol, Sy) ‚ das Sand unter der Enns, heynahe ein 
Wieriel der Motazchie, nie fo viel als fie brauchen, Den meiiten Wei 
erzeugen Ungarn, und Galizien, ben ſchonſten die Länder unter und ob 
Enns; Zecitsa die gesirgigen ungar. Cı In den meiften Prodin ⸗ 





Producte. 808 


zen wird mehr Weizen als Roggen, mehr Hafer ald Gerfte gebaut und 
in der Lombardie fieht man den Roggen fa gar nicht auf den Feldern; 
Mais oder Kukurug bauen alle ſüdlichen Provinzen; in Tyrol ift das 
Türkenmus, in der Combardie die Pollenta und in Siebenbürgen das 
Malai eine gewöhnliche beliebte Speiſe. Buchweizen findet man auf 
den Sundadern von Ungarn, Galizien, Steyermark, Krain und Ty⸗ 
rol haufig; davon der Haidenfterz des Steyrers und Tyrolers. Hirfe 
bauen die Lombdardie, mo befonders die Saggina mit braunen Trauben⸗ 
büfcheln und rothen Kernen gewöhnlich ift; dann Krain, Galizien, Uns 
garn, Slavonien und Groatien; Weis ift ein Hauptproduct der Lom⸗ 
bardie, der braune wird bey Mailand, der weiße um Mantua und 
im Venetianifchen vorgezogen; aud) Dalmatien und Ungarns Torontaler 
Eomitat erzeugen diefe Feldfrucht. Dinkel oder Spelt fiebt man am 
meiiten in der Lombardie und in der mähr. Hanna; Hülfenfrüchte, 
mit Ausnahme der Linfen, in allen Provinzen, als: Erbfen, wovon 
eine gute Art bey Leutſchau wählt, Bohnen, die Lieblingsfpeife ber 
Griechen, in ganz Ungarn im Überfluffe, Lupinen in der Lombardie. 
Feine Küchenerbfen und Veitsbohnen machen einen der Hauptgenüffe in 
der Tombardie aus, wo fie fait das ganze Jahr hindurd frifch verfpeiit 
werden ; Kopfkohl zieht Ungarn in großer Menge; Kartoffeln nehmen 
mit fleigender Progreifion in allen Provinzen, außer der Lombardie zu, 
am meiften in Galizien, in Böhmen und in Schlejien. Die beften 
Zwiebeln werden im Przemysler Kreife gebaut und weit und breit ver: 
führt; Anoblaudh bey Cfaba und Vefceny in Ungarn; Rüben in 
Böhmen, Mähren und den Ländern unter und ob der Enns, eine ſchmack⸗ 
bafte Varietät im Thuroczer Comitate; Nettige in det Lombardie; 
Spargel und Artifhoden um Wien, Prag, auf der Laguneninfel 
San Erasmo und wild in Dalmatien; Gurken und ungeheuer große 
Kürbiffe in Ungarn; ebendafelbit und in der Lombardie Melonen wohl 
12 Pfund ſchwer, Wailermelonen 1 Elle fang und 40 Pfund ſchwer mit 
rofenfarbenem Fleiſche und fhwarzen Kernen im Banate. — Futter 
Eräuter, und darunter vorzüglich Klee, werden am meiften in der Lom⸗ 
bardie, in Steyermark, den Ländern unter und ob der Enns, Böh⸗ 
men und Schleſien cultivirt. In diefen Provinzen baut man auch häufig 
Wien, Mengefutter und Mengeborn, in Ungarn dad Hirfengras. — 
Bon Gewürzpflanzen bat man Pfeffer oder Paprika in Ungarn; Genf, 
vortreffliih in Mähren und in der Lombardie; Fenchel bey Taßwitz 
in Mähren; Anies in der Lombardie, in Ungarn und bey Znaym; 
‚Ingwer im Lande unter der Ennd und Sfavonien, und Trüffeln am 
bäufigften in der Lombardie. — Unter den Handelspflanzen fteht der 
Tabak oben an. Ungarn erzeugt den beften. &Siebenbürgens beilere 
Sorte währt um Udvarhely, Galiziens um Zaprat im Gtanislas 
wower Kreife, auch Slavonien, Groatien, Tyrol, Steyermark und 
die Lombardie haben Tabakbau, aber das Product ut ſchlecht. Hopfen, 
den beften deutfchen, liefert Böhmen, außerdem erzeugen eine für den 
Bedarf binlänglihe Quantität Gtebenbürgen, Mähren und Galizien. 
— FSlachs von vorzügligper Länge und Feine wird bey Crema in ber 
Yombardie gewonnen; dann in Schleſien, Krain, Böhmen, im Lande 


308 Besssken 


ob der Enns, im ſteyeriſchen Mürgthale, in derZips, im Spekferlande, 

im Olmüiger Kreife Te Jasloer, Pryempsler und 

wer Kreife Galiziens. — Hanf von der beiten Qualität baut die 

Hanna und die Lombardie, dann Schleſien, 

Stegermark, Böhmen, Krain und Tyrol. Im füdlicen 1 gerä 

er zwar fehr gut, aber nur kurz, und bar eine zu dunkle Farbe, 

wegen er zit Segeltüchern nicht brauchbar ift, fer, ein 

des Hanfs und der gelben Farbe, woͤchſt in Dalmatien und 

wild; Baumwolle in Dalmatien, cuc hat man damit 1811 ein 

152 im Banate gemadır, (S. den Artikel Banater Baummol 
aiferdofte Eommen auf den Donauinfeln und cuftioirt im Lande ob b 

Enns vor; Zuckerroht waͤchſt in Ungarn dur Ant. Defter 

(es are davon 2 Arten); Zichorien, bauptſachlich bey Wi 

in Böhmen, Mähren und Ungarn; Safran in Nieberöfterreidh, von 

Enns bis nah St. Pölten, befonders am Tulnerfeld, e 

zuge vor allen europaiſchen hat, dann in der Lombardie, auf ben 

matinifchen Infeln rein und Leſino, in Ungarn by Kün i 

und Tapolcfan, in Arain und Siebenbürgen; Gaflor, wild in 

garn, cultivirt in der Combarbie, im Hradiſcher und Preraue 

Mäprend, bey Wien, Melk und Kraismaner in Niederö 

Waid bey Pered im Prefburger Comitate; Wan in Slave 

men, bey Klofterneuburg und Dornbad in Nie 

Anil (eine Art Indigo) in Slavonien und Krain; Bärbetrörhe, m 

Ungarn, cultivirt um Meiffau; Sumach inlingarn und : 

Gelbholz ebenfalls wild in Ungarn; Scharte, wild in llagarn 

‚men, wo fie Mannshöhe erreicht; Kreuzdorn in den Wäldern 1 

Harms; Speik (valeriana celtica) in Stehermark und Kärntben, | 

dieß Alpentraut mit dev Wurzel ausgegraben, und dann zubereitet, 

Nüucperwerk nach ber Levante verfender wird. — Arzneypflan u 

theils wild auf den Gebitgen und Feldern, theils cultivirt ma 

den Gärten Nitderöfterreihd , Steyermarks, Krains und bey 

nenberg in Böhmen. Von Npadarbar befinden fi) mehrere Pflan 

gen in erbſterreich, in Steyermark und Galizien, in letzterer 

ving iſt die wichtigſte bey in Fo w. Vom Enzian deftillirt man in 

mark und Kärntpen einen bekannten Branntwein. Maftix find 

Dalmatien, Manna ebendafeldft und bey Orkuta in Ungarn; 

holz auf der Herrſchaft Niko lsburg in Mihren, aber auch in 

und beifer als das Bamberger in Slevonien ; isländifdes Moos rt 

die Karpathen, und es erreicht wohl Mannspöhe (zuerft in Wi 

Chocolade [f. d.] benugt). — Wein ift die erfie Stapelwaare 

reiche. In der ungariſchen Hegyallja (f. d.) auf den Anhöhen von ® 

Foyanı —5 N einem re von 5." En und! 

merkwürdig ift, unter 48° Breite, wächlt die ebelfte eu je Trau⸗ 

be, ein Wein ganz obne Säure und mit fo vielem ee 

Sorten ſich zur fühenen Eſſenz verkochen, Unter diefen zeichnet ſich 

kay, Tarczalund Maäd dur Süße, Tallya durch Sub 

Zombordurd Staͤrke, Sjegy und Ifanpeny durd Gewürz und 

Tolcfan und Venye durch Fener aus. Nach dem Tokaper folgt im 

















a —— — — 809 


bey Hall in Tyrol und im Berge Sandling in Steyermark, beifen 
- Salz auf der Pfanne zu Auffee und Rainüfch verforten wird. Außer- 
dem ſchwemmi man an abriatifhen Meere vieles Beyfalz ab. — Galı 
peter bat die Monarchie hinreichend, dm meiften im in den 
Biharer und Szathmaͤrer Comitaten bey NagyrKalle, Debre 
ezin und Nyir-Egphäza in Ungarn, in Steyermark und im Salzbur⸗ 
‚ger. Kreife. Alaun findet jih in Ittrien, Böhmen, Ungarn, ’ 
2 unter der, Enns ‚in Mähren, Schleſien, Steyer- 
mark und-Kärntben; Vitriot ihmehreren-Provin, en, als bey Shmöl, 
nis und Neufohlin Ungarn, in Jirien, Böhmen, Siebenbürgen, 
Steyermark, Kärnthen, Krain, Tprol, Salzburg. 
Prokeſch- Oſten, Ant. Ritter v., ift am 10. Dee. 1795 ju 
BARS: in Steyermark geboren. (Sein Vater war von Kaifer $o- 
Mn 1. perfönlich gekannt und gefhäst, und genof als Staatigüter- 
j tor eines: ausgezeichneten Mufes; er zog ſich ſpäterhin auf feine 
haft Grottendorf im — zurück und ſtarb dort am 15, 
ec. 1811.) P. zeigte eine ungewöhnliche-geiftige Entwicklung, ſo daß 
er in feinem 5. Jahre fhon eine Menge gefhichtlicher, naturhiſtoriſcher- 
befonders aber dichterifcher Werkegelefen hatte. Er legte auch in verhält: 
nigmäßig frůhem Alter die öffentlichen Studien mit Einfluß der Rechts: 
wiſſenſchaften in feiner Waterftadt mit Auszeichnung zurück. Der Hang 
zur Dichtkunſt blieb vorwaltend; bis zum Herbſt 1813, wo ihn der all» 
gemeine Enthuſtasmus jur Armee trieb, hatte er hunderte von Porfien, 
‚ein Heldengedicht „bie Matkabaͤer“ und ein. paar Trauerfpiele gefhrie- 
"benz Leiſtungen, vom denen einige ſeiner Jugendfreunde nur ein Stück 
retteten, da ex felbe fpäterhin, mo er fie.habhaft werben fonnte, ver 
tilgte., Gedruckt iſt aus diefer Epoche nichts als ein Gedicht auf Kör 
mer's Tod im Größer Aufmerkfamen. Was ſich aus diefer eriten Yus 
— bat erheben laſſen, beſchraͤnkt ſich darauf, daß P. neben den 
tudien bie Entwicklung des Körpers nicht verabfäumte ; er war ein mun ⸗ 
terer Schwimmer, Schlittſchuhlaͤufer und ‚Reiter; ein warmer Freund 
feiner Freunde. Entſcheidenden Einfluß auf ihn nahm ſeit 1808 der Pros 
fefor Franz Jul. Schnelter (f. d.), damahls felhrt in der Blüthe des 
Lebens und mit feltenen Eigenfchaften des Herzend und Geiſtes, mit aro: 
em Wiſſen und einer belebenden Wärme fir Kunft und Wiſſenſchaft be- 
‚gabt, Er hatte den brepgehnjährigen P- bey Gelegenheit einer Rede, welche 
ieſer bey der akadenufchen Preisvertheilung. hielt, fo lieb gewonnen, 
daß beyde von dieſem Augenblicke an im Herzen nicht mehr getrennt wur⸗ 
‚den. Sr murben fi aud verwandt, denn Schneller beyrathete die 
Stiefmutter feines Lieblings. Im Herbfte 1813 dewarb fih P. um eine 
Föpnrichftelle im Regimente Jordis und machte die ſchweren Kriege 
gegen Napoleon in Deutſchland und Frankreich mit. Er machte dabey 
‚eine kecke Fahrt über den eisbedeckten Rhein und liberfiel, nur von Weni⸗ 
gen begleitet, einen ſechsfach ftörkeren frangöfifhen Poften ; vertheidigte 
in anderes Mahl mit 60 Mann, wovon er bie Hälfte verlor, eine Bruͤcke 
über den. Canal Napoleon gegen mehr als 800 Mann, bis fein Regi⸗ 
ment gefammelt war, undibewies bey jeder Gelegenheit in feinem Eleinen 
reife Much und Einſicht. Derdlmftand, daß mad dem er: ° 





‚310 Proketifd 


ſten Parifer Frieden feine Brigade nah Mainz verlegt wurde, Bir 
San ben uß auszuführen, mit dem er in das alte gene 
ten war, naͤhmlich nad beendigtem Kriege auf die Advocatur ſich zu vers 
legen. Er machte den Feldzug von 1815, erhielt dem ehrenvollen Aufs 
trag. von Paris der Prinzeffinn Serminevon Anhalt-Bernburg- 
Schaumburg, bie mit dem erjog= Palatinus von Ungarn vers 
lobt war, das Brautkleid zu überbringen, und wurde im Bureau bes 
Erʒherzogs Carl, damahligen Militär- und Civifgouverneurs von 
» Mainz, verwendet, bis er im Juny 1816 mit feinem N N) 
Cinz in Garnifon Bam. Der Aufenthalt am Rhein beftä dichtes 
riſche und wiſſenſchaftliche Richtung in ihm. Aus feinen Briefen aus dies 
fer Eroche geht hervor, daß er eine erftaunlihe Menge von Büdern 
mitten im Taumei des Krieges und häufiger militärifcher —— 
‚gen Tas; eine große Vorliebe hatte er für Jean Paul Frie 
rich Richter, und ſchrieb mehrere Erzählungen in deſſen 7 
die er in einem Leſegirkei zu M a inz vorlas; auch Überfeßte er Wal- 
Tenfteims Lager in gereimte engliſche Verſe. In Lin; verweilte er 
nur wenige Monathe. Eine ausführliche Arbeit über Calande’fhe und 
‚andere Formeln aus der höheren Mathematik verfihaffteihm die er 
fur dieſer Wiſſenſchaft in der Cadettenſchule zu Olmüß, ber er 2 
Jahre vorftend, dann aber von dem Feldmarſchall Flirten Carl zu 
SchwarzendbergnahWien berufen und deſſen Perſon zugetheiltwurde, 
In diefer Zeit ſchrieb er viele Auffüge für den Hefperus und andere wiſ⸗ 
fenſchaftliche Journale, insbefondere für die dfterr, militär. Ze 
die Schlachten von Ligny, Quatrebras und Waterloo, 
den Koſaken und deſſen Brauchbarkeit im Felde u. m. a, Xuffäge, welche 
durch Styl und Darftellung ihm viele Freunde und einen Nahmen in der , 
literariſchen Welt machten. Er lebte damahls im Kreife von Künftlern 
und Schriftſtellern und arbeitete an ein paar groͤßeren geſchichtlichen Wer ⸗ 
ten, diein dem £ k. Kriegsarchive niedergelegt wurden. 1820 begleitete 
er ben Feldmarſchall Füriten von Shwargenberg nah Prag und 
Leipzig, umd barıte bis zu deſſen Tode ihm aus, Er legte den 
Zrifut inniger Verehrung für diefen vaterlaͤndiſchen Helden durch die 
Denkwürbigkeiten aus deilen Leben (Wien 18622) an den Tag; ein Werk 
zum Tpeil unter geodetiſchen Arbeiten in ben Karpathen geſchrieben, 8* 
welchen er als Officier des Generalſtabs 1821 verwendet wurde. 
Frübling 1823 ging ser als Hauptmann in, das Infanterie-Megiment 
Prinz Leopold von Sieilien nach Tri e it. 1824 aber trieb ihn ſein Verlan⸗ 
gen nach Griechenland und Aſien Er glühte für Griechenland mit jugend» 
licher Wärme, aber ſchon feine erften Briefe verriethen, wie weit feine Er⸗ 
fahtungen an Ort und Stellevon den Übertreibungen abwichen, an denen 
damahis Europa Frank lag. Während feiner Reife nah Conftantinoe 
pel befuchte er das Feld vontroja. 1824 auf einem englifhen Schiffe 
nah Smprna zuruckkehrend, gerieth er in große Gefahr, indem das 
Schiff das Feuer der Darbanellenfchlöffer auf ſich zog und dann durch 
mehrtägigen Sturm an der Klite von Metbymme bart mitgenems 
men wurde. Dennoch beſuchte er im Deceinber das Feld von Troja 
mieber, ging im Jänner 1825 nah Kreta, bereifte dieſe herrliche, 


I. 


Protefd. _ 311 


damahls eben aus der ſchrecklichſten Verheerung hervorgegangene In⸗ 
ſel, und ſtieg in das Labyrinth nieder; dann ging er nach Sira und 
den andern Cykladen, wurde durch Sturm von Path mos nah Paros 
verſchlagen, beſuchte die berühmten Marmorgruben, fiel auf Antiparos 
in die Hände der Seeräuber, aus denen er ſich glücklich fodwand und 
in ihrer Gefellfchaft fogar in die Tropfſteinhöhlen fich binunterließ, 
welche fhon die Alten viel befprochen haben. Ende Februar überfiel ihn 
abermahls ein Sturm in den Gewäflern von Ifpaan, der ihn an den 
Rand des Unterganges brachte. Darauf befuchte er Epheſus und die 
joniſche Küfte, ging im April nad ber Morea und Über den Iſthmus 
uach Athen, beſuchte Agina, Hydra und einige andere Inſeln, im 
Juny die wefllihe Hälfte von Kreta, bie Weftküfte von Morea, Zante,. 
im July abermahlg einige CyEladen und Scio, wurde von bort krank 
nah Athen gebracht, wo er ein paar Monathe verweilte, dann aber 
nah Sicyon und Arkadien ging und einen Theil des Herbſtes in 
Nauplia zubrachte. Erwar mit Koletti, Maurofordato, Tri- 
Eupi und mit andern Häuptern bed Landes in naher Berührung, und 
nahm thätigen Theil für die Parthie deg Regierung und Ordnung. ImSpät⸗ 
berbfte ging er nach Lesbos, um fi vom Fieber zu befreyen, durchritt 
Lydien, Phrygien, Myſien und Bithynien, brachte das Frühjahr 1826 
wieder in Conftantinopel zu, machte Ausflüge ind ſchwarze Meer, 
befuhr die Silbergruben in Ida, durchwanderte das ganze Gebirge dies 
fe Nahmens, Pergamus und die Infel Lesbos in ihrer ganzen Ausdehe 
nung. Im September 1826 ging er nad Agypten und Nubien, kam 
biS’an die großen Katarakten und fchiffte diejenigen von Syene herab. 
Im Mär; 1827 war er wiederin Kairo, wo ihn Mehmed Ali mit 
vieler Auszeichnung behandelte. Dort traf ihn feine Ernennung zum Chef 
des Generalſtabs der E E. Escadre. Er ging alfo in diefer Eigenfchaft 
und ald Marine» Mojornah Rhodus und Kos, ließ fih zu Halis 
farnaffos ausfegen und ritt zu Lande nah Smyrna zurüd. Er 
führte nun die politifchen Geſchäfte der Escadre, die eine große Ihätig- 
Beit gegen den Seeraub entwidelte, bewirkte im Frühjahre 1828 die 
Auswechslung griechifcher und ägyptiſcher Gefangener, wofür ‚Graf 
Eapobdiftera ſowohl ald Ibrahim Paſcha ihm durch in den öffents 
lihen Blättern bekannt gewordene Schreiben dankten. Sm April 1829 
wurde er für verloren. gehalten, da fein Fahrzeug durch einen gewalti⸗ 
gen Duragan in der. Nähe von Scio umgeworfen und beſchädigt wurde, 
er rettete fih aber nah Cap Sigri auf Lesbos, ging dann nad Jean 
d'Acre, wo er die Freyzügigkeit der Chriften unterbandelte und bie. 
öfterr. Fahne im Eonfulate diefer Stadt, wo fie zuerft gegründet worden 
war, gegen die Anmaßungen des Abdallah Paſcha wieder aufpflan- 
zen machte, bereiite das heilige Land und Cypern, bann den oberen 
Theil von Syrien und Haled. Bon ſeiner Regierung zum Refidenten in 
Griechenland beftimmt, Eehrte er 1830 nad fiebenjähriger Abweſenheit 
nah Wien zurüd. P. haste fi) in der Levante durch feine vielen Bes 
kanntſchaften und durch feine Gefhuftsführung einen rühmlichen Nahen 
erworben. Er machte in der gefährlichiten Zeit, wo ber. Seeraub eine 
ungeheure Ausdehnung und einen graufamen (Chavakter .igenoweses. 


g12 prorefd. 


hatte, ſich durch ungewöhnlich gewagte Fahrten bekannt, indem er 
meb: Strecken von 100 und mehr Meilen in offenen Booten 
rücklegte. Viele Familien in S myrna, Syrien, Candia ı 
Griechenland danken ihm ihre oder der Ihrigen Frepheit. Zur B 
feiner Verdienfte gab ihm Kaifer Franz nad) feiner Zurlickkund 
Prädicat: Ritter von Often. Er publicirte:, Erinnerungen aus Ägypten 
und Kleinafien, 3. Bde, Wien 183, — Meife ins: heilige Land, eb. 
1831. — Das Sand zwiſchen den Katarakten des Nil, eb. 1832; welcher 
Srift er eine von ihm ſelbſt aufgenommene, fehr betaillirte Eharte 
beygab, die bey weitem das vollftändigite it, was diefes Land irgen 
wo erſchien. Dieveuropdii Annalen von 1831 enthalten einen 
faß über. Kreta von ihm; die Wiener Jahrbücher von 1832—34 meh 
rer Auffäge, dieWiener Zeirfehrift für Kunſt, Literatur 2c. von 1831I— 
33, endlich viele Briefe. Er ſprach fi) in einem Auffage über die Neforz 
‚men im türkifhen Reiche in den Wiener Jahrbüchern 1832 undin einem 
gegen@amartine inderallgemeineneBitung (Jänner 1834) heftig gegen 
das Neuerungsfoftem des Sultans aus , fo wie gegen das Bejtreben 
europaiſche Eivilifation und europäifche Verfaffungs: und Verwaltungs ⸗ 
formen auf mohamedanifche Völker zu verpflangen. Im Juny 1830 Fam 
P. in feiner Vaterftadt in Berührung mit dem Herzog von Reich ſta dit. 
Es entfpann fi ein Verhäftniß zwifhen beyden, das in dem Werke bes 
Grafen Montbel: Le Duc de Reichstadt, Paris 1833, einen vors 
züglihen Platz einnimmt. Nach des Herzogs Tode publicirte P. bey 
Herdet in Freyburg 1833 ein Schreiben über den Herzog von 


NReihftadt, worin er mit wenigen aber Elaren Zügen ein edles Bild dies 
es Prinzen hinwarf und die albernen Lügen u Boden ſchlug, welche 
über die Art feiner Erziehung von dem Parteygeifte waren ausgebreitet 
worden. Ein Verhältniß, das nicht sh übergeben, ift auch dasjenige zu 


Fried rich v. Gens (f. d.), weldes einen hohen Grad von Innige 
keit hatte. Es war durch einige Jahre nur ein briefliches, feit 1830 aber 
war es ein täglicher, und Austaufe) von Gedanken und: Erfabs 
rungen. 1831'wirde rung der divlomarifchen Correſpondenz 
nad Bologna und I päften der E.&. Befagungstruppen der 
Legation nah Rom gefendet. diefer Epoche find bie. insder Wiener 
Zeitſchrift von 1833 erſchienenen Briefe aus Italienz ein Schreiben über 
die Malerey der Alten, im 12: Hefte der fteyermärkifchen Zeitſchrift, 
und einige Fragmente im Echo, Jänner 1834. Im Bebruar 1833 er- 
bielt er eine Sendung an Mehmed Alt und half zu Alerandria 
den Frieden mit dem Sultan vermitteln. Zurlichgefommen im September 
desfelben Jahres, wurde er nah Müncengräs berufen, mo die Zus 
ſammenkunft der Monarchen Statt fand, am 29, July 1834 aber zum. 
bevollmächtigten Minifter in Griechenland ernannt, wohin er wenige 
Wochen darauf abging. 1835 erhielt P. die Beförderung als Oberſt im 
Infanterie» Regimente Priny HohenlohesCLangenburg, in wels 
hem er Oberftlieutenant war, und im nähmlicen Jahre das Commanz 
deurkreuz des Eönigl. griech. Ordens vom Erlöſer. — P. iſt auch Ritter des 
Öfterr. Eaiferl, Leopold » Ordens, des ruf. Eaiferl. St. Annen ⸗ Ordens 2. 
Elaffe (in Brillanten) , des paͤpſtl. Ordens des heil, Gregor des Großen 








J ade 18 


"Sarbeliten in Athen, — — — rt November 1835) 
geiler, Meile in a6 Beäfd en) 
robfdhs of Dinar einer Dufkietanfe vita neh Logis 


‚Methode in, geboren zu R berg den. 5. 
Pr Sabre Wine, * * et 
len. Im 8. Jahre .erblindete — rechten und nach 


ſpiet 
— im 13. Jahr linken Auge — 108° 
ve am. 7 wog‘ LH 


—— aufgenommen wurde. Hier 


— ji C. M. v. 


1 eigen zu machen, Be 

Er ih damahis, 1825, in Berlin = und Dergehhtsife, 
unbemittelte P. veifte ganz allein — bloß der Ruf „ein Blinder iſt 
da“ war fein Begleiter und Helfer auf der weiten Reife und in. der 


Zeit, 

a en eine ſolche arm N fand bald je 

regſte Theilnahme. 1831 üderfiedelte er noch Böhmens — 

Hauptftadt und feine Anftalr, die einzige der Art in ganz Ofterreich, 

befuchen jegt gegen BO Kinder deyderley Geſchlechts, die im. Pianoforte- 
in Verbindung mit der Harmonie unterrichtet werden. Die — 

öffentlichen Prüfungen der Heinen Zöglinge erwerben —2 — 

fall und die Anerkennung aller Sachtenner, und P. eilert) as 

die Methode feines Meifterd, Unter feinen ——— Werken finden 

ich 2 große Meſſen, l Cantate, 1 Concert für Clarinette, eine -Oper: 

Der — u. m. a. —— 


onay von Toth⸗ Prona, Gabriel Freyh. 

——— des — —— 

— und Generals Infpector der enangel.,. Schulen in. AUngarn ain ge · 
lebrter, hochſt gebildeter und vielfach, —— Mann, 


1748: zu Arfa im Peſther Eomitat, Seinen erſten ai 4 
BEER —— Haufe, dann kam er Gym · 





—— Preoburg, wo er 








31 pero nd 


"unter deihiberbienftvollen Rector Benczur feine Studien vollendete. 
"1766 bereifte P. Oberitäfien und nahm nad) feiner Rückkehr, mit vielen 
Kenntniffen und Erfahrungen bereichert, im der kaiſerl. Armee Kriegs 
dienſte, die er jedoch, da ſich in den damahligen Friedens jahren 
Gelegenheit zum Auszeichnen both, bald wieder aufgab und ſich in 
Bolge den und Wiſſenſchaften widmete, Die 'evangel. Gemein, 
den A. €, im Peſther Eomitate wählten ipn darauf, feinen Einſichten 
vertrauend, zu ihrem ©eniorial» Infvector, welches Amt P. mit Tree 
"und Gewiffenhaftigkeit, fo wie zum weſentlichen Nuten der Gemeinden, 
die unter feiner Aufficht ftanden, verwaltete, "Er ftudirte im Zufammehe 
hange eben damit, auf das eifrigite bie tbeologifhen Wiffenfhaften, über, 
welche er fich in gelehrte mündliche wie ſchriftiiche Erörterungen einließ 
und ſelbſt ein öffentliches Auftreten darin nicht ſcheuen durfte. Mebftbep 
befehäftigte er ſich auch noch vorzüglich mit dem Studium der 
wiſfenſchaften, der Naturgeſchichte, Okonomie, Landbaukunſt und 
tanik, in welchen Fächern er ſich durchaus gediegene Kenntniſſe 
nete; auch fand er mit vielen großen Ofonomen und Artiften 
Tands, j. B. mit Nicolai, Riem u. A., in freundſchaftlichen Wer- 
hältniffen und war thätiges Mitglied der Leipziger öfonom, Geſellſchoft. 
Kaiſer Jofepb II., welcher Pf's Verdienfte und Leiftungen nad Wür- 
den fhäßte , erhob ihn 1782 zugleich mit feinem älteren Bruder, Las 
disfaus P., einem ausgezeichneten ungar. ©taatsmanne, ſammt der 
ehelichen Descendenz, in den Freyherrenſtand, wobey fid der damahls 
ſchon 400jährige Adel der Impetranten urkundlich kund gab; berfelbe 
freng prüfende Monarch ernannte ipn 1785 zum Oberftubientirector des 
Prefburger Literarbezirks, 1787 zum Titular- Obergefpan des Barfer, 
gleichwie foäter zu jenem des Gömdrer Comitats; in derfelben Zeit ſollte 
ihm auch die Locumtenential » Räthsitelle ben der oderiten Landesbehörde 
zu Theil werden, welche Würde jedoch P. aus Rückſichten, die ihn feine 
Stellung zu beachten hieß, ablehnte. Nach der Wiederheritellung des 
Status quo ber ungar. Conſtitution 1790 wurde P. jedoch auf bie ehren» 
vollfte Weife feines Stubiendirectorates wieder enthoben, der Hof gab 
ihm feine Zufriedenheit über feine rühmlich verwaltete Amtsführung zu 
erfennen und verficerte ihn der ferneren Bedachtnahme bey Mertheilung 
dev höheren Staatsämter.  &o wurde P. auch durch den damahligen 
KRaifer und König FeopoLdIL. zum wirklichen Obergefpan des ihm 
ſchon früher dem Titel nach verliehenen Gömdrer Comitats ernannt; 
fpäter der Candidatur zur Reichskronhütherſlelle gewürdigt und 1808 
zum geh. Nach erhoben. Seine Glaubensgenoſſen übertrugen ihm im 
einem zu Peſt b gehaltenen General-Convente des Jahres 1810 
die General Infpectorftelle der evangel. Schulen in Ungarn. Seit lan⸗ 
‚gerer Zeit brachte P. feine Muße, bey Übrigens eifriger, ſelbſt mit Auf⸗ 
opferungen verbundener Führung des ihm zugeiviefenen Staatsdienſtes, 
in fliller Ruhe und Aurückgejogenheit auf feinem Landgute Atfa 
wo *. bey feinem feinen regen Sinn für fhöne Gartenkunſt, die 
und Ortlichkeit der ſchon vorhandenen tomantifchen Gegend wohl berückſich⸗ 
tigend, ganz im Geiftederfeiben mannigfache Verfhönerungen anbrachte; 
gleicpiie Pı in Allem Geift und Seele dervorhob / fo waren es auch hier 





PILLE raecp· rin“ y. 1 215 
mit Forſcerblick und edler Phantaſie gedachte idealiſche Weifen, 
gleich⸗ 
ſam zu Hülfe kam, die erſchein enden Mängel und Lücken ergänzte, den 
natürlichen Zufammenhang durch gut geivählte Übergänge herftellte und 
bey Vermeidung alles äußern Prunkes oder der — — 
nicht ungewöhnlichen Coquetterie, nur ein harmoniſches Ganzes, ein 
Bud in allen feinen Theilen wohl berechnet und zuſammenhaͤngend her« 
zuſtellen ſtrebte, uud nur allein im Bunde mit der Natur ihr Vered⸗ 
iungswerk vollbrachte; exotiſche Hoͤlzer, worunter beſonders ein paar 

„in feiner Zeitfeltene Salisburica (Guingho biloba) wurden durch 
verſchtieben und mit großem Vorbedacht an die angemeſſenſten Stel 
"Ten gepflanzt, um and) botanifdpes Intereffe in die Gartenanlagen hin ⸗ 

1. Dem englifcpen Elegiendihter Eduard Young wurde 
in einer edel und einfah angelegten Kirchenruine, umgeben von einem 
ſchwermüthigen Fichtenhain , ein finniges Denkmal geſtellt. — Der 
Do cht wandte P. eine befondere Neigung und Aufmerkfamkeit 

„ und beteicherte feine und der Umgegend Gärten mit den ebelften 
——— welche ibm durch den Verkehr mit den vorzüglichſten deut · 
ſchen Pomologen zu Theil geworben waren. Ebenſo ließ er auch Weinreben 
"aus en’ Gegenden kommen, die er hier anpflanjte und damit den 
einheimiſchen Weinbau verbeiferte. Mit demfelben Eifer war P. auch 
auf Werbeferung der Landwirthſchaft bedacht, Feine einzige Erfindung 
der Ökonomie entging feinen Blicen , vorzüglich richtete er feine Auf⸗ 
merkfamkeit auf die Candwirthfhaftsfunde der Engländer, mit deren 
neuen, oͤlonomiſch⸗ techniſchen Erfindungen er fid auf das genaueſte bes 
kannt machte und manche zweckmaäßige derfelben auf dem zu feinem Aufe 
enthalt gewählten Gute in Anwendung brachte, wie er denn überhaupt 
ein leidenſchaftlicher Werehrer englifher Kunft und Wiſſenſchaft war. 
Auch beſaß P. nebſt einem Vorrath wohl dirigirten, logiſch verarbeiteten 
Wiens, ſchätzbare und fehr richtige Sprackenntniffe; aufer Deutſch, 
Ungarifh, Slowatiſch, Lateiniſch/ in welchen Sprachen er es zum Puris- 
mus bradte, verftand er auch Franzöſiſch, Englifh und Italienifch aus 
dem Grunde. Die hervorftechendften Züge feines durchaus vorrrefflichen 
Charakters aber waren: Unbeſchränkte Wißdegierde, unermüdete Thä— 
tigkeit und: raftlofes, mit dem Scharffinne feines tiefen Forſchergeiſtes 
genau verbundenes Bemühen nad) immer höherer Vollkommenheit, — 
als Menſch zeichneten ihn Güte und Humanität gegen Jedermiann, Ach⸗ 
tung und Hochſchoͤzung des Verdienſtes, Muth und Entſchloſſenheit, 
Verachtung gegen alles fade und gekünftelte Wefen, — als Staats- 
beamten: Unparteylickeit, Gewilfenhaftigkeit, ſtrenger Pflichteifer, Ernit 
und Würde in feinem Benehmen, aus. Er ftarb ‘auf feinem Gute 
Atſa den 29. ‚Sept. 1811; die Achtung aller Redlichgeſinnten folgte 
ihm ins Grab. Übrigens hinterließ P. ungeachtet feiner grofien fiterarie 
ſchen Kenntniſſe und Bildung, aufer feinen aͤmtlichen Ausatbeitingen 
Eein einziges gedrucktes Werk. Wohl aber brachte er in feinen Mufeftunz 
den man — — zu ren und — in a 
ſchriftlichen Nachlaſſe wohl Manches finden, was der Veröoͤffentli— 
würdig wäre, Die von ihm angelegte Bibliothek war —— — 


Sie Profecco. — Provinzial: Congregation. 
aſſend ee 7755 Si 


ee der gelebrteften —e— 
„Eenner. "Pe Entpuflasmus und. vollen ‚2 
‚ Vpranit im höheren, edleren Sin 


" Zalente, fein. pecuniäres Opfer fd 

nibatig iin Bit ar een ven Se 
Entſchiedene Vervienite har deufelde um die, 

Manymekasfelung. — Ge b/ deren Leitung er 


zogen. —— * — 
Profecco, Darf ü im. üge. Küftentande, „im, ee 
— mit 550 Einwohnern, die den ea 
den Alten ne Pliniwsnennt es ‚Pu 
vi Oo iktanon. Civin, Auguf's Oemaplinn, fol. 
Weine ihr hohes Alter zu verdanken gehabt haben. D> 
- ‚ Proßntg (Proftnig), mähr. Stadt im. — 
wohlgebauter, nahrhafter Ort im Hannakenlande, an der. 
Olmäg nad Brünn, hat 810 Häufer, 7,000 Einwohner — 
ter 1,500 Juden), eine Tuch- und Cafimirfabrik, bey 40 
wein und Nojogliobrennereyen , viele Leinweber sc. Die 
Brüder befigen bier ein Klofter und ein Spital. Die 
vorzüglihen Spargelbau und-Gänfezueht, Miet find bie 
märkte Maͤhrens. 
roteftanten, ſ. —— 24 * 
rotomedicus iſt in Oſterreich der Titel j jener mit der £ 
aufſicht Über das Medicinalweſen in jeder Provinz beauftragten 
welche zugleich Rathe und Referenten ep den Gubernien und. 
gierungen find. Der jeweilige Direktor der. medicin. Studien an 
Wiener Univerfitär (gegenwärtig Andreas Beh; v Stifft) ikze 
‚gleich P. aller k. k. Erbſtaaten. —V 
Provinzen (Provincie), im ee enetian, 
fo viel wie Kreife. In jeder diefer P. befindet. ſich eine. —— 
iegarion und Provinzial» Congregalion. Die P. in 'ombarbie find 
folgende: Bergamo, Brescia, Como, —— Lodi und 
Crema, Mailand, Mantua, Pavia, Sondrio im 
tionifhen: Belluno, Friaul, Padua,-Rovigo, 
Venedig, Verona, Vicenza. AR 2a 
Provinzial Congregation, iſt für jede Provinz des lom 
venetian. Königreiches Aufammengefest und batden Sitz in —— 
Made derfelden. Sie de deht aus einem Prafidenten, 2—4 Depntirien 
aus der Claſſe der adeligen Beſitzet eben.fo vielen aus der — 
nicht adeligen Beſitzer und aus einem Deputirten der, betreffenden 
sial-Hauptfiadt ; endlich aus einem Referenten. In der Provinz —* 
na ſendet auch die fönigl. Stadt Eafal-Maggiore; in der Bares 
Yodiund Erema die königl, Stadt Crema;- in, ber. Provinz Wi 
cenza die konigl. Stadt — nebſt ber, ———— 
einen Deputirten zut Ps C. — Die Deyutirten zu den Pr+C, 
ihäftigen ſich mis den anal ber Provinz, der. ölonom., ae 

















Puchsé — Dukli. Ä 321 


Sedlaczek, Pitfen 1824. — An Überfegungen: in bie böhm. SEpra⸗ 
he lieferte P.: Montesquieu’s temple de Gnide, Prag. 1804, dann 
Graf Caſp. Sternbergs Abhandlung über Pflanzentunde in Böhmen, 


ed. 1818. Im Manuſcript hinterließ P. die Vergleichung der. böhm. mis ' 


der pelnifhen Sprade, dann: Neue Gedichte. 


Pucho (Puchow), ungar. Markiflecken im Trencſiner Cömitas 


an der Waag, auf welcher wegen verborgener Klippen die: Schifffahrt 
etwos gefährlich iſt. Der Ort iſt wegen feiner Tuchfabrikation berühmt 
und bar 3,000 Einwohner, eine kathol. Kirche und eine Spnogvge. 
Dudlein, einer von den 16 Zipfer Kronfleden im Zipfer Comi⸗ 
sat Ungarns, am Bluffe Poprad, hat Mauern und Wille, 2,150 
Einwohner, ein Schloß, eine Kirche,ein Piariften-Coflegium'mit Gym⸗ 
naſium, eine Hauptſchule und einen Geſundbrunnen. Die Einwohner find 
Deutfhe und Polen, welche Hanfbau und leinöhlbereitung sreiken. Vor 
der Stadt ift die Wallfahrtscapelle St. Anna. | 2 
“ Duell, Philipp Nerius, wurde zu Bottzzen den 26. May 
1728 geboren, fludirte zu Innsbruck mir vorzüglihem Fortgange, 
und trat nach Vollendung des philofophifchen Curſes 1746 zu Neuſtift 
in den Orden der gegulixten Chorherrn des heil. Auguftin. Er hörte 
da die Theologie, .warb 1751 Priefter, und war dann dureh einige Jahre 
Cooperator in den beyden Pfarren feines Stiftes, zu Kiens und 
Pfalzen mitguter Berwendung. Später wurden ihm im Stiftenah und 
nach die Amter des. Bibliochefard , des Meovizenmeilters und des Capitel⸗ 
fecresärd Übertragen; nad einiger Zeit aber wurde er neuerlich zur 
Seelſorge auf dem Lande verwenden, ald Curat zu Wälfchnofen 
und zu Ober: Mühlenbach, und ald Pfarrer zu Kiens, zu Aßling 
and zu Nas. Gleich Joſ. Reſch(ſ. d.) bas.auh P. ſich die Geſchichte 
feines DVaterlandes zur Nebenbeſchäftigung durch fein ganzes Leben 
gemadt. Er benützte vor Allem das reichhaltige Archiv feines Stiftes, und 
alle die Mistheilungen, die er von Reſſcch und andern Brirner Geſchichts⸗ 
forfchern aus den dortigen Archiven und aus den gemachten Sammlungen 
erhielt , fpürte auch überall, wohin er kam, alten Urkunden nad, 
wovon er eine außerordentlihe Menge theils in vollftändigen Abfchriften, 
sbeild in Auszügen fammelte , und war zugleich unermüdet im Lefen 
und Erserpiren gleichgeitiger und anderer bemährter Schriftfteller und 
Werke, worin er Ausbeute für feine Zwecke finden konnte. eine lites 
rarifhen Bemühungen waren anfangs ganz der Sefchichte feines Stiftes 
‚gewidmet, als deilen Urheber er mir Recht den. Bifhof Hartmann 
von Briren anſah. P. unternahm es, eine umftändlihe Geſchichte 
dieſes Bifchofs zu fehreiden. Diefe 1765 vollendete Arbeit, deren Hand» 
ſchrift vermurhlih im Klofter Neufti.ft verwahrt wird, gedachte er 
in der Folge, nachdem er fit nach und nad) noch verbeffert haben würde, 
durch den Druck bekannt zu maden, was aber nicht gefcheben iſt. Nur 
machte er, als der Fürſtbiſchoff Leo pold Maria Grafv. Spaur 
1768 das Jubiläum feines 5Ojährigen Priefterthums feyerte, einen Aus: 
zug davon in deutſcher Sprache befannt, mit dem Titel: Lebenswandel 
des .feligen Hartmann, dofs zu Briren und Tyrol. Aus ver 
ſchiedenen alten Urkunden, be hrten Schriftftellern und Nacricdten x. 
Oeſterr. Nat. Encyoll. Bd. IV. W 


[2 


32 Puganz. — putina. 


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23,25, — oblenf. Kalterde 1,75. — 100 Kubibjofle diefes Wajfers 
enthalten 6,939 Kubikzolle freye Kohlenfäure. Aus diefen, bey 





innigen göfun 


Bert 


Pürfhis. — Pulgram. 


en ae nr Ben Ani, 


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